{"id":112,"date":"2015-09-03T13:41:16","date_gmt":"2015-09-03T11:41:16","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=112"},"modified":"2016-01-09T14:23:23","modified_gmt":"2016-01-09T12:23:23","slug":"vi-der-gleichschaltung-zweiter-schritt","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=112","title":{"rendered":"VI. Der &#8222;Gleichschaltung&#8220; zweiter Schritt"},"content":{"rendered":"<h3>VI. Der &#8222;Gleichschaltung&#8220; zweiter Schritt<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">1. Einleitung<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">2. Vorgeschichte zur Exportf\u00f6rderungsaktion: Die Wirtschaftssituation im Deutschen Reich<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading3\" target=\"_self\">3. Die Buchexportf\u00f6rderung und \u00d6sterreich: Der \u00f6sterreichische Standpunkt und die Verhandlungen<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading4\" target=\"_self\">4. Das reichsdeutsche Buchdumping<\/a>\n<ul>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading5\" target=\"_self\">a) Die Begr\u00fcndung<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading6\" target=\"_self\">b) Die Preissenkung<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading7\" target=\"_self\">c) Das Ausgleichsverfahren im Detail<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading8\" target=\"_self\">d) Reaktion und Kritik in \u00d6sterreich<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading9\" target=\"_self\">e) B\u00fccherdumping und B\u00fccherwucher?<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading10\" target=\"_self\">f) Die Lagerverg\u00fctung<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading11\" target=\"_self\">g) Exkurs: Die Schweizer Abwehr<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading12\" target=\"_self\">h) Interessensgegens\u00e4tze zwischen Verlag und Sortiment<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading13\" target=\"_self\">i) Papierpreiserh\u00f6hung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><a href=\"#anm1\">Anmerkungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#erg1\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> 1. Einleitung<\/h3>\n<p>Nach den politischen Umw\u00e4lzungen in Deutschland im Jahre 1933 war in einem bis dahin schwer vorstellbaren Ausma\u00df das Zeitalter der politisierten Kunst und Literatur angebrochen. Deutsche Literatur wurde in politische Ziele eingebunden, wurde Werbetr\u00e4ger f\u00fcr die neue deutsche Weltanschauung. Dies hatte nat\u00fcrlich Auswirkungen auf den gesamten Buchhandel. \u00d6sterreich blieb da nicht verschont, aber eines blieb im wesentlichen unver\u00e4ndert, n\u00e4mlich die Marktverh\u00e4ltnisse und Abh\u00e4ngigkeiten.<\/p>\n<p>So ergibt sich &#8211; knapp gefa\u00dft &#8211; die folgende Ausgangssituation Mitte der 30er Jahre f\u00fcr \u00f6sterreichische Schriftsteller, den \u00f6sterreichischen Buchhandel und das \u00f6sterreichische Verlagswesen, wobei ideologische Fragen einstweilen au\u00dfer acht gelassen werden. Der Machtwechsel in Deutschland \u00e4nderte nichts an der Tatsache, da\u00df nach verschiedenen Sch\u00e4tzungen etwa 90% der erfolgreichen, bekannten \u00f6sterreichischen Autoren zu dieser Zeit aus welchen Gr\u00fcnden auch immer ihre Werke in reichsdeutschen Verlagen ver\u00f6ffentlichten und da\u00df Deutschland nach wie vor das Hauptabsatzgebiet war und blieb. Selbstverst\u00e4ndlich hatten sie als \u00d6sterreicher Interesse daran, da\u00df der heimische Markt mit ihren Werken beliefert werde. Aus ihrer Sicht mu\u00dften sie jede wirtschaftliche oder handelspolitische Ma\u00dfnahme ablehnen, die darauf hinauslief, die Verbreitung ihrer Werke in \u00d6sterreich zu erschweren oder diese Werke teurer zu machen. Genauso auf Deutschland ausgerichtet war der \u00f6sterreichische Buchhandel, und dessen Interesse war es, B\u00fccher zu verkaufen, egal, in welchem Land sie erschienen. Das hei\u00dft aber keineswegs, da\u00df manche H\u00e4ndler kein patriotisches Gewissen gehabt h\u00e4tten. Aus einer Reihe von Gr\u00fcnden, darunter hohe Arbeitslosenraten, gegenseitige Devisenbeschr\u00e4nkungen und nicht zuletzt die nationalsozialistische Ideologie und deren Ablehnung durch einen Teil des Publikums im Auslandsbuchhandel wie auch im Inland, war die deutsche Buchproduktion 1933\/34, wie bereits erw\u00e4hnt, auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt, so da\u00df auch der deutsche und \u00f6sterreichische Buchhandel stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der \u00f6sterreichische Buchhandel befand sich im Zustand der Stagnation. In den ersten acht Monaten des Jahres 1934 betrug die \u00f6sterreichische Gesamteinfuhr an B\u00fcchern etwas \u00fcber f\u00fcnf Millionen Schilling, von denen mehr als vier Millionen f\u00fcr reichsdeutsche B\u00fccher ausgegeben wurden. In der gleichen Zeit des Vorjahres waren es acht Millionen gewesen. Der Buchhandel mu\u00dfte also, rein kommerziell betrachtet, Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung des Absatzes begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Genauso \u201everst\u00e4ndlich\u201c war der Standpunkt des \u00f6sterreichischen Verlages: Sein Hauptabsatzgebiet war eben Deutschland, wohin durchschnittlich 70-75% der heimischen Buchproduktion exportiert wurden. Auf konkrete Zahlen kommen wir noch zu sprechen. W\u00e4hrend die Errichtung von Standeskammern, wie z.B. der Reichsschrifttumskammer (RSK), \u00f6sterreichische Autoren zu einem formalen oder stillschweigenden Bekenntnis zu den Zielen der NS-Literaturpolitik (wenn sie ihre B\u00fccher auch gedruckt haben wollten) oder zu einem Ausweichen auf die sog. Emigrantenverlage zwang, veranla\u00dften die neuen politischen Gegebenheiten in Deutschland auch die \u00f6sterreichischen belletristischen Verlage zu einer Produktionsumstellung. Mit Werken und Autoren, die im Deutschen Reich indiziert waren, konnte man klarerweise kein Gesch\u00e4ft machen. Die Verleger <span style=\"mso-char-type: symbol;\"><span style=\"mso-char-type: symbol;\">\u2013<\/span><\/span> auf zwei wird an anderer Stelle dieser Arbeit n\u00e4her eingegangen <span style=\"mso-char-type: symbol;\"><span style=\"mso-char-type: symbol;\">\u2013<\/span><\/span> mu\u00dften ihre Verlagsprogramme dementsprechend \u201evorsichtig\u201c oder \u201eopportunistisch\u201c zusammenstellen, um \u00fcberhaupt auf dem reichsdeutschen Markt pr\u00e4sent zu bleiben, d.h. verkaufen zu d\u00fcrfen. Sie mu\u00dften zwischen \u201eAriern\u201c und \u201eNicht-Ariern\u201c, zwischen genehmen und nichtgenehmen Autoren trennen, Autoren entweder v\u00f6llig fallen lassen oder versuchen, sie anderw\u00e4rtig, evtl. mit Tarnnamen, unterzubringen. Wirtschaftlich gesehen kam hinzu, da\u00df bis zum Herbst 1935 \u00f6sterreichische Verlagswerke im Inland in der Regel billiger waren als die der reichsdeutschen Konkurrenz. Das \u00e4nderte sich aber, als die \u00f6sterreichische Papierindustrie sich zu einem Papierkartell zusammenschlo\u00df und die Preise f\u00fcr manche Papiersorten bis zu 70 % erh\u00f6hte. Angesichts der prek\u00e4ren Situation des \u00f6sterreichischen Verlags mu\u00dfte jede \u00c4nderung der Marktverh\u00e4ltnisse, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, zu einer Ersch\u00fctterung seiner Existenz f\u00fchren. Denn hinter den Verlagen standen mehrere Industriezweige von Buchdruckern bis zu Buchbindern. Der vierte im Bund neben Autoren, Sortiment und Verlag war die \u00d6sterreichische Bundesregierung mit ihren handelspolitischen Sachzw\u00e4ngen und kulturpolitischen Hoffnungen auf das christlich-deutsche \u00d6sterreich. Ihr verst\u00e4ndliches Desinteresse an der Verbreitung von reichsdeutschen Propagandaerzeugnissen in \u00d6sterreich manifestierte sich in der Erlassung von Verboten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus konnte es ihr klarerweise nicht gleichg\u00fcltig sein, da\u00df es durch ein Diktat des reichsdeutschen Propagandaministers sozusagen zu einer Schwemme von verbilligten reichsdeutschen B\u00fcchern auf dem \u00f6sterreichischen Markt kam, die den \u00f6sterreichischen Verlag schwer sch\u00e4digen mu\u00dfte. Was nun zwischen dem stagnierenden Absatz reichsdeutscher B\u00fccher und dem gesetzlichen Schritt der \u00f6sterreichischen Regierung in Richtung Schutz und F\u00f6rderung des heimischen Verlags geschah, soll im folgenden erl\u00e4utert werden.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man sagen, da\u00df trotz der politischen Umw\u00e4lzungen, trotz der \u201eS\u00e4uberung\u201c der deutschen Literatur von \u201esch\u00e4dlichem und unerw\u00fcnschtem Schrifttums\u201c und trotz der beginnenden Ausschaltung der Juden aus dem Buch- und Verlagswesen die Strukturen nach 1933 aus \u00f6sterreichischer Sicht mehr oder weniger gleich blieben. Autoren, Verleger und Sortimenter, die an sich aufeinander angewiesen waren, waren vom deutschen Markt nach wie vor stark abh\u00e4ngig und ungesch\u00fctzt den deutschen literaturpolitischen, handelspolitischen und wirtschaftspolitischen Ma\u00dfnahmen ausgesetzt. An dieser Situation \u00e4nderte sich bis M\u00e4rz 1938 auch nichts.<\/p>\n<p>Der erste Schritt in Richtung \u201eGleichschaltung\u201c war 1933 erfolgt. Viel schwerwiegender f\u00fcr \u00d6sterreich vor allem im kulturpolitischen Sinne war der \u201eGleichschaltung\u201c zweiter Schritt, der im Jahre 1935 einsetzte und \u00fcber den in der umfangreichen Literatur zur Gesamtproblematik \u201eBuchverbote\u201c und \u201eSchrifttumspolitik\u201c noch keine Untersuchung vorliegt. Diesmal war ausschlie\u00dflich der \u201e<em>auslandsdeutsche<\/em>\u201c Buchhandel an der Reihe.<\/p>\n<p>Das, was vordergr\u00fcndig wie eine begreifbare Strategie auf reichsdeutscher Seite aussah, hatte von vornherein einen unverkennbaren politisch-propagandistischen Anstrich. Das, was als \u201eB\u00fccherexportf\u00f6rderung\u201c propagiert wurde, bekam alsbald seinen richtigen Namen, n\u00e4mlich \u201eBuchdumping\u201c und \u201eNationalsozialismus zu erm\u00e4\u00dfigten Preisen\u201c.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> 2. Vorgeschichte zur Exportf\u00f6rderungsaktion: Die Wirtschaftssituation im Deutschen Reich<\/h3>\n<p>Bevor wir auf die praktische Anwendung der Exportf\u00f6rderung f\u00fcr B\u00fccher eingehen, m\u00fcssen wir die wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland im Jahre 1935 so kurz und verst\u00e4ndlich wie m\u00f6glich skizzieren. Die reichsdeutsche Wirtschaftslage im Jahre 1934 war durch den schrumpfenden Export, sinkende Devisenbest\u00e4nde, eine passive Zahlungsbilanz und ein steigendes Handelsbilanzdefizit gekennzeichnet. W\u00e4hrend Deutschland im Jahre 1932 einen Export\u00fcberschu\u00df von 1.072 Millionen RM und im folgenden Jahr 1933 einen solchen von 667 Millionen hatte, wies die Handelsbilanz \u2013 eben bei steigenden Importen, vor allem im Bereich der f\u00fcr die Wehrindustrie notwendigen Rohstoffe, und sinkenden Exporten im Jahre 1934 zum ersten Mal seit 1928 wieder ein Defizit, diesmal in der H\u00f6he von 280 Millionen RM, aus. Au\u00dferdem waren die Devisenbest\u00e4nde der Deutschen Reichsbank im Laufe des Jahres 1934 gleich Null geworden und der Goldvorrat auf ein solches Minimum herabgesunken, das ohne Gef\u00e4hrdung der Zahlungsf\u00e4higkeit der Deutschen Reichsbank nicht mehr zu unterschreiten war. Und durch die immer sch\u00e4rfer werdenden Devisenbestimmungen verlor die Reichsmark beinahe ihren Charakter als internationales Zahlungsmittel. Hinzu kommt, da\u00df Deutschlands Zahlungsbilanzschwierigkeiten keineswegs dadurch verbessert worden waren, da\u00df, w\u00e4hrend die beiden wichtigsten Welthandelsl\u00e4nder, Gro\u00dfbritannien und die USA, ihre W\u00e4hrungen abgewertet hatten, Deutschland formell am alten Wechselkurs festhielt. Da\u00df reichsdeutsche Waren auf Auslandsm\u00e4rkten dadurch eben teuer erscheinen mu\u00dften, war eine klare Folge. Man konnte diesen Umstand jedoch nicht objektiv &#8211; wie das Buchdumping sp\u00e4ter \u00f6ffentlich begr\u00fcndet wurde &#8211; als \u201eSchuld\u201c der \u00fcbrigen Handelspartner auslegen.<\/p>\n<p>Das Festhalten am alten Wechselkurs hatte aber freilich einen Vorteil, denn die deutsche Wirtschaft konnte die Abwertung der fremden W\u00e4hrungen ebenso bei der R\u00fcckzahlung von Auslandsschulden wie beim Bezug fremder Rohstoffe ausnutzen. Andererseits mu\u00dften die durch die interne Expansionspolitik verursachten Preissteigerungen im Inland, wo man, wie angedeutet, den Eindruck eines Wirtschaftsaufschwungs gewann, das deutsche Preisniveau weit \u00fcber das auf dem Weltmarkt \u00fcbliche hinausheben und das Land mehr oder weniger exportunf\u00e4hig machen. Dem schrumpfenden Export stand aber die Notwendigkeit von Importen gegen\u00fcber, die zur Aufrechterhaltung der Inlandswirtschaft und der R\u00fcstung gebraucht wurden. &#8222;Als schlie\u00dflich das Defizit der Handelsbilanz im 2. Quartal 1934 den hohen Betrag von 161 Millionen RM erreichte, die Verschuldung auf den bereits bestehenden Verrechnungskonten st\u00e4ndig anwuchs und das Ausland mit Zwangsclearing drohte, waren Ma\u00dfnahmen zu einer umfassenden \u00dcberwachung und Regulierung des gesamten Au\u00dfenhandels und des ausw\u00e4rtigen Zahlungsverkehrs notwendig.<a style=\"mso-footnote-id: ftn1;\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"reference\">[1]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Um das Problem in den Griff zu bekommen, mu\u00dfte sodann die totale Au\u00dfenhandels- und Devisenbewirtschaftung, d.h. die totale Staatskontrolle, eingef\u00fchrt werden. Am 24. September 1934 verk\u00fcndete der Reichswirtschaftsminister Dr. Hjalmar Schacht den \u201eNeuen Plan\u201c der deutschen Devisenordnung, um u.a. die herrschende passive Handelsbilanz in eine aktive zu verwandeln. Der Plan sollte eine \u201eorganisierte Sparsamkeit in der Verwendung ausl\u00e4ndischer G\u00fcter\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn2;\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"reference\">[2]<\/span><\/a> mit sich bringen und dahingehend wirken, da\u00df sich der Warenverkehr in Ein- und Ausfuhr ausgleiche.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik unmittelbar nach der Machtergreifung im Sinne einer Autarkiepolitik dem Au\u00dfenhandel feindlich gegen\u00fcberstand, war man nun zur Erkenntnis gelangt, da\u00df die Aufrechterhaltung der Inlandskonjunktur und die Fortf\u00fchrung der R\u00fcstung nur dann m\u00f6glich waren, wenn erh\u00f6hte Ausfuhren gr\u00f6\u00dfere Deviseneing\u00e4nge lieferten. Zu den Grundpfeilern des \u201eNeuen Plans\u201c z\u00e4hlten demgem\u00e4\u00df die \u201equantitative Einfuhrbeschr\u00e4nkung und Planung des gesamten Einfuhrvolumens nach volkswirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen\u201c und \u201eAusfuhrf\u00f6rderung durch Kompensationsgesch\u00e4fte, differenzierte Wechselkurse, von der Industrie selbst aufgebrachte Export-Umlagen, Beg\u00fcnstigung der Export-Industrien bei der Rohstoffzuteilung.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"reference\">[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Da Deutschland eine Abwertung der RM ablehnte, zumal man mehr Schaden als Nutzen bef\u00fcrchtete, gewann die Manipulation der Ausfuhrpreise f\u00fcr deutsche Waren zentrale Bedeutung. Hiedurch meinte man, das durch die \u00fcberm\u00e4\u00dfig hohen Preise auf dem Weltmarkt hervorgerufene Problem der deutschen Konkurrenzunf\u00e4higkeit zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bisher die Exportsubventionen nicht direkt vom Staat, sondern meist auf irgendeinem Umweg durch die Reichsbank gew\u00e4hrt worden waren, war die Reichsbank auf Grund der Devisennot gezwungen, diese Praxis nur mehr bei solchen Gesch\u00e4ften zuzulassen, die ihr den vollen Gegenwert in Devisen lieferten. Es wurde nun ein neues System, d.h. der \u00dcbergang von einem System der indirekten zu einem der direkten Ausfuhrsubvention, ausgearbeitet, um deutsche Warenhersteller und Industrien f\u00fcr die durch die Billigbelieferung von Auslandsm\u00e4rkten mit ihren Produkten entstehenden Verluste zu entsch\u00e4digen. \u201eZur Deckung der Exportverluste wurden in allen Industriezweigen sogenannte Exportausgleichskassen eingerichtet. Alle Unternehmer des jeweiligen Zweiges waren verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz des Umsatzes an die Exportausgleichskasse ihres Zweiges zu entrichten, aus der dann die Exporteure innerhalb dieses Zweiges ihre Exportverluste entsch\u00e4digt bekamen.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn4;\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"reference\">[4]<\/span><\/a> Mit anderen Worten: Die staatliche Exportsubvention sollte auf die an der Inlandkonjunktur beteiligten Industrien umgelegt werden. Daneben war es auch m\u00f6glich geworden, \u00dcbergewinne der Industrie, wenn nicht g\u00e4nzlich zu verhindern, so doch mindestens staatlichen Zwecken dienstbar zu machen. \u201eDie Umlage, die auf dem Inlandsabsatz erhoben wurde, diente zur Verbilligung der Exportpreise, die f\u00fcr jeden einzelnen Export obrigkeitlich festgesetzt wurden. Auf diese Weise konnten die deutschen Ausfuhrg\u00fcter in L\u00e4ndern, in denen die Nachfrage nach deutschen G\u00fctern elastisch war und deren Devisen ben\u00f6tigt wurden, individuell verbilligt werden.\u201c (Erbe, a.a.O., S. 74)<\/p>\n<p>Welche Bedeutung diese \u201eExport-Umlage\u201c, sprich: Subvention, von 4,3 Milliarden Mark, die durch die Umlage auf die Inlandsindustrie aufgebracht wurde, schon 1935 hatte, geht daraus hervor, da\u00df der Subventionsbetrag rund eine Milliarde Mark betrug. Die durchschnittliche Subventionierung lag also zwischen 20% und 25%, erreichte aber in vielen F\u00e4llen (weil elastisch) h\u00f6here Werte, da ein Teil der Ausfuhr noch ohne Subventionierung vor sich ging.<a style=\"mso-footnote-id: ftn5;\" href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"reference\">[5]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Durch diese Dumpingpraxis, die sich u.a. auf Stahl- und Textilwaren, Papierprodukte und nicht zuletzt auf den eher unbedeutenden Posten \u201eB\u00fccher\u201c erstreckte, war es der deutschen Industrie im Rahmen des \u201eNeuen Plans\u201c m\u00f6glich, sowohl betr\u00e4chtlich unter dem Weltmarktpreis als auch unter dem Selbstkostenpreis zu verkaufen. Da\u00df diese Praxis des subventionierten Exports &#8211; vom \u201egef\u00f6rderten\u201c kann man nur bedingt sprechen &#8211; andere Volkswirtschaften, darunter die \u00f6sterreichische, schwer sch\u00e4digte, versteht sich von selbst. Das geschah einerseits durch Preissenkungen auf dem \u00f6sterreichischen Markt &#8211; wodurch \u00f6sterreichische Erzeugnisse in Relation zu den deutschen teurer wurden, andererseits durch gesenkte reichsdeutsche Preise auf gemeinsam belieferten Drittm\u00e4rkten. Dazu ein Beispiel aus der \u00f6sterreichischen Papierindustrie: In einem Bericht der Wiener Kammer f\u00fcr Arbeiter und Angestellte des Jahres 1936 liest man vom \u201edeutschen Dumping\u201c, \u201edas eine Zeitlang sehr stark auf den \u00f6sterreichischen Export dr\u00fcckte\u201c, und da\u00df die Ausfuhr in der \u00f6sterreichischen Papierindustrie \u201eim Jahre 1936 besonders unter der verst\u00e4rkten Exportf\u00f6rderung Deutschlands\u201c zu leiden hatte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn6;\" href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"reference\">[6]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend mu\u00df man hinzuf\u00fcgen, da\u00df die Rechnung des \u201eNeuen Plans\u201c nicht aufging, obwohl er zun\u00e4chst einen gewissen Erfolg zeitigen konnte. &#8222;Das Au\u00dfenhandelsvolumen konnte beispielsweise zwischen 1934 und 1936 um 19 Prozent gesteigert werden. Aber f\u00fcr den weiteren Fortgang der R\u00fcstung und R\u00fcstungskonjunktur erwies er sich als unzureichend.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn7;\" href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"reference\">[7]<\/span><\/a> Au\u00dferdem sank Deutschlands Anteil am Welthandel. \u201eDer Sog des prosperierenden Inlandmarktes war zu gro\u00df, als da\u00df er durch Ausfuhrmanipulierung h\u00e4tte voll kompensiert werden k\u00f6nnen. So sank der Anteil der deutschen Ausfuhr am Welthandelsvolumen von 9,9% im Jahre 1929 auf 6,8% im Jahre 1936.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn8;\" href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span class=\"reference\">[8]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Das reichsdeutsche Dumping funktionierte letzten Endes auch deshalb nicht, weil ein gro\u00dfer Teil der durch die Ausfuhrsubventionen herbeigef\u00fchrten Kostenverbilligung dadurch wettgemacht wurde, da\u00df das Inlandspreisniveau und vor allem die Preise eingef\u00fchrter Rohstoffe st\u00e4ndig im Steigen waren. Der Wirtschaftsjournalist Ernst Ely prophezeite 1935 in einer Glosse unter der \u00dcberschrift \u201eDumpingexport des deutschen Elends\u201c, \u201edie Billigbelieferung der Auslandsm\u00e4rkte (werde) der deutsche Verbraucher mit neuen Entbehrungen bezahlen m\u00fcssen (&#8230;).\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"reference\">[9]<\/span><\/a> Er hat recht behalten.<\/p>\n<p>Wie nun der Export von B\u00fcchern zu Dumpingpreisen funktionierte, soll im folgenden geschildert werden. Interessant ist vor allem, wie diese Ma\u00dfnahme in einem Industriezweig, der sowohl hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts als auch hinsichtlich des gesamten Ausfuhrvolumens wirtschaftlich von so geringer Bedeutung war, nun nicht vom Reichswirtschaftsministerium, sondern vom Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda, von dem die Idee ausging, begr\u00fcndet und gerechtfertigt wird.<\/p>\n<p>Nach offizieller reichsdeutscher Lesart war das Ausland an der tr\u00fcben Wirtschaftslage \u201eschuld\u201c &#8211; die Schwierigkeiten waren nicht \u201ehausgemacht\u201c. Die Steigerung des deutschen Exports sei \u201esystematisch durch Z\u00f6lle und Kontingente des Auslands verhindert worden\u201c, wu\u00dfte der kommissarische Wirtschaftsminister Dr. Schacht in einer Rede vor den th\u00fcringischen Industriellen in Weimar im Oktober 1934 zu berichten. \u201eErfreulicherweise gebe es immer mehr Leute im Ausland, die erkennen, da\u00df es Schuld der Auslandsregierungen sei, wenn Deutschland kein Geld mehr habe und keines mehr verdiene und wenn es keine Rohstoffe mehr kaufen k\u00f6nne &#8230;\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn10;\" href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"reference\">[10]<\/span><\/a><\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> 3. Die Buchexportf\u00f6rderung und \u00d6sterreich: Der \u00f6sterreichische Standpunkt und die Verhandlungen<\/h3>\n<p>Am 12. August 1935 k\u00fcndigte Wirtschaftsminister Schacht in Berlin an, da\u00df die indirekte Exportf\u00f6rderung reichsdeutscher Waren nun auf B\u00fccher erstreckt werde. Die durch die Preissenkung im Ausland f\u00fcr die deutschen Verlagsh\u00e4user und den Zwischenhandel entstehenden Verluste sollten \u2013 wie gehabt \u2013 aus der Exportkasse abgegolten werden.<\/p>\n<p>Schon im Februar 1935 war der sog. \u201eKleine Rat\u201c des B\u00f6rsenvereins der deutschen Buchh\u00e4ndler zu Leipzig zusammengetreten, um die Frage der Exportf\u00f6rderung des deutschen Buchs zu diskutieren. Wegen des st\u00e4ndig sinkenden Absatzes der letzten Jahre bestand auf deutscher Seite der \u201eder lebhafte Wunsch\u201c, das deutsche Buch \u201ewieder in gr\u00f6\u00dferem Umfang zu exportieren\u201c.[11] Im Vordergrund stand dabei insbesondere die Frage der Senkung des Buchpreises, also des \u201eAusfuhrpreises\u201c. Der Schweizer Carl Lang, Vertreter der Auslandsvereine in der Tschechoslowakischen Republik, der Schweiz, Italien, Lettland, Ungarn, Polen und \u00d6sterreich, der an der vom B\u00f6rsenverein-Vorsteher Wilhelm Baur einberufenen, am 9. und 10. Februar abgehaltenen Sitzung teilnahm, lehnte eine Erm\u00e4\u00dfigung des Buchpreises ab, weil er meinte, sie w\u00fcrde sich f\u00fcr den deutschen Buchhandel durch erh\u00f6hte Ausfuhren kaum rentieren. Au\u00dferdem meinte er, eine Preissenkung m\u00fcsse den deutschen Buchh\u00e4ndlern im Ausland mancherlei Nachteile bringen. Er gab daher zu \u00fcberlegen, ob der deutsche Verleger den Auslandsbuchhandel nicht dadurch unterst\u00fctzen k\u00f6nnte, \u201eda\u00df er einen h\u00f6heren Exportnachla\u00df einr\u00e4umt\u201c. Schlie\u00dflich wurden dem Verein in Wien zwei M\u00f6glichkeiten oder Varianten unterbreitet. Eine Absatzhebung werde entweder durch Verkaufspreissenkung oder durch erh\u00f6hte Rabattgew\u00e4hrung erreicht.<a style=\"mso-footnote-id: ftn12;\" href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><span class=\"reference\">[12]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Bei den \u00f6sterreichischen Buchhandelsvertretern stie\u00df der Buchexportf\u00f6rderungsplan von Anfang an auf Ablehnung. Nach Anh\u00f6rung der verschiedenen Zweige des \u00f6sterreichischen Buchhandels wurde am 1.3.1935 eine grunds\u00e4tzliche Stellungnahme zur Problematik Exportf\u00f6rderung des deutschen Buches nach Leipzig geschickt. Was den Absatzr\u00fcckgang betrifft, so sparte der Verein nicht mit realpolitischen Gedanken, die dem B\u00f6rsenverein intern auch nicht fremd gewesen sein k\u00f6nnen. Den Verkaufsr\u00fcckgang konnte man z.T. zu Recht als Folge der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage ansehen, aber die nunmehr gleichgeschaltete Literatur lie\u00df sich nicht mehr so ohne weiteres verkaufen.<\/p>\n<p>Dazu der \u00f6sterreichische Standpunkt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Da\u00df das deutsche Buch im deutschen Auslande nicht denselben Anklang findet wie fr\u00fcher, daf\u00fcr sind verschiedene Umst\u00e4nde ma\u00dfgebend, auf die hier nicht n\u00e4her eingegangen werden kann, weil dies wohl zu weit f\u00fchren w\u00fcrde. Haupts\u00e4chlich kann jedoch gesagt werden, da\u00df der Auslandsdeutsche vom deutschen Buch nicht immer in der Weise befriedigt wird, wie es seiner Anschauung und seinem Geschmack entspricht. Da hilft nat\u00fcrlich keine Verkaufspreissenkung und keine erh\u00f6hte Rabattgew\u00e4hrung ab.<a style=\"mso-footnote-id: ftn13;\" href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><span class=\"reference\">[13]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Nach dieser eindeutigen, aber diplomatisch formulierten Ablehnung der Nazi-Literaturpolitik stellte sich der Verein \u201eunbedingt\u201c gegen die Herabsetzung des Preises, zumal sie nur noch eine schwerere Ersch\u00fctterung des festen Ladenpreises zur Folge haben w\u00fcrde. Der Verein war aber genauso gegen den zweiten Vorschlag, d.h. gegen eine \u00c4nderung im Rabattsystem:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Auch die Erh\u00f6hung der Rabatte scheint uns nicht der richtige Weg zu sein, weil sie wohl dem Sortimenter vor\u00fcbergehend einen Vorteil bietet, aber grunds\u00e4tzlich den Absatz nicht hebt. (ebda.)<\/p>\n<p>Es ist dies die Kernfrage, an der sich die Geister scheiden werden, denn das \u201eLockangebot\u201c erh\u00f6hter Rabatte, von denen die \u00f6sterreichischen Wiederverk\u00e4ufer profitieren w\u00fcrden, f\u00fchrte in der Folge zu einer Spaltung innerhalb des \u00f6sterreichischen Vereins.<\/p>\n<p>In der Ansicht, da\u00df alles noch offen sei, machte den Verein einen eigenen \u201eSanierungsvorschlag\u201c: \u201eEine wirkliche Hilfe f\u00fcr den Absatz des deutschen Buches\u201c sei \u201ein der \u00c4nderung der Reichsmarkumrechnung\u201c zu finden, also im Buchh\u00e4ndlerwechselkurs, zu dem der Auslandssortimenter die Verlagswerke nach einem Umrechnungsschl\u00fcssel verkaufte. Der Verein bekr\u00e4ftigte seinen Standpunkt in einem Schreiben an den B\u00f6rsenverein in Leipzig am 1. April:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir glauben, da\u00df Bem\u00fchungen, die darauf gerichtet sind, f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhandel bei der Reichsmarkumrechnung eine Erleichterung eintreten zu lassen, sowohl f\u00fcr den deutschen als auch f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Buchhandel von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit w\u00e4ren.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><span class=\"reference\">[14]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Erinnert sei an die Tatsache, da\u00df Deutschland trotz Abwertungen der wichtigen Welthandelsl\u00e4nder am alten Markkurs festgehalten hatte.<\/p>\n<p>Es kam aber anders, als man es sich dachte. Von den Entwicklungen in Berlin und Leipzig um die Buchexportf\u00f6rderung v\u00f6llig im dunkeln gelassen, erfuhren der Vorsitzende des Vereins, Wilhelm Frick, und die weiteren Vorstandsmitglieder inoffiziell etwa zwei Monate sp\u00e4ter, da\u00df eine 25%ige Senkung der Buchpreise f\u00fcr bestimmte Gebiete des Auslands nun doch geplant sei. In einem Schreiben an den B\u00f6rsenverein vom 26. Juni hei\u00dft es als Reaktion darauf: \u201eDer Verein mu\u00df sich unbedingt gegen diesen Plan sowie \u00fcberhaupt gegen Pl\u00e4ne einer Preissenkung aussprechen und verweist hiezu auf seine allgemeine Stellungnahme in seinem Schreiben vom 1. April l. J. Der Verein ersucht, diese seine Stellungnahme unbedingt zu ber\u00fccksichtigen.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn15;\" href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><span class=\"reference\">[15]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag traf in Berlin unter Vorsitz des Vorstehers Wilhelm Baur eine Versammlung ma\u00dfgebender Pers\u00f6nlichkeiten des Buchhandels zusammen, um \u00fcber die Lage zu beraten. Das Ergebnis: Eine Senkung der Ladenpreise f\u00fcr das Ausland oder f\u00fcr Teile des Auslandes m\u00fcsse zu einer Ersch\u00fctterung des ganzen Preissystems f\u00fchren. Es schien also, \u201eals ob die ganze Angelegenheit ruhen gelassen werde\u201c, res\u00fcmierte sp\u00e4ter der \u00f6sterreichische Verein.<a style=\"mso-footnote-id: ftn16;\" href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><span class=\"reference\">[16]<\/span><\/a> Die Aktion \u201esoll\u201c also nicht durchgef\u00fchrt werden.<a style=\"mso-footnote-id: ftn17;\" href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><span class=\"reference\">[17]<\/span><\/a> Verst\u00e4ndlich war die Zufriedenheit beim Verein in Wien \u00fcber \u201edie R\u00fcckstellung des Planes einer Senkung der Ladenpreise f\u00fcr Teile des Auslandes\u201c.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><span class=\"reference\">[18]<\/span><\/a> Die \u201eSiegesmeldung\u201c war allerdings verfr\u00fcht, denn das Propagandaministerium in Berlin, von dem die Idee stammte, dachte keine Sekunde daran, das Vorhaben nicht durchzuf\u00fchren, sei es mit oder ohne Zustimmung der Auslandsvereine. Als Ende Juli mehr oder weniger feststand, da\u00df die RSK die Preissenkung plane, traf der Verein in Wien zu einer Vorstandssitzung zusammen. Die Meinung aller Anwesenden ging dennoch dahin, \u201eda\u00df eine derartige B\u00fccherpreissenkung f\u00fcr den Auslandsbuchhandel katastrophale Folgen haben w\u00fcrde, wahrscheinlich ohne den f\u00fcr den deutschen Buchhandel erwarteten Erfolg zu haben. (&#8230;) Falls keine zufriedenstellende Vereinbarung zustande k\u00e4me, m\u00fc\u00dfte der Verein in Erw\u00e4gung ziehen, Ma\u00dfnahmen zu treffen, die geeignet w\u00e4ren, die sch\u00e4dlichen Wirkungen der Verf\u00fcgung zu verhindern.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn19;\" href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><span class=\"reference\">[19]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Jubel \u00fcber die Siegesmeldung vom 2. Juli war insofern verfr\u00fcht, als einen Monat sp\u00e4ter, am 1. August, \u201edie Entscheidung \u00fcber die seit Jahren vom B\u00f6rsenverein behandelte Exportf\u00f6rderung des deutschen Buches gefallen\u201c war.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><span class=\"reference\">[20]<\/span><\/a> So die Mitteilung des B\u00f6rsenvereins an den Verein in Wien. Das Wort \u201egefallen\u201c war also im Sinne von \u201efait accompli\u201c, von Diktat zu verstehen, und zu diesem Behuf lud der Vorsteher des B\u00f6rsenvereins die zum Gro\u00dfen Rat des B\u00f6rsenvereins geh\u00f6renden Auslandsvertreter zu einer dringlichen Sitzung am 9. August nach Berlin. Rein zuf\u00e4llig kreuzte sich diese Einladung mit einem Schreiben des Vereins in Wien an den B\u00f6rsenverein vom selben Datum. Darin hie\u00df es u.a.:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Zu der Absicht der Reichsschrifttumskammer, den Preis f\u00fcr das reichsdeutsche Buch im Auslande zu senken, nimmt der Verein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler neuerlich eine ablehnende Stellung ein.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><span class=\"reference\">[21]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Gleichzeitig verst\u00e4ndigte der Verein sowohl den Vertreter des deutschen Auslandsbuchhandels als auch die anderen L\u00e4nder, in denen das deutsche Buch verkauft wurde. Am gleichen Tag trat der Verein in Wien mit einem Rundschreiben an eine begrenzte \u00d6ffentlichkeit, n\u00e4mlich die der Mitglieder. Hierin wurde versichert, der Verein werde \u201ebesorgt\u201c sein, \u201ediesen Schritt (der RSK) der sich f\u00fcr das \u00f6sterreichische Sortiment und den \u00f6sterreichischen Verlag ung\u00fcnstig auswirken w\u00fcrde, nach M\u00f6glichkeit zu verhindern.\u201c Zusatz: \u201eEs wird sich empfehlen, \u00fcber den reichsdeutschen Plan dem Publikum gegen\u00fcber nichts zu verlautbaren.<a style=\"mso-footnote-id: ftn22;\" href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><span class=\"reference\">[22]<\/span><\/a> Das Rundschreiben l\u00f6ste unter den Empf\u00e4ngern eine Welle der Emp\u00f6rung aus, und das aus zwei Gr\u00fcnden: Bef\u00fcrworter einer allf\u00e4lligen Preissenkungsaktion &#8211; in der Regel waren es gr\u00f6\u00dfere Sortimenter wie z.B. Martin Flinker &#8211; stie\u00dfen sich an der Formulierung \u201enach M\u00f6glichkeit verhindern\u201c, w\u00e4hrend der \u201eVerein der Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler von Ober\u00f6sterreich und Salzburg\u201c sich dar\u00fcber beschwerte, da\u00df die Vereine der Bundesl\u00e4nder vom Hauptverein in Wien \u00fcber die bereits seit 9 Monaten andauernden Verhandlungen vollst\u00e4ndig in Unkenntnis gelassen worden seien. Die Schweigetaktik des Vereinsvorsitzenden und der Vorstandsmitglieder sollte sich aber bald r\u00e4chen.<\/p>\n<p>Die Vertreter des Vereins in Wien f\u00fchlten sich nach Erhalt der Einladung zur Sitzung des Gro\u00dfen Rates in Berlin am 9. August 1935 hinters Licht gef\u00fchrt und machten ihrem \u00c4rger in einem Rundschreiben an die Vertreter des auslandsdeutschen Buchhandels in Italien, Holland, Polen, C. S. R und Ungarn Luft:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Unter diesen Umst\u00e4nden halten wir es nicht f\u00fcr zweckm\u00e4\u00dfig, zu der Sitzung des Gro\u00dfen Rates des B\u00f6rsenvereins unseren Vertreter (Wilhelm Frick) nach Berlin zu entsenden, weil eben die Sitzung, wenn die Entscheidung \u00fcber den zu behandelnden Gegenstand bereits gefallen ist, wohl kein irgendwie bedeutungsvolles Ergebnis zeitigen kann. Zudem hat unser Verein ja seine vollkommen ablehnende Stellungnahme in der Frage der Preissenkung des deutschen Buches im Auslande dem B\u00f6rsenvereine bereits mitgeteilt. Sie wurden ja von uns hier\u00fcber unterrichtet.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><span class=\"reference\">[23]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Auf die entsprechende Anregung des Beschwerdef\u00fchrers, also des Vereins der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler, fand sodann eine Besprechung der Vertreter des deutschen Auslandsbuchhandels am 7. August in Salzburg statt. Gleichzeitig machte der Verein einen letzten Versuch, die ma\u00dfgebenden deutschen Stellen, also nicht den unter dem Diktat der RSK stehenden B\u00f6rsenverein, von ihrem Plan abzubringen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn24;\" href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><span class=\"reference\">[24]<\/span><\/a> Er richtete ein Schreiben an den einflu\u00dfreichen Ministerialrat Dr. Paul H\u00f6vel vom \u201eMinisterium f\u00fcr Kultur und Propaganda\u201c am 3. August 1935 mit der Bitte, \u201edie vom Verein vorgebrachten Ablehnungsgr\u00fcnde einer Preissenkung zu w\u00fcrdigen und in dieser Frage alles zu unternehmen, damit der Plan der Preissenkung fallen gelassen wird und hiedurch die guten Beziehungen zwischen dem reichsdeutschen und \u00f6sterreichischen Buchhandel ungest\u00f6rt bleiben.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><span class=\"reference\">[25]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Da nun die Vertreter des Auslandsbuchhandels bei der Besprechung in Salzburg im Hinblick auf die f\u00fcr den 15. August geplante Preissenkungsaktion in ihr eigenes Durchsetzungsverm\u00f6gen wenig Vertrauen hatten, wurde ein kleiner Kurswechsel vorgenommen, um angesichts des deutschen Ultimatums nicht das Gesicht zu verlieren und mit v\u00f6llig leeren H\u00e4nden heimzukehren.<\/p>\n<p>Am 9. August begab sich der Verlagsbuchh\u00e4ndler Wilhelm Frick (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der H\u00f6lder-Pichler-Tempsky A. G. Wien), der zugleich 1. Vorsitzender des Vereins der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler und Mitglied des \u201eGro\u00dfen Rates\u201c des B\u00f6rsenvereins war, als alleiniger Vertreter des \u00f6sterreichischen Gesamtbuchhandels nach Berlin. Im Sinne der schon zuletzt am 31. Juli seitens des \u00f6sterreichischen Vereinsvorstands aufgestellten Richtlinien hatte er die Interessen des Gesamtbuchhandels (also Verleger und Sortimenter) zu vertreten und daher nach M\u00f6glichkeit zu trachten, die Durchf\u00fchrung der Auslandspreissenkung \u00fcberhaupt zu verhindern, obwohl die Aktion bereits \u201ebeschlossene Sache\u201c bzw. als \u201egegeben\u201c anzusehen war. \u201eIn der Beratung der Auslandsvertreter mit den Vorstandskollegen des B\u00f6rsenvereins in Berlin wurde ihnen mitgeteilt, da\u00df trotz des wiederholten Einspruches des B\u00f6rsenvereins-Vorstandes die Entscheidung [&#8230;] gefallen sei, und da\u00df der B\u00f6rsenverein eigentlich nicht mehr in der Lage w\u00e4re, die Durchf\u00fchrung hintanzuhalten.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn26;\" href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><span class=\"reference\">[26]<\/span><\/a> Das Diktat war also nicht umzusto\u00dfen: Auch neue Vorsprachen der Vertreter des B\u00f6rsenvereins und der Auslandsvertreter, darunter Frick, beim Vize-Pr\u00e4sidenten der RSK, Dr. Heinrich Wismann, waren vergeblich: \u201eBei dieser Vorsprache wurde nun den Auslandsvertretern er\u00f6ffnet, da\u00df die Preissenkung so wie bei anderen Waren auch bei B\u00fcchern auf <em>alle F\u00e4lle <\/em>eintreten werde<em>. Auch ohne Zustimmung <\/em>des Auslandsbuchhandels werde den reichsdeutschen Verlegern seitens der ma\u00dfgebenden Reichsstellen aufgetragen werden, in das Ausland mit einem um 25% gesenkten Preis zu liefern.\u201c (Ebenda)<\/p>\n<p>Die Auslandsvertreter (mit Ausnahme der Schweiz<a style=\"mso-footnote-id: ftn27;\" href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><span class=\"reference\">[27]<\/span><\/a>) sahen sich somit vor die Tatsache gestellt, da\u00df in ihren L\u00e4ndern trotz aller von ihnen vorgebrachten Bedenken der Ladenpreis der deutschen B\u00fccher unter allen Umst\u00e4nden gesenkt werde, und es blieb nichts anderes \u00fcbrig, als Vorsorge zu treffen, da\u00df allzugro\u00dfe wirtschaftliche Nachteile von den Mitgliedern ihrer Vereine und dem Buchhandel ihrer Staaten \u00fcberhaupt abgewendet w\u00fcrden. Allein dieses \u201eHinnehmen\u201c f\u00fchrte einige Wochen sp\u00e4ter in \u00d6sterreich zu einer w\u00fctenden Pressekampagne, die den Verein und seinen 1. Vorsitzenden Wilhelm Frick traf. Fairerweise mu\u00df man aber jetzt schon sagen, da\u00df das kollektive Vorgehen der deutschen Stellen durch das Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda und die RSK &#8211; dem sp\u00e4teren ultimativen Umgang Hitlers mit Schuschnigg nicht un\u00e4hnlich war.<\/p>\n<p>Bei der Berliner Besprechung am 9. August konnten die Auslandsvertreter wenigstens einige Bedingungen stellen und sie in Form von \u201eVereinbarungen\u201c auch durchsetzen. Man kam z.B. \u00fcberein, da\u00df das Ziel, die Preise reichsdeutscher B\u00fccher im Ausland der gesunkenen Kaufkraft in den L\u00e4ndern mit entwerteter W\u00e4hrung anzugleichen, nicht durch die Senkung der Ladenpreise direkt, sondern durch die Festsetzung entsprechender Verrechnungsschl\u00fcssel erreicht werden sollte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn28;\" href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><span class=\"reference\">[28]<\/span><\/a> Der Umrechnungsschl\u00fcssel, der vom B\u00f6rsenverein genehmigt werden mu\u00dfte, sollte so festgesetzt werden, da\u00df in den betreffenden L\u00e4ndern der Preis der reichsdeutschen B\u00fccher um ca. 25 % gesenkt werde. Wetters wurde \u201eanerkannt\u201c, da\u00df der Auslandsbuchhandel f\u00fcr die ihm durch Minderverdienst und Lagerentwertung entstehenden Verluste entsch\u00e4digt werden sollte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn29;\" href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><span class=\"reference\">[29]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde \u201ein Aussicht genommen\u201c, da\u00df der Auslandssortimenter den vollen Rabatt vom Ladenpreis behalte, so da\u00df er dasselbe verdiene wie bisher.<a style=\"mso-footnote-id: ftn30;\" href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\"><span class=\"reference\">[30]<\/span><\/a> Ein weiterer Punkt der Vereinbarungen bzw. der Auslandswunschliste betraf den sogenannten Lagerverlust, der dadurch entstehen w\u00fcrde, da\u00df Verlagswerke, die nach dem alten Umrechnungsschl\u00fcssel, also zum h\u00f6heren Preis, vor Beginn der Preissenkungsaktion eingekauft worden waren, nunmehr zum neuen, um 25% gesenkten Ladenpreis verkauft werden mu\u00dften. In dieser Hinsicht wurde ferner in Aussicht genommen, die dem B\u00f6rsenverein angeschlossenen Auslandssortimenter derart zu entsch\u00e4digen, da\u00df sie eine Gutschrift von 25 % f\u00fcr die noch auf Lager befindlichen Bez\u00fcge der letzten 6 Monate, also ab dem 1. M\u00e4rz 1935, erhalten sollten. Der Auslandssortimenter habe demnach entweder dem reichsdeutschen Verleger oder dem Grossisten eine Liste dieser Werke bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einzureichen.<\/p>\n<p>So sahen die Vereinbarungen des Vereins in Wien mit dem B\u00f6rsenverein aus. Res\u00fcmee des Verhandlers Frick: \u201eHingegen ist es gelungen, wenigstens f\u00fcr die Sortimentsbuchh\u00e4ndler, Auslieferer, Grossisten usw., wenn schon keine direkten Vorteile zu erlangen, doch die Abwendung gr\u00f6\u00dferer materieller Einbu\u00dfen zu erzielen.\u201c Die Bitterkeit der Auslandsvertreter sollte aber in der Folge noch \u201evers\u00fc\u00dft\u201c werden.<\/p>\n<p>Am 14. August fand in Wien eine erweiterte Vereinsvorstandssitzung <span style=\"mso-char-type: symbol;\"><span style=\"mso-char-type: symbol;\">\u2013<\/span><\/span> die erste nach den Berliner Verhandlungen &#8211; statt. Gegenstand der Debatte: Preis bzw. Kurssenkung des deutschen Auslandsbuchs im Sinne der Vereinbarung vom 9. August. Nach ausf\u00fchrlicher Debatte kamen mehrere Antr\u00e4ge zur Abstimmung. Der Verein schlug als neuen Umrechnungskurs vor: RM 1,- = S 1,68. Die Umrechnung gr\u00fcndete sich darauf, da\u00df die RM im Durchschnitt S 2,07 kostete und nach Abziehung der 25% Senkung S 1,56 \u00fcbrigeblieben. Nach Hinzurechnung der Warenumsatzsteuer und der Wegspesen erg\u00e4be sich der Betrag von S 1,68. (Nach diesem Plan also sollte der Markpreis gleich bleiben und die Senkung in der Umrechnung enthalten sein.) Weiters sollte nach Ansicht der Vereinsmitglieder der \u00f6sterreichische Sortimenter berechtigt sein, zu denselben Preisen nach \u00dcbersee zu liefern wie der deutsche Sortimenter. Die Differenz werde ihm durch den reichsdeutschen Verlag ersetzt.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn31;\" href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\"><span class=\"reference\">[31]<\/span><\/a> \u201eAlle diese Vorschl\u00e4ge gelten unter der Voraussetzung, da\u00df dem Sortimenter der gleiche Bruttogewinn ziffernm\u00e4\u00dfig bleibt wie bisher.<a style=\"mso-footnote-id: ftn32;\" href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\"><span class=\"reference\">[32]<\/span><\/a> Alle wurden schlie\u00dflich einstimmig angenommen. Am 23. August fand wieder eine erweiterte Vorstandssitzung des Vereins statt, bei der wiederum der einzige Beratungsgegenstand die bevorstehende Preissenkung von 25% bei reichsdeutschen B\u00fcchern war. Am n\u00e4chsten Tag richtete der Vorsitzende Wilhelm Frick einen Brief an den B\u00f6rsenverein, in dem er zu \u201eunserem Umrechnungsschl\u00fcssel\u201c folgendes mitteilte:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir beantragen f\u00fcr den neuen gesenkten Markpreis in \u00d6sterreich folgende Umrechnung: RM 1,- = S 2,10.<a style=\"mso-footnote-id: ftn33;\" href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\"><span class=\"reference\">[33]<\/span><\/a> Basis der neuen Umrechnung war der Tageskurs zuz\u00fcglich Spesen. \u201eIm Sinne der am 9. ds. M. in Berlin getroffenen Vereinbarung\u201c, schreibt Frick, \u201enehmen wir es als unbedingt gegeben an, da\u00df es Aufgabe des B\u00f6rsenvereins ist, die Umrechnungskurse der einzelnen L\u00e4nder in Einklang zu bringen, um ein gegenseitiges Unterbieten zu verhindern.\u201c (Ebda.)<\/p>\n<p>Obwohl die Vorstandsmitglieder in Wien &#8211; und selbst wenn nur sie und nicht die auch betroffenen Vereinsmitglieder &#8211; l\u00e4ngstens seit dem 9. August wu\u00dften, da\u00df an einer 25%igen Senkung nicht mehr zu r\u00fctteln war und lediglich Einzelheiten der Verrechnung ausgearbeitet werden mu\u00dften, hat Frick s\u00e4mtliche Mitglieder \u00fcber den tats\u00e4chlichen Stand der Dinge aus unerfindlichen Gr\u00fcnden bewu\u00dft falsch informiert. Wie bereits erw\u00e4hnt, war im offiziellen Anzeiger vom 10. August von der Ablehnung \u00f6sterreichischerseits die Rede. Laut <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Anzeiger <\/em>Nr. 20 zwei Wochen sp\u00e4ter war eine endg\u00fcltige Entscheidung noch nicht getroffen worden. Da hie\u00df es aber ebendort in einem Bericht unter der \u00dcberschrift \u201eVerbilligung der reichsdeutschen B\u00fccher?\u201c (wohlgemerkt mit Fragezeichen!), die in den Kreisen des Publikums und des \u00f6sterreichischen Buchhandels \u201evielfach verbreiteten Nachrichten \u00fcber die geplante Preissenkung\u201c entspr\u00e4chen \u201ezum Teil nicht den Tatsachen\u201c oder eilten \u201eden Ereignissen weit voraus\u201c(Nr. 20, 1935, S. 98).<a style=\"mso-footnote-id: ftn34;\" href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\"><span class=\"reference\">[34]<\/span><\/a> Das stimmte aber insofern nicht, als der Verein und sein Vorsitzender zu diesem Zeitpunkt sich mit der Ma\u00dfnahme abgefunden hatten.<a style=\"mso-footnote-id: ftn35;\" href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\"><span class=\"reference\">[35]<\/span><\/a> Was sie eingebrockt hatten, werden wir gleich sehen.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading4\"><\/a> 4. Das reichsdeutsche Buchdumping<\/h3>\n<p>Am 27. August 1935 nahm die Buchexportf\u00f6rderung einen h\u00f6chstoffiziellen Charakter an. Es wurde in Berlin an diesem Tag die gleichlautenden Verordnungen der Pr\u00e4sidenten der Reichsschrifttumskammer (RSK), der Reichspressekammer (RPK) und der Reichsmusikkammer (RMK) (i.V. Wismann, Amann, Ihlert) verlautbart. Angeordnet wurde auf Grund des \u00a7 25 der Ersten Durchf\u00fchrungsverordnung des Reichskulturkammergesetzes vom 1.11.1933 <em>(RGB1. <\/em>I, S. 797)<a style=\"mso-footnote-id: ftn36;\" href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\"><span class=\"reference\">[36]<\/span><\/a> \u00fcber die Ausfuhr von B\u00fcchern, Zeitschriften, Musikalien und Lehrmitteln \u201enach Genehmigung des Herrn Reichsministers f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda\u201c, Dr. Joseph Goebbels, \u201eund unter Zustimmung des Herrn Reichswirtschaftsministers Dr. Hjalmar Schacht\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn37;\" href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\"><span class=\"reference\">[37]<\/span><\/a> Die Neuregelung der Ausfuhr hatte ab 9. September 1935 zu gelten.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading5\"><\/a> a) Die Begr\u00fcndung<\/h4>\n<p>Die offizielle Begr\u00fcndung f\u00fcr diesen Schritt war in den umfangreichen, geheimgehaltenen Erl\u00e4uterungen zu lesen und hatte zwei Komponenten: eine wirtschaftliche und eine kulturpolitische. Bei der wirtschaftlichen Argumentation zur Rechtfertigung der Exportf\u00f6rderung ging es prim\u00e4r um W\u00e4hrungsfragen: \u201eDie Abwertungen fast aller wesentlichen W\u00e4hrungen der Welt haben den Preis deutscher B\u00fccher, Zeitschriften, Musikalien und Lehrmittel in den betroffenen L\u00e4ndern so hoch werden lassen, da\u00df der Verkauf deutscher Verlagserzeugnisse immer schwieriger geworden ist.\u201c Im selben vereinfachten Ton hei\u00dft es weiter, die starke Verminderung der Ausfuhr deutscher B\u00fccher, Zeitschriften, Musikalien und Lehrmittel seit 1929 habe \u201eihren wesentlichen Grund in dieser durch die W\u00e4hrungsverschlechterung verursachten \u00dcberteuerung.\u201c Dieses Argument, da\u00df ausschlie\u00dflich das Ausland an der stagnierenden B\u00fccherausfuhr die Schuld trage, traf nur bedingt zu, denn die reichsdeutsche Buchproduktion war selber v\u00f6llig ver\u00f6det. Die Ausfuhr betrug im Herbst 1934 kaum mehr als die H\u00e4lfte des Wertes der im Jahre 1926 exportierten B\u00fccher und Musikalien, der rund 60 Millionen RM ausmachte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn38;\" href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\"><span class=\"reference\">[38]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Nach einer verl\u00e4\u00dflichen Analyse im \u201eHandelsteil\u201c der angesehenen <em>Neuen Z\u00fcrcher Zeitung<\/em><a style=\"mso-footnote-id: ftn39;\" href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\"><span class=\"reference\">[39]<\/span><\/a> vom 28. Oktober 1935 wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 1935 nur noch B\u00fccher im Wert von 15,36 Millionen RM (im Vorjahr 17,11) exportiert gegen\u00fcber 21,07 Millionen RM in der entsprechenden Zeit 1933.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\"><span class=\"reference\">[40]<\/span><\/a> Dies bedeutete eine Schrumpfung um 27% des Wertes seit 1933. Ebenso erkennbar war ein st\u00e4ndiges Absinken des Durchschnittserl\u00f6ses f\u00fcr das einzelne Buch, das noch st\u00e4rker war, wenn noch 1932 oder fr\u00fchere Jahre zum Vergleich herangezogen wurden. In einem Land also, das an chronischem Devisenmangel litt, war die Erstreckung der Exportf\u00f6rderungsaktion auf B\u00fccher nicht unlogisch, aber sehr wohl umstritten. So soll es in der Vorplanung zu dieser Anordnung zu Auseinandersetzungen zwischen dem Propagandaminister Goebbels und dem Wirtschaftsminister Schacht gekommen sein. Schacht habe demnach diese Exportf\u00f6rderung als unrentabel abgelehnt<a style=\"mso-footnote-id: ftn41;\" href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\"><span class=\"reference\">[41]<\/span><\/a> &#8211; aber das war der wirtschaftliche und nicht der propagandistische Standpunkt. Und nicht nur Schacht war skeptisch, auch Vertreter des B\u00f6rsenvereins, der mit dieser Ma\u00dfnahme zwangsbegl\u00fcckt wurde, hatten ihre Zweifel. In der <em>Neuen Z\u00fcrcher Zeitung <\/em>liest man dazu:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ob der Auslandsabsatz deutscher B\u00fccher durch die Exportpr\u00e4mie in einem solchen Ma\u00dfe gehoben werden kann, da\u00df der Schrumpfungsproze\u00df der letzten Jahre ausgeglichen wird, bezweifelt man allerdings auch in Fachkreisen. (a.a.O.)<\/p>\n<p>Doch was die Herren im Propagandaministerium in der \u201eEinleitung\u201c zur Anordnung nicht erw\u00e4hnten, war, da\u00df der Inlandsabsatz in Deutschland genauso st\u00e4ndig weiter schrumpfte, obgleich, wie die <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung <\/em>schreibt, der durchschnittliche Ladenpreis der Neuproduktion f\u00fcr 1934 um gut 6% niedriger war als 1933. Das mag nun den Eindruck verst\u00e4rken, da\u00df die nunmehr \u201egleichgeschaltete\u201c Literatur nicht nach dem Geschmack des reichsdeutschen Durchschnittsbuchkonsumenten war.<\/p>\n<p>In der Begr\u00fcndung f\u00fcr die Neuregelung der Buchausfuhr wurde nat\u00fcrlich auch nicht hervorgehoben, da\u00df der Inlandsladenpreis gleichbleiben w\u00fcrde und da\u00df der deutsche Verbraucher die Billigbelieferung der Auslandsm\u00e4rkte \u00fcber die Exportkassa indirekt w\u00fcrde bezahlen m\u00fcssen und da\u00df es sich somit um \u201eDumping\u201c handelte.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ver\u00f6dung lagen also auf verschiedenen Gebieten, es haben die hohen Preise der deutschen B\u00fccher (wie z.B. in \u00d6sterreich im Vergleich zur heimischen Verlagsproduktion), die W\u00e4hrungsentwertung anderer L\u00e4nder und nicht zuletzt die Abneigung eines Teils des Auslands gegen die deutsche Literatur aus politischen Gr\u00fcnden zur Abw\u00e4rtsentwicklung beigetragen. Ein \u00e4hnliches Urteil \u00fcber den \u201eAnla\u00df\u201c hatte die <em>OeZ<\/em><em> am Abend <\/em>parat:<\/p>\n<p>Die Abwanderung der Autoren aus Deutschland einerseits, die \u00dcberf\u00fclle politischer Literatur anderseits hat zu einer Ver\u00f6dung des B\u00fcchermarktes in Deutschland gef\u00fchrt, die in den letzten Monaten geradezu katastrophal war. (21. 9. 1935)<\/p>\n<p>Nun werde, hei\u00dft es da abschlie\u00dfend, den Buchh\u00e4ndlern die \u201eWiedergewinnung des Absatzgebietes\u201c durch \u201eoffenkundiges Dumping\u201c aufgetragen. Umso bedeutungsvoller war der kulturpolitische Aspekt in der offiziellen Begr\u00fcndung.<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\"><span class=\"reference\">[42]<\/span><\/a> Hier kann man ruhig von einer anvisierten kulturellen Weltbegl\u00fcckung sprechen. Es sei, so hei\u00dft es, in den letzten Jahren fast aus dem ganzen Auslande immer wieder \u00fcber die \u00dcberteuerung Klage gef\u00fchrt worden. Auch werde aus interessierten Kreisen wiederholt angeregt, Ma\u00dfnahmen zu treffen, die ihnen den Weiterbezug deutscher B\u00fccher, Zeitschriften, Musikalien und Lehrmittel erm\u00f6glichten. Fazit der Herren im Propagandaministerium: \u201eAus allen diesen Eingaben und Schreiben an amtliche und private Stellen geht einwandfrei hervor, da\u00df das Interesse an deutschen Verlagsver\u00f6ffentlichungen nicht gesunken, sondern gestiegen ist.\u201c (ebda.) Der deutsche Handel war &#8211; aus lauter Idealismus versteht sich &#8211; also in Anbetracht der Sachlage gewillt, \u201eim Rahmen einer Gemeinschaftsaktion (&#8230;) den Preis deutscher B\u00fccher, Zeitschriften, Musikalien und Lehrmittel in gewissem Ma\u00dfe der durch die Abwertung gesunkenen Kaufkraft anzugleichen\u201c (ebda.). Es gehe hier ja schlie\u00dflich und endlich au noch darum, wie hervorgehoben wird, \u201eder internationalen geistigen Zusammenarbeit einen Dienst zu erweisen\u201c (ebda.). Das Element der Verst\u00e4rkung der v\u00f6lkischen Zusammengeh\u00f6rigkeit durfte also in der offiziellen Auslandswerbung auch nicht fehlen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn43;\" href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\"><span class=\"reference\">[43]<\/span><\/a> Manche Beobachter sahen dies freilich als Werbung in eigener (ideologischer) Sache: Deutsches Buch als Werbemittel deutscher Weltanschauung.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading6\"><\/a> b) Die Preissenkung<\/h4>\n<p>Die Preise reichsdeutscher B\u00fccher usw. wurden am 9. September 1935 um 25% gesenkt. Von einer zeitlichen Begrenzung der Geltung der Anordnung ist nirgendwo die Rede, so da\u00df sie praktisch jederzeit und einseitig au\u00dfer Kraft gesetzt werden konnte. Der B\u00f6rsenverein hatte daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df diese Senkung im Ausland auch durchgef\u00fchrt werde. jeder inl\u00e4ndische, also reichsdeutsche Exporteur (Verleger, Zwischenh\u00e4ndler, Sortimenter) mu\u00dfte nach dem 8. September ins gesamte Ausland zu Auslandsladenpreisen liefern, die gegen\u00fcber den Inlandspreisen um 25% gesenkt waren. Hier\u00fcber wurden die inl\u00e4ndischen Exporteure in einem zweiseitigen Rundschreiben des B\u00f6rsenvereins in Leipzig vom 31. August ausf\u00fchrlich informiert. Es wurde dabei die Hoffnung ausgedruckt, \u201eda\u00df diese sehr gro\u00dfz\u00fcgige Regelung der f\u00fcr den gesamten Buchhandel wichtigen Exportfrage dazu f\u00fchrt, da\u00df Sie sich noch mehr als bisher f\u00fcr den Vertrieb des deutschen Buches, der deutschen Zeitschrift, der deutschen Lehrmittel und der deutschen Musikalien im Auslande einsetzen werden.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dfer der Hoffnung des Propagandaministeriums auf einen gesteigerten Devisenzuflu\u00df von den Auslandsabs\u00e4tzen und der zwangsbegl\u00fcckten reichsdeutschen Verleger auf vermehrten Verkauf durch den Auslandsbuchhandel brauchte die neue Ausfuhrregelung eine Menge zus\u00e4tzliche Papierarbeit. Kein Wunder &#8211; denn die B\u00fcrokratisierung war eines der Hauptmerkmale nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik. Die inl\u00e4ndischen Exporteure wurden angehalten, den ausl\u00e4ndischen Wiederverk\u00e4ufern, also den Grossisten und Sortimentern, bis auf weiteres den gleichen Rabattbetrag zu gew\u00e4hren, den die ausl\u00e4ndischen Wiederverk\u00e4ufer erhalten h\u00e4tten, wenn die Preissenkung nicht eingetreten w\u00e4re. Sie mu\u00dften den Auslandsabnehmern die preisgesenkten Werke jeweils auf einer besonderen Faktura berechnen. Diese trug den Vordruck \u201eA\u201c und war eine sog. \u201eExportfaktur\u201c. Zus\u00e4tzlich hatten die ausl\u00e4ndischen Wiederverk\u00e4ufer \u00fcber die bei ihnen vorhandenen Auslieferungslager und das bei ihnen befindliche Kommissionsgut den deutschen Verlegern und Zwischenh\u00e4ndlern gegen\u00fcber eine Abrechnung nach dem 9. September als Stichtag abzugeben. Hierauf mu\u00dften die deutschen Verleger den ausl\u00e4ndischen Wiederverk\u00e4ufern mitteilen, welche nicht verkauften Best\u00e4nde zur\u00fcckzuschicken oder auf Lager zu behalten seien.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading7\"><\/a> c) Das Ausgleichsverfahren im Detail<\/h4>\n<p>Erfa\u00dft wurden vom Ausgleichsverfahren in Deutschland verlegte und hergestellte<\/p>\n<p>1. neue B\u00fccher<br \/>\n2.neue graphische Lehrmittel<br \/>\n3.Zeitschriften im Einzelhandel oder Abonnement<br \/>\n4.neue Musikalien.<\/p>\n<p>Ausgenommen wurden also Zeitungen, antiquarische Verlagswerke bzw. Werke mit aufgehobenem Ladenpreis sowie Ver\u00f6ffentlichungen von Firmen, die nicht der RPK, RSK oder RMK angeh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Aus der Sicht des inl\u00e4ndischen Exporteurs, also z.B. des reichsdeutschen Verlegers, blieb der Rabattbetrag, der den ausl\u00e4ndischen Kunden gew\u00e4hrt wurde, gleich. Er wurde in der H\u00f6he des bisherigen Prozentsatzes weiter vom Inlandsladenpreis errechnet und vom Auslandsladenpreis abgezogen. Dazu ein Beispiel: ein Buch, das in einem deutschen Buchgesch\u00e4ft RM 10 kostete, hatte somit einen Auslandsladenpreis von RM 7,50 (=-25%). Auf der Basis einer z.B. 30%igen Rabattgew\u00e4hrung w\u00fcrde dieser RM 3 betragen. Das erg\u00e4be den neuen Auslandsnettopreis von RM 4,50. Der ausl\u00e4ndische, also \u00f6sterreichische Wiederverk\u00e4ufer zahlte f\u00fcr das Werk statt RM 7 nun RM 4,50. Entscheidende Bedeutung kommt daher auch dem Markumrechnungsschl\u00fcssel zu. Mitglieder des \u00f6sterreichischen Vereins erfuhren diese Einzelheiten am Tag des Inkrafttretens, n\u00e4mlich am 7. September, mittels eines streng vertraulichen Rundschreibens bzw. im <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Anzeiger <\/em>vom 14. September.<\/p>\n<p>Der reichsdeutsche Verleger mu\u00dfte de facto die Preissenkung selber vorstrecken, doch hatte er im Rahmen des Ausfuhrausgleichs, der durch die Exportkassa gespeist wurde, Anspruch auf Ersatz des ihm durch die Preissenkung entstehenden Verlusts. Die H\u00f6he des Ausgleichs wurde folgenderma\u00dfen berechnet: Der berechnete Auslandsnettopreis von RM 4,50 wurde vom Inlandsnettopreis RM 7,- (d.i. Inlandsnettopreis RM 10 minus 30% Rabatt) abgezogen. Die H\u00f6he betrug also RM 2,50. Auffallend bei dieser Prozedur ist die Tatsache, da\u00df ein reichsdeutscher Wiederverk\u00e4ufer das Buch um 35% teurer kaufte als sein ausl\u00e4ndischer Kollege.<\/p>\n<p>Nicht genug der B\u00fcrokratie &#8211; der deutsche Verleger mu\u00dfte auch noch Fakturendurchschl\u00e4ge, nach L\u00e4ndern bzw. L\u00e4ndergruppen getrennt, plus eine Sammelaufstellung f\u00fcr jedes Land in zweifacher Ausfertigung alle 10 Tage an die Wirtschaftsstelle des deutschen Buchhandels in Berlin einreichen. Die komplizierten Bestimmungen nahmen aber auch damit noch lange kein Ende. Und das finanzielle Risiko dabei trug nicht der Staat oder die Wirtschaftsstelle, sondern der Exporteur allein, dem alles aufgehalst wurde. Der \u201eExportverlust\u201c wurde auch nicht so ohne weiteres verg\u00fctet. War in einem Monat die Summe der gemeldeten Exporte laut vorliegenden Belegen h\u00f6her als die Summe der gemeldeten Zahlungseing\u00e4nge, wurde zun\u00e4chst gar nichts verg\u00fctet. Beide Summen wurden zur Verrechnung in der n\u00e4chsten Dekade im n\u00e4chsten Monat so lange vorgetragen, bis die Zahlungseing\u00e4nge die Exporte \u00fcberschritten! Wichtige Vorbedingung f\u00fcr den Ersatz des Verlustes war also der Eingang des Gegenwertes der Rechnung in Devisen, in freien RM oder auf Verrechnungskonten.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading8\"><\/a> d) Reaktion und Kritik in \u00d6sterreich<\/h4>\n<p>Die verschiedenen Reaktionen in der \u00d6ffentlichkeit, vor allem in der \u00f6sterreichischen Presse, zeigen sehr deutlich, inwieweit zu dieser Zeit die Abwehr des Nationalsozialismus und die geistige Landesverteidigung<a style=\"mso-footnote-id: ftn44;\" href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\"><span class=\"reference\">[44]<\/span><\/a> mit kulturpolitischen Mitteln verfochten wurden. Mit anderen Worten: sie zeigte, welche Rolle die Kulturpolitik im tagespolitischen Schlagabtausch spielte. Der Geist der Verteidigung manifestierte sich in der vehementen Ablehnung des deutschen Buchdumpings. Die Kritik richtete sich einerseits gegen die Ma\u00dfnahme an sich im Hinblick auf deren Auswirkungen, andererseits gegen den Verein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler.<\/p>\n<p>Die Presse urteilte ausnahmslos ablehnend, wobei weniger der wirtschaftliche als der (kultur-) politische Aspekt zun\u00e4chst im Vordergrund stand. Der Grund daf\u00fcr ist nicht schwer zu eruieren. Da\u00df die F\u00fchrung der Aktion in Berlin beim Propagandaministerium lag, gab der Sache von vornherein einen gewissen politischen Anstrich und trug wesentlich dazu bei, da\u00df die politische Seite der Frage in \u00d6sterreich hervorgehoben wurde. Das, was in der neutralen reichsdeutschen Formulierung als \u201eB\u00fccherexportf\u00f6rderung\u201c bezeichnet wurde und in Wirklichkeit nichts anderes war als ein klassischer Fall von Dumping, erhielt jenseits der reichsdeutschen Grenze ganz andere Namen, Namen, die in den Schlagzeilen und Berichten hervortraten: \u201eNationalsozialismus zu erm\u00e4\u00dfigten Preisen\u201c <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">(Der \u00d6sterreicher,<\/em> 11.10.1935), \u201eDie Propagandaaktion des Herrn Goebbels\u201c <em>(Die Stunde,<\/em> 11.9.1935), \u201eVerschleudern unter staatlicher Beihilfe\u201c, \u201edieser k\u00fcnstliche Zuschu\u00df aufs deutsche Buch\u201c <em>(Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em>6.10.1935), \u201eVerst\u00e4rkte Nazipropaganda gegen \u00d6sterreich\u201c (<em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Der<\/em> <em>Heimatsch\u00fctzer, <\/em>28.9.1935), \u201eNationalsozialistische Kultur &#8211; kein Exportartikel\u201c <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">(Wiener Stadt-Stimmen, <\/em>24.11.1935), \u201eDas \u201aGeschenk\u2019 der 25%\u201c<em> (Reichspost, <\/em>24.9.1935). Die Kehrseite der Medaille, das \u201eOpfer\u201c, war ebenso in den \u00dcberschriften pr\u00e4sent: \u201eKampf um das \u00f6sterreichische Buch\u201c <em>(OeZ am Abend, <\/em>21.9.1935), \u201eSchutz dem \u00f6sterreichischen Buch\u201c <em>(Wiener Zeitung, <\/em>21.9.1935), \u201eDie Abwehr des deutschen Buchdumpings\u201c <em>(Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em>22.9.1935).<\/p>\n<p>Kommentatoren waren \u00fcbereinstimmend der Meinung, da\u00df das Dumping keineswegs allein wirtschaftliche Motive hatte:<\/p>\n<p>Das ergibt sich am deutlichsten aus dem Umstand, da\u00df es also nicht zuletzt darauf ankommt, reichsdeutsches Gedankengut (&#8230;) im reicheren Ausma\u00df als bisher ins Ausland zu bringen. <em>(OeZ am Abend, <\/em>24. 9. 1935)<\/p>\n<p>In der <em>Reichspost <\/em>konnte man folgendes lesen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Halten wir fest, da\u00df das Berliner Propagandaministerium diese Exportpr\u00e4mie durchgesetzt hat, da\u00df in der j\u00fcngsten Zeit auch im Reich aus politischen Gr\u00fcnden eine intensive Werbung f\u00fcr das Buch als Repr\u00e4sentanten des \u201eNeuen Deutschland\u201c gemacht wird und insbesondere in dem reichsdeutschen Jugendbuchhandel eigene Kurse f\u00fcr das reichsdeutsche Buch als Werbemittel deutscher Weltanschauung gehalten werden. Nun soll auch das Ausland in besonderem Ma\u00dfe dem Buch des \u201eNeuen Deutschland\u201c erschlossen werden. (24.9.1935)<\/p>\n<p>\u201eDie Gleichschaltungstechnik seitens des Nationalsozialismus nimmt wirtschaftliche Formen an\u201c, konstatierte die Wochenzeitung <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich<\/em>,<a style=\"mso-footnote-id: ftn45;\" href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\"><span class=\"reference\">[45]<\/span><\/a> die eine der sch\u00e4rfsten publizistischen Gegner des Nationalsozialismus in \u00d6sterreich war. Weiters hei\u00dft es, das reichsdeutsche Buchdumping sei \u201edie systematische Abw\u00fcrgungstaktik gegen \u00d6sterreichs geistige Selbst\u00e4ndigkeit\u201c und \u201eeine ganz raffinierte kulturpolitische Ma\u00dfnahme zur kulturellen Eroberung \u00d6sterreichs\u201c (22.9.1935). In d\u00fcsteren T\u00f6nen wird auch die Konsequenz, wenn die \u00f6sterreichische Regierung nicht darauf reagiere, ausgemalt: \u201eSo ist \u00d6sterreich der Gleichschaltung mit Haut und Haar ausgeliefert\u201c (ebda.).<\/p>\n<p><em>Der Heimatsch\u00fctzer, <\/em>eine weitere Wochenzeitung und offizielles Organ des \u00d6sterreichischen Heimatschutzes, urteilte folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">In diesen Tagen ist ein Generalangriff der nationalsozialistischen Agitation gegen \u00d6sterreich vom Zaun gebrochen worden, der sich so ziemlich aller Mittel der Propaganda und des Terrors bedient.<\/p>\n<p>Und weiter:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Das \u00fcber \u00d6sterreich verh\u00e4ngte deutsche Buchdumping ist ein offener Angriff des deutschen Propagandaministeriums auf den \u00f6sterreichischen B\u00fcchermarkt, auf die \u00f6sterreichischen Verlagsanstalten, auf die \u00f6sterreichischen Schriftsteller und auf die \u00f6sterreichische Kultur. (28.9.1935, S. 1)<\/p>\n<p>Gar d\u00fcster prophezeite der Redakteur dieser Zeitung das nahende \u201eEnde der Jahrtausende alten deutschen Kultur in \u00d6sterreich\u201c (ebda.).<\/p>\n<p>In diesen repr\u00e4sentativen Beispielen aus der Presse ist, auch wenn man nicht dem Provinzialismus das Wort reden m\u00f6chte, von einer drohenden und bedrohlichen kulturpolitischen Gefahr durch das verbilligte reichsdeutsche Buch die Rede. Ein prominenter \u00d6sterreicher teilte diesen Pessimismus allerdings ganz und gar nicht, n\u00e4mlich Guido Zernatto. Neben seiner eigenen schriftstellerischen T\u00e4tigkeit war er Bundeskulturrat, seit dem 14.5.1935 Vize-Pr\u00e4sident des \u00d6sterr. Bundesverlags, seit dem 18.11.1932, als die Firma in eine Ges.m.b.H. umgewandelt wurde, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Univ.-Buchhandlung Wilh. Braum\u00fcller &amp; Sohn sowie Vize-Pr\u00e4sident des Katholischen Schriftstellerverbands und gemeinsam mit Dr. Wilhelm Wolf f\u00fcr die Schriftleitung der <em>\u00d6sterreichischen<\/em><em> Rundschau <\/em>verantwortlich, wobei diese Liste keinerlei Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erhebt. Im folgenden Jahr 1936 wurde er Generalsekret\u00e4r der Vaterl\u00e4ndischen Front und ebenfalls im Mai Staatssekret\u00e4r in der Regierung Schuschnigg.<a style=\"mso-footnote-id: ftn46;\" href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\"><span class=\"reference\">[46]<\/span><\/a> Nebenbei war er als Referent des \u00f6sterr. Olympischen Komitees t\u00e4tig und fungierte bei der Olympiade in Berlin 1936 als \u00f6sterr. Jurymitglied der internationalen Jury f\u00fcr den olympischen Kunstwettbewerb<a style=\"mso-footnote-id: ftn47;\" href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\"><span class=\"reference\">[47]<\/span><\/a> Noch im Jahre 1935 wurde er vom BM f\u00fcr Unterricht als Obmann-Stellvertreter der Verwaltungskommission des V.F.F. vorgeschlagen. Kein Wunder also, da\u00df ein Interessenskonflikt, wie er sich im Fall des \u201edeutschen Buchdumpings\u201c \u00e4u\u00dferte, nahezu unvermeidlich war. Zernatto nahm zur Frage der Buchpreiserm\u00e4\u00dfigung in der <em>Neuen Freien Presse <\/em>am 25. September 1935 \u00f6ffentlich Stellung und meinte, sie w\u00e4re \u201eprinzipiell zu begr\u00fc\u00dfen\u201c. Nach Abw\u00e4gung aller Argumente sprach er sich f\u00fcr die Senkung aus:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Hier die Verbilligung von fast neun Zehnteln der Gesamtheit aller verkauften B\u00fccher; hier die Erleichterung der Verbreitung von mehr als neun Zehnteln des \u00f6sterreichischen Anteiles an der deutschen Dichtung, hier die Erm\u00f6glichung wesentlich gr\u00f6\u00dferer Anschaffungen in Volksbibliotheken und wissenschaftlichen Instituten \u2013 dort die wirtschaftliche Einbu\u00dfe eines verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Kreises von \u00f6sterreichischen Verlegern.<\/p>\n<p>Zernatto gab auch zu, da\u00df eine Hilfe seitens der Regierung f\u00fcr die \u00f6sterreichischen Verleger notwendig sei, schr\u00e4nkte aber ein, da\u00df nur \u201ejenes gute \u00f6sterreichische Schrifttum, dem die Verbreitung in Deutschland erschwert oder unm\u00f6glich gemacht ist\u201c, in Frage komme:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Seine St\u00fctzung und Unterst\u00fctzung ist sicherlich eine wichtige Aufgabe der \u00f6sterreichischen Kulturpolitik, wenn die Produktion dieses \u00f6sterreichischen Verlages so ist, da\u00df sie in den Rahmen eines christlichen und deutschen Staates hineinpa\u00dft.<\/p>\n<p>Man kann hier bereits vorausschicken, da\u00df die \u201eVerlagsf\u00f6rderung\u201c nicht nach den Vorstellungen Zernattos gelaufen ist.<\/p>\n<p>Diejenigen Zeitungen, die sich trauten, haben Zernatto wegen seiner Ansichten auch entsprechend kritisiert. Im Gegensatz zu den Zeitungsmeinungen sah Zernatto keine wie immer geartete kulturpolitische Bedrohung durch das Buchdumping. Zernatto w\u00f6rtlich:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Besteht eine Gefahr erh\u00f6hter Einfuhr politisch tendenzi\u00f6sen Schrifttums aus Deutschland nach \u00d6sterreich? Auch diese Frage kann verneint werden. Der Regierung steht wie bisher die Ma\u00dfnahme des Verbotes offen. (ebda.)<\/p>\n<p>Abgesehen davon, da\u00df Zernatto die Tatsache ignoriert, da\u00df es sich um \u201eDumping\u201c handelt und \u201eda\u00df die Subventionierung des deutschen B\u00fccherexports den deutschen Verlagsh\u00e4usern zu einer kommerziellen \u00dcberlegenheit verhilft, die auf die Dauer ein Verlagsgesch\u00e4ft in \u00d6sterreich \u00fcberhaupt unm\u00f6glich machen m\u00fc\u00dfte\u201c <em>(OeZ am Abend, <\/em>25. 9. 1935), glaubt er das allf\u00e4llige Problem mit Verboten zu beseitigen. Dazu ein Redakteur der <em>OeZ<\/em><em> am Abend <\/em>vom selben Datum:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ob im \u00fcbrigen Massenverbote parteipolitisch gef\u00e4rbter deutscher B\u00fccher zu der allseits gew\u00fcnschten Befriedung beitragen w\u00fcrden, bleibe dahingestellt, um so mehr, als es ja in so vielen F\u00e4llen nicht die ausdr\u00fcckliche parteipolitische Einstellung, sondern die gesamte geistige Haltung eines Buches ist, die dem \u00f6sterreichischen Gedanken widerspricht.<\/p>\n<p>Verwunderlich ist, da\u00df der \u00f6sterreichische Kulturmensch Zernatto auf seinem ureigensten Fachgebiet sich aufkl\u00e4ren lassen mu\u00dfte. Ein weiterer Kritiker &#8211; diesmal vom Legitimistenblatt <em>Der \u00d6sterreicher<\/em><a href=\"#_ftn48\" target=\"text\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a> &#8211; nennt seinen Artikel \u201eEine merkw\u00fcrdige Buchgeschichte\u201c und verweist auf die unterschiedlichen Auffassungen in dieser Frage zwischen Zernatto und seiner Bundesregierung. Zum Teil von der Zeitung <em>OeZ<\/em><em> am Abend <\/em>inspiriert, nimmt der Journalist eine neutrale Quelle, n\u00e4mlich das Wiener Adre\u00dfbuch, <em>Lehmann, <\/em>zur Hand, um Zernatto als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines nicht unwichtigen Verlagsunternehmens, Braum\u00fcller, zu entlarven. Der Schlu\u00dfsatz:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wer hat sich nun f\u00fcr das deutsche B\u00fccherdumping ausgesprochen? Der Bundeskulturrat, der Heimatsch\u00fctzer, der Schriftsteller oder der Buchh\u00e4ndler Zernatto? (4.10.1935)<\/p>\n<p>Obwohl die Presse sich sehr energisch und sehr kritisch und vor allem sehr \u00f6sterreichisch-patriotisch mit dem reichsdeutschen Buchdumping auseinandersetzte, galt ihr \u00c4rger vornehmlich dem Verein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler, dem mehr oder weniger Verrat vorgeworfen wurde. Das begann einmal mit den Werbema\u00dfnahmen, die von den meisten Buchh\u00e4ndlern get\u00e4tigt wurden, um Kunden auf die Verbilligung des deutschen Buchs aufmerksam zu machen. Das war auch aus ihrer Sicht legitim. Die Sortimenter reagierten auf verschiedene Weise: zwei Buchhandlungen der Inneren Stadt h\u00e4tten nach dem Bericht der <em>Wiener Zeitung, <\/em>die erstaunlich viel und sehr kritisch \u00fcber das Buchdumping berichtete, auf jedwede Reklame verzichtet und somit den heimischen Verlag unterst\u00fctzt (19.9.1935). Andere hingegen machten gro\u00dfe Reklame f\u00fcr die Aktion und beh\u00e4ngten ihre Auslagen mit gro\u00dfen Papierstreifen: \u201eDeutsche B\u00fccher um 25% billiger\u201c. Die Ank\u00fcndigungen h\u00e4tten laut Zeitungsberichten \u201eberechtigtes Aufsehen hervor(ge)rufen\u201c <em>(OeZ am Abend, <\/em>21.9.1935). Mehrere Zeitungen (u.a. <em>Wiener Zeitung, <\/em>19.9.1935) machten auf \u201edie irref\u00fchrenden Plakate\u201c <em>(Telegraf, <\/em>21.9.1935) aufmerksam, irref\u00fchrend deshalb, weil es sich lediglich um B\u00fccher reichsdeutscher Provenienz handelte und weil sie einen \u201eung\u00fcnstigen Schlu\u00df auf die \u00f6sterreichischen Verleger\u201c zulie\u00dfen <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">(Wiener Zeitung, <\/em>21.9.1935). Die <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Wiener Zeitung <\/em>schreibt weiter:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Haben die Buchh\u00e4ndler, hat der \u00f6sterreichische Buchh\u00e4ndlerverein diese Wirkung nicht bedacht? (&#8230;) Es ist sehr bedauerlich, da\u00df die \u00f6sterreichischen Sortimenter sich ihrer kulturellen Zusammengeh\u00f6rigkeit mit dem \u00f6sterreichischen Verlag so wenig bewu\u00dft zu sein scheinen.<\/p>\n<p>Die Werbung f\u00fcr das deutsche Buchdumping und das negative Echo in der Presse und aus Verlegerkreisen veranla\u00dfte die \u00f6sterreichische Regierung, dem Verein eine Weisung zu erteilen, und zwar dahingehend, da\u00df \u201edie Ank\u00fcndigung(en) \u00fcber die Verbilligung reichsdeutscher B\u00fccher etc. aus dem Schaufenster zu entfernen und \u00e4hnliche Verlautbarungen<a style=\"mso-footnote-id: ftn49;\" href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\"><span class=\"reference\">[49]<\/span><\/a> zu unterlassen\u201c seien.<a style=\"mso-footnote-id: ftn50;\" href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\"><span class=\"reference\">[50]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wenn es eines weiteren Beispiels f\u00fcr die unterschiedliche Interessenslage von Vereinsleitung, Verlegern und Sortimentern bedurfte, so waren eben diese Werbema\u00dfnahmen der Punkt, an dem sich die Geister schieden. Denn die Werbeplakate mu\u00dften gegen den Willen der Sortimenter, die ohnehin auf den in der Presse stark bemitleideten \u00f6sterreichischen Verlag w\u00fctend waren, entfernt werden. Anl\u00e4\u00dflich einer Sortimenterbesprechung in Wien einige Tage sp\u00e4ter, am 26. September, bei der auch die ganz gro\u00dfen unter den Buchh\u00e4ndlern stimmenstark vertreten waren, wurde verlangt, da\u00df das Plakatverbot zur\u00fcckgenommen werde. Ob dies bewilligt werde, hie\u00df es lapidar im Protokoll, \u201eist ungewi\u00df\u201c.<a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\"><span class=\"reference\">[51]<\/span><\/a> Bei der Besprechung wurde auch der (fromme) Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df die Pressekampagne eingestellt werde. Sie war aber erst im Anlaufen! Auch nach dem Verbot lieferte die Werbung f\u00fcr das Buchdumping Z\u00fcndstoff f\u00fcr Zeitungskritik. So schrieb der <em>Telegraf <\/em>am 28. September:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Durchf\u00fchrung des Dumpings wurde nicht nur versucht, man hat f\u00fcr diese Sch\u00e4digung der \u00f6sterreichischen Wirtschaft und des heimischen Kulturgutes noch Propaganda gemacht.<\/p>\n<p>Und in \u00e4hnlichem Sinn der <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich <\/em>am 6. Oktober:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die gewissen Plakate in \u00f6sterreichischen Buchhandlungen (Verst\u00e4ndigung von der 25prozentigen Verbilligung der deutschen B\u00fccher) kommen einer Aufforderung an das Publikum gleich, keine \u00f6sterreichischen B\u00fccher und Musikalien mehr zu kaufen.<\/p>\n<p>Die Kritik, die direkt an dem Verein ge\u00fcbt wurde, kann man zun\u00e4chst stichwortartig folgenderma\u00dfen formulieren: Pflichtverletzung gegen\u00fcber dem \u00f6sterreichischen Buch und Verlag sowie Gewinnsucht. So meinte der <em>Telegraf<\/em>(21.9.1935), der Verein habe dem Buchdumping zugestimmt, \u201eunbek\u00fcmmert darum, da\u00df es seine Pflicht gewesen w\u00e4re, zum Schutze des \u00f6sterreichischen Buches, seine Handlungsweise genau zu \u00fcberlegen\u201c, w\u00e4hrend man am selben Tag in der <em>Wiener Zeitung <\/em>lesen konnte:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es mag ja verst\u00e4ndlich sein, da\u00df die \u00f6sterreichischen Sortimenter ein gro\u00dfes Gesch\u00e4ft erwarten, aber (&#8230;) die \u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndler [sollten] nicht erst dar\u00fcber belehrt werden m\u00fcssen, da\u00df das Buch kein blo\u00dfer Handelsartikel, Verlag und Sortiment nicht blo\u00dfe Handelsunternehmungen sind, sondern eine spezifische und hier spezifisch \u00f6sterreichische kulturelle Aufgabe zu erf\u00fcllen haben.<\/p>\n<p>Am 28. September spricht der <em>Heimatsch\u00fctzer <\/em>\u201eEin offenes Wort an die \u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndler\u201c (\u00dcberschrift) aus. Im Gegensatz zur Schweiz, hei\u00dft es da, h\u00e4tten \u201eanscheinend die Vertreter des \u00f6sterreichischen Buchhandels nur ihre eigenen materiellen Interessen im Auge behalten und dieser reichsdeutschen \u00dcberfremdungsaktion zugestimmt \u2013 unter dem einen Vorbehalt, da\u00df ihr Anteil an dem Verkaufserl\u00f6s deutscher B\u00fccher entsprechend erh\u00f6ht w\u00fcrde\u201c (28.9.1935). F\u00fcr die <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Wiener Zeitung <\/em>blieb es \u201eunerfindlich\u201c (26.9.1935), wieso der Verein in diese Preissenkungsaktion einwilligen konnte, w\u00e4hrend die <em>Reichspost <\/em>sich fragte &#8211; \u201eErstaunen mu\u00df es erregen&#8230;\u201c (24.9.1935) &#8211; , wieso private \u00f6sterreichische Wirtschaftsorganisationen auf eigene Faust mit reichsdeutschen Stellen verhandeln und abschlie\u00dfen konnten. \u00c4hnlich ortete der <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich <\/em>\u201eeigenartiges Verhalten\u201c (6.10.1935) seitens des Vereins, \u201eder ohne Befragung der Verleger oder \u00f6sterreichischer amtlicher Stellen der deutschen Ma\u00dfnahme zugestimmt hat\u201c. Sie wagte gar zu behaupten, da\u00df das Dumping ohne diese Zustimmung undurchf\u00fchrbar gewesen w\u00e4re. Demgegen\u00fcber stellt ein Gutachten der Kammer f\u00fcr Handel, Gewerbe und Industrie in Wien, das dem Dumping im allgemeinen ablehnend gegen\u00fcbersteht, am 13. September 1935 fest, da\u00df eine solche einstimmige Ablehnung nicht m\u00f6glich sei, \u201eweil die \u00f6sterreichischen Sortimenter und Detailh\u00e4ndler sich von der Preiserm\u00e4\u00dfigung eine Hebung ihres Umsatzes und daher h\u00f6here Verdienstm\u00f6glichkeiten versprechen.\u201c Die <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">\u00d6sterreichische Abendzeitung<\/em> (4.10.1935) meinte, es gehe nicht an und es widerspreche \u201eSicherlich dem St\u00e4ndegedanken, da\u00df ein Stand auf Kosten anderer &#8211; der Konsumenten und der \u00f6sterreichischen Verleger, und damit der heimischen Druckindustrie, dem Buchbindergewerbe usw. &#8211; derartige Verdienste anrechnen kann.\u201c Der Verein wolle durch diesen Vorgang \u201eden gro\u00dfen Coup machen\u201c (ebda.). Es habe sich nach Meinung des <em>Heimatsch\u00fctzers <\/em>(28.9.1935) \u201eein nicht unwesentlicher Teil der \u00f6sterreichischen Wirtschaft, ein wichtiger Bestandteil der \u00f6sterreichischen Kulturorganisationen bewu\u00dft au\u00dferhalb der \u00f6sterreichischen Schicksalsgemeinschaft gestellt\u201c, \u201ewobei dann noch zum Schlu\u00df die Frage erlaubt sein m\u00fc\u00dfte, ob dies lediglich aus Gewinnsucht oder etwa aus politischen Gr\u00fcnden geschehen ist\u201c. Im Einklang mit anderen Zeitungen wird eine \u201erestlose Aufkl\u00e4rung\u201c verlangt.<a style=\"mso-footnote-id: ftn52;\" href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\"><span class=\"reference\">[52]<\/span><\/a><\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading9\"><\/a> e) B\u00fccherdumping und B\u00fccherwucher?<\/h4>\n<p>Neben der harten Kritik am \u00f6sterreichischen Verein geriet gleichzeitig eine weitere Auswirkung des Buchdumpings, n\u00e4mlich die finanziellen Folgen bzw. Vorteile f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Sortimentsbuchhandel, unter Beschu\u00df. Angedeutet wurden diese Attacken mit Artikel\u00fcberschriften wie \u201eEin gutes Gesch\u00e4ft\u201c <em>(OeZ am Abend, <\/em>26.9.1935), \u201eB\u00fccherdumping und B\u00fccherwucher\u201c <em>(\u00d6sterreichische Abendzeitung,<\/em> 4.10.1935), \u201eDas Gesch\u00e4ft mit dem deutschen B\u00fccherdumping\u201c <em>(Die Stunde,<\/em> 27.9.1935), \u201eWer verdient am deutschen Buchdumping?\u201c <em>(Die Stunde, <\/em>25.9.1935).<\/p>\n<p>Auch vor dem Inkrafttreten der Preissenkung war der \u00f6sterreichische Verlag aus handelspolitischen Erw\u00e4gungen gezwungen, den Grundpreis seiner B\u00fccher und Musikalien &#8211; auch beim Beliefern des inl\u00e4ndischen Markts &#8211; in Reichsmark anzusetzen. Er hat aber f\u00fcr das Inland die Mark fast ausnahmslos mit S 1,70 umgerechnet, wohingegen der \u00f6sterreichische Buchh\u00e4ndler f\u00fcr das reichsdeutsche Werk bisher mit S\u00a02,20 umrechnete und erst mit dem 9. September ebenfalls auf S 1,70 herunterging. Da der Ladenpreis um 25% gesenkt, der Rabatt aber nicht nur nach dem alten Satz, sondern in der alten betragsm\u00e4\u00dfigen H\u00f6he beibehalten wurde, ergab sich f\u00fcr den \u00f6sterr. Sortimenter bei gleichbleibendem Umsatz eine Bruttogewinnerh\u00f6hung nach folgendem Schl\u00fcssel:<\/p>\n\n<table id=\"tablepress-5\" class=\"tablepress tablepress-id-5\">\n<thead>\n<tr class=\"row-1\">\n\t<th class=\"column-1\">Alter Rabatt<\/th><th class=\"column-2\">Neuer Rabatt<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody class=\"row-hover\">\n<tr class=\"row-2\">\n\t<td class=\"column-1\">30 %<\/td><td class=\"column-2\">40 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-3\">\n\t<td class=\"column-1\">40 %<\/td><td class=\"column-2\">53,50 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-4\">\n\t<td class=\"column-1\">45 %<\/td><td class=\"column-2\">60 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-5\">\n\t<td class=\"column-1\">50 %<\/td><td class=\"column-2\">66,67 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-6\">\n\t<td class=\"column-1\">55 %<\/td><td class=\"column-2\">73,5 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<!-- #tablepress-5 from cache -->\n<p>F\u00fcr jeden mit dem Buchhandel Vertrauten h\u00e4tten solche Rabatts\u00e4tze, die praktisch mit 400\/o begannen, v\u00f6llig ungesund und auf Dauer nicht zu halten erscheinen m\u00fcssen. Doch geradezu grotesk muteten diese Ziffern an, wenn man sie nicht als Rabatt, sondern als Zuschlag zum Einkaufspreis betrachtete. Dann entsprach n\u00e4mlich<\/p>\n\n<table id=\"tablepress-6\" class=\"tablepress tablepress-id-6\">\n<thead>\n<tr class=\"row-1\">\n\t<th class=\"column-1\">ein alter Rabatt von 30%\t\t<\/th><th class=\"column-2\">einem Verkaufszuschlag von 66 2\/3%\t\t<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody class=\"row-hover\">\n<tr class=\"row-2\">\n\t<td class=\"column-1\">40 %<\/td><td class=\"column-2\">114 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-3\">\n\t<td class=\"column-1\">45 %<\/td><td class=\"column-2\">150 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-4\">\n\t<td class=\"column-1\">50 %<\/td><td class=\"column-2\">200 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-5\">\n\t<td class=\"column-1\">55 %<\/td><td class=\"column-2\">275 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<!-- #tablepress-6 from cache -->\n<p>Rechnete man das Freiexemplar (z.B. 11\/10) hinzu, vergr\u00f6\u00dferte sich der Zwischengewinn noch mehr. Und in diesem Zusammenhang meinte <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Die Stunde, <\/em>es sei \u201evor allem der Zwischenhandel, der den gro\u00dfen Profit aus den Beg\u00fcnstigungen (&#8230;) zieht, oder richtiger schon gezogen hat\u201c (25.9.1935). Es waren aber in der Tat nicht alle \u00f6sterr. Wiederverk\u00e4ufer gleich. Die Nutznie\u00dfer waren nur bei einem Teil der Buchh\u00e4ndlerschaft zu finden, und zwar, wie <em>Die Stunde <\/em>feststellte, \u201enur bei einem ganz bestimmten Teil der Buchh\u00e4ndlerschaft, der nicht sehr gro\u00df, daf\u00fcr aber ziemlich einflu\u00dfreich ist und im Wesentlichen auch die Importverh\u00e4ltnisse beherrscht\u201c (ebda.). F\u00fcr die gro\u00dfen Eink\u00e4ufe bei reichsdeutschen Verlagen kamen nur die Gro\u00dfh\u00e4ndler in \u00d6sterreich, die die kleinen Sortimenter nach Bedarf belieferten, in Frage. <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Die Stunde <\/em>dazu:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Beg\u00fcnstigung kommt also vor allem wenigen Gro\u00dfbuchh\u00e4ndlern zugute, ja sie wird um die Verdienstspanne, um die der Detailh\u00e4ndler gek\u00fcrzt erscheint, sogar noch erh\u00f6ht, (&#8230;). (25.9.1935)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend &#8211; zugegeben &#8211; die wirtschaftlich bedr\u00e4ngten Gro\u00dfh\u00e4ndler und z.T. auch Detailh\u00e4ndler den Vorwurf schwer entkr\u00e4ften konnten, da\u00df sie sich mit Hilfe der neuen Rabatts\u00e4tze sanieren wollten, ohne daran zu denken, da\u00df die Preissenkung eines Tages eingestellt werden k\u00f6nnte, und auf wessen Kosten diese Sanierung geschehe, hatte der Kunde auch einen Preisvorteil, der in der Praxis eine Senkung beim Ladenpreis von etwa 22 % ausmachte. Im Rahmen des Dumpings war &#8211; um zwei konkrete Beispiele anzuf\u00fchren &#8211; Thomas Manns <em>Leiden und Gr\u00f6\u00dfe der Meister <\/em>um S 11,90 statt wie bisher um S 15,40 zu erstehen. <em>Die Buddenbrooks <\/em>konnte man nun um S 4,80 statt um S 6,30 kaufen. Und um ein Beispiel zu zitieren, das dem weniger bemittelten Buchkunden zu dieser Zeit entsprach: ein Reclam-Heft kostete statt 70 Groschen nur mehr 52 Groschen.<\/p>\n<p>Nun geht es um die Kl\u00e4rung des Widerspruchs, weshalb die Preissenkungsaktion letztlich akzeptiert und durchgef\u00fchrt wurde, nachdem der \u201eVerein\u201c sie so energisch bek\u00e4mpft hatte. Die Diskussion m\u00fcndet in die Spaltung zwischen Sortimentern und Verlegern au\u00dferhalb und innerhalb des Vereins.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading10\"><\/a> f) Die Lagerverg\u00fctung<\/h4>\n<p>Manche Sortimenter erhofften sich zu Recht eine Belebung ihres Absatzes durch die Preisverbilligung reichsdeutscher B\u00fccher. Aber es kann schon vorausgeschickt werden, da\u00df die erwarteten Folgen nicht eingetroffen sind, denn es wurde nicht bedacht, da\u00df eine Preisverbilligung nicht immer zu einer Vermehrung des Absatzes f\u00fchren mu\u00dfte. W\u00e4hrend Institutionen und \u00c4mter mit ihrem Budget nun mehr B\u00fccher kaufen konnten, war keineswegs gesagt, da\u00df der gew\u00f6hnliche Kunde automatisch die Ersparnis durch die Verbilligung wiederum f\u00fcr weitere B\u00fccher ausgeben mu\u00dfte. Die Sortimenter betrieben nicht nur in dieser Hinsicht eine kurzsichtige Standespolitik; sie fa\u00dften die Verg\u00fctung ihres Lagerverlustes, die ihnen von reichsdeutscher Seite zugestanden wurde, als Entgegenkommen, das eigentlich ein \u201eK\u00f6der\u201c war, auf. Dem Sortiment w\u00e4re ein neues Opfer auferlegt worden, da man doch einen Gro\u00dfteil des B\u00fccherlagers zum hohen Preis angekauft hatte, ihn aber jetzt zum gesenkten Preis verkaufen mu\u00dfte. Das Zugest\u00e4ndnis einer Lagerverg\u00fctung war bereits bei der Berliner Besprechung am 9. August in Aussicht gestellt worden. Dabei wurde die schwere Ungerechtigkeit \u00fcbergangen, da\u00df die Lagerverg\u00fctung nur einem kleinen Kreis des \u00f6sterreichischen Sortiments &#8211; in der Regel wiederum den gr\u00f6\u00dferen Unternehmen <span style=\"mso-char-type: symbol;\"><span style=\"mso-char-type: symbol;\">\u2013<\/span><\/span>, und zwar nur denjenigen \u00f6sterr. Vereinsmitgliedern, die zugleich B\u00f6rsenvereins-Mitglieder waren, zugute kommen sollte. Wie dem auch sei, die Vereinsvertreter, die schlie\u00dflich f\u00fcr alle Mitglieder und Fachgruppen da sein wollten, bem\u00fchten sich, eine Verg\u00fctung auch f\u00fcr die Nichtmitglieder des B\u00f6rsenvereins, und zwar f\u00fcr alle \u00f6sterr. konzessionierten Buch- und Musikalienbetriebe, zu erreichen.<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\"><span class=\"reference\">[53]<\/span><\/a> Die diesbez\u00fcglichen Verhandlungen d\u00fcrften aber zu keinem Erfolg gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Die Lagerverg\u00fctungsaktion war trotz zeitlicher Beschr\u00e4nkung (6 Monate r\u00fcckwirkend vom Inkrafttreten der Preissenkung) und trotz der Tatsache, da\u00df Nicht-BV-Mitglieder ausgeschlossen waren, eine Ma\u00dfnahme, die dem Sinn und Zweck des Dumpings, d.h. der Devisenbeschaffung, widersprach. Sie war auch ein Musterbeispiel f\u00fcr die B\u00fcrokratisierung der nationalsozialistischen Wirtschaft, Die damit verbundene Papierarbeit f\u00fcr alle Beteiligten war \u2013 wie wir gleich sehen werden \u2013 so umfangreich, die Vertr\u00f6stungen \u00fcber Monate hindurch wegen der nicht geleisteten Verg\u00fctung waren so zahlreich, da\u00df man Zweifel hegen konnte, ob von reichsdeutscher Seite \u00fcberhaupt an eine Erf\u00fcllung des Versprechens gedacht wurde.<\/p>\n<p>Die Verg\u00fctung des Lagerverlustes sollte von allem Anfang an \u201evertraulich\u201c behandelt werden. Die Richtlinien wurden vom Generaldirektor des B\u00f6rsenvereins, Dr. Max Albert He\u00df, am 4. September 1935 aufgestellt und dem \u00f6sterreichischen Verein \u00fcbermittelt.<a style=\"mso-footnote-id: ftn54;\" href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\"><span class=\"reference\">[54]<\/span><\/a> Zwei Tage sp\u00e4ter schickte der Verein eigene Erl\u00e4uterungen in Form eines Rundschreibens zusammen mit dem Rundschreiben des B\u00f6rsenvereins an seine Mitglieder<a style=\"mso-footnote-id: ftn55;\" href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\"><span class=\"reference\">[55]<\/span><\/a>: Einleitend wurde vom Verein vermerkt: \u201eDie Angelegenheit der Lagerverg\u00fctung ist <em>streng vertraulich <\/em>zu behandeln. Die Lagerverg\u00fctung kommt nur denjenigen unserer Vereinsmitglieder zu, die zugleich auch B\u00f6rsenvereinsmitglieder sind.\u201c (ebda.)<\/p>\n<p>Die B\u00f6rsenvereinsmitglieder im Vereinsgebiet des B\u00f6rsenvereins au\u00dferhalb des Reichsgebietes mu\u00dften sich auf vermehrte Papierarbeit beim Ausf\u00fcllen eines \u201eAntrages auf Verg\u00fctung von Lagerverlusten\u201c (Anlage A) gefa\u00dft machen. Sie mu\u00dften eine Liste laut Anlage A aufstellen, \u201ein die sie alle am 9. September 1935 bei ihnen auf Lager befindlichen, in der Zeit vom 1. M\u00e4rz bis 8. September 1935 fest bezogenen, der neuen Ausfuhrregelung unterworfenen Gegenst\u00e4nde des reichsdeutschen Buchhandels aufnehmen, und zwar mit Inlandsladenpreisen.\u201c (V 1935, Mappe 422) Die ausgef\u00fcllten Antr\u00e4ge waren bis sp\u00e4testens 7. Oktober 1935 an den Verein in Wien eingeschrieben einzusenden. Die Antr\u00e4ge mu\u00dften dann vom Verein auf ihre Richtigkeit hin \u00fcberpr\u00fcft werden, wobei der B\u00f6rsenverein Stichproben erlaubte. Mit einem Pr\u00fcfungsvermerk versehen, mu\u00dften sie bis sp\u00e4testens 20. Oktober 1935 bei den reichsdeutschen Lieferanten (Verleger, Zwischenh\u00e4ndler) eingegangen sein. Als n\u00e4chstes mu\u00dften die reichsdeutschen Lieferanten die Antr\u00e4ge erneut pr\u00fcfen und sie bei der Wirtschaftsstelle f\u00fcr den deutschen Buchhandel, Berlin, einreichen. Diese sollte sodann den reichsdeutschen Lieferanten die sich aus den Listen ergebenden Lagerverlustbetr\u00e4ge verg\u00fcten. Diese ganze Prozedur als \u201ekompliziert\u201c zu bezeichnen, w\u00e4re wohl ein Understatement. Es fragt sich, ob sie sich auszahlte.<\/p>\n<p>In der Hauptversammlung des Vereins am 20. Oktober wurde auch \u00fcber die T\u00e4tigkeit der Vereinskanzlei anl\u00e4\u00dflich der Verg\u00fctungsaktion folgendes berichtet:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es mu\u00dften innerhalb von 14 Tagen fast 12.000 Eingaben an deutsche Verleger gepr\u00fcft und nachgerechnet werden. Weit \u00fcber die H\u00e4lfte dieser Lager-Verg\u00fctungsansuchen langten in den letzten drei Tagen \u2013 darunter ein Sonntag \u2013 ein. Die dem Verein erwachsenen Portoauslagen betrugen ungef\u00e4hr S 1.700,-. <em>(Anzeiger, <\/em>Nr. 26, 26. 10. 1935, S. 142)<\/p>\n<p>Die Umst\u00e4ndlichkeit des Verfahrens brachte es mit sich, da\u00df lange Zeit zum Schaden der Betroffenen &#8211; nichts geschah. Ende November waren diejenigen, die einen Anspruch auf Ersatz hatten, dazu \u00fcbergegangen, einfach Zahlungen f\u00fcr offene Rechnungen bei reichsdeutschen Lieferanten um Summen aus den Antr\u00e4gen aus dem versprochenen Lagerersatz zu k\u00fcrzen! Diese Praxis f\u00fchrte zu einer Mahnung des B\u00f6rsenvereins, die im <em>Anzeiger<\/em> an die Mitglieder weitergeleitet wurde (76. Jg., Nr. 29, 30.11.1935, S. 172). Drei Monate sp\u00e4ter begannen zahlreiche Sortimenter die Auszahlung der Lagerverg\u00fctungen bei den reichsdeutschen Verlegern zu urgieren. Die Entscheidungen \u00fcber die einzelnen Antr\u00e4ge seien schlie\u00dflich noch nicht gef\u00e4llt worden, wurde mitgeteilt. Da der Verein bei den deutschen Verlegern bereits mehrfach interveniert hatte und die Bezahlung der Betr\u00e4ge erst dann erfolgen konnte, wenn die Reichswirtschaftsstelle dem Verlag die betreffenden Betr\u00e4ge gutgeschrieben hatte, ersuchte er die \u201eMitglieder von Urgenzen abzusehen, weil sie zwecklos sind\u201c <em>(Anzeiger, <\/em>77. Jg., Nr. 3, 25.1.1936, S. 13).<\/p>\n<p>Neun Monate nach dem \u201eklaren Abkommen vom Vorjahre\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn56;\" href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\"><span class=\"reference\">[56]<\/span><\/a> fehlte von der zugesicherten Verg\u00fctung seitens der deutschen Verlage, aber eigentlich: seitens der Reichswirtschaftsstelle, jede Spur.<\/p>\n<p>Inzwischen k\u00e4mpften die \u00f6sterr. Sortimenter mit schweren Verlusten durch Entwertung des Lagers und eine Schw\u00e4chung der Zahlungsf\u00e4higkeit. Um das Rundschreiben s\u00e4mtlicher Auslandsvereine an ihre Mitglieder vom 4. Mai 1936 zu zitieren: die Situation war \u201ederart kritisch, da\u00df sie nicht schwarz genug geschildert werden kann\u201c. Die Rechnung der urspr\u00fcnglichen Bef\u00fcrworter der reichsdeutschen Preissenkung in \u00d6sterreich ging doppelt nicht auf \u2013 einmal durch die lange Nichteinhaltung des Lagerverg\u00fctungsabkommens und zum zweiten durch die pl\u00f6tzliche, einseitige K\u00fcndigung der seit 9. September 1935 geltenden 25%igen Preissenkungsaktion.<\/p>\n<p>Der BV gab bekannt, da\u00df \u00c4nderungen sowohl in der Art der Lagerverg\u00fctung, die noch immer blo\u00dfe Theorie war, als auch in der Rabattgew\u00e4hrung mit 1. April 1936 eintreten w\u00fcrden.<a style=\"mso-footnote-id: ftn57;\" href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\"><span class=\"reference\">[57]<\/span><\/a> Das geschah freilich ohne jede Vorwarnung und ohne jede Absprache mit den Auslandsvereinen. Es wurde also neuerlich \u201ediktiert\u201c, Vereinbarungen wie Zusicherungen wurden nicht eingehalten. Wie dem auch sei, es hatte von vornherein Kreise gegeben, die bezweifelten, da\u00df eine solche Preisgestaltung (jene 25%) auf die Dauer haltbar sein werde. Nun war sie offensichtlich unhaltbar geworden. F\u00fcr den Buchh\u00e4ndler \u00e4nderte sich dabei einiges: die 25%ige Differenz zwischen dem deutschen und dem \u00f6sterreichischen Ladenpreis blieb bestehen. Von nun an sollte der Buchh\u00e4ndler nur noch den dem verminderten Preis entsprechenden Gewinn erhalten. Somit fiel der \u00fcberm\u00e4\u00dfige Gewinn der Buchh\u00e4ndler an reichsdeutschen B\u00fcchern weg.<\/p>\n<p>Ganz so unerwartet, wie es den Anschein hat, kam die Nachricht des B\u00f6rsenvereins gar nicht. Denn schon auf S. 1 des<em> Anzeigers <\/em>vom 25.1.1936 (!) las man von der Verbreitung von \u201eGer\u00fcchten\u201c in der letzten Zeit, nach denen<\/p>\n<p class=\"zitat\">die Preissenkung des reichsdeutschen Auslandsbuches binnen k\u00fcrzerer oder l\u00e4ngerer Zeit aufgehoben werden soll oder die erh\u00f6hte Rabattgew\u00e4hrung bei diesen B\u00fccherbez\u00fcgen aufgehoben werden soll.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Dem Verein ist von den f\u00fcr diese Angelegenheit zust\u00e4ndigen Stellen bisher keinerlei Mitteilung in dieser Richtung hin zugegangen, so da\u00df derlei Ger\u00fcchten kein Glauben zu schenken ist.<\/p>\n<p>Da\u00df derlei Ger\u00fcchte so fr\u00fch aufgetaucht waren, verleitet zur Annahme, da\u00df das Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda die Buchexportf\u00f6rderung sehr bald als unrentabel und gescheitert betrachtete. Immerhin bewahrheiteten sich die Ger\u00fcchte, denen \u201ekein Glauben zu schenken\u201c sei: es sollten gleich beide Vorteile f\u00fcr die Sortimenter aufgehoben werden.<\/p>\n<p>Die Vertreter der angeschlossenen Auslandsvereine des B\u00f6rsenvereins trafen am 4. Mai 1936 zu einer Besprechung im \u00f6sterreichischen Buchgewerbehaus zusammen. Gegenstand der Debatte: das, was eine Wiener Tageszeitung auf der ersten Seite in einer Schlagzeile als \u201eNeue Form des deutschen B\u00fccherdumpings\u201c bezeichnete,<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\"><span class=\"reference\">[58]<\/span><\/a> n\u00e4mlich die betragsm\u00e4\u00dfige Rabattsk\u00fcrzung. Gefordert wurde vom B\u00f6rsenverein entweder die Wiederherstellung des Zustandes vor dem 1. April oder &#8211; falls dies nicht m\u00f6glich sei &#8211; die R\u00fcckkehr zum Zustand vor dem 9. September 1935. Ferner m\u00fcsse die Verg\u00fctung der Lagerverluste, die noch immer nicht durchgef\u00fchrt wurde, so geschehen, da\u00df sie durch die Devisenvorschriften nicht behindert werde, d.h. durch Gutschrift bei den einzelnen Verlagen. Angedroht wurde &#8211; falls die Rabattk\u00fcrzung aufrechterhalten werden sollte &#8211; eine Erh\u00f6hung der Markumrechnungszahl.<a style=\"mso-footnote-id: ftn59;\" href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\"><span class=\"reference\">[59]<\/span><\/a> Das waren gro\u00dfe Forderungen. Am 4. Mai 1936 folgte eine zweite diesbez\u00fcgliche Besprechung der Vertreter.<a style=\"mso-footnote-id: ftn60;\" href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\"><span class=\"reference\">[60]<\/span><\/a> Und in einem Rundschreiben vom selben Datum, das von s\u00e4mtlichen Auslandsvertretern unterzeichnet wurde, wurden \u201ederartige gewaltsame Eingriffe in das Wirtschaftsleben\u201c indirekt verurteilt, es wurde aber die Hoffnung ausgesprochen, \u201eda\u00df die Vereinbarungen vom September 1935, welche ein unteilbares Ganzes sind, bei den ma\u00dfgebenden Stellen restlos und vertragsm\u00e4\u00dfig erf\u00fcllt werden\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn61;\" href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\"><span class=\"reference\">[61]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wegen dieser vielen Einspr\u00fcche kam es am 22. Mai in Berlin zu einer Verhandlung mit dem B\u00f6rsenverein und den Vertretern der reichsdeutschen Buchwirtschaftsstelle.<a href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\"><span class=\"reference\">[62]<\/span><\/a> Das Ergebnis sei &#8211; so jubelte der <em>Anzeiger <\/em> &#8211; \u201eein befriedigendes\u201c:<\/p>\n<p>a) Die Lagerverg\u00fctung werde beim Kommission\u00e4r bzw. Verleger gutgeschrieben.<\/p>\n<p>b) Ein Sonderrabatt von 7% werde auf den Nettopreis gew\u00e4hrt (d.h. auf den um 25% gesenkten Preis).<\/p>\n<p>c) Die Umrechnung werde um 10 Groschen auf RM 1,00 = S 1,80 erh\u00f6ht.<a style=\"mso-footnote-id: ftn63;\" href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\"><span class=\"reference\">[63]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Hier\u00fcber wurden die \u00f6sterreichischen Mitglieder mittels eines Rundschreibens informiert.<a href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\"><span class=\"reference\">[64]<\/span><\/a> Der Lagerersatz schien nun endlich Wirklichkeit zu werden.<a style=\"mso-footnote-id: ftn65;\" href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\"><span class=\"reference\">[65]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Am 3. Juli kamen die wichtigsten Vertreter des B\u00f6rsenvereins, Vorsteher Wilhelm Baur und Generaldirektor Dr. Max Albert He\u00df, nach Wien, \u201eum schwebende Fragen\u201c zu er\u00f6rtern. Baur meinte bei dieser Gelegenheit, die Einheit des deutschen Buchhandels m\u00fcsse gew\u00e4hrt bleiben, und der B\u00f6rsenverein m\u00fcsse das starke Band bleiben, das er bisher war. Bez\u00fcglich des Sonderrabatts von 7% versprach Baur, das \u00f6sterreichische Ansuchen um Verl\u00e4ngerung der Geltungsdauer zu unterst\u00fctzen.<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\"><span class=\"reference\">[66]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im November desselben Jahres tauchten unter den Auslandsvereinen neue Ger\u00fcchte auf, wonach an eine neuerliche Preissenkung der reichsdeutschen B\u00fccher gedacht werde. Diese Ger\u00fcchte wurden vom B\u00f6rsenverein dementiert.<a style=\"mso-footnote-id: ftn67;\" href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\"><span class=\"reference\">[67]<\/span><\/a> Die Rabattgew\u00e4hrung sollte nur bis Ende Dezember 1936 gelten, konnte aber einige Male verl\u00e4ngert werden.<\/p>\n<p>Der Ausklang der im September 1935 begonnenen Dumpingpraxis kam etwa zwei Jahre sp\u00e4ter, als das Deutsche Reich mit Wirkung vom 1. August 1937 die Gew\u00e4hrung des 7%igen Sonderrabatts an die Sortimenter bzw. des 10%igen an die Auslieferer einstellte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn68;\" href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\"><span class=\"reference\">[68]<\/span><\/a> Alles in allem war die Preissenkung f\u00fcr die \u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndler ein Mi\u00dferfolg gewesen. Die erhoffte Umsatzsteigerung konnte nur in einzelnen F\u00e4llen festgestellt werden. Wie vorausgesagt, war im allgemeinen vielfach eine mengenm\u00e4\u00dfige Umsatzsteigerung zu registrieren, ohne da\u00df die alte Umsatzh\u00f6he betragsm\u00e4\u00dfig erreicht wurde.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading11\"><\/a> g) Exkurs: Die Schweizer Abwehr<\/h4>\n<p>Mit Ausnahme der weniger wichtigen M\u00e4rkte f\u00fcr das reichsdeutsche Buch (Frankreich, England, USA) blieb nur der Schweiz die B\u00fccherverbilligung erspart. Wieso setzte sich die Schweiz, die ungef\u00e4hr genauso viele B\u00fccher aus dem Deutschen Reich bezog wie \u00d6sterreich und genauso mit dem deutschsprachigen Buchhandel verflochten war, erfolgreich zur Wehr und \u00d6sterreich nicht? Drei Gr\u00fcnde dr\u00e4ngen sich auf: 1. das Fehlen einer \u201eeinheitlichen und einm\u00fctigen Front\u201c gegen\u00fcber dem Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda bzw. der RSK und dem B\u00f6rsenverein; 2. die Schizophrenie der Standesvertretung in \u00d6sterreich, die vorgab, Buchh\u00e4ndler und Verleger zu vertreten; 3. das \u00f6sterreichische Sortiment, \u201edas heute die falsche Auffassung hat, vom Dumping vor\u00fcbergehend wirtschaftlich profitieren zu k\u00f6nnen\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn69;\" href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\"><span class=\"reference\">[69]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es herrschten aber im Jahre 1935 nicht absolut kontr\u00e4re, wohl aber unterschiedliche Ansichten \u00fcber den Grund, weshalb die Schweiz von dieser Ma\u00dfnahme nicht ber\u00fchrt war. Fest steht, da\u00df aufmerksame Wiener Zeitungsleser bereits am Tage, nachdem der Reichswirtschaftsminister, Dr. Schacht, in Berlin am 12. August 1935 offiziell ank\u00fcndigte, da\u00df die von ihm eingeleitete Exportf\u00f6rderungsaktion sich auch auf die Ausfuhr von B\u00fcchern erstrecken w\u00fcrde, den wahren Grund f\u00fcr diese Annahme wu\u00dften. Die Schweiz habe \u201esich gegen dieses Vorgehen so energisch zur Wehr gesetzt (&#8230;), da\u00df dieses Land bereits jetzt aus dem Exportdumping ausgenommen ist und die Schweizer Verlage von den Folgen des Dumpings freibleiben werden\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn70;\" href=\"#_ftn70\" name=\"_ftnref70\"><span class=\"reference\">[70]<\/span><\/a> \u00c4hnliches konnte man immer wieder in der Tagespresse lesen, wobei der Gegensatz zum Verhalten des \u00f6sterreichischen Vereins hervorgehoben wurde. Dazu einige Beispiele:<\/p>\n<p>W\u00e4hrend aber die Schweizer Buchh\u00e4ndler es abgelehnt haben, die Preissenkung anzupreisen und durchzufahren, hat der \u00f6sterreichische Buchh\u00e4ndlerverein zugestimmt (&#8230;). <em>(Telegraf am Mittag, <\/em>21.9.1935) \u201eDie Schweiz hat es abgelehnt, die Preissenkung durchzuf\u00fchren\u201c, hei\u00dft es fast gleichlautend am selben Tag in der <em>Wiener Zeitung. <\/em>Die<em> Reichspost <\/em>schreibt: \u201eNur die Schweizer bleiben fest und setzten durch, da\u00df ihr Land von dem angeblichen Geschenk verschont bleibt.\u201c (24.9.1935). Derselbe Vorwurf gegen den \u00f6sterreichischen Verein war auch noch in den Wochenzeitungen <em>Der Heimatsch\u00fctzer <\/em>und<em> Sturm \u00fcber \u00d6sterreich <\/em>zu lesen.<a href=\"#_ftn71\" name=\"_ftnref71\"><span class=\"reference\">[71]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es gab beim Propagandaministerium zwei Begr\u00fcndungen f\u00fcr die Schweizer Ausnahme, eine f\u00fcr den internen Dienstgebrauch und eine f\u00fcr den B\u00f6rsenverein und die Auslandsvereine. Da\u00df die Schweizer Standesvertretung es einstimmig ablehnte, mitzumachen, wird n\u00e4mlich durch den Inhalt des \u201estreng vertraulichen\u201c, von der RSK in Berlin herausgegebenen Merkblatts zur Durchf\u00fchrung des Buchexport-Ausgleichsverfahrens unterst\u00fctzt. Da hei\u00dft es n\u00e4mlich, die Preise deutscher B\u00fccher usw. wurden am 9. September \u201eim Ausland mit Ausnahme der Schweiz, die <em>auf eigenen Wunsch <\/em>von dem Verfahren nicht erfa\u00dft wird, um 25% gesenkt\u201c.<a href=\"#_ftn72\" name=\"_ftnref72\"><span class=\"reference\">[72]<\/span><\/a> Die offizielle Begr\u00fcndung, die die Auslandsvereine bei ihrer Vorsprache am 9.\u00a0August in Berlin beim Vize-Pr\u00e4sidenten der RSK, Dr. Heinrich Wismann, zu h\u00f6ren bekamen, klang allerdings anders: die Preissenkung habe f\u00fcr alle Auslandsstaaten zu gelten, deren W\u00e4hrung gegen\u00fcber der Reichsmark abgewertet wurde.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme k\u00f6nne lediglich der Schweiz zugestanden werden, da der Schweizer Frankenpreis in der Relation zum Markpreis nicht zu hoch erscheint, weil der Kurs des Schweizer Franken gegen\u00fcber der Reichsmark fast unver\u00e4ndert geblieben ist.<a style=\"mso-footnote-id: ftn73;\" href=\"#_ftn73\" name=\"_ftnref73\"><span class=\"reference\">[73]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Das war ja von allen Seiten wesentlich leichter in der \u00d6ffentlichkeit zu vertreten. Das Argument hatte freilich etwas f\u00fcr sich, denn die Schweiz hatte sich im Juli 1933 in Paris zusammen mit Frankreich, Italien, Belgien, Holland und Polen zu einem \u201eGoldblock\u201c zusammengeschlossen, als Schritt zur Wiederaufrichtung eines geordneten Weltw\u00e4hrungssystems. Die Schweiz wertete erst im Jahre 1936 ab.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es unbeschadet der einstimmigen Ablehnung der Dumpingpraxis mit reichsdeutschen B\u00fcchern Indizien, die daf\u00fcr sprechen, da\u00df die RSK die Schweiz schon seit Beginn der Verhandlungen im Fr\u00fchjahr 1935 ausnehmen wollte. Der Schweizer Standesvertreter lehnte jedoch dieses Ansinnen des Wismann-Stellvertreters, Dr.\u00a0Paul H\u00f6vel, von vornherein ab, mit der Begr\u00fcndung, da\u00df somit \u00fcber die anderen L\u00e4nder die reichsdeutschen B\u00fccher zu billigerem Preis nach der Schweiz geschoben w\u00fcrden. Bereits zu diesem Zeitpunkt &#8211; vor dem 15.\u00a0August &#8211; hatten die Schweizer Vertreter an entsprechende Schutzma\u00dfnahmen gedacht und diese sp\u00e4ter auch verwirklicht. Erste M\u00f6glichkeit war, \u201eda\u00df wir erst unsere Regierung ersuchen, die Produktion des schweizerischen Verlages in irgendeiner Weise von [vor] der billigen Bucheinfuhr von Deutschland aus zu sch\u00fctzen\u201c.<a href=\"#_ftn74\" name=\"_ftnref74\"><span class=\"reference\">[74]<\/span><\/a> Der \u00f6sterreichische Verein war mit den Schweizer Kollegen zwar zeitweise einer Meinung, indem er die Preissenkung \u201ef\u00fcr einen Unsinn und f\u00fcr einen Fehlschlag der deutschen Regierung\u201c (ebda.) hielt, ging jedoch einen anderen Weg. Erst mu\u00dften die Vertreter der Fachgruppe Verlag innerhalb des Vereins sich absetzen und eine \u00e4hnliche Initiative selbst ergreifen.<\/p>\n<p>Am 29. September, also drei Wochen nach Inkrafttreten der Preissenkung, hielt der Schweizerische Buchh\u00e4ndlerverein in Basel eine au\u00dferordentlich stark besuchte Generalversammlung ab, mit dem einzigen Traktandum: Deutsches B\u00fccherdumping. Von den Ergebnissen dieser Versammlung wurde der Verein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler am folgenden Tag schriftlich informiert. Hier ein Auszug aus dem Schreiben:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Versammlung billigte <em>einstimmig <\/em>die bisherige Haltung des Vorstandes und unterst\u00fctzte ebenfalls <em>einstimmig <\/em>die Ansichten und das Programm des Vorstandes:<\/p>\n<p class=\"zitat\">1. Im deutschen B\u00fccherdumping wird eine Kulturpropaganda erblickt, die wir strikte ablehnen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">2. Das Dumping bedroht unseren schweiz. Verlag.<\/p>\n<p class=\"zitat\">3. Das Dumping untergr\u00e4bt das Vertrauen des Publikums in den festen Ladenpreis und ist ein Schlag gegen geordnete und gerechte Methoden im Gesch\u00e4ftsleben.<\/p>\n<p class=\"zitat\">4. Das Sortiment verzichtet auf die augenblicklich gebotenen Vorteile (Rabatt auf Ordin\u00e4rpreis) und h\u00e4lt an der prinzipiellen Ablehnung fest.<\/p>\n<p class=\"zitat\">(V 1935, Mappe 422)<\/p>\n<p>Au\u00dferdem erkl\u00e4rte der Pr\u00e4sident des Schweizerischen Buchh\u00e4ndlervereins \u201eoffen in der Versammlung, da\u00df er nicht nur f\u00fcr eine Abwehrstellung eintrete, sondern das Dumping \u00fcberall aktiv bek\u00e4mpfe, weil er darin eine absolut widernat\u00fcrliche und Treu und Glauben im Handel verletzende Methode sehe\u201c (ebda.). Im Vergleich dazu wurde die Preissenkung bei den \u00d6sterreichern nie als Dumping aufgefa\u00dft, ja die Sortimenter meinten, dies w\u00e4re eine \u201ef\u00e4lschliche Bezeichnung\u201c.<\/p>\n<p>Einige Wochen sp\u00e4ter, am 25. Oktober, trat der Schweizer Bundesrat zusammen, um einen Beschlu\u00df zu fassen, der das deutsche B\u00fccherdumping in der Schweiz gesetzlich verhindern sollte. Es wurde erkl\u00e4rt, da\u00df das reichsdeutsche Exportf\u00f6rderungsverfahren der Schweiz gegen\u00fcber nur f\u00fcr Waren anwendbar sei, die im gegenseitigem Einverst\u00e4ndnis speziell bezeichnet worden seien. B\u00fccher fielen nicht hierunter. Es bestand also die Gefahr, da\u00df sie auf Umwegen in die Schweiz gelangen und somit von der deutschen Exportpr\u00e4mie profitieren k\u00f6nnten. Daher wurde es f\u00fcr verboten erkl\u00e4rt, B\u00fccher nach der Schweiz zu gesenkten Preisen zu liefern. Zuwiderhandlungen gegen den Beschlu\u00df konnten mit Strafen bis zu 10.000 Franken oder mit Gef\u00e4ngnis bis zu 12 Monaten bestraft werden. Dieser Beschlu\u00df trat am 1. November 1935 in Kraft. Auch die \u00f6sterreichischen Interessenten wurden \u00fcber ihr Vereinsorgan informiert.<a style=\"mso-footnote-id: ftn75;\" href=\"#_ftn75\" name=\"_ftnref75\"><span class=\"reference\">[75]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der \u00f6sterreichische Verein hielt jedoch am Argument fest, die Schweiz w\u00e4re nur deshalb aus der Preissenkungsaktion ausgenommen, weil ihre W\u00e4hrung nicht entwertet worden war. Und das war eine Schutzbehauptung.<\/p>\n<p>Als die <em>Wiener Zeitung <\/em>am 1. November 1935 einen Bericht \u00fcber \u201eDas reichsdeutsche Buchdumping und seine Hintergr\u00fcnde\u201c brachte und einleitend feststellte, da\u00df alle L\u00e4nder \u201emit Ausnahme der Schweiz, die sich davor zu sichern verstanden hat\u201c, von der Ma\u00dfnahme betroffen w\u00e4ren, richtete der Verein eine nicht ver\u00f6ffentlichte Zuschrift an die <em>Wiener Zeitung.<\/em>&gt; \u201eZu Ihrer Unterrichtung\u201c, hei\u00dft es in diesem Brief,<\/p>\n<p class=\"zitat\">erlauben wir uns darauf hinzuweisen, da\u00df diese Anf\u00fchrung nicht den Tatsachen entspricht, weil n\u00e4mlich die reichsdeutschen Regierungsstellen von vornherein zwischen der Schweiz und den anderen L\u00e4ndern einen Unterschied gemacht haben. Die erw\u00e4hnten reichsdeutschen Stellen haben es n\u00e4mlich der Schweiz, nachdem es sich um ein Land handelt, in dem eine W\u00e4hrungssenkung nicht eingetreten ist, freigestellt, der Buchpreissenkung zuzustimmen oder nicht. Die anderen L\u00e4nder wurden vor eine solche Alternative nicht gestellt, sondern f\u00fcr diese L\u00e4nder die Buchpreissenkung den deutschen Verlagen angeordnet. W\u00e4hrend es daher der Schweiz freistand zu w\u00e4hlen, sind die anderen L\u00e4nder in eine derartige Lage \u00fcberhaupt nicht gekommen. Bei dieser Sachlage kann man daher nicht davon sprechen, da\u00df sich die Schweiz allein vor dem deutschen Buchdumping zu sichern verstanden hat.<a style=\"mso-footnote-id: ftn76;\" href=\"#_ftn76\" name=\"_ftnref76\"><span class=\"reference\">[76]<\/span><\/a><\/p>\n<p>\u201eZu sichern\u201c wu\u00dften allerdings die \u00f6sterreichischen Gro\u00dfsortimenter ihre eigenen materiellen Vorteile.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading12\"><\/a> h) Interessensgegens\u00e4tze zwischen Verlag und Sortiment<\/h4>\n<p>Nach einer Darstellung der Rezeption des Buchdumpings durch die Presse wollen wir uns nun mit den Auswirkungen auf den Verlag n\u00e4her befassen. Eine der gewichtigsten Folgen der mi\u00dfgl\u00fcckten Preissenkung lag darin, da\u00df sie den Gesamtbuchhandel in beide Teile Verlag und Sortiment schroff schied. Sie machte diese Gruppen, die in ihrer Existenz durchaus aufeinander angewiesen waren, zu nat\u00fcrlichen Gegnern. Aus diesem Konflikt entstand nicht nur eine in der breiten \u00d6ffentlichkeit und mit gro\u00dfem Eifer gef\u00fchrte Diskussion \u00fcber die kulturpolitische Bedeutung des \u201e\u00f6sterreichischen Verlags\u201c bzw. des \u201e\u00f6sterreichischen Buchs\u201c, sondern auch ein in der Geschichte der Ersten Republik pr\u00e4zedenzloser Schritt in Richtung Schutz und F\u00f6rderung des heimischen Verlags unter staatlicher Aufsicht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei den Mitgliedern der Fachgruppe Verlag innerhalb des Vereins einhellige Ablehnung der Dumpingma\u00dfnahme vorherrschte, war die Stellungnahme der Sortimenter keineswegs einheitlich. Aber eine einheitliche Meinung unter den \u00f6sterreichischen Interessenten bez\u00fcglich der Nichtanwendung der deutschen Anordnung in \u00d6sterreich war einfach nicht herbeizuf\u00fchren. Zu unterschiedlich waren die Interessenslagen. Und daher waren die \u00f6sterreichischen Verleger darauf angewiesen, vorl\u00e4ufig allein gegen die deutsche Ma\u00dfnahme Einsprache zu erheben. Die negativen Auswirkungen waren sowohl wirtschaftlicher als auch kulturpolitischer Natur. Da war zun\u00e4chst einmal die erh\u00f6hte, unlautere Konkurrenz, vor allem auf dem heimischen Markt. Sie hatte auch verkaufspsychologische Folgen. Als Wirtschaftsunternehmen war der Sortiments-Buchhandel in \u00d6sterreich freilich dazu gezwungen, in erster Linie die B\u00fccher zu verkaufen, an denen er am meisten verdienen w\u00fcrde. Als zus\u00e4tzlicher Anreiz konnte er seine Kunden vor allem auf die Verbilligung um 1\/4, ohne deren reichsdeutsche Herkunft zu unterstreichen, hinweisen. Und in der Praxis kam es eher selten vor, da\u00df ein Kunde mit einem bestimmten Wunsch das Gesch\u00e4ft betrat, und au\u00dferdem w\u00e4re es ihm gleichg\u00fcltig gewesen, ob das Buch, das er zum Schenken kaufte, in einem reichsdeutschen oder in einem \u00f6sterreichischen Verlag erschienen sei. Eine wirkliche Monopolstellung hatte der Verleger nur in den seltensten Ausnahmef\u00e4llen (etwa Sachbuch). Es lag also in der Hand bzw. im Ermessen des Buchh\u00e4ndlers, ob er ein \u201ereichsdeutsches\u201c oder ein \u201e\u00f6sterreichisches\u201c Buch forcieren sollte. Wobei man hinzuf\u00fcgen mu\u00df, da\u00df der Kunde nunmehr den subjektiven Eindruck haben mu\u00dfte, \u00f6sterreichische B\u00fccher seien teurer, und wenn reichsdeutsche B\u00fccher billiger waren, w\u00fcrde er zu ihnen greifen und somit den \u00f6sterreichischen Verlag sch\u00e4digen. Appelle an die \u00f6sterreichischen Sortimenter, den heimischen Verlag zu bevorzugen, waren zwecklos.<\/p>\n<p>Nehmen wir ein konkretes Beispiel, um die Motivation des Sortimenters zu erkl\u00e4ren, diese B\u00fccher zu forcieren, jene nicht: seit jeher konnte man in \u00d6sterreich Reclam-Hefte \u2013 Inbegriff des billigen Volkserziehungsmittels \u2013 kaufen. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg gab es gro\u00dfe Bem\u00fchungen, trotz widriger wirtschaftlicher Umst\u00e4nde \u00c4hnliches zu produzieren. Am erfolgreichsten auf diesem Gebiet war die 1923 gegr\u00fcndete \u201eTagblatt-Bibliothek\u201c im Steyrerm\u00fchl-Verlag. Im Jahre 1935 kostete eine Nummer dieser Bibliothek 52 Groschen, w\u00e4hrend ein Reclam-Heft bis zur Preissenkung 70 Groschen gekostet hatte. Seit dem 9. September wurde die Reclam-Nummer ebenfalls um 52 Groschen verkauft, wobei aber der H\u00e4ndler 28 Groschen brutto verdiente, w\u00e4hrend er an einem Tagblatt-Buch brutto 15 Groschen hatte. Dazu ist noch f\u00fcr den Verlag erschwerend festzustellen, da\u00df der Hersteller der Tagblatt-Bibliothek zu dieser Zeit gewaltige 84% seines Umsatzes innerhalb \u00d6sterreichs machte und im Vergleich dazu minimale 9% nach Deutschland lieferte. Also ein deutliches Beispiel f\u00fcr die empfindliche Konkurrenz auf dem heimischen Markt in \u00d6sterreich. Hinzu kam die Konkurrenzierung auf Drittm\u00e4rkten. W\u00e4hrend sich die \u00f6sterreichischen Gro\u00dfsortimenter das Recht sicherten, B\u00fccher deutscher Provenienz mit 25%iger Erm\u00e4\u00dfigung ins Ausland (nun mit Ausnahme der Schweiz und Deutschlands) zu liefern,<a style=\"mso-footnote-id: ftn77;\" href=\"#_ftn77\" name=\"_ftnref77\"><span class=\"reference\">[77]<\/span><\/a> mu\u00dften die exportorientierten heimischen Verleger wegen der billigen deutschen B\u00fccher um ihre Marktanteile k\u00e4mpfen. Sie bef\u00fcrchteten eine Zur\u00fcckstellung bei der Anschaffung \u00f6sterreichischer Verlagswerke, da nun ausl\u00e4ndische staatliche Institutionen und Privatpersonen mehr (deutsche) B\u00fccher f\u00fcr dasselbe Geld kaufen konnten. Dabei mu\u00df man aber hinzuf\u00fcgen, da\u00df die bedeutendsten \u00f6sterreichischen Absatzgebiete &#8211; also Deutschland und die Schweiz &#8211; durch die Preissenkungsaktion in keiner Weise ber\u00fchrt wurden.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading13\"><\/a> i) Papierpreiserh\u00f6hung<\/h4>\n<p>Die Verbilligung reichsdeutscher B\u00fccher traf zeitlich mit einer empfindlichen Papierpreiserh\u00f6hung, die \u201eungelegen\u201c kam und von der der \u00f6sterreichische Verlag genauso schwer betroffen wurde, zusammen.<\/p>\n<p>Nach fast dreij\u00e4hrigen Verhandlungen wurde im Herbst 1935 ein sehr umstrittenes Papierkartell in \u00d6sterreich errichtet. Die heimische Papierindustrie verzeichnete seit ihrem letzten Hochkonjunkturjahr (1928) &#8211; analog den Verlagen &#8211; eine st\u00e4ndige Schrumpfung des Inlandsabsatzes. Im Jahre 1935 und in der ersten H\u00e4lfte 1936 hatte sich ihre Lage, da sie in den Jahren g\u00fcnstigen Exportes etwa 55% der Erzeugung im Ausland absetzte, in immer st\u00e4rkerem Ma\u00dfe verschlechtert. Die Ursache war die Versch\u00e4rfung der Konkurrenz auf dem Weltmarkt;<a style=\"mso-footnote-id: ftn78;\" href=\"#_ftn78\" name=\"_ftnref78\"><span class=\"reference\">[78]<\/span><\/a> nicht weniger bedeutend war die Tatsache, da\u00df die deutsche Industrie seit 1933 wachsende und in verschiedenen Formen durchgef\u00fchrte Pr\u00e4mien bekam. Das machte sich besonders auf den \u00f6stlichen M\u00e4rkten bemerkbar, wo die deutsche Industrie Subventionen erhielt, \u201edie angeblich bis zu 35% des Fakturenwerts betragen, so da\u00df sie Preise erstellen kann, die von anderen L\u00e4ndern nicht zu halten sind\u201c, wie der meist gut informierte<em> \u00d6sterreichische Volkswirt <\/em>zu berichten wu\u00dfte. Diese Konkurrenz brachte es mit sich, da\u00df der Export der \u00f6sterreichischen Papierindustrie nur zu Verlustpreisen aufrechterhalten werden konnte. Das Exportvolumen stagnierte aber auch dementsprechend. Dabei war die Kapazit\u00e4t, d.h. Leistungsf\u00e4higkeit der heimischen Werke im Verh\u00e4ltnis zum Inlandsabsatz um mehr als die H\u00e4lfte zu gro\u00df! Eine Einschr\u00e4nkung der Papierproduktion wurde auch nicht vorgenommen, und die Kartellgr\u00fcndung verfolgte nach au\u00dfen hin den Zweck, einem R\u00fcckgang der Papierpreise, der sich am Exportmarkt entwickelt hatte, im Inland vorzubeugen. Das Kartell hatte zur Folge, da\u00df &#8211; nachdem die inl\u00e4ndischen Preise oft bis zu 20% hinter den Gestehungskosten zur\u00fcckblieben &#8211; sie nun um 35% bis 60%, in einzelnen F\u00e4llen sogar um 70% angehoben wurden. Der Preis von Papier f\u00fcr Zeitschriften und B\u00fccher stieg z.B. um 50% bis 60%. Ausgenommen von den Erh\u00f6hungen war der Preis f\u00fcr Rotationspapier. Und obwohl die papierverarbeitende Industrie in Erwartung der Erh\u00f6hungen sich mit Papier eindeckte, mu\u00dfte die Preisverteuerung fr\u00fcher oder sp\u00e4ter bei den Buchherstellungskosten ihren Niederschlag haben.<a style=\"mso-footnote-id: ftn79;\" href=\"#_ftn79\" name=\"_ftnref79\"><span class=\"reference\">[79]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Das Buchdumping und die gleichzeitige Papierpreiserh\u00f6hung f\u00fchrten also zu einem \u201eprice squeeze\u201c, der sich auf den Verlag (Preiskalkulation)<a style=\"mso-footnote-id: ftn80;\" href=\"#_ftn80\" name=\"_ftnref80\"><span class=\"reference\">[80]<\/span><\/a> und das graphische Gewerbe auswirkte. Das geschah in der Weise, da\u00df Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet wurden. So hei\u00dft es z.B. in einer Eingabe des \u201eHauptverbandes der graphischen Unternehmungen \u00d6sterreichs\u201c an den Bundesminister f\u00fcr Handel, Gewerbe und Industrie, Fritz Stockinger, unter Hinweis darauf, da\u00df der \u00f6sterreichische Verlag \u201eein Hauptauftraggeber f\u00fcr das ganze graphische Gewerbe\u201c sei, die Regierung m\u00f6ge \u201edem \u00f6sterreichischen Verlagswesen ihren Schutz angedeihen (&#8230;) lassen, weil sie (die graphischen Unternehmungen) durch eine sonst zwangsl\u00e4ufig zu erwartende Einschr\u00e4nkung der \u00f6sterreichischen Verlagsproduktion auf das H\u00e4rteste in Mitleidenschaft gezogen w\u00fcrden\u201c.<a href=\"#_ftn81\" name=\"_ftnref81\"><span class=\"reference\">[81]<\/span><\/a> Eine Verminderung der Auftr\u00e4ge des Verlagsbuchhandels m\u00fcsse, wie es in der Eingabe weiter hei\u00dft, \u201edas schwerk\u00e4mpfende graphische Gewerbe\u201c \u201ezu Betriebseinschr\u00e4nkungen und Entlastungen n\u00f6tigen\u201c. Hievon seien die Buch- und Steindruckerelen, die Buchbindereien, die Klischee- und Lichtdruck-Anstalten usw. bedroht. Immerhin gab es in diesem Jahr insgesamt 2.476 graphische Betriebe in \u00d6sterreich.<a style=\"mso-footnote-id: ftn82;\" href=\"#_ftn82\" name=\"_ftnref82\"><span class=\"reference\">[82]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Eine weitere wirtschaftliche Folge der Buchpreisverbilligung und der Papierpreiserh\u00f6hung mu\u00df hier noch er\u00f6rtert werden. In diesem Fall hat sie einen rein wirtschaftlichen Aspekt: Um der Konkurrenz auf dem Inlandsbuchmarkt entgegenzuwirken und Herstellungskosten zu reduzieren, begannen manche \u00f6sterreichischen Verlagsanstalten zu dieser Zeit, ihre Druckauftr\u00e4ge nicht an die heimischen Betriebe, sondern an Firmen im nahen Ausland, wie z.B. nach Br\u00fcnn, zu vergeben.<a style=\"mso-footnote-id: ftn83;\" href=\"#_ftn83\" name=\"_ftnref83\"><span class=\"reference\">[83]<\/span><\/a> Das sch\u00e4digte wiederum die Gesamtwirtschaft. Auf diese Frage kommen wir noch sp\u00e4ter zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Durch den schrifttumspolitisch eingeschr\u00e4nkten Absatzmarkt in Nazi-Deutschland, aber auch durch das Verh\u00e4ltnis 1:10 zwischen der Bev\u00f6lkerung \u00d6sterreichs und Deutschlands war der \u00f6sterreichische Verlag kaum imstande, Massenauflagen \u00e4hnlich den in Deutschland produzierten herauszubringen. Es war also unm\u00f6glich, von \u00d6sterreich aus durch eine Billig-Buch-Produktion auf das Dumping der deutschen B\u00fccher zu antworten.<\/p>\n<p>Weitere Opfer der Preissenkungsaktion und der zu erwartenden Steigerung des Absatzes reichsdeutscher B\u00fccher auf Kosten des Absatzes heimischer B\u00fccher im In- und Ausland waren die Autoren, Komponisten, Graphiker, Illustratoren usw. In der Mehrzahl der F\u00e4lle waren sie am Absatz perzentuell beteiligt, und so weit sie ihre Werke in \u00d6sterreich verlegten, waren sie auf das h\u00e4rteste betroffen. Man kann hier aber einwenden, da\u00df der Schaden im Bereich der Belletristik gar nicht so gro\u00df gewesen sein kann, wenn an die 90% der bekannteren \u00f6sterreichischen Schriftsteller in reichsdeutschen Verlagen erschienen. Demgegen\u00fcber ist festzuhalten, da\u00df durch die Devisenbeschr\u00e4nkungen und Devisenzuteilungen im Deutschen Reich die Schriftsteller ihre Honorare bzw. Tantiemen (wie sp\u00e4ter auch bei Verlagen) nur sehr unregelm\u00e4\u00dfig und sehr sp\u00e4rlich, wenn \u00fcberhaupt, \u00fcberwiesen bekamen.<a href=\"#_ftn84\" name=\"_ftnref84\"><span class=\"reference\">[84]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es ist in der \u00d6ffentlichkeit sehr oft von der Aufgabe der \u00f6sterreichischen Verlegerschaft die Rede gewesen. Wie diese Aufgabe aufgefa\u00dft wurde, kann man im regierungsnahen <em>Neuigkeits-Welt-Blatt <\/em>nachlesen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">die kulturelle Autonomie \u00d6sterreichs durch Taten, durch Herausgabe m\u00f6glichst vieler und qualit\u00e4tsm\u00e4\u00dfig m\u00f6glichst hoher \u00f6sterreichischer Werke zu beweisen, kurzum Volkserziehung zu betreiben, durch das nachhaltigste Mittel dazu, eben das Buch. (24.9.1935, S. 3)<\/p>\n<p>Im Grunde genommen war das, was der heimische Verlag als kulturpolitische Folge ansah, Resultat der versch\u00e4rften Konkurrenzverh\u00e4ltnisse. Die bef\u00fcrchtete Verdr\u00e4ngung vom heimischen Markt, der f\u00fcr viele Verlage das Fundament f\u00fcr ihre Entwicklung war, aber auch vom Auslandsmarkt, machte es dem Verlag schwer, \u201eseinen besonderen \u00f6sterreichischen Aufgaben gerecht [zu] werden (&#8230;) und f\u00fcr das Ansehen \u00d6sterreichs auf der ganzen Welt [zu] wirken\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn85;\" href=\"#_ftn85\" name=\"_ftnref85\"><span class=\"reference\">[85]<\/span><\/a><\/p>\n<h3 id=anm1 ><a class=\"none\" name=\"Heading14\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<div id=\"ftn1\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn1;\" href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ren\u00e9 Erbe: Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik 1933- 1939 im Lichte der modernen Theorie. Z\u00fcrich 1958, s. 70 f. (Hrsg. vom Basle Centre for Economic and Financial Research Series B, No. 2).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn2\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Keesings Archiv der Gegenwart vom 10. Dezember 1934, S. 1768 E.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn3\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Erbe, zit. Anm. 1, S. 71.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn4\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn4;\" href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Hans MOTTEK\/Walter BECKER\/Alfred SCHROTER, Wirtschaftsgeschichte Deutschlands. Ein Grundri\u00df. Band III. Berlin (DDR), 2. Aufl., 1975, S. 316.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn5\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn5;\" href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Wirtschaftsstatistisches Jahrbuch. Hrsg. von der Kammer f\u00fcr Arbeiter und Angestellte in Wien. 11. Jg., 1936, S. 169.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn6\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn6;\" href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebenda, 12. Jg., 1937, S. 137- 144; hier S. 138.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn7\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn7;\" href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> MOTTEK, zit. Anm. 4, S. 316.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn8\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn8;\" href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Statistisches Handbuch f\u00fcr das Deutsche Reich, 1937, Anhang, S. 131. (Zitiert nach ERBE, Anm. 1, S. 74.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn9\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn9;\" href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Wiener Sonn- und Montagszeitung, 1.7.1935, S. 10.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn10\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn10;\" href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Zitiert nach Keesings Archiv der Gegenwart vom 30. Oktober 1934, S. 1698 H.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn11\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn11;\" href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Schreiben des B\u00f6rsenvereins aus Berlin an den Verein in Wien vom 14.2.1935 betr. \u201eExportf\u00f6rderung des deutschen Buches\u201c. Archiv, Buchgewerbehaus Wien, Aktenbestand \u201eVerein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler\u201c. Im folgenden wird dieser Bestand mit \u201eV\u201c plus dem Jahr und entsprechender Mappe abgek\u00fcrzt. (Hier also: V 1935, Mappe 422.) Ich m\u00f6chte an dieser Stelle Herrn Dr. Karl Megner f\u00fcr seine freundliche Unterst\u00fctzung meiner Arbeit sehr herzlich danken.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn12\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn12;\" href=\"#_ftnref12\" target=\"text\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> V 1935, Mappe 422.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn13\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn13;\" href=\"#_ftnref13\" target=\"text\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> V 1935, Mappe 422.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn14\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn14;\" href=\"#_ftnref14\" target=\"text\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> V 1935, Mappe 422<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn15\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn15;\" href=\"#_ftnref15\" target=\"text\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Schreiben an den B\u00f6rsenverein vom 26. 6. 1935, V 1935, Mappe 422.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn16\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn16;\" href=\"#_ftnref16\" target=\"text\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Zitiert nach der &#8222;Darstellung des Vereinsvorstandes \u00fcber die Vorgeschichte der Buchpreissenkung&#8220; vom 9. 10. 1935. V 1935, Mappe 422.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn17\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn17;\" href=\"#_ftnref17\" target=\"text\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Rundbrief des gemeinsamen Vertreters der Auslandsvereine vom 28.6.1935. (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn18\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn18;\" href=\"#_ftnref18\" target=\"text\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Schreiben des Vereins an den B\u00f6rsenverein Leipzig zu Handen Herrn Ernst Reinhardt vom 2.7.1935. (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn19\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn19;\" href=\"#_ftnref19\" target=\"text\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> <em>Anzeiger<\/em>, 76. Jg., Nr. 19, 10.8.1935, S. 93. Dieses Kurzprotokoll der Vorstandssitzung enthielt \u00fcbrigens die allererste Erw\u00e4hnung im <em>Anzeiger <\/em>vom Plan der RSK, B\u00fccher in die Exportf\u00f6rderungsaktion miteinzubeziehen. Wer also nicht dem Vorstand angeh\u00f6rte oder zu den Insidern in Wien z\u00e4hlte, kannte bis dahin weder den Standpunkt seiner Standesvertretung noch Details \u00fcber die Preissenkungsaktion.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn20\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn20;\" href=\"#_ftnref20\" target=\"text\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Schreiben der Gesch\u00e4ftsstelle des B\u00f6rsenvereins an Herrn Komm.-Rat Wilhelm Frick vom 1.8.1935. (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn21\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn21;\" href=\"#_ftnref21\" target=\"text\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Schreiben an den B\u00f6rsenverein, 1.8.1935. (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn22\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn22;\" href=\"#_ftnref22\" target=\"text\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Rundschreiben des Vereins in Wien am 1.8.1935. (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn23\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn23;\" href=\"#_ftnref23\" target=\"text\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Rundschreiben vom 3.8.1935. (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn24\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn24;\" href=\"#_ftnref24\" target=\"text\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Sowohl das Reichswirtschaftsministerium unter Dr. Hjalmar Schacht als auch der B\u00f6rsenverein wurden mehr oder weniger wider besseres Wissen von Goebbels\u2019 Propagandaministerium gezwungen, diese Exportf\u00f6rderungsaktion durchzuf\u00fchren. Mit der &#8222;Verordnung \u00fcber die Aufgaben des Reichsministeriums f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda&#8220; vom 30.6.1933, verlautbart im <em>Reichsgesetzblatt, <\/em>Teil 1, Nr. 75\/1933, ausgegeben zu Berlin, den 5. Juli 1933, S. 449, ging die &#8222;Deutsche B\u00fccherei in Leipzig&#8220; aus dem Gesch\u00e4ftsbereich des Reichsministeriums des Innern in das des Reichsministers f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda \u00fcber!<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn25\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn25;\" href=\"#_ftnref25\" target=\"text\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> V 1935, Mappe 422.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn26\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn26;\" href=\"#_ftnref26\" target=\"text\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Darstellung\u201c, S. 2. S. Anm. 16.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn27\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn27;\" href=\"#_ftnref27\" target=\"text\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Auf den \u201eSonderfall Schweiz\u201c wird an sp\u00e4terer Stelle ausf\u00fchrlich eingegangen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn28\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn28;\" href=\"#_ftnref28\" target=\"text\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Was dies in der Praxis konkret bedeutete und warum die Regelung Anla\u00df zu scharfer \u00f6ffentlicher Kritik gab, werden wir im Abschnitt \u00fcber die Reaktion auf das Buchdumping sehen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn29\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn29;\" href=\"#_ftnref29\" target=\"text\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Vgl. den Abschnitt \u201eAuswirkungen auf die Sortimenter\u201c. Es scheint leicht pervers, angesichts des vereinbarten Umrechnungsschl\u00fcssels hier gleich von \u201eMinderverdienst\u201c zu sprechen. Die Praxis zeigte, da\u00df das Gegenteil der Fall war. Eine \u201eR\u00fcckverg\u00fctung\u201c mu\u00dfte dem Zweck der Exportf\u00f6rderung zuwiderlaufen, ging es doch darum, den Devisenzuflu\u00df nach dem Reich zu steigern.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn30\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn30;\" href=\"#_ftnref30\" target=\"text\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Diese Zusage hatte der B\u00f6rsenverein bereits am 28. 6. 1935 in einem Rundschreiben an die Auslandsvereine gemacht: \u201eDadurch soll aber in keinem Falle weder eine Lagerentwertung eintreten, noch der Umsatz und der Gewinn des Auslandsbuchhandels geschm\u00e4lert werden.\u201c (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn31\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn31;\" href=\"#_ftnref31\" target=\"text\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Man sieht bereits an diesem Punkt, wer im \u00f6sterreichischen Verein den Ton angab und wer seine Vorteile durchzusetzen vermochte. Das waren nicht die kleinen Buchh\u00e4ndler oder die Verleger, sondern die gro\u00dfen in Wien ans\u00e4ssigen Grossisten und Auslieferer.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn32\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn32;\" href=\"#_ftnref32\" target=\"text\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Protokoll. V 1935, Mappe 422.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn33\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn33;\" href=\"#_ftnref33\" target=\"text\" name=\"_ftn33\">33]<\/a> V 1935, Mappe 422.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn34\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn34;\" href=\"#_ftnref34\" target=\"text\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Wer die \u00f6sterreichischen Tageszeitungen las, war durch sie weitaus besser informiert als durch den Verein! So brachte z.B. die <em>OeZ am Abend<\/em> am 13.8. (!) einen umfassenden Bericht (\u201eDrohendes deutsches B\u00fccherdumping\u201c), in dem das Wesentliche an der Exportf\u00f6rderungsaktion enthalten war. Am selben Tag erschien ein kurzer Bericht in der <em>Wiener Zeitung.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn35\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn35;\" href=\"#_ftnref35\" target=\"text\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Siehe dazu die Erl\u00e4uterung des Standpunkts des \u00f6sterreichischen Vereins in einem Schreiben vom 2.9.1935 an den Landesverein ungarischer Verleger und Buchh\u00e4ndler in Budapest. Hierin wird n\u00e4mlich mitgeteilt, \u201eda\u00df mit R\u00fccksicht darauf, da\u00df eine derartige Senkung von reichsdeutscher Stelle unbedingt durchgef\u00fchrt wird, von uns nur jene Ma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren sind, welche eine m\u00f6glichst glatte Abwicklung dieser Preissenkung und deren Auswirkung in \u00d6sterreich erm\u00f6glichen\u201c. (V 1935, Mappe 422.) Da es dem \u00f6sterreichischen und den anderen Auslandsvereinen in den Verhandlungen nicht gelungen sei, die reichsdeutschen Stellen von dem Plane abzubringen, \u201em\u00fcssen wir wie gesagt die Preissenkung als gegeben annehmen\u201c. Einige Wochen sp\u00e4ter mu\u00dfte der Verein sich gegen Vorw\u00fcrfe der Verlagsanstalt Tyrolia verteidigen. In einem l\u00e4ngeren Schreiben vom 24.9.1935 hei\u00dft es: \u201eDie Aktion der reichsdeutschen Stellen wurde bereits vom Anfang an, d.i. noch im Fr\u00fchjahr l.J., vom Verein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler auf das energischeste bek\u00e4mpft. In gleicher Weise stellten sich die anderen au\u00dferdeutschen buchh\u00e4ndlerischen Vereine gegen den reichsdeutschen Plan. Die einm\u00fctige Abwehr hat es jedoch nicht vermocht, die deutschen ma\u00dfgebenden Stellen von ihrem Plan abzubringen, obwohl noch bei einer letzten Verhandlung in Berlin nochmals die schwersten Bedenken des Buchhandels au\u00dferhalb Deutschlands vorgebracht und begr\u00fcndet wurden.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn36\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn36;\" href=\"#_ftnref36\" target=\"text\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Siehe <em>Reichsgesetzblatt,<\/em> Teil 1, Nr. 123\/1933, ausgegeben zu Berlin, den 3. November 1933, S. 797-800; bes. S. 799: \u201eIV. Kammeraufgaben\u201c. Der Paragraph, in dem die Mitwirkung der Propaganda- und Wirtschaftsministerien festgelegt ist, lautet folgenderma\u00dfen: \u201eDie Reichskulturkammer und die Einzelkammern k\u00f6nnen Bedingungen f\u00fcr den Betrieb, die Er\u00f6ffnung und die Schlie\u00dfung von Unternehmungen auf dem Gebiete ihrer Zust\u00e4ndigkeit festsetzen und \u00c4nderungen \u00fcber wichtige Fragen innerhalb dieses Gebietes, insonderheit \u00fcber Art und Gestaltung der Vertr\u00e4ge zwischen den von ihnen umfa\u00dften T\u00e4tigkeitsgruppen treffen. Durch diese Anordnungen d\u00fcrfen v\u00f6lkerrechtliche Vereinbarungen nicht verletzt werden. Entscheidungen nach Abs. 1 auf dem Gebiete des Buch-, Musikalien-, Kunst- und Rundfunkhandels bed\u00fcrfen der Genehmigung des Reichsministers f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda und des Reichswirtschaftsministers.\u201c<\/p>\n<div id=\"ftn37\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn37;\" href=\"#_ftnref37\" target=\"text\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Diese Anordnung wurde ver\u00f6ffentlicht in: <em>V\u00f6lkischer Beobachter, <\/em>Nr. 245 vom 31.8.1935, <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Musikalienhandel , Nr. 13 vom 5.9.1935 und <em>Der Zeitschriftenverleger, <\/em> Nr.27 vom 29.8.1935.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"ftn38\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn38;\" href=\"#_ftnref38\" target=\"text\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Nach den Zahlen im Bericht \u201eKrisenfestigkeit des heimischen Verlagsgesch\u00e4ftes\u201c, in: <em>Das Echo &gt;<\/em>(Wien), Jg. 1, Nr. 218, 8.11.1934, S. 7.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn39\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn39;\" href=\"#_ftnref39\" target=\"text\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Die <em>Wiener Zeitung<\/em> nahm diesen Bericht zum Anla\u00df, um am 1. November 1935 (S. 8) \u00fcber \u201eDas reichsdeutsche Buchdumping und seine Hintergr\u00fcnde\u201c zu berichten. Die <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em> hatte hervorgehoben, da\u00df die deutsche Ausfuhr an B\u00fcchern nach \u00d6sterreich in den letzten Monaten zum ersten Mal diejenige in die Schweiz \u00fcbertroffen h\u00e4tte. Dieser Umstand wurde mit folgendem Satz, den die <em> Wiener Zeitung <\/em>\u00fcbernahm, kommentiert: \u201e\u00d6sterreich ist damit ziemlich das einzige Land, in dem die Lekt\u00fcre deutscher B\u00fccher gestiegen ist, eine Entwicklung, die nicht ohne politischen Beigeschmack ist.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn40\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn40;\" href=\"#_ftnref40\" target=\"text\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> Einer anderen statistischen Unterlage zufolge ging die reichsdeutsche Buchausfuhr, die im Jahre 1933 noch 12 Millionen Mark betrug &#8211; auch dies war schon eine Depressionsziffer &#8211; , im Jahre 1934 auf 9 Millionen Mark zur\u00fcck, die Ausfuhr von Zeitungen von 4,6 Millionen Mark auf 3,3 Millionen. (24.9.1935.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn41\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn41;\" href=\"#_ftnref41\" target=\"text\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Laut <em>Neuigkeits-Welt-Blatt<\/em> (Wien), 62. Jg., Nr. 221, Di., 24.9.1935, S. 3. Die Zeitung galt als \u201eregierungsnah\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn42\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn42;\" href=\"#_ftnref42\" target=\"text\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Streng vertrauliche Erl\u00e4uterungen zur Anordnung der Exportf\u00f6rderungsaktion f\u00fcr B\u00fccher betreffend. Zitiert nach der Abschrift in AVA, BMfHuV, Gesch\u00e4ftszeichen 570, Grundzahl 106.248-9\/35; Zahl 106.136-9\/35.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn43\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn43;\" href=\"#_ftnref43\" target=\"text\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> So hat die <em>Wiener Zeitung <\/em>am 29. Oktober 1935, S. 7 unter der \u00dcberschrift \u201eEine Falschmeldung des Deutschen Auslandsinstitutes\u201c. \u00c4hnliches entsprechend zitiert und kommentiert. in der j\u00fcngsten Nummer der Aussendungen des Deutschen Auslandsinstitutes in Stuttgart wurden die Beziehungen zwischen deutschem Buch und Auslandsdeutschtum besprochen. Darin fanden sich u.a. folgende S\u00e4tze: \u201eAus der Erkenntnis heraus, da\u00df ohne das deutsche Buch die weitverstreuten auslandsdeutschen Volksgruppen allzu leicht von dem geistigen Leben der Gesamtnation abgeschnitten werden, hat er \u2013 n\u00e4mlich der deutsche Buchhandel \u2013 sich unter eigenen Opfern zu einer Preissenkung von 25 v. H. f\u00fcr alle reichsdeutschen Verlagswerke im Ausland entschlossen, die bereits am 9. September in Kraft getreten ist.\u201c Dazu der Kommentar in der <em>Wiener Zeitung:<\/em> \u201eHier wird also das deutsche Buchdumping als ein Akt des reinen Idealismus dargestellt und die Exportpr\u00e4mie (&#8230;) einfach verschwiegen. Die Auslandsdeutschen m\u00f6gen nur immer brav an den Idealismus und die Selbstlosigkeit des deutschen Buchhandels glauben, der so ganz nebenbei auch sein m\u00f6glichstes tut, den auslanddeutschen Verlagsbuchhandel so viel als m\u00f6glich zu sch\u00e4digen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn44\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn44;\" href=\"#_ftnref44\" target=\"text\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> Dies war ein im St\u00e4ndestaat durchaus gebr\u00e4uchlicher Begriff. Siehe den Artikel mit dieser \u00dcberschrift in den <em>Wiener Stadt-Stimmen,<\/em> einer Zeitung der Vaterl\u00e4ndischen Front f\u00fcr Wien, Folge 8, 10.10.1935, S. 5. Da hei\u00dft es z.B.: \u201e,Geistige Landesverteidigung\u2019 ist es, wenn \u00d6sterreich sich gegen das nationalsozialistische B\u00fccherdumping wehrt, mit dem nicht nur den reichsdeutschen Verlegern geholfen, sondern auch der nationalsozialistischen Propaganda T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet werden soll.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn45\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn45;\" href=\"#_ftnref45\" target=\"text\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> Es ist heute noch ein gro\u00dfes Manko, da\u00df es keine Erfassung der Wochenzeitungen und Wochenschriften im Rahmen einer \u00f6sterreichischen Pressegeschichte gibt. Als Nachschlagwerk f\u00fcr Tageszeitungen &#8211; und das lediglich f\u00fcr den Bereich Wien &#8211; dient die vor 20 Jahren erschienene, von Kurt Paupi\u00e9 herausgegebene, allerdings l\u00fcckenhafte und mit manchen Fehlansichten behaftete Darstellung. Einen wichtigen Beitrag zur \u00f6sterreichischen Pressegeschichte, der vielleicht einen Ansto\u00df geben wird, lieferte neuerdings der Katalog zu einer Ausstellung in der \u00d6sterr. Nationalbibliothek: 200 Jahre Tageszeitung in \u00d6sterreich 1783-1983. Festschrift und Ausstellungskatalog. Hrsg. FRANZ IVAN, HELMUT W. LANG und HEINZ P\u00dcRER. Wien, \u00d6sterr. Nationalbibliothek, Verband \u00f6sterreichischer Zeitungsherausgeber und Zeitungsverleger, 1983. Um 1930 gab es in Wien z.B. 34 politische Wochenzeitungen. Diese Zahl verringerte sich zwar im Zuge der allgemeinen Schrumpfung der Presse 1933\/34, stieg aber wieder ab 1935 mit der Gr\u00fcndung einer Vielzahl von Publikationen der nunmehr ma\u00dfgebenden politischen und ideologischen Kr\u00e4fte im Land. Dazu geh\u00f6rte vor allem die Vaterl\u00e4ndische Front, deren Organe und Publikationen bei IRMGARD B\u00c4RNTHALER (Die Vaterl\u00e4ndische Front. Geschichte und Organisation. Wien: Europa Verlag, 1971) nur l\u00fcckenhaft verzeichnet werden. Die V.F. gliederte sich in eine Zivil- und eine Wehrfront. Die Wehrfront bestand aus f\u00fcnf Wehrverb\u00e4nden, darunter die \u201eOstm\u00e4rkischen Sturmscharen\u201c. Die erste Gruppe der O.S.S. wurde im Oktober 1930 in Innsbruck vom damaligen Tiroler Abgeordneten und nunmehrigen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg ins Leben gerufen. Die erste milit\u00e4rische Generalprobe der \u201eGrauhemden\u201c war in den berechtigten Februartagen des Jahres 1934. Schuschnigg war \u201eReichsf\u00fchrer\u201c, sein Stellvertreter und oberster milit\u00e4rischer F\u00fchrer Staatsrat Major a.D. Dr. Josef Kimmel. In Verfolgung ihres Ziels (\u201eF\u00fcr unseren Glauben, f\u00fcr unsere Heimat, f\u00fcr unser \u00d6sterreich!\u201c) schuf sie ein offizielles Organ und auch weitere Zeitschriften. Die Wochenzeitung <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich<\/em> begann ihr Erscheinen im M\u00e4rz 1933 mit einem Umfang von 4 Seiten, einer Auflage von 20.000 Exemplaren und einem Preis von 10 Groschen. Nach mehrmaligem Wechsel des Druckhauses wurde sie ob der Folge 28 vom 12.7.1936 bei der \u201eVorw\u00e4rts\u201c-AG gedruckt. Sie trat sehr stark f\u00fcr das &#8222;katholische \u00d6sterreich&#8220; auf, war vor dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei radikal antimarxistisch, pro-Dollfu\u00df (danach pro-Schuschnigg) eingestellt und kulturpolitisch sehr engagiert. In einer Anzeige in einer Ausgabe der Wochenzeitschrift <em>Der Christliche St\u00e4ndestaat<\/em> findet man eine aggressive Eigencharakterisierung: \u201eDas aktuelle, radikale politische Wochenblatt gegen Korruption, Bonzentum und Packelei, gegen braunen und roten Bolschewismus, f\u00fcr Christentum und \u00d6sterreichertum im Sinne des Programmes der Ostm\u00e4rkischen Sturmscharen.\u201c <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich<\/em> tat sich nicht nur in der Unterst\u00fctzung des \u00f6sterreichischen Buches bzw. Verlags hervor. Die Wochenzeitung war den Nazis zwangsl\u00e4ufig ein st\u00e4ndiger Dorn im Auge. So schickte die Deutsche Gesandtschaft in Wien eine Flut von Verbalnoten, also diplomatischen Protestnoten, an das Bundeskanzleramt &#8211; Ausw. Angelegenheiten, da sie den br\u00fcchigen \u201ePressefrieden\u201c gef\u00e4hrdet w\u00e4hnte. In einer solchen Note liest man z.B.: \u201eDie zahlreichen, fast auf jeder Seite zu findenden Verst\u00f6\u00dfe gegen den Geist des Abkommens vom 11. Juli v. J. stellen eine schwere Belastung des Pressefriedens dar. Die Deutsche Gesandtschaft w\u00e4re dem Bundeskanzleramt-Ausw\u00e4rtige Angelegenheiten f\u00fcr eine Mitteilung dankbar, was zur Verhinderung dieser die Atmosph\u00e4re vergiftenden Schreibweise des genannten Blattes veranla\u00dft wurde. Wien, den 27. April 1937.\u201c (In: HHSta, N.P.A., Kt. 133, BKA 38.706-13\/37; VN A 2783\/37 vom 27. April 1937. Kurz zuvor hatte sich der <em>V\u00f6lkische Beobachter<\/em> mit der Wochenzeitung befa\u00dft und vor allem auf die angebliche Beziehung zwischen <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich<\/em> und dem in Nazi-Deutschland ge\u00e4chteten Schriftsteller WALTER MEHRING, dessen Roman: M\u00fcller. Chronik einer deutschen Sippe, sehr positiv aufgenommen wurde, hingewiesen (Folge 12, 28.3.1937). N\u00e4heres dazu MURRAY G. HALL, Biographie als Legende. In: Walter Mehring. <em>Text +Kritik.<\/em> Zeitschrift f\u00fcr Literatur, Heft 78, April 1983, S. 20-35. Der <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich <\/em>mu\u00dfte im 4. Jg. mit der Folge 10 vom 13.3.1938 sein Erscheinen einstellen. Durch ihre relativ weite Verbreitung spielte die Wochenzeitung ab dem Sommer 1935 und vor allem im Jahre 1937 eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle in der \u00f6sterreichischen Kulturpolitik. Ihre kritischen Analysen etwa \u00fcber die Lage des \u00f6sterreichischen Verlags und dessen Schicksal im Rahmen der deutsch-\u00f6sterreichischen Kulturbeziehungen dienten als Informations- und Entscheidungsgrundlage f\u00fcr die Bundesregierung. Auf einige dieser Sachberichte wird an sp\u00e4terer Stelle hingewiesen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn46\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn46;\" href=\"#_ftnref46\" target=\"text\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> Einen Monat nach dieser Bestellung entledigte sich Zernatto seines Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerpostens bei Braum\u00fcller. Sein Name wurde am 9.6.1936 aus dem Handelsregister gel\u00f6scht (Reg. C 11, 96). Es blieb aber alles in der Familie. Am selben Tag wurde seine Gattin, Ricarda, als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Braum\u00fcller eingetragen. Am 11.2.1938 wurde ihr Name aus dem Handelsregister gel\u00f6scht. Zus\u00e4tzlich zu all diesen Funktionen wurde Zernatto im Mai 1934 vom Unterrichtsministerium zum Mitglied des Sachverst\u00e4ndigenkollegiums f\u00fcr Urheberrecht ernannt. Er war auch Vertreter der Autorenschaft bei der \u00f6sterreichischen Kunststelle. Zum Leben und Werk Zernattos siehe u.a.: Guido ZERNATTO, Vom Wesen der Nation. Fragen und Antworten zum Nationalit\u00e4tenproblem. Hrsg. und eingeleitet von Wolf In der Maur. Wien: Verlag Ad. Holzhausens Nachf., 1966, S. 1-65; INGEBORG URSULA ZIMMER, Guido Zernatto. Leben und Werk. Klagenfurt 1970; KARLHEINZ ROSSBACHER, Dichtung und Politik bei Guido Zernatto. Ideologischer Kontext und Traditionsbezug der im St\u00e4ndestaat gef\u00f6rderten Literatur. In: FRANZ KADRNOSKA (Hrsg.) Aufbruch und Untergang. \u00d6sterreichische Kultur zwischen 1918 und 1938. Wien: Europa Verlag, 1981, S. 539-559. Neuerdings gab der Innsbrucker Germanist EUGEN THURNHER eine Zernatto-Ausgabe heraus (<em>K\u00fchle Ampel, milder Stern<\/em>. Salzburg: Verlag Anton Pustet, 1983). Der Band enth\u00e4lt Zernattos \u201eGesammelte Gedichte\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn47\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn47;\" href=\"#_ftnref47\" target=\"text\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> N\u00e4heres dazu, MURRAY G. HALL, Literatur und Verlagspolitik der drei\u00dfiger Jahre in \u00d6sterreich. Am Beispiel Stefan Zweigs und seines Wiener Verlegers Herbert Reichner. In: Stefan Zweig 1881\/1981. Aufs\u00e4tze und Dokumente. Wien 1981, S. 113-136; bes. S. 134.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn48\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn48;\" href=\"#_ftnref48\" target=\"text\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a> <em>Der \u00d6sterreicher <\/em>(Wien), 10. Jahr, Nr. 40, 4.10.1935, S. 5.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn49\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn49;\" href=\"#_ftnref49\" target=\"text\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a> Die betont nationalen <em>Wiener Neuesten Nachrichten<\/em> brachten z.B. eine Anzeige f\u00fcr die verbilligten reichsdeutschen B\u00fccher.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn50\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn50;\" href=\"#_ftnref50\" target=\"text\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a> Mitteilung an die Vereinsmitglieder, in: <em>Anzeiger, <\/em>76. Jg., Nr. 23, 21.9.1935, S. 118. S. <em>Wiener Zeitung,<\/em> 26.9.1935, \u201eKeine Werbung f\u00fcr das deutsche Buchdumping mehr\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn51\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn51;\" href=\"#_ftnref51\" target=\"text\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a> In V 1935, Mappe 422.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn52\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn52;\" href=\"#_ftnref52\" target=\"text\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a> Ebenda: \u201eAm besten w\u00e4re es, wenn zur Aufkl\u00e4rung dieser Vorw\u00fcrfe die berufene Vertretung des \u00f6sterreichischen Buchhandels oder, noch besser, die nach Berlin entsandte Delegation vor der gesamten \u00d6ffentlichkeit das Wort ergreifen w\u00fcrde, um die notwendige Aufkl\u00e4rung zu geben.\u201c \u00c4hnlich der <em>Telegraf, <\/em>der schreibt, es sei \u201eauch zu erwarten, da\u00df alle zust\u00e4ndigen Faktoren, vor allem auch die in Betracht kommenden berufsst\u00e4ndischen Stellen selbst, die Frage der Verantwortung jener Vertreter des \u00f6sterreichischen Buchhandels aufrollen und mit allen Folgen kl\u00e4ren werden, die dem Attentat auf das \u00f6sterreichische Buch zugestimmt haben\u201c. \u201eDie Verantwortung daf\u00fcr, da\u00df eine solche Preisgabe \u00f6sterreichischer Verlagsinteressen \u00fcberhaupt versucht wurde und auch daf\u00fcr, da\u00df Propagandamittel des \u201aDritten Reiches\u2019 h\u00e4tten mobilisiert werden sollen, wird restlos aufgekl\u00e4rt werden m\u00fcssen.\u201c (28.9.1935.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn53\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn53;\" href=\"#_ftnref53\" target=\"text\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a> Siehe Rundschreiben des Vereins vom 29.10.1935. Diese Betriebe wurden ohne Gew\u00e4hr aufgefordert, Antr\u00e4ge an den Verein in Wien zu stellen. Annahmeschlu\u00df war der 16. November 1935.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn54\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn54;\" href=\"#_ftnref54\" target=\"text\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a> V 1935, Mappe 422. Abschrift.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn55\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn55;\" href=\"#_ftnref55\" target=\"text\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a> Ebenda. Original.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn56\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn56;\" href=\"#_ftnref56\" target=\"text\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a> Rundschreiben vom 4.5.1936.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn57\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn57;\" href=\"#_ftnref57\" target=\"text\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a> Mitglieder des \u00f6sterreichischen Vereins wurden im <em>Anzeiger<\/em>, Nr. 9 vom 4.4.1936 dar\u00fcber informiert: \u201eNach den f\u00fcr die Buchh\u00e4ndler geltenden neuen Grunds\u00e4tzen wird ab 1. April 1936 der den ausl\u00e4ndischen Wiederverk\u00e4ufern gew\u00e4hrte Rabatt nicht mehr vom Inlandladenpreis, sondern vom Auslandladenpreis errechnet.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn58\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn58;\" href=\"#_ftnref58\" target=\"text\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a> Siehe <em>OeZ am Abend, <\/em>2. Jg., Nr. 326, 27. 4. 1936.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn59\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn59;\" href=\"#_ftnref59\" target=\"text\" name=\"_ftn59\">[59]<\/a> Nach den Protokollen im <em>Anzeiger,<\/em> Nr. 10, 11.4. bzw. Nr. 12, 9.5.1936.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn60\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn60;\" href=\"#_ftnref60\" target=\"text\" name=\"_ftn60\">[60]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn61\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn61;\" href=\"#_ftnref61\" target=\"text\" name=\"_ftn61\">[61]<\/a> Zitiert nach einem Rundschreiben der Auslandsvereine, das offensichtlich an reichsdeutsche Verlagsanstalten gerichtet war.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn62\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn62;\" href=\"#_ftnref62\" target=\"text\" name=\"_ftn62\">[62]<\/a> Vom \u00f6sterreichischen Verein nahmen die Herren Peters, Morawa und Wiedling wie auch die anderen Auslandsvereine teil. S. Anzeiger, 77. Jg., Nr. 13, 23.5.1936, S. 69.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn63\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn63;\" href=\"#_ftnref63\" target=\"text\" name=\"_ftn63\">[63]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn64\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn64;\" href=\"#_ftnref64\" target=\"text\" name=\"_ftn64\">[64]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em> 77. Jg., Nr. 14, 13.6.1936, S. 73.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn65\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn65;\" href=\"#_ftnref65\" target=\"text\">[65]<\/a> Dazu die Mitteilung des B\u00f6rsenvereins in: <em>Anzeiger, <\/em>77. Jg., Nr. 16, 4.7.1936, S. 83 und Nr. 17, 18.7.1936, S. 89.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn66\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn66;\" href=\"#_ftnref66\" target=\"text\" name=\"_ftn66\">[66]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em> 77. Jg., Nr. 17, 18.7.1936, S. 89.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn67\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn67;\" href=\"#_ftnref67\" target=\"text\" name=\"_ftn67\">[67]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>77. Jg., Nr. 27, 14.11.1936, S. 162.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn68\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn68;\" href=\"#_ftnref68\" target=\"text\" name=\"_ftn68\">[68]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em> 78. Jg., Nr. 16, 21.7.1937, S. 103.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn69\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn69;\" href=\"#_ftnref69\" target=\"text\" name=\"_ftn69\">[69]<\/a> Schreiben des Pr\u00e4sidenten des Schweizerischen Buchh\u00e4ndlervereins, Basel, vom 30.\u00a0September 1935 an den Verein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler in Wien. (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn70\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn70;\" href=\"#_ftnref70\" target=\"text\" name=\"_ftn70\">[70]<\/a> <em>OeZ am Abend, <\/em>13. 8. 1935. Am selben Tag erschien in der <em>Wiener Zeitung <\/em>eine kurze Meldung aus \u201eBerlin, 12. August\u201c mit der \u00dcberschrift \u201eBerliner Exportkasse auch f\u00fcr B\u00fccher\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn71\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn71;\" href=\"#_ftnref71\" target=\"text\" name=\"_ftn71\">[71]<\/a> <em>Der Heimatsch\u00fctzer, <\/em> 28.9.1935: \u201eW\u00e4hrend die Schweiz in der Lage war, das deutsche Dumping abzuwehren und sein eigenes Verlagswesen zu sch\u00e4tzen (&#8230;).\u201c<em> Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em> 6.10.1935: \u201eBeispiel der Schweiz, die die deutsche Ma\u00dfnahme abgelehnt hat.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn72\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn72;\" href=\"#_ftnref72\" target=\"text\" name=\"_ftn72\">[72]<\/a> Zitiert nach der Abschrift der \u201eGleichlautenden Anordnung der Pr\u00e4sidenten der Reichsschrifttums-, Reichspresse- und Reichsmusikkammer\u201c. In: AVA, BMfHuV, Gesch\u00e4ftszeichen 570, Grundzahl 106.248-9\/35, bei Zl. 106.136-9\/35.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn73\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn73;\" href=\"#_ftnref73\" target=\"text\" name=\"_ftn73\">[73]<\/a> Darstellung des Vereinsvorstandes \u00fcber die Vorgeschichte der Buchpreissenkung\u201c vom 9.10.1935.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn74\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn74;\" href=\"#_ftnref74\" target=\"text\" name=\"_ftn74\">[74]<\/a> Teilabschrift eines Schreibens des Schweizer Vertreters an den Verein in Wien. Undatiert. (V 1935, Mappe 422.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn75\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn75;\" href=\"#_ftnref75\" target=\"text\" name=\"_ftn75\">[75]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>76, Jg., Nr. 27, 9.11.1935, S. 154. Die deutschen Exporteure wurde, aber schon viel fr\u00fcher vom B\u00f6rsenverein angehalten, ihre ausl\u00e4ndischen Abnehmer dar\u00fcber zu informieren, da\u00df sie berechnete Gegenst\u00e4nde weder nach Deutschland noch nach der Schweiz zu gesenkten Preisen liefern durften. Der gegebene Anla\u00df: \u201eIn das Gebiet des angeschlossenen Schweizerischen Buchh\u00e4ndlervereins sind Gegenst\u00e4nde des Buchhandels zu erm\u00e4\u00dfigten Auslandpreisen angeboten worden, obwohl &#8211; wie bekanntgegeben &#8211; die Schweiz von der Senkung der Ladenpreise ausgenommen bleibt.\u201c <em>(B\u00f6rsenblatt,<\/em> Nr. 218, 19.9.1935.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn76\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn76;\" href=\"#_ftnref76\" target=\"text\" name=\"_ftn76\">[76]<\/a> Der Verein in Wien hat sich dazu entschlossen, eine Bilanz der Aktion durch eine Rundfrage unter seinen Mitgliedern zu ziehen. im Rundschreiben vom 15.1.1936 wurde die genaue Beantwortung folgender Fragen erbeten: 1. Ist durch die deutsche Preissenkung seit 9. September 1935 ein f\u00fchlbarer Mehrabsatz reichsdeutscher B\u00fccher erzielt worden? 2. Wenn ja, in welchem Verh\u00e4ltnis zum Gesamtumsatz der entsprechenden Vorjahrsperiode? Auf welchen Gebieten? wissenschaftliche B\u00fccher? b) belletristische B\u00fccher? 3. Wurde durch die Preissenkung der Absatz der \u00f6sterreichischen B\u00fccher beeintr\u00e4chtigt? 4. Hatte die Propaganda f\u00fcr das \u00f6sterreichische Buch (Ausstellung der V.F. etc.) einen Einflu\u00df auf den Verkauf der \u00f6sterreichischen B\u00fccher?<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn77\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn77;\" href=\"#_ftnref77\" target=\"text\" name=\"_ftn77\">[77]<\/a> Wien war traditionell und nicht nur als Verlagsmetropole in einer gro\u00dfen Monarchie eine wichtige Drehscheibe im Exportbuchhandel. Dazu STIERLE in einem JUNKER-Plagiat: \u201eDie Jahrhunderte alten Beziehungen, die \u00d6sterreich mit den osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern verband, sind erfreulicherweise durch den Umsturz nicht vollst\u00e4ndig verloren gegangen (&#8230;). Es sind die alten F\u00e4den wieder angekn\u00fcpft worden, die nun beitragen m\u00fcssen, besonders den \u00f6sterreichischen Versand- und Exportbuchhandel, indirekt aber nat\u00fcrlich auch den Verlag lebensf\u00e4hig zu erhalten. (&#8230;) Wohl ist der Absatz des Verlages durch direkte Selbstlieferung nach dem Orient gering, aber der Zwischenh\u00e4ndler oder der Sortimenter, der nach dem Orient tats\u00e4chlich liefert, hebt indirekt den Absatz der Verleger. Fr\u00fcher hatte ja \u00d6sterreich fast den ganzen Orient mit Ware versehen.\u201c (Der \u00f6sterreichische Buchhandel in der Nachkriegszeit mit Ber\u00fccksichtigung der Nachfolgestaaten \u00d6sterreich-Ungarns. Wien 1928, S. 39.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn78\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn78;\" href=\"#_ftnref78\" target=\"text\" name=\"_ftn78\">[78]<\/a> Auf den Exportm\u00e4rkten nehmen aber die Absatzschwierigkeiten, die in erster Linie mit der seit der Pfundabwertung empfindlich versch\u00e4rften Konkurrenz der nordischen Staaten, namentlich Finnlands, Schwedens und Norwegens, zusammenh\u00e4ngen, fortgesetzt zu. (&#8230;) Auch der Export nach Ungarn, das bisher das rentabelste Absatzgebiet der \u00f6sterreichischen Papierindustrie darstellte, erscheint ernstlich gef\u00e4hrdet. Der Papierexport nach Italien weist seit einigen Jahren ebenfalls starke Einbu\u00dfen auf Der Export nach \u00dcbersee begegnet wachsenden Schwierigkeiten, (&#8230;), w\u00e4hrend sich der Export nach dem Fernen Osten verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut behauptet.\u201c <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em>Folge 33, 1.12.1935, S. 6.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn79\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn79;\" href=\"#_ftnref79\" target=\"text\" name=\"_ftn79\">[79]<\/a> &#8222;N\u00f6te der Papierindustrie.\u201c In: <em>\u00d6sterreichischer Volkswirt, <\/em>28. Jahr, Nr. 40, 4. 7. 1936, S. 307.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn80\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn80;\" href=\"#_ftnref80\" target=\"text\" name=\"_ftn80\">[80]<\/a> Stellvertretend f\u00fcr die vielen negativen Stellungnahmen unter den Verlegern sei aus einem Schreiben des Leopold Stocker Verlags in Graz an den Verband der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienverleger in Wien vom 7.9.1935 zitiert: \u201eDurch die 25%ige Senkung der deutschen Auslandspreise f\u00fcr B\u00fccher wird der \u00f6sterreichische Verlag erschlagen, der in den letzten Jahren so gute Ans\u00e4tze und so verhei\u00dfungsvollen Ausbau machte. Durch die f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Verleger ruin\u00f6se Senkung des reichsdeutschen Buches in Verbindung mit der f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Verlag unm\u00f6glichen Rabattierung, kann der \u00f6sterreichische Verleger in \u00d6sterreich gegen die deutsche Konkurrenz nicht bestehen und vermag auch in das \u00fcbrige Ausland unm\u00f6glich zu konkurrieren. Praktisch treffen die reichsdeutschen Ma\u00dfnahmen nur den \u00f6sterreichischen Verlag, weil das \u00fcbrige Ausland so gut wie keine Verlage hat und die Schweiz durch die reichsdeutsche Verf\u00fcgung nicht getroffen ist. Zu der reichsdeutschen Ma\u00dfnahme kommt noch die ungeheure Steigerung der besseren Druckpapierpreise in \u00d6sterreich, wodurch die \u00f6sterr. Buchproduktion ungeheuer verteuert wird. F\u00fcr den \u00f6sterreichischen Verleger kommt die Produktion des Buches heute mindest so teuer oder teurer als dem reichsdeutschen Verleger, zumal die reichsdeutschen B\u00fccher gr\u00f6\u00dftenteils in viel h\u00f6heren Auflagen gedruckt werden.\u201c in: V 1935, Mappe 423. Dazu noch die Reaktion eines Verlages auf die Papierpreiserh\u00f6hung und deren Folgen f\u00fcr ihn. Zitiert wird aus einem Schreiben des Verlags Anton Pustet in Salzburg an das Handelsministerium in Wien vom 17. Oktober 1935: Es wird zun\u00e4chst von \u201eder ohnedies wahnsinnigen Papierpreiserh\u00f6hung\u201c gesprochen, und dann hei\u00dft es, der Handelsminister m\u00fcsse Wege finden, \u201edie Exportf\u00e4higkeit des durch die unsinnige Papierpreiserh\u00f6hung gel\u00e4hmten \u00f6sterreichischen Verlages durch solche Ma\u00dfnahmen zu erleichtern, die den Absatz des Buches auf das regste f\u00f6rdern k\u00f6nnten. (&#8230;).\u201c (AVA, BMfHuV, Gesch\u00e4ftszeichen 570, Grundzahl 106.248-9\/35; Gesch\u00e4ftszahl 109.254-9\/35. Das darin enthaltene Schreiben hat die Zahl 109.549-9.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn81\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn81;\" href=\"#_ftnref81\" target=\"text\" name=\"_ftn81\">[81]<\/a> Ebenda. Zl. 108.979-9\/1935.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn82\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn82;\" href=\"#_ftnref82\" target=\"text\" name=\"_ftn82\">[82]<\/a> Um die Auswirkung von Buchdumping und Papierpreiserh\u00f6hung zu verdeutlichen, sei hier die Gr\u00f6\u00dfenordnung der graphischen Betriebe in \u00d6sterreich zu dieser Zeit erl\u00e4utert: Die 2.476 Betriebe verteilten sich wie folgt: 1. Druckereibetriebe. 590 Buchdruckereien, 90 Buch- und Steindruckereien oder nur Steindruckereien, 36 vorwiegend Kunstdruckereien, 32 Druckerei- und Verlagsunternehmen, 62 Sonderbetriebe der Druckerei bzw. Hilfsindustrien. Zusammen: 810. 2. Buchbinderbetriebe: 390 befinden sich in Wien, 300 in den Bundesl\u00e4ndern. Zusammen: 690. 3. Handelsbetriebe: 417 Buchhandlungen, 214 Verlagsunternehmen, 210 Buch- und Musikalienhandlungen, 80 Musikalienhandlungen, 33 Kunsthandlungen, 22 Zeitungs- und Zeitschriftenvertriebe. Zusammen: 976+90 Filialbetriebe sind 1.066. (Zitiert nach: Die graphischen Betriebe in \u00d6sterreich. In: <em>Volkswirtschaftlicher Aufkl\u00e4rungsdienst, <\/em> hrsg. im Auftrage des Bundesministeriums f\u00fcr Handel und Verkehr [Amt f\u00fcr Wirtschaftspropaganda], Nr. 56, Wien, 14. 11. 1936, S. 3.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn83\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn83;\" href=\"#_ftnref83\" target=\"text\" name=\"_ftn83\">[83]<\/a> Dazu die bereits zitierte Eingabe des \u201eHauptverbandes der graphischen Unternehmungen \u00d6sterreichs\u201c vom 8.10.1935: \u201eDie durch das Papierkartell vorgenommene Preissteigerung im Inlande bringt vor allem auch bei den Schulb\u00fcchern eine Verbilligungsm\u00f6glichkeit der Herstellung im Auslande mit sich, denn die Papierfabriken bewilligen f\u00fcr im Inland abgesetzte B\u00fccher, zu denen die Schulb\u00fccher ausschlie\u00dflich geh\u00f6ren, keine verbilligten Exportpreise, so da\u00df bereits ausl\u00e4ndische Druckereien in stiller Verbindung mit \u00f6sterreichischen Druckereien sich erfolgreich um Druckauftr\u00e4ge von hiesigen Verlegern bem\u00fchen.\u201c Siehe auch die Stellungnahme der Arbeiter und Angestellten des graphischen Gewerbes anl\u00e4\u00dflich einer in der Innsbrucker Arbeiterkammer stattgefundenen Beratung, in: <em>Reichspost, <\/em>Nr. 292, 22.10.1935, S. 5. In der Wochenzeitung der Legitimisten, <em> Der \u00d6sterreicher <\/em>(10. Jahr, Nr. 42, S. 4), liest man am 18.10.1935: \u201eHingegen verdient Beachtung, was die Buchh\u00e4ndler \u00fcber die Auswirkung des neuen Papierkartells auf die \u00f6sterreichische Buchproduktion sagen. Sie behaupten, da\u00df infolge der sehr Stark erh\u00f6hten Papierpreise viele \u00f6sterreichische Verleger ihre B\u00fccher in Br\u00fcnn herstellen lassen, weil dies billiger kommt.\u201c Siehe auch <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em> Folge 24, 29.9.1935, S. 5 (\u201eDas \u00f6sterreichische Buch, die deutsche Preissenkung und das Papierkartell\u201c) sowie ebda., Folge 33, 1.12.1935, S. 6 (\u201ePapierkonsum und Papierpreise\u201c).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn84\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn84;\" href=\"#_ftnref84\" target=\"text\" name=\"_ftn84\">[84]<\/a> Da auf diesen Punkt an anderer Stelle besonders eingegangen wird, mag es hier gen\u00fcgen, aus der <em>Stunde <\/em>vom 14.9.1935 zu zitieren: \u201eDie Propagandaaktion des Herrn Dr. Goebbels geht also nicht zuletzt auf Kosten der \u00f6sterreichischen Autoren (&#8230;). Es geht denn doch nicht an, da\u00df (&#8230;) Deutschland die Zahlungen an \u00f6sterreichische Autoren sperrt und sie glatt verhungern l\u00e4\u00dft! (&#8230;) Viele Dutzend von \u00f6sterreichischen Autoren &#8211; eine gro\u00dfe Anzahl mit einwandfreier Gro\u00dfmutter! &#8211; erhalten seit mehr als einem Jahr keinen Pfennig Honorar, sie hungern buchst\u00e4blich und erwarten, da\u00df die \u00f6sterreichische Bundesregierung energisch durchgreift!\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn85\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn85;\" href=\"#_ftnref85\" target=\"text\" name=\"_ftn85\">[85]<\/a> V 1935, Mappe 422. Expos\u00e9 der Fachgruppe Verlag \u00fcber die Auswirkungen der Preissenkungsaktion auf den \u00f6sterreichischen Verlagsbuchhandel f\u00fcr Staatssekret\u00e4r Pernter vom 14. 9.1935.<\/p>\n<h3 id=erg1 class=\"note\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<p><strong>Martin Flinker:<\/strong><\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>Hans Scherer:\u00a0<em>Martin Flinker, der Buchh\u00e4ndler. Ein Emigrantenleben<\/em>. Frankfurt am Main 1988.<\/li>\n<li>Murray G. Hall: Bericht \u00fcber eine Ausstellung im J\u00fcdischen Museum in Paris zu Ehren des Wiener und Pariser Buchh\u00e4ndlers Martin Flinker mit Exponaten aus dem Nachlass Flinkers. In:\u00a0<em>Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Buchforschung in \u00d6sterreich<\/em>.\u00a02001-1, S. 25\u201328.<\/li>\n<li><em>Martin et Karl Flinker. De Vienne \u00e0 Paris<\/em>. Textes r\u00e9unis par Isabelle Pleskoff, Paris 2002.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VI. Der &#8222;Gleichschaltung&#8220; zweiter Schritt 1. Einleitung 2. Vorgeschichte zur Exportf\u00f6rderungsaktion: Die Wirtschaftssituation im Deutschen Reich 3. Die Buchexportf\u00f6rderung und \u00d6sterreich: Der \u00f6sterreichische Standpunkt und die Verhandlungen 4. Das reichsdeutsche Buchdumping a) Die Begr\u00fcndung b) Die Preissenkung c) Das Ausgleichsverfahren im Detail d) Reaktion und Kritik in \u00d6sterreich e) B\u00fccherdumping\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=112\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":26,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-112","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=112"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2017,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/112\/revisions\/2017"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/26"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}