{"id":134,"date":"2015-09-03T14:10:01","date_gmt":"2015-09-03T12:10:01","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=134"},"modified":"2016-01-07T18:42:38","modified_gmt":"2016-01-07T16:42:38","slug":"x-normalisierung-in-der-praxis-modellfaelle","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=134","title":{"rendered":"X. &#8222;Normalisierung&#8220; in der Praxis: Modellf\u00e4lle"},"content":{"rendered":"<h3>\u00a0X. &#8222;Normalisierung&#8220; in der Praxis: Modellf\u00e4lle<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">1. Anzeigen im B\u00f6rsenblatt. Behinderungen am Beispiel E.P. Tal und Herbert Reichner Verlag<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">2. Deutsche Autoren und die Devisenstelle<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading3\" target=\"_self\">3. \u201e&#8230;auf kalte Weise\u201c: der versteckte Boykott, am Beispiel PHAIDON-VERLAG<\/a>\n<ul>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading4\" target=\"_self\">Vom Boykott zur Beschlagnahme<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading5\" target=\"_self\">4. Die Pr\u00fcfstelle und das \u201eLeipziger Loch\u201c (Reichner, Tal)<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading6\" target=\"_self\">5. Beschlagnahme und Vernichtung (Reichner, St. Josef B\u00fccherbruderschaft)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> 1. Anzeigen im B\u00f6rsenblatt. Behinderungen am Beispiel E.P. Tal und Herbert Reichner Verlag<\/h3>\n<p>Es geh\u00f6rt zu den vielverbreiteten Fehlmeinungen, da\u00df der Nationalsozialismus bei der Machtergreifung im Jahre 1933 \u00fcber einen verbindlichen Gesamtplan seiner k\u00fcnftigen Rassenpolitik gegen\u00fcber den Juden verf\u00fcgte. Genausowenig aber verf\u00fcgte er \u00fcber konkrete Vorstellungen, was die k\u00fcnstlerische und kulturelle Bet\u00e4tigung der Juden betrifft.<a style=\"mso-footnote-id: ftn1;\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"reference\">[1]<\/span><\/a> Man kann wohl sagen, da\u00df \u00dcbereinstimmung in der Frage herrschte, da\u00df \u201eNicht-Arier\u201c aus dem deutschen Kulturleben zu entfernen w\u00e4ren. Auch die vielzitierten B\u00fccherverbrennungen und \u00c4chtungen von bestimmten Schriftstellern konnten die Existenz eines solchen Gesamtplans nicht vort\u00e4uschen, richtungsweisend, wie sie gewesen sein m\u00f6gen. Man mu\u00df vielmehr die Entwicklung in ihrem historischen, chronologischen Ablauf verfolgen,<a style=\"mso-footnote-id: ftn2;\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"reference\">[2]<\/span><\/a> denn die Judenpolitik im k\u00fcnstlerisch-literarischen Bereich war voll von Kompromissen, Sachzw\u00e4ngen und Inkongruenzen, wodurch Theorie (Ideologie, Gesetze, Erl\u00e4sse usw.) und Praxis (Ausschaltung der Juden) oft weit auseinanderklafften.<\/p>\n<p>Ein anschauliches Beispiel f\u00fcr sachliche wie auch zeitliche Inkongruenzen liefert die Angelegenheit Anzeigen \u00f6sterreichischer Verleger im <em>B\u00f6rsenblatt f\u00fcr den Deutschen Buchhandel.<\/em><\/p>\n<p>Die statistisch belegte Binsenweisheit von der Abh\u00e4ngigkeit \u00f6sterreichischer Verleger vom reichsdeutschen Absatzmarkt r\u00fcckt die Frage von Verlagsanzeigen im offiziellen Organ des B\u00f6rsenvereins der Deutschen Buchh\u00e4ndler zu Leipzig, dem <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>in den Vordergrund. Ins Reich wurden ja etwa 65-75% (in Einzelf\u00e4llen, z.B. bei speziellen Bildb\u00e4nden lag die Zahl bei bis zu 95%) der Produktion geliefert und dort verkauft. Banal ausgedruckt, war also Werbung im Reich von gro\u00dfer Notwendigkeit.<\/p>\n<p>Man kann der These Dahms zustimmen, da\u00df Buchhandelsfirmen und Verlagsanstalten im Ausland, also z.B. in \u00d6sterreich, die sich in j\u00fcdischem Besitz befanden oder von Juden geleitet wurden, eine Zeit lang eine \u201eprivilegierte Stellung\u201c, eine \u201eSonderstellung\u201c genossen. Woran lag diese \u201eFreiz\u00fcgigkeit\u201c auf deutscher Seite und wie wirkte sie sich aus? Dazu mu\u00df man ein paar Worte \u00fcber den B\u00f6rsenverein sagen, denn diese \u201eprivilegierte Stellung\u201c war auf die Natur, besser gesagt, auf die Struktur des B\u00f6rsenvereins zu Leipzig zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Im November 1933 wurde der B\u00f6rsenverein als Ganzes in die RSK einbezogen, d.h. eingegliedert. Doch diese Organisation des Buchhandels sollte zwar \u201ezu einem brauchbaren Instrument f\u00fcr das Dritte Reich\u201c (W. Baur) gestattet werden, war aber von Haus aus keine rein innerdeutsche Organisation, sondern eine supranationale Vertretung. Und eben aus der besonderen Struktur entwickelten sich die Schwierigkeiten und die Gefahr, da\u00df der B\u00f6rsenverein hiedurch \u201ezerschlagen\u201c werde. Schwierigkeit Nummer eins lag in der Tatsache, da\u00df das Vereinsgebiet weit \u00fcber die Reichsgrenze hinausreichte, also im Zusammenschlu\u00df des B\u00f6rsenvereins mit einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl ausl\u00e4ndischer Vereine, darunter dem \u00f6sterreichischen, und in der Zugeh\u00f6rigkeit ausl\u00e4ndischer Buchh\u00e4ndler zum B\u00f6rsenverein. Es herrschte nach Ank\u00fcndigung der Zweiten Durchf\u00fchrungsverordnung zum RKK-Gesetz am 9. November 1933, nach der die Eingliederung in die Einzelkammern k\u00fcnftig als Voraussetzung der Berufsaus\u00fcbung zu gelten hatte, Unklarheit dar\u00fcber, ob \u00f6sterreichische Buchh\u00e4ndler, Autoren und Verleger zur Zwangsmitgliedschaft verpflichtet seien oder nicht. Die Mitgliedschaft in der RSK stand ausl\u00e4ndischen Buchh\u00e4ndlern frei, war aber wiederum keine Voraussetzung f\u00fcr die Mitgliedschaft im B\u00f6rsenverein. Der \u00f6sterreichische Verein sah daher f\u00fcr heimische Buchh\u00e4ndler keine Veranlassung zum Beitritt zur RSK.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"reference\">[3]<\/span><\/a> Nach der Eingliederung des B\u00f6rsenvereins in die RSK gab der B\u00f6rsenverein bekannt, da\u00df er beauftragt sei, \u201edie Eingliederung des Buchhandels in die RSK durchzuf\u00fchren&#8220;<a style=\"mso-footnote-id: ftn4;\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"reference\">[4]<\/span><\/a> und da\u00df \u201eBuchh\u00e4ndler, die bereits Mitglied des B\u00f6rsenvereins sind, (&#8230;) sich selbstverst\u00e4ndlich nicht nochmals besonders zu melden\u201c brauchen. (ebda.) Verwirrung herrschte noch dar\u00fcber, wie die RSK-Mitgliedschaft au\u00dferhalb des Reichsgebiets zu funktionieren habe. Diese Frage wurde durch die Bekanntmachung des Pr\u00e4sidenten der RSK vom 30. Juli 1934 (BBl., Nr. 180 vom 4. August 1934) beantwortet.<a style=\"mso-footnote-id: ftn5;\" href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"reference\">[5]<\/span><\/a> Hievon betroffen waren nur Schriftsteller, die innerhalb des Deutschen Reichs ihren Wohnsitz hatten. Reichsdeutsche Verleger im Ausland lebender Autoren hatten sich deshalb nicht um deren allf\u00e4llige Mitgliedschaft zu k\u00fcmmern. Dar\u00fcber hinaus hatte das RKK-Gesetz als deutsches Recht nur innerhalb der deutschen Reichsgrenzen G\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p>Durch die Eingliederung wurde der B\u00f6rsenverein praktisch zum Zwangskartell gemacht, aber dieser Zustand war mit der geltenden Gesetzgebung nicht vereinbar, genausowenig wie ein Arierparagraph in die RKK-Gesetzgebung des Jahres 1933 aufgenommen werden konnte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn6;\" href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"reference\">[6]<\/span><\/a> Aus R\u00fccksicht auf den B\u00f6rsenverein, also als \u201efreier und \u00fcber die Grenzen des Reiches hinausreichender Verband\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn7;\" href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"reference\">[7]<\/span><\/a> wurde er 1934 wieder \u201eausgegliedert\u201c. An Stelle des B\u00f6rsenvereins war nunmehr der \u201eReichsbund der Deutschen Buchh\u00e4ndler\u201c als Fachverband in der RSK vertreten. Fazit: \u201eDer B\u00f6rsenverein werde als freier Verband im Einverst\u00e4ndnis mit der Reichskulturkammer eine Art Zweckverband werden, in dem wieder alle buchh\u00e4ndlerischen Zweige im Reichsgebiet und diejenigen Teile des ausl\u00e4ndischen Buchhandels zusammengeschlossen w\u00fcrden, die am Absatz des deutschen Geistesgutes besonders interessiert sind.\u201c (ebda.)<\/p>\n<p>Aus diesem Zustand heraus ist die folgende mi\u00dfmutige Feststellung des Judenhetzers Will Vesper Anfang 1938 zu verstehen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Nach den bestehenden notwendigen Vertr\u00e4gen mit dem deutschen Auslandsbuchhandel ist das \u201eB\u00f6rsenblatt f\u00fcr den deutschen Buchhandel\u201c nicht in der Lage die B\u00f6rsenanzeigen von j\u00fcdischen Autoren und j\u00fcdischen Verlagen des Auslandes abzulehnen, oder sie als j\u00fcdisch zu kennzeichnen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn8;\" href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span class=\"reference\">[8]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Dahm ortet ebenfalls zu Recht eine \u201eunterschiedliche Behandlung\u201c der in- und ausl\u00e4ndischen Buchh\u00e4ndler (und Verleger) und sieht dies einerseits in der Tatsache, da\u00df sie nicht aus der Neuausgabe des Adre\u00dfbuchs f\u00fcr den deutschen Buchhandel f\u00fcr 1936 gestrichen wurden,<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"reference\">[9]<\/span><\/a> andererseits in den Anzeigen aufnahmen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die j\u00fcdischen Verleger in \u00d6sterreich konnten bis zum \u201eAnschlu\u00df\u201c \u00d6sterreichs <em>ungehindert<\/em><a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"reference\">[10]<\/span><\/a> im B\u00f6rsenblatt inserieren.<\/p>\n<p>Das Problematische an dieser apodiktischen Aussage &#8211; etwas, was Dahm sonst bei anderen h\u00e4ufig und v\u00f6llig zu Recht bekrittelt &#8211; ist, da\u00df sie nicht stimmt. Die Verweigerung von Annoncen \u00f6sterreichischer Verleger, die &#8211; wie es der Zufall oder die Berechnung haben will &#8211; ausschlie\u00dflich, so scheint es, entweder k\u00fcrzlich aus Deutschland emigriert und noch dazu \u201eJudenverlage\u201c (Vesper) waren oder nur \u201eJudenverlage\u201c waren, geh\u00f6rte n\u00e4mlich zum \u201eBehinderungsarsenal\u201c gegen \u00f6sterreichische Verlagsanstalten. Das l\u00e4\u00dft sich auch mehrfach konkret belegen. Zuerst aber mu\u00df man unterstreichen, da\u00df hier keine konsequente, kontinuierliche Politik von Anfang an vorlag. Die nationalsozialistische Literaturpolitik, vom Bed\u00fcrfnis ausgehend, Nichtarier aus dem Buch- und Verlagswesen auszuschalten, war das Produkt von Improvisation und Evolution. Dazu ein Beispiel von einem Verlag im Jahre 1934 und demselben Verlag in Jahre 1937.<\/p>\n<p>Der junge Wiener Verleger Herbert Reichner stieg in das Gesch\u00e4ft mit der Belletristik mit der ersten Buchver\u00f6ffentlichung des im Reich ge\u00e4chteten Schriftstellers Stefan Zweig ein, und zwar nach dessen Trennung vom Insel-Verlag. Reichner, der relativ selten im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>annoncierte, konnte am 15. Mai 1934 ein ganzseitiges Inserat f\u00fcr das neue Zweig-Buch <em>Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam <\/em>publizieren. Das war Mitte 1934 m\u00f6glich, obwohl a) Stefan Zweig zu den verbrannten Dichtern der ersten Stunde geh\u00f6rte und Jude war und b) Herbert Reichner nicht Mitglied des B\u00f6rsenvereins war und einen \u201ej\u00fcdischen Verlag\u201c f\u00fchrte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn11;\" href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><span class=\"reference\">[11]<\/span><\/a> Die Zeiten und Sitten \u00e4nderten sich: 1937 war hingegen nach der vom B\u00f6rsenverein (B\u00f6rsenblatt-Anzeigenverwaltung) gehandhabten Politik die Gegebenheit \u201ej\u00fcdischer Verfasser\u201c im ausl\u00e4ndischen Verlag ausreichender Grund, eine Anzeige des \u00f6sterreichischen Verlags zu verweigern. So hat die Schriftleitung des <em>B\u00f6rsenblatts <\/em>am 8. September 1937 dem Herbert Reichner Verlag eine Anzeige des Buches von Paul Stefan <em>Die Zauberfl\u00f6te <\/em>abgelehnt, einzig und allein, weil der Verfasser Jude war. Reichners Antwort auf die Ablehnung wies auf eine Inkonsequenz nationalsozialistischer Literaturpolitik hin, und zwar \u201emit dem Hinweis, da\u00df das Buch in der Parteizeitung [!] \u201aBayerische Ostmark\u2019 in Bayreuth am 8. August 1937 eine gl\u00e4nzende Besprechung erfahren habe\u201c.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><span class=\"reference\">[12]<\/span><\/a> Auf eine entsprechende Erkundigung des B\u00f6rsenvereins bei der Schriftleitung der genannten Zeitung wurde mitgeteilt, \u201eda\u00df dem Besprecher nicht bekannt war, da\u00df Paul Stefan Jude ist\u201c (ebda.). \u201eDem Verlag Reichner gegen\u00fcber haben wir auf der Ablehnung bestanden, und er hat sich damit zufriedengegeben\u201c, hei\u00dft es abschlie\u00dfend zu diesem Fall.<\/p>\n<p>Da\u00df die Schriftleitung des B\u00f6rsenvereins \u00fcberfordert war, zeigen weitere Ungereimtheiten, wie sie etwa von der Auswahl von Autoren und Werken in der \u201eListe 1 des sch\u00e4dlichen und unerw\u00fcnschten Schrifttums\u201c bekannt sind. So \u201emu\u00dfte\u201c das <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>eine Anzeige \u00fcber ein Buch Franz Molnars (<em>Der gr\u00fcneHusar<\/em>) aus dem Herbert Reichner Verlag ablehnen, \u201eda der Verfasser Jude ist\u201c. Reichner konterte, \u201eda\u00df Molnar genau so ein reiner Ungar sei wie z.B. K\u00f6rmendi.\u201c Dessen B\u00fccher durften aber von dem der NSDAP geh\u00f6renden Ullstein-Verlag sowie von den Verlagen Universitas und Bermann-Fischer &#8222;ruhig angezeigt und verkauft werden&#8220; (Reichner). \u201eMolnar unterscheide sich in nichts von K\u00f6rmendi\u201c, meinte er au\u00dferdem. Nur war es der Schriftleitung des <em>B\u00f6rsenblatts <\/em>\u201ebisher nicht bekannt, da\u00df K\u00f6rmendi Jude ist, und wir haben daher dem Verlag Reichner geschrieben, da\u00df wir in Zukunft auch Anzeigen \u00fcber B\u00fccher von K\u00f6rmendi ablehnen werden\u201c. Diese Frage der Anzeigenverweigerung l\u00f6ste sodann einen Schriftwechsel mit dem Bermann-Fischer Verlag in Wien aus, denn es lag eine Anzeige f\u00fcr Franz K\u00f6rmendis Liebesroman <em>Die Begegnung <\/em>bei der Schriftleitung vor.<\/p>\n<p>Am 29. September 1937 wurde Bermann-Fischer die Ablehnung auf Grund von K\u00f6rmendis nichtarischer Abstammung mitgeteilt. Bermann legte am 1. Oktober \u201eBerufung\u201c ein, wies darauf hin, da\u00df er keine M\u00f6glichkeit habe, \u201eden ungarischen Schriftsteller K\u00f6rmendi bez\u00fcglich seiner arischen Abstammung zu fragen\u201c. K\u00f6rmendi sei aber von Mussolini ausgezeichnet worden und nehme eine gro\u00dfe Stellung in Ungarn ein.<a style=\"mso-footnote-id: ftn13;\" href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><span class=\"reference\">[13]<\/span><\/a> Dem <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>wurde \u201eanheimgestellt\u201c, \u201edie Anzeige erscheinen zu lassen\u201c. Sie erschien nicht.<\/p>\n<p>Das sichere Auftreten mit Ablehnungen von Anzeigen im Umgang mit \u00f6sterreichischen Verlagen war mit betr\u00e4chtlicher interner Unsicherheit gekoppelt. In einem Schriftst\u00fcck der Gesch\u00e4ftsleitung des <em>B\u00f6rsenblatts <\/em>\u201eBetr. J\u00fcdisches Schrifttum aus dem Ausland\u201c vom 7. Oktober 1937 ist das Problem ganz konkret formuliert. Einen deutlicheren Beweis f\u00fcr die Unrichtigkeit der Ansicht Dahms, da\u00df \u00f6sterreichische Verlage im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>ungehindert inserieren konnten, ist kaum vorstellbar. Da liest man:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir sind in den letzten Wochen wieder mehrmals in die Lage gekommen, Anzeigen von B\u00fcchern j\u00fcdischer Verfasser besonders von \u00f6sterreichischen j\u00fcdischen Verlegern zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Aus den meisten dieser Ablehnungen hat sich ein langwieriger Briefwechsel entwickelt, der z.Zt. noch nicht abgeschlossen ist. Die genannten F\u00e4lle stellten uns von neuem vor die Entscheidung, ob wir in besonderen F\u00e4llen B\u00fccher j\u00fcdischer Verfasser, die von ausl\u00e4ndischen Verlegern kommen, anzeigen oder ob wir, soweit es sich um sch\u00f6ngeistiges Schrifttum handelt, auf unserem ablehnenden Standpunkt bleiben.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Frage des wissenschaftlichen Schrifttums will ich dabei zun\u00e4chst nicht anschneiden, denn sie w\u00fcrde uns mit fast allen ausl\u00e4ndischen Verlagen in Konflikt bringen, abgesehen davon, da\u00df es, wie sich herausgestellt hat, nahezu unm\u00f6glich ist, \u00fcber die Abstammung eines ausl\u00e4ndischen Autors etwas festzustellen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die aufgez\u00e4hlten F\u00e4lle, die sich alle in der letzten Zeit abgespielt haben, zeigen deutlich, wie oft wir Anzeigen \u00fcber j\u00fcdische B\u00fccher ablehnen m\u00fcssen, denn wir k\u00f6nnen uns nicht dazu hergeben, ausl\u00e4ndisches j\u00fcdisches Schrifttum im B\u00f6rsenblatt zu propagieren.<\/p>\n<p>Aus dieser Politik der Anzeigenverweigerung geht hervor, da\u00df man generell nach dem rassischen Kriterium \u201ej\u00fcdische Autoren\u201c, \u201eausl\u00e4ndisches j\u00fcdisches Schrifttum\u201c vorging, und zwar offensichtlich unabh\u00e4ngig vom Inhalt wie auch unabh\u00e4ngig davon, ob es sich um \u201etraditionell\u201c nicht genehme Literatur handelte. Oberste Entscheidungsinstanz war der NSDAP-Eher Verlag-Funktion\u00e4r und Erster Vorsteher des B\u00f6rsenvereins (seit 21. 9. 34) Wilhelm Baur.<\/p>\n<p>Die Frage, ob Werke nichtarischer Autoren von der <em>Verbreitung <\/em>im Deutschen Reich ausgeschlossen waren &#8211; eine Frage, die, wie erinnerlich, von den deutschen Beh\u00f6rden verneint wurde &#8211; stand somit auf einem anderen Blatt.<\/p>\n<p>Bevor wir aber auf offizielle Reaktionen auf die Anzeigenverweigerung durch das <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>eingehen, sehen wir uns einen Modellfall f\u00fcr diese Spielart der Behinderung \u00f6sterreichischer Verlage n\u00e4her an. Er betrifft den E.P. Tal &amp; Co. Verlag und war selbst Lesern der amtlichen <em>Wiener Zeitung <\/em>bekannt.<a style=\"mso-footnote-id: ftn14;\" href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><span class=\"reference\">[14]<\/span><\/a> Seit Februar 1935 hatte der Tal-Verlag wiederholt Schwierigkeiten hinsichtlich der Aufnahme seiner Verlagsanzeigen im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>gehabt. Ernst Peter Tal wandte sich nicht &#8211; was im Fall von diversen Schwierigkeiten einzelner \u00f6sterreichischer Verlage allgemein \u00fcblich war &#8211; an \u00f6sterreichische Regierungsstellen, sondern versuchte eigenh\u00e4ndig, den Grund f\u00fcr die Verweigerung seiner Inserate in Erfahrung zu bringen, allerdings ohne Erfolg. Im August dieses Jahres wandte er sich an den ihm pers\u00f6nlich bekannten Vorsitzenden des \u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndlervereins, Wilhelm Frick, in der Hoffnung, dieser k\u00f6nnte eine befriedigende Antwort aus Leipzig erhalten.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><span class=\"reference\">[15]<\/span><\/a> Tal war der \u00dcberzeugung, da\u00df es sich bei der monatelangen Verweigerung nicht um ein \u201eDefinitivum\u201c handle, er habe ja ein Schreiben der Anzeigenverwaltung des <em>B\u00f6rsenblatts <\/em>vom 9. September erhalten, in dem seine Firma zur Beteiligung an der Weihnachtsnummer aufgefordert worden war. Es bed\u00fcrfe, schreibt er am 11. September an Frick pers\u00f6nlich, wahrscheinlich \u201enur eines \u00e4u\u00dferen Anstosses (&#8230;) damit die Sache in Ordnung gebracht wird\u201c. Die Schriftleitung des <em>B\u00f6rsenblatts <\/em>hat Tals Anzeigen mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcckgewiesen, \u201eda\u00df von irgendeiner amtlichen Stelle die Aufnahme von Anzeigen dieses Verlages untersagt sei. Eine n\u00e4here Begr\u00fcndung soll die Firma nicht erhalten haben\u201c (Frick an den BV, 13.9.35). Es m\u00f6ge Tal, als BV-Mitglied, gestattet werden, seine satzungsm\u00e4\u00dfigen Rechte wieder auszu\u00fcben, hei\u00dft es da ferner. Von der Gesch\u00e4ftsleitung kam erst zwei Wochen sp\u00e4ter eine Antwort, die kurz ausfiel:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Auf Ihre Anfrage teilen wir Ihnen streng vertraulich mit, da\u00df wir die Anweisung erhalten haben, Anzeigen des genannten Verlages abzulehnen, weil er im dringenden Verdacht steht, Verlage zu f\u00f6rdern, die gegen Deutschland gerichtete hetzerische Literatur herausbringen.<\/p>\n<p>Hierauf kapitulierte der Verein und teilte Tal am 30. September mit, da\u00df \u201ewir (&#8230;) ebenfalls nur die Mitteilung erhalten k\u00f6nnen, da\u00df er (der B\u00f6rsenverein) die Weisung habe, Anzeigen Ihres Verlages abzulehnen\u201c. Tal gab sich damit nicht zufrieden. Am 4. Oktober schrieb er folgenden privaten Brief an Wilhelm Frick, der hier auszugsweise wiedergegeben wird:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Verein sieht sich anscheinend au\u00dferstande, weitere Schritte in dieser Sache zu unternehmen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich wei\u00df nicht, sehr verehrter Herr Kommerzialrat, ob diese Anschauung richtig ist. Es ist ein Mitglied des Vereines in seinen Rechten als Mitglied des B\u00f6rsenvereines beeintr\u00e4chtigt worden, ohne da\u00df dieses Mitglied sich etwas zuschulden kommen lie\u00df. Denn, w\u00e4re dieses der Fall, so w\u00e4ren die entsprechenden Tatsachen mindestens dem Verein der \u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndler gegen\u00fcber, wenn auch vielleicht nur vertraulich, bekanntgegeben worden. Ich bin daher der Meinung, da\u00df der Verein, gest\u00fctzt auf diese Tatsache, wohl in die Lage gesetzt w\u00e4re, dem B\u00f6rsenverein entsprechend entgegenzutreten und zu verlangen, da\u00df die Rechte seiner Mitglieder anerkannt werden, solange sich diese nichts zuschulden kommen lassen. Ich denke, da\u00df derlei \u00fcberall auf der Welt geschieht.<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich bitte Sie, sehr verehrter und lieber Herr Kommerzialrat, nochmals zu bedenken, da\u00df die Nichtaufnahme meiner Anzeigen im B\u00f6rsenblatt nicht nur eine moralische Sch\u00e4digung f\u00fcr mich bedeutet, sondern auch eine materielle, deren Ausmass gar nicht zu untersch\u00e4tzen ist.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich gebe mich der Hoffnung hin, sehr verehrter Herr Kommerzialrat, da\u00df Sie gewi\u00df, aber eigentlich auch der Verein, sich der Gewichtigkeit der Sache f\u00fcr mich und mein Unternehmen bewu\u00dft sind und da\u00df doch noch ernsthafte Versuche gemacht werden, die deutschen Stellen von der Ungerechtfertigtheit und der Unm\u00f6glichkeit ihrer Haltung zu \u00fcberzeugen, ebenso wie es meiner Meinung nach unschwer sein kann, die deutschen Stellen davon zu \u00fcberzeugen, da\u00df dieses Verfahren zu einem Zeitpunkt, wo zwischen den beiden Staaten alle Bem\u00fchungen gemacht werden, um vorhandene Spannungen abzubauen, durchaus unpassend ist.<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<\/p>\n<p>Frick wandte sich am 26. Oktober vertraulich an Ernst Reinhardt in M\u00fcnchen, Mitglied des Gesamtvorstands des B\u00f6rsenvereins und selber Verleger, um somit weitere Schritte zu unternehmen, \u201edie zum Schutz und zur Wahrung der Rechte des Tal-Verlages als Mitglied des \u00f6sterreichischen Vereines und des B\u00f6rsenvereines dienen sollten\u201c. Da auch der Verein \u201ekeine pr\u00e4zise Begr\u00fcndung\u201c f\u00fcr die Ablehnung erhalten habe, m\u00f6ge Reinhardt die Angelegenheit genau pr\u00fcfen. Eine Antwort kam nicht, so da\u00df Frick am 18. November 1935 Reinhardt ein zweites Mal schrieb. Dann kam endlich am 26. November eine Antwort vom Generaldirektor des B\u00f6rsenvereins Albert He\u00df h\u00f6chstpers\u00f6nlich. Sie zeigt, inwieweit das Propagandaministerium \u00fcber die RSK sich in solchen Dingen einschaltete und inwieweit der B\u00f6rsenverein \u201ezu einem brauchbaren Instrument f\u00fcr das Dritte Reich\u201c gestaltet worden und die vom Min. Rat Dr. Heinrich Wismann ausgedr\u00fcckte \u201eHoffnung auf gute Zusammenarbeit zwischen dem von ihm [Wilhelm Baur] geleiteten B\u00f6rsenverein und der Reichsschrifttumskammer\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn16;\" href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><span class=\"reference\">[16]<\/span><\/a> in Erf\u00fcllung gegangen war. Hier der volle Wortlaut:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Sehr geehrter Herr Kommerzialrat!<\/p>\n<p class=\"zitat\">Herr Reinhardt hat mir die fr\u00fchere Korrespondenz und neuerdings auch Ihren eingeschriebenen Brief \u00fcbersandt. Ich konnte Ihnen noch nicht antworten, da ich in der Angelegenheit Verhandlungen in Berlin f\u00fchren mu\u00dfte. In diesen Dingen liegt die Entscheidung nicht bei uns, sondern wir m\u00fcssen uns an die Weisungen, die uns gegeben werden, halten. Es l\u00e4\u00dft sich von uns aus wegen der Auftr\u00e4ge auf Anzeigenaufnahmen durch Herrn Tal nichts tun. Die Verbindung des Herrn Tal mit Emigrantenverlagen ist unbestreitbar. Wir k\u00f6nnen deshalb seinen Anspruch auf Erf\u00fcllung der Mitgliedspflichten nicht erkennen. Im \u00fcbrigen werden die Bestimmungen \u00fcber die Verwaltung des B\u00f6rsenblattes eine entsprechende \u00c4nderung erfahren.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Mit vorz\u00fcglicher Hochachtung<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ihr ergebener<\/p>\n<p class=\"zitat\">gez. HESS<\/p>\n<p>Die Feststellung \u00fcber die \u201eunbestreitbare Verbindung\u201c von Tal mit \u201eEmigrantenverlagen\u201c war in Wirklichkeit gar nicht so abwegig, nur erfuhr Tal von diesem Sachverhalt offiziell nichts. Interessant war die Art und Weise, wie die deutschen Propagandaherren sich an Tal r\u00e4chen wollten. Zu dieser \u201eVerbindung\u201c gefragt, schrieb die Witwe des Ende 1936 fr\u00fch verstorbenen Verlegers:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich glaube zwar nicht, dass jene Verlage direkt hetzerisch waren, aber vom Nazi Standpunkt, da sie j\u00fcdische Autoren brachten etc. ist also Span dran. Es hat sich so verhalten: Talverlag war in enger Verbindung mit Verlag Allert de Lange in Holland. Um unsere jewish authors vorl\u00e4ufig vor dem verhungern zu schuetzen, wagten wir den kuehnen Sprung unsere Autoren unter getarnten Namen bei Allert de Lange herauszubringen und in Deutschland zu verkaufen. (&#8230;) Es blieb wohl nicht ewig geheim.<a style=\"mso-footnote-id: ftn17;\" href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><span class=\"reference\">[17]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wie ein Blick auf die Erscheinungen des E.P. Tal Verlags in den Jahren 1934 bis 1936 beweist, ver\u00f6ffentlichte Tal selber eine ganze Reihe von unerw\u00fcnschten bzw. nicht genehmen Autoren und schuf somit im Gegensatz zu seinem Kollegen Paul Zsolnay keinen \u201eGhettoverlag\u201c.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><span class=\"reference\">[18]<\/span><\/a> Tal war sich aber wohl dessen bewu\u00dft, \u201eda\u00df es auch in \u00d6sterreich bereits eine unwillk\u00fcrliche Zweiteilung der Verlage g\u00e4be, nach dem Gesichtspunkt, ob sie im Dritten Reich \u201arassisch\u2019 genehm sind oder nicht\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn19;\" href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><span class=\"reference\">[19]<\/span><\/a> Wenn die Herren vom Propagandaministerium die \u00f6sterreichische Verlagsszene genau beobachteten &#8211; und das ist wohl anzunehmen &#8211; m\u00fc\u00dften sie allerdings einen gr\u00f6\u00dferen \u201eFeind\u201c hinsichtlich der F\u00f6rderung der Hetzliteratur ersp\u00e4ht haben, n\u00e4mlich einen Buchh\u00e4ndler namens Josef Kende.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><span class=\"reference\">[20]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die neuerliche Zulassung waren nicht zu ermitteln. Der E.P. Tal &amp; Co. Verlag konnte sp\u00e4ter bis zum \u201eAnschlu\u00df\u201c weiterhin im<em> B\u00f6rsenblatt <\/em>inserieren.<\/p>\n<p>Unter den als \u201eJudenverlag\u201c apostrophierten \u00f6sterreichischen Verlagsanstalten scheint ein Verlag hinsichtlich Anzeigen im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>keinerlei Schwierigkeiten gehabt zu haben. Im Gegenteil. Es war dies der Paul Zsolnay Verlag, der von allen \u00f6sterreichischen Verlagen am h\u00e4ufigsten und am meisten im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>ank\u00fcndigte. Was die Plazierung dieser Anzeigen betrifft, hatte Zsolnay eine Vorliebe f\u00fcr die erste Umschlagseite (Titelseite). Solche Annoncen im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>waren mit betr\u00e4chtlichen Werbeausgaben verbunden. Billiger kamen Annoncen im \u00f6sterreichischen <em>Anzeiger<\/em>, doch galt solche Werbung dort allgemein f\u00fcr \u201ewertlos\u201c. Nach dem Anzeigentarif 1934 kostete eine ganze Seite 84 RM, eine halbe Seite 42 RM und eine Viertelseite 21 RM. Zuz\u00fcglich Platzaufschlag (71\u00bc%) kostete die erste Umschlagseite stolze 105 RM. Diese wurde \u00fcblicherweise jeweils am 1. Oktober f\u00fcr das kommende Jahr vergeben. in einer konkreten Relation gesehen, kostete eine Einzelnummer des <em>B\u00f6rsenblatts<\/em> 20 Pfg. (f\u00fcr Mitglieder) bzw. 40 Pfg. (f\u00fcr Nicht-Mitglieder).<\/p>\n<p>Da\u00df j\u00fcdische Verleger in \u00d6sterreich bis zum \u201eAnschlu\u00df\u201c nicht ungehindert inserieren konnten, war sowohl der Standesvertretung wie auch Regierungsstellen in \u00d6sterreich sp\u00e4testens im Jahr 1937 bekannt. Nur: die Angelegenheit kam in den Sitzungen des Kulturausschusses nicht zur Sprache.<\/p>\n<p>Die Anzeigen im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>hatten f\u00fcr ins Reich exportierende \u00f6sterreichische Verlage die Bedeutung, da\u00df sie den gesamten deutschsprachigen Buchhandel mit Neuerscheinungen bekannt machten. Im Reich selber hatten sie eine weitere Bedeutung. Sie waren so etwas wie ein \u201eUnbedenklichkeitsausweis\u201c. Die angezeigten Werke hatten sozusagen das Placet h\u00f6herer Stellen, und man konnte sie also ohne weiteres bestellen und verkaufen. Der <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich <\/em>formulierte das so:<\/p>\n<p class=\"zitat\">In der f\u00fcr die Propaganda wichtigsten Zeit verweigert das \u201eB\u00f6rsenblatt f\u00fcr den Deutschen Buchhandel\u201c die Annahme von Anzeigen ganz unbedenklicher und v\u00f6llig harmloser B\u00fccher, nur um den reichsdeutschen Buchhandel in Unkenntnis \u00f6sterreichischer Neuerscheinungen zu lassen. Es gibt ja tausende deutsche Buchh\u00e4ndler, die nur das zu bestellen sich getrauen, was durch die Anzeige im \u201eB\u00f6rsenblatt\u201c quasi legitimiert ist. Eine gl\u00e4nzende Idee ist\u2019s auch, da\u00df die meisten deutschen Tageszeitungen, wenn sie schon ein wertvolles \u00f6sterreichisches Buch besprechen, den \u00f6sterreichischen Verlag undeutlich, ja oft gar nicht nennen. Diese Gewohnheit haben auch reichsdeutsche Sender. Das macht manche W\u00fcrdigung praktisch wertlos.<a style=\"mso-footnote-id: ftn21;\" href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><span class=\"reference\">[21]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Und als ein betroffener Verlag vom Unterrichtsministerium gebeten wurde, zu dieser Problematik vertraulich Stellung zu nehmen &#8211; es handelt sich um den E.P. Tal Verlag &#8211; konnte man lesen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ein gesondertes Problem w\u00e4re noch das \u201eB\u00f6rsenblatt f\u00fcr den deutschen Buchhandel\u201c, das unsere Anzeigen nach Belieben aufnimmt oder ablehnt.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der \u00f6sterreichische Anzeiger ist eine ganz interne Angelegenheit, aber wertlos. Wenn das \u201eB\u00f6rsenblatt\u201c eine Anzeige ablehnt, so ist ein solches Buch vom Weltmarkt abgeriegelt und geht sogar in \u00d6sterreich unbemerkt unter. Nur die Anzeige im \u201eB\u00f6rsenblatt\u201c gilt.<a style=\"mso-footnote-id: ftn22;\" href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><span class=\"reference\">[22]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Verein lenkte zwar die Aufmerksamkeit \u00f6sterreichischer Regierungsstellen auf das Problem,<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><span class=\"reference\">[23]<\/span><\/a> doch geschah in den zwischenstaatlichen Verhandlungen in dieser Richtung nichts. Wohl kam es im Oktober 1937 zu Verhandlungen in Berlin zwischen Emmerich Morawa, dem Vertreter des \u00d6sterr. Vereins, und dem B\u00f6rsenverein (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer He\u00df, Vorsteher Baur), nur waren den deutschen Herren im allgemeinen \u201enirgends Schwierigkeiten bekannt\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn24;\" href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><span class=\"reference\">[24]<\/span><\/a> Sonst gab man die \u00fcbliche Praxis nicht zu. Das Thema \u201eAnzeigen im B\u00f6rsenblatt\u201c hing nach deutscher Auffassung ausschlie\u00dflich mit der Frage \u201eNicht genehme Literatur\u201c zusammen. Die Annoncenverweigerung wurde folgenderma\u00dfen begr\u00fcndet:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Deutscherseits st\u00f6\u00dft man sich daran, da\u00df gewisse Verlage und Autoren, die aus Deutschland abgewandert sind, nun auf einem neuen Wege in Deutschland Eingang zu finden trachten. Es handelt ich hiebei nicht nur um wirtschaftliche Fragen, sondern vor allem um die nichtgenehme Geistesrichtung dieser Publikationen. (ebda.)<\/p>\n<p>Dies ist nur der erste Hinweis daf\u00fcr, da\u00df es, gem\u00e4\u00df den W\u00fcnschen Will Vespers, den sog. \u201eEmigrantenverlagen\u201c besonders an den Kragen gehen sollte. Die betroffenen Verlage verlegten unerw\u00fcnschte Literatur (Tal, Reichner, Saturn-Verlag) oder waren das, was man gemeinhin als emigrierte Verlage bezeichnen k\u00f6nnte (Thomas-Verlag Jakob Hegner, Bermann-Fischer Verlag, Bastei-Verlag). Es handelte sich mit Ausnahme der vor\u00fcbergehenden Sperre von E.P. Tal keineswegs um die Verweigerung aller Anzeigen dieser Firmen, sondern nur um Werke j\u00fcdischer Autoren. So konnten nicht nur der Paul Zsolnay Verlag, sondern auch der unter kommissarische Leitung gestellte Bermann-Fischer Verlag nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c weiterhin inserieren. Schwierigkeiten \u201egenehmer\u201c \u00f6sterreichischer Verlage &#8211; sofern sie das <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>als Werbemittel gebrauchten &#8211; sind nicht bekannt.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> 2. Deutsche Autoren und die Devisenstelle<\/h3>\n<p>Neben der Behinderung \u00f6sterreichischer Verlage auf dem Werbesektor konnte man im Reich auch sonst indirekt das Programm \u00f6sterreichischer Verlage beeinflussen. Das geschah, indem man es reichsdeutschen Autoren finanziell unattraktiv machte, mit \u00f6sterreichischen Verlagen Vertr\u00e4ge abzuschlie\u00dfen. Details \u00fcber diese \u201eVariante\u201c kann man einem Schreiben des Inhabers des emigrierten Verlags \u201eThomas-Verlag Jakob Hegner\u201c an einen seiner Autoren, den \u00f6sterreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><span class=\"reference\">[25]<\/span><\/a>, entnehmen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">P.S. Wie wir soeben h\u00f6ren, macht die Devisenstelle deutschen Autoren Schwierigkeiten, mit \u00f6sterreichischen Verlagen Vertr\u00e4ge abzuschlie\u00dfen. Sollte diese Praxis allgemein angewendet werden, so werden \u00f6sterreichische Verlage deutsche Autoren nicht mehr bringen k\u00f6nnen. Der \u00f6sterreichische Verlag w\u00fcrde dadurch zu einer Art Emigrantenverlag abgestempelt, oder er wird nur \u00dcbersetzungen bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir erlauben uns daher, Sie hochverehrter Herr Bundeskanzler, auf diesen Umstand aufmerksam zu machen, da Abhilfe vielleicht jetzt noch m\u00f6glich, sp\u00e4ter jedoch, wenn die Praxis einmal eingerissen ist, kaum mehr durchf\u00fchrbar sein wird. Sicher ist, da\u00df jeder deutsche Autor einen Vertrag mit einem ausl\u00e4ndischen Verlag der Devisenstelle vorlegen mu\u00df, der es freistellt, die Erlaubnis zu geben oder nicht zu geben.<a style=\"mso-footnote-id: ftn26;\" href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><span class=\"reference\">[26]<\/span><\/a><\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> 3. \u201e&#8230;auf kalte Weise\u201c: der versteckte Boykott, am Beispiel PHAIDON-VERLAG<\/h3>\n<p>\u201eDie Schwierigkeiten des \u00f6sterreichischen Verlages im Verkehr mit Deutschland bestehen aus vielen geschickt angewandten Bedr\u00e4ngungen, gegen die man im einzelnen und als einzelner nicht aufkommt.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn27;\" href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><span class=\"reference\">[27]<\/span><\/a> So sch\u00e4tzte ein Vertreter des E.P. Tal Verlags die Lage im August 1937 ein. Es werde \u201eniemals gerade vorgegangen\u201c. Dr\u00fcben stehe eine geschlossene Einheit, hier sei aber jeder nur auf sich gestellt. Es k\u00f6nne \u201ekein Zweifel dar\u00fcber bestehen, wer nachgeben mu\u00df\u201c. (ebda.)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es steht also den Deutschen frei, durch diese indirekten Methoden jederzeit den Verkauf im Reich zu drosseln, ja schon die Einfuhr zu verhindern. (ebda.)<\/p>\n<p>Die Palette der M\u00f6glichkeiten war sehr breit, und dazu geh\u00f6rte auch der mehr oder minder offene oder versteckte Boykott \u00f6sterreichischer B\u00fccher. Ein Musterbeispiel hief\u00fcr liefert der Phaidon-Verlag.<\/p>\n<p>Einen Aspekt der Boykott-Variante umri\u00df der <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em>dessen Darstellung (wie auch weitere anzuf\u00fchrende Beispiele) zeigt, wie die h\u00f6chste Instanz im Buchwesen, die Reichsschrifttumskammer, jederzeit ihre H\u00e4nde in Unschuld waschen konnte, folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Existenz \u201eschwarzer Listen\u201c, die im Buchhandel kursieren, ist nicht wegzuleugnen. Sie sind da! Aber auch \u00f6ffentlich wird zum Boykott \u00f6sterreichischer B\u00fccher aufgefordert. So hat Will Vesper neulich einen blutr\u00fcnstigen Artikel in der stark verbreiteten \u201eNeuen Literatur\u201c losgelassen, der bewirkte, da\u00df die Buchh\u00e4ndler, die es \u00fcberhaupt noch wagen, \u00f6sterreichische B\u00fccher zu beziehen, in Angst und Schrecken versetzt werden. Diese Angst ist \u00fcberhaupt das Charakteristikum des reichsdeutschen Buchh\u00e4ndlers. Den Reisenden \u00f6sterreichischer Verleger wird immer wieder gesagt \u2013 \u201eJa, ich m\u00f6chte gern die B\u00fccher Ihrer Firma beziehen. Aber mein Konkurrent zeigt mich dann an und ich riskiere&#8230;\u201c Und wie oft kommt es in j\u00fcngster Zeit vor, da\u00df die Reisenden \u00f6sterreichischer Firmen einfach hinauskomplimentiert werden! (22.8.37, S.\u00a05)<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><span class=\"reference\">[28]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Verfasser eines \u201eMemorandums zu den Einfuhrschwierigkeiten \u00f6sterreichischer B\u00fccher nach Deutschland\u201c,<a style=\"mso-footnote-id: ftn29;\" href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><span class=\"reference\">[29]<\/span><\/a> das am 3. August 1937 u.a. an Staatssekret\u00e4r Guido Zernatto \u00fcbergeben wurde, meinte, da\u00df neben anderen Hindernissen \u201eder Absatz des \u00f6sterreichischen Buches in Deutschland \u201aauf kalte Weise\u2019 auf das empfindlichste gest\u00f6rt\u201c werde (ebda.). Hier der Sachverhalt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">In den verschiedensten, f\u00fcr den Absatz wichtigen St\u00e4dten Deutschlands, haben die Gauobm\u00e4nner des Bundes Reichsdeutscher Buchh\u00e4ndler den ihnen unterstehenden Sortimentsbuchhandlungen die Weisung erteilt, bestimmte namentlich bezeichnete \u00f6sterreichische Verlage zu sabotieren und ihnen untersagt, die Werke dieser Verlage auszustellen oder anzubieten. Auf diese Weise ist gro\u00dfen \u00f6sterreichischen Verlagen von Weltruf in einzelnen Gebieten Deutschlands unm\u00f6glich, ihre an sich unbeanstandeten und v\u00f6llig unpolitischen B\u00fccher zu verkaufen. Den gro\u00dfen Barsortimenten (sic), wie z.B. dem Barsortiment Koehler &amp; Volckmar in Leipzig, wurde von der Reichsschrifttumskammer mitgeteilt, da\u00df es nicht erw\u00fcnscht ist, die B\u00fccher bestimmter \u00f6sterreichischer Verlage in den Barsortiments-Katalogen zu f\u00fchren. Bei der Bedeutung, die diese Kataloge, insbesondere f\u00fcr das kleinere Sortiment haben, erw\u00e4chst den betroffenen Verlegern aus diesem Umstande gr\u00f6\u00dfter Schaden. (ebda.)<\/p>\n<p>Und als im November 1937 die Zwangsgilde der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler den befa\u00dften Regierungsstellen ein \u201epro memoria in der Angelegenheit der Schwierigkeiten des \u00f6sterreichischen Buchhandels im Verkehr mit dem Deutschen Reich\u201c vorlegte, f\u00fchrte sie unter \u201epolitischen Beschwerden\u201c an:<\/p>\n<p class=\"zitat\">c) Allgemeine Weisungen, B\u00fccher bestimmter Verlage nicht zu verkaufen, z.B. in M\u00fcnchen durch Gauleiter Berg, in Hamburg durch Gauleiter Riegel, z.B. f\u00fcr folgende Verlage:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Anzengruber-Verlag, C. Barth, Bermann-Fischer, Fiba-Verlag, [Internationaler] Psychoanalytischer Verlag, L\u00f6wit, Phaidon-Verlag, Perles, Thomas-Verlag, [Jakob Hegner] Vienna, Zsolnay.<a style=\"mso-footnote-id: ftn30;\" href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\"><span class=\"reference\">[30]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Den Vorwurf, etwas damit zu tun zu haben, konnte die RSK von sich freilich zur\u00fcckweisen.<\/p>\n<p>Ein \u201eOpfer\u201c dieser \u201einoffiziellen\u201c Boykott-Politik war, wie erw\u00e4hnt, der Phaidon-Verlag in Wien, der B\u00fccher produzierte, \u201edie zu gro\u00dfe Erfolge aufzuweisen haben und damit den Neid derer in der Reichsschrifttumskammer erregen\u201c <em>(Sturm \u00fcber \u00d6sterreich,<\/em> 22.8.1937, S. 5). Der Neid kommt auch in \u00c4u\u00dferungen Will Vespers vor, dem es nicht entgangen war, da\u00df Phaidon auffallend aufwendig und h\u00e4ufig im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>annoncierte. So \u201ek\u00fcndete der j\u00fcdische Phaidon-Verlag, Wien, seine dicken Sammelb\u00e4nde an, in denen er die honorarfreie Kunst und Dichtung der Vergangenheit ausschlachtet\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn31;\" href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\"><span class=\"reference\">[31]<\/span><\/a> Ein anderes Mal hei\u00dft es in \u00e4hnlichem Sinne:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Man kennt sie doch alle: Den Phaidon-Verlag, ein Aasgeierverlag, der die Toten, die honorarfreie Kunst, Dichtung und (vielfach veraltete) Wissenschaft des Abendlandes immer noch einmal mit Warenhausgeist ausschlachtet;<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\"><span class=\"reference\">[32]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Erfolgsneid scheint auch das einzige Kriterium f\u00fcr die Boykottierung gewesen zu sein. Ausgel\u00f6st wurde der \u201eFall Phaidon-Verlag\u201c durch folgendes Dokument:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Bund Reichsdeutscher Buchh\u00e4ndler<br \/>\nGau Franken<br \/>\nN\u00fcrnberg, 5. Februar 1936.<br \/>\nAn alle Buchhandlungen im Gau Franken!<br \/>\nIn einer heute eingetroffenen Mitteilung der Abteilung \u201eVolksbildung im Gauschulungsamt Franken der N.S.D.A.P.\u201c wird ersucht, <em>die B\u00fccher des<br \/>\n<\/em>Phaidon-Verlages, Wien<br \/>\nnicht mehr auszustellen und zu verkaufen. Da es sich bekanntlich um Erzeugnisse eines j\u00fcdischen Verlages handelt, scheiden wirtschaftliche Erw\u00e4gungen aus.<br \/>\nEs bedarf wohl nur dieses Hinweises, da\u00df alle Kollegen im Gau Franken jegliche Verwendung f\u00fcr den j\u00fcdischen Verlag Phaidon ab sofort einstellen.<br \/>\ngez. Theodor Zeiser<br \/>\nGauobmann f\u00fcr Franken<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\"><span class=\"reference\">[33]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Als der Inhaber des Phaidon-Verlags, Dr. B\u00e9la Horovitz, von diesem Boykottaufruf erfuhr, wandte er sich an die Zwangsgilde, und diese machte beim Bundeskommiss\u00e4r f\u00fcr Heimatdienst, Oberst Walter Adam, Anzeige. Es kam nun die ganze diplomatische Maschinerie in Bewegung: involviert waren nun neben dem Bundeskommissariat f\u00fcr Heimatdienst mehrere Abteilungen des Bundeskanzleramts<a style=\"mso-footnote-id: ftn34;\" href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\"><span class=\"reference\">[34]<\/span><\/a> sowie die Gesandtschaft in Berlin und die Generalkonsulate in K\u00f6ln und M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Heimatdienst-Chef Adam erstattete einen umfassenden Bericht f\u00fcr das BKA (AA), Abt. 13 pol. am 27. Februar 1936 und brachte somit eine Untersuchung ins Rollen.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\"><span class=\"reference\">[35]<\/span><\/a> Er wies darauf hin, da\u00df Horovitz \u201eein Jude von untadeligem Charakter, seit Jahrzehnten in Wien bodenst\u00e4ndig\u201c sei und da\u00df dessen Buchabsatz \u201ezu 70% nach Deutschland\u201c gehe. Fazit: \u201eWenn also der Boykott im Gau Franken keine lokale Ma\u00dfnahme ist, sondern f\u00fcr das ganze Reichsgebiet gilt, so ist die Existenz des Unternehmens bedroht.\u201c (ebda.) Nach der Erkl\u00e4rung der Zwangsgilde sei der Verlag in keiner Weise politisch hervorgetreten und bringe seit Anbeginn seiner T\u00e4tigkeit wertvolle, kulturell einwandfreie Werke heraus. Das konnte Adam auch pers\u00f6nlich best\u00e4tigen: \u201eEine Spezialit\u00e4t des Verlages bilden illustrierte Prachtausgaben bekannter geschichtlicher, kulturgeschichtlicher und kunstgeschichtlicher Werke zu sehr billigen Preisen; (&#8230;) Politische B\u00fccher habe ich in dem mir vorgelegten Verlagsverzeichnis \u00fcberhaupt nicht gefunden.\u201c Es sei<\/p>\n<p class=\"zitat\">bekannt, da\u00df gute Prachtausgaben zu billigen Preisen in Deutschland gerne gekauft werden. Der Boykott d\u00fcrfte daher in erster Linie mit gesch\u00e4ftlichen Interessen zu erkl\u00e4ren sein. Anderenfalls h\u00e4tte der \u201eBund reichsdeutscher Buchh\u00e4ndler\u201c den ersten Boykott \u00fcber irgend einen Verlag verh\u00e4ngt, der politische Werke herausbringt. Immerhin rechnet der \u201eVerein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler\u201c mit der M\u00f6glichkeit, da\u00df auch gegen andere \u00f6sterreichische Verlage mit j\u00fcdischen Inhabern oder Teilhabern \u00e4hnliche Ma\u00dfnahmen erfolgen. (ebda.)<\/p>\n<p>Das BKA (AA) wolle, so Adam, \u201ezun\u00e4chst auf diplomatischem Wege eine Kl\u00e4rung herbeif\u00fchren, insbesondere feststellen, ob der im Gau Franken verh\u00e4ngte Boykott auch f\u00fcr andere Gebiete gilt und von einer Berliner Zentralstelle gedeckt wird\u201c. (ebda.) Unmittelbar darauf wurde die \u00f6sterreichische Gesandtschaft in Berlin beauftragt, dies festzustellen. Am 19. M\u00e4rz 1936 erfolgte der erste Bericht in dieser Angelegenheit vom Gesandten Stephan Tauschitz.<a style=\"mso-footnote-id: ftn36;\" href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\"><span class=\"reference\">[36]<\/span><\/a> Die Erhebungen, ob der im Gau Franken \u00fcber den Phaidon-Verlag verh\u00e4ngte Boykott auch f\u00fcr andere Gebiete gelte, h\u00e4tten bisher \u201eein negatives Ergebnis\u201c. Erst etwa einen Monat sp\u00e4ter bequemte sich das Au\u00dfenamt in Berlin zu einer Antwort. Mit einer Verbalnote vom 21. April 1936 wurde dem \u00f6sterreichischen Gesandten in Berlin Nachstehendes mitgeteilt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u201eDie f\u00fcr die Angelegenheit des Bundes reichsdeutscher Buchh\u00e4ndler zust\u00e4ndige Reichskulturkammer erkl\u00e4rt ebenso wie das Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda, die Aufsichtsbeh\u00f6rde der Reichskulturkammer, mit einem Boykott \u00fcber die Werke des genannten Verlages nichts zu tun zu haben.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ein Boykott \u00fcber den Phaidon-Verlag ist also von keiner amtlichen Stelle verh\u00e4ngt worden.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Das Rundschreiben des Bundes Reichsdeutscher Buchh\u00e4ndler, Gau Franken vom 5. Februar l.J. ist also eine private Ma\u00dfnahme ohne gegenst\u00e4ndliche Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u00dcber das Vorstehende sind die in Frage kommenden Buchh\u00e4ndler unterrichtet worden.\u201c (ebda.)<\/p>\n<p>Phrasen wie \u201evon keiner amtlichen Stelle\u201c und \u201eprivate Ma\u00dfnahme\u201c wurden zum \u201etopos\u201c, als es darum ging, die Verantwortung der \u201ein Betracht kommenden Berliner Zentralstellen\u201c von sich zu weisen. Es war zwar sehr sch\u00f6n, da\u00df die \u201eprivate Ma\u00dfnahme ohne gegenst\u00e4ndliche Bedeutung\u201c sei, nur Trost war es keiner f\u00fcr den Verleger, dessen B\u00fccher boykottiert wurden. Den vorl\u00e4ufigen Schlu\u00dfpunkt unter den Fall Phaidon-Verlag setzte Gesandter Tauschitz am 4. Juni 1936, als er sich zu dieser Angelegenheit aus Berlin beim BKA (AA) meldete.<a style=\"mso-footnote-id: ftn37;\" href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\"><span class=\"reference\">[37]<\/span><\/a> Die in Berlin bei verschiedenen Buchhandlungen angestellten Erhebungen h\u00e4tten \u201ekeine Anhaltspunkte daf\u00fcr ergeben (&#8230;), da\u00df ein Auftrag vorl\u00e4ge, die Erzeugnisse des Phaidon-Verlages nicht auszuliefern\u201c. (ebda.) Die Generalkonsulate in K\u00f6ln und M\u00fcnchen konnten auch keinen offiziellen-inoffiziellen Boykott feststellen. Aus K\u00f6ln wurde z.B. berichtet, da\u00df die neueren Werke des Phaidon-Verlags \u201est\u00e4ndig auf Lager gehalten werden, und beim Publikum sehr beliebt seien, einen regen Absatz f\u00e4nden\u201c (ebda.). Somit seien Phaidon-B\u00fccher ohne weiteres erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading4\"><\/a> Vom Boykott zur Beschlagnahme<\/h4>\n<p>Etwas mehr als ein Jahr, nachdem der Boykott, \u201eden es nicht gab\u201c, offenbar aufgehoben wurde, mu\u00dfte Phaidon-Verlag-Inhaber Horovitz sich erneut an die politische Abteilung (13) des BKA wenden. In der \u201eBek\u00e4mpfung\u201c seines erfolgreichen Verlags war man nun einen Schritt weitergegangen &#8211; vom Boykott zur Beschlagnahme. Im August 1937 waren Verlagserzeugnisse in verschiedenen Buchhandlungen in Frankfurt am Main beschlagnahmt worden. \u00dcber die Gr\u00fcnde dieser Ma\u00dfnahme war dem Verlag allerdings nichts bekannt. \u201eDer Verlag f\u00fchlt(e) sich durch diese willk\u00fcrlichen Beschlagnahmen in seinem Bestand bedroht und betont(e) au\u00dferdem, da\u00df es ihm unm\u00f6glich gemacht sei, in Deutschland gr\u00f6\u00dfere Mengen von B\u00fcchern einzulagern.\u201c<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\"><span class=\"reference\">[38]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Horovitz legte den Fall, der f\u00fcr andere \u00f6sterreichische Verleger stellvertretend sein mag, folgenderma\u00dfen dar:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir sind es gewohnt im Deutschen Reich gesetzliche und ungesetzliche Schikanen zu erdulden und auch Beleidigungen und Verd\u00e4chtigungen zu \u00fcberh\u00f6ren. Es scheint aber jetzt so weit gekommen zu sein, da\u00df auch das Eigentum \u00f6sterreichischer Staatsb\u00fcrger vor Zugriffen nicht mehr sicher ist, ohne da\u00df man es auch f\u00fcr notwendig hielte, hief\u00fcr zuvor wenigstens eine gesetzliche Handhabe zu schaffen. (ebda. Schreiben Horovitz\u2019 an das Generalsekretariat f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten vom 27. August 1937)<\/p>\n<p>Die Aktion in Frankfurt sei \u201eangeblich in Auftrag\u201c der Gestapo durchgef\u00fchrt worden, und \u00e4hnliche Aktionen seien auch in anderen Buchhandlungen und in anderen St\u00e4dten zu erwarten. Die beschlagnahmten Werke waren &#8211; wie eine Liste zeigt<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\"><span class=\"reference\">[39]<\/span><\/a> &#8211; vollkommen unpolitisch und bisher in Deutschland niemals verboten worden. \u201eSie wurden sogar von den radikalsten nationalsozialistischen Bl\u00e4ttern als besondere verlegerische und kulturschaffende Leistung begr\u00fc\u00dft\u201c, meinte Horovitz (27. August 1937) in einem 4seitigen Schreiben. Die Umst\u00e4nde um die Konfiskation waren derart dubios, da\u00df Zweifel entstehen konnten, ob der betreffende Herr, der sich als Beamter und Beauftragter der Gestapo ausgab, befugt gewesen sei oder nicht. So oder so war der Effekt derselbe.<\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichische Gesandtschaft in Berlin wurde vom BKA eingeladen, \u201ezust\u00e4ndigen Ortes gegen die obenerw\u00e4hnten Beschlagnahmen nachdr\u00fccklich Einspruch zu erheben\u201c.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Hiebei w\u00e4re zu betonen, da\u00df es sich nicht allein um die Wiedergutmachung des dem Verlage bisher zugef\u00fcgten &#8211; verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig nicht sehr bedeutenden &#8211; Schadens handelt, sondern haupts\u00e4chlich um die Gew\u00e4hrleistung, da\u00df willk\u00fcrliche Handlungen der gedachten Art in Hinkunft sich nicht mehr ereignen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Abteilung 13 Pol. schaltete auf einen harten Kurs:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir m\u00fc\u00dften daher auf eheste Klarstellung des vorliegenden Falles dringen, da wir sonst nicht umhin k\u00f6nnten, sofort wirksame Ma\u00dfnahmen zur Einschr\u00e4nkung der deutschen B\u00fcchereinfuhr nach \u00d6sterreich zu treffen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn40;\" href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\"><span class=\"reference\">[40]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Gesandte Tauschitz hat daraufhin \u201eunverz\u00fcglich im Ausw\u00e4rtigen Amte energisch Vorstellungen erhoben\u201c. Dessen Gespr\u00e4chspartner \u201esetzte sich sofort mit der Geheimen Staatspolizei in Verbindung, der jedoch \u00fcber die Angelegenheit nichts bekannt war\u201c. Einen Monat sp\u00e4ter wurde die Angelegenheit \u201enachdr\u00fccklichst urgiert\u201c.<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\"><span class=\"reference\">[41]<\/span><\/a> Erst am 17. Dezember, gut vier Monate nach Bekanntwerden des Vorfalls, beehrte sich das Ausw\u00e4rtige Amt in Berlin, mittels Verbalnote der \u00f6sterreichischen Gesandtschaft mitzuteilen,<\/p>\n<p class=\"zitat\">da\u00df nach den angestellten Ermittlungen der zust\u00e4ndigen inneren Stelle durch den Irrtum einer unteren Dienststelle tats\u00e4chlich einige nicht verbotene Werke des Verlages einstweilen sichergestellt wurden. Die B\u00fccher sind bereits Ende Oktober wieder freigegeben worden.<a style=\"mso-footnote-id: ftn42;\" href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\"><span class=\"reference\">[42]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Man gab wenigstens zu, da\u00df Phaidon-Verlagswerke \u201eirrt\u00fcmlich\u201c beschlagnahmt worden waren, obwohl sie niemals verboten worden waren. Wie bereits mehrmals betont, war ein h\u00f6chstoffizielles Vorgehen gegen ein \u00f6sterreichisches Buch nicht notwendig. Leipziger Kommission\u00e4re teilten \u00f6sterreichischen Verlegern einfach mit, da\u00df die Verbreitung von diesem oder jenem Buch \u201enicht ang\u00e4ngig\u201c sei. Stellvertretend sei das Beispiel des Wiener \u201eVerlag Dr. Rolf Passer\u201c zitiert. Es zeigt wiederum, wie das Propagandaministerium oder die ihr untergeordnete RSK ihre Spuren verwischen und sich auf die einzelnen Kommission\u00e4re in Leipzig ausreden konnten. So konnte das F. Volckmar Kommissionsgesch\u00e4ft in einem Schreiben an Passers Verlag vom 1. September 1937 einzelne Erscheinungen im Verlag Dr. Rolf Passer wie auch in dem von ihm gef\u00fchrten Zeitbild-Verlag, wie z.B. Herta Paulis <em>Nur eine Frau <\/em>(ein Suttner-Roman), nicht ausliefern, nicht etwa, weil das Werk vielleicht verboten worden w\u00e4re, sondern weil \u201edie Verbreitung dieser B\u00fccher wegen ihres Inhaltes innerhalb Deutschlands nicht ang\u00e4ngig ist\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn43;\" href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\"><span class=\"reference\">[43]<\/span><\/a> Volckmar schreibt weiters:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Auch das neue Werk des Autors Franz Theodor Csokor, \u201e\u00dcber die Schwelle\u201c kann ich leider nicht einfuhren und in Deutschland ausliefern, da die Verbreitung der Werke Csokor\u2019s ebenfalls nicht ang\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich bitte Sie daher, die Auslieferung dieser B\u00fccher auf au\u00dferdeutsche L\u00e4nder zu beschr\u00e4nken. (ebda.)<\/p>\n<p>Erstens ist festzustellen, da\u00df dieses Csokor-Werk weder bereits verboten worden war noch in der Zukunft offiziell verboten wurde, und zweitens, da\u00df ein Kommissionsgesch\u00e4ft eben daran interessiert war, B\u00fccher, die sich verkaufen lie\u00dfen, auch zu verkaufen. Eigeninitiative in einzelnen F\u00e4llen hinsichtlich Zur\u00fcckweisungen kann man zwar nicht ausschlie\u00dfen, aber das Pr\u00e4dikat \u201enicht ang\u00e4ngig\u201c ist zweifelsohne auf die RSK zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>So kam das Thema \u201eEinfuhrbehinderungen nicht verbotener B\u00fccher\u201c anl\u00e4\u00dflich der zweiten Tagung des Ausschusses f\u00fcr kulturelle Angelegenheiten zwischen dem Deutschen Reich und \u00d6sterreich Ende November\/Anfang Dezember in Berlin zweimal zur Sprache. Zuerst hie\u00df es, \u201eeine entsprechende Aufkl\u00e4rung der zur Kenntnis gebrachten Einzelf\u00e4lle\u201c sei zu erwarten, und dann bei der \u201eBesprechung zur Kl\u00e4rung wirtschaftlicher Fragen im Bereich des B\u00fccher- und Zeitschriftenvertriebes am 1. Dezember 1937 in Berlin\u201c hei\u00dft es:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Von reichsdeutscher Seite wird erkl\u00e4rt, da\u00df diese Mitteilungen einzelner Leipziger Kommission\u00e4re einer beschleunigten Nachpr\u00fcfung unterzogen werden.<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\"><span class=\"reference\">[44]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es seien also \u201eMitteilungen einzelner Leipziger Kommission\u00e4re\u201c verantwortlich. Es darf nicht verschwiegen werden, da\u00df hochrangige \u00f6sterreichische Ministerialbeamte, die mit Buchfragen befa\u00dft waren und \u00f6sterreichische Interessen den Deutschen gegen\u00fcber zu vertreten hatten, was ihr Wissen \u00fcber die Mechanismen der schon seit vier Jahren existierenden RSK betraf, von einer unsagbaren Ahnungslosigkeit waren. Dazu ein Beispiel. Am 24. November 1937 fand &#8211; nach der Sitzung \u00fcber Buchfragen am 6. Oktober &#8211; eine neuerliche Besprechung der wichtigsten Vertreter der \u00f6sterreichischen Regierung<a style=\"mso-footnote-id: ftn45;\" href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\"><span class=\"reference\">[45]<\/span><\/a> und der Zwangsgilde statt, um \u00f6sterreichische Standpunkte zu pr\u00e4zisieren. Dabei stellte Hofrat Dr. Konrad Thomasberger, jahrelang hochrangiger Beamter der Abteilung 6b (Literatur, Musik, darstellende Kunst) im Unterrichtsministerium (Kunstabteilung), die unglaublich naive Frage:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Welche Rolle spielt die Reichsschrifttumskammer bei der Zulassung von B\u00fcchern in Deutschland?<a style=\"mso-footnote-id: ftn46;\" href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\"><span class=\"reference\">[46]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Nach vier Jahren Reichsschrifttumskammer in Deutschland wu\u00dfte keiner der 13 anwesenden Herren &#8211; weder Franz Morenzi von der Generaldirektion f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit (G.D. 2) noch Sektionsrat Dr.\u00a0Wilhelm Wolf vom Bundespressedienst &#8211; darauf eine Antwort zu geben, obwohl ja viele der Kompetenzen der RSK wirklich nicht \u201egeheim\u201c waren. So wurde<\/p>\n<p class=\"zitat\">allgemein der Ansicht Ausdruck gegeben, da\u00df die immerhin wichtige Rolle der Reichsschrifttumskammer, die hinter den Kulissen arbeitet und bestimmt einen f\u00fchlbaren Einflu\u00df aus\u00fcbt, unbedingt gekl\u00e4rt werden m\u00fcsse, weshalb diese Frage im Kulturausschu\u00df behandelt werden soll. (ebda.)<\/p>\n<p>Die Frage wurde allerdings bei der Gelegenheit nicht einmal angeschnitten, geschweige denn \u201eunbedingt gekl\u00e4rt\u201c.<\/p>\n<p>Die Angelegenheit der Boykottierung \u00f6sterreichischer Verlage im Deutschen Reich, die &#8211; so wurde offiziell argumentiert &#8211; nicht auf amtliche Mitteilungen zur\u00fcckzuf\u00fchren war, erreichte ihren H\u00f6hepunkt nach der zweiten (und letzten) Tagung des Kulturausschusses in Berlin.<\/p>\n<p>Kaum war der \u00f6sterreichische Chefdelegierte Wolf nach Wien zur\u00fcckgekehrt, als er in Erfahrung bringen mu\u00dfte, was von den Unschuldsbeteuerungen auf reichsdeutscher Seite zu halten war, n\u00e4mlich nichts. Ein Schreiben von Wolf an Dr. Karl Megerle vom Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda in Berlin setzt zugleich den Schlu\u00dfpunkt unter das Thema \u201eBoykottierung\u201c und wird auf Grund seiner Bedeutung hier in vollem Wortlaut zitiert. Der sicherlich unbestreitbare Sachverhalt beantwortet die oben zitierte Frage Thomasbergers nach der Rolle der RSK und wirft &#8211; r\u00fcckblickend &#8211; ein anderes Licht auf die Aktionen \u201euntergeordneter Dienststellen\u201c mit \u201enicht amtlichen Mitteilungen\u201c und \u201eMitteilungen einzelner Leipziger Kommission\u00e4re\u201c. Als die Drahtzieherpolitik einmal entlarvt war, war sie von deutscher Seite nicht mehr aus der Welt zu leugnen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wien, am 6. Dezember 1937.<\/p>\n<p class=\"zitat\">In unmittelbarem Zusammenhang mit der von \u00f6sterreichischer Seite in der letzten Sitzung des Unterausschusses f\u00fcr Buchfragen in Berlin vorgebrachten Klage \u00fcber die Behinderung der Verbreitung von in Deutschland nicht verbotenen \u00f6sterreichischen Verlagswerken bringe ich soeben in Erfahrung, da\u00df in den letzten Novembertagen die deutschen Sortimentsbuchh\u00e4ndler im Wege der zust\u00e4ndigen Fachschaft den Auftrag erhielten, von nun an die Verlagserzeugnisse nachstehender \u00f6sterreichischer Buchverleger nicht mehr zu vertreiben, keine Bestellungen daf\u00fcr zu \u00fcbernehmen, nicht mehr in die Auslage oder auf dem Verkaufstisch auszulegen und \u00fcber etwaige Anfrage der betreffenden Verleger zu erkl\u00e4ren, da\u00df das deutsche Publikum derartige B\u00fccher nicht mehr kauft. Keinesfalls aber sei hiebei von einer Weisung der Schrifttumskammer zu sprechen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es handelt sich um die folgenden Verlage: Paul Zsolnay-Verlag, Thomas J. Hegner-Verlag, Bastei-Verlag und Reichner-Verlag.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Kenntnisnahme der Weisung der Fachschaft war auf dem Zirkular zu best\u00e4tigen, die Weisung selbst sofort zur\u00fcckzustellen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">In der Weisung war noch enthalten, da\u00df lediglich noch die Lagerexemplare abverkauft werden d\u00fcrfen. Diese Ma\u00dfnahme der Schrifttumskammer, an deren Tats\u00e4chlichkeit nicht zu zweifeln ist, steht, darin stimmen wir sicherlich v\u00f6llig \u00fcberein, durchaus im Widerspruche zu den bisherigen Besprechungen im Rahmen des Ausschusses und des Unterausschusses f\u00fcr Buchfragen. Ich richte deshalb an Sie, sehr geehrter Herr Doktor, das Ersuchen, diese Angelegenheit verfolgen zu wollen und im Interesse unseres Ausschusses eine ehetunliche befriedigende L\u00f6sung herbeizuf\u00fchren. Von \u00f6sterreichischer Seite wird erwartet, da\u00df alsbald der Widerruf der obigen Weisung an die Sortimentsbuchh\u00e4ndler erfolgen wird. Mit dein Ausdrucke besonderer Hochsch\u00e4tzung und in freundlicher Erinnerung an alle in Berlin erwiesene Aufmerksamkeit<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ihr sehr ergebener<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\"><span class=\"reference\">[47]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Ob dieses Schreiben an Megerle eine Auswirkung hatte, lie\u00df sich mangels Antwortschreiben nicht beantworten. Es ist eher unwahrscheinlich, da\u00df sich etwas \u00e4nderte, denn bei einer Tagung des Unterausschusses f\u00fcr Buchfragen des Ausschusses f\u00fcr die kulturellen Beziehungen zwischen \u00d6sterreich und Deutschland in Berlin am 7. Februar 1938, der letzten vor dem \u201eAnschlu\u00df\u201c, gab Megerle als Antwort, da\u00df er &#8211; zwei Monate lang &#8211; \u201ewegen Abwesenheit des einzig mit diesen Fragen befa\u00dften Dr.\u00a0H\u00f6vel noch nicht Stellung nehmen\u201c konnte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn48;\" href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\"><span class=\"reference\">[48]<\/span><\/a> Die \u00f6sterreichische Reaktion darauf:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der \u00f6sterreichische Vertreter erkl\u00e4rte, da\u00df gerade auf diesen Punkt von \u00f6sterreichischer Seite das gr\u00f6\u00dfte Gewicht gelegt werde, da an der Tats\u00e4chlichkeit der Verbreitungsbehinderung von in Deutschland zugelassenen Werken nicht gezweifelt werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Wochen sp\u00e4ter waren alle Proteste durch die Ereignisse \u00fcberholt.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading5\"><\/a> 4. Die Pr\u00fcfstelle und das \u201eLeipziger Loch\u201c (Reichner, Tal)<\/h3>\n<p>Eine weitere solche Methode, die Anwendung fand, um \u00f6sterreichische Verlage zu behindern und die Einfuhr nach Deutschland entsprechend zu drosseln, ging \u00fcber die Pr\u00fcfstelle in Leipzig. Freilich handelte es sich um kein direktes Vorgehen oder ein Verbot. Das war ja alles nicht notwendig.<\/p>\n<p>Nach 1933\/34, als das Reichspropagandaministerium den Buchhandel in andere Bahnen zu lenken begann und die Devisenbewirtschaftung eingef\u00fchrt wurde, kam der Verlagsmetropole Leipzig noch mehr Bedeutung zu. Bis dahin gab es praktisch keine Absatzschwierigkeiten f\u00fcr das \u00f6sterreichische Buch im Reich. Der deutsche Buchh\u00e4ndler bestellte das gew\u00fcnschte Werk direkt beim \u00f6sterreichischen Verlag, der \u00f6sterreichische Verlag lieferte ihm das Werk direkt, und der deutsche Buchh\u00e4ndler bezahlte dem \u00f6sterreichischen Verlag direkt. Graphisch dargestellt sah das so aus:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-858\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle.jpg\" alt=\"Grafik die Pr\u00fcfstelle\" width=\"360\" height=\"245\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle.jpg 1001w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-300x204.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-220x150.jpg 220w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-150x102.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In graphischer Darstellung sah der Verkehr zwischen \u00f6sterreichischem Verlag und reichsdeutschem Buchhandel nunmehr so aus:Dann trat eine wesentliche \u00c4nderung ein. Die sog. \u201e10 Mark-Grenze\u201c, auf Grund deren bis zum Betrag von 10 Mark Buchhandlungen und Privatpersonen ohne besondere Devisengenehmigung B\u00fccher und Zeitschriften (Abonnements!) direkt bezahlen konnten, wurde mit 1.\u00a0Juni 1936 abgeschafft. (Hauptleidtragende waren die Zeitschriftenverlage und deren Abonnenten im Reich). Zahlungen solcher Kleinstbetr\u00e4ge waren also auch nicht mehr direkt m\u00f6glich. Das bedeutete eine Bucheinfuhrm\u00f6glichkeit weniger. Gleichzeitig wurde allen deutschen Buchh\u00e4ndlern die Einfuhrerlaubnis entzogen und damit auch die M\u00f6glichkeit der direkten Zahlung an den Verlag. Die Einfuhr wurde nur einigen sog. Kommission\u00e4ren in Leipzig freigegeben &#8211; f\u00fcr genehme B\u00fccher, versteht sich. \u201eZu diesem Zwecke wurde eine Abteilung der Reichsschrifttumskammer nach Leipzig verlegt und ihre Aufsichtsorgane in die Betriebe der Kommission\u00e4re gesetzt.\u201c\u00a0<a style=\"mso-footnote-id: ftn49;\" href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\"><span class=\"reference\">[49]<\/span><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-860\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-2.jpg\" alt=\"Grafik die Pr\u00fcfstelle 2\" width=\"340\" height=\"259\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-2.jpg 1083w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-2-300x229.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-2-1024x781.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-2-197x150.jpg 197w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Grafik-die-Pr\u00fcfstelle-2-150x114.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der eigentlichen Saison &#8211; also den Monaten vor Weihnachten und Ostern &#8211; griffen die Leipziger Herren allj\u00e4hrlich zu besonderen Mitteln. Uns sind F\u00e4lle bekannt, wo \u00f6sterreichische Verleger zun\u00e4chst einmal aufgefordert wurden, das erste Exemplar eines neu erschienenen Buches der Reichsschrifttumskammer zur Pr\u00fcfung nach Leipzig zu schicken. Es fiel aber der Reichsschrifttumskammer nicht im Traume ein, das v\u00f6llig unbedenkliche Buch zu pr\u00fcfen, es blieb monatelang liegen, Weihnachten oder Ostern gingen vorbei und der \u00f6sterreichische Verleger konnte von Gl\u00fcck reden, wenn sein Buch post festum Gnade fand. Dann war die Saison vorbei und der eigentliche Zweck dieses Hinhaltens erreicht! (ebda.)Der deutsche Buchh\u00e4ndler konnte das gew\u00fcnschte Buch wohl immer noch direkt beim \u00f6sterreichischen Verlag bestellen, der Verlag konnte es ihm nur mehr \u201edurch das einzige Loch liefern, das offengelassen worden ist: den Leipziger Kommission\u00e4r, der unter der Diktatur des Propagandaministeriums steht\u201c (ebda.). Diese erzwungene Ablenkung der B\u00fcchereinfuhr machte es unm\u00f6glich, B\u00fccher ins Reich zu liefern, die &#8211; im Gegensatz zu den tats\u00e4chlich offiziell verbotenen B\u00fcchern &#8211; \u201eunerw\u00fcnscht\u201c oder deren \u201eVerbreitung nicht ang\u00e4ngig\u201c war. So konnte es vorkommen, da\u00df B\u00fcchersendungen aus \u00d6sterreich zun\u00e4chst einmal in Leipzig \u201eaufs Eis gelegt\u201c und Bestellungen nicht ausgef\u00fcllt wurden. Das Weitere spielte sich folgenderma\u00dfen ab:<\/p>\n<p>Diese Prozedur mit der Pr\u00fcfungsstelle konnten auch zwei Wiener Verleger aus eigener Erfahrung best\u00e4tigen. Hier die Darstellung des E.P. Tal Verlags:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;) der Kommission\u00e4r erkl\u00e4rt pl\u00f6tzlich bei einem neuen Buch, es sei Unterhaltungsschrifttum, also f\u00fcr Leihb\u00fcchereien bestimmt, und er traue sich nicht, es ungepr\u00fcft zu verkaufen. Da man aber ohne Kommission\u00e4r Deutschland nicht beliefern kann, mu\u00df man das Buch also freiwillig zur Pr\u00fcfung vorlegen. Ein Zwang besteht nicht, o nein!!! Aber da der Kommission\u00e4r es nicht wagt, das Buch zu vertreiben, legt man (es) eben freiwillig vor.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Hier mu\u00df ich aber der Wahrheit die Ehre geben. Wir wurden bisher von der Pr\u00fcfungsstelle hochanst\u00e4ndig behandelt. Alles wurde zugelassen. Wie es bei anderen Verlagen steht, wissen wir nicht. Es wird alles geheim gehalten. Man steht unter einem so gro\u00dfen Druck, da\u00df man sowohl Erfolg als auch Mi\u00dferfolg verschweigt.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Da diese Urteile der Pr\u00fcfungsstelle f\u00fcr uns inapellabel sind, ist da nat\u00fcrlich die M\u00f6glichkeit gegeben, einen Verlag auch zu ruinieren.<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\"><span class=\"reference\">[50]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Herbert Reichner machte mit dieser Praxis Bekanntschaft, als er Paul Stefans Bruno-Walter-Biographie und Bruno Walters Gustav-Mahler-Buch auf den Markt brachte. Auf die blo\u00dfe Ank\u00fcndigung des Erscheinens letzteren Werkes hin wurde Reichner aufgefordert,<\/p>\n<p class=\"zitat\">sofort ein Pr\u00fcfungsexemplar nach Leipzig zu schicken. Solange das Ergebnis dieser Pr\u00fcfung nicht feststeht, darf ich kein einziges Exemplar \u2013 trotz vielen vorliegenden Bestellungen \u2013 ins Reich liefern. Sie werden zugeben, da\u00df dies eine Ma\u00dfnahme ist, die letzten Endes darauf hinausgeht, in der f\u00fcr den B\u00fccherabsatz wichtigsten Zeit vor Weihnachten den \u00f6sterreichischen B\u00fccherabsatz nahezu zu unterbinden. Denn es ist blo\u00df n\u00f6tig, die Vorpr\u00fcfung gen\u00fcgend lange hinauszuziehen, um dann selbst im Falle der Zul\u00e4ssigkeit einen Bucherfolg zu einem Mi\u00dferfolg zu gestalten.<a style=\"mso-footnote-id: ftn51;\" href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\"><span class=\"reference\">[51]<\/span><\/a><\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading6\"><\/a> 5. Beschlagnahme und Vernichtung (Reichner, St. Josef B\u00fccherbruderschaft)<\/h3>\n<p>War es noch im Fall der Konfiskation von Werken des Phaidon-Verlags unklar, ob die Deckung der Zentralstellen in Berlin vorlag, konnte in einem anderen Fall, der sich im Jahr 1936 abspielte, nicht der geringste Zweifel bestehen. Betroffen war der Herbert Reichner Verlag, der seit 1933 die Werke Stefan Zweigs betreute.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen davon ausgehen, da\u00df dieser \u201ein j\u00fcdischem Besitz\u201c befindliche, ausl\u00e4ndische Verlag im Deutschen Reich zumindest bis zum hier zu schildernden Vorfall eine Sonderstellung geno\u00df. Denn wie l\u00e4\u00dft es sich anders erkl\u00e4ren, da\u00df &#8211; bis M\u00e4rz 1936, also drei Jahre nach den B\u00fccherverbrennungen und den bekannten Folgen &#8211; Reichner im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>verbotene Werke Zweigs anpreisen und offenkundig ungehindert die diversen im Reichner Verlag 1933-36 erschienenen B\u00fccher Zweigs an das Leipziger Kommissionsgesch\u00e4ft Koehler &amp; Volckmar liefern konnte? Das m\u00f6gliche Argument, diese B\u00fccher w\u00e4ren eben f\u00fcr den Vertrieb \u00fcber Volckmar<em> au\u00dferhalb Deutschlands <\/em>bestimmt &#8211; was noch erlaubt war &#8211; , erweist sich als unrichtig. Daher ist anzunehmen, da\u00df die Werke Zweigs noch im Reich gekauft werden durften und konnten, obwohl sie nach den \u201eSchwarzen Listen\u201c und der <em>Liste 1 des sch\u00e4dlichen und unerw\u00fcnschten Schrifttums <\/em>(Stand vom Oktober 1935) eigentlich verboten waren. Ohne Pr\u00e4zedenz im Reich war die Behandlung allerdings nicht ganz, wie das Beispiel des \u201ej\u00fcdischen\u201c Schocken Verlags beweist.<a style=\"mso-footnote-id: ftn52;\" href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\"><span class=\"reference\">[52]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im April 1936 sind beim Verein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler in Wien Berichte eingelangt, wonach \u201ew\u00e4hrend der vergangenen Wochen B\u00fccher \u00f6sterreichischer Verlage im Deutschen Reiche beschlagnahmt [wurden], oder es wurde von Zwischenstellen \u00f6sterreichischen Verlegern nahegelegt, bestimmte Werke ihres Verlages von den reichsdeutschen Auslieferungen zur\u00fcckzurufen und somit aus dem reichsdeutschen Handel zu ziehen. Es handelt sich dabei um Autoren, die angeblich laut einer unbekannten und neu zusammengestellten Liste von reichsdeutschen Stellen als \u201eunerw\u00fcnschte&#8220; angesehen werden, denen aber, soweit dies den \u00f6sterreichischen Verlegern bekannt ist, ein besonderes Verschulden im politischen Sinne nicht angelastet wird.<a style=\"mso-footnote-id: ftn53;\" href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\"><span class=\"reference\">[53]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der 1899 in Wien geborene Verleger Herbert Reichner antwortete auf die Anregung zu einer Aussprache zwischen den betroffenen Mitgliedern, da\u00df seines Wissens \u201eder Paul Zsolnay Verlag, der Psychoanalytische Verlag, der E.P. Tal Verlag, der Verlag Deuticke<a style=\"mso-footnote-id: ftn54;\" href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\"><span class=\"reference\">[54]<\/span><\/a> durch die erw\u00e4hnten Vorg\u00e4nge betroffen sind\u201c (Schreiben Reichners an den Verein vom 24. April 1936, ebda.). Die Teilnahme an der am 7. Mai stattgefundenen Sitzung war allerdings ausgesprochen mager.<a style=\"mso-footnote-id: ftn55;\" href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\"><span class=\"reference\">[55]<\/span><\/a><\/p>\n<p>In einem Brief aus London vom 2. August 1936 schrieb Stefan Zweig an Hans Carossa, da\u00df \u201emeine B\u00fccher in Deutschland (ohne jede politische Gr\u00fcnde, ohne pers\u00f6nliche) nicht mehr circulieren sollen\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn56;\" href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\"><span class=\"reference\">[56]<\/span><\/a> Die Wendung \u201enicht mehr\u201c scheint darauf hinzuweisen, da\u00df nicht generell seit 1933 gemeint ist, sondern erst seit relativ kurzer Zeit. Denn am 19. M\u00e4rz kam es zu einem Nazi-Anschlag gegen den Herbert Reichner Verlag. An diesem Tag, so hie\u00df es zun\u00e4chst, wurde Reichners in Leipzig befindliches rechtm\u00e4\u00dfig eingef\u00fchrtes B\u00fccherlager auf Anordnung der Reichsschrifttumskammer durch den Polizeipr\u00e4sidenten zu Leipzig beschlagnahmt und sieben Tage sp\u00e4ter eingezogen.<\/p>\n<p>Genau eine Woche nach der polizeilichen Beschlagnahmeaktion wurde Reichners Leipziger Kommission\u00e4r Koehler &amp; Volckmar, der bis auf Deuticke alle Werke der obengenannten Verlage im Deutschen Reich wie von dort aus auch ins Ausland auslieferte, mittels \u201eVerf\u00fcgung\u201c \u00fcber die Vorg\u00e4nge informiert. Betroffen waren einzig und allein die Werke von Stefan Zweig. Im Akt des Bundeskanzleramts findet sich ein Schreiben des Polizeipr\u00e4sidenten zu Leipzig (Pt. R. Dr. 683\/36 vom 26. M\u00e4rz 1936).<a style=\"mso-footnote-id: ftn57;\" href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\"><span class=\"reference\">[57]<\/span><\/a> Hier hei\u00dft es:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Auf Grund der Verordnung des Reichspr\u00e4sidenten zum Schutze vom Volk und Staat vom 28.2.33 (\u00a7 1) verf\u00fcge ich hiermit<\/p>\n<p class=\"zitat\" align=\"center\">die Einziehung<\/p>\n<p class=\"zitat\">der bei Ihnen am 19. 3. 1936 beschlagnahmten, auf der R\u00fcckseite verzeichneten Gegenst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Die gesetzliche Basis f\u00fcr diesen Schritt sah folgenderma\u00dfen aus:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(1) Druckschriften, deren Inhalt geeignet ist, die \u00f6ffentliche Sicherheit oder Ordnung zu gef\u00e4hrden, k\u00f6nnen polizeilich beschlagnahmt und eingezogen werden.<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\"><span class=\"reference\">[58]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Paragraph 1 der Verordnung vom 28. Februar 1933 setzte mehrere Artikel der Verfassung des Deutschen Reiches \u201ebis auf weiteres\u201c au\u00dfer Kraft und machte \u201eAnordnungen von Hausdurchsuchungen und von Beschlagnahmen\u201c zul\u00e4ssig.<a style=\"mso-footnote-id: ftn59;\" href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\"><span class=\"reference\">[59]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die \u201eZweig-Beute\u201c des \u201e19. M\u00e4rz\u201c lie\u00df sich mengen- wie auch wertm\u00e4\u00dfig sehen. Sie umfa\u00dfte:<\/p>\n<p class=\"zitat\">511 Exemplare Maria Stuart<br \/>\n736 Exemplare Marie Antoinette<br \/>\n292 Exemplare Baumeister der Welt<br \/>\n320 Exemplare Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam<br \/>\n87 Exemplare Sinn und Sch\u00f6nheit der Autographen<br \/>\n264 Exemplare Jeremias und<br \/>\n37 Exemplare Toscanini sowie die B\u00fccher betreffenden Prospekte.<\/p>\n<p>Doch wie sich einige Monate sp\u00e4ter herausstellen sollte, stimmte die \u201eChronologie\u201c der obigen Darstellung nicht ganz, denn<\/p>\n<p class=\"zitat\">die Beschlagnahme der Stefan Zweig-Werke [ist] nicht gemeinsam mit der allgemeinen Sicherstellung am 14. M\u00e4rz erfolgt, sondern bereits am 12. M\u00e4rz. In der Verf\u00fcgung wird das Datum der Beschlagnahme allerdings mit dem 19. M\u00e4rz angegeben. jedenfalls ist die Beschlagnahme von Stefan Zweig aber eine Sonderaktion gewesen, die auch in einem besonderen Aktenst\u00fcck 683\/36 seitens der Polizeibeh\u00f6rden behandelt worden ist.<a style=\"mso-footnote-id: ftn60;\" href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\"><span class=\"reference\">[60]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wie dem auch sei, der von den Vorg\u00e4ngen in Kenntnis gesetzte Reichner erhob von Wien aus am 2. April 1936 schriftlich Einspruch beim Polizeipr\u00e4sidium in Leipzig und verlangte die sofortige Freigabe. F\u00fcnf Tage sp\u00e4ter fuhr er sogar nach Berlin, wo er im Propaganda-Ministerium vorsprach. Ministerialrat Dr. Heinrich Wismann, Leiter der Abteilung VIII (Schrifttum), zugleich Vizepr\u00e4sident der Reichsschrifttumskammer, sagte Reichner ausdr\u00fccklich \u201esofortige Freigabe\u201c zu. Sie sollte sich aber \u00fcber mehr als drei Monate hinziehen. Schuld an der \u201eMisere\u201c war offenbar der Kompetenzdschungel in Nazi-Deutschland. Wieder nach Wien zur\u00fcckgekehrt, lie\u00df sich Reichner den Empfang seines Ged\u00e4chtnisprotokolls der Aussprache mittels R\u00fcckschein durch Wismann best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Obwohl die gr\u00f6\u00dfte \u201eBeute\u201c von der Gestapo in Leipzig sichergestellt wurde, kam es auch noch April\/Mai zu einer Beschlagnahme in Hamburg.<\/p>\n<p>Und obwohl der Verein sich, wie erw\u00e4hnt, mit dem Problem der Beschlagnahme befa\u00dfte, unternahm Reichner weitere Schritte im Alleingang.<\/p>\n<p>Hier ein Auszug aus seiner eigenen \u201eZeitlichen Darstellung\u201c des Falles Stefan Zweig:<\/p>\n<p class=\"zitat\">5.5.1936: Mein Kommission\u00e4r F. Volckmar teilt mir mit, da\u00df die Leipziger Polizeibeh\u00f6rden aus Berlin bereits Anweisung zur Aufhebung der Beschlagnahme erhalten haben.<br \/>\n13. 5. 1936: Mein Kommission\u00e4r F. Volckmar teilt mir mit, da\u00df ihm die Freigabe best\u00e4tigt worden ist.<br \/>\n16.6.1936: Mein Kommission\u00e4r F. Volckmar teilt mir mit, da\u00df er soeben von ma\u00dfgeblichen Herren der Berliner Beh\u00f6rde unterrichtet wurde, da\u00df die Freigabe-Erkl\u00e4rung sich bestimmt bei der Geheimen Staatspolizei befindet, soda\u00df nun in den n\u00e4chsten Tagen die endg\u00fcltige Freigabe zu erwarten sei.<br \/>\n22.6.1936: Mein Kommission\u00e4r F. Volckmar teilt mir mit, da\u00df nunmehr die Anweisung der Reichsschrifttumskammer auf Freigabe im Sinne meiner Vereinbarung mit Herrn Ministerialrat Dr. Wismann erfolgt ist.<br \/>\n8.7.1936: Die Freigabe ist tats\u00e4chlich zur Ausf\u00fchrung von Bestellungen aus au\u00dferdeutschen L\u00e4ndern erfolgt. Die Firma F. Volckmar w\u00fcnscht Erg\u00e4nzung des Lagervorrates, um solche Bestellungen ausfahren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am 14. Juli 1936 schlie\u00dflich lieferte Reichner im Vertrauen auf die ausdr\u00fcckliche Freigabe weiteren Lagervorrat nach Leipzig, bestehend aus den in der Zwischenzeit neu erschienenen B\u00fcchern.<\/p>\n<p>Doch die Schikanen \u2013 wesentlicher Bestandteil der Politik der Reichsschrifttumskammer, Verlage in \u00d6sterreich zugrundezurichten, \u2013 nahmen kein Ende. Zwischen dem 8. und 14. Juli 1936 lag das bereits erw\u00e4hnte Geheimabkommen zwischen Hitler und Schuschnigg. Und wie konnte oder k\u00f6nnte man den \u201eguten Willen\u201c deutscherseits besser zeigen und den B\u00fccherverkehr zwischen \u00d6sterreich und dem Deutschen Reich augenscheinlicher \u201enormalisieren\u201c, als just an diesem Tag im fernen Leipzig mit der Verf\u00fcgung 747\/36<a style=\"mso-footnote-id: ftn61;\" href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\"><span class=\"reference\">[61]<\/span><\/a> die Freigabe zur Ausfuhr der im M\u00e4rz beschlagnahmten B\u00fccher \u00f6sterreichischer Verlage bekanntzugeben? Nur bezog sich die Freigabe nicht auf Stefan Zweig, diese Beschlagnahme war ja eine \u201eSonderaktion\u201c gewesen. Am 8. Juli waren die im M\u00e4rz 1936 beschlagnahmten B\u00fccher Stefan Zweigs blo\u00df zur R\u00fccksendung nach Wien freigegeben worden; der Kommission\u00e4r meinte, wieder in der Lage zu sein, Bestellungen f\u00fcr Reichner-Verlagswerke aus au\u00dferdeutschen L\u00e4ndern entgegennehmen zu k\u00f6nnen. Am 29. Juli 1936 \u2013 das \u201eJuli-Abkommen\u201c war noch in frischer Erinnerung \u2013 folgte eine neuerliche Beschlagnahme der Werke Stefan Zweigs beim Kommission\u00e4r Volckmar in Leipzig, nun waren es 10 verschiedene Werke und das vergr\u00f6\u00dferte Lager.<a style=\"mso-footnote-id: ftn62;\" href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\"><span class=\"reference\">[62]<\/span><\/a> Reichner glaubte, \u201eannehmen zu d\u00fcrfen, da\u00df diese wenig erfreulichen Ereignisse nicht im Sinne des \u00f6sterreichisch-deutschen Vertrages vom Juli d. J. geschehen (&#8230;)\u201c w\u00e4ren.<a style=\"mso-footnote-id: ftn63;\" href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\"><span class=\"reference\">[63]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Da 70-75% des gesamten \u00f6sterreichischen B\u00fccherabsatzes erfahrungsgem\u00e4\u00df auf das Deutsche Reich entfielen, trugen nicht nur einzelne Verleger wie Reichner (von den Autoren ganz zu schweigen) den Schaden, sondern auch das \u00f6sterreichische graphische Gewerbe &#8211; Papierfabriken, Buchdrucker, Buchbinder usw. Dazu Reichner in seiner Eingabe an das Bundeskanzleramt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich bin bereit, zahlenm\u00e4\u00dfig nachzuweisen, da\u00df durch die Unterbindung meines eigenen Absatzes im Reiche die bedeutendsten graphischen Betriebe in Wien Schaden erleiden, der in die Hunderttausende Schilling geht.<a style=\"mso-footnote-id: ftn64;\" href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\"><span class=\"reference\">[64]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Er bat das Bundeskanzleramt, Ausw\u00e4rtige Angelegenheiten, ihm geeignet erscheinende Schritte zu unternehmen und verwies auf die Meriten seiner eigenen Firma:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wenn ich ganz bescheiden auf meine eigenen Verdienste hinweise, so mu\u00df gesagt werden, da\u00df die B\u00fccher meines Verlags im In- und Auslande als Beispiele h\u00f6chster Buchkultur gediegenen Geschmacks gelten. Mein Verlag ist oft als der \u201e\u00f6sterreichische Insel-Verlag\u201c bezeichnet worden und das bedeutet h\u00f6chstes Lob! Auch gestatte ich mir, darauf hinzuweisen, da\u00df in meinem Verlag seit 9 Jahren die Monatsschrift Philobiblon erscheint, diejenige B\u00fccherzeitschrift, die allein internationale Verbreitung hat und f\u00fcr das Ansehen des gesamtdeutschen Buches mehr getan hat als irgendein anderes Organ.<\/p>\n<p>Da Reichner wiederholt nichts \u00fcber diese Schritte in Erfahrung bringen konnte, wandte er sich am 14. September erneut an Staatssekret\u00e4r Zernatto und er\u00f6ffnete ihm:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich erhalte aber soeben von meinem Kommission\u00e4r F. Volckmar in Leipzig die eingeschriebene Verst\u00e4ndigung, da\u00df der Polizeipr\u00e4sident in Leipzig mit Pt. Dr. 2158\/36 vom 8.9.36 die Einziehung und damit Vernichtung meines dort als mein Eigentum befindlichen B\u00fccherlagers angeordnet hat. Ob diese Ma\u00dfnahme vor oder infolge der Schritte des Bundeskanzleramtes erfolgte, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber jedenfalls ist die Gefahr f\u00fcr mein Eigentum so sehr gro\u00df, da\u00df ich Sie bitte, sogleich telegraphisch oder telephonisch Einspruch zu erheben, bzw. erheben zu lassen und nicht die R\u00fcckkunft des Herrn Staatssekret\u00e4rs Dr. Guido Schmidt abzuwarten.<\/p>\n<p>Am folgenden Tag schickte er ein Telegramm an Bundeskanzler Schuschnigg, in dem es u.a. hei\u00dft:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;) bitte ich um kenntnisnahme da\u00df soeben Leipziger polizeipr\u00e4sident einziehung und vernichtung beschlagnahmter b\u00fccher anordnet stop da h\u00f6chste gefahr besteht und unbedingt augenblickliche Intervention erforderlich bitte ich von eurer exzellenz m\u00f6glichst noch heute empfangen zu werden. ergebenst herbert reichner-verlag<\/p>\n<p>Nicht einmal einen Monat sp\u00e4ter spitzten sich die Ereignisse um die Beschlagnahmen der B\u00fccher Stefan Zweigs zu. Der Bitte Reichners, die am 29. Juli neuerlich beschlagnahmten Vorr\u00e4te seines B\u00fccherlagers freizugeben, und zwar nur zur R\u00fccksendung nach Wien bzw. zur Ausfuhr nach au\u00dferdeutschen L\u00e4ndern, wurde nicht entsprochen. Am 21.\u00a0Oktober schickte er wieder eine Depesche an Bundeskanzler Schuschnigg:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;) bitte um kenntnisnahme dass am 16 oktober polizeipr\u00e4sidium Leipzig meine lagervorr\u00e4te zur vernichtung abholen lies stop erbitte dringendst sofortige intervention in berlin da sonst grosser wirtschaftlicher schaden unabwendbar ergebenst herbert reichner verlag<\/p>\n<p>Von Legationsrat Dr. Zeileisen im Bundeskanzleramt w\u00fcnschte er am selben Tag auch noch entsprechende Schritte:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich bitte dringendst um sofortige m\u00f6glichst telephonische Intervention beim Au\u00dfenamt in Berlin, da sonst gro\u00dfer wirtschaftlicher Schaden unabwendbar ist.<\/p>\n<p>Am selben Tag alarmierte Zeileisen die Gesandtschaft in Berlin telephonisch und forderte sie zur sofortigen Kl\u00e4rung bzw. Intervention beim Au\u00dfenamt in Berlin auf. Durch Eilbrief erstattete die Gesandtschaft in Berlin am n\u00e4chsten Tag \u00fcber die Intervention beim zust\u00e4ndigen Referenten des Berliner Au\u00dfenamtes an das Bundeskanzleramt Wien Bericht. Der \u00f6sterreichische Referent teilte mit, da\u00df, nach den vom Propaganda-Ministerium erhaltenen Informationen, von diesem am 17. Oktober telegraphische Anweisung im Sinne der Freigabe der B\u00fcchersendung an das Polizeipr\u00e4sidium Leipzig ergangen sei. Es sei daher eher unwahrscheinlich, da\u00df die Vernichtung der B\u00fccher Zweigs bereits erfolgt w\u00e4re, da diese jedenfalls nicht sofort nach der Abholung vorgenommen worden sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Ende gut, alles gut? Am 29. Oktober teilt Reichner Zeileisen mit:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ihre Bem\u00fchungen um Freigabe der bereits zur Vernichtung eingezogenen B\u00fccherbest\u00e4nde unseres Leipziger Auslieferungslagers sind von gutem Erfolg gekr\u00f6nt und wir beeilen uns, nicht nur Ihnen diese Tatsache zu berichten, sondern Ihnen gleichzeitig auch f\u00fcr Ihre Intervention herzlichst zu danken.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Unser Leipziger Kommission\u00e4r teilt uns soeben mit, da\u00df das Leipziger Polizeipr\u00e4sidium die R\u00fcckgabe und Freigabe unter der Bedingung des geschlossenen B\u00fcchertransportes bewilligt hat.<\/p>\n<p>Im Mai des folgenden Jahres brachte der Pr\u00e4sident der Reichsschrifttumskammer in Berlin in Erfahrung, wie sich Theodor Volckmar-Frentzel &#8211; immerhin Leiter des gr\u00f6\u00dften gesamtbuchh\u00e4ndlerischen Unternehmens im Deutschen Reich &#8211; in der Angelegenheit Zweig-Reichner verhalten hatte. Denn die polizeilichen Verf\u00fcgungen aus Leipzig betreffend Beschlagnahme der B\u00fccher Stefan Zweigs gelangten nicht nur in photokopierter Form in die Hand von Reichner, sie gelangten auch in die H\u00e4nde der politischen Abteilung des Bundeskanzleramts in Wien! In einem langen Schreiben des Goebbels-Stellvertreters, Dr. Heinz Wismann, vom 25. Mai 1937 wollte dieser die Peinlichkeit aufgekl\u00e4rt haben. Da wurden Schlag auf Schlag dem Reichner wohlgesinnten Kommission\u00e4r schwierige, ja r\u00fcgende Fragen gestellt: Zu welchem Zweck geschah die \u00dcbersendung? Warum in Form einer Photokopie? Wo ist diese hergestellt worden? Wer erteilte den Auftrag hierzu? \u201eWar Ihnen damals bekannt, da\u00df der Herbert Reichner-Verlag j\u00fcdisch ist?\u201c Wenn die \u00dcbersendung nicht mit seinem Wissen bzw. auf seine Veranlassung geschah, hatte er dann die M\u00f6glichkeit, die \u00dcbersendung zu verhindern? \u201eWenn nicht: Haben Sie den oder die Schuldigen und in welcher Form zur Verantwortung gezogen?\u201c<a href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\"><span class=\"reference\">[65]<\/span><\/a> Das Schreiben Wismanns zeigt, in welcher oft schwierigen Lage sich die Leipziger Kommission\u00e4re befanden. Einerseits mu\u00dften sie als Vollzugsorgane der Nazi-Schrifttumskammer funktionieren, andererseits hatten sie ein gesch\u00e4ftliches Interesse, die Verbreitung und den Verkauf von gutgehenden B\u00fcchern zu f\u00f6rdern. Die Tatsache, da\u00df Beamte des Au\u00dfenamtes in Wien im Besitz einer Photokopie der Zweig-Verf\u00fcgung waren, die deutscherseits nicht mehr aus der Welt geleugnet werden konnte, mag durchaus zum relativ g\u00fcnstigen Ausgang des Falls f\u00fcr Reichner und Zweig beigetragen haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Herbert Reichner Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck hatte, indem seine B\u00fcchersendungen nicht vernichtet, sondern unversehrt zur\u00fcckgesandt wurden, hatte eine Verlagsorganisation, die sich \u201eSt. Josef Buchbruderschaft Klagenfurt\u201c nannte, Pech. Auch in diesem Fall wurde die \u00f6sterreichische Gesandtschaft Berlin eingeschaltet. B\u00fcchersendungen dieses religi\u00f6sen Verlags wurden beschlagnahmt und vernichtet, obwohl sie offenbar nicht verboten waren. Der \u00f6sterreichische Gesandte, Tauschitz, intervenierte im Herbst 1936 beim Reichsau\u00dfenminister Neurath, der meinte,<\/p>\n<p class=\"zitat\">da\u00df wohl wenig Aussicht daf\u00fcr best\u00fcnde, f\u00fcr die verbrannten B\u00fccher eine Entsch\u00e4digung zu erlangen, da man wohl die Vernichtung der Sendung nicht vorgenommen h\u00e4tte, wenn man hiezu nicht berechtigt gewesen w\u00e4re. Ich vertrat nat\u00fcrlich den Standpunkt, da\u00df eine Berechtigung der Gestapo nicht vorlag und man h\u00f6chstens den Verkauf h\u00e4tte verbieten k\u00f6nnen, die B\u00fccher jedoch unbedingt zur R\u00fccksendung freizugeben gewesen w\u00e4ren. Auf jeden Fall sei der B\u00fccherbruderschaft sowohl an einer Entsch\u00e4digung als auch insbesondere einer weiteren Ablieferung ihrer Werke an ihre deutschen Bezieher au\u00dferordentlich viel gelegen (&#8230;).<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\"><span class=\"reference\">[66]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Das Beispiel zeigt erneut, wie relativ schutzlos \u00f6sterreichische Verlage den deutschen Beh\u00f6rden ausgeliefert waren.<\/p>\n<p>Die wohl schwerwiegendste Behinderung \u00f6sterreichischer Verlage bei der Einfuhr nach Deutschland war eine Auswirkung der handels- und wirtschaftspolitischen Beziehungen zu Deutschland. Der <em>Sturm<\/em> <em>\u00fcber \u00d6sterreich <\/em>beschrieb das Problem drastisch, aber sehr treffend folgenderma\u00dfen: \u201eDem \u00f6sterreichischen Verleger, der ja auf den deutschen Markt angewiesen ist, wird die Brechzange der Devisenvorschriften um den Hals gepre\u00dft\u201c (25.4.1937, S. 6).<\/p>\n<p>Um dieses Problem, das sich im Jahre 1937 aus Anla\u00df des Handelsabkommens vom J\u00e4nner zuspitzte und bis zum \u201eAnschlu\u00df\u201c und auch sp\u00e4ter effektiv ungel\u00f6st blieb, verstehen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir uns zun\u00e4chst ein wenig mit dem reichsdeutschen System der Devisenbewirtschaftung befassen. Dann k\u00f6nnen wir die konkreten Auswirkungen auf \u00f6sterreichische Schriftsteller und auf \u00f6sterreichische Verlage in der Praxis erkennen.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading7\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<div id=\"ftn1\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn1;\" href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dazu VOLKER DAHM, Das j\u00fcdische Buch im Dritten Reich. Frankfurt\/Main 1979, Sp. 72.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn2\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn2;\" href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Der Mangel eines solchen methodischen Ansatzes l\u00e4\u00dft die vielzitierte Arbeit von Dietrich Strothmann heute \u00fcberholt erscheinen. Diese erstmals 1960, dann 1963 in 2. Auflage erschienene gedruckte Dissertation, beruht einerseits ausschlie\u00dflich auf publizierten Quellen bzw. Einzelbefragungen, verzichtet andererseits darauf, Entwicklungstendenzen kenntlich zu machen. Stattdessen erscheint der Zeitraum 1933 bis 1945 als homogen: hier ein Beleg aus dem Jahre 1934, da eine Aussage aus dem Jahre 1943, und beide verbindlich f\u00fcr die \u201enationalsozialistische Literaturpolitik\u201c dieses Zeitraums. S. DIETRICH STROTHMANN, Nationalsozialistische Literaturpolitik. Ein Beitrag zur Publizistik im Dritten Reich. Bonn: H. Bouvier u. Co. Verlag, 1960. 2., verb. und mit einem Register ausgestattete Auflage, 1963.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn3\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn3;\" href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>74. Jg., Nr. 43, 16. Dezember 1933, S. 207.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn4\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn4;\" href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em> 100.\u00a0Jg., Nr. 280, 2. Dezember 1933.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn5\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn5;\" href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> S.<em> B\u00f6rsenblatt, <\/em>101. Jg., Nr. 228, 29. September 1934, S. 852. Die Bekanntmachung verpflichtete Verlagsunternehmen, sich zu vergewissern, ob die Firmen, mit denen sie in Gesch\u00e4ftsverbindung oder die Autoren, mit denen sie in einem Vertragsverh\u00e4ltnis standen, ihre Verpflichtung gegen\u00fcber der Reichskulturkammergesetzgebung hinsichtlich der zust\u00e4ndigen Eingliederung zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn6\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn6;\" href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Siehe DAHM, zit. Anm. 1, S. 60.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn7\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn7;\" href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> <em>B\u00f6rsenblatt,<\/em> 101. Jg., Nr. 224, 25. September 1934, S. 834.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn8\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn8;\" href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u201eNachrichten f\u00fcr Buchh\u00e4ndler und Buchkritiker\u201c. In: <em>Die Neue Literatur, <\/em>Heft 1, Januar 1938, S. 45. Vesper f\u00fchlte sich daher bem\u00fc\u00dfigt, \u201ek\u00fcnftig von Zeit zu Zeit einen Hinweis auf die B\u00f6rsenblattanzeigen, die unseres Wissens f\u00fcr j\u00fcdische Verlage und j\u00fcdische Autoren werben\u201c, zu bringen (ebda.).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn9\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn9;\" href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> DAHM zitierte dabei: Paul Zsolnay Verlag, Phaidon-Verlag, Deutsch-\u00f6sterreichischer Verlag, Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Fiba-Verlag, E.P. Tal &amp; Co., Verlagsbuchhandlung R. L\u00f6wit. (Sp. 154.) In seiner sonst ausgezeichneten, wohlfundierten Arbeit ist der Abschnitt \u00fcber \u00d6sterreich etwas schwach.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn10\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn10;\" href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Sperre vom Verf.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn11\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn11;\" href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ein \u00e4hnlicher Widerspruch: der Wiener \u201eInternationale Psychoanalytische Verlag\u201c Martin Freuds konnte am 7. Dezember 1934 im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>ein ganzseitiges Inserat f\u00fcr den indizierten \u201eAlmanach der Psychoanalyse 1935\u201c ver\u00f6ffentlichen. Alle Jahrg\u00e4nge dieses Almanachs befanden sich im Verzeichnis der seit 1933 verbotenen Werke \u00f6sterreichischer Verlage.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn12\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn12;\" href=\"#_ftnref12\" target=\"text\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Alle im folgenden zitierten Dokumente, Stellungnahmen, Schreiben usw. aus dem Jahre 1937, die Anzeigen betreffend, befinden sich im Berlin Document Center (BDC)\/RKK\/Leitzordner \u201eJ\u00fcdische Buchh\u00e4ndler, Verleger, Schriftsteller\u201c. Verf. dankt dem Direktor des BDC f\u00fcr die \u00dcbersendung der betreffenden Kopien.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn13\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn13;\" href=\"#_ftnref13\" target=\"text\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Originalschreiben des Bermann-Fischer Verlags vom 1. Oktober 1937.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn14\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn14;\" href=\"#_ftnref14\" target=\"text\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Im Herbst 1935, als die Aufregung \u00fcber das deutsche \u201eBuchdumping\u201c ihrem H\u00f6hepunkt zusteuerte, lancierte die <em>Wiener Zeitung <\/em>eine Kampagne, um dem \u00f6sterreichischen Buch den geb\u00fchrenden Platz in den Auslagen der Buchhandlungen zuzuweisen. Sie f\u00fchrte positive und negative Beispiele an. In einer katholischen Buchhandlung (Tyrolia) fehle in deren Auslage ein Werk \u201eebenso wie die dem Nationalsozialismus gegen\u00fcber negativ eingestellten Werke der \u201aEmigrantenverlage\u2019 einzig deshalb, weil es in dem \u00fcbrigens sehr r\u00fchrigen E.P. Tal-Verlag erschienen ist, der bekanntlich seit langem im \u201aB\u00f6rsenblatt\u2019 nicht mehr ank\u00fcndigen darf\u201c. (WZ, Nr. 339, So., 8. Dezember 1935, S. 7.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn15\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn15;\" href=\"#_ftnref15\" target=\"text\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> S\u00e4mtliche hier zitierte Korrespondenz befindet sich im \u201ePersonalakt E.P. Tal\u201c, Archiv, Buchgewerbehaus Wien. F\u00fcr die Unterst\u00fctzung meiner Forschungen bin ich dem Archivar, Herrn Dr. Karl Megner, zu Dank verpflichtet.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn16\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn16;\" href=\"#_ftnref16\" target=\"text\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>101. Jg., Nr. 224, 25. September 1934, S. 834.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn17\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn17;\" href=\"#_ftnref17\" target=\"text\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Brief an den Verf. vom 8. September 1981. Um welche Tal-Autoren es sich konkret handelte, war vorl\u00e4ufig nicht zu eruieren.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn18\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn18;\" href=\"#_ftnref18\" target=\"text\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Zu den Tal-Verlagsautoren z\u00e4hlten u.a. Max Brod, Ferdinand Bruckner, Arnold H\u00f6llriegel, Gina Kaus, Richard Lewinsohn (Morus), E.A. Rheinhardt, Roda Roda und Alfred Neumann.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn19\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn19;\" href=\"#_ftnref19\" target=\"text\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> <em>Der Morgen <\/em>(Wien), 8. April 1935, S. 11.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn20\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn20;\" href=\"#_ftnref20\" target=\"text\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Sucht man seinen Namen im Verzeichnis der Wiener Auslieferungs- und Bezugsstellen f\u00fcr in- und ausl\u00e4ndische Verlagsprodukte, findet man ihn zehnmal. Kendes Buchhandlung und Antiquariat (gegr. Anfang 1932) war die Wiener Auslieferung von s\u00e4mtlichen \u201eEmigrantenverlagen\u201c bzw. Anti-Nazi-Verlagen im Ausland. Diese Liste umfa\u00dft: Humanitas (Z\u00fcrich), Allert de Lange (Amsterdam), Querido-Verlag (Amsterdam), Editions du Carrefour (Paris), Europa Verlag (Z\u00fcrich), Europ\u00e4ischer Merkur-Verlag (Paris), Malik-Verlag A.G. (Prag), Schocken Verlag (Berlin), Soziologische Verlagsanstalt (Br\u00fcnn) und schlie\u00dflich Paul Gerin (Wien = Buchhandlung). in einem Brief Robert Musils an den Schweizer Verleger (Humanitas) Simon Menzel 1936 ist vom Auslieferer Kende die Rede. (Robert Musil, Briefe 1901-1942. Herausgegeben von ADOLF FRIS\u00c9. Unter Mithilfe von MURRAY G. HALL. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1981, I, 706 und II, 412.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn21\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn21;\" href=\"#_ftnref21\" target=\"text\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> \u201eGlanz und Elend des \u00f6sterreichischen Buches.\u201c In <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em>Folge 33, So., 22. August 1937, S. 5.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn22\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn22;\" href=\"#_ftnref22\" target=\"text\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> AVA, BMU, Ges. Zl. 25.962-37. Schreiben vom 24. August 1937, S. 5f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn23\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn23;\" href=\"#_ftnref23\" target=\"text\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> \u201epromemoria\u201c der Zwangsgilde der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler, Wien, vom 12. November 1937, bes. Blatt 4f. AVA, BMU, Zl. 39.644-37.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn24\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn24;\" href=\"#_ftnref24\" target=\"text\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Bericht \u00fcber die Verhandlungen Morawas in Berlin am 22. Oktober 1937, in: HHSta, N.P.A., Karton 131, BKA 35.119-13\/1937.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn25\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn25;\" href=\"#_ftnref25\" target=\"text\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> In diesem Verlag erschien 1937 das SCHUSCHNIGG-Werk Dreimal \u00d6sterreich.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn26\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn26;\" href=\"#_ftnref26\" target=\"text\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 629, BKA, Abt. 14 HP, BKA. Zl. 215.810-14a-37. Nur das 2. Blatt dieses Schreibens Hegners an Schuschnigg (um den 23. September 1937) liegt diesem Akt bei. Es wurde von Schuschnigg an Staatssekret\u00e4r Guido Schmidt zwecks Intervention weitergegeben.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn27\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn27;\" href=\"#_ftnref27\" target=\"text\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Vertrauliches Schreiben des E.P. Tal Verlags vom 24. August 1937 an Hofrat Dr. Konrad Thomasberger vom Unterrichtsministerium. AVA, BMU, Zl. 25.962-37.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn28\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn28;\" href=\"#_ftnref28\" target=\"text\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Die im deutschen Buchhandel kursierenden \u201eschwarzen Listen\u201c waren den \u00f6sterreichischen Regierungsstellen und der Standesvertretung wohl bekannt. Bei einer interministeriellen Besprechung am 6. Oktober, die als Vorbereitung f\u00fcr die zweite Tagung des Kulturausschusses gedacht war, wies der Zwangsgilde-Syndikus Wisloschill daraufhin, \u201eda\u00df tats\u00e4chlich neben der offiziellen Liste verbotener Werke in Deutschland, Geheimlisten der Partei bei den einzelnen Gauleitungen bestehen, die von Gau zu Gau oft verschieden angewendet werden\u201c. (\u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 134, BKA 42.418-13\/1937). Der Essay \u201eGlanz und Elend des \u00f6sterreichischen Buches\u201c, der am 22. August 1937 in der Wochenzeitung <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich<\/em> erschien, wurde kurz darauf als gehefteter Sonderdruck herausgebracht. Der Umschlag trug den gelben Aufkleber \u201eZur\u00fcck Verbreitung in Deutschland nicht ang\u00e4ngig\u201c. Der Druck fand in Regierungskreisen weite Verbreitung und in Verlegerkreisen breite Zustimmung, zumal er eine umfassende Auseinandersetzung mit der Existenzgrundlage des \u00f6sterreichischen Buchhandels pr\u00e4sentierte. Nicht einverstanden mit dieser Publizit\u00e4t war Dr. Wisloschill, Syndikus und Sprecher der Zwangsgilde der Buchh\u00e4ndler. In der soeben erw\u00e4hnten Sitzung trug Wisloschill \u201eden Wunsch des Buchhandels vor, da\u00df Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber die Beziehungen des \u00f6sterreichischen Buchhandels mit dem des Deutschen Reiches durch Einwirkung des Bundespressedienstes nur im Einvernehmen mit den zust\u00e4ndigen Fachorganisationen in Hinkunft erfolgen. Ver\u00f6ffentlichungen wie etwa in \u201aSturm \u00fcber \u00d6sterreich\u2019 (als Brosch\u00fcre unter dem Titel \u201aGlanz und Elend des \u00f6sterreichischen Buches\u2019 erschienen) w\u00fcrden eher st\u00f6rend wirken\u201c. (loc. cit.) Verleger waren da anderer Meinung. Hier die treffende Analyse eines Vertreters des E.P. Tal Verlags: \u201eUnsere Korporation, die ja das Beste zu tun sich bem\u00fcht, hat unter anderem gleichzeitig den Buchh\u00e4ndler und den Verlag zu vertreten. Die Interessen des Buchh\u00e4ndlers und des Verlags aber gehen gro\u00dfenteils auseinander. Die Buchh\u00e4ndler denken gar nicht daran, den \u00f6sterreichischen Verlag in den Vordergrund zu schieben. Im Gegenteil. Sie sind zum Teil Nazis, und wenn schon nicht das, so doch nat\u00fcrlich Gesch\u00e4ftsleute; das gedumpte deutsche Buch ist ihnen bequem, weil billiger und die Verdienstspanne gr\u00f6\u00dfer. Wir sind also auch auf dem Inlandsmarkt ungesch\u00fctzt.\u201c (Quelle: S. Anm. 27.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn29\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn29;\" href=\"#_ftnref29\" target=\"text\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 134, BKA 43.118-13\/1937.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn30\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn30;\" href=\"#_ftnref30\" target=\"text\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> \u201epro memoria\u201c, Wien, 12. November 1937. Diese 5seitige Zusammenfassung befindet sich in den Aktenbest\u00e4nden mehrerer Ministerien. Zitiert wird nach: AVA, BMU, Zl. 39.644-37. Sie war das Produkt einer Anregung des Gesandten Max Hoffinger, der die Sitzung am 6. Oktober leitete: \u201eUm die Interessen der \u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndlerschaft aber auch nach au\u00dfen bei Verhandlungen mit dem Deutschen Reich wirksam vertreten zu k\u00f6nnen, sei die schriftliche Einbringung der Stellungnahme der Buchh\u00e4ndlerschaft bis Ende dieses Monates erw\u00fcnscht.\u201c Quelle: S. Anm. 28. Die n\u00e4chste Sitzung fand am 24. November statt. Nun wurde die Frage \u201epolitische Beschwerden\u201c den Verhandlungen im Kulturausschu\u00df Ende November\/Anfang Dezember \u00fcberlassen. In den betreffenden Protokollen ist dar\u00fcber jedoch kein Wort zu lesen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn31\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn31;\" href=\"#_ftnref31\" target=\"text\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> <em>Die Neue Literatur, <\/em>Heft 3, M\u00e4rz 1938, S. 154.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn32\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn32;\" href=\"#_ftnref32\" target=\"text\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Ebenda, Heft 2, Februar 1937, S. 104.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn33\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn33;\" href=\"#_ftnref33\" target=\"text\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Diese Abschrift ist einem relativ umfangreichen Gesamtakt \u00fcber die Behinderungen des Phaidon-Verlags entnommen (\u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 125). Die Aktenst\u00fccke reichen vom 5. Februar 1936 bis 23. Dezember 1937 und werden &#8211; soweit aus ihnen zitiert wird &#8211; im folgenden einzeln angef\u00fchrt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn34\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn34;\" href=\"#_ftnref34\" target=\"text\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Hier einige Hinweise zur Zust\u00e4ndigkeit der betreffenden Abteilungen: Abt. 13 war Teil der Sektion IV (Ausw\u00e4rtige Angelegenheiten). Sie war f\u00fcr Angelegenheiten der ausw\u00e4rtigen Politik, soweit sie nicht zur Abt. 14 geh\u00f6rten, Verkehr mit dem Ausland in Angelegenheiten von Kunst und Wissenschaft, Unterricht und Kultus zust\u00e4ndig. Abt. 14 (Wirtschaftspolitik) 14\/A hatte als Agenden: Politische Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Verhandlungen mit dem Ausland auf dem Gebiete der Wirtschafts-, Finanz- und Verkehrspolitik. Die Abt. 15, die hier eher irrt\u00fcmlich konsultiert wurde, war f\u00fcr den Verkehr mit dem Ausland auf dem Gebiete des Personenstands-, Polizei- und Bev\u00f6lkerungswesens u.a. verantwortlich (= Abt. 15\/R. S.).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn35\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn35;\" href=\"#_ftnref35\" target=\"text\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> S. Anm. 33. BKA, Der Bundeskommiss\u00e4r f\u00fcr Heimatdienst, Zl. 184\/HD\/36. Wien, den 27. Februar 1936. (= BKA 35.745-13\/36)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn36\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn36;\" href=\"#_ftnref36\" target=\"text\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> S. Anm. 33. \u00d6sterreichische Gesandtschaft Berlin, 22. April 1936. Bericht Zl. 465\/Res 1. BKA 37.666-13\/36)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn37\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn37;\" href=\"#_ftnref37\" target=\"text\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> S. Anm. 33. \u00d6sterreichische Gesandtschaft Berlin, 4. Juni 1936. Zl. 648\/Res 1.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn38\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn38;\" href=\"#_ftnref38\" target=\"text\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Schreiben der Abt. 13 pol. vom 1. September 1937 an die \u00d6sterreichische Gesandtschaft Berlin. BKA 43.147-13\/37.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn39\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn39;\" href=\"#_ftnref39\" target=\"text\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Diese Liste befindet sich in der Beilage (C) zu einem Brief Horovitz\u2019 an das Generalsekretariat f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten vom 27. August 1937. (Anm. 33, BKA 43.147-13\/37.) Diese Liste umfa\u00dfte Werke wie: Van Gogh, Gem\u00e4lde und Zeichnungen; Tizian, Band I\/Il; Rembrandt, Gem\u00e4lde; Frobenius, Kulturgeschichte Afrikas; Petrarca, Die Triumphe; usw. Ein beschlagnahmtes Werk (Forel, R\u00fcckblick auf mein Leben) war nicht im Phaidon-Verlag erschienen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn40\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn40;\" href=\"#_ftnref40\" target=\"text\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> S. Anm. 38.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn41\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn41;\" href=\"#_ftnref41\" target=\"text\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 14, \u00d6sterreichische Gesandtschaft Berlin, 7. Oktober 1937. Zl. 1595\/Res 1. (= BKA 44.268-13\/1937).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn42\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn42;\" href=\"#_ftnref42\" target=\"text\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> S. Anm. 33. Ausw\u00e4rtiges Amt. Pol. IV 6617 (in: BKA 44.268-13\/1937). Die Wendung \u201eeinige nicht verbotene Werke des Verlages\u201c impliziert entgegen den Tatsachen, da\u00df mehr verboten als erlaubt war. In Wirklichkeit befinden sich im Verzeichnis der seit 1933 im Deutschen Reich verbotenen Werke \u00f6sterreichischer Verlage kaum ein halbes Dutzend B\u00fccher des Phaidon-Verlags, darunter Robert Neumanns (Panoptikum, Passion).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn43\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn43;\" href=\"#_ftnref43\" target=\"text\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> Der Fall war an den Bundeskommiss\u00e4r f\u00fcr Kulturpropaganda, Hans vom Hammerstein-Equord, der am 5. Dezember 1936 zu diesem Posten ernannt worden war, herangetragen und in der \u201eSitzung \u00fcber Buchfragen am 6. Oktober 1937\u201c zur Kenntnis gebracht worden.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn44\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn44;\" href=\"#_ftnref44\" target=\"text\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 131, BKA 96.690-13\/1937. Protokoll \u00fcber die zweite Tagung des Ausschusses f\u00fcr kulturelle Angelegenheiten zwischen dem Deutschen Reich und \u00d6sterreich, abgehalten zu Berlin vom 29. November bis 3. Dezember 1937, S. 4.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn45\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn45;\" href=\"#_ftnref45\" target=\"text\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> Darunter: Gesandter Hoffinger, Bundeskommiss\u00e4r Hammerstein-Equord, Min.-Rat Herget (BMfHuV), Franz Marenzi (G.D. 2), Leg. Sekr. Siegmar Lurtz (BKA, Abt. 14a) usw.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn46\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn46;\" href=\"#_ftnref46\" target=\"text\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 629, BKA, Abt. 14 HP, Gdzl. u. Ges. Zl. 215.810-14a\/37. \u201eAmtsvermerk\u201c vom 24. November 1937.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn47\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn47;\" href=\"#_ftnref47\" target=\"text\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 134, BKA 96.706-13\/1937. Gegenstand: Behinderung der Verbreitung \u00f6sterreichischer Verlagswerke in Deutschland.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn48\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn48;\" href=\"#_ftnref48\" target=\"text\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 131, BKA 51.715-13\/1938. Gegenstand: Unterausschu\u00df f\u00fcr Buchfragen des Ausschusses f\u00fcr die kulturellen Beziehungen zwischen \u00d6sterreich und Deutschland. Besprechung in Berlin am 7. II. fol. 19.614.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn49\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn49;\" href=\"#_ftnref49\" target=\"text\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a> Glanz und Elend des \u00f6sterreichischen Buches. In: <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em>22. August 1937, S. 5. Die zwei hier abgebildeten Graphiken sind diesem Artikel entnommen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn50\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn50;\" href=\"#_ftnref50\" target=\"text\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a> Schreiben an Hofrat Dr. Konrad Thomasberger (BMU) vom 24. August 1937. BMU, 25.962-37.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn51\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn51;\" href=\"#_ftnref51\" target=\"text\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 119, Akt B\u00fccherbeschlagnahme Herbert Reichner Verlag. Schreiben an Guido Zernatto vom 28. August 1936.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn52\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn52;\" href=\"#_ftnref52\" target=\"text\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a> Dazu Volker Dahm: \u201eWiderspr\u00fcchlichkeiten ergaben sich schlie\u00dflich auch daraus, da\u00df die RSK den Ausschlu\u00df der \u201anichtarischen\u2019 Verleger zun\u00e4chst aufgeschoben hatte. Zwar war den j\u00fcdischen Autoren mit dem Ausschlu\u00df aus der RSK bzw. der Ablehnung ihrer Eingliederung nach dem RKK-Gesetz jede weitere schriftstellerische Bet\u00e4tigung im Bereich der Kammer untersagt, weshalb sie aufgefordert wurden, bestehende Verlagsvertr\u00e4ge in k\u00fcrzester Frist abzuwickeln. Die RSK kam aber nicht umhin, j\u00fcdischen Autoren unter der Hand &#8211; d.h. bis Juli 1937 ohne geschriebenes Recht &#8211; die M\u00f6glichkeit zuzugestehen, in programmatisch j\u00fcdischen Verlagen zu publizieren, da diese nach wie vor der Kammer angeh\u00f6renden Verlage ansonsten gezwungen gewesen w\u00e4ren, ihre Produktion einzustellen oder aber auf B\u00fccher ausl\u00e4ndischer Verfasser zu beschr\u00e4nken.\u201c (Anm. 1, Sp. 71.) Dahm zitiert das Beispiel Schocken Verlag (Sp. 54). Zur Gr\u00fcndung und zum Programm des Schocken Verlags siehe GOTTFRIED BERMANN-FISCHER, Bedroht &#8211; Bewahrt. Weg eines Verlegers. Frankfurt\/Main: Fischer B\u00fccherei, Band 1169, 1971, S. 273 f. Dazu INGRID BELKE, In den Katakomben. j\u00fcdische Verlage in Deutschland. 1933 bis 1938 (<em>Marbacher Magazin, <\/em>25\/1983).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn53\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn53;\" href=\"#_ftnref53\" target=\"text\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a> Archiv, Buchgewerbehaus Wien, Verein 1936, Mappe 433. Rundschreiben vom 22. April 1936.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn54\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn54;\" href=\"#_ftnref54\" target=\"text\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a> Dieser war allerdings kein \u201eJudenverlag\u201c. Franz Deuticke, zeitweiliger Verleger Sigmund Freuds, kl\u00e4rte dieses Mi\u00dfverst\u00e4ndnis etwas versp\u00e4tet &#8211; n\u00e4mlich am 21. M\u00e4rz 1938 &#8211; auf, als er eine halbe Seite im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>kaufte. Da liest man: \u201eWie ich erfahren habe, sollen im deutschen Buchhandel falsche Anschauungen \u00fcber meine Firma in Umlauf gebracht worden sein. Ich erkl\u00e4re daher ausdr\u00fccklich, da\u00df meine Firma seit ihrer Gr\u00fcndung in arischem Besitze ist und niemals einen j\u00fcdischen Gehilfen oder Angestellten besch\u00e4ftigt hat. Heil Hitler! Leipzig und Wien, M\u00e4rz 1938 Franz Deuticke.\u201c (<em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 67, vom 21. M\u00e4rz 1938, S. 1150.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn55\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn55;\" href=\"#_ftnref55\" target=\"text\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a> S. Anm. 53. Die Anwesenheitsliste ist etwas mi\u00dfverst\u00e4ndlich, aber neun Verleger (von ca. 130) d\u00fcrften teilgenommen haben, darunter Franz Deuticke, O. Bauer (Fiba-Verlag), L. Heidrich, Dr. Passer, Reichner, E.P. Tal, Dr. Robert Freund (Bastei-Verlag). Ein Protokoll dieser Sitzung war leider nicht auffindbar.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn56\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn56;\" href=\"#_ftnref56\" target=\"text\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a> Stefan Zweig. Briefe an Freunde. Hrsg. von RICHARD FRIEDENTHAL. Frankfurt\/Main: S. Fischer, 1978, S. 275.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn57\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn57;\" href=\"#_ftnref57\" target=\"text\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N. P. A., Karton 119, BKA 43.578-13\/36. Die folgende Darstellung st\u00fctzt sich auf diesen Akt, in dem sich die Angaben \u00fcber die Beschlagnahmen, die Korrespondenz Volckmars mit Reichner und dessen Eingaben an die \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden befinden. Sie bildet einen Auszug aus dem Aufsatz \u201eLiteratur- und Verlagspolitik der drei\u00dfiger Jahre in \u00d6sterreich. Am Beispiel Stefan Zweigs und seines Wiener Verlegers Herbert Reichner\u201c. In: Stefan Zweig 1881\/1981. Aufs\u00e4tze und Dokumente. Hrsg. von der Dokumentationsstelle f\u00fcr neuere \u00f6sterreichische Literatur. Zirkular. Sondernummer 2, Oktober 1981, S. 113-136.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn58\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn58;\" href=\"#_ftnref58\" target=\"text\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a> <em>Reichsgesetzblatt<\/em>, Teil 1, Nr. 8\/1933, Ausgegeben zu Berlin, den 6. Februar 1933, Abschnitt II, Druckschriften.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn59\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn59;\" href=\"#_ftnref59\" target=\"text\" name=\"_ftn59\">[59]<\/a> <em>Reichsgesetzblatt<\/em>, Teil 1, Nr. 17\/1933, Ausgegeben zu Berlin, den 28. Februar 1933.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn60\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn60;\" href=\"#_ftnref60\" target=\"text\" name=\"_ftn60\">[60]<\/a> Schreiben von F. Volckmar an Herbert Reichner vom 12. August 1936. Zu diesem Themenkomplex siehe die Arbeit von DIETRICH AIGNER, Die Indizierung \u201esch\u00e4dlichen und unerw\u00fcnschten Schrifttums\u201c im Dritten Reich. Frankfurt\/Main 1979, Sp. 933-1034, bes. Sp. 953 ff.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn61\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn61;\" href=\"#_ftnref61\" target=\"text\" name=\"_ftn61\">[61]<\/a> Abschrift eines Briefs vom 12. August 1936 von Volckmar an Reichner.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn62\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn62;\" href=\"#_ftnref62\" target=\"text\" name=\"_ftn62\">[62]<\/a> 483 Ex. Maria Stuart; 714 Ex. Marie Antoinette; 284 Ex. Baumeister der Welt; 344 Ex. Erasmus von Rotterdam; 94 Ex. Sinn und Sch\u00f6nheit der Autographen; 57 Ex. Jeremias, broschiert; 173 Ex. Jeremias, Leinen; 37 Ex. Toscanini; 59 Ex. Castellio; 40 Ex. Fouch\u00e9; 40 Ex. Heilung.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn63\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn63;\" href=\"#_ftnref63\" target=\"text\" name=\"_ftn63\">[63]<\/a> Schreiben von Reichner an Schuschnigg, 28. August 1936.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn64\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn64;\" href=\"#_ftnref64\" target=\"text\" name=\"_ftn64\">[64]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn65\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn65;\" href=\"#_ftnref65\" target=\"text\" name=\"_ftn65\">[65]<\/a> Bundesarchiv Koblenz, R 56 V\/27 folio 110-115. F\u00fcr diesen interessanten Hinweis bin ich Gerhard Renner dankbar.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn66\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn66;\" href=\"#_ftnref66\" target=\"text\" name=\"_ftn66\">[66]<\/a> \u00d6Sta, HHSta, N.P.A., Karton 13, \u00d6sterr. Gesandtschaft Berlin, den 5. November 1936, Zl 1383\/Res I (BKA 43.797-13\/36).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0X. &#8222;Normalisierung&#8220; in der Praxis: Modellf\u00e4lle 1. Anzeigen im B\u00f6rsenblatt. Behinderungen am Beispiel E.P. Tal und Herbert Reichner Verlag 2. Deutsche Autoren und die Devisenstelle 3. \u201e&#8230;auf kalte Weise\u201c: der versteckte Boykott, am Beispiel PHAIDON-VERLAG Vom Boykott zur Beschlagnahme 4. Die Pr\u00fcfstelle und das \u201eLeipziger Loch\u201c (Reichner, Tal) 5. Beschlagnahme\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=134\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":26,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-134","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=134"}],"version-history":[{"count":12,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1953,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/134\/revisions\/1953"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/26"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}