{"id":143,"date":"2015-09-03T14:21:28","date_gmt":"2015-09-03T12:21:28","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=143"},"modified":"2016-02-09T11:19:45","modified_gmt":"2016-02-09T09:19:45","slug":"xii-das-angeschlossene-oesterreich","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=143","title":{"rendered":"XII. Das angeschlossene \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<h3>XII. Das angeschlossene \u00d6sterreich<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">1. Voraussetzungen f\u00fcr die Entwicklung in Buchhandel und Verlagswesen nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">2. Anschlu\u00df von Kunst und Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading3\" target=\"_self\">3. Die Standesvertretung nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c<\/a>\n<ul>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading4\" target=\"_self\">a) Die Zwangsgilde unter kommissarischer Verwaltung<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading5\" target=\"_self\">b) Volksabstimmung<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading6\" target=\"_self\">c) B\u00fccherbeschlagnahmen<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading7\" target=\"_self\">d) Kommissarische Leitung und Vertrauensm\u00e4nner<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading8\" target=\"_self\">e) Probleme<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading9\" target=\"_self\">f) KANTATE 1938: Neuaufflackern des Jubels<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading10\" target=\"_self\">g) Probleme der Eingliederung und der \u201eGesundung\u201c des Buchhandels<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading11\" target=\"_self\">h) Bergers Denkschrift<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading12\" target=\"_self\">4. Reichskulturkammergesetz f\u00fcr \u00d6sterreich<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading13\" target=\"_self\">5. Arisierung, Liquidierung, Aufl\u00f6sung: Das Schicksal \u00f6sterreichischer Verlage<\/a>\n<ul>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading14\" target=\"_self\">a) Der Paul Zsolnay Verlag. Eine Scheinarisierung?<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading15\" target=\"_self\">b) Arisierung am Beispiel E.P. Tal &amp; Co. Verlag<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading16\" target=\"_self\">c) Arisierung am Beispiel Saturn-Verlag<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading17\" target=\"_self\">d) Liquidierung am Beispiel des Bermann-Fischer Verlags<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading18\" target=\"_self\">6. Versuch einer vorl\u00e4ufigen Bilanz: M\u00e4rz 1938 und danach \/ Schicksale<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#anm1\">Anmerkungen<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#erg1\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> 1. Voraussetzungen f\u00fcr die Entwicklung in Buchhandel und Verlagswesen nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c<\/h3>\n<p class=\"zitat\">Der Jude mu\u00df restlos aus der wirtschaftlichen Sph\u00e4re heraus. Er mu\u00df aus \u00d6sterreich, insbesondere aus Wien \u00fcberhaupt verschwinden. (Gauleiter Josef B\u00fcrckel, 1938)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"reference\">[1]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Schon bevor das \u201eBundesverfassungsgesetz \u00fcber die Wiedervereinigung \u00d6sterreichs mit dem Deutschen Reich\u201c, auch \u201aLinzer Gesetz\u2019 genannt, in Druck ging, vollzog sich mit unglaublicher Geschwindigkeit ein Wandel in Handel und Gewerbe, vor allem in Wien. Die Beteiligung der Juden im wirtschaftlichen Leben, insbesondere in der Handelssph\u00e4re war, so wurde argumentiert, au\u00dferordentlich gro\u00df. Im M\u00e4rz 1938 wurde die Zahl der j\u00fcdischen Gesch\u00e4fte allein in Wien auf 50.000 bis 60.000 gesch\u00e4tzt. \u201eDer Ha\u00df der Parteigenossen gegen die Juden in \u00d6sterreich war mithin aufgrund ihrer Erfahrungen und Leiden besonders gro\u00df.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn2;\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"reference\">[2]<\/span><\/a> Dieser \u201eHa\u00df\u201c entlud sich, wie bekannt, sehr prompt. Zigtausende Wiener traten in Erscheinung nach der Devise \u201eMir san wieder wer!\u201c, um Handel und Gewerbe \u201ein zuverl\u00e4ssige H\u00e4nde\u201c zu bringen. Zahlenm\u00e4\u00dfig wurde die Zahl der sofort nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c t\u00e4tigen sogenannten \u201ewilden Kommissare\u201c, wie sie statt \u201eR\u00e4uber\u201c genannt wurden, allein in Wien auf 20.000-30.000 gesch\u00e4tzt &#8211; die Zahl war niemals genau feststellbar.<a style=\"mso-footnote-id: ftn3;\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"reference\">[3]<\/span><\/a> Die \u201ewilden Kommissare\u201c richteten zum Bedauern der reichsdeutschen Stellen, die das Problem erst nach und nach in den Griff bekamen, materiellen und wirtschaftlichen Schaden an, zumal sie in vielen belegbaren F\u00e4llen keinerlei Fachkenntnisse f\u00fcr den Gewerbezweig, in dem sie nach dem Raubgriff nun den Herrn spielen konnten, besa\u00dfen. Firmen, die \u00fcber \u201eArisierung\u201c erhaltungsw\u00fcrdig oder f\u00fcr die Exportwirtschaft von Bedeutung gewesen w\u00e4ren, kamen in die H\u00e4nde total Unf\u00e4higer.<\/p>\n<p>Als die Nationalsozialisten im \u201aAltreich\u2019 nach dem Rechten in der \u201eOstmark\u201c sahen, herrschte vollkommene Konfusion. Kommissare waren \u201eeingesetzt\u201c worden, bzw. sie hatten sich &#8211; illegal &#8211; selber eingesetzt, um zu verhindern, \u201eda\u00df weiterhin Juden die Betriebsf\u00fchrung innehaben.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn4;\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"reference\">[4]<\/span><\/a> Die \u201enach dem Umbruch in der Ostmark von der ganzen Bev\u00f6lkerung gestellte Forderung nach Vornahme einer sofortigen Entjudung\u201c wurde auch von Hermann G\u00f6ring in seiner Rede am 28. M\u00e4rz 1938 in der Nordwestbahnhalle in Wien best\u00e4tigt. G\u00f6ring beauftragte den Reichsstatthalter f\u00fcr das Land \u00d6sterreich, Sey\u00df-Inquart, Ma\u00dfnahmen zur Umleitung der j\u00fcdischen Wirtschaft, sprich: \u201eArisierung\u201c des Gesch\u00e4fts- und Wirtschaftslebens, zu treffen. Diese Ma\u00dfnahmen seien &#8211; so G\u00f6ring &#8211; \u201ein aller Ruhe zu treffen\u201c &#8211; eine Feststellung, die einer gewissen Ironie nicht entbehrt, zumal die erw\u00e4hnten \u201ewilden Kommissare\u201c, die seit dem 10. M\u00e4rz in Aktion traten, in genau der verkehrten Richtung agierten. Sie \u201aarbeiteten\u2019 ohne einheitliche Richtlinien, ohne einheitliche \u00dcberwachung und F\u00fchrung, und standen einer \u201eEntjudung nach sachlichen Gesichtspunkten\u201c im Weg. Ihr Traum war aus, als am 13. April 1938 Reichsstatthalter Sey\u00df-Inquart das \u201eGesetz \u00fcber die Bestellung von kommissarischen Verwaltern und kommissarischen \u00dcberwachungspersonen\u201c (Gesetzblatt f\u00fcr das Land \u00d6sterreich, 80\/1938) kundmachen lie\u00df. Somit war zwar eine nachtr\u00e4gliche gesetzliche Grundlage, eine Legalisierung der vorangegangenen Raubz\u00fcge geschaffen. Der Reichsstatthalter konnte jedoch \u201ein Wahrung wichtiger \u00f6ffentlicher Interessen f\u00fcr Unternehmungen, die ihren Sitz im Lande \u00d6sterreich haben, kommissarische Verwalter oder kommissarische Aufsichtspersonen bestellen\u201c. (\u00a7 1) Die Bestellung war nur bis zum 1. Oktober 1938 zul\u00e4ssig. Man war der irrigen Ansicht, man k\u00f6nne bis dahin mit dem Problem fertig werden. Die kommissarischen Verwalter waren \u201ezu allen Rechtshandlungen f\u00fcr die Unternehmung befugt\u201c. (\u00a7 2) Um dem blo\u00dfen Raubbesitz einen Riegel vorzuschieben, waren die kommissarischen Verwalter \u201everpflichtet, bei ihrer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung die Sorgfalt eines ordentlichen Gesch\u00e4ftsmannes anzuwenden\u201c. (\u00a7 5) Sie hatten auch Anspruch auf eine entsprechende Entlohnung f\u00fcr ihre T\u00e4tigkeit. (\u00a7 4) Um aber das Unwesen mit den \u201ewilden Kommissaren\u201c unter Kontrolle zu bringen, nahm man folgenden Paragraphen in das Gesetz auf:<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u00a7 7. Wer erst [!] nach dem 10. M\u00e4rz 1938 in einem fremden Unternehmen allein oder mit anderen eine leitende Stellung oder die Aufsicht \u00fcbernommen hat, hat dies binnen drei Tagen nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes dem Reichsstatthalter zu melden.<\/p>\n<p>Hierdurch sollte eine Erfassung aller \u201ewilden Kommissare\u201c und die Einsetzung \u201eordnungsgem\u00e4\u00dfer Kommissare\u201c auf Grund des Gesetzes erm\u00f6glicht werden. Mit der Durchf\u00fchrung dieser Ma\u00dfnahmen wurde der Staatskommissar in der Privatwirtschaft, Dipl.-Ing. Walter Rafelsberger, vom Reichsstatthalter f\u00fcr das Land \u00d6sterreich, Seyss-Inquart, betraut, im Einvernehmen mit dem Reichskommissar f\u00fcr die Wiedervereinigung \u00d6sterreichs mit dem Deutschen Reich, Gauleiter Josef B\u00fcrckel.<\/p>\n<p>Schon nach wenigen Wochen war die Zahl der \u201ewilden Kommissare\u201c auf weniger als 1.000 herabgesetzt worden. Um eine restlose Ausschaltung dieser Kommissare zu erm\u00f6glichen und die sachgem\u00e4\u00dfe Verwaltung und \u00dcberf\u00fchrung des j\u00fcdischen Verm\u00f6gens im Sinne des Auftrags G\u00f6rings durch den Staatskommissar in der Privatwirtschaft zu gew\u00e4hrleisten, erlie\u00df Sey\u00df-Inquart am 2. Juli 1938 (Gesetzblatt f\u00fcr das Land \u00d6sterreich, Nr. 226\/1938) eine Anordnung, wonach am 1. August 1938 alle bisher bestellten kommissarischen Verwalter aus ihrem T\u00e4tigkeitsbereich auszuscheiden h\u00e4tten, sofern sie nicht vom Staatskommissar in der Privatwirtschaft erneut bestellt wurden. Von allen auszuscheidenden kommissarischen Verwaltern wurde eine genaue Rechnungslegung gefordert, ohne die keine Entlastung erteilt wurde. Die noch \u201ewilden\u201c unter ihnen h\u00e4tten ihre T\u00e4tigkeit sofort einzustellen. Die verbleibenden wurden gezwungen nach einheitlichen Richtlinien auf Grund einer strengen \u00dcberwachung durch die Abteilung \u201ePr\u00fcfstelle f\u00fcr kommissarische Verwalter\u201c beim Staatskommissar in der Privatwirtschaft zu arbeiten. Rafelsberger meinte in seinem Schlu\u00dfbericht \u00fcber die T\u00e4tigkeit der kommissarischen Verwalter<a style=\"mso-footnote-id: ftn5;\" href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"reference\">[5]<\/span><\/a>, es sei auf Grund dieser Anordnung \u201etats\u00e4chlich\u201c gelungen, \u201erestlose Ordnung in das Kommissarwesen im Lande \u00d6sterreich zu bringen\u201c. Das Gesetz Nr. 80\/1938 \u00fcber die Bestellung von kommissarischen Verwaltern und kommissarischen \u00dcberwachungspersonen erfuhr im Oktober 1938 eine geringf\u00fcgige \u00c4nderung, insoferne als deren Bestellung nun \u201ebis zum 1. April 1939 zul\u00e4ssig\u201c wurde (Gesetzblatt f\u00fcr das Land \u00d6sterreich, Nr. 518\/1938).<\/p>\n<p>Die kommissarische Verwaltung nahm zusammenfassend folgenden Verlauf. Von den gesch\u00e4tzten 20.000-30.000 kommissarischen Verwaltern unmittelbar nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c verblieben nach wenigen Wochen etwa 1.000. Nachdem im November dieses Jahres dann eine Spitze von 2787 Kommissaren auf gesetzlicher Basis erreicht wurde, sank diese Zahl im Dezember 1938 wieder unter 1.000. Im April 1939 waren es bereits weniger als 100, und am 30. Oktober 1939 hatte sich die Zahl der kommissarischen Verwalter in der ganzen \u201aOstmark\u2019 auf 29 verringert. Am 1. November 1939 wurden weitere neun abberufen, so da\u00df am 6. November, als Rafelsberger seinen Schlu\u00dfbericht an Gauleiter B\u00fcrckel weiterleitete, nur mehr 20 kommissarische Verwalter, davon zehn in Wien und davon wiederum einer f\u00fcr den Herbert Reichner Verlag, t\u00e4tig waren.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"reference\">[6]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Diese statistischen Angaben \u00fcber die Entwicklung der kommissarischen Verwalter zwischen M\u00e4rz 1938 und November 1939 verdecken in ihrer N\u00fcchternheit freilich so manche Streitigkeiten zwischen Austronazi-Freibeutern und Nazi-Raubrittern aus dem \u201aAltreich\u2019. Auffassungsunterschiede bestanden im Bereich, der h\u00f6hnisch \u201eWiedergutmachung\u201c genannt wurde, und im Bereich \u201eArisierung\u201c, denn es galt f\u00fcr B\u00fcrckel bei der Arisierung einen eingerissenen Mi\u00dfbrauch wieder abzustellen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Parteigenossen erwarteten vielfach, da\u00df aus Gr\u00fcnden der Wiedergutmachung die j\u00fcdischen Verm\u00f6genswerte an sie weit unter dem Werte zu verschleudern seien. Diese Auffassung h\u00e4tte notwendigerweise dahin gef\u00fchrt, da\u00df die wirtschaftliche Auswahl der k\u00fcnftigen Betriebsf\u00fchrer und Gesch\u00e4ftsinhaber nicht nach gesunden volkswirtschaftlichen Gesetzen erfolgt w\u00e4re. Es w\u00e4ren viele Parteigenossen hereingekommen, die ganz hervorragende Kameraden sind, die aber von wirtschaftlichen Dingen nichts verstehen und deshalb in k\u00fcrzester Zeit scheitern mu\u00dften.<a style=\"mso-footnote-id: ftn7;\" href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"reference\">[7]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Darstellung des Kommissarwesens in diesem Zeitraum, ob im Bereich Buchhandel, Verlag oder was auch immer, sind durch die unzureichende Quellenlage gewisse Grenzen gesetzt. Praktisch nur das, was aktenkundig wurde und sich noch dazu auffinden l\u00e4\u00dft, l\u00e4\u00dft sich im Detail darlegen.<\/p>\n<p>Zu der vorhin zitierten \u201erestlosen Ordnung\u201c trug ein weiteres, wesentliches Gesetzeswerk bei, das am 27. April 1938 kundgemacht wurde. Es war dies die \u201eKundmachung des Reichsstatthalters in \u00d6sterreich, wodurch de Verordnung \u00fcber die Anmeldung des Verm\u00f6gens von Juden vom 26. April 1938 bekanntgemacht wird\u201c. Nach dieser Verordnung war jeder Jude (im Sinne der N\u00fcrnberger Rassengesetze) verpflichtet, sein gesamtes in- und ausl\u00e4ndisches Verm\u00f6gen nach dem Stand vom 27. April 1938 anzumelden und zu bewerten. Diese Anmeldung war unter Ben\u00fctzung eines amtlichen Formulars bis zum 30. Juni 1938 abzugeben. Der so geschaffene \u00dcberblick \u00fcber Juden in Handel und Gewerbe schuf die Grundvoraussetzung f\u00fcr die sp\u00e4tere, offizielle Arisierung bzw. Liquidierung. Auf spezielle F\u00e4lle von \u00f6sterreichischen Verlegern gehen wir sp\u00e4ter ein.<\/p>\n<p>Mit der \u00dcberwachung und F\u00fchrung der Entjudung in der \u201eOstmark\u201c war die von Rafelsberger geleitete Verm\u00f6gensverkehrsstelle im Ministerium f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit (ehemals: Bundesministerium f\u00fcr Handel und Verkehr) betraut. \u201eDadurch war es m\u00f6glich, die Verwaltung der j\u00fcdischen Unternehmungen durch die Kommissare im Zusammenhang mit dem der Verm\u00f6gensverkehrsstelle \u00fcbertragenen Genehmigungsverfahren anl\u00e4\u00dflich der \u00dcberf\u00fchrung der j\u00fcdischen Unternehmungen in nichtj\u00fcdisches Eigentum nach einheitlichen sachlichen Gesichtspunkten zur Erm\u00f6glichung einer planm\u00e4\u00dfigen Gesamtentjudung in der Ostmark im Sinne des Auftrages des Generalfeldmarschalls zu leiten.\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn8;\" href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span class=\"reference\">[8]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Verwaltungstechnisch war die letzte Phase der Liquidierung oder Arisierung nicht mehr durch kommissarische Verwalter, sondern durch sog. \u201eAbwickler\u201c gekennzeichnet. Die entsprechende \u201eVerordnung zur Durchf\u00fchrung der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn9;\" href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"reference\">[9]<\/span><\/a> ging davon aus, da\u00df<\/p>\n<p class=\"zitat\">(1) Einzelhandelsverkaufsstellen, Versandgesch\u00e4fte oder Bestellkontore von Juden grunds\u00e4tzlich aufzul\u00f6sen und abzuwickeln<\/p>\n<p>seien. Auf die \u201eAbwickler\u201c im Zusammenhang mit Buchhandel und Verlagswesen kommen wir noch zu sprechen, doch nun wenden wir uns weg von der eher abstrakten gesetzlichen Ebene zu den gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen im Verlagswesen im konkreten.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> 2. Anschlu\u00df von Kunst und Kultur<\/h3>\n<p>Mit atemberaubendem Tempo wurde in den Stunden und Tagen nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c mit der bisherigen st\u00e4ndestaatlichen und\/oder j\u00fcdischen Leitung von \u00f6ffentlichen kulturellen Institutionen usw. aufger\u00e4umt. Am 15. M\u00e4rz 1938 gab es schon eine kommissarische Leitung in der \u00d6sterr. Nationalbibliothek (Pg. Dr. Paul Heigl). Die Leitung wurde aber ebenso geschwind in einer Reihe von Kunst- und Kulturst\u00e4tten ausgetauscht, so z.B. in der Wiener Sezession, der Kunstgewerbeschule, bei den Wiener Symphonikern, den Wiener Philharmonikern, der Gesellschaft der Musikfreunde, der Universal-Edition, im Neuen Wiener Konservatorium, in der Ravag., der Gesellschaft der A.K.M., im Musikwissenschaftlichen Verlag, in der Akademie der Wissenschaften u.v.a.<\/p>\n<p>Entsendet wurden die meisten, wenn vielleicht nicht alle kommissarischen Leiter vom Landeskulturleiter der NSDAP \u00d6sterreich, Hermann Stupp\u00e4ck. So meldeten die <em>Wiener Neuesten Nachrichten <\/em>am 17. M\u00e4rz 1938, das Landeskulturamt der NSDAP \u00d6sterreich habe den Verleger Heimito von Doderers und A.P. G\u00fcterslohs, Pg. Ing. Rudolf Haybach, zur kommissarischen Leitung der \u00d6sterreichischen Kunststelle entsendet. Haybach war bereits seit 1933 illegales Mitglied der NSDAP in \u00d6sterreich und daher besonders verl\u00e4\u00dflich.<\/p>\n<p>Auch in \u00d6sterreichs belletristischen Verlagen vollzog sich ein rascher Wandel. Am 16. M\u00e4rz ernannte Stupp\u00e4ck den akademischen Maler und langj\u00e4hrigen Buchillustrator u.a. des nationalen Staackmann-Verlags, Karl Alexander Wilke (16.7.1879, Leipzig &#8211; 27.2.1954, Wien), zum kommissarischen Leiter des \u00d6sterreichischen Bundesverlages. Wenige Tage sp\u00e4ter bekundete Pg. Wilke die Ver\u00e4nderungen in einer ganzseitigen Annonce im <em>B\u00f6rsenblatt<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/B\u00fccher-der-Ostmark.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-871\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/B\u00fccher-der-Ostmark.jpg\" alt=\"B\u00fccher der Ostmark\" width=\"400\" height=\"562\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/B\u00fccher-der-Ostmark.jpg 1521w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/B\u00fccher-der-Ostmark-214x300.jpg 214w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/B\u00fccher-der-Ostmark-729x1024.jpg 729w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/B\u00fccher-der-Ostmark-107x150.jpg 107w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><br \/>\nDer Anschlu\u00df machte sich im \u00f6sterreichischen Verlagswesen nicht nur in dieser Form bemerkbar. Auch arische Verlage mu\u00dften ihre \u201enationale\u201c Farbe herausstreichen. Am Beispiel E.P. Tals aus dem Jahre 1935 (s. S. 332 ff.) konnten wir sehen, wie gesch\u00e4ftssch\u00e4digend Ger\u00fcchte in der Buchbranche sein konnten. Um nun sch\u00e4digende Ger\u00fcchte aus der Welt zu schaffen, f\u00fchlten sich zwei \u00f6sterreichische Verleger gezwungen, den deutschen Buchhandel \u00fcber ihre Rassenherkunft aufzukl\u00e4ren. Der eine Fall ereignete sich knapp zwei Monate vor dem \u201eAnschlu\u00df\u201c. Ein weiteres prominentes Opfer der neuen Zeit war der Bermann-Fischer Verlag, wobei man sagen kann, da\u00df in der Wahl von Alfred B\u00f6hme, der gleich auch den Herbert Reichner Verlag zugeschanzt bekam, jemand \u201eentsendet\u201c wurde, der \u00fcber Mindestkenntnisse hinsichtlich der F\u00fchrung eines (mittelgro\u00dfen)Verlags verf\u00fcgte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn10;\" href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"reference\">[10]<\/span><\/a> In manchen F\u00e4llen kamen Verlagskommissare aus v\u00f6llig anderen Branchen. Vielmehr ist aus belegbaren F\u00e4llen ersichtlich, da\u00df &#8211; so lange Austronazis das Sagen hatten und die reichsdeutsche (Kammer-)Gesetzgebung noch nicht in Kraft war &#8211; ausschlie\u00dflich die Parteimitgliedschaft zur NSDAP ma\u00dfgebend war. Nach einer Gesch\u00e4ftsanzeige im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>stand der Bermann-Fischer Verlag \u201eseit dem 18. M\u00e4rz 1938 unter kommissarischer Leitung\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn11;\" href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><span class=\"reference\">[11]<\/span><\/a><\/p>\n<p class=\"zitat\"><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Bermann-Fischer-kommissarische-Leitung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-872\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Bermann-Fischer-kommissarische-Leitung.jpg\" alt=\"Bermann Fischer kommissarische Leitung\" width=\"400\" height=\"527\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Bermann-Fischer-kommissarische-Leitung.jpg 1210w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Bermann-Fischer-kommissarische-Leitung-228x300.jpg 228w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Bermann-Fischer-kommissarische-Leitung-778x1024.jpg 778w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Bermann-Fischer-kommissarische-Leitung-114x150.jpg 114w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a> (B\u00f6rsenblatt, Nr. 14, 18.1.1938)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Swoboda, der ein ungeheuer florierendes Unternehmen f\u00fchrte, sich vom j\u00fcdischen Gr\u00fcnder und ehemaligen Inhaber Felix Speidel distanzieren wollte, gab der Wiener Verlagsbuchh\u00e4ndler und Antiquar Franz Deuticke kurz nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c in einer <em>B\u00f6rsenblatt-<\/em>Anzeige ausdr\u00fccklich an, da\u00df seine Firma seit ihrer Gr\u00fcndung in arischem Besitz sei und \u201eniemals einen j\u00fcdischen Gehilfen oder Angestellten besch\u00e4ftigt hat\u201c (Nr. 67, 21. M\u00e4rz 1938, S. 1.550).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Swoboda.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1124\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Swoboda.jpg\" alt=\"Swoboda\" width=\"400\" height=\"442\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Swoboda.jpg 1489w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Swoboda-271x300.jpg 271w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Swoboda-926x1024.jpg 926w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Swoboda-136x150.jpg 136w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Deuticke.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1125\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Deuticke.jpg\" alt=\"Deuticke\" width=\"400\" height=\"283\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Deuticke.jpg 1507w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Deuticke-300x213.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Deuticke-1024x726.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Deuticke-212x150.jpg 212w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Deuticke-150x106.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mit Riesenlettern \u201eDeutschland wir glaubten an dich\u201c wurden gleicherweise die \u201eKampfgedichte aus Deutsch\u00f6sterreichs Not-, Verbots- und Befreiungszeit\u201c von einem Gottfried Nickl angek\u00fcndigt: Wie etliche Verleger feierte Leopold Stocker in Graz ausgiebiger die \u201eHeimkehr \u00d6sterreichs ins Reich\u201c und pries eine Reihe von seinen B\u00fcchern an, die zeitweise in \u00d6sterreich bis zum 13. M\u00e4rz nicht vertrieben werden durften. Besonders hervorgehoben wurden die Werke des Ober\u00f6sterreichers Karl Itzinger (1888-1948). Um einen Eindruck von der neuen-alten Verlagslinie Stockers zu gewinnen, hier eine Kostprobe aus der betreffenden Anzeige:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Heimkehr-\u00d6s-ins-Reich.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1126\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Heimkehr-\u00d6s-ins-Reich.jpg\" alt=\"Heimkehr \u00d6s ins Reich\" width=\"400\" height=\"541\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Heimkehr-\u00d6s-ins-Reich.jpg 1559w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Heimkehr-\u00d6s-ins-Reich-222x300.jpg 222w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Heimkehr-\u00d6s-ins-Reich-757x1024.jpg 757w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Heimkehr-\u00d6s-ins-Reich-111x150.jpg 111w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"zitat\">Mit Riesenlettern &#8222;Deutschland wir glaubten an dich&#8220; wurden gleicherweise die &#8222;Kampfgedichte aus Deutsch\u00f6sterreichs Not-, Verbots- und Befreiungszeit&#8220; von einem Gottfried Nickl angek\u00fcndigt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Aus diesen illegalen Gedichten spricht der Ostmark gl\u00e4ubige Sehnsucht und entschlossener Wille zur Einheit im Gro\u00dfdeutschen Reiche, revolution\u00e4rer Trutz um deutsche Freiheit, Kampf gegen Volksverrat, unersch\u00fctterliche Treue zum deutschen Volke trotz Verbot und Not, Liebe zum F\u00fchrer, dem Einiger und Befreier der deutschen Nation.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Jeder deutsche Buchh\u00e4ndler m\u00f6ge es sich zur Aufgabe machen, dieses einzigartige Buch weitest zu verbreiten, das ein treudeutscher Bekenntnis ist und Gr\u00fc\u00dfe der befreiten Ostmark an alle deutsche Volksgenossen vermittelt.<\/p>\n<p>Mittels dieses Buches wollte der treudeutsche Grazer Verleger auch noch \u201eGr\u00fc\u00dfe der befreiten Ostmark an alle deutsche Volksgenossen vermittelt\u201c wissen (ebda.). Etwas weniger deutschnational und eher mit \u201eheimatlicher\u201c Note reagierte der Grazer Styria Verlag auf die neue Zeit:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Das-\u00f6sterr.-Wanderbuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1127\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Das-\u00f6sterr.-Wanderbuch.jpg\" alt=\"Das \u00f6sterr. Wanderbuch\" width=\"400\" height=\"515\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Das-\u00f6sterr.-Wanderbuch.jpg 1017w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Das-\u00f6sterr.-Wanderbuch-233x300.jpg 233w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Das-\u00f6sterr.-Wanderbuch-796x1024.jpg 796w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Das-\u00f6sterr.-Wanderbuch-117x150.jpg 117w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><br \/>\nDer erst k\u00fcrzlich in das Gesch\u00e4ft mit der Belletristik eingestiegene Verlag Carl Fromme, der nun v\u00f6lkisch-anbiedernd Eduard Castles <em>Geschichte der deutschen Literatur in \u00d6sterreich-Ungarn <\/em>anbot, stellte seine Werbung auch entsprechend um:<\/p>\n<p class=\"zitat\"><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/\u00d6sterreichische-Dichter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1129\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/\u00d6sterreichische-Dichter.jpg\" alt=\"\u00d6sterreichische Dichter\" width=\"400\" height=\"206\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/\u00d6sterreichische-Dichter.jpg 1475w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/\u00d6sterreichische-Dichter-300x154.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/\u00d6sterreichische-Dichter-1024x527.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/\u00d6sterreichische-Dichter-250x129.jpg 250w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/\u00d6sterreichische-Dichter-150x77.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><br \/>\nDer b\u00e4uerlich-deutschnationale \u201eVerlag \u201aDas Bergland-Buch\u2019\u201c in Salzburg kaufte gar Anzeigenraum in der Wiener Ausgabe des <em>V\u00f6lkischen Beobachters <\/em>am 20. M\u00e4rz 1938 (S. 23), um seine Linie klarzumachen. Da liest man:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Das nationale Kampfblatt: \u201eSALZBURGER VOLKSBLATT\u201c<br \/>\nDer nationale Verlag: \u201eDAS BERGLAND-BUCH\u201c, Salzburg<\/p>\n<p>Aber dieses Hervorheben, vielmehr das Unterstreichen des \u201eNationalen\u201c aus gegebenem Anla\u00df, trieb auch seine Bl\u00fcten. Ein Beispiel, das nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik entbehrt, liefert der berechtigte \u201eAmonesta-Verlag\u201c, der mit einem noch ber\u00fcchtigteren \u201eVerlag f\u00fcr Kulturforschung Amonesta &amp; Co.\u201c liiert war. In einem eindeutigen Kniefall vor den Machthabern im jungen christlich-deutschen St\u00e4ndestaat hatte Amonesta im Jahre 1933 zur 250-Jahrfeier der T\u00fcrkenbefreiung und zum gro\u00dfen Katholikentag \u201eEin(en) Starhemberg-Roman aus der T\u00fcrkenzeit\u201c (Untertitel) von Erwin Weill mit dem Titel<em> Gottes Bollwerk <\/em>herausgebracht. Werbung daf\u00fcr: \u201e\u00d6sterreichische Buchh\u00e4ndler, helfet mit, \u00f6sterreichische B\u00fccher ins Volk zu tragen!\u201c <em>(Anzeiger, <\/em>74. Jg., Nr. 31, 19. August 1933, S. 135). Und entgegen allen kaufm\u00e4nnischen Gepflogenheiten betrieb Amonesta auch noch Kundenwerbung unter den Lehrern in \u00f6sterreichischen Schulen, um dem \u201evaterl\u00e4ndischen Gedanken\u201c besonders zu dienen. Das brachte Amonesta damals mit dem BM f\u00fcr Unterricht, dem Magistrat der Stadt Wien und vor allem mit der Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler in Konflikt. Etwa einen Monat nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c war eine Werbeschrift der Amonesta-Buchhandlung den <em>Wiener<\/em> <em>Neuesten Nachrichten <\/em>beigelegt worden, in der sie sich pl\u00f6tzlich als die \u201e\u00e4lteste nationale Buchhandlung Wiens\u201c ausgab. Neben den \u201ewichtigsten B\u00fcchern\u201c aus dem Zentralverlag der NSDAP bot Amonesta seinen Kunden \u201edie unerreichte, lebenswahre Bildnisb\u00fcste\u201c des F\u00fchrers und Reichskanzlers Adolf Hitler. \u201eDieses Kunstwerk geh\u00f6rt in jedes deutsche Haus, es bildet den richtigsten Schmuck aber nicht nur des Heimes, sondern auch jedes Arbeitszimmers.\u201c Es sei dies schlie\u00dflich: \u201eDas sinnreichste Geschenk, welches Sie sich selbst und anderen machen k\u00f6nnen.\u201c Und man konnte es gar auf Raten kaufen &#8230; Der Buchh\u00e4ndlerverein wurde auf diese Umst\u00e4nde durch einen NS-Konkurrenten aufmerksam gemacht. Der kommissarische Leiter fand die Bezeichnung \u201e\u00e4lteste nationale Buchhandlung Wiens\u201c \u201eunstatthaft\u201c und forderte Amonesta auf, diese bei einer Neuauflage wegzulassen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn12;\" href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><span class=\"reference\">[12]<\/span><\/a> Wie wir an sp\u00e4terer Stelle sehen werden, war diese Werbeepisode nur der Anfang vom Ende f\u00fcr den Katholiken Amonesta.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> 3. Die Standesvertretung nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c<\/h3>\n<p>Am 13. oder 14. M\u00e4rz 1938 schickte der \u201e\u00f6sterreichische Buchhandel\u201c ein Telegramm an den \u201eLeiter des deutschen Buchhandels\u201c, Pg. Wilhelm Baur, mit folgendem Inhalt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">B\u00f6rsenblatt f\u00fcr den Deutschen Buchhandel<\/p>\n<p class=\"zitat\">Nr. 62 (Nr. 31) Leipzig, Dienstag den 15. M\u00e4rz 1938, 105. Jg.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Telegrammwechsel zwischen dem \u00f6sterreichischen Buchhandel und dem Leiter des deutschen Buchhandels<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der \u00f6sterreichische Buchhandel hat an den Leiter des deutschen Buchhandels telegraphiert:<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u201eIn diesen geschichtlich bedeutungsvollen Tagen bekennt sich der deutsche Buchhandel der Ostmark zu seiner trotz Grenzen und \u00e4u\u00dferer Hemmnisse niemals unterbrochenen engsten inneren Verbundenheit mit dem ganzen Buchhandels des Deutschen Reiches und begr\u00fc\u00dft Sie als Vorsteher in freudiger Erwartung der nun bald m\u00f6glich werdenden v\u00f6lligen Vereinigung.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Sieg Heil dem gro\u00dfdeutschen Buchhandel!<\/p>\n<p class=\"zitat\">Frick, Dr. Morawa, Peters, Wiedling\u201c<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Leiter des deutschen Buchhandels hat mit folgendem Telegramm erwidert:<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u201eIch danke Ihnen f\u00fcr Ihr Telegramm und begr\u00fc\u00dfe den Buchhandel der deutschen Ostmark aufs herzlichste innerhalb unseres gro\u00dfdeutschen Reiches. Ich wei\u00df, da\u00df der Buchhandel Deutsch-\u00d6sterreichs in Zukunft in engster Verbundenheit mit den \u00fcbrigen deutschen Kameraden an dem unter F\u00fchrung Adolf Hitlers stehenden nationalsozialistischen Reich mitarbeiten wird.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Heil Hitler!<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wilhelm Baur, Leiter des deutschen Buchhandels<\/p>\n<p class=\"zitat\">Mitteilung des Leiters des deutschen Buchhandels<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Leiter des deutschen Buchhandels, Hauptamtsleiter Wilhelm Baur, hat zwecks Kl\u00e4rung der durch die Ereignisse bedingten Lage seinen Stellvertreter, Herrn Verlagsbuchh\u00e4ndler Martin W\u00fclfing, M.d.R., nach Wien entsandt.<\/p>\n<p class=\"zitat\">In seine Begleitung befinden sich der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des B\u00f6rsenvereins Herr Dr. He\u00df und Herr R. B\u00f6hmler.<\/p>\n<p>Unterschrieben wurde das Telegramm von Wilhelm Frick, Emmerich Morawa, Lambert Peters und Walter Wiedling &#8211; Herren, die wir bereits in Zusammenhang mit dem Verlagsf\u00f6rderungsfonds kennengelernt haben. Da\u00df es diese vier Herren waren, erkl\u00e4rt sich daraus, da\u00df sie im Zuge der Umwandlung des ehemaligen \u201eVereins\u201c in die \u201eZwangsgilde\u201c im J\u00e4nner 1937 zu Mitgliedern der Fachgruppe \u201eB\u00f6rsenverein\u201c berufen wurden.<\/p>\n<p>In seiner Erwiderung wu\u00dfte Hauptamtsleiter Baur, \u201eda\u00df der Buchhandel Deutsch-\u00d6sterreichs in Zukunft in engster Verbundenheit mit den \u00fcbrigen deutschen Kameraden an dem unter F\u00fchrung Adolf Hitlers stehenden nationalsozialistischen Reich mitarbeiten wird\u201c. (ebda.) Als ob er nun eine andere Wahl gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Und um sicher zu gehen, da\u00df dies auch gesch\u00e4he, d.h. \u201ezwecks Kl\u00e4rung der durch die Ereignisse bedingten Lage\u201c, entsandte Baut seinen Stellvertreter, Martin W\u00fclfing, zusammen mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des B\u00f6rsenvereins Albert He\u00df und R. B\u00f6hmler nach Wien.<\/p>\n<p>Die Heimkehr ins ersehnte Reich lie\u00df nicht nur Frick, Morawa und Co. zur Feder greifen. Auch \u201eunsere \u00f6sterreichischen Berufskameraden\u201c taten Gleiches in den Tagen nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c. Diese \u201eStimmen aus \u00d6sterreich zur Wiedervereinigung mit dem Reich\u201c lie\u00df die Gesch\u00e4ftsleitung des <em>B\u00f6rsenblatts <\/em>den B\u00f6rsenvereinsmitgliedern auch nicht entgehen. Hier kurze Ausz\u00fcge aus den zwei Dutzend ver\u00f6ffentlichten, leider nicht identifizierten \u201eStimmen aus \u00d6sterreich\u201c:<\/p>\n<p class=\"zitat\">B\u00f6rsenblatt f\u00fcr den Deutschen Buchhandel, Nr. 70 (Nr. 35) Leipzig, Donnerstag den 24. M\u00e4rz 1938, 105. Jg.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Stimmen aus \u00d6sterreich zur Wiedervereinigung mit dem Reich<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der herrliche Traum deutscher Geschlechter durch die Jahrhunderte: \u201eEin Volk \u2013 ein Reich \u2013 ein F\u00fchrer\u201c ist durch die Tat Adolf Hitlers stolze, unverg\u00e4ngliche Tatsache geworden. Mit welch tiefer Ergriffenheit und mit welch herzlicher Freunde der deutsche Buchh\u00e4ndler in \u00d6sterreich an diesem gewaltigen Ereignis teilgenommen hat, beweisen die nachstehenden Ausz\u00fcge aus Briefe unserer \u00f6sterreichischen Berufskameraden.<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u201eEs ist f\u00fcr uns ein begl\u00fcckendes Gef\u00fchl, nun auch zum Deutschen Reich zu geh\u00f6ren, womit so pl\u00f6tzlich ein jahrehundertlanger Wunsch in Erf\u00fcllung gegangen ist, wof\u00fcr ungez\u00e4hlte Tausende Deutsche in \u00d6sterreich durch Generationen gek\u00e4mpft haben. Und Adolf Hitler, unser Landsmann, f\u00fchrte uns so unerwartet heim ins Reich! Sie k\u00f6nnen sich kaum eine Vorstellung machen, welcher Jubel und welche st\u00fcrmende Freude in \u00d6sterreich \u00fcber diese Tat herrscht! Wir k\u00f6nnen es noch gar nicht recht glauben, da\u00df es Wahrheit geworden ist\u201c.<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u201eSchade, da\u00df Deutschland diese Tage in \u00d6sterreich nur durch den Rundfunk miterleben konnte! Das grenzenlose Vertrauen zu Adolf Hitler hat den \u00f6sterreichischen Nationalsozialismus auch w\u00e4hrend eines schrecklichen f\u00fcnfj\u00e4hrigen Kampfes aufrechterhalten und gest\u00e4rkt. Und nun ist der Erfolg da, der uns noch selbst wie ein M\u00e4rchen anmutet.<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u201eDie Angestellten des Verlages geben ihrer Freude Ausdruck, da\u00df das deutsche Volk nunmehr in einem Reiche vereinigt ist und wir nicht nur \u00d6sterreicher, sondern vor allem auch Deutsche sein k\u00f6nnen. Der uns viele Jahre qu\u00e4lende Druck ist nun von uns genommen und wir hoffen, da\u00df sich unsere Volksgenossen in Ihrem Hause mit uns freuen. Allen dortigen Angestellten, haupts\u00e4chlich jenen, die unmittelbar mit uns arbeiteten, ein herzliches \u201aHeil Hitler\u2019.\u201c<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u201eSie glauben nicht welche Tage der Begeisterung wir in der letzten Zeit erlebt haben und noch immer k\u00f6nnen wir es nicht fassen, da\u00df f\u00fcr alle Zeit der b\u00f6se Druck von uns genommen ist. Mit Staunen sieht man, wie ungeheuer rasch sich das Stra\u00dfenbild ge\u00e4ndert hat, es gibt endlich wieder fr\u00f6hliche Gesichter.\u201c<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u201eSie k\u00f6nnen \u00fcberzeugt sein, da\u00df wir alle in \u00d6sterreich froh und gl\u00fccklich sind, da\u00df diese Vereinigung mit dem gro\u00dfen Deutschen Reich endlich erfolgt ist und das Sch\u00f6nste daran ist, da\u00df alles so glatt und rasch gegangen ist. Es war ein gro\u00dfes, noch nie dagewesenes geschichtliches Ereignis!\u201c<\/p>\n<p>Das steht wohl heute noch au\u00dfer Zweifel, nur, da\u00df nicht alle \u201efroh und gl\u00fccklich\u201c waren, werden wir sp\u00e4ter sehen.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading4\"><\/a> a) Die Zwangsgilde unter kommissarischer Verwaltung<\/h4>\n<p>In den Tagen nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c h\u00f6rte die \u201eZwangsgilde der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler\u201c, auf zu existieren. Die letzte Folge des <em>Anzeigers <\/em>(Umfang wie gew\u00f6hnlich 4 Seiten) war am 8. M\u00e4rz erschienen. Er erschien wieder am 28. M\u00e4rz, aber nicht mehr als \u201eOrgan des Vereines \u00d6sterreichischer Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler\u201c, sondern als \u201eMitteilungsblatt des Kommissarischen Leiters der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler\u201c. Inzwischen war der Buchh\u00e4ndler Karl Berger \u201evon der Buchkaufmannschaft mit der kommissarischen Leitung des Buch-, Kunst- und Musikalienhandels in Deutsch\u00f6sterreich betraut\u201c worden. Wie diese Betrauung vor sich ging, lie\u00df sich nicht genau ermitteln, da\u00df er aber mit dem Posten betraut wurde, ist einleuchtend. Im Gegensatz zu den vier Telegrammverfassern, die nicht bzw. noch nicht NSDAP-Mitglieder oder zumindest bereits \u201eAnw\u00e4rter zur NSDAP\u201c waren, war Karl Berger bereits am 1. Oktober 1932 nach Aufl\u00f6sung der Gro\u00dfdeutschen Volkspartei der damals noch \u201elegalen\u201c NSDAP beigetreten. (Seit J\u00e4nner 1934 war er zugleich Mitglied der Vaterl\u00e4ndischen Front.)<\/p>\n<p>Nachdem Berger am 19. M\u00e4rz die Gesch\u00e4fte aufnahm, appellierte er an die \u201eDeutsch\u00f6sterreichischen Volks- und Fachgenossen\u201c um Unterst\u00fctzung:<\/p>\n<p class=\"zitat\">ANZEIGER f\u00fcr den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel<\/p>\n<p class=\"zitat\">79. Jahrgang<\/p>\n<p class=\"zitat\">28. M\u00e4rz 1938<\/p>\n<p class=\"zitat\">Deutsch\u00f6sterreichische Volks- und Fachgenossen!<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der deutsche Buchhandel in \u00d6sterreich begr\u00fc\u00dft mit aufrichtiger Freude das Werden Gro\u00dfdeutschlands, das ihm eine bessere Zukunft er\u00f6ffnet. Er tritt nunmehr in die Reihen der Kameraden des gro\u00dfen deutschen Vaterlandes, um mit ihnen als Vermittler echter deutscher Kultur zu arbeiten. Haben wir bisher oft unter schwierigen Verh\u00e4ltnissen die Zusammenarbeit mit dem B\u00f6rsenverein aufrecht erhalten, so werden wir nunmehr als Glied des deutschen Buchhandels in eine wohlgeordnete Organisation eintreten, die das Vertrauen eines jeden deutschen Buchh\u00e4ndlers und Verlegers in \u00d6sterreich hat. Unser Blick ist in die Zukunft gerichtet: Da\u00df diese Zukunft eine bessere werde, daf\u00fcr wollen und m\u00fcssen alle arbeiten, die dazu berufen sein werden.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir begr\u00fc\u00dfen in dem Leiter des deutschen Buchhandels P.G. Wilhelm Baur unseren neuen F\u00fchrer und geloben ihm treue unbedingte Gefolgschaft. Er hatte schon immer f\u00fcr den Buchhandel der Ostmark Verst\u00e4ndnis gezeigt und wird uns bei der Erf\u00fcllung unserer Aufgabe ein treuer Helfer sein.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Heimkehr ins Reich ist uns Freude und Verpflichtung zugleich. Wir wissen, da\u00df im Reiche Adolf Hitlers dem Buchhandel ein gro\u00dfes Arbeitsfeld gegeben ist, das zu erf\u00fcllen unsere oberste Aufgabe ist. Es ist noch zu fr\u00fch, \u00fcber organisatorische Fragen zu reden. Da\u00df diese bald kommen und mit nationalsozialistischer Gr\u00fcndlichkeit durchgef\u00fchrt werden, ist selbstverst\u00e4ndlich. Einzelheiten stehen aber noch aus, sie werden zeitgerecht verlautbart werden.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Eine neue Zeit ist angebrochen. Der Buchhandel in \u00d6sterreich tritt in eine wohlgef\u00fcgte Gemeinschaft ein, die unter nationalsozialistischer F\u00fchrung berufen ist, ihm den Weg in eine bessere Zukunft zu zeigen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Heil Hitler!<\/p>\n<p class=\"zitat\">Karl Berger<\/p>\n<p class=\"zitat\">Kommissarischer Leiter.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading5\"><\/a> b) Volksabstimmung<\/h4>\n<p>Es galt nun eine Reihe von organisatorischen Ma\u00dfnahmen zu treffen und eine S\u00e4uberung des Buch- und Verlagsbuchhandels in Angriff zu nehmen. So wurden die \u201evolksbewu\u00dften Fachgenossen\u201c in \u00d6sterreich aufgefordert, \u201esich voll und ganz in den Dienst der Volksabstimmung [am 10. April] zu stellen Berger ersuchte seine Gleichgesinnten,<\/p>\n<p class=\"zitat\">ein Sonderschaufenster mit Blumen und Bildschmuck bis sp\u00e4testens 4. April d. J. einzurichten, ferner f\u00fcr das reichhaltige Schrifttum der NSDAP und ihrer Gliederungen in besonderem Ma\u00dfe zu werben. (<em>Anzeiger, <\/em>Nr. 6, 28. M\u00e4rz 1938, S. 32)<\/p>\n<p>Einen Gestaltungsvorschlag f\u00fcr ein reines \u201eWahlfenster\u201c lieferte das <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>am 31. M\u00e4rz:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaufenster.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1131\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaufenster.jpg\" alt=\"Schaufenster\" width=\"400\" height=\"336\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaufenster.jpg 1426w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaufenster-300x252.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaufenster-1024x861.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaufenster-178x150.jpg 178w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaufenster-150x126.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><br \/>\n\u201eBisher verboten\u201c (8 Titel), \u201eFerner empfehlen wir:\u201c (16 Titel, darunter Fellner<em>, Deutschland in uns. Bekenntnis und Aufruf aus \u00d6sterreich;<\/em> ders.:<em> Wie es kommen sollte&#8230; Dokumentarische Belege \u00fcber den Verrat Schuschniggs, <\/em>sowie: Kernmayer, <em>Ein Volk kehrt heim<\/em>) und schlie\u00dflich \u201eBesonders wichtig:\u201c (mit 18 \u201eHitler-Gesetzen\u201c). Etwas mehr als drei Wochen nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c wurde Emmerich Morawa vom kommissarischen Leiter der \u00f6sterreichischen Pressekammer zum \u201eUnterbevollm\u00e4chtigten f\u00fcr die in der Fachgruppe III der Zwangsgilde der Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler zusammengefa\u00dften Vertriebsorganisationen (Zeitungsgrossisten, Lesezirkelbesitzer und werbende Zeitschriftenh\u00e4ndler)\u201c bestellt.Zu denen, die bereit waren, f\u00fcr das reichhaltige Schrifttum der NSDAP, ihrer Gliederungen usw. \u201ein besonderem Ma\u00dfe\u201c zu werben, geh\u00f6rte die Buchhandlung Morawa &amp; Co. in der Wollzeile. In der zweiten und letzten Folge des <em>Anzeigers <\/em>nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c kaufte Morawa eine volle Inseratenseite, um \u201ezeitgem\u00e4\u00dfe B\u00fccher\u201c anzupreisen. Diese Angebote wurden in drei geteilt:<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading6\"><\/a> c) B\u00fccherbeschlagnahmen<\/h4>\n<p>Nach seiner Amts\u00fcbernahme hat Berger Verhandlungen \u201emit den ma\u00dfgeblichen Stellen\u201c eingeleitet, \u201eum eine einheitliche Regelung f\u00fcr die jetzt vom Vertrieb auszuschaltenden Werke herbeizuf\u00fchren\u201c. Wie bei den kommissarischen Verwaltern scheint auch in der \u201eS\u00e4uberung\u201c des unerw\u00fcnschten Schrifttums zun\u00e4chst l\u00e4ngere Zeit keine Klarheit geherrscht zu haben. Dennoch meinte Berger als \u201eselbstverst\u00e4ndlich\u201c vorausschicken zu k\u00f6nnen, \u201eda\u00df die deutsch\u00f6sterreichischen Fachgenossen jetzt schon solche Werke, die als in nationaler oder kultureller Hinsicht zersetzend und verhetzend anzusehen sind, aus dem Vertrieb ausschalten sowie aus den Schaufenstern sofort entfernen\u201c. (<em>Anzeiger<\/em>, Nr. 6, 28. M\u00e4rz 1938, S. 32) Die Sicherstellung des gegnerischen, sch\u00e4dlichen und unerw\u00fcnschten Schrifttums erfolgte in den Stunden und Tagen nach dem 13. M\u00e4rz. Zun\u00e4chst haben &#8211; offensichtlich ohne R\u00fccksprache mit Karl Berger &#8211; SA, SS und Gliederungen der Partei bei Buchhandlungen und Verlagen Schrifttum ausger\u00e4umt und nach vier Stellen abtransportiert.<a style=\"mso-footnote-id: ftn13;\" href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><span class=\"reference\">[13]<\/span><\/a> Es handelte sich dabei um mehr als zwei Millionen B\u00e4nde. Die Frage der Zust\u00e4ndigkeit in dieser Frage war weder im Herbst dieses Jahres noch im M\u00e4rz 1939 v\u00f6llig gekl\u00e4rt. Statt dessen wurde der lange Machtkampf zwischen Goebbels, dem Reichsminister f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda, und Alfred Rosenberg, dem Beauftragten des F\u00fchrers f\u00fcr die \u00dcberwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP, prolongiert. Ohne sich um die Kompetenzen zu k\u00fcmmern, hatte Goebbels\u2019 \u201eParteiamtliche Pr\u00fcfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums. Reichsleitung der NSDAP\u201c in Wien eine Nebenstelle unter der Leitung von Dr. Lothar K\u00fchne errichtet, und dieser hatte mit der Erfassung des sichergestellten Schrifttums begonnen. Im Februar 1939 schrieb Rosenberg an den \u201eStellvertreter des F\u00fchrers\u201c, um sich \u00fcber die T\u00e4tigkeit der Kommission in Wien heftig zu beschweren. Er erblickte in den Methoden der Parteiamtlichen Pr\u00fcfungskommission \u201eeine Sch\u00e4digung des Ansehens der Partei im h\u00f6chsten Ma\u00dfe\u201c und verlangte, da\u00df sie \u201emit sofortiger Wirkung\u201c liquidiert werde.<a style=\"mso-footnote-id: ftn14;\" href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><span class=\"reference\">[14]<\/span><\/a> \u201eDie Ma\u00dfnahmen\u201c, schreibt Rosenberg weiters, \u201edie Pg. K\u00fchne von der Parteiamtlichen Pr\u00fcfungskommission in Wien ergriffen hat, verfolgen den Zweck, den mir vom F\u00fchrer pers\u00f6nlich erteilten Auftrag herabzusetzen und bei staatlichen Stellen unm\u00f6glich zu machen\u201c (ebda.). Allem Anschein nach hatten die deutsch-\u00f6sterreichischen Fachgenossen, wie sie Berger nannte, \u00fcberhaupt nichts zu sagen gehabt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zeitgem\u00e4\u00dfe-B\u00fccher.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1133\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zeitgem\u00e4\u00dfe-B\u00fccher.jpg\" alt=\"Zeitgem\u00e4\u00dfe B\u00fccher\" width=\"400\" height=\"563\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zeitgem\u00e4\u00dfe-B\u00fccher.jpg 1551w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zeitgem\u00e4\u00dfe-B\u00fccher-213x300.jpg 213w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zeitgem\u00e4\u00dfe-B\u00fccher-728x1024.jpg 728w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zeitgem\u00e4\u00dfe-B\u00fccher-107x150.jpg 107w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading7\"><\/a> d) Kommissarische Leitung und Vertrauensm\u00e4nner<\/h4>\n<p>Karl Berger, der nicht als Beauftragter der RSK agierte, wurde als Kassenverwalter dem Vertrauensmann des B\u00f6rsenvereins und \u00f6sterreichischen Pg. (seit 1933) Rudolf Bayer (11.12.1873, Wien &#8211; 3.2.1947, ebda.) als Berater zur Seite gestellt. Mit der kommissarischen Leitung der Gesch\u00e4ftsstelle wurde Dr. Karl Zartmann (17.3.1911 &#8211; 7.6.1983) betraut. Zartmann war Vertrauensmann der RSK in Berlin, war aber bis zur praktischen Aufl\u00f6sung der kommissarischen Leitung Ende Juli 1938 Berger untergeordnet \u2013 zumindest laut \u201eKanzleiordnung\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn15;\" href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><span class=\"reference\">[15]<\/span><\/a> Zartmann war nebenbei Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der RSK, Landesleitung \u00d6sterreich, Fachschaft Buchhandel, in die die \u201eZwangsgilde\u201c aufging. Es gab mehrere personelle Umbesetzungen. Dr. Sigmund Wisloschill (\u2020 26.5.1945), der bisherige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bzw. Syndikus des \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhandels, wurde von seinem Posten, den er seit dem Jahre 1921 innehatte, entfernt, jedoch blieb er in seiner Funktion als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer innerhalb des Verlagsf\u00f6rderungsfonds. Wiewohl Berger pflichtgem\u00e4\u00df Wisloschills \u201eVerdienste\u201c im <em>Anzeiger <\/em>w\u00fcrdigte, d\u00fcrften weltanschauliche Differenzen zu dieser K\u00fcndigung gef\u00fchrt haben. Nach au\u00dfen hin hie\u00df es freilich anders: \u201eEs er\u00fcbrigt sich wohl, darauf hinzuweisen, da\u00df das Dienstverh\u00e4ltnis in vollstem Einvernehmen gel\u00f6st wurde.\u201c (Nr. 6, 28. M\u00e4rz 1938, S. 32) Wenn aber das Gegenteil nicht der Fall gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte sich dieser Hinweis tats\u00e4chlich er\u00fcbrigt. Im Altreich bei der RSK bestanden gegen Wisloschill \u201eberechtigte politische Bedenken\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn16;\" href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><span class=\"reference\">[16]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Zu den vorhin erw\u00e4hnten personellen Umbesetzungen kamen weitere Neuernennungen hinzu, eben um Buchhandel und Verlagswesen in \u201everl\u00e4\u00dfliche H\u00e4nde\u201c \u00fcberzuleiten. So verschickte der \u201ekommissarische Leiter des deutsch\u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhandels\u201c, Karl Berger, am 31. M\u00e4rz acht fast gleichlautende Schreiben an Verleger bzw. Buchh\u00e4ndler in den acht Bundesl\u00e4ndern, in denen er den jeweiligen Adressaten \u201ezum Vertrauensmann f\u00fcr K\u00e4rnten\u201c, f\u00fcr Salzburg usw. ernannte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn17;\" href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><span class=\"reference\">[17]<\/span><\/a> In diesen Schreiben wurde dem Adressaten von Berger empfohlen, einen oder mehrere Pgs. \u201ein meinem Auftrage zur Mitarbeit heranzuziehen\u201c. Zum \u201eVertrauensmann f\u00fcr Steiermark\u201c wurde der Verleger Leopold Stocker ernannt und zu dessen \u201eMitarbeiter\u201c ein Pg. bei der Leykam Druckerei empfohlen. F\u00fcr diese Vertrauensm\u00e4nner der Bundesl\u00e4nder stand eine wichtige Aufgabe bevor:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die vordringlichste Arbeit ist zun\u00e4chst, in k\u00fcrzester Zeit, l\u00e4ngstens in 8 Tagen, <em>die arischen buchh\u00e4ndlerischen Betriebe <\/em>Ihres Bereiches einwandfrei festzustellen u. zw. auf Grund des Ihnen bereits bekannten vorl\u00e4ufigen Fragebogens, den Sie in der f\u00fcr Ihren Bereich ben\u00f6tigten Anzahl sofort, event. fernsprechamtl. von der Gesch\u00e4ftsstelle anfordern wollen.<br \/>\nDie jeweils bei Ihnen einlangenden, ausgef\u00fcllten Fragebogen wollen Sie mir dann in 3 Sammelsendungen von je 3 Tagen zugehen lassen, sie werden schon die Unterlagen f\u00fcr die Vorarbeiten in die Reichsschrifttums- bezw. anderen Kammern bilden.<br \/>\nIch und meine Mitarbeiter sind mit Arbeit \u00fcberlastet, wir leisten sie aber freudigen Herzens, was ich auch von Ihnen erwarte.<br \/>\nMit \u201eHeil Hitler\u201c<br \/>\nDer kommissarische Leiter.<br \/>\nNB. Eine Liste der j\u00fcdischen buchh\u00e4ndlerischen Betriebe ist mitzusenden.<\/p>\n<p>In Wien, wo die meisten Buchhandlungen und Verlage angesiedelt waren, gab es nicht blo\u00df einen Vertrauensmann, sondern bezirksweise bis zu einem halben Dutzend.<a style=\"mso-footnote-id: ftn18;\" href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><span class=\"reference\">[18]<\/span><\/a> Welchen Einflu\u00df diese Personen in der Bestellung von kommissarischen Verwaltern f\u00fcr Buchhandlungen und Verlage hatten, ist nicht gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Die Aufforderung Bergers, Listen der arischen und j\u00fcdischen Betriebe (zwecks Entjudung des Buchhandels und Aufnahme in die RSK) einzusenden, war als Vorarbeit zu verstehen. Das Resultat war eine leider nicht datierte Liste der \u201eNoch zu behandelnde(n) j\u00fcdische(n) Buchhandelsfirmen\u201c. Sie umfa\u00dfte 82 Buchhandlungen und Verlage in Wien sowie zehn \u201ej\u00fcdische Auslieferer\u201c, die in \u201ebodenst\u00e4ndig\u201c und \u201egef\u00e4hrliche Juden\u201c eingeteilt wurden. Nicht alle diese \u201ej\u00fcdischen Buchhandelsfirmen\u201c waren tats\u00e4chlich im Besitz von Juden, und die ausgesprochen dilettantische Ahnenforschung, die z.B. auch telephonisch betrieben wurde, verlief gelegentlich negativ (\u201enichts zu eruieren\u201c) oder brachte \u201egetaufte Juden\u201c oder gar \u201eArier\u201c ans Tageslicht.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><span class=\"reference\">[19]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es wurde zugleich ein Verzeichnis der NSDAP-Mitglieder im Buchhandel und Verlag zusammengestellt.<a style=\"mso-footnote-id: ftn20;\" href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><span class=\"reference\">[20]<\/span><\/a> Die Liste umfa\u00dft 149 Firmen- bzw. Personennamen, die bezirksweise f\u00fcr Wien erfa\u00dft wurden. In vielen F\u00e4llen sind Beitrittsdaten und Mitgliedsnummer der Pgs. vermerkt. Bei Firmen, die vor dem \u201eAnschlu\u00df\u201c den \u201ej\u00fcdischen Betrieben\u201c zuzurechnen waren, ist es meistens ein leitender Angestellter, Prokurist, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer oder Gesellschafter, der als Parteimitglied verzeichnet wird.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading8\"><\/a> e) Probleme<\/h4>\n<p>Nach den Jubeltagen voller Ekstase sah sich der zu \u201eentjudende\u201c deutsch\u00f6sterreichische Buchhandel mit schwierigen Problemen, die \u201eausnahmsweise\u201c nicht die \u201eJuden\u201c, sondern die Annexion mit sich gebracht hatte, konfrontiert. Der kommissarische Leiter Karl Berger n\u00fctzte die Anwesenheit des Reichsministers f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda, Joseph Goebbels, in Wien gegen Ende M\u00e4rz, um an ihn am 29. M\u00e4rz die gro\u00dfe Bitte um Unterst\u00fctzung zu richten, \u201eum die ihnen [den deutsch\u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndlern usw.] durch den Anschlu\u00df \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich entstandenen wirtschaftlichen Sch\u00e4den ertr\u00e4glich zu machen\u201c.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><span class=\"reference\">[21]<\/span><\/a> Die Sch\u00e4den entstanden aus der Preisregelung f\u00fcr reichsdeutsche B\u00fccher in \u00d6sterreich nach dem 13. M\u00e4rz. Der B\u00f6rsenverein strich die Sonderverg\u00fctung, und der Umrechnungsschl\u00fcssel f\u00fcr reichsdeutsche B\u00fccher wurde einseitig gesenkt. Im Zuge der W\u00e4hrungsreform wurde ja der Markwert von 1 RM = 2 Schilling auf 1 RM = 1,50 S herabgesetzt. Diese Ma\u00dfnahme mu\u00dfte sich daher auch in umgekehrter Richtung, also beim Verkauf von \u00f6sterreichischen B\u00fcchern, die man nun in der Relation billiger hergeben mu\u00dfte, auswirken. Hier die Beschreibung Bergers:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der \u00f6sterreichische Verleger und sein Vertreiber der \u00f6sterreichische Buchh\u00e4ndler sind durch die Ab\u00e4nderung der Relation der Mark von eine Mark ist gleich zwei Schilling auf Mark 1.- = S 1.50 wirtschaftlich au\u00dferordentlich schwer getroffen, wobei die Gefahr besteht, da\u00df ein gro\u00dfer Teil der \u00f6sterreichischen Verlage ohne sofortiges Eingreifen seine weitere Produktion sofort einstellen m\u00fc\u00dfte. Die sich hier ergebenden Sch\u00e4den an Lagerverlusten, den Au\u00dfenst\u00e4nden im Reich, Abwicklung der bestehenden Verpflichtungen in ungesch\u00fctzten Kursen sind derart, da\u00df sie ohne sofortiges Eingreifen nicht \u00fcberbr\u00fcckt werden k\u00f6nnen, und so mannigfach, da\u00df wir sie jetzt nicht feststellen k\u00f6nnen.<br \/>\nWir gr\u00fc\u00dfen mit<br \/>\nHeil Hitler!<\/p>\n<p>Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da\u00df die treudeutschen \u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndler und Verleger nach der Episode 1935 mit dem reichsdeutschen Buchdumping nun zum zweiten Mal Opfer ihrer \u201eBefreier\u201c, der Nationalsozialisten im Altreich, geworden waren. Die Schuld konnte man unter diesen Umst\u00e4nden nicht den \u201eJuden\u201c anlasten, aber sie waren &#8211; da die Fachgenossen in \u00d6sterreich ihre Wut an ihren deutschen Berufskollegen nicht auslassen konnten &#8211; dennoch \u201eschuld\u201c. Die unmittelbare Auswirkung dieses Schreibens an Goebbels war, da\u00df Vertreter des \u00f6sterreichischen Buchhandels am 7. April ins Propagandaministerium in Berlin zitiert wurden.<a style=\"mso-footnote-id: ftn22;\" href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><span class=\"reference\">[22]<\/span><\/a> Die \u00f6sterreichische Delegation bestand aus Rudolf Krey (seit September 1939 \u201eAnw\u00e4rter\u201c), Wilhelm Maudrich (Parteimitglied), Emmerich Morawa (seit Juli 1938 \u201eAnw\u00e4rter\u201c), Eugen Swoboda (seit Juni 1938 \u201eAnw\u00e4rter\u201c), O.W. Lechner (Mitgliedschaft nicht bekannt) sowie \u201eHerren von der \u00f6sterreichischen Pressekammer\u201c. Neben dem Vorsitzenden Paul H\u00f6vel von der Wirtschaftsstelle der RSK nahmen auch die Herren He\u00df und Schulz vom B\u00f6rsenverein teil. Die Besprechung war f\u00fcr die \u00f6sterreichischen Delegierten eine v\u00f6llige Pleite. Das Schw\u00e4rmen von jener \u201eengsten inneren Verbundenheit\u201c des ganzen Buchhandels des Deutschen Reichs wich der N\u00fcchternheit, denn die durch den Anschlu\u00df entstandenen Probleme interessierten die deutsche Seite kaum. Im Gegenteil: es wurde diktiert.<\/p>\n<p>Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war laut H\u00f6vel: \u201eEingliederung der \u00f6sterreichischen Verleger ins Buchexportverfahren des Deutschen Reiches.\u201c Hier f\u00fchrte H\u00f6vel f\u00fcnf Punkte als Voraussetzung f\u00fcr die \u00f6sterreichische Teilnahme am 25%igen R\u00fcckverg\u00fctungsverfahren an. Der einzige anwesende \u00f6sterreichische Verleger, Eugen Swoboda (F. Speidel\u2019sche Verlagsbuchhandlung), schilderte eingehend die Situation des \u00f6sterreichischen Verlags und zeigte auf, wie schwierig es sei, einen neuen RM-Ladenpreis zu finden: Der \u00f6sterreichische Verlag verliere unverschuldet an den Au\u00dfenst\u00e4nden im bisherigen Ausland durch den Kurs S 1,50 = RM 1. Setze der Verlag den bisherigen RM-Ladenpreis f\u00fcr das Gesamtreich fest, so verliere der Verlag wieder aus Kursgr\u00fcnden. Dazu ein Beispiel: ein Buch mit dem Ladenpreis von RM 6 kostete bisher S 12; nun nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c kostete dasselbe auf Grund des neuen Kurses aber nur mehr S 9. Der \u00f6sterreichische Verlag konnte den RM-Preis nicht erh\u00f6hen, um eben kaufm\u00e4nnisch sinnvoll zu kalkulieren und arbeiten zu k\u00f6nnen, denn die Preisstop-Verordnung im Vierjahresplan hatte auch f\u00fcr das Land \u00d6sterreich G\u00fcltigkeit. Der Mangel an Verst\u00e4ndnis und an Bereitschaft bei dieser Besprechung in Berlin, Probleme der Verleger zu l\u00f6sen, ist nur Vorbote eines Systems, das nicht nur bislang prosperierende und nunmehr \u201earisierte\u201c Verlage (und Buchhandlungen) durch unglaubliche B\u00fcrokratie und Gleichg\u00fcltigkeit zum Sterben verurteilte, sondern auch \u201ebodenst\u00e4ndigen\u201c Firmen ein Gesch\u00e4ft im Stil der Zeit vor 1938 unm\u00f6glich machte. Es gab nur sehr wenige arisierte wie auch bodenst\u00e4ndige belletristische Verlage in \u00d6sterreich, die die Nazi-B\u00fcrokratie, die Kriegswirrnisse samt Papierverknappung usw. oder gar das Jahr 1942 \u00fcberlebten.<\/p>\n<p>Aber auch die Schw\u00e4rmer vom gro\u00dfen Deutschen Reich unter den Buchh\u00e4ndlern und Gro\u00dfsortimentern, die nach Berlin fuhren, kamen keineswegs besser davon. Sie hatten die Verlage nach dem alten, h\u00f6heren Kurs bezahlt, sahen nun ihre Lager dadurch entwertet, da\u00df sie die B\u00fccher billiger abgeben mu\u00dften. Die Antwort des B\u00f6rsenverein-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers hierauf: \u201eDas Sortiment erleide dadurch keinen Verlust.\u201c (ebda.) Und eine Lagerr\u00fcckverg\u00fctung komme kaum in Frage. Das Ergebnis dieses Bittgangs war \u2013 aus \u00f6sterreichischer Sicht gleich null.<\/p>\n<p>Die allerletzte Folge des <em>Anzeigers, <\/em>deren zwei letzte Nummern auffallenderweise fast g\u00e4nzlich in Fraktur gesetzt wurden, erschien, wie erw\u00e4hnt, am 6. April 1938. Hierauf \u201eregierte\u201c der kommissarische Leiter Berger mittels \u201eRundschreiben\u201c, von denen es bis 25. Juni 1938 f\u00fcnf gab.<a style=\"mso-footnote-id: ftn23;\" href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><span class=\"reference\">[23]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die ma\u00dfgebenden Stellen im Reich sahen das Vorpreschen Bergers in Sachen Umstellung und \u201eEntjudung\u201c des Buchhandels und sein Vorgreifen auf die RKK-Gesetzgebung nicht ohne geteiltes Wohlwollen, denn Berger war zwar kommissarischer Leiter von eigenen Gnaden, nicht aber Beauftragter der RSK in \u00d6sterreich. Er mu\u00dfte Anfang Mai darauf hingewiesen werden, \u201eda\u00df Sie unbedingt den Erla\u00df der entsprechenden Anordnungen abwarten m\u00fcssen\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn24;\" href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><span class=\"reference\">[24]<\/span><\/a> Und: \u201eVorher ist m.E. eine Verwendung amtlicher Formulare nicht zul\u00e4ssig. Im \u00fcbrigen k\u00f6nnen Sie aber selbstverst\u00e4ndlich von sich aus unbedingt die Erf\u00fcllung gewisser Voraussetzungen bei der Aufnahme verlangen.\u201c (ebda.)<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading9\"><\/a> f) KANTATE 1938: Neuaufflackern des Jubels<\/h4>\n<p>Mitte Mai 1938 fand in Leipzig die erste Gro\u00dfdeutsche Kantateversammlung statt, an der auch \u00d6sterreich teilnahm. \u201eLeipzig gr\u00fc\u00dft die S\u00fcdostmark\u201c lautet die \u00dcberschrift eines der vielen Berichte im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>\u00fcber dieses freudige Ereignis:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Denn in allen herrscht vor die Freude dar\u00fcber, da\u00df in diesem Jahre zum ersten Male auch die Buchh\u00e4ndler der deutschen Ostmark als Buchh\u00e4ndler des Reiches hierhergekommen sind, um sich durch das gro\u00dfe Erlebnis der Gemeinsamkeit ihres Berufes st\u00e4rken zu lassen f\u00fcr die gewaltigen Aufgaben, die gerade dem Buchhandel der deutschen Ostmark gestellt sind.<br \/>\n(<em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 113, 17. Mai 1938, S. 393)<\/p>\n<p>Die Rhetorik des <em>B\u00f6rsenblatt<\/em>-Leitartiklers wurde aber von zwei Vertretern aus der \u201eOstmark\u201c v\u00f6llig in den Schatten gestellt. Da war einmal Herr Rudolf Krey als Vertreter der Buchh\u00e4ndler, der f\u00fcr Karl Berger, der \u201einfolge pl\u00f6tzlicher Verk\u00fchlung durch Heiserkeit am Sprechen verhindert\u201c war, einsprang:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Nach Tagen unbeschreiblicher Freude, die wohl f\u00fcr uns alle diesseits und jenseits der nun endlich f\u00fcr immer beseitigten unnat\u00fcrlichen Grenzen als die sch\u00f6nsten unseres Lebens zu gelten haben werden, sind wir Buchh\u00e4ndler aus der Ostmark zu euch, liebe Fachgenossen im Altreich gekommen, um mit euch die Heimkehr unseres geliebten, sch\u00f6nen und grunddeutschen Heimatlandes \u00d6sterreich ins gro\u00dfe Deutsche Reich auch hier zu feiern.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nDer verehrte Herr Vorredner hat dem auch in beredten Worten Ausdruck zu verleihen gewu\u00dft, f\u00fcr die namens aller deutschbewu\u00dften Buchh\u00e4ndler in der Ostmark herzlich zu danken ich mich gedrungen f\u00fchle. Schwere, bittere Jahre liegen hinter uns in \u00d6sterreich, Jahre eines harten Existenz- und Kulturkampfes schwerster Art, Jahre voller Sorgen um die Zukunft des deutschen Volkes in \u00d6sterreich und um das Wohl jedes einzelnen deutschf\u00fchlenden Menschen in jener undeutschen unheilschwangeren Atmosph\u00e4re, deren Schwere und niederdr\u00fcckende Dumpfheit nur jene mitzuf\u00fchlen verm\u00f6gen, die das politische, kulturelle und wirtschaftliche Elend der Ostmark in den vergangenen Jahren miterleben mu\u00dften. Und gerade f\u00fcr uns deutschbewu\u00dfte Buchh\u00e4ndler in \u00d6sterreich, die wir uns unserer Verantwortung dem Volke und unserem Nachwuchs gegen\u00fcber bewu\u00dft sind, waren diese Jahre Jahre des Leids und der Pr\u00fcfung zugleich. Angefeindet, verleumdet und verfolgt von volksfremden Elementen, die alles andere, nur nicht Deutsche und \u00d6sterreicher sich h\u00e4tten nennen sollen, mu\u00dften wir in diesen langen Jahren zusehen, wie gerade unser Beruf systematisch zu einer Dom\u00e4ne heimatloser, volksfremder Gesellen gemacht wurde, mu\u00dften wir zusehen wie diese Gesch\u00e4ftemacher eines endlich beseitigten schmachvollen Systems gehegt und gepflegt wurden. (&#8230;)<br \/>\nAber lassen wir diese mit soviel Bitternis erf\u00fcllten Jahre hinter uns liegen! Schauen wir vorw\u00e4rts! Wir stehen vor gro\u00dfen, gewaltigen Aufgaben. (&#8230;)<br \/>\nMit dem Schutt und Unrat des verflossenen Systems, der sich besonders in Wien in kaum je erlebtem Ausma\u00dfe breitgemacht hatte, mit dem freilich m\u00fcssen und werden wir selbst fertig werden!<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nIn diesen Worten sind unsere innigsten W\u00fcnsche und Gef\u00fchle f\u00fcr unseren hei\u00dfgeliebten F\u00fchrer, seine engere und seine gro\u00dfe deutsche Heimat eingeschlossen.<br \/>\nIhm und seinem Werk darum auch heute an dieser Stelle ein kr\u00e4ftiges und freudiges dreifaches<br \/>\nSieg Heil! Sieg Heil! Sieg Heil!<br \/>\n(<em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 117, 21. Mai 1938)<a style=\"mso-footnote-id: ftn25;\" href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><span class=\"reference\">[25]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Krey hatte seine Gef\u00fchlsduselei zuvor mehrmals unter Beweis gestellt. Verwiesen sei auf sein \u201eGedicht\u201c: \u201eErf\u00fcllung\/Antwort aus \u00d6sterreich\/Zum 10. April 1938\u201c, das sowohl im <em>Anzeiger<\/em> als auch im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>abgedruckt wurde.<a style=\"mso-footnote-id: ftn26;\" href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><span class=\"reference\">[26]<\/span><\/a> Und am 8. April 1938 hatte er seinem dichterischen Talent im Artikel \u201eDer \u00f6sterreichische Buchhandel in Gro\u00dfdeutschland\u201c freien Lauf gelassen. Hier der erste Absatz:<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u00d6sterreich ist frei! Die Mutter Germania \u2013 das Gro\u00dfdeutschland von heute \u2013 hat sein \u00fcber alles geliebtes Schmerzenskind nach Jahren der Qual und unvorstellbarer seelischer und wirtschaftlicher N\u00f6te und Heimsuchungen endlich in seine sch\u00e4tzenden Arme nehmen und an sein gro\u00dfg\u00fctiges Mutterherz dr\u00fccken k\u00f6nnen, um es nie wieder loszulassen. Der h\u00f6chste Traum aller Deutschen in \u00d6sterreich ist \u00fcber Nacht restlos in Erf\u00fcllung gegangen. (&#8230;)<\/p>\n<p>Und der Schlu\u00df:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Gern wird unser hei\u00dfgeliebter, genialer F\u00fchrer mit seinen bew\u00e4hrten Mithelfern uns die Hand reichen, um nach all den schweren Leiden, die der F\u00fchrer allein richtig ermessen wird, das Land, das seine geliebte engere Heimat ist, und das er sich mit allen Herzen seiner Bewohner in so \u00fcberaus liebenswerter gl\u00fcckhafter Art im Fluge zur\u00fcckzuerobern gewu\u00dft hat, nun wahrhaft gl\u00fccklich zu machen.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nDies sei unser heiliges Bekenntnis zu unserem hei\u00dfgeliebten, angestammten F\u00fchrer, der jetzt endlich ganz und gar und von aller Welt unbestritten unser F\u00fchrer auch in \u00d6sterreich ist und ewig bleiben wird.<br \/>\n<em>(B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 83, 8. April 1938, S. 294f.)<a href=\"#_ftn27\" target=\"text\" name=\"_ftnref27\"> <span class=\"reference\">[27]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Euphorie war von kurzer Dauer. Auch ein zweiter \u00f6sterreichischer Vertreter, \u00fcber dessen Weltanschauung und politische Linie kein Zweifel herrschte, machte Krey rhetorische Konkurrenz. Leopold Stocker aus Graz vertritt den \u00f6sterreichischen Verlag:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Er spricht von der harten Zeit, die die deutschbewu\u00dften Verleger \u00d6sterreichs in den letzten Jahren durchmachen mu\u00dften. Das H\u00e4rteste sei jedoch nicht gewesen, da\u00df B\u00fccher verboten und die Verleger verfolgt wurden, sondern da\u00df man sie zu Heuchlern machen wollte, von denen man verlangte, Greuelpropaganda gegen Deutschland zu treiben. Die deutschen Kollegen k\u00f6nnen sich daher wohl vorstellen, wie gl\u00fccklich die \u00f6sterreichischen Verleger heute sind, nun wieder so schaffen zu k\u00f6nnen, wie es ihr Blut und ihre Verbundenheit mit dem deutschen Volke befiehlt. <em>(B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 122, 28. Mal 1938, S. 430)<\/p>\n<p>Aber wie sein Gesinnungsgenosse Krey scheint auch Stocker unter einem \u201eMutter-Komplex\u201c gelitten zu haben:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Er erinnerte daran, welch harte Zeit des Drangsals und des Kampfes hinter den deutschen Buchh\u00e4ndlern \u00d6sterreichs liege, da\u00df es aber auch eine unendlich stolze Zeit f\u00fcr sie gewesen w\u00e4re. Wie ein Kind, das gewaltsam von seiner Mutter ferngehalten werde, haben sie das deutsche Vaterland lieben gelernt, immer mit dem Glauben an den F\u00fchrer, da\u00df er seine Heimat nicht vergessen wird. Der deutschbewu\u00dfte Buchh\u00e4ndler \u00d6sterreichs sei der treue H\u00fcter des deutschen Buches und deutschen Geistes gewesen.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\n(<em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 113, 17. Mal 1938, S. 398)<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Produktion des Leopold Stocker Verlags beweist eindeutig, da\u00df der Inhaber die Auszeichnung \u201etreuer H\u00fcter des deutschen Buches und deutschen Geistes\u201c f\u00fcr sich in Anspruch nehmen konnte. Die \u201eEingliederung der S\u00fcdostmark\u201c stand aber erst am Anfang.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading10\"><\/a> g) Probleme der Eingliederung und der \u201eGesundung\u201c des Buchhandels<\/h4>\n<p>Obwohl man eifrigst bem\u00fcht war, die triste Lage im Buchhandel auch nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c auf die \u201eJuden\u201c und die z\u00fcgellose Verleihung von Konzessionen zur\u00fcckzuf\u00fchren, mu\u00dfte man zumindest intern eingestehen, da\u00df &#8211; wie wir bereits gesehen haben &#8211; die \u201eBerufskameraden\u201c im<br \/>\nAltreich zur Verschlechterung der Lage beitrugen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1134\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Die-Wiener-NS-Buchhandlungen.jpg\" alt=\"Die Wiener NS-Buchhandlungen\" width=\"400\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Die-Wiener-NS-Buchhandlungen.jpg 1093w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Die-Wiener-NS-Buchhandlungen-240x300.jpg 240w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Die-Wiener-NS-Buchhandlungen-819x1024.jpg 819w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Die-Wiener-NS-Buchhandlungen-120x150.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c wurde eine Organisation gebildet, die aus Antisemiten und Austronazis zusammengesetzt war und die sich \u201eArbeitsgemeinschaft der Wiener NS.-Buchh\u00e4ndler\u201c nannte. Anf\u00fchrer d\u00fcrfte der prominente Nazi-Verleger (Adolf Luser Verlag, Eckart Verlag) Adolf Luser gewesen sein. Ihr geh\u00f6rten 17 Firmeninhaber bzw. Buchhandlungen, darunter Karl Berger, Rudolf Krey, Wilhelm Maudrich, Karl M\u00fcck, Rudolf M\u00fcck jun. und A. Pichler\u2019s Witwe und Sohn an. \u201eDie Wiener NS-Buchhandlungen der illegalen Kampfzeit\u201c &#8211; so priesen sie sich mit Namen und Adresse in Zeitungsannoncen an<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><span class=\"reference\">[28]<\/span><\/a> &#8211; w\u00e4hnten sich als Helden, Widerstandsk\u00e4mpfer, H\u00fcter des Buchhandels. Um so herber war ihre Entt\u00e4uschung, als sie erfuhren, welchen Anschlag ihre \u201eBerufskameraden\u201c bei der Partei im Altreich auf sie planten. Aus ihrer Sicht hatten sie nun jeden Grund, aufgebracht und verbittert zu sein, denn, wie sie in einem 4seitigen Schreiben an den kommissarischen Leiter und Kompagnon Karl Berger am 11. Juni 1938 ausf\u00fchrten:<\/p>\n<p class=\"zitat\">In den f\u00fcnf Jahren des Kampfes gegen das System der Volksbedr\u00fcckung haben wir unterfertigten nationalsozialistischen Buchh\u00e4ndler wohl ohne Zweifel durch geheimen Vertrieb nationalsozialistischer Schriften und auch durch m\u00fcndliche Werbung f\u00fcr die Partei einiges geleistet.<a style=\"mso-footnote-id: ftn29;\" href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><span class=\"reference\">[29]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Und jetzt wollte der Zentralverlag der NSDAP, Franz Eher Nachf. in M\u00fcnchen, in Wien ein Filialhaus mit Sortimentsbetrieb er\u00f6ffnen. F\u00fcr die Wiener NS-Buchh\u00e4ndler h\u00e4tte das zur Folge gehabt, da\u00df<\/p>\n<p class=\"zitat\">dem ohnehin schwer k\u00e4mpfenden nationalsozialistischen Sortimentsbuchhandel dem durch die Arisierung der vielen bisher j\u00fcdischen Buchhandlungen \u2013 statt diese \u00fcberfl\u00fcssigen, oberfaulen Betriebe zu liquidieren \u2013 jetzt ohnehin schon eine auf die Dauer bestimmt nicht tragbare Konkurrenz an den Hals gesetzt wird, \u00fcberdies noch eine derartige direkte Konkurrenz zu machen beabsichtigt. (ebda.)<\/p>\n<p>Es k\u00f6nne nicht Aufgabe des Eher Verlags sein, \u201edem nationalsozialistischen und nationalen Buchh\u00e4ndler hier zu Lande sein karges Brot wegzunehmen oder auch nur zu schm\u00e4lern\u201c. Das w\u00e4re ein Schlag \u201eauf die Lebensinteressen des um den Nationalsozialismus verdienten \u00f6sterreichischen Buchhandels\u201c (ebda.). Die Wiener NS-Buchh\u00e4ndler argumentierten dann noch eindringlicher:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Umbruch in \u00d6sterreich, an dem wir nationalen Buchh\u00e4ndler regsten Anteil hatten, hatte gewi\u00df in all seiner Gro\u00dfartigkeit letzthin nicht auch zum Ziel und Zweck, da\u00df es gerade auf Kosten des nationalsozialistischen Buchhandels der Ostmark, der w\u00e4hrend der f\u00fcnf langen Kampfjahre immer auch in den gef\u00e4hrlichsten und kritischsten Augenblicken seinen Sch\u00e4del hingehalten hat, gehen mu\u00df, um Firmen aus dem Altreich, die in jenen Zeiten der Gefahr fern vom Schu\u00df waren, jetzt Gelegenheit zu geben, auch noch unsere Sortimentsgesch\u00e4fte an sich zu rei\u00dfen. (ebda.)<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nEine derartige Br\u00fcskierung nach f\u00fcnf Jahren aufreibenden Kampfes f\u00fcr den F\u00fchrer und sein Gedankengut w\u00fcrden wir nationalsozialistischen Buchh\u00e4ndler gewi\u00df nicht als die Krone des Sieges, den wir in bescheidenem Ma\u00dfe gewi\u00df miterk\u00e4mpft haben, ansehen k\u00f6nnen, sondern nur als schlechten Lohn f\u00fcr unsere geleistete Arbeit f\u00fcr die Partei und deren gesamtes Schrifttum. (ebda.)<\/p>\n<p>An diese \u201eBr\u00fcskierung\u201c, wie sie diplomatisch genannt wurde, mu\u00dften sich selbst eingefleischte NS-Buchh\u00e4ndler und -verleger in \u00d6sterreich rasch gew\u00f6hnen. Das grunds\u00e4tzliche Problem des opportunistischen Zuflusses von reichsdeutschem Kapital nach \u00d6sterreich nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c war h\u00f6heren Orts und in Fachkreisen durchaus bekannt. Einer, der Wasser predigte und Wein trank, hie\u00df Karl Heinrich Bischoff, Reichsdeutscher, der schon lange vor dem \u201eAnschlu\u00df\u201c mit einer \u00dcbernahme des Zsolnay Verlags lieb\u00e4ugelte und ihn schlie\u00dflich 1941 in den Griff bekam.<a style=\"mso-footnote-id: ftn30;\" href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\"><span class=\"reference\">[30]<\/span><\/a> Dennoch mu\u00dfte \u201everhindert werden, da\u00df der Anschlu\u00df zu St\u00f6rungen des Gleichgewichts f\u00fchrt&#8220;.<a style=\"mso-footnote-id: ftn31;\" href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\"><span class=\"reference\">31]<\/span><\/a> Die ausw\u00e4rtigen Handelsbeziehungen Gro\u00dfdeutschlands m\u00fc\u00dften entsprechend abgestimmt werden. Ob jedoch der Eher Verlag sich in der vorgesehenen Form in Wien ansiedelte, war nicht zu ermitteln. Das war aber nicht die einzige Sorge der Wiener H\u00fcter des NS-Schrifttums. Sie wandten sich erneut an Karl Berger mit einer Liste von W\u00fcnschen und Mi\u00dfst\u00e4nden. Hier einige bezeichnende Beispiele, die die Lage des Buchhandels erhellen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die N.S. Buchh\u00e4ndler halten sich f\u00fcr berechtigt, zu verlangen, da\u00df die kommiss. Leitung als Einrichtung des N.S. Staates auf Grund ihrer Erhebungen eine Liste der Parteibuchh\u00e4ndler verfa\u00dft und diese allen Parteistellen in Stadt und Land, den Gauleitungen, Bezirksleitungen und deren Propagandastellen zur Verf\u00fcgung stellt und diesen nahelegt, in erster Linie den verdienstvollen N.S. Buchh\u00e4ndler bei der Anschaffung von B\u00fcchern f\u00fcr Parteigliederungen und Mitglieder zu ber\u00fccksichtigen.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\"><span class=\"reference\">[32]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Sie forderten ferner die \u00dcberwachung der diversen B\u00fcchergilden und da\u00df bei der \u00dcberleitung in die RSK \u201eeine sehr einschneidende Verringerung der Buchhandlungen Platz\u201c greife. (ebda.) \u201eDa\u00df hiebei in erster Reihe Sch\u00e4dlinge des Buchhandels, Ramscher und seit jeher antideutsch eingestellte Firmen betroffen werden sollen, ist ganz selbstverst\u00e4ndlich.\u201c (ebda.) Die NS-Buchh\u00e4ndler beschwerten sich auch noch, da\u00df j\u00fcdische Buchh\u00e4ndler NS-Schrifttum noch verkaufen w\u00fcrden. Treu der Devise \u201eDer Jude ist schuld\u201c, machten die 21 die Eingabe unterzeichnenden Wiener NS-Buchh\u00e4ndler folgenden kuriosen Vorschlag:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Um den instinktlosen arischen Wiener vom Besuch j\u00fcdischer Buchhandlungen abzuhalten, erscheint uns die Aufstellung von SS-Posten vor solchen Gesch\u00e4ften zweckdienlich. (ebda.)<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading11\"><\/a> h) Bergers Denkschrift<\/h4>\n<p>Bevor wir auf einzelne, konkrete Beispiele der Liquidierung und Arisierung n\u00e4her eingehen, gilt es, die sp\u00e4rlich vorhandenen Zeugnisse aus den Jahren 1938\/39 anzusehen, die nicht dem Gefasel \u00fcber die \u201egro\u00dfe Aufgabe\u201c, die dem \u00f6sterreichischen Buchhandel nun zukomme, huldigen. Nur so kann man sich ein Bild \u00fcber die grunds\u00e4tzliche Politik verschaffen, die verfolgt wurde bzw. verfolgt werden sollte.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst aber lohnt es sich, den Stand der buchh\u00e4ndlerischen Firmen (also: Verlage, Buchhandlungen, Leihb\u00fcchereien, Gro\u00dfsortimenter, Antiquariate, Buchversandgesch\u00e4fte usw.) in \u00d6sterreich im M\u00e4rz 1938 zu ermitteln, um sp\u00e4ter auftauchende Argumente zu entkr\u00e4ften und zu relativieren und \u00fcberhaupt die Gr\u00f6\u00dfenordnung zu bestimmen.<\/p>\n<p>Im<em> Adre\u00dfbuch des Deutschen Buchhandels 1938, <\/em>das vor dem \u201eAnschlu\u00df\u201c erschien, wurden f\u00fcr \u00d6sterreich im ganzen 523 Firmen verzeichnet. Von diesen 523 waren 114 als Verlagsbuchhandlungen anzusehen, wobei weitere hinzuk\u00e4men, w\u00fcrde man auch \u201egemischte Betriebe\u201c, also Verlage mit Sortiment, mitber\u00fccksichtigen. Von der Gesamtzahl der im <em>Adre\u00dfbuch <\/em>verzeichneten \u00f6sterreichischen Firmen waren 333 oder ca. 64% in Wien, dem Hauptsitz des traditionell zentralisierten \u00f6sterreichischen Buchhandels, angesiedelt.<\/p>\n<p>Nach Perles <em>Adre\u00dfbuch f\u00fcr den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel und verwandte Gesch\u00e4ftszweige in \u00d6sterreich, <\/em>1937, dem letzten vor Ende des Zweiten Weltkrieges, gab es in \u00d6sterreich hingegen 1077 buchh\u00e4ndlerische Firmen aller Art, d.h. Firmen, die sich mit der Herstellung oder dem Vertrieb von Druckschriften verschiedenster Art befa\u00dften. Fast die H\u00e4lfte von ihnen wurde in das <em>Adre\u00dfbuch des Deutschen Buchhandels <\/em>schon vor dem \u201eAnschlu\u00df\u201c aufgenommen. Von diesen 1077 Firmen waren 679 oder 63% in Wien ans\u00e4ssig. Diese Firmenstatistik f\u00fcr \u00d6sterreich trennt nicht nach der Anzahl von Verlagsunternehmungen, Sortimentsbetrieben usw., so da\u00df man eine andere Grundlage heranziehen mu\u00df, um die Relationen zu bestimmen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn33;\" href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\"><span class=\"reference\">[33]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Zieht man die Zahl der \u00f6sterreichischen Firmen, die vom \u00fcbrigen deutschen Buchhandel offiziell anerkannt wurden, in Betracht, so kommt man auf die Zahl von 333. Davon waren unter Wiener Firmen 87, die reine Verlagsunternehmen waren. Sechzehn Verlagsbuchhandlungen hatten sich ein Sortiment angegliedert, und 110 Wiener Buchhandlungen waren reine Sortimentsbetriebe. Nach einer Aufstellung derjenigen buchh\u00e4ndlerischen Firmen in \u00d6sterreich, die im Jahre 1937 \u00fcberwiegend mit dem alten reichsdeutschen Verlag in st\u00e4ndiger gesch\u00e4ftlicher Verbindung standen, gab es rund 480 Sortimentsbetriebe in 87 Orten \u00d6sterreichs. Hievon waren 126 in Wien.<\/p>\n<p>Am 9. Juni 1938 wurde eine vom kommissarischen Leiter des \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhandels, Karl Berger, verfa\u00dfte \u201eDenkschrift\u201c \u201eArisierung oder Liquidierung j\u00fcdischer Buchhandlungen?\u201c hektographiert und verteilt.<a style=\"mso-footnote-id: ftn34;\" href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\"><span class=\"reference\">[34]<\/span><\/a> Es war dies der Versuch, f\u00fcr die triste Lage des Buchhandels eine Erkl\u00e4rung oder zumindest einen S\u00fcndenbock zu finden und \u201eGesundungsvorschl\u00e4ge\u201c zu machen. Nach Berger sei es \u201ew\u00e4hrend der marxistischen und auch w\u00e4hrend der sogenannten vaterl\u00e4ndischen Periode\u201c zu einer z\u00fcgellosen Erteilung von Konzessionen an j\u00fcdische Bewerber &#8211; \u201eunbeschr\u00e4nkt und ohne Ber\u00fccksichtigung des Lokalbedarfes\u201c &#8211; gekommen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Gesetzliche Bestimmungen sowie die von der Standesvertretung der Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler gegebenen Gutachten wurden so gut wie gar nicht beachtet, ausschlaggebend waren wohl einzig und allein j\u00fcdisch-freimaurerische Querverbindungen, bei dem damaligen Beh\u00f6rdenapparat z. T. wahrscheinlich auch Bestechungen.<\/p>\n<p>Bergers Argumente sind zwar nicht stichhaltig, aber er mu\u00dfte sich schlie\u00dflich einen Pappkameraden zulegen. Die Konzessionserteilung wurde \u2013 vor allem nach 1934 (neue Gewerbeordnung, Gewerbesperre usw.) \u2013 sehr streng gehandhabt, und, was die Standesvertretung betrifft, durchaus unter arischer, nicht j\u00fcdischer Aufsicht. H\u00e4ufig erfolgte die Erteilung einer Konzession an einen Bewerber erst, nachdem ein anderer seine Konzession zur\u00fcckgelegt hatte. Es wurden absurderweise dieselben Gewerbeordnungsbestimmungen f\u00fcr einen <em>Verlag<\/em> (mit Ausschlu\u00df des offenen Ladengesch\u00e4ftes) wie f\u00fcr eine Buchhandlung angewandt, obwohl a) eine Vermehrung solcher Konzessionen nicht wie bei Buchhandlungen sich auf die Wettbewerbsverh\u00e4ltnisse negativ, sondern neutral ausgewirkt h\u00e4tte und b) das Kriterium \u201eLokalbedarf\u201c irrelevant war.<\/p>\n<p>Dennoch war die Folge dieser Politik laut Berger, \u201eda\u00df der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienhandel vollkommen \u00fcberbesetzt\u201c sei. Ein \u201eGesundschrumpfen\u201c h\u00e4tte seit Beginn der Republik nicht stattgefunden. Aber die ganze Schizophrenie den Juden gegen\u00fcber tritt in einer weiteren Feststellung Bergers zutage. Wie wir soeben gesehen haben, beschwerte sich die \u201eArbeitsgemeinschaft der Wiener NS-Buchh\u00e4ndler\u201c, da\u00df die Wiener Arier die j\u00fcdischen Buchhandlungen nicht boykottierten und daher die Aufstellung von SS-Posten vor solchen arischen Gesch\u00e4ften zu empfehlen sei. Nun aber waren die j\u00fcdischen K\u00e4ufer neuerdings schuld, obwohl sie zu dieser Zeit wohl andere Sorgen hatten. Dazu Berger:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Durch den Boykott [!] der j\u00fcdischen K\u00e4uferkreise wurde nach dem Umbruch der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienhandel neuerdings schwer betroffen. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die Umschichtung der K\u00e4uferkreise und die allgemeine Hebung der Kaufkraft f\u00fchlbar werden wird.<\/p>\n<p>Um die vermeintliche oder tats\u00e4chliche \u00dcberbesetzung des Wiener Buchhandels noch krasser erscheinen zu lassen, gab Berger \u201ezu bedenken, da\u00df es in Wien 800 Buch-, Kunst- und Musikalienhandlungen gibt\u201c. Die soeben zitierte sachliche Analyse hatte aber ergeben, da\u00df in Wien blo\u00df 679 buchh\u00e4ndlerische Firmen aller Art ans\u00e4ssig waren. Bergers Methode der \u00dcbertreibung, um das Problem noch dringlicher erscheinen zu lassen, hat durchaus eine Parallele in den \u201em\u00e4rchenhaften\u201c Sch\u00e4tzungen \u00fcber die Zahl der Juden in Wien 1938\/39.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\"><span class=\"reference\">[35]<\/span><\/a> Bergers Rezept f\u00fcr den notleidenden Buchhandel lautete folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die angef\u00fchrten Zahlen beweisen, da\u00df in Wien eine Gesundung des Buch-, Kunst- und Musikalienhandels durch eine Reduzierung der Betriebe unbedingt notwendig ist. Der Wiener Buchhandel war in seiner Gesamtheit niemals recht lebensf\u00e4hig; vielmehr hatte das Judentum und seine Hinterm\u00e4nner in den fr\u00fcheren Beh\u00f6rden stets nur ein Ziel im Auge, n\u00e4mlich die Ausrottung des deutsch-arischen Buchhandels, um nach Erreichung dieses Ziels den f\u00fcr das kulturelle Leben so bedeutenden Buchmarkt ganz zu beherrschen. Es bietet sich jetzt die Gelegenheit, den deutschbewu\u00dften Wiener Buchhandel wieder lebensf\u00e4hig zu gestalten, damit er seiner ihm auferlegten Arbeit an der Kultur unseres Volkes voll nachkommen kann.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Als kommissarischer Leiter des \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhandels f\u00fchle ich mich verpflichtet, auf die Lage in diesem Beruf hinzuweisen. Eine Gesundung dieses volkswirtschaftlich und kulturell so ungemein wichtigen Berufes kann nur dann e folgen, wenn alle zust\u00e4ndigen Stellen mit mir bem\u00fcht sind, eine starke Verminderung der Betriebe herbeizuf\u00fchren Es ist durchaus nicht damit beabsichtigt, etwa bestehende Werte zu zerst\u00f6ren, sondern planm\u00e4\u00dfig die j\u00fcdischen Betriebe zu liquidieren, bzw. dort, wo dies unm\u00f6glich ist, diese zu arisieren. Da\u00df dies nur im Einvernehmen mit den am meisten betroffenen deutsch-arischen Berufsgenossen geschehen kann, brauche ich wohl nicht besonders begr\u00fcnden; ebensowenig glaube ich darauf hinweisen zu m\u00fcssen, da\u00df ich bei der Regelung dieser Fragen auf die tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung aller zust\u00e4ndigen Stellen hoffe.<br \/>\nHeil Hitler!<br \/>\nKarl Berger, Kommissarischer Leiter.<\/p>\n<p>Wichtig hiebei war also \u201eeine starke Verminderung der Betriebe\u201c, die planm\u00e4\u00dfige Liquidierung der j\u00fcdischen Betriebe und, wo unumg\u00e4nglich, die Arisierung. Dieser ganze Proze\u00df k\u00f6nne \u201enur im Einvernehmen\u201c mit den \u00f6sterreichischen Berufsgenossen vorgenommen werden, hei\u00dft es im Wink mit dem Zaunpfahl an die RSK. So stellte sich das Berger jedenfalls vor, aber er t\u00e4uschte sich gewaltig. Man erinnere sich, da\u00df Bergers Wunsch, das Verm\u00f6gen des Verlagsf\u00f6rderungsfonds unter den \u201edeutsch-arischen Berufsgenossen\u201c aufzuteilen, am Einspruch der RSK im Altreich gescheitert war. Diese kassierte das Geld selber. Sie nahm nach Einf\u00fchrung der RKK-Gesetzgebung die Entscheidungsgewalt an sich.<\/p>\n<p>Dennoch spiegelte Bergers Gegensatzpaar \u201eArisierung\u201c oder \u201eLiquidierung\u201c auch die offizielle Politik der RSK im Grunde genommen wider. Im Mai 1939 zog Wilhelm Baur Bilanz:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ein Kapitel ist im letzten Jahr restlos liquidiert worden: das des Judentums. Ich habe im schon im vorigen Jahr feststellen k\u00f6nnen, da\u00df der j\u00fcdische Einflu\u00df im Buchhandel im Altreich restlos beseitigt ist. Inzwischen ist auch die Ostmark in dieser Beziehung in Ordnung gekommen. Wir sind dabei bei der Kammer davon ausgegangen, da\u00df es bis auf wenige Ausnahmen notwendig war, die j\u00fcdischen Betriebe zu beseitigen und nicht unter arischem Besitz fortfahren zu lassen. Die breite Masse h\u00e4tte keinen Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr gehabt, wenn wir Judenfirmen mit ihrem alten Namen unter neuen Besitzverh\u00e4ltnissen weiterhin die M\u00f6glichkeit zur Existenz gegeben h\u00e4tten. So sind im Laufe des letzten Jahres in \u00d6sterreich rund hundertundf\u00fcnfzig j\u00fcdische Verlage und Buchhandlungen ausgemerzt und gleichzeitig ist damit den vorhandenen deutschen Betrieben eine raschere M\u00f6glichkeit zur Gesundung gegeben worden.<br \/>\n(<em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 106, 9. Mai 1939, S. 380-382; bes. S. 382. \u201eAufstieg und Entwicklung des deutschen Buchhandels seit 1938\u201c)<\/p>\n<p>Ob tats\u00e4chlich 150 j\u00fcdische Verlage und Buchhandlungen in \u00d6sterreich bis zu diesem Zeitpunkt \u201eausgemerzt\u201c worden waren, l\u00e4\u00dft sich schwer nachweisen. Die Zahl kann h\u00f6her, aber auch tiefer liegen.<\/p>\n<p>In einem Aktenvermerk vom 31. August 1938 \u00fcber \u201eJuden in \u00d6sterreich\u201c<a style=\"mso-footnote-id: ftn36;\" href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\"><span class=\"reference\">[36]<\/span><\/a> schrieb Karl Heinrich Bischoff, es bef\u00e4nden sich zur Zeit \u201ein Bearbeitung 109 buchh\u00e4ndlerische Judenf\u00e4lle, zumeist in Wien\u201c. Diese \u201eBearbeitung\u201c ging keineswegs so glatt \u00fcber die B\u00fchne, wie sich Bischoff oder die RSK es gew\u00fcnscht hatten.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading12\"><\/a> 4. Reichskulturkammergesetz f\u00fcr \u00d6sterreich<\/h3>\n<p>Zwei Tage nach dem Bericht Bergers wurde die Verordnung \u00fcber die Einf\u00fchrung der Reichskulturkammer-Gesetzgebung im Lande \u00d6sterreich kund- und am 24. Juni 1938 bekanntgemacht.<a style=\"mso-footnote-id: ftn37;\" href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\"><span class=\"reference\">[37]<\/span><\/a> Bis zu diesem Zeitpunkt war der \u00f6sterreichische Buch-, Kunst- und Musikalienhandel noch vollkommen selbst\u00e4ndig. Von nun an war die Aus\u00fcbung einer kammerpflichtigen T\u00e4tigkeit von der Zugeh\u00f6rigkeit zur Reichskulturkammer, d.h. zu einer der sechs Einzelkammern, abh\u00e4ngig. Alle Personen, die eine solche T\u00e4tigkeit aus\u00fcbten, mu\u00dften sich nach der Verordnung bis zum 30. Juni 1938 bei der f\u00fcr sie zust\u00e4ndigen Einzelkammer melden. Ferner mu\u00dfte man eine Erkl\u00e4rung abgeben, da\u00df dem Antragsteller keine Tatsachen bekannt w\u00e4ren, die auf eine nichtarische Abstammung hindeuteten. Wer diese Erkl\u00e4rung \u00fcber die arische Abstammung nicht abgeben konnte, mu\u00dfte eine \u00dcbergangsfrist beantragen. Alle zum Nachweis der arischen Abstammung erforderlichen Urkunden mu\u00dften sp\u00e4testens bis zum 30. September nachgereicht werden. Wer auch dies nicht konnte, mu\u00dfte unter Angabe der Gr\u00fcnde rechtzeitig um Fristverl\u00e4ngerung nachsuchen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn38;\" href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\"><span class=\"reference\">[38]<\/span><\/a> Erst nach Vorliegen der Nachweise und nach vollzogener und gepr\u00fcfter Nachweisung konnte \u00fcber die endg\u00fcltige Aufnahme entschieden werden. So kam es h\u00e4ufig vor, da\u00df ein Antragsteller z.B. im Mai 1939 erfuhr, da\u00df er mit Wirkung vom Juli 1938 RSK-Mitglied sei. Oder auch nicht. \u00dcber die amtliche Bekanntmachung hinaus teilte Berger im diesbez\u00fcglichen Rundschreiben Nummer 5 mit, da\u00df<\/p>\n<p class=\"zitat\">bis zu dieser Entscheidung (&#8230;) der Angemeldete in der Aus\u00fcbung seiner T\u00e4tigkeit nicht behindert sei, es sei denn, da\u00df sie ihm ausdr\u00fccklich untersagt wird.<\/p>\n<p>Ob Berger diese seine Feststellung nach R\u00fccksprache mit der RSK traf, darf zumindest angezweifelt werden. Man kann es als eher unwahrscheinlich bezeichnen, da\u00df die RSK l\u00e4ngere Zeit so viel Entgegenkommen aufbrachte. Die M\u00fchlen der allgegenw\u00e4rtigen Nazi-B\u00fcrokratie sowohl im Wirtschafts- als auch im Kulturbereich mahlten sehr langsam und vermochten selbst Betriebe von strammen Austronazis zugrundezurichten.<\/p>\n<p>Mit der Einf\u00fchrung der RKK-Gesetzgebung wurde am 29. Juli 1938<a style=\"mso-footnote-id: ftn39;\" href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\"><span class=\"reference\">[39]<\/span><\/a> endg\u00fcltig der Schlu\u00dfstrich unter der kommissarischen Leitung der Zwangsgilde unter Karl Berger gezogen. Es erfolgte an diesem Tag n\u00e4mlich die Akten\u00fcbernahme durch den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der RSK Gauleitung Wien, Dr. Karl Zartmann.<\/p>\n<p>Aber in den sechs Monaten nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c lief keineswegs alles im \u00f6sterreichischen Buchhandel und Verlagswesen nach Wunsch der RSK im Altreich, die mit der RSK Landesleitung \u00d6sterreich nicht verwechselt werden darf. Es waren z.B. nicht alle Kommissare mit der RSK-\u201cEinmischung\u201c einverstanden. Einer, der meinte, vom fernen Berlin aus einen Oberblick \u00fcber die Lage in \u00d6sterreich zu haben, war K.H. Bischoff, Sonderreferent der RSK f\u00fcr \u201eNichtarierfragen\u201c und ma\u00dfgeblich Beteiligter an der \u201eEntjudung\u201c des Buchhandels. So mu\u00dfte Bischoff am 2. Juni 1938, also vor Anwendung des RKK-Gesetzes in \u00d6sterreich, in einem Aktenvermerk an Wilhelm Ihde, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der RSK in Berlin, konstatieren, da\u00df &#8211; ihm zugekommenen Meldungen zufolge &#8211; \u201ein \u00d6sterreich nach wie vor eine Konfusion herrscht\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn40;\" href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\"><span class=\"reference\">[40]<\/span><\/a> Bischoff regte daher an, \u201eda\u00df die Kammer den betreffenden Bearbeiter aus dem Landeskulturamt \u00d6sterreich nach Berlin kommen l\u00e4\u00dft und da\u00df wir uns ein paar Stunden lang mit ihm unterhalten, damit wenigstens dieser Mann einigerma\u00dfen im Bilde ist.\u201c (ebda.) \u00d6sterreich-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Karl Zartmann blieb allerdings auch in den kommenden Monaten trotz neuerlichen Vorschl\u00e4gen in Wien. Die Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten blieben bestehen. Am 31. August 1938 dr\u00fcckte Bischoff seinen Unmut \u00fcber die \u00f6sterreichischen Probleme noch einmal aus:<\/p>\n<p class=\"zitat\">V\u00f6llig ungekl\u00e4rt sind noch die F\u00e4lle, in denen kommissarische Leiter eingesetzt wurden, also vor allem die Verlage Bermann-Fischer, Wien, Bastei-Verlag, Wien, (fr\u00fcherer Inhaber Dr. Freund), und Herbert Reichner, Wien. In diesen F\u00e4llen liegen auch nicht einmal Antr\u00e4ge vor. (&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es handelt sich um Verlage, die bisher in j\u00fcdischen H\u00e4nden waren und f\u00fcr die kommissarische Leiter von \u00f6sterreichischen Stellen (Hervorhebung vom Verf.) eingesetzt wurden. Die kommissarischen Leiter haben ihre Anmeldungen noch nicht vollzogen.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nDie Arisierung bisher j\u00fcdischer Buchhandelsunternehmungen in \u00d6sterreich wird ohne Anh\u00f6ren des Pr\u00e4sidenten der RSK vorgenommen. Dadurch entstehen sehr gro\u00dfe Schwierigkeiten. Es ist dringend erforderlich, hier eine klare Anordnung durch das Ministerium zu erlassen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn41;\" href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\"><span class=\"reference\">[41]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im gleichen Sinne empfahl die RSK in einem Schreiben an den Reichsminister f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda, Goebbels, vom 31. August 1938:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich empfehle hier eine klare Anordnung des Ministeriums, die die Zusammenarbeit der Wiener Stellen mit den Einzelkammern garantiert und sp\u00e4tere Schwierigkeiten von vornherein ausschaltet.<a style=\"mso-footnote-id: ftn42;\" href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\"><span class=\"reference\">[42]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im Oktober 1938, also gut f\u00fcnf Monate sp\u00e4ter, hatte sich die Lage in \u00d6sterreich aus der Sicht Bischoffs noch immer nicht gebessert. Seine Quellen bekundeten \u201e\u00fcbereinstimmend, da\u00df die Lage in Wien, besonders in unserem Arbeitsbereich v\u00f6llig un\u00fcbersichtlich geworden ist\u201c.<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\"><span class=\"reference\">[43]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es lohnt sich, nun auf den Bericht Bischoffs n\u00e4her einzugehen, erstens, um den Stand der \u201eEntjudung\u201c bestimmen zu k\u00f6nnen, zweitens, um die daraus entstehenden Probleme besser kennenzulernen, drittens, um zu zeigen, wie uninformiert Bischoff tats\u00e4chlich war, und schlie\u00dflich, um den \u00dcbergang zu machen zwischen Arisierung und Liquidierung von Buchhandlungen und dem grunds\u00e4tzlichen Standpunkt Verlagen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Unter den \u201eandere(n) h\u00f6chst ernst zu nehmende(n) Punkte(n)\u201c nach den Beobachtungen Bischoffs befand sich der Komplex \u201eKommissare\u201c:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich habe das gr\u00f6\u00dfte Bedenken gegen die T\u00e4tigkeit von Kommissaren. Diese Bedenken sind einmal darin begr\u00fcndet, da\u00df die Kommissare meist \u00fcber keinerlei Fachkenntnisse verf\u00fcgen, zum anderen haben die Kommissare auch praktisch keinerlei Vollmachten. Sie sind ja keinen Tag sicher, ob nicht nachtr\u00e4glich der j\u00fcdische Besitzer \u00fcber einen Zivilproze\u00df einen Vorsto\u00df macht, den vielleicht, trotz besten Willens, nicht einmal ein Gericht abweisen kann. Sie haben keine Fachkenntnisse und k\u00f6nnen nicht auf lange Zeit disponieren. Sie k\u00f6nnen infolgedessen keinerlei Aktivit\u00e4t entwickeln. Sie haben andererseits ein gewisses Bestreben, die Dinge doch etwas hinzuziehen. Daher ergibt sich, da\u00df Betriebe, deren Verschwinden feststeht, l\u00e4nger als notwendig erhalten bleiben, andererseits Betriebe, die vielleicht doch weiter bestehen k\u00f6nnten und sollten, aktionsunf\u00e4hig werden. (ebda.)<\/p>\n<p>Diese Ausf\u00fchrungen Bischoffs enthalten zwar viel Zutreffendes, vor allein was die \u201eQualit\u00e4t\u201c der kommissarischen Verwalter betrifft, die nach den Neubestellungen ab August 1938 nicht besser, sondern eher schlechter wurde.<a style=\"mso-footnote-id: ftn44;\" href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\"><span class=\"reference\">[44]<\/span><\/a> Sie enthalten aber auch Falsches. Um die treffende Formulierung Dahms zu zitieren: \u201ein dem so musterhaft hierarchischen Gef\u00fcge der RSK wu\u00dfte die eine Hand nicht, was die andere tat\u201c (loc.cit., Sp. 117). Dahms weitere Feststellung \u00fcber \u201edie mangelnde \u00dcbersicht der Referenten \u00fcber den Stand der Entjudung\u201c (ebda.) ist zwar auf reichsdeutsche Zust\u00e4nde vor 1938 gem\u00fcnzt, jedoch durchaus auf die Situation in \u00d6sterreich nach M\u00e4rz 1938 anwendbar.<\/p>\n<p>Es stimmte zwar, da\u00df die Kommissare meist \u00fcber keinerlei Fachkenntnisse und lediglich \u00fcber die NSDAP-Mitgliedschaft verf\u00fcgten, doch auch Bischoff hatte keinerlei Kenntnisse &#8211; so scheint es &#8211; vom \u201eGesetz \u00fcber die Bestellung von kommissarischen Verwaltern und kommissarischen \u00dcberwachungspersonen\u201c vom 13. April 1938. Und was \u201epraktisch keinerlei Vollmachten\u201c anlangt, so lautete \u00a7 2 dieses Gesetzes: \u201eDer kommissarische Verwalter ist zu allen Rechtshandlungen f\u00fcr die Unternehmung befugt.\u201c Lediglich der gesetzlichen Pflicht, die Bestellung oder Enthebung dem Handelsgericht bekanntzugeben, sind viele Verwalter nicht nachgekommen.<\/p>\n<p>Es erschien Bischoff erforderlich, da\u00df von der Kammer aus die Frage der Kommissare und ihre endg\u00fcltige Abl\u00f6sung aufgegriffen werde. Bischoff abschlie\u00dfend:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Man darf nicht \u00fcbersehen, da\u00df die Kommissare ja nicht einmal die Voraussetzungen des Reichskulturkammergesetzes erf\u00fcllen noch da\u00df sie es erf\u00fcllen wollen. Sie sagen sogar ausdr\u00fccklich, da\u00df die R.S.K. ihnen nichts zu sagen habe.<\/p>\n<p>Die Koordination zwischen Nazi-Verwaltungsstellen in Wien (Staatskommissar f\u00fcr die Privatwirtschaft, Verm\u00f6gensverkehrsstelle usw.) und der RSK Berlin mu\u00df im Oktober 1938 derart schlecht gewesen sein, da\u00df es Bischoff unbedingt erforderlich erschien,<\/p>\n<p class=\"zitat\">da\u00df man einmal mit der Verm\u00f6gensverwaltung in Wien spricht und diese Stelle \u00fcber die Erfordernisse und die Prinzipien unserer Arbeit unterrichtet. Auch diese Stelle wird daf\u00fcr dankbar sein, da eine solche Unterrichtung ihr einen unmittelbaren Dienst bei ihrer Arbeit leistet.<\/p>\n<p>Es erhebt sich nun die Frage, welche Grunds\u00e4tze in der \u201eEntjudung\u201c des \u00f6sterreichischen Verlagswesens zu verfolgen waren. Die Tendenz ging eher in Richtung Aufl\u00f6sung und Liquidierung, wiewohl dieser Vorgang sich im Zeitlupentempo vollzog. Schon im Mai 1938 meinte der Vize-Pr\u00e4sident des B\u00f6rsenvereins Wilhelm Baur, da\u00df \u201edie Frage der Entjudung des \u00f6sterreichischen Buchhandels (&#8230;) binnen kurzem ebenfalls in Angriff genommen [werde], und es ist zu erwarten, da\u00df als einer der ersten Verleger dann der Verlag Zsolnay in deutsche H\u00e4nde \u00fcbergeht\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn45;\" href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\"><span class=\"reference\">[45]<\/span><\/a> Und Baur weiter: \u201eEs scheint mir ein bestimmtes auch politisches Interesse vorzuliegen, da\u00df in Wien ein gro\u00dfer sch\u00f6ngeistiger Verlag weiterhin besteht.\u201c (ebda., S. 265 f.) Tats\u00e4chlich war der Paul Zsolnay Verlag unter allen tats\u00e4chlich oder vermeintlich in j\u00fcdischem Besitz befindlichen belletristischen Verlagen in \u00d6sterreich der einzige, an dessen Weiterexistenz \u00fcberregionales Interesse vorhanden war. Die verwirrenden und recht verworrenen Umst\u00e4nde um dessen \u201eArisierung\u201c haben wir an sp\u00e4terer Stelle zu erl\u00e4utern. Aufschlu\u00dfreiches Zeugnis von der Politik gegen\u00fcber dem Verlagswesen in \u00d6sterreich im allgemeinen, einer Politik, die auf die \u00f6sterreichischen Verleger keinerlei R\u00fccksicht nahm, liefert wiederum K.H. Bischoff, f\u00fcr den \u201epolitisch gesehen (&#8230;) die Dinge sehr klar\u201c lagen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">a) Wir m\u00fcssen als Gro\u00dfdeutsche ein unbedingtes Interesse daran haben, da\u00df Wien auch als wichtiger Verlagsort weiterhin bestehen bleibt und sogar noch gest\u00e4rkt wird. Die Aufgabe Wiens liegt auch geopolitisch eindeutig fest. So hat nicht nur der ber\u00fchmte Buchh\u00e4ndler Tr\u00e4ttner [sic!), sondern auch eine Reihe anderer Buchh\u00e4ndler den gesamten Balkan schrifttumsm\u00e4\u00dfig beherrschen k\u00f6nnen. Diese Beherrschung wird von Berlin aus nicht m\u00f6glich sein. Wien ist eine S\u00e4ule gegen\u00fcber dem S\u00fcdosten. Die St\u00e4rkung dieser S\u00e4ule auch vom Geistigen her, ist eine politische Forderung.<br \/>\nb)Wir k\u00f6nnen daher gar kein Interesse daran haben, da\u00df wichtige Verlage aus Wien abwandern und so z.B. das Druckereigewerbe in Wien auch noch k\u00fcnstlich gesch\u00e4digt wird. Es werden sich zwangsl\u00e4ufig bestimmt Zentralisierungen nach Berlin ergeben m\u00fcssen, man sollte aber hier eine klare Trennung des notwendigen und sachlichen von den anderen durchf\u00fchren.<br \/>\nc) Es scheint mir zu unseren Aufgaben zu geh\u00f6ren, auch diese Dinge klar zu sehen. Wir haben darum zu arbeiten, da\u00df hier Schleusen gebaut werden, Deiche errichtet werden und vielleicht auch neues Land gewonnen wird. Ich bin mir bewu\u00dft, da\u00df diese Meinung zun\u00e4chst noch angegriffen oder aber als abwegig bezeichnet wird. Ich \u00e4u\u00dfere sie auch auf diese Gefahr hin, weil ich davon \u00fcberzeugt bin, da\u00df man eines Tages doch dahin kommen wird. Damit ist nat\u00fcrlich nicht gesagt, da\u00df nun etwa die j\u00fcdischen Verlage in Wien unbedingt erhalten bleiben m\u00fc\u00dften. Es ist selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df hier nur nationalsozialistisch gehandelt werden kann.<br \/>\n(&#8230;)<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading13\"><\/a> 5. Arisierung, Liquidierung, Aufl\u00f6sung: Das Schicksal \u00f6sterreichischer Verlage<\/h3>\n<p>Damit unsere Ausf\u00fchrungen \u00fcber das Kommissarwesen, Arisierung und Liquidierung nicht abstrakt und unverbindlich bleiben, scheint es geboten, das Schicksal einiger Verlage nach dem M\u00e4rz 1938 \u2013 sowohl \u201ej\u00fcdischer\u201c als auch \u201earischer\u201c \u2013 zu verfolgen. So widerspr\u00fcchlich es klingt, die Behandlung in die eine oder andere Richtung war durch die NS-Gesetze unglaublich kompliziert gemacht. Es war leicht gewesen, kommissarische Verwalter zu bestellen, einen Verlag aber in \u201earische H\u00e4nde\u201c zu geben oder zu liquidieren, konnte unter Umst\u00e4nden dank der Devise \u201eEs mu\u00df alles seine Ordnung haben\u201c gute sechs Jahre dauern, wie z.B. im Fall des zu liquidierenden Bermann-Fischer Verlags. So gesehen, war die Jubelmeldung Will Vespers in der <em>Neuen Literatur <\/em>in Heft 5 vom Mai 1938 etwas verfr\u00fcht:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Unser jahrelanger Kampf gegen das j\u00fcdische und undeutsche Verlegertum in Wien war ein Teil des Kampfes um die Befreiung \u00d6sterreichs von fremdem, vom j\u00fcdischen Joch. Der Kampf ist entschieden. Die endg\u00fcltige Bereinigung dessen, was wir gestern von au\u00dfen bek\u00e4mpfen mu\u00dften, wird nun von innen her durchgef\u00fchrt.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nIn Zukunft sind ja auch alle Wiener Verlage, soweit sie weiter bestehen werden, nun deutsche Verlage, die wir gerne mit allen Kr\u00e4ften f\u00f6rdern, wenn sie sich f\u00fcr deutsche Dichtung und deutsche Kultur einsetzen. (&#8230;)<br \/>\nUnser Freund, der Zsolnay-Verlag, ist in zuverl\u00e4ssige Betreuung genommen worden. Wie einst bei Ullstein, raten wir auch hier: Man lasse den besudelten Namen so schnell wie m\u00f6glich verschwinden! Unter der Flagge eines Judennamens kann kein deutsches Unternehmen gl\u00fcckhaft weitersegeln. (&#8230;) (S. 264)<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading14\"><\/a> a) Der Paul Zsolnay Verlag. Eine Scheinarisierung?<a style=\"mso-footnote-id: ftn46;\" href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\"><span style=\"font-size: 0.7em; vertical-align: top;\">[46]<\/span><\/a><\/h4>\n<p>Am 16. M\u00e4rz 1938 stand der Paul Zsolnay Verlag unter kommissarischer Leitung. Der neuernannte kommissarische Verwalter, Pg. Hannes Dietl, war \u201eOrganisationsleiter des Landeskulturamtes der NSDAP \u00d6sterreich\u201c. Hauptberuflich war er Beamter des Stahlkonzerns B\u00f6hler-Werke und, vielleicht noch wichtiger: Schulfreund des Leiters des Landeskulturamtes der NSDAP und ehemaligen Pressechefs der NSDAP im Gau Wien, Pg. Hermann Stupp\u00e4ck. Er geh\u00f6rte zu den Herren, die gleich nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c als Funktion\u00e4re in das Landeskulturamt des Wiener Braunen Hauses eingezogen waren und anschlie\u00dfend vom Zsolnay Verlag Besitz ergriffen, ohne die n\u00f6tigen Mittel zur Erwerbung dieses Verlags \u2013 von allf\u00e4lligen fachlichen Qualifikationen ganz zu schweigen \u2013 zu besitzen. Der Verlag wurde von dem 1891 geborenen Dr. Ritter Jantsch von Streerbach \u00fcbernommen. Streerbach \u2013 mit Zsolnay offensichtlich eng befreundet \u2013 war seit Juni 1933 NSDAP-Mitglied in \u00d6sterreich, Mitglied des Reichsverbands deutscher Schriftsteller (Nr.4446) und zwischen Oktober 1935 und Juni 1938 neben Hermann Stupp\u00e4ck stellvertretender Landeskulturleiter der NSDAP in \u00d6sterreich. Es wurde sodann aus den Herren Jantsch, Dietl, Rudolf Penz (seit J\u00e4nner 1936 Prokurist des Zsolnay Verlags), Rudolf Geyer (f\u00fcr Buchillustration zust\u00e4ndig, 1933 bis 1936 Vorstandsmitglied des Zsolnay Verlags) und Otto Emmerich Groh (1905-1978) (ehemals Sprengelgruppenleiter der P.O. und Fachberater f\u00fcr Theater und dramatisches Schrifttum in der Landesleitung \u00d6sterreich der NSDAP, seit 1935 \u201enationaler\u201c Zsolnay-Autor) ein Verwaltungsrat gebildet. Am 29. M\u00e4rz 1938 wurden die neuen Vorstandsmitglieder bereits ins Wiener Handelsregister eingetragen (Reg. B 22, 85). Jantsch \u00fcbernahm 75% der Aktien der Paul Zsolnay Verlags-A.G. w\u00e4hrend 25% noch in den H\u00e4nden des \u201efr\u00fcheren\u201c Inhabers Zsolnay verblieben. Aber in den folgenden etwa 12 Monaten machte der \u201eVerlagsleiter\u201c Jantsch keine Anstalten, einen Teil der \u201eKaufsumme\u201c zu bezahlen. Wichtiger war zun\u00e4chst, ob die Firma nun als \u201earisch\u201c zu betrachten sei oder nicht. Auf Grund des von Jantsch und Zsolnay abgeschlossenen Vertrages stellten das Amt der Reichsstatthalterei von \u00d6sterreich und der Staatskommissar in der Privatwirtschaft fest, da\u00df das Unternehmen als \u201earisch\u201c anzusehen sei. Der Rest der noch in den H\u00e4nden des \u201eJuden\u201c Paul Zsolnay befindlichen Aktien<a style=\"mso-footnote-id: ftn47;\" href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\"><span class=\"reference\">[47]<\/span><\/a> d\u00fcrfte nur einem arischen Besitzer \u00fcbertragen werden. Jantsch und Zsolnay vereinbarten im Vertrag die Bedingung, da\u00df die tats\u00e4chliche Kaufsumme erst nach einem Jahr festzustellen sei, zumal Jantsch nicht in der Lage sei, unmittelbar nach \u00dcbernahme des Verlags auch nur ann\u00e4hernd den Wert des Unternehmens festzustellen. Aber so mir nichts, dir nichts \u201earisierte\u201c man Buchhandelsfirmen in der \u201eOstmark\u201c nicht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zsolnay.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1136\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zsolnay.jpg\" alt=\"Zsolnay\" width=\"400\" height=\"296\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zsolnay.jpg 1517w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zsolnay-300x222.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zsolnay-1024x758.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zsolnay-203x150.jpg 203w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Zsolnay-150x111.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Herren hatten hier die Rechnung ohne die Wirte \u2013 denn es gab deren mehrere \u2013 gemacht. Der eine hie\u00df in diesem Fall Reichsschrifttumskammer Berlin (Ihde, Bischoff) und der zweite Landesleitung \u00d6sterreich (Stebich). Wie kam aber die RSK zu dieser Kompetenz? Daf\u00fcr gibt es eine einfache und eine etwas verwickeltere Erkl\u00e4rung. Zum einen hatte die RKK-Gesetzgebung, wie wir bereits gesehen haben, erst etwa drei Monate nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c im Lande \u00d6sterreich Geltung. Die RSK mu\u00dfte sich also nach und nach als Autorit\u00e4t in Sachen Schrifttum etablieren und \u00fcberhaupt eine Einflu\u00dfsph\u00e4re f\u00fcr sich reklamieren. Die RSK hatte ohnehin nur beschr\u00e4nkten Einflu\u00df, zumal sie am 1. April 1938 ihre kulturpolitischen Kompetenzen an das Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda hatte abgeben m\u00fcssen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn48;\" href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\"><span class=\"reference\">[48]<\/span><\/a> Au\u00dferdem herrschte unter \u00f6sterreichischen Genossen die Ansicht: Was k\u00fcmmert mich die RSK? So beschwerte sich der Entjudungsreferent der RSK in Berlin, K.H. Bischoff, Ende August 1938, da\u00df die \u201eArisierung bisher j\u00fcdischer Buchhandelsunternehmungen in \u00d6sterreich (&#8230;) ohne Anh\u00f6ren des Pr\u00e4sidenten der RSK vorgenommen\u201c werde (loc.cit.). Der Einflu\u00df, besser: die Kompetenz der RSK war anderswo indirekt verankert.<\/p>\n<p>Hauptverantwortlich f\u00fcr die \u201eArisierung\u201c in \u00d6sterreich im allgemeinen war die auf Grund des Gesetzes vom 18. Mai 1938 (GBl. f\u00fcr das Land \u00d6sterreich, 139\/1938) in Wien errichtete Verm\u00f6gensverkehrsstelle. Mit diesem Gesetz wurden also die auf Grund der Verordnung vom 27. April 1938 \u00fcber die Anmeldung des Verm\u00f6gens von Juden dem Reichsstatthalter von \u00d6sterreich (Sey\u00df-Inquart) zustehenden Befugnisse (laut \u00a7 6 [2]) auf den Minister f\u00fcr Handel und Verkehr \u00fcbertragen. Die F\u00fchrung der Verm\u00f6gensverkehrsstelle (im folgenden: VVSt) oblag in Unterordnung unter dem Minister f\u00fcr Handel und Verkehr dem Staatskommissar in der Privatwirtschaft (Rafelsberger) (GBl. f\u00fcr das Land \u00d6sterreich, 139\/1938, \u00a7 3). Der VVSt wurde sodann als Aufgabe zugewiesen: die Entgegennahme der Anmeldungen des Judenverm\u00f6gens, die Genehmigung der Ver\u00e4u\u00dferung gewerblicher, landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher Betriebe sowie die Genehmigung der Erwerbung oder Neuerrichtung von Erwerbsunternehmen durch Altreichsdeutsche, Ausl\u00e4nder und \u201eOstm\u00e4rker\u201c. F\u00fcr all diese Dinge gab es eigene Formulare.<\/p>\n<p>Die Anmeldung des Judenverm\u00f6gens per Gesetz vom 27. April 1938 hatte bis Ende Juni zu erfolgen, obwohl eine Stichprobe dieser \u201eVerzeichnisse \u00fcber das Verm\u00f6gen von Juden nach dem Stand vom 27. April 1938\u201c, wie sie genau hie\u00dfen, ergab, da\u00df die Frist bis Mitte Juli verl\u00e4ngert worden sein mu\u00df. Es haben dann 47.768 Juden ein Verm\u00f6gen von mehr als RM 5.000 angemeldet.<a style=\"mso-footnote-id: ftn49;\" href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\"><span class=\"reference\">[49]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Insgesamt wurde ein Verm\u00f6gen von etwas mehr als 2 Milliarden RM angemeldet. Die VVSt hatte 26.263 Betriebe, von denen ca. 90% in Wien angesiedelt waren, im Rahmen der \u201eArisierung\u201c bis Ende Dezember 1938 zu untersuchen.<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\"><span class=\"reference\">[50]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Eine der Hauptfragen hiebei war die, den \u00dcbernahmspreis des Gesch\u00e4ftes durch einen Ariseur zu regeln. Obwohl der Schein einen anderen Schlu\u00df zulie\u00df, war man auf die Gew\u00e4hrleistung eines rechtlichen Zustands bedacht. Die Arisierung sollte nicht zu einer ungeb\u00fchrlichen Bereicherung f\u00fchren. \u201eMan wollte keine Arisierungsgewinner schaffen\u201c <em>(NFP, <\/em>loc.cit.). In der Beurteilung, ob es z.B. in der Buchhandelsbranche solche \u201eArisierungsgewinner\u201c gab, mu\u00df man eine Reihe von Aspekten, auf die wir auch sp\u00e4ter zur\u00fcckkommen, ber\u00fccksichtigen: I. die Entwertung eines Verlags oder einer Buchhandlung durch die Raubz\u00fcge (gro\u00dfe Beschlagnahmungsaktionen durch die GESTAPO und sonstige \u201eBeh\u00f6rden\u201c) w\u00e4hrend der M\u00e4rztage; 2. die Entwertung durch die effektive Betriebslahmlegung (die Inserierung im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>setzte eine Arisierungsgenehmigung voraus!), w\u00e4hrend die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden und Instanzen sich mit Gutachten, Betriebspr\u00fcfungen usw. monatelang befa\u00dften; 3. die erzwungene Zahlung eines \u201eEntjudungserl\u00f6ses\u201c und einer \u201eEntjudungsauflage\u201c durch den Ariseur an die \u201eAllgemeinheit\u201c und 4. der Kriegsausbruch, der zu einer Papier- und Materialverknappung f\u00fchrte und zur Einteilung der Unternehmungen in sog. \u201eW-Betriebe\u201c (d.i. Wehrwirtschaftsbetriebe). Das Pr\u00e4dikat \u201eW-Betrieb\u201c bekam nur eine Handvoll der noch bestehenden Verlage, und diese mu\u00dften darum bangen, dieses Privileg zu verlieren.<\/p>\n<p>Wie funktionierte dann die Arisierung im allgemeinen? Hier der betreffende Auszug aus einem Bericht \u00fcber die T\u00e4tigkeit der VVSt 1938, der in der <em>Neuen Freien Presse <\/em>und im <em>V\u00f6lkischen Beobachter <\/em>(4. 1. 1939) erschien:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Nach reichlicher \u00dcberlegung kam man zu folgendem Vorgang: Im Zuge des Arisierungsverfahrens wird jedes Unternehmen von Wirtschaftspr\u00fcfern eingehend untersucht und der Sachwert sowie der Verkehrswert festgelegt.<br \/>\nDer Kaufpreis kommt grunds\u00e4tzlich durch freie Vereinbarung zustande, jedoch mit der Einschr\u00e4nkung, da\u00df der Kaufpreis den Sachwert nicht \u00fcbersteigen darf.<br \/>\n\u00dcber den Kaufpreis hinaus, der den Juden entrichtet wird, hat der \u00dcbernehmer die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem Verkehrswert an die Verm\u00f6gensverkehrsstelle abzugeben und wird dieser Betrag dann der Allgemeinheit gewidmet.<\/p>\n<p>Obwohl die VVSt f\u00fcr Arisierung zust\u00e4ndig war, konnte die RSK manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg ihren Einflu\u00df geltend machen. Hier die entsprechende Passage aus dem vorhin zitierten Bericht:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die entsprechende Auswahl unter den Kaufwerbern bildete auch einen sehr wichtigen Punkt im Entjudungsverfahren. Vor allem mu\u00dfte sich die Verm\u00f6gensverkehrsstelle \u00fcber die fachliche Eignung der Bewerber Klarheit verschaffen. Dann war eine Beurteilung der Kaufwerber durch die Partei notwendig, um nicht Personen zu den verantwortungsvollen Posten eines Betriebsf\u00fchrers gelangen zu lassen, die ihrer Einstellung nach hiezu ungeeignet sind. Die Verm\u00f6gensverkehrsstelle unterzieht sich also durch eine sorgf\u00e4ltige Sichtung der Bewerber einer sehr wichtigen Aufgabe, n\u00e4mlich durch entsprechende Auswahl neue, ihrer Verantwortung gegen\u00fcber der Volksgemeinschaft bewu\u00dfte Unternehmer zu erziehen. (s. Anm. 49)<\/p>\n<p>\u00dcber die \u201efachliche Eignung der Bewerber\u201c hatte also die RSK \u00fcber die politische Eignung die Landes- oder Kreisleitung der NSDAP in Wien zu richten. Ein erstes Kriterium f\u00fcr die \u201efachliche Eignung\u201c war die Mitgliedschaft in der RSK noch wichtiger, nicht die blo\u00dfe Mitgliedschaft als \u201eSchriftsteller\u201c oder \u201eBuchh\u00e4ndler\u201c, sondern Mitgliedschaft in der \u201eFachschaft Verlag\u201c. Und wenn ein Bewerber der RSK aus irgendwelchen Gr\u00fcnden sympathisch war, konnte er mit Nachsicht rechnen, wenn er aber unsympathisch war, wurden eben mangelnde Vorbildung und\/oder fehlende RSK-Mitgliedschaft als Ablehnungsgrund geltend gemacht. Auch die Bearbeitung der Anmeldung zur Aufnahme in die RSK (f\u00fcr die es umfangreiche rosarote Formulare samt Ahnennachweisen gab) trug erheblich zur Verlangsamung des Arisierungs- und Liquidierungsprozesses bei. Bis einwandfrei gekl\u00e4rt war, da\u00df der RSK-Bewerber deutscher Abstammung und fachlich geeignet war, konnte viel Zeit verstreichen. Die RSK war bem\u00fcht \u2013 im Gegensatz zum Landeskulturamt ab M\u00e4rz 1938, nicht einfach verdiente Austronazis, die vom Buchhandel keine Ahnung hatten, mit Posten zu versorgen, sondern f\u00e4hige Personen zu bestellen. Die Nazi-B\u00fcrokratie war der Hemmschuh f\u00fcr eine rasche \u201eEntjudung\u201c.<\/p>\n<p>Durch einen Erla\u00df des Reichsstatthalters war der Zsolnay Verlag als \u201earisches\u201c Unternehmen bezeichnet worden, allerdings lag der Vertrag zwischen Jantsch und Zsolnay der RSK niemals zur Einsichtnahme vor. D.h. die RSK f\u00fchlte sich \u00fcbergangen, und ganz besonders ungehalten war der Sachberater f\u00fcr die Abteilung Buchhandel in der RSK, K.H. Bischoff, der am Zsolnay Verlag mehr Interesse hatte, als seinem Aufgabenbereich zukam, und in einem Aktenvermerk zum Thema Zsolnay folgendes schrieb:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Nach den Unterlagen ist der Pr\u00e4sident der Reichsschrifttumskammer nicht in der Lage seinerseits den arischen Charakter dieses Unternehmens zu best\u00e4tigen, da hiermit ein Prinzip durchbrochen w\u00e4re, das bisher klar eingehalten wurde.<a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\"><span class=\"reference\">[51]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Erst nach einem Jahr war eine Ver\u00e4nderung im Sinne den W\u00fcnsche der RSK und Bischoffs absehbar. Ausgel\u00f6st wurde die verst\u00e4rkte Aufmerksamkeit f\u00fcr den Zsolnay Verlag offensichtlich durch einen Brief des nationalen Zsolnay-Autors, Egmont Colerus, der im J\u00e4nner 1939 ein Schreiben an die RSK in Berlin richtete. Colerus wollte wissen, ob es mit seiner nationalsozialistischen Einstellung vereinbar w\u00e4re, da\u00df er sein neuestes Buch dem Zsolnay Verlag, der zum Teil doch noch dem Juden verpflichtet sei, zum Verlage und Vertriebe \u00fcbergebe. Die Herren in Berlin mu\u00dften auf eine L\u00f6sung dr\u00e4ngen. Inzwischen tauchten Immer mehr Anzeichen daf\u00fcr auf, da\u00df es sich bei der Transaktion Jantsch-Zsolnay blo\u00df um eine \u201eScheinarisierung\u201c gehandelt h\u00e4tte. Das war nicht blo\u00df eine Ansicht des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers der RSK, Landesleitung \u00d6sterreich, Max Stebich, sondern auch eine Ansicht, die \u00fcber vierzig Jahre danach zu vertreten ist. Der Inhaber und Gr\u00fcnder, Paul Zsolnay, war nach dem M\u00e4rz 1938 in Wien geblieben, und ihm blieb das Schicksal mancher Berufskollegen, die z.B. Anfang April 1938 in Schutzhaft nach Dachau transportiert wurden, erspart.<a style=\"mso-footnote-id: ftn52;\" href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\"><span class=\"reference\">[52]<\/span><\/a> Er scheint auch nicht gef\u00e4hrdet gewesen zu sein. Einigerma\u00dfen \u201eGl\u00fcck im Ungl\u00fcck\u201c hatte hingegen die Witwe E.P. Tals, insofern als sie bereits geflohen war, als die Raubritter vor der Verlagst\u00fcr standen.<\/p>\n<p>Zsolnay lenkte den Verlag \u2013 z.T. von London aus, wo er in Zusammenarbeit mit William Heinemann sich erneut als Verleger etablierte \u2013 noch bis M\u00e4rz 1939.<\/p>\n<p>Die Weichen f\u00fcr die Entfernung Zsolnays aus dem Verlag bzw. f\u00fcr seinen freiwillig-unfreiwilligen Weggang vom Verlag waren bereits anl\u00e4\u00dflich der Verwaltungsratssitzung am 14. M\u00e4rz 1938 gestellt worden. Er schied aus der Firma als \u201eVorstandsmitglied\u201c aus, blieb jedoch weiterhin Aktion\u00e4r, wie die Pr\u00e4senzliste im Protokoll \u00fcber die am 26. April 1938 in den R\u00e4umen des Verlags abgehaltene a.o. Generalversammlung zeigt.<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\"><span class=\"reference\">[53]<\/span><\/a> Im Rahmen einer kurzen Ansprache unter Punkt 3 \u201eAllf\u00e4lliges\u201c bedankte sich Paul Zsolnay bei den alten und neuen Verlagsmitarbeitern und best\u00e4tigte die Linie, die der Verlag seit dem Jahre 1934 verfolgt habe und die er in Zukunft verfolgen werde. Hier ein Auszug:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Sehr geehrte Herren!<br \/>\nIm Namen der Aktion\u00e4re des Verlages erlaube ich mir, Ihnen den Dank auszusprechen<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nBesonderen Dank aber ist das Unternehmen Herrn Dr. Hermann R. Leber schuldig, der ihm unter schwierigsten Umst\u00e4nden vier Jahre lang geholfen hat, die als notwendig erkannte Umstellung durchzuf\u00fchren, und dies mit ebensoviel Takt wie Tatkraft getan hat. In Herrn Dr. Leber suchte und fand der Verlag jene Pers\u00f6nlichkeit, die den freiwillig gefa\u00dften Entschlu\u00df der Verlagsleitung und -inhabung durchf\u00fchren half, nach der nationalen Erhebung in Deutschland den neuen Richtlinien des erneuerten Deutschlands Rechnung zu tragen und so der gesamtdeutschen Kultur nach besten Kr\u00e4ften zu dienen. Die nunmehrige Eingliederung Deutsch\u00f6sterreichs in Deutschland gibt dem Verlag jetzt auch die rechtliche Grundlage, die v\u00f6llige Gleichschaltung, die bisher nicht m\u00f6glich war, durchzuf\u00fchren, und der neugew\u00e4hlte Verwaltungsrat bietet die Gew\u00e4hr, da\u00df diese Durchf\u00fchrung restlos erfolgen werde. Da\u00df dabei gro\u00dfe ideelle und materielle Werte des Verlages in den Dienst seiner weiteren Entwicklung gestellt bleiben, b\u00fcrgt daf\u00fcr, da\u00df f\u00fcr seine neue T\u00e4tigkeit eine sichere Grundlage geschaffen ist.<a href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\"><span class=\"reference\">[54]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Um aber den Verlag auch nach au\u00dfen hin, offiziell und formal zu \u201eentjuden\u201c mu\u00dften Zsolnay und Felix Kostia-Costa als Vorstandsmitglieder auch aus dem Handelsregister gel\u00f6scht werden. Daf\u00fcr war eine pers\u00f6nlich unterschriebene Verzichtserkl\u00e4rung erforderlich. So unterschrieben Zsolnay und Costa jeweils das folgende gleichlautende Schreiben an den Verlag vom 20. August 1938:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<br \/>\nIn der am 14. M\u00e4rz 1938 stattgefundenen Verwaltungsratssitzung brachte ich Ihnen zur Kenntnis, da\u00df ich einen Urlaub antrete.<br \/>\nIch teile Ihnen nunmehr mit, da\u00df ich von diesem Urlaub nicht mehr zur\u00fcckkehre und auf meine Funktion als Vorstandsmitglied Ihrer Gesellschaft verzichte. Ich bitte Sie daher, die L\u00f6schung meiner Eintragung im Handelsregister zu veranlassen.<br \/>\nHochachtungsvoll<br \/>\nPaul Zsolnay [bzw.] Felix Kostia-Costa<a style=\"mso-footnote-id: ftn55;\" href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\"><span class=\"reference\">[55]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Brief war jeweils mit der <em>Wiener <\/em>Adresse der beiden verfa\u00dft. Die L\u00f6schung erfolgte am 26. April 1938.<\/p>\n<p>Zsolnay soll \u2013 nach Stebich \u2013 w\u00e4hrend dieser ganzen Zeit lediglich \u201evor\u00fcbergehend\u201c von Wien abwesend gewesen, immer wieder in dem Verlag erschienen sein und seinen Einflu\u00df auf die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung geltend gemacht haben. Nun war, wie erw\u00e4hnt, nicht der gesamte Besitz in arische H\u00e4nde \u00fcbergeleitet worden. Die Teilerwerbung war nach Ansicht des nunmehrigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers der RSK in Wien \u00fcberhaupt unter Au\u00dferachtlassung aller Vorschriften vor sich gegangen. Das waren: genaue \u00dcberpr\u00fcfung des Bestandes und der Bilanzen, die Vorlage eines Verkaufsangebotes des fr\u00fcheren Besitzers, eines Kaufvertrages des Bewerbers, die Stellungnahme der RSK und schlie\u00dflich die Erledigung durch die VVSt.<a style=\"mso-footnote-id: ftn56;\" href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\"><span class=\"reference\">[56]<\/span><\/a> Nach Stebich war es \u201eeinfach unertr\u00e4glich, da\u00df immer wieder Ger\u00fcchte auftauchen, wir w\u00fcrden uns in diesem Fall hinter das Licht f\u00fchren lassen\u201c. (Stebich, ebda.) Es w\u00e4re nach Meinung der Landesleitung \u00d6sterreich der RSK richtig, \u201ein diesen Verlag einen von der Reichsschrifttumskammer vorzuschlagenden kommissarischen Verwalter zu setzen\u201c (ebda.).<\/p>\n<p>Am 12. April 1939 richtete RSK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Max Stebich einen f\u00fcnfseitigen \u201eBericht der Reichsschrifttumskammer\u201c \u00fcber den Stand der Dinge in Sachen Paul Zsolnay an das Reichspropagandaamt in Wien, um eine Wende vorzubereiten, eine \u201eWende\u201c, die aber trotzdem noch mehr als zwei Jahre auf sich warten lassen sollte. Anfang Februar 1939 traf der Sachberater f\u00fcr die Abteilung Buchhandel in der RSK, Bischoff, in Wien ein, um Verhandlungen \u00fcber die Arisierung der j\u00fcdischen, schrifttumskammerpflichtigen Unternehmen zu f\u00fchren. Bei dieser Gelegenheit wurde neben dem Herbert Reichner Verlag und Bermann-Fischer Verlag auch der Zsolnay Verlag in die Diskussion einbezogen. Der Verlagsinhaber Jantsch sagte Bischoff eine Bereinigung der Angelegenheit im Sinne der RSK zu. Anfang M\u00e4rz kam Bischoff neuerlich nach Wien, diesmal in Begleitung des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers der RSK, Wilhelm Ihde, um \u00fcber den Zsolnay Verlag neuerlich zu verhandeln. Jantsch wurde eine letzte Frist zur Bezahlung der Aktien bis 31. M\u00e4rz 1939 einger\u00e4umt. Andernfalls war die Gestapo beauftragt, den Verlag zu schlie\u00dfen. Zust\u00e4ndig f\u00fcr einen solchen Schritt war nicht die RSK, sondern das Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda. Am 1. April erhielt Stebich von seiner Kammer die Kopie eines Schreibens des Herrn Pr\u00e4sidenten der RSK an den Herrn Reichsminister f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda, in dem der Minister ersucht wurde, die Schlie\u00dfung durchzuf\u00fchren und \u00fcber die Einsetzung eines kommissarischen Leiters zu entscheiden. Am gleichen Tag wurde Stebich vom Reichspropagandaamt Wien (Dr. von Breisky) aufgefordert, den Verlag sofort zu schlie\u00dfen und den Schriftsteller Erich Landgrebe als kommissarischen Leiter einzusetzen. Stebich weigerte sich, dem Antrag nachzukommen, nicht zuletzt deswegen, weil nach dem Gesetz \u00fcber die Bestellung von kommissarischen Verwaltern (G.Bl. Nr. 80\/1938) in der ge\u00e4nderten Fassung vom Oktober 1938 (G.Bl. Nr. 518\/1938) kommissarische Verwalter nach dem 31. M\u00e4rz 1939 nicht mehr bestellt werden durften. Das Pokerspiel um den Zsolnay Verlag war um eine Facette reicher, aber noch lange nicht aus. Es traf am selben Tag ein hoher Beamter des Propagandaministeriums in Wien ein; es wurde weiter verhandelt, und Jantsch wurde eine letzte Frist einger\u00e4umt, seinen Verlagsanteil zu bezahlen. Jantsch versuchte unterdessen andere Karten ins Spiel zu bringen und diese (z.B. das Reichspropagandaamt Wien und Gauleiter B\u00fcrckel) gegen die RSK auszuspielen, ohne Erfolg. Nachdem Jantsch aber noch immer nicht die Bezahlung vorgenommen hatte, wurde die Gestapo vom Propagandaministerium in Berlin beauftragt, die Schlie\u00dfung vorzunehmen. Dies geschah am 7. April 1939. Der Zsolnay Verlag hatte nun so lange geschlossen zu bleiben, bis sich der Verwaltungsrat \u00fcber die Person eines dem Herrn Goebbels genehmen Treuh\u00e4nders oder Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers geeinigt h\u00e4tte. Verwaltungsratsmitglied O.E. Groh schlug Stebich Herrn SA Sturmbannf\u00fchrer Dr. Hanns Schopper vor.<a style=\"mso-footnote-id: ftn57;\" href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\"><span class=\"reference\">[57]<\/span><\/a> Dieser war \u201eder Gaupresseamtsleiter von Niederdonau, verdientes illegales Parteimitglied, moralisch und menschlich vollkommen einwandfrei, au\u00dferdem auch Mitglied der Fachschaft Verlag in der RSK\u201c. Schopper geh\u00f6rte zum engen Freundeskreis um Hermann Stupp\u00e4ck und wurde wohl deswegen nun \u201ezum einstweiligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bestellt\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn58;\" href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\"><span class=\"reference\">[58]<\/span><\/a> Zwei Tage nach dieser Bestellung befand (am 13. April 1939) das Propagandaministerium in Berlin, da\u00df Schopper als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer nicht in Betracht komme. Und au\u00dferdem: Die Schlie\u00dfung des Verlags bleibe solange aufrecht, als Jantsch im Verwaltungsrat t\u00e4tig sei.<\/p>\n<p>Aber es gab w\u00e4hrend jener \u201eScheinarisierung\u201c nicht nur mehrfache gesetzliche Unterlassungen, wie sie Stebich schilderte. Auf Grund seiner verl\u00e4\u00dflichen Informationen \u00fcber die Vorg\u00e4nge im Verlag zwischen M\u00e4rz 1938 und M\u00e4rz 1939 waren die praktizierten Geldsitten als eher locker zu bezeichnen und die allgemeine Entwicklung nicht nationalsozialistisch.<a href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\"><span class=\"reference\">[59]<\/span><\/a> Au\u00dferdem war Jantsch zwar als \u201eSchriftsteller\u201c RSK-Mitglied, doch hatte er sich nicht um Mitgliedschaft in der Fachschaft Verlag der RSK gek\u00fcmmert. Auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dietl hatte ein Jahr lang nicht um die entsprechende Mitgliedschaft angesucht. \u201eEine Aufnahme w\u00e4re auch nicht in Betracht gekommen, da er absolut keine Vorbildung f\u00fcr die F\u00fchrung eines Verlages besitzt\u201c (Stebich).<a style=\"mso-footnote-id: ftn60;\" href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\"><span class=\"reference\">[60]<\/span><\/a> Jantsch durfte ja auch nicht \u201eauf Jahre hinaus Schuldner und Ratenzahler eines Juden sein\u201c (Stebich).<\/p>\n<p>Nach Ansicht Stebichs war das Weiterverwenden von Felix Kostia-Costa im Verlag \u201eeine schwere Belastung\u201c. Der am 30.8.1887 in Wien geborene Costa, der 1919 den \u201eIlf-Verlag\u201c mitbegr\u00fcndete, war der literarische und finanzielle Leiter bzw. Direktor des Zsolnay Verlags und die eigentliche \u201eSeele\u201c des literarischen Erfolgs. Nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c war er kaufm\u00e4nnischer Leiter, bis er unter dem Druck, den die RSK nunmehr auf den Verlag aus\u00fcbte, am 31. M\u00e4rz 1939 entlassen wurde. Nun war Costa zwar r\u00f6misch-katholisch, aber \u201eHalbjude und mit einer Vollj\u00fcdin verheiratet\u201c. Nach dem Ausscheiden Zsolnays blieb Costa mit Wissen des Dr. Jantsch in schriftlicher F\u00fchlung mit dem \u201efr\u00fcheren\u201c Inhaber. Es ist nicht \u00fcberraschend, da\u00df Jantsch von den Herren Bischoff und Ihde in der RSK wiederholt gedr\u00e4ngt wurde, Costa zu entlassen, \u201eweil es nicht angehe, da\u00df in einem kulturkammerpflichtigen Betriebe ein nach den N\u00fcrnberger Rassengesetzen als Jude geltender Angestellter t\u00e4tig sei\u201c (Stebich, 12.4.1939). Genausowenig kam eine Anmeldung Costas in die Gruppe Verlag der RSK in Betracht.<a style=\"mso-footnote-id: ftn61;\" href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\"><span class=\"reference\">[61]<\/span><\/a> Ende August 1941 wurde er zusammen mit seiner Gattin und seinem 12j\u00e4hrigen Sohn, Karl Hans, nach Minsk deportiert. Nach dem Krieg wurde er offiziell f\u00fcr tot erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes wurde sodann Dr. Wilhelm Hofmann zum Treuh\u00e4nder des Zsolnay Verlags bestellt und am 23. Mai 1939 ins Handelsregister eingetragen. Der seinerzeitige Beschlu\u00df der VVSt, mit welchem Jantsch die \u00dcbernahme des Paul Zsolnay Verlags bewilligt wurde, wurde \u2013 zumal eine \u201eScheinarisierung\u201c vorl\u00e4ge \u2013 wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. Dem Treuh\u00e4nder oblag es nun, Ordnung in das organisatorische und finanzielle Chaos zu bringen. Hofmann amtierte noch bis Juni 1940.<\/p>\n<p>Ohne da\u00df \u201eInhaber\u201c Jantsch den Verlag aufgegeben h\u00e4tte, gab es Anmeldungen von interessierten K\u00e4ufern im Juni 1939. Laut Unterlagen der RSK in Wien h\u00e4tten vier \u201eVerleger\u201c Interesse am (rechtm\u00e4\u00dfigen) Erwerb des Paul Zsolnay Verlags gezeigt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">1) Karl Konrad Bauer, der 29j\u00e4hrige Inhaber des Adolf Luser Verlags<a style=\"mso-footnote-id: ftn62;\" href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\"><span class=\"reference\">[62]<br \/>\n<\/span><\/a>2) der 31j\u00e4hnge Erich Landgrebe, Schriftsteller und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Zsolnay Verlags<br \/>\n3) Hans Misar, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des \u201aVerlags \u201eDas \u201aBergland-Buch\u201c\u2019 in Salzburg<br \/>\n4) der 44j\u00e4hrige Eugen Swoboda, Inhaber der F. Speidel\u2019schen Verlagsbuchhandlung<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hatten sich zwei Interessenten aus dem Altreich gemeldet. Das Interesse hielt noch im November 1939 an: hinzu kamen zwei weitere Bewerber, darunter einer aus Wien, und zwar ein Herr Emil Kleibl in Zusammenarbeit mit Erich Landgrebe. Kleibl war zwar nicht aus der Verlagsbranche, aber trotzdem noch 1939 kommissarischer Verwalter und Abwickler des Herbert Reichner Verlags.<\/p>\n<p>Die Besitzverh\u00e4ltnisse waren also noch immer nicht geregelt, obwohl noch allerhand Jonglieren mit den Aktien stattgefunden hatte. Am 21. Juli 1939 wurden die Zsolnay Verlags-Aktien durch die Gestapo aus dem Depot Jantsch\u2019 bei der L\u00e4nderbank in Wien behoben und galten danach als \u201everschwunden\u201c.<\/p>\n<p>Auf Dr. Hofmann folgte ein Steuerberater und Rechtsanwalt namens Dr. Oskar Samesch, der nach drei Monaten wieder von Hofmann abgel\u00f6st wurde.<\/p>\n<p>Fast drei Jahre nach \u00dcbernahme des Zsolnay Verlags durch Jantsch und Konsorten wurde nun hochoffiziell versucht, reinen Tisch zu machen, denn trotz \u201ej\u00fcdischen\u201c Namens produzierte der Zsolnay Verlag weiter und machte betr\u00e4chtliche Ums\u00e4tze (1940: ca. 1,200.000 RM; 1941: ca. 1,600.000 RM).<a href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\"><span class=\"reference\">[63]<\/span><\/a> Die Bem\u00fchungen sind in einem Aktenvermerk der RSK (Herrn [Wilhelm] Ihde zur Kenntnis) festgehalten.<\/p>\n<p>Am 6. M\u00e4rz 1941 fand eine Art \u201eGipfeltreffen\u201c in Wien zum Thema Zsolnay Verlag unter der Leitung des Leiters des Reichspropagandaamts Wien, Gebietsf\u00fchrer Kauffmann, statt. An der Sitzung nahmen u.a. teil: Vertreter des Gaurechtsamts, der VVSt, des Reichswirtschaftsministeriums, der Gestapo, des Propagandaministeriums, des Gaugerichts, des Zsolnay Verlags und der RSK.<a style=\"mso-footnote-id: ftn64;\" href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\"><span class=\"reference\">[64]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Zweck der Sitzung war, \u201eein klares Protokoll der Vorg\u00e4nge in dieser Sache aufzustellen, damit er [Gebietsf\u00fchrer Kauffmann] es dann dem Reichsstatthalter von Schirach vorlegen k\u00f6nne\u201c (ebda.). Es wurde zun\u00e4chst kritisiert, da\u00df die Beamten der VVSt in der Sache Jantsch \u201erecht unklar gehandelt\u201c h\u00e4tten. Auch spielte \u201eseine [Jantsch] unklare Handlung gegen\u00fcber dem Juden Zsolnay eine gro\u00dfe Rolle, die auch in einem Parteigerichtsverfahren verhandelt wurde\u201c(ebda.).<a style=\"mso-footnote-id: ftn65;\" href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\"><span class=\"reference\">[65]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Da \u201eeine restlose Arisierung effektiv noch nicht erfolgt w\u00e4re\u201c, hatte nun der Reichswirtschaftsminister verf\u00fcgt, da\u00df der Paul Zsolnay Verlag zu liquidieren sei. Dem stand aber das Faktum entgegen, da\u00df der Verlag \u201ezur Zeit sehr aktiv <span lang=\"DE\" style=\"mso-bidi-font-size: 6.0pt; mso-ansi-language: DE;\">ist\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn66;\" href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\"><span class=\"reference\">[66]<\/span><\/a> Es sollte also auf einen Zeitpunkt gewartet werden, wo Passiva und Aktiva ziemlich ausgeglichen seien, wof\u00fcr es allerdings kein Anzeichen gab. Es gab aber eine andere L\u00f6sung:<\/span><\/p>\n<p class=\"zitat\">Es liegt nun allerdings im Interesse des Reichsstatthalters von Wien, da\u00df der Zsolnay Verlag zwar unter einem anderen Namen, aber doch m\u00f6glichst mit dem Teil der Autoren, der heute zu verantworten, weiterbesteht und weiterarbeitet. (Protokoll, ebda.)<\/p>\n<p>Man war sich im Falle einer Liquidation der Gefahr bewu\u00dft, da\u00df die Autoren aus ihren bisherigen Verlagsvertr\u00e4gen herausspringen k\u00f6nnten, was dem \u201eAnw\u00e4rter\u201c schaden w\u00fcrde. Obwohl \u00fcber diesen nicht gesprochen wurde, stand der Name wahrscheinlich schon fest. Somit d\u00fcrfe man<\/p>\n<p class=\"zitat\">erwarten, da\u00df in nicht allzu ferner Zeit der Zsolnay Verlag unter diesem Namen verschwindet und ein neuer Verlag unter Leitung von Fachm\u00e4nnern mit Hilfe der wertvollen Autoren des Zsolnay Verlages zu arbeiten beginnen wird. (Protokoll, ebda.)<\/p>\n<p>Kurz darauf erschien eine Verordnung bez\u00fcglich der \u00c4nderung j\u00fcdischer Firmennamen,<a style=\"mso-footnote-id: ftn67;\" href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\"><span class=\"reference\">[67]<\/span><\/a> die das Weiterverwenden des Namens Paul Zsolnay Verlag unm\u00f6glich gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Offensichtlich ohne Wissen der Herren in der RSK hatte der Verlag den Besitzer gewechselt. Der Schriftleiter Hermann Hess teilte der RSK Berlin am 14. April 1941 mit, da\u00df er die Gesamtaktien des Zsolnay Verlags von dem bisherigen Inhaber Jantsch erworben h\u00e4tte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn68;\" href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\"><span class=\"reference\">[68]<\/span><\/a> Hess war aber nur einige wenige Tage lang Besitzer, denn er erfuhr, da\u00df der Leiter des Reichspropagandaamts Wien, G\u00fcnter Kauffmann, den Treuh\u00e4nder des Zsolnay Verlags beauftragt h\u00e4tte, die in Hess\u2019 Besitz befindlichen Aktien an Karl H. Bischoff, Berlin, abzutreten. Verst\u00e4ndlicherweise vermutete Hess ein gesetz- und rechtswidriges Vorhaben.<\/p>\n<p>Es herrschte Unklarheit dar\u00fcber, wer hier das unbehinderte Verkaufsrecht habe. Zumal aber die Leitung des Verlagsunternehmens unter einem Treuh\u00e4nder stand, war Aktienbesitzer Jantsch nach dem Gesetz nicht (mehr) befugt, den Verlag zu ver\u00e4u\u00dfern. Nach der Kundmachung des Reichsstatthalters in \u00d6sterreich (G.Bl. Nr.633\/1938), nach der Treuh\u00e4nder von der Verm\u00f6gensverkehrsstelle eingesetzt werden konnten, war der Zsolnay-Treuh\u00e4nder \u201ezu allen gerichtlichen und au\u00dfergerichtlichen Gesch\u00e4ften und Rechtshandlungen erm\u00e4chtigt, die der Betrieb des betreffenden Unternehmens, seine Abwicklung oder Ver\u00e4u\u00dferung erforderlich machen\u201c. Wie dem auch sei, Hess zog mit seiner Bitte an die RSK um Unterst\u00fctzung den k\u00fcrzeren.<a href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\"><span class=\"reference\">[69]<\/span><\/a> Die Umst\u00e4nde um den n\u00e4chsten Besitzerwechsel blieben nicht weniger dubios. Am 1. September 1941 schlo\u00df Zsolnay-Treuh\u00e4nder Hofmann mit Karl H. Bischoff, \u201eBuchh\u00e4ndler in Berlin-Rahnsdorf\u201c einen Kaufvertrag ab. Am 16. September wurde ein Antrag bei der Abwicklungsstelle der VVSt in Wien gestellt, und am 30. September wurde folgendes genehmigt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">die Ver\u00e4u\u00dferung des gesamten Verlagsunternehmens der Paul Zsolnay Verlag Aktiengesellschaft, Wien IV., Prinz Eugenstra\u00dfe 30, samt Aktiven und Passiven, insbesondere mit allen Rechten und Pflichten aus den bestehenden Verlagsvertr\u00e4gen nach dem Stand vom 19. April 1939 an Karl Heinrich Bischoff, Buchh\u00e4ndler in Berlin-Rahnsdorf, Buriger Weg 5.<br \/>\nDer Kaufpreis wird mit RM 41.561.82 (&#8230;) bestimmt und bleibt die Bestellung einer Auflage vorbehalten.<a style=\"mso-footnote-id: ftn70;\" href=\"#_ftn70\" name=\"_ftnref70\"><span class=\"reference\">[70]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Diese Kaufsumme als \u201eOkkasionspreis\u201c zu bezeichnen, w\u00e4re eine gewaltige Untertreibung. Der Preis war blo\u00df 1\/14 des Betriebskapitals (zum Stand vom 31. Dezember 1940), das nun in den Besitz Bischoffs \u00fcberging, und zwar rund RM 590.000. Und bis zum Tage der offiziellen \u00dcbernahme am 1. Oktober 1941 kann man sicher sein, da\u00df der kapitalm\u00e4\u00dfige Wert noch wesentlich h\u00f6her anzusetzen war. Um nicht ganz 42.000 RM hatte Bischoff ein Unternehmen \u00fcbernommen, dessen Ums\u00e4tze \u2013 trotz des Kriegs oder gar wegen des Kriegs \u2013 im Steigen waren und mit mindestens rund 100.000 RM monatlich eingesch\u00e4tzt wurden.<a href=\"#_ftn71\" name=\"_ftnref71\"><span class=\"reference\">[71]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Bei der \u201eNeugr\u00fcndung\u201c des Karl H. Bischoff Verlags (ab Oktober 1941) stellte sich heraus, da\u00df Bischoff ganz sch\u00f6n absch\u00f6pfte.<a style=\"mso-footnote-id: ftn72;\" href=\"#_ftn72\" name=\"_ftnref72\"><span class=\"reference\">[72]<\/span><\/a> Die \u201eneue\u201c Firma wurde am 19. Juni 1942 ins Wiener Handelsregister eingetragen. Die Paul Zsolnay Verlag-A.G. lebte indessen auf Papier weiter, zumal nicht alle handelsrechtlichen Voraussetzungen erf\u00fcllt worden waren, um sie zu l\u00f6schen. Der Antrag auf amtswegige L\u00f6schung erfolgte vom Finanzamt f\u00fcr K\u00f6rperschaften Wien am 9. November 1942. Der letzte Treuh\u00e4nder, ein Dr. Fritz Bauer, gab dem Handelsgericht bekannt, \u201eda\u00df diese Firma ihren Betrieb bereits seit langer Zeit eingestellt hat und da\u00df sie kein wie immer geartetes Verm\u00f6gen besitzt\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn73;\" href=\"#_ftn73\" name=\"_ftnref73\"><span class=\"reference\">[73]<\/span><\/a> W\u00e4hrend erstere Feststellung unrichtig war, entsprach die zweite nur sehr indirekt der Wahrheit. Und ob noch ein Verm\u00f6gen vorhanden war, konnte weder die RSK Wien noch die Industrie- und Handelskammer Wien einwandfrei feststellen.<a href=\"#_ftn74\" name=\"_ftnref74\"><span class=\"reference\">[74]<\/span><\/a> Handelsrechtlich h\u00f6rte der Zsolnay Verlag am 23. Februar 1943 auf zu existieren.<\/p>\n<p>Der Verleger K.H. Bischoff brauchte sich mit seinem florierenden Unternehmen w\u00e4hrend der Dauer des Weltkriegs dank seinem ehemaligen Brotgeber, der RSK, keine Sorgen zu machen. Sein Verlag wurde n\u00e4mlich zu einem Zeitpunkt, als der totale Kriegsseinsatz erforderlich war, n\u00e4mlich im August 1944, von dieser als \u201ekriegswichtig erkl\u00e4rt\u201c und \u201evon der Stillegung nicht betroffen\u201c:<a style=\"mso-footnote-id: ftn75;\" href=\"#_ftn75\" name=\"_ftnref75\"><span class=\"reference\">[75]<\/span><\/a><\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<br \/>\nIch erwarte, da\u00df Sie Ihre weitere T\u00e4tigkeit als Kriegsdienst auffassen und von sich und Ihrer auf das Mindestma\u00df zu beschr\u00e4nkenden Gefolgschaft ein H\u00f6chstma\u00df von Leistung fordern.<br \/>\nIm Auftrage:<br \/>\ngez. Gentz (ebda.)<\/p>\n<p>Der Karl H. Bischoff Verlag nahm den Kriegsdienst sehr ernst und wird dabei finanziell gut abgeschnitten haben:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir haben st\u00e4ndig eine Reihe wichtiger Auftr\u00e4ge f\u00fcr die geistige Truppenbetreuung sowohl unmittelbar f\u00fcr das OKW. und f\u00fcr die Organisation Todt, wie f\u00fcr die einzelnen Wehrmachtsteile und die Waffen-SS zu erledigen. Wir haben ferner im Auftrage des Reichsministeriums f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda laufend eine gro\u00dfe Anzahl von Feldpostausgaben f\u00fcr die Soldaten herzustellen. (&#8230;)<a href=\"#_ftn76\" name=\"_ftnref76\"><span class=\"reference\">[76]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte der Karl H. Bischoff Verlag in Wien eine ganze Reihe von \u00f6ffentlichen Verwaltern, bis er am 7. Februar 1958 aus dem Handelsregister Wien gel\u00f6scht wurde. Im Jahre 1946 wurden durch die Gr\u00fcndung der Paul Zsolnay Verlag Ges.m.b.H. die alten Rechtsverh\u00e4ltnisse wieder hergestellt.<\/p>\n<p>Und nun wenden wir uns einem Fall von \u201eArisierung\u201c zu, der weitaus weniger kompliziert war und die Prozedur klar zeigt.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading15\"><\/a> b) Arisierung am Beispiel E.P. Tal &amp; Co. Verlag<\/h4>\n<p>War der Zsolnay Verlag ein Beispiel f\u00fcr die \u201eArisierung\u201c sozusagen von au\u00dfen, so waren der E.P. Tal &amp; Co. Verlag und der Saturn-Verlag Beispiele f\u00fcr \u201einterne\u201c Arisierung, wodurch die Einsetzung eines kommissarischen Verwalters \u00fcberfl\u00fcssig war.<\/p>\n<p>Seit dem Gr\u00fcndungsjahr 1919 hatte der Wiener Verleger Ernst Peter Tal seinen Verlag, von gelegentlichen Kapitalbeteiligungen (stille Teilnehmer) in den 20er Jahren (z.B. Carl Seelig) abgesehen, als Alleininhaber gef\u00fchrt. Kurz nachdem er Ende November 1936 unerwartet starb, bestand mit dem 1902 in Saarbr\u00fccken geborenen Reichsdeutschen Dr. Alfred Ibach nach dessen eigener Angabe ein Beteiligungsverh\u00e4ltnis seit Anfang 1937 mit Optionskaufrecht.<a href=\"#_ftn77\" name=\"_ftnref77\"><span class=\"reference\">[77]<\/span><\/a> Ibach hatte Kunstgeschichte und Germanistik studiert, als Regieassistent in Frankfurt (Schauspielhaus), ab 1927 als Mitarbeiter und Dramaturg am Deutschen Theater und an der Volksb\u00fchne in Berlin gearbeitet, Kurzgeschichten und Gedichte ver\u00f6ffentlicht sowie als \u00dcbersetzer gearbeitet. Anfang 1936 war er nach Wien gekommen.<\/p>\n<p>Als Universalerbin \u00fcbernahm die Witwe Ernst Peter Tals, Lucy Tal (* 1896), die Konzession und den Verlag bis zur Beendigung der Verlassenschaftsabhandlung. Am 14. M\u00e4rz 1938 hatte Lucy Tal eine Vollmacht, die \u201einsbesondere auch f\u00fcr L\u00f6schungen und Neueintragungen bei der Firma E.P. Tal &amp; Co.\u201c galt, f\u00fcr den Rechtsanwalt und Schriftsteller Dr. Hugo Wolf (1888-1946) unterschrieben.<a style=\"mso-footnote-id: ftn78;\" href=\"#_ftn78\" name=\"_ftnref78\"><span class=\"reference\">[78]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Seit dem 19. M\u00e4rz 1938 leitete also Dr. Alfred Ibach den Tal Verlag. Im Laufe der n\u00e4chsten paar Wochen kam ein Kaufvertrag zwischen Ibach und Wolf (f\u00fcr Lucy Tal) zustande. Wolf \u201ebest\u00e4tigte\u201c den Verlag samt Text in einem Schreiben an Ibach am 12. Mai. Ibach \u00fcbernahm hiernach s\u00e4mtliche Rechte und Pflichten des E.P. Tal &amp; Co. Verlags. Der auf Grund der per 31. M\u00e4rz 1938 erstellten Bilanz vereinbarte \u201eKaufpreis\u201c betrug 13.333 RM und sollte in Monatsraten in der H\u00f6he von 350 S = 233.33 RM \u201ezu meinen H\u00e4nden\u201c (Vertragstext), also zu H\u00e4nden Lucy Tals bzw. Wolfs, abgestattet werden. Auf Grund dieser sehr kulanten Bedingungen h\u00e4tte die Abzahlung ganze 57 Monate \u2013 fast f\u00fcnf Jahre \u2013 und bis Mitte 1943 gedauert. Nun hatte Ibach also \u201ediesen Verlag vorbehaltlich der Genehmigung seitens der Reichsstatthalterei sowie der Reichskulturkammer gekauft\u201c. Ibach im Ansuchen um Genehmigung der Gesch\u00e4fts\u00fcbertragung vom 14. Mai 1938 an die Reichsstatthalterei:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Frau Lucy Tal ist Nichtarierin, ich bin Arier. Ich hatte bereits seit Jahresfrist die Absicht, den gegenst\u00e4ndlichen Verlag nach Erledigung des Verlassenschaftsverfahrens k\u00e4uflich zu erwerben und bin seit der genannten Frist auch finanziell als stiller Teilhaber beteiligt, um das Unternehmen kennen zu lernen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn79;\" href=\"#_ftn79\" name=\"_ftnref79\"><span class=\"reference\">[79]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Aber zwei Wochen sp\u00e4ter hatte Ibach die Genehmigung noch nicht erhalten, und aus diesem Grund wandte er sich \u2013 naiven Glaubens \u2013 an die VVSt mit der Bitte um \u201ebeschleunigte Erledigung\u201c seines Gesuches:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es handelt sich im vorliegenden Falle um ein Verlagsunternehmen, welches ungeachtet der tats\u00e4chlichen Leitung seit 19.III.38 durch mich als Arier formell solange als nichtarisches gilt, als die Genehmigung der \u00dcbertragung durch die Verm\u00f6gensverkehrsstelle und sohin die Bewilligung der Konzessions\u00fcbertragung nicht vorliegt.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Da vor Erreichung dieser Genehmigung die Inserierung im B\u00f6rsenblatte des Deutschen Buchhandels einerseits nicht zul\u00e4ssig ist, diese Inserierung jedoch andrerseits f\u00fcr die ungest\u00f6rte, gesch\u00e4ftliche Fortentwicklung des Unternehmens die Voraussetzung bildet, bitte ich um eine beschleunigte Erledigung (&#8230;).<a style=\"mso-footnote-id: ftn80;\" href=\"#_ftn80\" name=\"_ftnref80\"><span class=\"reference\">[80]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Diesmal legte er zwei wichtige, ausgef\u00fcllte und an die VVSt adressierte Formulare bei:<\/p>\n<p class=\"zitat\">1. \u201eAnsuchen um Genehmigung der Ver\u00e4u\u00dferung\u201c, unterschrieben von Dr. Hugo Wolf am 31. Mai 1938<br \/>\nund<br \/>\n2. \u201eAnsuchen um Genehmigung der Erwerbung\u201c, unterschrieben von Dr. Alfred Ibach am 30. Mai 1938<\/p>\n<p>Auf das \u201edringende\u201c Gesuch hin erhielt Ibach erst im August dieses Jahres eine Nachricht: der Kaufvertrag sei von der RSK Berlin abgelehnt worden (Aktennotiz, 10. August 1938):<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Verlag E. P. Tal &amp; Co. ist zwar zu arisieren, doch m\u00fcssen andere Voraussetzungen geschaffen werden.<br \/>\nEigene Beanstandung: Keine Zinsen, k\u00fcrzere Raten<br \/>\nNeuer Kaufvertrag ist abzuwarten.<a style=\"mso-footnote-id: ftn81;\" href=\"#_ftn81\" name=\"_ftnref81\"><span class=\"reference\">[81]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Auf Weisung der RSK kam Ibach dem Ersuchen nach, doch verstrichen weitere Monate, Monate, in denen der designierte Besitzer trotz Ver\u00f6ffentlichung eines kleinen Verlagsverzeichnisses \u201eim Mai 1938\u201c unter dem Firmennamen E.P. Tal noch immer nicht befugt war, die Verlagsarbeit aufzunehmen, und daher zur Unt\u00e4tigkeit verurteilt war. Mitte Oktober 1938 wurde mitgeteilt, da\u00df der beabsichtigte Kaufabschlu\u00df zwischen Lucy Tal und Dr. Alfred Ibach \u201enicht genehmigt\u201c werde. Endlich, am 14. Dezember 1938, schrieb der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gruppe Buchhandel in der RSK Landesleitung \u00d6sterreich, Karl Zartmann, an die VVSt, da\u00df der Reichspropagandaminister den Kaufvertrag des Herrn Ibach genehmigt habe. Nun waren also in den vorangegangenen 9 Monaten seit der \u201e\u00dcbernahme\u201c drei \u201eArisierungsh\u00fcrden\u201c passiert: 1. Kaufvertrag, 2. Genehmigung der Ver\u00e4u\u00dferung und 3. Genehmigung der Erwerbung. Aber es erhebt sich langsam die Frage, wozu alle diese Genehmigungen gut waren und warum auf so umst\u00e4ndliche Weise der Schein einer ordentlichen Gesch\u00e4ftstransaktion vor allem mit einem \u201eVerk\u00e4ufer\u201c, der rechtloser Jude war, aufrechterhalten wurde. Denn ein Kauf d\u00fcrfte in diesem und anderen F\u00e4llen kaum freiwillig zustande gekommen sein, und bis alle \u2013 letzten Endes \u2013 Scheinhandlungen erledigt waren \u2013 war der j\u00fcdische Verk\u00e4ufer ohnehin v\u00f6llig entrechtet, ausgebeutet, au\u00dfer Landes oder tot. So gesehen hatte die ausgehandelte \u201eKaufsumme\u201c ihre Bewandtnis: wer fliehen konnte, den k\u00fcmmerte die \u201eKaufsumme\u201c nicht mehr, und selbst dann: Was hatte er davon, wenn er ganze 10 RM mitnehmen durfte?<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste H\u00fcrde f\u00fcr die Arisierung des E. P. Tal Verlags betraf die Person des K\u00e4ufers. Am 16. J\u00e4nner 1939 richtete die VVSt einvorgedrucktes Formschreiben an die Kreisleitung der NSDAP, Kreis I, Wien mit der Bitte um Erhebungen \u201e\u00fcber die politische und charakterielle [sic!] Eignung des Kaufwerbers\u201c. Die Kreisleitung sprach sich gegen, die RSK und das Reichspropagandaamt Wien f\u00fcr Ibach aus. Am 7.\u00a0Februar 1939 richtete das Reichspropagandaamt Wien folgendes bemerkenswerte Schreiben an die VVSt in Sachen \u00dcbernahme des Verlags durch Ibach:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Herr Reichsminister f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda legt Wert darauf, da\u00df dieser Verlag durch Dr. Ibach m\u00f6glichst bald \u00fcbernommen werden kann. Ich bitte daher, den Akt einer raschen Erledigung zuzuf\u00fchren.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nIm Auftrag:<br \/>\nDr. Gast. <a href=\"#_ftn82\" name=\"_ftnref82\"><span class=\"reference\">[82]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Nur: es mu\u00dfte alles erst seinen b\u00fcrokratischen Lauf nehmen &#8230; Der Antrag Ibachs vom 30. Mai 1938 wurde am 14. Februar 1939 gem\u00e4\u00df Art. I, \u00a7 1 des Gesetzes vom 27. April 1938, GBl. Nr. 103\/38 genehmigt.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz 1939 nach einem Jahr \u00dcbernahmsprozedur bereitete die VVSt die n\u00e4chste H\u00fcrde vor: der Leiter der Abteilung Auflagenberechnung ordnete die Bestellung eines Wirtschaftspr\u00fcfers an, der die Gebarung und die Bilanzen \u00fcberpr\u00fcfen sowie den Status, Sachwert und Verkehrswert per 14. Februar 1939 feststellen sollte. Doch der Auftrag wurde erst am 6. Juli erteilt und der Bericht am 26. Juli 1939 erstattet. Hauptergebnis: Der Sachwert der Firma E.P. Tal war null. Mittlerweile konnten Inhaber und Firma E.P. Tal aus dem Handelsregister (Reg. A 39, 102, umgeschrieben nach HRA 4474) gel\u00f6scht und der neue offizielle Besitzer, Ibach, und die \u201eneue\u201c Firma \u201eAlfred Ibach Verlag\u201c eingetragen werden.<\/p>\n<p>Infolge der eineinhalb Jahre \u201eArisierung\u201c war der E.P. Tal &amp; Co. Verlag (und nunmehrige Alfred Ibach Verlag) nach einem Durchschnittsumsatz zwischen 1935 und 1937 von 112.050 S und einem durchschnittlichen Reingewinn von 10% nichts mehr wert und noch dazu: \u00fcberschuldet. Vor dem \u201eAnschlu\u00df\u201c lagen die Aktiva um 13.268,28 RM h\u00f6her als die Passiva. Daf\u00fcr war aber der \u201evereinbarte Kaufpreis\u201c im Dezember 1938 verringert worden, als Dr. Hugo Wolf und Ibach m\u00fcndlich \u00fcbereinkamen, den Verkauf statt durch Ratenzahlung durch eine einmalige Barzahlung von 4.500 RM durchzuf\u00fchren. Aber auf Grund des Berichts des Wirtschaftspr\u00fcfers war der Verlag zu 3.455,88 RM \u00fcberschuldet.<\/p>\n<p>Der vorl\u00e4ufige Schlu\u00dfstrich unter der Arisierung des E. P. Tal Verlags erfolgte in Form der vorgedruckten \u201eVerf\u00fcgung\u201c der VVSt vom 21. September 1939. Ibach, dessen Verlagsgesch\u00e4ft die Arisierungsb\u00fcrokratie nun 1\u00bd Jahre lang gesch\u00e4digt hatte, erlebte nun eine b\u00f6se \u00dcberraschung:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;)<br \/>\nAuf Grund der Ihnen am 14. Feber 1939 erteilten Genehmigung zum Erwerbe und zur \u00dcbernahme obgenannter Firma und der von Ihnen durch Ihre Unterschrift mit Rechtsverbindlichkeit zur Kenntnis genommenen Grunds\u00e4tze f\u00fcr die Berechnung des Wertausgleiches haben Sie als Entjudungsauflage einen Betrag von RM 4.482.- (in Worten: Viertausendvierhundertachtzigzwei) binnen 4 Wochen vom Tage des Erhaltes dieser Bemessung auf das Postsparkassen- Konto Nr.6526, \u00d6sterr. Kontrollbank f\u00fcr Industrie und Handel, Abt. C, Wien, zur Einzahlung zu bringen. Die Zahlung kann durch Zwangsvollstreckung erzwungen werden. Die H\u00f6he des Wertausgleiches wurde auf Grund des von der Verm\u00f6gensverkehrsstelle eingeholten Wirtschaftspr\u00fcfergutachtens wie folgt ermittelt:<br \/>\nDurchschnittsumsatz der Jahre 1935-37 75.700,\u2013<br \/>\nBranchen\u00fcbliche Reingewinnquote 10%<br \/>\n\u00dcberschuldung RM 3.549,88<br \/>\nBilanzsumme RM 58.959,12<br \/>\nVereinbarter Kaufpreis RM 4.500,\u2013<br \/>\nZugelassener Kaufpreis RM&#8211; 0&#8211;<br \/>\nMehrwert laut Formel RM 7.470,\u2013<br \/>\nAuflage 1.) Unterschied zwischen<br \/>\nKaufwert und Kaufpreis) RM &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;<br \/>\nAuflage 2.) 60% des Mehrwertes RM 4.482,-<br \/>\nGesamtauflage RM 4.482,\u2013 <a style=\"mso-footnote-id: ftn83;\" href=\"#_ftn83\" name=\"_ftnref83\"><span class=\"reference\">[83]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Nach erzwungenem Verzicht auf die Aus\u00fcbung der Verlagst\u00e4tigkeit mu\u00dfte Ibach nun der \u201eAllgemeinheit\u201c eine \u201eEntjudungsauflage\u201c zahlen, die \u2013 aus historischer Perspektive \u2013 eine Art \u201eretributive justice\u201c darstellt. Da aber der \u201ezugelassene Kaufpreis\u201c mit RM Null festgesetzt ist, fiel der \u201eEntjudungserl\u00f6s\u201c fort. Denn sonst h\u00e4tte er ja<\/p>\n<p class=\"zitat\">auf Grund des \u00a7 15, Absatz 1 der Kundmachung vom 3. Dezember 1938 Gbl. f. d. L. \u00d6st. 633\/38 auf ein auf den Namen des Verk\u00e4ufers lautendes gem\u00e4\u00df \u00a7 59 ff des Devisengesetzes gesperrtes mit der Bezeichnung \u201eEntjudungserl\u00f6s\u201c versehenes Konto bei einer in der Ostmark gef\u00fchrten Devisenbank zu bezahlen, \u00fcber welches nur mit Genehmigung der Devisenstelle Wien, \u00dcberwachungsabteilung, verf\u00fcgt werden darf.<br \/>\n(Text des Vordrucks \u201eVerf\u00fcgung\u201c)<\/p>\n<p>Das hie\u00df im Klartext, da\u00df \u2013 stellvertretend f\u00fcr viele andere F\u00e4lle \u2013 der bisherige Inhaber den Verlag nicht nur verlor, sondern auch nicht entsch\u00e4digt wurde. Die ehemalige Inhaberin war jahrelang nicht mehr im Lande \u00d6sterreich, und selbst derjenige, der f\u00fcr sie den \u201eVerkauf\u201c arrangierte, Dr. Hugo (Israel) Wolf, war emigriert. Also kassierte der Staat &#8230;<\/p>\n<p>Nach Erhalt der \u201eVerf\u00fcgung\u201c d\u00fcrfte Ibach viel Lust am \u201eArisieren\u201c vergangen sein. Er richtete Anfang Oktober 1939 eine \u201eBeschwerde\u201c an die VVSt wegen der vorgeschriebenen \u201eEntjudungsauflage\u201c von 4.482 RM. Diese \u201eBeschwerde\u201c ist sehr aufschlu\u00dfreich f\u00fcr die Entwertung eines zu arisierenden Verlags und soll hier deshalb auszugsweise zitiert werden:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Auflagenberechnung wurde ein Durchschnittsumsatz von Rm 75.700.-, welcher von der j\u00fcdischen Firma in den fr\u00fcheren Jahren erzielt wurde, zu Grunde gelegt. Der Verlag verlegte in den fr\u00fcheren Jahren zum gro\u00dfen Teil B\u00fccher nichtarischer oder nicht reinarischer und Kriminalromane zum Teil englischer Autoren.<br \/>\nNach dem Umbruch und der \u00dcbernahme des Verlages durch mich waren nicht nur die B\u00fccher j\u00fcdischer Autoren, sondern auch die Verlagsrechte wertlos geworden und der Umsatz beschr\u00e4nkte sich fast ausschlie\u00dflich auf billige Kriminalromane. Durch diesen Umstand ist eine bedeutende Umsatzverminderung im Jahre 1938 eingetreten.<br \/>\nEs wurde von mir von April bis Dezember 1938 nur ein Umsatz von Rm 33.272.60 erzielt. Eine Gegen\u00fcberstellung dieses Umsatzes und der Verlagsspesen, ohne allgemeine Regie und Vertriebsspesen zeigt bereits einen Bruttoverlust von Rm 6.400.- rund. Die allgemeine Regie und die Vertriebsspesen beliefen sich im Jahre 1938 auf RM 16.138.-, soda\u00df sich ein sehr gro\u00dfer Verlust ergab.<br \/>\nZu Beginn des Jahres 1939 hat sich der Umsatz zufolge von <em>mir erworbener Neuerscheinungen <\/em>erh\u00f6ht. Diese Umsatzerh\u00f6hung ist ausschlie\u00dflich auf <em>neu erworbene Verlagsrechte <\/em>zur\u00fcckzuf\u00fchren und kann bei der Auflagenberechnung auf keinen Fall ber\u00fccksichtigt werden. Das von der Firma E.P. Tal &amp; Co. \u00fcbernommene Gesch\u00e4ft schrumpft st\u00e4ndig mehr ein und es sind derzeit auch die meisten ausl\u00e4ndischen Rechte als wertlos zu bezeichnen, ebenso wie die \u00fcbernommenen und noch unverkauften B\u00fcchervorr\u00e4te, welche eine ziemlich gro\u00dfe Bilanzpost ausmachen.<br \/>\nAus den angef\u00fchrten Gr\u00fcnden ergibt sich, da\u00df ich bei der \u00dcbernahme des Verlages (es war eine \u00dcberschuldung vorhanden und au\u00dferdem sind nunmehr alle B\u00fcchervorr\u00e4te und Rechte als wertlos zu bezeichnen) einen gro\u00dfen Kapitalverlust erlitten und keinerlei ideelle Werte \u00fcbernommen habe. (&#8230;)<a style=\"mso-footnote-id: ftn84;\" href=\"#_ftn84\" target=\"text\" name=\"_ftnref84\">[84]<\/a><\/p>\n<p>Der Akt der VVSt sagt nichts dar\u00fcber aus, ob der Beschwerde dann stattgegeben wurde. Im selben Jahr nahm Ibach die Produktion auf, u.a. mit einem finanziellen Grundpfeiler des ehemaligen E.P. Tal Verlags, der Reihe von h\u00f6chst erfolgreichen Kriminalromanen \u201eDie rotblauen B\u00fccher\u201c. Im Laufe des Jahres 1940 gab der Alfred Ibach Verlag 16 neue Werke heraus.<a href=\"#_ftn85\" name=\"_ftnref85\"><span class=\"reference\">[85]<\/span><\/a> Es lie\u00df sich zwar nicht ermitteln, wie lange noch der Verlag t\u00e4tig war, doch kann angenommen werden, da\u00df er nach 1941 stillgelegt wurde. Der Antrag auf L\u00f6schung des Alfred Ibach Verlags wurde, nachdem Ibach am 16. Juni 1948 verstorben war, im Dezember 1949 gestellt. Die L\u00f6schung erfolgte am 26. Juni 1950.<\/p>\n<h4><a class=\"none\" name=\"Heading16\"><\/a> c) Arisierung am Beispiel Saturn-Verlag<a style=\"mso-footnote-id: ftn86;\" href=\"#_ftn86\" name=\"_ftnref86\"><span style=\"font-size: 0.7em; vertical-align: top;\">[86]<\/span><\/a><\/h4>\n<p>Der \u201eSaturn-Verlag\u201c von Dr. Fritz Ungar ist ein weiteres Beispiel f\u00fcr \u201einterne\u201c Arisierung und zeigt zugleich, wie man lediglich den Mantel des \u201ej\u00fcdischen\u201c Verlags \u00fcbernehmen und dennoch in die Schrifttumsmaschinerie geraten konnte. Inhaber und Leiter des Saturn-Verlags war seit dem 8. April 1938 nicht dessen Gr\u00fcnder und bisheriger Inhaber Fritz Ungar, sondern Theo L. G\u00f6rlitz (* 1908). G\u00f6rlitz, von dem bereits in Zusammenhang mit der vermeintlichen Einstellung von nationalsozialistischen Kommiss\u00e4ren in \u00f6sterreichischen Verlagen 1935 die Rede war, hatte gar im ersten Jahr seines Aufenthaltes in Wien, 1936, nach Referentent\u00e4tigkeit in der RSK Berlin, den Julius-Reich-Preis erhalten. Wie nun die \u201eArisierung\u201c vor sich ging und warum ausgerechnet G\u00f6rlitz der neue Inhaber wurde, erkl\u00e4rte der heute in New York lebende und erfolgreiche amerikanische Verleger Frederick Ungar folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Since he was the only non-Jewish employee, there was simply no one else to carry on. Also, since my books were largely by Jewish, liberal, or socialist authors, my assets had considerably shrunk.<br \/>\nG\u00f6rlitz had no money to compensate me. Also, no compensation would have done me any good. I had to leave the country with only ten marks.<a style=\"mso-footnote-id: ftn87;\" href=\"#_ftn87\" name=\"_ftnref87\"><span class=\"reference\">[87]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Auch in diesem Fall war also der Sachwert des Verlags durch den Nazi-Einmarsch erheblich verringert worden. Und wie Ungar indirekt andeutet, war die ganze \u201eArisierung\u201c mit \u201eKaufpreis\u201c und dgl. eine b\u00fcrokratische Farce, denn Entsch\u00e4digung f\u00fcr den ehemaligen Inhaber gab es keine.<\/p>\n<p>Als G\u00f6rlitz im Begriff war, eine neue, alte protokollierte Firma (Nunmehr: Saturn-Verlag Theo L. G\u00f6rlitz) ins Handelsregister eintragen zu lassen, erhielt er Anfang Juli 1938 die strikte Aufforderung von der Wirtschaftsstelle des deutschen Buchhandels (Abteilung der RSK) in Berlin, \u201eumgehend zwei vollst\u00e4ndige Verlagsverzeichnisse an die Abteilung Sonderkontrolle der Wirtschaftsstelle zu senden\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn88;\" href=\"#_ftn88\" name=\"_ftnref88\"><span class=\"reference\">[88]<\/span><\/a> Die Sekret\u00e4rin von G\u00f6rlitz befolgte die Aufforderung sofort und schickte die noch vorhandenen Verlagsprospekte \u2013 de facto die Anmeldung der Verlagswerke \u2013 nach Berlin. Und damit fingen die Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse richtig an. Denn es ging hier um einen Antrag hinsichtlich Buchexportsausgleichsverfahren, und es schien so, als ob G\u00f6rlitz nun \u201ebelastete B\u00fccher\u201c anmelden wollte. Um das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis zu beseitigen, mu\u00dfte G\u00f6rlitz darauf hinweisen,<\/p>\n<p class=\"zitat\">da\u00df es sich hier um die Verlagsverzeichnisse der bisherigen Produktion des Verlages handelt. Der Verlag war vor dem Anschlu\u00df \u00d6sterreichs in j\u00fcdischen H\u00e4nden und ging am 8. April 1938 in arische H\u00e4nde durch ordnungsgem\u00e4\u00dfen Kauf \u00fcber. Alle Schritte zur Legalisierung der Arisierung wurden bei den zust\u00e4ndigen Stellen und zwar insbesondere beim \u201eReichspropagandaamt f\u00fcr das Land \u00d6sterreich\u201c, das die Genehmigung bereit erteilt hat, und bei der Verm\u00f6gensverkehrsstelle eingeleitet; die Genehmigung der Verm\u00f6gensverkehrsstelle d\u00fcrfte nunmehr in K\u00fcrze erfolgen.<br \/>\nDie fr\u00fchere Verlagsproduktion wird von uns, soweit sie nicht beschlagnahmt wurde, liquidiert und gr\u00f6\u00dftenteils im In- und Auslande verramscht. Soweit wir unbelastete Werke der fr\u00fcheren Verlagsproduktion zum normalen Preise in das Ausland verkaufen oder verkauft haben, werden wir in ordnungsgem\u00e4\u00dfer Weise um die Exportverg\u00fctung ansuchen.<br \/>\nWir m\u00f6chten aber nochmals ausdr\u00fccklich darauf hinweisen, da\u00df unser nunmehr rein arischer Verlag in diesen Tagen mit einer v\u00f6llig neuen Produktion herauskommen wird, die den Forderungen der Deutschen Schrifttumspolitik und den Bestimmungen der Deutschen Reichsschrifttumskammer entspricht. \u00dcber diese neue Produktion wird in K\u00fcrze auch ein neues Verlagsverzeichnis erscheinen, das wir Ihnen unmittelbar nach dem Erscheinen zusenden.<br \/>\nHeil Hitler (ebda.)<a style=\"mso-footnote-id: ftn89;\" href=\"#_ftn89\" name=\"_ftnref89\"><span class=\"reference\">[89]<\/span><\/a><\/p>\n<p>G\u00f6rlitz mu\u00dfte zus\u00e4tzlich noch den Widerstand der RSK in Wien \u00fcberwinden. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Abteilung Buchhandel machte die Tatsache deutlich, da\u00df nicht ein jeder nichtarische Verlag zu arisieren bzw. zu erhalten sei:<\/p>\n<p class=\"zitat\">1. Der Ankauf des Saturn-Verlages ist Ihre Privatangelegenheit. Ich habe mich damit in jeder Weise abgefunden, Ihnen lediglich zu verstehen gegeben, da\u00df der Verlag als solcher in keiner Weise erhaltungsw\u00fcrdig war. Wenn ich trotzdem den Ankauf zustimmend zur Kenntnis nahm, so aus dem Grunde, weil ich Ihnen keine unn\u00f6tigen Schwierigkeiten machen will.<a href=\"#_ftn90\" name=\"_ftnref90\"><span class=\"reference\">[90]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Am 19. September 1938 reagierte G\u00f6rlitz auf den Brief Zartmanns folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">In Punkt I Ihres Schreibens bemerken Sie, da\u00df der Saturn-Verlag in keiner Weise erhaltungsw\u00fcrdig war. Ich gebe Ihnen, was die Produktion des Saturn-Verlages anlangt, vollkommen recht und habe dem ja auch dadurch Rechnung getragen, da\u00df ich diese Produktion bis auf wenige, v\u00f6llig unangetastete B\u00fccher restlos liquidiere und mit einer v\u00f6llig neuen Produktion beginne. Andererseits h\u00e4tten eine gro\u00dfe Anzahl rein arischer Gl\u00e4ubiger ihre gesamten Gelder verloren, wenn der Verlag restlos liquidiert worden w\u00e4re. Ebenso h\u00e4tten die Angestellten ihre Stellung verloren. Es war also gewi\u00df f\u00fcr die deutsche Wirtschaft nur f\u00f6rderlich, das Unternehmen auf diese Weise zu halten, wie ich es getan habe. Ich bin dar\u00fcber unterrichtet, da\u00df man zahlreiche andere j\u00fcdische Unternehmungen, die vom kulturellen Standpunkt aus auch nicht erhaltungsw\u00fcrdig waren, aus wirtschaftspolitischen Gr\u00fcnden erhalten hat.<br \/>\n(&#8230;)<\/p>\n<p>Am 21. Oktober 1938 \u2013 der Erwerb durch G\u00f6rlitz war von der VVSt bereits genehmigt worden \u2013 wurde die \u201eneue\u201c Firma Saturn-Verlag Theo L. G\u00f6rlitz ins Wiener Handelsregister eingetragen. Ob G\u00f6rlitz nun eine \u201ev\u00f6llig neue Produktion\u201c herausbrachte, war nicht zu ermitteln. Zwischen April und Juni 1938 verlegte G\u00f6rlitz lediglich eine seit 1937 bestehende Publikation <em>Theater der Welt. Zeitschrift f\u00fcr die gesamte Theaterwelt. <\/em>Mit Heft 6 (1938) ging die Zeitschrift ein. Mit Sicherheit kann gesagt werden, da\u00df der Verlag ab Anfang 1940 nicht mehr t\u00e4tig war.<a href=\"#_ftn91\" name=\"_ftnref91\"><span class=\"reference\">[91]<\/span><\/a> G\u00f6rlitz mu\u00dfte einr\u00fccken, und sein Sterbedatum wird mit 1. Februar 1943 (vermi\u00dft) im \u201eK\u00fcrschner\u201c angegeben.<\/p>\n<p>Der Saturn-Verlag Theo L. G\u00f6rlitz wurde \u2013 offensichtlich weil \u201eKarteileiche\u201c \u2013 am 1. Oktober 1953 von amtswegen aus dem Wiener Handelsregister gel\u00f6scht.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading17\"><\/a> d) Liquidierung am Beispiel des Bermann-Fischer Verlags<\/h3>\n<p>Zwei renommierte, in \u201ej\u00fcdischem\u201c Besitz befindliche Wiener Verlage \u2013 der Bermann-Fischer Verlag und der Herbert Reichner Verlag \u2013 scheinen von vornherein zum Liquidieren bestimmt gewesen zu sein. W\u00e4hrend die unzureichende Quellenlage es nicht zul\u00e4\u00dft, die Weiterentwicklung des Reichner Verlags nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c zu verfolgen, kann man die Ereignisse rund um den Bermann-Fischer Verlag einigerma\u00dfen zuverl\u00e4ssig rekonstruieren.<a href=\"#_ftn92\" name=\"_ftnref92\"><span class=\"reference\">[92]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wie wir gesehen haben, war die \u201eArisierung\u201c eines \u201ej\u00fcdischen\u201c Verlags f\u00fcr den K\u00e4ufer ein b\u00fcrokratischer und h\u00fcrdenreicher Weg. Nicht weniger kompliziert war die Liquidierung. Es ist ein Paradoxon, auf das man immer wieder st\u00f6\u00dft: Einerseits hat man den vom Ideologisch-Kulturellen getragenen Wunsch, \u201ej\u00fcdische Verlage\u201c m\u00f6glichst rasch verschwinden zu lassen, andererseits die rechtliche Lage, die Bewahrung des Rechts im Gesch\u00e4ftsleben. Denn so einfach, wie sich etwa der NS-Gralsh\u00fcter Will Vesper die Entjudung des Verlagslebens in \u00d6sterreich vorstellte, war es nicht. Eine gro\u00dfe Firma mit Aktiven und Passiven, mit Forderungen von Autoren wie von Druck- und Bindeanstalten, mit allerlei Verbindlichkeiten, mit Warenlager in Leipzig, in Wien und in der Schweiz, mit Lohn- und Abfertigungsanspr\u00fcchen der Angestellten usw. lie\u00df sich nicht \u00fcber Nacht aufl\u00f6sen, selbst unter NS-Verwaltung. Es bestanden rechtm\u00e4\u00dfige Vertr\u00e4ge mit Dutzenden von Autoren, und trotz der Verbote ihrer Werke, trotz ihrer Flucht in die Emigration und trotz der grunds\u00e4tzlich negativen Einstellung gegen\u00fcber j\u00fcdischen und\/oder unerw\u00fcnschten Autoren bestand eine Rechtsunsicherheit. Was sollte oder k\u00f6nnte geschehen, wenn diese ihre Rechte einklagen oder ihre Forderungen geltend machen w\u00fcrden? Kam es zu einem Konkurs oder zu einem Ausgleich, wurde im NS-Staat \u00d6sterreich genauso \u201ehandelsrechtlich\u201c gehandelt wie zu \u201enormalen\u201c Zeiten. Diese Prozedur nahm viel Zeit in Anspruch, und bevor es zum rechtlichen und amtlichen \u201eTod\u201c einer Firma \u2013 eben durch L\u00f6schung aus dem Handelsregister \u2013 kam, mu\u00dfte der im Handelsrecht festgehaltene Weg auch eingehalten werden. Hieraus ist erst zu erkl\u00e4ren, wieso z.B. der Bermann-Fischer Verlag erst nach sechs Jahren aufh\u00f6rte, rechtlich zu existieren. Inzwischen war es gleich zweimal zum gerichtlichen Ausgleich gekommen, wobei man sich jedes Mal streng an das Gesetz hielt und z.B. die Gl\u00e4ubigeraufforderung in den 3 oder 4 hief\u00fcr vorgesehenen Publikationen bekanntmachte. Freilich hat das Datum der L\u00f6schung nichts mehr mit der realen Existenz eines Verlags zu tun.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Liquidierung-Berman-Fischer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1139\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Liquidierung-Berman-Fischer.jpg\" alt=\"Liquidierung Berman Fischer\" width=\"400\" height=\"571\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Liquidierung-Berman-Fischer.jpg 1582w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Liquidierung-Berman-Fischer-210x300.jpg 210w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Liquidierung-Berman-Fischer-717x1024.jpg 717w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Liquidierung-Berman-Fischer-105x150.jpg 105w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seit dem 16. M\u00e4rz 1938 stand der BFV unter der kommissarischen Leitung von Alfred B\u00f6hme. Der Inhaber Dr. Gottfried Bermann war rechtzeitig \u2013 am 13. M\u00e4rz \u2013 aus Wien geflohen und entging somit einer Verhaftung. Alles scheint darauf hinzudeuten, da\u00df Bermann nun seinen Wiener Verlag v\u00f6llig abschrieb und sich keine Illusionen machte, auf irgendeine Weise entsch\u00e4digt zu werden.<a style=\"mso-footnote-id: ftn93;\" href=\"#_ftn93\" name=\"_ftnref93\"><span class=\"reference\">[93]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Einer, der den Ernst der Lage in Wien nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c nicht nur v\u00f6llig verkannte, sondern auch gewaltig untersch\u00e4tzte, war der BFV-Autor Robert Musil. Wer seine Briefe aus den Jahren 1938\/39 in Sachen Bermann-Fischer liest, lernt einen verbitterten Autor und weltfremden Menschen kennen, an dem die neuesten politischen Entwicklungen scheinbar spurlos vor\u00fcbergegangen waren.<a href=\"#_ftn94\" name=\"_ftnref94\"><span class=\"reference\">[94]<\/span><\/a> Vor allem seine ma\u00dflos unqualifizierten Vorw\u00fcrfe gegen Bermann-Fischer stimmen objektiv bedenklich, so subjektiv gerechtfertigt sie aus Musilscher Sicht gewesen sein m\u00f6gen. W\u00e4hrend Bermann sich das Leben rettete, sah Musil nur die Zeit, \u201eals Dr. B. seinen Verlag im Stich verlie\u00df\u201c (ebda., I, 855).<\/p>\n<p>Als der Verlag durch den kommissarischen Verwalter B\u00f6hme \u00fcbernommen wurde, stand er auf finanziell schwachen Beinen. Erst im September 1938, als die Bilanz f\u00fcr 1937 erstellt wurde, kam man darauf, da\u00df die Firma \u00fcberschuldet war. Inzwischen war Alfred B\u00f6hme \u00fcber eigenes Ersuchen vom 28. Juli 1938 seiner Funktion als kommissarischer Verwalter des Bermann-Fischer Verlags und des Herbert Reichner Verlags enthoben worden. Mit 25. August 1938 wurde B\u00f6hme durch den 1903 in Wien geborenen Buchh\u00e4ndler Theodor Hahn jun. ersetzt.<a href=\"#_ftn95\" name=\"_ftnref95\"><span class=\"reference\">[95]<\/span><\/a> Am 25. Februar 1939 stellte Hahn den Antrag auf Er\u00f6ffnung des Ausgleichsverfahrens beim Handelsgericht und begr\u00fcndete diesen Schritt folgenderma\u00dfen: es sei<\/p>\n<p class=\"zitat\">aus den angegebenen Verh\u00e4ltnissen [mangelhafte Buchhaltung, versp\u00e4tete Bilanzerstellung] heraus nicht m\u00f6glich, dem Unternehmen einen entsprechenden Umsatz zu verschaffen, soda\u00df es sich seit dem Umbruch im wesentlichen um eine blo\u00dfe Aufrechterhaltung des Betriebes unter m\u00f6glichster Ersparung unn\u00fctzer Auslagen und Regien handelte. Da nun die schlie\u00dflich erstellte Bilanz f\u00fcr 1937 passiv war und auch die bisherigen Ergebnisse f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 1938 eine Unterbilanz erwarten lassen, so ist zweifellos die in der vorl\u00e4ufigen Verm\u00f6gensaufstellung gegebene \u00dcberschuldung eingetreten. Die Gesellschaft kann ihren laufenden F\u00e4lligkeiten nicht mehr entsprechen, ist daher derzeit auch als zahlungsunf\u00e4hig anzusehen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn96;\" href=\"#_ftn96\" name=\"_ftnref96\"><span class=\"reference\">[96]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Laut \u201eAusgleichsantrag\u201c vom 25. Februar 1939 war der BFV mit 33.670 RM \u00fcberschuldet. Etwas mehr als die H\u00e4lfte der Gl\u00e4ubigerforderungen an den BFV stammte von der Bermann-Firma in der Schweiz, der \u201eA.G. f\u00fcr Verlagsrechte, Chur\u201c.<a style=\"mso-footnote-id: ftn97;\" href=\"#_ftn97\" name=\"_ftnref97\"><span class=\"reference\">[97]<\/span><\/a> Und es war eben \u00fcber diese Firma, da\u00df Bermann zumindest hoffen konnte, ein kleines St\u00fcck des Wiener Verlags indirekt zur\u00fcckzubekommen. Insgesamt betrug die Forderung \u2013 sie bestand aus Darlehen, Zinsen und Autorenhonoraren \u2013 1.938,98 RM. Sie wurde im Rahmen des Ausgleichs voll anerkannt.<\/p>\n<p>Bevor die Tagsatzung stattfand, wurde der kommissarische Verwalter Hahn durch den Abwickler Dr. Gottfried Linsmayer ersetzt.<a style=\"mso-footnote-id: ftn98;\" href=\"#_ftn98\" name=\"_ftnref98\"><span class=\"reference\">[98]<\/span><\/a> Nach dem vorl\u00e4ufigen Abschlu\u00df des Ausgleichsverfahrens im Mai 1939 \u2013 der Betrieb war endg\u00fcltig im April 1939 stillgelegt worden \u2013 kam es zu einer h\u00f6chst interessanten Vereinbarung zwischen dem BFV, Wien, d.h. dem Abwickler Linsmayer, und der A.G. f\u00fcr Verlagsrechte in Chur.<a style=\"mso-footnote-id: ftn99;\" href=\"#_ftn99\" name=\"_ftnref99\"><span class=\"reference\">[99]<\/span><\/a> Punkt 1 enth\u00e4lt die Feststellung, da\u00df der Verlag liquidiert und handelsgerichtlich gel\u00f6scht werde. \u201eUm den Ausgleich des Verlages zu erleichtern\u201c, verzichtete die A.G. auf eine Reihe von Forderungen, u.a. unter der Bedingung, da\u00df die Verlagsrechte auf eine Reihe von namentlich angef\u00fchrten \u201eund in Deutschland als unerw\u00fcnscht zum Vertrieb nicht zugelassenen Werke(n) an die A.G. \u00fcbertragen und die Vertr\u00e4ge \u00fcbergeben werden\u201c. (Vereinbarung vom 23. Mai 1939) Unter den Autoren und Werken, die die A.G. f\u00fcr Verlagsrechte, Chur, vom BFV hiemit \u00fcbernahm, befanden sich alle Werke von Robert Musil, obwohl Musil diese Vereinbarung nicht bekannt gewesen zu sein scheint. Auch die Rechte auf die meisten Werke von Jakob Wassermann befinden sich in dieser Liste.<\/p>\n<p>Es gab aber eine zweite Liste, genauer ein \u201eVerzeichnis der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Werke\u201c. Von den zwei Dutzend angef\u00fchrten Autoren und Werken waren bis auf Hugo von Hofmannsthal (Werke und Alles), Hans von Hammerstein <em>(Gelbe Mauer, Wald; <\/em>nicht aber: <em>Wiedergeburt der Menschlichkeit), <\/em>Hollensteiner, Mechthilde Lichnowsky (4 Werke), Richter und Roeder alle Ausl\u00e4nder.<\/p>\n<p>Im Fall all dieser in Deutschland noch zugelassenen Autoren und Werke stand es dem Abwickler des BFV frei, die Vertriebsrechte auf andere zu \u00fcbertragen. Die Vereinbarung regelte auch eine Frage, mit der sich Robert Musil intensiv besch\u00e4ftigte, n\u00e4mlich den Abkauf der Lagerbest\u00e4nde seiner Werke in Wien. Da hei\u00dft es:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Sollten von den im Vertrieb des Verlages Bermann-Fischer gewesenen Werken, die heute als unerw\u00fcnscht vom Vertriebe in Deutschland angeschlossen (sic.!) sind, ein Teil zur Ausfuhr freigegeben werden, so steht der A.G. das Wahlrecht zu, ob sie vorbehaltlich der Genehmigung der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden und Stellen solche Werke bezieht und auf die Ausgleichsquote zur Anrechnung bringt. Es steht ihr ferner das Wahlrecht zu aus den freigegebenen Werken Titel und aus den freigegebenen Mengen die zu \u00fcbernehmenden Mengen auszuw\u00e4hlen und zu bestimmen. Die A.G. erhebt aber keinen Einspruch, wenn die von ihr nicht \u00fcbernommenen, aber zur Ausfuhr freigegebenen Werke anderweitig verkauft werden.<\/p>\n<p>Auf die Freigabe bestand kein rechtlicher Anspruch. Ob sich die A.G. f\u00fcr Verlagsrechte, Chur, um die genannte Freigabe bem\u00fchte, ist nicht bekannt.<a href=\"#_ftn100\" name=\"_ftnref100\"><span class=\"reference\">[100]<\/span><\/a> Im Fall Musil jedoch scheint sie nicht t\u00e4tig geworden zu sein, denn er erhielt Ende Juni 1939 von Viktor Zuckerkandl die Nachricht, da\u00df das gesamte Lager des Wiener Verlags an einen gro\u00dfen Berliner Antiquar verramscht worden w\u00e4re. Wenn man also Musils Vorw\u00fcrfe gegen Bermann im Lichte der Vereinbarung vom 23. Mai 1939 sieht, so tr\u00e4gt nicht Bermann, sondern der Rechtsvertreter der A.G. f\u00fcr Verlagsrechte, Chur, die eigentliche Schuld.<\/p>\n<p>Aber mit der vorl\u00e4ufigen Beendigung des Ausgleichsverfahrens im Mai 1939 konnte der BFV noch lange nicht aufgel\u00f6st werden. Das lag n\u00e4mlich an den Forderungen von Bermanns A.G. f\u00fcr Verlagsrechte in der Schweiz an die sog. \u201eAbwicklungsmasse\u201c. Mittlerweilen war der Abwickler Linsmayer, der 1940 zum Wehrdienst einberufen wurde, durch die Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Treuhandgesellschaft \u201eDonau\u201c Ges.m.b.H. als Abwickler abgel\u00f6st worden. Wie diese Firma dem Handelsgericht im folgenden Jahr mitteilte, waren keine Warenbest\u00e4nde mehr vorhanden: \u201ees handelt sich lediglich um die Einziehung ausl\u00e4ndischer Guthaben\u201c. In der Liquidations-Schlu\u00dfbilanz zum 30. September 1941 wurde nun als Aktiva der Liquidationserl\u00f6s von 9.553,97 RM angegeben. Dieser Betrag lag auf einem Spezialkonto der VVSt Wien. Im Jahre 1942 kam es erneut zu einer Gl\u00e4ubigeraufforderung des BFV in Liquidation, und schlie\u00dflich, am 30. September 1943, mehr als vier Jahre nach Einstellung der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit, teilte die Treuhandgesellschaft dem Registergericht mit:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Das Abwicklungsverfahren der obgenannten ehemaligen j\u00fcdischen Unternehmung ist noch nicht beendet, da die Frage der H\u00f6he einer Forderung einer Schweizerischen Firma an die Abwicklungsmasse noch nicht bereinigt werden konnte.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir werden nicht verfehlen zum gegebenen Zeitpunkt die L\u00f6schung der genannten Firma zur Eintragung anzumelden. (Registerakt C 4, 40)<\/p>\n<p>Der Antrag auf L\u00f6schung des BFV im Handelsregister konnte schlie\u00dflich am 17. J\u00e4nner 1944 gestellt werden und die tats\u00e4chliche L\u00f6schung am 1. Februar 1944, fast sechs Jahre, nachdem Gottfried Bermann den Verlag verlie\u00df, erfolgen. Der Entschlu\u00df, einen Verlag zu liquidieren, war also, wie dieser Fall deutlich zeigt, schnell gefa\u00dft, die oft recht komplizierte Prozedur der Liquidation allerdings an das Recht gebunden.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading18\"><\/a> 6. Versuch einer vorl\u00e4ufigen Bilanz: M\u00e4rz 1938 und danach \/ Schicksale<\/h3>\n<p>Nach den vorangegangenen Beispielen von der Art und Weise, wie \u2013 nach dem Einmarsch der Nazis in \u00d6sterreich im M\u00e4rz 1938 \u2013 Buchhandels- und Verlagsfirmen \u201earisiert\u201c, \u201eliquidiert\u201c, aufgel\u00f6st und sonstwie umgestellt wurden, scheint es angebracht, eine vorl\u00e4ufige Bilanz zu ziehen. Was ist aus den belletristischen Verlagen in \u00d6sterreich geworden, die zur Zeit des \u201eAnschlusses\u201c noch existierten? Was hat \u2013 und in welcher Form \u2013 den Anbruch der NS-Zeit \u00fcberlebt? Welche Entwicklung zeichnete sich nun im Verlagswesen bis zum Kriegsende ab?<\/p>\n<p>Da\u00df hier der Liquidierung Vorrang gegeben wurde, und zwar aus der \u201eErkenntnis\u201c heraus, diese oder jene Firma w\u00e4re \u201enicht erhaltungsw\u00fcrdig\u201c, ist aus mehreren zitierten \u00c4u\u00dferungen bereits hervorgegangen. Und obwohl man bei der Verringerung der Zahl der Konzessionen vor allem bestehende gro\u00dfe und kleine Buchhandlungen im Auge hatte, bestand bis auf wenige Ausnahmen auch geringes Interesse am Fortbestand \u201ej\u00fcdischer\u201c belletristischer Verlage in \u00d6sterreich. Die Konzessionseinschr\u00e4nkung war freilich nicht das Allheilmittel, f\u00fcr das sie mancherorts eine Zeitlang gehalten wurde. Die \u00dcberzahl \u2013 und das betrifft die Verlage an sich nicht \u2013 war nur ein einziger Aspekt des Gesamtproblems. Der \u201eAnschlu\u00df\u201c hatte zwar manche Probleme theoretisch beseitigt, hatte aber zugleich einen hohen Preis, der zu Lasten der \u00d6sterreicher ging, erfordert.<\/p>\n<p>Einig war man zumindest, da\u00df die \u201eJuden\u201c aus Buchhandel und Verlagswesen \u201everschwinden\u201c mu\u00dften, doch die Fixation auf diesen Punkt kaschierte nur andere, nicht gel\u00f6ste Probleme.<\/p>\n<p>Hier folgt nun eine stichwortartige Darstellung der \u201eSchicksale\u201c von etwa drei Dutzend belletristischen Verlagen nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c. Hinter manchen dieser Schicksale, die sich mit der N\u00fcchternheit und Distanziertheit des Handelsregisters abhandeln lassen, verbirgt sich freilich unerme\u00dflich viel pers\u00f6nliches Leid, pers\u00f6nliche Tragik, Entrechtung, Enteignung und Dem\u00fctigung. Auch auf diese Seite ist man verpflichtet hinzuweisen. Manche Opfer verloren nicht nur \u2013 im Handstreich \u2013 eine langwierig aufgebaute Firma, ihr ganzes Verm\u00f6gen, sondern auch: ihr Leben.<\/p>\n<p>Um Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen vorzubeugen: Man l\u00e4uft in einer Arbeit dieser Art und \u00fcber diese Zeit Gefahr, sich die damals amtlich gebr\u00e4uchlichen Termini anzueignen, nicht zuletzt deshalb, weil der Arbeit gr\u00f6\u00dftenteils amtliche Quellen zugrundegelegt werden. Viele dieser Termini sind \u2013 gl\u00fccklicherweise \u2013 \u00fcberholt und negativ belegt, so z.B. \u201earisch\u201c. Wenn hier also bei der Kennzeichnung diverser Verlage die Adjektiva \u201earisch\u201c bzw. \u201ej\u00fcdisch\u201c verwendet werden, geht es nicht darum, nachtr\u00e4glich \u201eRassenforschung\u201c zu betreiben, fortzusetzen oder sich mit diesem Sprachduktus in irgendeiner Weise zu identifizieren. \u201eJ\u00fcdisch\u201c war jenes Merkmal, das f\u00fcr die weitere Existenz eines Verlages das eigentliche Todesurteil bedeutete; es bedeutete, da\u00df der jeweilige Inhaber im Sinne der N\u00fcrnberger Rassengesetze Jude war und dementsprechend behandelt wurde. Hinweise daf\u00fcr, da\u00df sonstige Verlage in \u00d6sterreich aufzul\u00f6sen waren, lie\u00dfen sich nicht finden. Im Deutschen Reich hatte es bis Ende 1938 Sondergenehmigungen f\u00fcr j\u00fcdische Buchh\u00e4ndler und Verleger gegeben. Im \u201eLande \u00d6sterreich\u201c war derartige \u201eToleranz\u201c allerdings nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>ANZENGRUBER VERLAG. BR\u00dcDER SUSCHITZKY. Inhaber: Philipp und Adele Suschitzky. J\u00fcdisch. Auf Weisung der RSK Betrieb mit 1. Oktober 1938 eingestellt. Inhaber vor den Nazis geflohen. Scheitern der Versuche, das Gesch\u00e4ft zu \u201earisieren\u201c oder zu liquidieren. Wegen Zahlungsunf\u00e4higkeit der Firma kam es im Oktober 1938 zur Konkurser\u00f6ffnung. Aufhebung des Konkurses 17. M\u00e4rz 1941.<\/p>\n<p>AUGARTEN-VERLAG. Inhaber: Stephan Szabo. Arisch. Stillgelegt nach dem Tode des Gr\u00fcnders und Inhabers Szabo am 14. August 1941. Verlag besteht heute weiter.<\/p>\n<p>C. BARTH VERLAG. Inhaber: Bela Hess. J\u00fcdisch. Kommissarische Verwaltung. Liquidiert. Gewerber\u00fccklegung Juni 1938. Amtswegige L\u00f6schung 22. Juni 1944.<\/p>\n<p>BASTEI-VERLAG. Gesellschafter: Paul Maric-Mariendol, Rudolf Lichy. Der (j\u00fcdische) Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer (bis Ende Juli 1937), Dr. Robert Freund, war nicht bzw. nicht offiziell finanziell beteiligt, doch galt er in der Nazi-Verwaltung als Besitzer und die Firma als \u201ej\u00fcdisch\u201c. Anmeldung der Aufl\u00f6sung und Liquidation am 25. Mai 1938. Abwickler, Treuh\u00e4nder. Gel\u00f6scht am 4. Oktober 1940 infolge Beendigung der Liquidation und Gewerber\u00fccklegung. Emigration Freunds \u00fcber Paris nach New York (Gr\u00fcndung: \u201eTwin Prints\u201c). Vorr\u00e4te und Rechte des Bastei-Verlags an Rascher Verlag (Z\u00fcrich) verkauft.<\/p>\n<p>VERLAG \u201eDAS BERGLAND-BUCH\u201c. Arisch. Weiterbestand durch den Krieg bis heute.<\/p>\n<p>BERMANN-FISCHER VERLAG. Inhaber: Dr. Gottfried Bermann-Fischer Emigration 13. M\u00e4rz 1938 \u00fcber Italien in die Schweiz, sp\u00e4ter nach Schweden. J\u00fcdisch. Liquidiert. Kommissarische Verwaltung, Treuh\u00e4nder, Abwickler. Mai 1939 gerichtlicher Ausgleich. Liquidation. Gel\u00f6scht 17. J\u00e4nner 1944.<\/p>\n<p>EUROPAISCHER VERLAG. Inhaber: Dr. Anton Popovici. Arisch. Stillgelegt im Oktober 1939. Aufnahme des Inhabers in RSK abgelehnt, da es diesem nicht gelang, seine arische Abstammung einwandfrei nachzuweisen. Vorg\u00e4ngerfirma war \u201eEurop\u00e4ischer Verlag Dr. Friedrich Wallisch\u201c, die 1932 von Popovici erworben und am 2. J\u00e4nner 1942 aus dem Handelsregister gel\u00f6scht wurde. Die \u00dcbernahme war dem Handelsgericht nicht mitgeteilt worden. Wiedererrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg. Weiterbestand bis heute.<\/p>\n<p>FIBA-VERLAG O. BAUER. Inhaberin: Olga Bauer. J\u00fcdisch. Weiterbetrieb bis November 1938. L\u00f6schung aus dem Handelsregister infolge Kleinbetriebes am 20. Dezember 1938. Sachwert: RM null. Abwicklung beendet 1940.<\/p>\n<p>S.L. GERSTEL VERLAG. Inhaberin: Dr. Sophie Gerstel. Arisch. Weiterbestand (Zusammenarbeit mit F. Speidel\u2019scher Verlagsbuchhandlung und Augarten Verlag) bis 1941, danach firmierte das Unternehmen als \u201eKarl Lang Verlag\u201c.<\/p>\n<p>GSUR-VERLAG. Inhaber: Dr. Ernst Karl Winter. Die Konzession zum Betrieb des Verlags war im Oktober 1937 zur\u00fcckgelegt worden unter der Bedingung, da\u00df die angesuchte Konzession an den Verein \u201e\u00d6sterreichische Katholische Liga\u201c erteilt werde. Winter war im Mai 1938 nach Z\u00fcrich geflohen. Die Firma \u201eGsur &amp; Co.\u201c wurde erst am 17. Oktober 1939 aus dem Handelsregister gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>VERLAG KARL HARBAUER. Inhaberin: Witwe nach Karl Harbauer. Arisch. Am 17. Juni 1938 infolge Kleinbetriebs gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>VERLAG HEROS. Inhaber: Rudolf Geyer-Angely. Arisch. Firma am 19. Oktober 1939 von amtswegen gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>RALPH A. H\u00d6GER VERLAG. Inhaber: Ralph H\u00f6ger. Arisch. Zwangsverwaltung (Zwangsverwalter: Eugen Swoboda, Inh. des Speidel Verlags) April 1938. Weiterentwicklung nicht ermittelt.<\/p>\n<p>JAHODA &amp; SIEGEL. Inhaber: Martin Jahoda, Dr. Friedrich Siegel. J\u00fcdisch. Kommissarische Verwaltung. Arisiert.<\/p>\n<p>VERLAG DER JOHANNES-PRESSE. Inhaber: Dr. Otto Kallir-Nirenstein. J\u00fcdisch. Arisiert. Auf Grund des Kaufvertrags vom 14. Juni 1938 durch Dr. Viktoria K\u00fcnstler \u00fcbernommen. Genehmigungsbescheid der VVSt vom 13. Oktober 1938; da die Firma laut Bilanz vom Juni 1938 \u00fcberschuldet war, gab es keinen \u201eKaufpreis\u201c. Die neue Inhaberin mu\u00dfte schlie\u00dflich im Jahre 1942 eine Entjudungsauflage von RM 2.319,26 an das zust\u00e4ndige Wohnfinanzamt zahlen (AVA, VVSt, Ha 4.279). Letzte Buchver\u00f6ffentlichung Anfang 1938. Verlagskonzession 1941 eingezogen, danach Bestand nur mehr als Kunsthandel. Emigrationsweg Kallirs: Mai 1938 in die Schweiz, sp\u00e4ter im selben Jahr nach Paris, Sommer 1939 nach New York.<\/p>\n<p>KRYSTALL-VERLAG. Inhaber: Dr. Franz Juraschek. Arisch. Ab 1.\u00a0J\u00e4nner 1939 vom Inhaber stillgelegt wegen beruflicher \u00dcberb\u00fcrdung. Am 24. Dezember 1942 von amtswegen gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>VERLAG DER BUCHHANDLUNG RICHARD L\u00c1NYI. Inhaber: Richard L\u00e1nyi. J\u00fcdisch. Arisiert. Geplante \u00dcbernahme Mai 1938 durch Johannes Katzler. Gesuch L\u00e1nyis um Konkurser\u00f6ffnung Ende November 1938. Beendigung des Konkurses M\u00e4rz 1939. Tod des Inhabers im KZ Auschwitz am 28.5.1942.<\/p>\n<p>R. L\u00d6WIT VERLAG. Inhaber: Dr. Mayer (Max) Pr\u00e4ger. J\u00fcdisch. Liquidiert. Kommissarische Verwaltung, Abwickler. Gel\u00f6scht 24. Juli 1939. Tod des Inhabers im KZ (Jahr nicht bekannt).<\/p>\n<p>ADOLF LUSER VERLAG. Inhaber: Adolf Luser (ab M\u00e4rz 1938 Karl Bauer, Verlag der DAF). Arisch. Im Februar 1941 in \u201eWiener Verlagsgesellschaft m.b.H.\u201c aufgegangen. Juni 1945: \u201eWiener Verlag Ernst Sopper und Karl Bauer.\u201c 1950: Druck-und Verlagsanstalt \u201eWiener Verlag\u201c Ges.m.b.H. 1970: C. Bertelsmann.<\/p>\n<p>VERLAG DR. ROLF PASSER. Inhaber: Dr. Rolf Passer. J\u00fcdisch. Arisiert. Passer leitete den Verlag pers\u00f6nlich bis Juli 1938 (als Jude ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6rigkeit). Er verreiste vorerst nach Berlin und dann nach Prag, Mitte 1939 in Paris, von dort nach London. Kommissarische Verwaltung (14. November 1938 bis 22. Mai 1939). Treuh\u00e4nder, Genehmigung der VVSt Verkauf an Therese Kirschner 2. Mai 1939. Wert des Verlags M\u00e4rz 1938 (laut Passer): RM 33.000. Kaufpreis 1939: RM 1,031.59; Entjudungsauflage: RM 154.74. (75% des Umsatzes vor 1938 entfielen auf nach M\u00e4rz 1938 unerw\u00fcnschte B\u00fccher). Als \u201eVerlag Therese Kirschner\u201c weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<p>PANEUROPA VERLAG. Inhaber: Richard N. Coudenhove-Kalergi. Arisch. Betrieb ab 1. April 1938 eingestellt. L\u00f6schung von amtswegen am 16. Mai 1942.<\/p>\n<p>PHAIDON-VERLAG. Inhaber: Dr. B\u00e9la Horovitz. J\u00fcdisch. Liquidiert. Kommissarische Verwaltung, Treuh\u00e4nder. Best\u00e4nde des Verlags bereits am 1. M\u00e4rz 1938 nach England verkauft. Gel\u00f6scht 31. M\u00e4rz 1939. Der Inhaber Horovitz hielt sich im Ausland auf, als der \u201eAnschlu\u00df\u201c vollzogen wurde. Er verlegte seine Arbeit nach England, wo er zun\u00e4chst mit der Firma Allen &amp; Unwin zusammenarbeitete (\u201ePhaidon-Press\u201c) und sich dann selbst\u00e4ndig machte. Horovitz starb 1955 in New York.<\/p>\n<p>EMMERICH PRAGER VERLAG. Inhaber: Emmerich Prager. (Nicht protokolliert) J\u00fcdisch? Weiterbestand nicht bekannt.<\/p>\n<p>SATURN-VERLAG. Inhaber: Dr. Fritz Ungar. Emigration Juni 1938 in die USA. J\u00fcdisch. Arisiert. \u00dcbernahme durch Theo L. G\u00f6rlitz. Neuer Firmenname: Saturn-Verlag Theo L. G\u00f6rlitz (ab 21. Oktober 1938). Inhaber 1943 im Krieg als vermi\u00dft gemeldet. Firma am 1. Oktober 1953 von amtswegen gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>OTTO M\u00dcLLER VERLAG. Inhaber: Otto M\u00fcller. Arisch. Inhaber Ende 1939 verhaftet. Betrieb 1941 stillgelegt, nachdem der Verlag zun\u00e4chst durch den \u201eAnschlu\u00df\u201c unbehelligt blieb. Wiedererrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg, Weiterbestand bis heute.<\/p>\n<p>VERLAG KARL SCHUSDEK. Inhaber: Karl Schusdek. J\u00fcdisch. Inhaber inhaftiert. Liquidiert. Gel\u00f6scht 12. April 1938.<\/p>\n<p>STEIN-VERLAG. Inhaber: Dr. Fritz Stein. Arisch? Firmenl\u00f6schung am 16. April 1938.<\/p>\n<p>F. SPEIDEL\u2019SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG. Inhaber: Eugen Swoboda. Arisch. 1938: Trennung von j\u00fcdischen bzw. unerw\u00fcnschten Autoren, Weiterbestand durch den Krieg und nach dem Krieg (zun\u00e4chst unter \u00f6ffentlicher Verwaltung). 1964: durch R. Kremayr und W. Scheriau \u00fcbernommen. 1965: nunmehr: \u201eSpeidel-Verlag\u201c. 1966 an Bertelsmann \u00fcbergegangen. Gewerber\u00fccklegung 1969.<\/p>\n<p>LEOPOLD STOCKER VERLAG. Inhaber: Leopold Stocker. Arisch. Weiterbestand w\u00e4hrend des Kriegs und bis heute.<\/p>\n<p>E.P. TAL &amp; CO. Inhaber: Lucy Tal. Floh M\u00e4rz 1938 vor den Nazis. J\u00fcdisch. Arisiert. \u00dcbernahme durch Dr. Alfred Ibach, ab 1939 \u201eAlfred Ibach Verlag\u201c, gel\u00f6scht 1950.<\/p>\n<p>THOMAS-VERLAG JAKOB HEGNER. Inhaber: Jakob Hegner. Arisch. Liquidiert. Inhaber wurde nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c inhaftiert.** Kommissarische Verwaltung, Abwickler. Gel\u00f6scht 10. J\u00e4nner 1939. (**Hegner hatte Bundeskanzler Kurt Schuschniggs <em><span lang=\"DE\" style=\"mso-ansi-language: DE;\">Drei Mal \u00d6sterreich <\/span><\/em><span lang=\"DE\" style=\"mso-bidi-font-size: 8.0pt; mso-ansi-language: DE;\">1937 verlegt!)<\/span><\/p>\n<p>TIECK-VERLAG. Inhaber: Mirko Jelusich, Walter Scheuermann. Arisch. Liquidiert 1938. Gel\u00f6scht 23. J\u00e4nner 1940. Nach einem Rechtsstreit zwischen Jelusich und Scheuermann beantragte jener die Bestellung eines Liquidators. Aus dem \u201eTieck-Verlag\u201c ging am 1. April 1938 der \u201eVerlag Walter Scheuermann ,Die Tieck-B\u00fccher\u2019\u201c hervor. Scheuermann ver\u00f6ffentlichte seine \u00e4u\u00dferst erfolgreichen Werke u.d. Namen Heinrich Tieck. Die Rechte auf diese gingen 1971 an den Verlag \u201eDas Bergland-Buch\u201c, Salzburg. Firma erloschen 1971.<\/p>\n<p>PAUL ZSOLNAY VERLAG A.G. Inhaber (Hauptaktion\u00e4r): Paul Zsolnay. J\u00fcdisch. Kommissarische Verwaltung. Arisiert. Aufgegangen in Karl H. Bischoff Verlag 1941 (gel\u00f6scht 1958). Wiedererrichtung der Firma Paul Zsolnay Verlag 1946.<\/p>\n<p>Diejenigen Verlage, die sowohl vor als auch nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c national ausgerichtet und zuweilen Brutst\u00e4tten der nationalsozialistischen Belletristik in \u00d6sterreich waren, erstanden nahezu vollz\u00e4hlig nach 1945 wieder. Sie und die entstehenden, mit diesen personalm\u00e4\u00dfig verflochtenen Buchgemeinschaften boten eine Heimst\u00e4tte f\u00fcr viele der in dem 1946 vom Unterrichtsministerium erstellten Index des unerw\u00fcnschten Schrifttums angef\u00fchrten Schriftsteller und Werke.<\/p>\n<p>Was aus den zuvor skizzierten \u201eSchicksalen\u201c nicht oder h\u00f6chstens indirekt hervorgeht, ist die Tatsache, da\u00df Reichsdeutsche w\u00e4hrend der Kriegsjahre in \u00d6sterreich sowohl das gro\u00dfe Rennen als auch das gro\u00dfe Gesch\u00e4ft machten. Das waren z.B. der Karl H. Bischoff Verlag, der das Zsolnay-Erbe angetreten hatte, und der 1941 aus Berlin \u00fcbersiedelte \u201eWilhelm Andermann Verlag\u201c.<\/p>\n<h3 id=\"anm1\"><a class=\"none\" name=\"Heading19\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00d6Sta, AVA, Reichskommissar f\u00fcr die Wiedervereinigung \u00d6sterreichs mit dem Deutschen Reiche (im folgenden: Rk.), B\u00fcrckel-Akten, Ordner 144. Vorbemerkung, Judenfrage in \u00d6sterreich, S. 1. Die 7seitige Schrift ist nicht datiert. Terminus ante quem non ist der 18. Mai 1938.<\/p>\n<div id=\"ftn2\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebenda, S. 1. Der \u201eHa\u00df\u201c war so gro\u00df, da\u00df B\u00fcrckel kurz nach \u00dcbernahme seiner T\u00e4tigkeit einschreiten mu\u00dfte. Die Entjudung sah er als Proze\u00df, als \u00dcbergang: &#8222;Dieser \u00dcbergang mu\u00df in einer Weise geschehen, da\u00df das wirtschaftliche Leben dabei nicht zum Erliegen kommt und nicht in Krisen ger\u00e4t und da\u00df insbesondere der Export keinen allzuschweren Schlag erh\u00e4lt. 3.) Um diesen \u00dcbergang zu sichern, mu\u00df die Judenfrage in absolut gesetzlicher Bahn vor sich gehen. Dabei darf das Verlangen nach Gesetzlichkeit in keiner Weise etwa zu Weichlichkeit neigen. Die Gesetze sollen und m\u00fcssen sehr hart sein. Aber es bedarf der gesetzlichen Regelung, weil so allein das ordnungsgem\u00e4\u00dfe Abrollen der Frage gesichert und die volkswirtschaftlichen Werte gewahrt bleiben. Ich bin deshalb gegen Gewalttaten &#8211; das war w\u00e4hrend der ersten Wochen wegen der ungeheueren Verbitterung der Parteigenossen au\u00dferordentlich schwer &#8211; stets streng eingeschritten. Die ersten Wochen nach der Macht\u00fcbernahme, w\u00e4hrend derer ich in Sektorstaat und Wirtschaft nur eine geringe Eingriffsm\u00f6glichkeit hatte, hatte sich das sogenannte Kommissarwesen herausgebildet. Das Kommissarsystem war, nachdem es einmal Platz gegriffen hatte, w\u00e4hrend der wirtschaftlichen \u00dcbergangszeit unentbehrlich. Es schlie\u00dft manche wertvolle Sicherung gegen \u00dcbergriffe der Stra\u00dfe in sich. Ich habe das Kommissarsystem aber dadurch in die richtigen Bahnen gelenkt, da\u00df ich die Zahl der Kommissare verringerte und zwar auf einen kleinen Bruchteil ihrer urspr\u00fcnglichen Zahl, also nur in den notwendigen F\u00e4llen Kommissare wirken lie\u00df und da\u00df ich die Kommissare unter au\u00dferordentlich strenge Kontrolle nahm und ihnen insbesondere in finanziellen Dingen sehr auf die Finger sehen lie\u00df. (&#8230;).\u201c Zum Thema Judenverfolgung und Entjudung in \u00d6sterreich, vor allem aus wirtschaftlicher Perspektive, gibt es eine reichhaltige Literatur, von der hier nur wenige Arbeiten angegeben werden: ERIKA WEINZIERL, Zu wenig Gerechte. \u00d6sterreicher und Judenverfolgung 1938-1945. Graz 1969; JONNY MOSER, Die Katastrophe der Juden in \u00d6sterreich 1938-1945 &#8211; ihre Voraussetzungen und ihre \u00dcberwindung. In: Der gelbe Stern in \u00d6sterreich. Katalog und Einf\u00fchrung zu einer Dokumentation. (Studia judaica Austriaca. Band V) Eisenstadt, 1977, S. 67- 133; ders., Die Verfolgung der Juden. In: Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945. \u2013 Eine Dokumentation. Wien 1975, 3. Band, S. 194-326; bes. S. 194-202.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn3\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Diese Sch\u00e4tzung ist dem \u201eBericht \u00fcber die kommissarischen Verwalter (Anlage, T\u00e4tigkeit, gesetzliche Bestimmungen und Statistik)\u201c des Staatskommissars in der Privatwirtschaft und Leiter der Verm\u00f6gensverkehrsstelle im Ministerium f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit, Walter Rafelsberger, vom 30. Oktober 1939 entnommen. (\u00d6Sta, AVA, Rk., Ordner 145.) im folgenden als \u201eBericht RAFELSBERGER\u201c mit Seitenzahl zitiert. WEINZIERL (zit. Anm. 2) schreibt, da\u00df es \u201ezun\u00e4chst 25.000\u201c kommissarische Verwalter gegeben habe (S. 33) und zieht einen \u201eBericht von Minister Fischb\u00f6ck in einer Sitzung im Reichswirtschaftsministerium am 14. Oktober 1938\u201c heran. In diesem Zusammenhang sei auf einen fundierten Aufsatz von GEORG WEIS (Arisierungen in Wien) verwiesen. In: Wien 1938. Forschungen und Beitr\u00e4ge zur Wiener Stadtgeschichte, Band 2.(= Sonderreihe der Wiener Geschichtsbl\u00e4tter.) Wien 1978, S. 183-189. Der einzige Einwand gegen die Arbeit von Weis liegt darin, da\u00df dieser es verabs\u00e4umt hat, die diversen von ihm herangezogenen offiziellen Quellen, die auch wir hier zitieren, zu nennen. Es sind dies die Aktenordner des Bestands \u201eReichskommissar f\u00fcr die Wiedervereinigung \u00d6sterreichs mit dem Deutschen Reich\u201c im AVA.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn4\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Bericht RAFFELSBERGERS, zit. Anm. 3, S. 2.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn5\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Zit. Anm. 3.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn6\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Die hier zitierten Zahlen sind einem Begleitschreiben des Staatskommissars in der Privatwirtschaft, Rafelsberger, vom 6. November 1939 an Gauleiter B\u00fcrckel entnommen. (\u00d6Sta, AVA, Rk., Ordner 145.) Da\u00df von den wenigen noch kommissarisch verwalteten j\u00fcdischen Unternehmen ein Verlag, noch dazu der Herbert Reichner Verlag, \u00fcbrigblieb, ist \u00fcberraschend. Trotz der allgemeinen Grobheit war man in handelsrechtlichen Fragen dennoch sehr pingelig. Der Reichner Verlag konnte noch nicht liquidiert werden &#8211; und der kommissarische Verwalter mu\u00dfte auf seinem Posten bleiben, weil eine Reihe von Prozessen im Ausland anh\u00e4ngig war und \u201eeine Umwandlung zum Treuh\u00e4nder f\u00fcr die Prozesse von Schaden w\u00e4re\u201c. Quelle: \u201eNamentliche Liste der am 30. Oktober 1939 noch kommissarisch verwalteten Betriebe.\u201c Bericht RAFELSBERGER, zit. Anm. 3, S. 27.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn7\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> B\u00dcRCKEL., zit. Anm. 1, S, 3.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn8\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Bericht RAFELSBERGER, zit. Anm. 3, S. 4 f.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn9\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> RGBl. Nr. 197, 1938 vom 23. November 1938 bzw. <em>Gesetzblatt f\u00fcr das Land \u00d6sterreich, <\/em>Nr. 619\/1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn10\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn10;\" href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Der 1888 in Stetteritz bei Leipzig geborene Alfred B\u00f6hme war seit Juli 1918 in Wien in leitender Position bei einer Reihe von Wiener Firmen, darunter der Universal-Edition, besch\u00e4ftigt. Er war Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des 1922 in Wien gegr\u00fcndeten \u201eDrei Masken Verlags\u201c und seit dem 1. September 1936 Teilhaber und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma R. Kiesel &amp; B\u00f6hme, B\u00fchnen- und Musikverlag, Salzburg-Wien. Neben dem Bermann-Fischer Verlag und dem Herbert Reichner Verlag war B\u00f6hme in der ersten Phase auch noch kommissarischer Leiter von: Josef Weinberger, B\u00fchnen- und Musikverlag, und Max Pfeffer, Theaterverlag, beide in Wien. (S. Archiv, Verein, V 1938, Mappe 509.) \u00dcber eigenes Ersuchen am 28. Juli 1938 wurde B\u00f6hme seiner Funktion bei Bermann-Fischer und Reichner enthoben. W\u00e4hrend des Kriegs gr\u00fcndete und leitete er die \u201eWiener Verlagsanstalt Ges.m.b.H.\u201c. Nach dem Zweiten Weltkrieg und bis zu seinem Tod im Jahre 1967 betrieb er einen B\u00fchnen- und Musikverlag in Wien.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn11\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn11;\" href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 138, 17. Juni 1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn12\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn12;\" href=\"#_ftnref12\" target=\"text\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Akt Amonesta bei der Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler (sp\u00e4ter: Reichsschrifttumskammer, Leitung Wien) und heute: Gremium f\u00fcr den Handel mit B\u00fcchern in Wien.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn13\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn13;\" href=\"#_ftnref13\" target=\"text\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Diese waren das Hotel Metropol (nunmehr Sitz der Gestapo-Leitstelle), das fr\u00fchere Palais Rothschild (nunmehr Sitz des SD-Oberabschnittes Wien), Gr\u00fcnangergasse 2 (recte: 4), fr\u00fcherer Sitz der Buchh\u00e4ndlerorganisation und I., Teinfaltstra\u00dfe 4. (Quelle: Schreiben und Bericht der Parteiamtlichen Pr\u00fcfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums, Dr. Lothar K\u00fchne vom 28. Oktober 1938 an Gauleiter B\u00fcrckel. \u00d6Sta, AVA, Rk., Ordner 253.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn14\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn14;\" href=\"#_ftnref14\" target=\"text\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> \u00d6Sta, AVA, Rk., Ordner 153.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn15\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn15;\" href=\"#_ftnref15\" target=\"text\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Archiv, Verein, V 1938, Mappe 502. \u201e3.) Dem bevollm\u00e4chtigten Beamten Dr. Karl Zartmann obliegt die Durchf\u00fchrung der Anordnungen und Beschl\u00fcsse der kommissarischen Leitung. Dr. Karl Zartmann erh\u00e4lt seine Weisungen vom kommissarischen Leiter bzw. seinem Bevollm\u00e4chtigten; er ist f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung verantwortlich und haftet f\u00fcr die kanzleim\u00e4\u00dfige F\u00fchrung.\u201c Diese Kanzleiordnung ist nicht datiert.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn16\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref16\" target=\"text\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> \u201eGegen Dr. Wisloschill bestehen berechtigte politische Bedenken, zu deren n\u00e4heren Erl\u00e4uterung Ihnen jederzeit (&#8230;) Dr. Karl Zartmann zur Verf\u00fcgung steht.\u201c Schreiben Wilhelm Ihde, Vize-Pr\u00e4sident der RSK, an Reg.-Rat Dr. Gast, Reichspropagandahauptamt Wien vom 19. Juli 1938. Abschrift. \u00d6Sta, AVA, BMfHuV, Gesch\u00e4ftszeichen: 568; Grundzahl: 93.964\/9a-38; Gesch\u00e4ftszahl: 102.755-9a, 1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn17\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref17\" target=\"text\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Archiv, V 1938, Mappe 502. Durchschl\u00e4ge all dieser Schreiben.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn18\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn18;\" href=\"#_ftnref18\" target=\"text\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Archiv, V 1938, Mappe 510. \u201eVertrauensm\u00e4nner Wien und Bundesl\u00e4nder\u201c. Hier findet sich u.a. eine Tabelle mit den Namen der Vertrauensm\u00e4nner der einzelnen Bezirke in Wien. Auf einem Zettel, datiert 21.3.38 mit Namen von Vertrauensm\u00e4nnern, steht Dr. Emmerich Morawa, obwohl dieser dann nicht in der Wiener Tabelle aufscheint. Er hatte andere Fachagenden wahrzunehmen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn19\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn19;\" href=\"#_ftnref19\" target=\"text\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Archiv, V 1938, Mappe 507. Von den 82 verzeichneten Firmen sind etwa 35 durchgestrichen. Das kann bedeuten &#8211; wie aus den Beispielen Tal, Zsolnay, Saturn-Verlag bekannt ist &#8211; , da\u00df diese Firmen, wenn auch nur provisorisch, in \u201everl\u00e4\u00dfliche H\u00e4nde\u201c \u00fcbergegangen waren.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn20\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn20;\" href=\"#_ftnref20\" target=\"text\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Originaldurchschlag im Besitz des Verf. Die \u201eListe der Parteimitglieder\u201c ist zwar nicht datiert, d\u00fcrfte aber im April oder Mai 1938 angefertigt worden sein, da sie Personen nicht ber\u00fccksichtigt, die z.B. im Juni \u201eAnw\u00e4rter\u201c wurden. Terminus ante quem non ist der 29. Juli 1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn21\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn21;\" href=\"#_ftnref21\" target=\"text\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Abschrift vom 29. M\u00e4rz 1938. Archiv, V 1938, Mappe 502.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn22\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn22;\" href=\"#_ftnref22\" target=\"text\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Siehe die \u201eGed\u00e4chtnisschrift\u201c dieser Besprechung von Oskar Lechner, 11. April 1938. In: Archiv, V 1938, Mappe 502.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn23\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn23;\" href=\"#_ftnref23\" target=\"text\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Alle diese Rundschreiben in Archiv, V 1938, Mappe 503.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn24\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn24;\" href=\"#_ftnref24\" target=\"text\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Schreiben des B\u00f6rsenvereins an Berger vom 9. Mai 1938 (Archiv, V 1938, Mappe 502).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn25\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn25;\" href=\"#_ftnref25\" target=\"text\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Kreys Entwurf f\u00fcr diese Rede, die sich in Archiv, V 1938, Mappe 502 befindet, weicht gewaltig von der <em>B\u00f6rsenblatt<\/em>-Fassung ab.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn26\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn26;\" href=\"#_ftnref26\" target=\"text\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>79. Jg., Nr. 7, 6. April 1938 und <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 83, 8. April 1938, S. 296.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn27\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn27;\" href=\"#_ftnref27\" target=\"text\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Krey war 1879 in Naumburg, Deutsches Reich, geboren, kam 1908 nach Wien und blieb bis Ende des Zweiten Weltkriegs reichsdeutscher Staatsangeh\u00f6riger. Als Inhaber einer Buchhandlung am Wiener Graben war er Mitglied der \u201eArbeitsgemeinschaft der Wiener NS-Buchh\u00e4ndler\u201c, die nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c gebildet wurde und deren Angeh\u00f6rige ihre heimliche Werbung f\u00fcr den Nationalsozialismus in der \u201eillegalen Zeit\u201c besonders hervorhoben. Daf\u00fcr, da\u00df Krey sich f\u00fcr die causa des Nationalsozialismus \u2013 wie z.B. durch sein Hervortreten als Literat im Jubel um das Werden Gro\u00dfdeutschlands \u2013 derart exponierte, wurde er mit einem nicht unbedeutenden Posten belohnt; er wurde zum Landesfachberater der Reichsschrifttumskammer in \u00d6sterreich ernannt und blieb in dieser Funktion bis Oktober 1944. Im Fr\u00fchjahr 1939 meldete er sich zum \u201eAnw\u00e4rter der NSDAP\u201c an und wurde Pg. im September desselben Jahres. Ein Sohn war bereits kurz nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c bei der SS. Nach Ende der Nazi-Herrschaft unterstand Krey wie andere Berufskollegen der Registrierungspflicht als schwerer belasteter Nationalsozialist. Doch was sich dann abspielte, kann man so umschreiben: Keiner will es gewesen sein. Trotz eines Gedichtes auf den 10. April 1938 im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>und im <em>Anzeiger<\/em>, trotz des begeisterten Begr\u00fc\u00dfungsartikels im <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>trotz der Rede vor der Kantateversammlung in Leipzig, trotz der Mitgliedschaft in der NSDAP, trotz der Mitgliedschaft in der \u201eArbeitsgemeinschaft der Wiener NS-Buchh\u00e4ndler\u201c und nicht zuletzt trotz des Postens als Landesfachreferent der RSK 1938-1944 wollte Krey im Juli 1945 das alles nicht gewesen sein. Er, genauso wie Kollegen, f\u00fcr die er blo\u00df stellvertretend ist, gab sich als \u201eOpfer\u201c und als \u201eWiderstandsk\u00e4mpfer\u201c gegen das NS-Regime aus; er habe sich \u00fcberhaupt nicht politisch bet\u00e4tigt, sei jahrzehntelang gegen\u00fcber dem \u00f6sterreichischen Staat loyal gewesen, sogar in der \u201eillegalen Kampfzeit\u201c, er habe einen mutigen Kampf gegen die Partei ausgefochten, er habe f\u00fcr seine teure Wahlheimat ehrlich gek\u00e4mpft, gelitten und gestritten, niemals den Parteistandpunkt geltend gemacht, niemals sich im nationalsozialistischen Sinne bet\u00e4tigt usw. usf. Unmittelbar nach Kriegsende wollte er \u00f6sterreichischer Staatsb\u00fcrger werden. Krey starb im Jahre 1964.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn28\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn28;\" href=\"#_ftnref28\" target=\"text\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Zeitungsausschnitt, Archiv, V 1938, Mappe 507.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn29\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn29;\" href=\"#_ftnref29\" target=\"text\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Original vom 11. Juni 1938 mit Firmenstempeln und Unterschriften im Besitz des Verf. Siehe auch: Archiv, V 1938, Mappe 502.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn30\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn30;\" href=\"#_ftnref30\" target=\"text\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Auf diesen konkreten Fall kommen wir noch sp\u00e4ter zu sprechen. Bischoff dr\u00fcckt seine Besorgnis im Artikel \u201e\u00d6sterreichs Buchhandel in der deutschen Aufgabe\u201c, <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 90, 20. April 1938, S. 318 aus.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn31\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn31;\" href=\"#_ftnref31\" target=\"text\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Prof. Dr. G. MENZ, Zur Wirtschaftslage. Die Eingliederung der S\u00fcdostmark. In: <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 138, 11. Juni 1938, S. 472.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn32\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn32;\" href=\"#_ftnref32\" target=\"text\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Undatierte Eingabe (vor Juni 1938). Archiv, V 1938, Mappe 502.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn33\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn33;\" href=\"#_ftnref33\" target=\"text\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Ich \u00fcbernehme hier vollinhaltlich die Analyse von Ludwig SCH\u00d6NROCK, Vom Buchhandel im Lande \u00d6sterreich. In: <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>Nr. 76, Do., den 31. M\u00e4rz 1938, S.\u00a0264-266.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn34\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn34;\" href=\"#_ftnref34\" target=\"text\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Original im Besitz des Verf. Der Bericht wurde gek\u00fcrzt abgedruckt in: JOSEPH WULF, Literatur und Dichtung im Dritten Reich. Eine Dokumentation. Hamburg 1966, S. 226- 227. Siehe auch Archiv, Buchgewerbehaus Wien, V 1938, Mappe 507.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn35\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn35;\" href=\"#_ftnref35\" target=\"text\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> G\u00f6ring hatte am 26. M\u00e4rz 1938 in Wien in einer Rede die fiktive Zahl von 300.000 Juden genannt. Dieselbe Zahl gibt die Wiener Ausgabe des <em>V\u00f6lkiscben Beobachters <\/em>am 14. Mai 1939 an. In Wahrheit lag die Zahl um ca.100.000 niedriger. Auch Gauleiter Joseph B\u00fcrckel kolportierte solche falsche Zahlen. In seinem bereits zitierten Bericht \u201eJudenfrage in \u00d6sterreich\u201c hei\u00dft es: \u201eMan hat zu bedenken, da\u00df Wien heute noch mehr als 300.000 Menschen z\u00e4hlt, die Juden sind oder aufgrund der N\u00fcrnberger Gesetze den Juden gleichzuachten sind. Man darf nie vergessen, will man arisieren und dem Juden seine Existenzgrundlage nehmen, dann mu\u00df man die Judenfrage total l\u00f6sen. Ihn n\u00e4mlich als Staatsrentner betrachten, das aber ist unm\u00f6glich. Also mu\u00df man die Voraussetzungen schaffen, da\u00df er ins Ausland kommt.\u201c (S. Anm. 1)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn36\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn36;\" href=\"#_ftnref36\" target=\"text\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> \u201eJuden in \u00d6sterreich\u201c, Berlin Document Center, RKK, Leitzordner \u201eJ\u00fcdische Buchh\u00e4ndler, Verleger, Schriftsteller\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn37\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn37;\" href=\"#_ftnref37\" target=\"text\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> 11.6.1938; <em>Reichsgesetzblatt,<\/em> Teil I, 1938, Nr. 90, Ausgegeben zu Berlin, den 14. Juni 1938; <em>Gesetzblatt f\u00fcr das Land \u00d6sterreich,<\/em> Jg. 1938, 66. St\u00fcck, Nr. 191, Ausgegeben am 24. Juni 1938; Amtliche Bekanntmachung der Reichsschrifttumskammer, Nr. 128. \u201aEingliederung des \u00f6sterreichischen Schrifttums in die Reichsschrifttumskammer\u2019, <em>B\u00f6rsenblatt, <\/em>105. Jg., Nr. 140, 20. Juni 1938, S. 456, sowie Rundschreiben Nr. 5 (739-67\/38) vom 25. Juni 1938 der kommissarischen Leitung der Zwangsgilde der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler, Wien 1, Gr\u00fcnangergasse 4. (Archiv, V 1938, Mappe 503)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn38\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn38;\" href=\"#_ftnref38\" target=\"text\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> <em>Siehe B\u00f6rsenblatt,<\/em> 20. Juni 1938, S. 456. Es sind einige F\u00e4lle von arischen \u00f6sterreichischen Buchh\u00e4ndlern und Verlegern bekannt \u2013 die Namen werden aus Piet\u00e4tgr\u00fcnden nicht genannt \u2013 , wo es trotz langwierigem und verzweifeltem Bem\u00fchen dem Antragsteller nicht gelang, zu den ersehnten Nachweisen zu kommen. Das Gesch\u00e4ft mu\u00dfte daher stillgelegt werden.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn39\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn39;\" href=\"#_ftnref39\" target=\"text\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> S. Anm. 37.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn40\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn40;\" href=\"#_ftnref40\" target=\"text\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> Akt Berlin Document Center\/Bischoff. Aktenvermerk f\u00fcr Herrn Ihde. Berlin, 2. Juni 1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn41\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn41;\" href=\"#_ftnref41\" target=\"text\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> \u201eJuden in \u00d6sterreich. Meldung per 30. 8. 1938\u201c. Aktenvermerk. Siehe Anm. 35.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn42\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn42;\" href=\"#_ftnref42\" target=\"text\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Quelle: wie Anm. 36. \u201eI\/Ju. Oe: Sammelbericht.\u201c Schreiben vom 31. August 1938 an den Herrn Reichsminister f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda, \u201ebetr.: Kulturwirtschaftliche Unternehmen (Betriebe) im Lande \u00d6sterreich.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn43\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn43;\" href=\"#_ftnref43\" target=\"text\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> Quelle: s. Anm. 40. Bericht Bischoffs &#8222;Oktober 1938&#8220;.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn44\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn44;\" href=\"#_ftnref44\" target=\"text\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> Daf\u00fcr einige Beispiele: Von Mitte M\u00e4rz bis Ende Juli 1938 war Alfred B\u00f6hme kommissarischer Verwalter des Bermann-Fischer Verlags und des Herbert Reichner Verlags. F\u00fcr den gro\u00dfen Bermann-Fischer Verlag wurde nun B\u00f6hme im August durch den 35j\u00e4hrigen Vorstadt-Kleinbuchh\u00e4ndler Theodor Hahn jun. ersetzt. Die kommissarische Leitung des Reichner Verlags ging an den branchenfremden Herrn Emil Kleibl \u00fcber. Der Phaidon-Verlag wurde nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c vom Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Inhaber des \u201eTieck-Verlags\u201c, Walter Scheuermann, \u00fcbernommen. Er wurde Ende August durch die branchenfremde \u201eGesch\u00e4ftsfrau\u201c Irma Pasler ersetzt. Diese drei \u201ej\u00fcdischen\u201c Verlage waren von vornherein auf die \u201eAbschu\u00dfliste\u201c gesetzt worden, und das war wahrscheinlich gut so, denn mit solcher Leitung w\u00e4ren sie in jedem Falle dem Untergang geweiht gewesen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn45\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref45\" target=\"text\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> Literatur und Dichtung im Dritten Reich. Eine Dokumentation. Zit. Anm. 34, S.\u00a0165.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn46\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref46\" target=\"text\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> Die hier nun folgende Darstellung beruht auf einer Reihe von offiziellen und amtlichen Quellen: a) dem Akt Paul Zsolnay Verlag im Landesgremium Wien f\u00fcr den Handel mit B\u00fcchern, b) dem Akt Paul Zsolnay Verlag im Berlin Document Center, c) dem Handelsregister Wien, d) dem Aktenvermerk K. H. Bischoffs vom 31. August 1938 (a.a.O.), e) dem Nachla\u00df Jantsch von Streerbach in Marbach sowie f) der Verm\u00f6gensanmeldung Paul von Zsolnays (AVA, VVSt, VA. 05650). Diese Quellen erm\u00f6glichen zwar eine relativ l\u00fcckenlose Darstellung der Vorg\u00e4nge, lassen aber trotzdem einige Fragen noch offen. Der Verf. dankt Herrn Gerhard Renner f\u00fcr manche Details.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn47\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref47\" target=\"text\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> In seiner Verm\u00f6gensanmeldung (s. Anm. 46) gab der \u201eLandwirt und Verleger\u201c Paul von Zsolnay am 15. Juli 1938 an, da\u00df er 100 Aktien bzw. Interimsscheine der Paul Zsolnay Verlags A.G. Wien IV besitze. Nennbetrag: S 1,000.000, Wert: RM 400.000. \u201eZu diesem Preis laufen Verhandlungen.\u201c Vermutlich bezieht sich das auf die \u201e25%\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn48\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref48\" target=\"text\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a> Siehe Volker DAHM, Das j\u00fcdische Buch im Dritten Reich. I. Teil, Sp. 159. Dahm schreibt ebda. Sp. 95 von der \u201eEntmachtung der RSK zugunsten des Propagandaministeriums\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn49\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref49\" target=\"text\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a> \u201eDie Arbeit der Verm\u00f6gensverkehrsstelle in der Ostmark. 2 Milliarden RM angemeldetes Judenverm\u00f6gen.\u201d In: <em>Neue Freie Presse, <\/em>Nr. 26.696, Mi., 4.1.1939, S. 6 und <em>V\u00f6lkischer Beobachter, <\/em>Wiener Ausgabe, 4.1.1939.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn50\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref50\" target=\"text\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a> Zum Themenkomplex \u201eJudenverfolgung\u201c und \u201eArisierung\u201c in \u00d6sterreich nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c gibt es bereits sehr viel Literatur. Was jedoch die ,,Arisierung\u201c betrifft, so fehlt es zwar nicht an allgemeinen Darstellungen mit entsprechendem Zahlenmaterial, wohl aber an der Schilderung konkreter F\u00e4lle. In dieser Arbeit wird zumindest versucht, diese Forschungsl\u00fccke f\u00fcr den Bereich Verlag und Buchhandel ein wenig zu schlie\u00dfen. Ein erster sehr informativer Versuch, die Arbeitsweise der Verm\u00f6gensverkehrsstelle zu beschreiben, ist bereits in den 50er Jahren erschienen (FELIX ROMANIK, Der Leidensweg der \u00f6sterreichischen Wirtschaft 1933-1945. Wien: \u00d6sterr. Bundesverlag 1957). In der Anlage zu seiner Arbeit finden sich mehrere aufschlu\u00dfreiche Dokumente \u00fcber die Richtlinien f\u00fcr Wirtschaftspr\u00fcfer bei Arisierungen etc. Einen \u00dcberblick \u00fcber den materiellen Schaden durch Arisierungen, Pl\u00fcnderungen usw. bietet au\u00dferdem DIETMAR in seiner ersch\u00fctternden Analyse der Versuche in den fr\u00fchen 50er Jahren, die \u00f6sterreichische Regierung und \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr so etwas wie eine \u201emoralische Verpflichtung\u201c gegen\u00fcber den Juden in \u00d6sterreich zu interessieren (D.W., Die j\u00fcdischen Bem\u00fchungen um die materielle Wiedergutmachung durch die Republik \u00d6sterreich. Wien: Geyer-Edition, 1971). Ein sehr fundiertes Werk \u00fcber die Judenverfolgung lieferte 1978 HERBERT ROSENKRANZ (Verfolgung und Selbstbehauptung. Die Juden in \u00d6sterreich 1938-1945. Wien: Herold, 1978). Besonders eindringlich schildert Rosenkranz u.v.a. die wilden Raubz\u00fcge unmittelbar nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c (S. 26-30) und die Verdr\u00e4ngung der Juden aus dem Wirtschaftsleben (S. 126-136). Verwiesen wird in diesem Zusammenhang ferner auf Arbeiten von JONNY MOSER, Die Katastrophe der Juden in \u00d6sterreich 1938-1945, zit. Anm. 2, und Die Verfolgung der Juden. In: Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945. Eine Dokumentation. Hrsg. Dokumentationsarchiv des \u00d6sterr. Widerstands, Band 3, Wien 1975, S. 194-202. Von GERHARD BOTZ liegen auch mehrere eingehende Studien vor, darunter Arisierungen und nationalsozialistische Mittelstandspolitik in Wien (1938-40). In: <em>Wiener Geschichtsbl\u00e4tter, <\/em>29. Jg., 1974, Heft 1, S. 122-136 und Wien vom \u201eAnschlu\u00df\u201c zum Krieg. Nationalsozialistische Macht\u00fcbernahme und politisch-soziale Umgestaltung am Beispiel der Stadt Wien 1938\/39. Wien: Jugend und Volk, 1978.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn51\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn51;\" href=\"#_ftnref51\" target=\"text\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a> Quelle, s. Anm. 41.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn52\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref52\" target=\"text\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a> Beispiele: Bernhard Herzmansky jun., August Emil Amonesta, Josef Kende, Richard L\u00e1nyi. Der \u201eArier\u201c Herzmansky konnte nach sechs Monaten Haft in Dachau nach Wien zur\u00fcckkehren, um nun in den Dienst des Nationalsozialismus einzutreten. Dem \u201earischen\u201c Buchh\u00e4ndler und Verleger August Emil Amonesta (* 2.9.1893; Verlag f\u00fcr Kulturforschung Amonesta &amp; Co., Zinnen-Verlag, Hagenberg-Verlag) w\u00e4re es beinahe gelungen, als Liquidator des in j\u00fcdischem Besitz (Bela Hess) befindlichen C. Barth Verlags bestellt zu werden, nachdem der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der RSK, Landesleitung \u00d6sterreich, Zartmann, am 13. August 1938 attestiert hatte, da\u00df \u201ehier keine Bedenken bestehen\u201c. (Akt Gremium\/Amonesta) Doch wurde Amonesta von der Gestapo in Schutzhaft genommen, nachdem sie ihn beschuldigte, nach dem \u201eUmbruch\u201c noch mit unerlaubter pornographischer Literatur zu handeln, sie zu vertreiben und ins Ausland zu verkaufen. Amonesta wurde dann noch im Jahre 1938 nach Buchenwald abtransportiert, kam sp\u00e4ter nach Auschwitz und starb dort am 27.7.1942. Ein zweiter prominenter Buchh\u00e4ndler, dem die neuen Machthaber die \u201eS\u00fcnden der Vergangenheit\u201c emphatisch nachtrugen, war Josef Kende. Kende, am 6.6.1868 geboren, war, wie an anderer Stelle dieser Arbeit angef\u00fchrt, \u00f6sterreichischer Auslieferer praktisch s\u00e4mtlicher Emigranten- bzw. Anti-Nazi-Verlage des deutschsprachigen Auslands (u.a. Querido, Allert de Lange, Europa-Verlag Z\u00fcrich, Humanitas Z\u00fcrich usw.) gewesen. Das verga\u00df man ihm nicht \u2013 weder im Altreich noch in der \u201eOstmark\u201c. Im bereits zitierten Verzeichnis der j\u00fcdischen Auslieferer in Wien, das die kommissarische Leitung des \u00f6sterreichischen Buchhandels aufstellte, galt Kende als \u201egef\u00e4hrlich\u201c (Archiv, Verein, V 1938, Mappe 507). Trotz seines hohen Alters \u2013 er war fast 70 \u2013 wurde der mit einer Arierin verheiratete \u201egetaufte Jude\u201c Kende in Schutzhaft genommen und nach Dachau transportiert. Er geh\u00f6rte dem allerersten Transport von Schutzh\u00e4ftlingen aus \u00d6sterreich an, der am 1. April 1938 erfolgte. Dazu die entsprechende Liste im D\u00d6W, Akt 1792. Kende starb im KZ Buchenwald im Oktober 1938. Sein Gesch\u00e4ft war \u201evon der Beh\u00f6rde&#8220; gepl\u00fcndert, die Lagerbest\u00e4nde von Querido, Allert de Lange, Europa-Verlag, Eminescu-Verlag (Czernowitz) u.a. beschlagnahmt worden. Die RSK (Zartmann) lehnte einen Fortbestand des \u00fcbriggebliebenen Gesch\u00e4fts durch Kendes \u201earische\u201c Witwe Isolde am 22. Oktober 1938 entschieden ab. (AVA, VVSt, Kt. 152, V.A. 41.589.) Der am 9. Dezember 1884 in Wien geborene Buchh\u00e4ndler, Verleger (Karl Kraus) und Theaterkartenb\u00fcrobesitzer Richard L\u00e1nyi hatte ein \u00e4hnliches Schicksal wie Josef Kende, insofern als seine Buchhandlung nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c gepl\u00fcndert und Lagerbest\u00e4nde durch Beschlagnahme dezimiert wurden. Nach dem Umbruch hatte L\u00e1nyi sein Gesch\u00e4ft einige Tage gesperrt, dann jedoch die Erlaubnis erhalten, den Betrieb weiter zu f\u00fchren. Ansichten, wonach L\u00e1nyi sofort nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c verhaftet worden sei, scheinen damit widerlegt zu sein. Am 10. Mai erschien ein gewisser Johannes Katzler bei L\u00e1nyi, und es wurde in einem Vorvertrag vereinbart, da\u00df L\u00e1nyis Firma samt allen Aktiven und Passiven von Katzler \u00fcbernommen werde. Der Kaufpreis sollte RM 40.000 betragen. Die Verpflichtungen der Firma in der H\u00f6he von rund RM 21.000 wollte Herr Katzler \u00fcbernehmen. Die \u00dcbernahme erfolgte sofort. Wenige Tage darauf stand auf dem Gesch\u00e4ft \u201earische Firma Inhaber Johannes Katzler\u201c, in einem Schaufenster stand eine F\u00fchrerb\u00fcste, und es war vorwiegend nationalsozialistische Literatur zu sehen. Seit diesem Zeitpunkt betrat L\u00e1nyi das Gesch\u00e4ft nicht mehr. Die Abmachung blieb auf recht, bis am 29. Juli 1938 die Inventur in der K\u00e4rntnerstra\u00dfe 44 durchgef\u00fchrt wurde. Es stellte sich heraus, da\u00df die Gestapo so viel an Druckwerken mitgenommen hatte, da\u00df das Unternehmen nun keinerlei Betriebsverm\u00f6gen mehr aufwies. Nun sollte Katzler L\u00e1nyi keinen Kaufpreis mehr zahlen, sondern lediglich das Gesch\u00e4ft zum Werte der Passiven \u00fcbernehmen. (Siehe AVA, VVSt, Kt. 23, V.A. 5193.) Ende Oktober 1938 teilte Katzler L\u00e1nyi mit, da\u00df er das Gesch\u00e4ft doch nicht \u00fcbernehmen k\u00f6nne. Er erkl\u00e4rte sich jedoch bereit, das Lager um den Betrag von RM 20.000 zu kaufen. L\u00e1nyi war gezwungen, auf diesen Vorschlag einzugehen. Doch meldete Richard L\u00e1nyi pers\u00f6nlich den Konkurs seiner Firma Ende 1938 beim Handelsgericht an. (S. Eintragung im Handelsregister vom 2. Dezember 1938 sowie Handelsgericht Wien. Konkursakt S 113\/38, deponiert im Wiener Stadt- und Landesarchiv.) L\u00e1nyi erschien noch bei Handelsgerichtsterminen im Februar und M\u00e4rz 1939. Das Konkursverfahren wurde im M\u00e4rz 1943 beendigt. Vom 13.8.1938 bis 21.4.1942 war L\u00e1nyi in Wien 4, M\u00fchlgasse 11\/6 gemeldet. Am 28.5.1942 starb er im Konzentrationslager Auschwitz. Zu diesem Komplex siehe MURRAY G. HALL, Verlage um Karl Kraus. In<em>: Kraus-Hefte, <\/em>Heft 26\/27, Juli 1983, S. 1-31; bes. S. 18ff.<\/p>\n<p class=\"note\">Auch ein f\u00fcnfter (j\u00fcdischer) Buchh\u00e4ndler und Verleger (Verlag Rich. L\u00f6wit) entkam den Nazi-Barbaren nicht: der am 2. Oktober 1889 in Galizien geborene Dr. Mayer Pr\u00e4ger. Offenbar in v\u00f6lliger Verkennung der Lage der Wiener Juden beabsichtigte Pr\u00e4ger sein Unternehmen als Buchhandlung f\u00fcr j\u00fcdisches Kulturgut weiterzuf\u00fchren und suchte deshalb im Sommer 1938 bei einer Wiener Bank um Kreditgew\u00e4hrung an. Tats\u00e4chlich war es so, da\u00df bis Ende 1938 im Deutschen Reich viele Buchverlage und Buchvertriebe zum \u201erein j\u00fcdischen Buchhandel\u201c zugelassen waren. (\u201eJ\u00fcdische Buchverleger und Buchverk\u00e4ufer d\u00fcrfen ihr Gewerbe im Reichsgebiet zuk\u00fcnftig nur unter Beschr\u00e4nkung ihrer T\u00e4tigkeit auf j\u00fcdisches Schrifttum und auf einen ausschlie\u00dflich j\u00fcdischen Abnehmerkreis aus\u00fcben.\u201c Vert. Mitt. d. Fach. Verlag, Nr. 24 vom 6. Juli 1937; zitiert nach Dahm, zit. Anm. 48, Sp. 263 f.) Aber in \u00d6sterreich, wo Gauleiter B\u00fcrckel bereits die totale \u201eEntjudung\u201c gefordert hatte, war das Ansinnen Pr\u00e4gers unrealistisch. Die \u00d6sterr. Creditanstalt richtete eine Anfrage an die RSK in Wien und bekam folgende Antwort:<\/p>\n<p class=\"note\">\u201eWien, am 24. August 1938. Der Inhaber der Buchhandlung R. L\u00f6wit, Wien, 1., Fleischmarkt 1 ist der Jude Dr. Mayer Pr\u00e4ger. Dr. Mayer Pr\u00e4ger beabsichtigt sein Unternehmen als Buchhandlung f\u00fcr j\u00fcdisches Kulturgut weiterzuf\u00fchren, es ist zweifelhaft, ob dem seitens der Reichsschrifttumskammer zugestimmt wird. Im gegenteiligen Falle m\u00fc\u00dfte die Firma liquidiert werden. Unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen kann eine Kreditgew\u00e4hrung nicht empfohlen werden. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer: Dr. Karl Zartmann.\u201c (Quelle: Gremium Wien\/R. L\u00f6wit) Am 16. September 1938 wurde der Lyriker und Maler Erich Landgrebe (18.1.1908\u201325.6.1979) als kommissarischer Verwalter f\u00fcr R. L\u00f6wit Buch- und Musikalienhandel und Leihbibliothek ins Handelsregister (Reg. A 26, 92) eingetragen, am 25. M\u00e4rz 1939 gel\u00f6scht und am 10. Juli 1939 als Abwickler eingetragen. Im J\u00e4nner 1939 wurde Dr. Mayer Pr\u00e4ger dem KZ Buchenwald \u00fcberstellt. Sein Todesdatum ist nicht bekannt. Seine Frau Mirjam kam 1942 nach Theresienstadt. Landgrebe d\u00fcrfte beim Reichspropagandaamt in Wien \u201eFreunde\u201c gehabt haben, die ihm viel Vertrauen entgegenbrachten. Er war Anfang April 1939 f\u00fcr den Posten als kommissarischer Leiter des Paul Zsolnay Verlags auserkoren. Die Bestellung scheiterte letztlich daran, da\u00df nach dem Gesetz \u00fcber die Bestellung von kommissarischen Verwaltern (G.Bl. Nr. 80\/1938) in der ge\u00e4nderten Fassung (G.Bl. Nr. 518\/1938, ausgegeben am 24. Oktober1938) nach dem 1. April 1939 keine kommissarischen Verwalter mehr bestellt werden durften.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn53\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref53\" target=\"text\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a> Handelsgericht Wien. Akt HRB 4698. Paul Zsolnay Verlag A.G. Anwesend waren: Staatskommiss\u00e4r Dr. Karl Hirsch-Stronstorff, Dr. Albert Jantsch-Streerbach, Paul Zsolnay, Felix Kostia-Costa, Rudolf Geyer, Rudolf Penz und Dr. Hermann Leber.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn54\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref54\" target=\"text\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a> Ebenda. Protokoll der a.o. Generalversammlung am 26. April 1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn55\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref55\" target=\"text\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn56\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref56\" target=\"text\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a> Schreiben Max Stebich an RSK in Berlin vom 24. I. 1939. (Akt Zsolnay, Gremium Wien).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn57\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref57\" target=\"text\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a> Siehe HANNS SCHOPPER, Presse im Kampf. Geschichte der Presse w\u00e4hrend der Kampfjahre der NSDAP. (1933-1938) in \u00d6sterreich. Wien\/Br\u00fcnn\/Leipzig, Rudolf M. Rohrer Verlag (1940).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn58\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref58\" target=\"text\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a> Stebich meldete Bedenken an: 1. Schopper war, so scheint es, viele Monate nach der \u00dcbernahme des Verlags durch Jantsch noch im Verlag t\u00e4tig. 2. Er war mit dem bisherigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, dem Stahlwerksbeamten und kommissarischen Leiter des Verlags, Dietl, \u201einnig befreundet\u201c und daher nach Stebich wohl nicht in der Lage, die Gesch\u00e4fte mit der n\u00f6tigen Objektivit\u00e4t zu f\u00fchren, und 3. Er hatte seine Stellung im Zsolnay Verlag schon wegen \u00dcberb\u00fcrdung im Hauptberuf niederlegen m\u00fcssen. (Bericht der RSK [Stebich] vom 12.4.1939.) (Gremium\/Zsolnay)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn59\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref59\" target=\"text\" name=\"_ftn59\">[59]<\/a> Stebich fa\u00dfte eine Reihe von Vorw\u00fcrfen zusammen, einmal in seinem Bericht an das Reichspropagandaamt Wien vom 12.4.39 und dann in einem Bericht an das Propagandaministerium In Berlin vom 26.4.1939 (beide: Gremium\/Zsolnay). Es handle sich 1) um einen Flug des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers Dietl zu Zsolnay nach London im M\u00e4rz 1939, f\u00fcr den er Reisespesen in der H\u00f6he von RM 900,- in Rechnung stellte; 2) um die \u00dcbernahme von Schecks durch den Verlagsangestellten K\u00f6rber, obwohl der Verlag geschlossen war; 3) um \u00fcberm\u00e4\u00dfige Gehaltsabhebungen des Verlagsangestellten Dr. Costa f\u00fcr Reisen nach Berlin, die bis zu RM 200,- Tagesdi\u00e4ten betrugen; 4) um die Ben\u00fctzung des Privatautos (eines Turiner Fiat Type 1500) von Zsolnay f\u00fcr au\u00dfer-gesch\u00e4ftliche Vergn\u00fcgungsfahrten durch die Leiter des Verlags; 5) um \u00fcberm\u00e4\u00dfige Geldabhebungen der leitenden Angestellten, die in keinem Verh\u00e4ltnis zu ihrer Arbeitsleistung und Arbeitsdauer standen. Au\u00dferdem w\u00e4re Jantsch k\u00fcrzlich nach Budapest gefahren, um die Mutter Zsolnays zu besuchen. Jantsch und Dietl h\u00e4tten innerhalb eines Jahres RM 80.000 an Zsolnay und seine Mutter zur Auszahlung gebracht, eine Summe, die \u201ekeineswegs begr\u00fcndet erscheint\u201c (Stebich). Costa h\u00e4tte innerhalb eines Jahres (M\u00e4rz 1938 bis M\u00e4rz 1939) nicht weniger als RM 24.000 und ein Darlehen in gleicher H\u00f6he erhalten. Schlie\u00dflich habe der kommissarische Verwalter, Dietl, der \u201ein der Woche jedoch h\u00f6chstens zwei Mal je eine halbe Stunde erschien (&#8230;) unter dem Titel verschiedener Spesen\u201c vom April 1938 bis M\u00e4rz 1939 \u201einsgesamt RM 15.000,-\u201e abgehoben. \u201eF\u00fcr seine kommissarische T\u00e4tigkeit hob er pro Monat RM 1.000,-ab.\u201c (Stebich) Jantsch hingegen m\u00fcsse \u201elediglich der Vorwurf gemacht werden, eine solche Wirtschaft geduldet und Zsolnay und Costa gedeckt zu haben.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn60\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref60\" target=\"text\" name=\"_ftn60\"> <span class=\"reference\">[60]<\/span><\/a> Schreiben Stebichs an RSK, Abt. III, Leipzig, vom 9. Juni 1939. (Gremium\/Zsolnay)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn61\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref61\" target=\"text\" name=\"_ftn61\">[61]<\/a> Felix Costa wurde nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c Mitglied der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Beim ersten Anlauf hatte er die Mitgliedschaft nicht erhalten und \u2013 laut Stebich, 26.4.39 \u2013 erst Erfolg, als der kommissarische Verwalter Dietl pers\u00f6nlich in der DAF vorsprach. Als seine Entlassung aus dem Zsolnay Verlag unmittelbar bevorstand, richtete Costa ein Gesuch um eine Sonderbewilligung an den F\u00fchrer. Der Oberb\u00fcrgermeister von Wien, Neubacher, soll es bef\u00fcrwortet haben. (Stebich, loc. cit. 12.4.39.) Aber all das hat Costa nicht vor einem tragischen Tod bewahrt. Costa soll w\u00e4hrend Zsolnays \u201enationaler\u201c Phase vor 1938 in der Frage Devisenzuteilung eine zentrale Rolle gespielt haben. Er soll n\u00e4mlich in diesen Jahren mit K.H. Bischoff von der RSK an Ort und Stelle in Berlin eine intensive T\u00e4tigkeit gepflogen haben.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn62\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref62\" target=\"text\" name=\"_ftn62\">[62]<\/a> Bauers verlegerische Qualifikationen als m\u00f6glicher Chef des Zsolnay Verlags wie auch f\u00fcr seine \u00dcbernahme des Adolf Luser Verlags im M\u00e4rz 1938 mit 28 Jahren: T\u00e4tigkeit seit 1924 im Deutschen Turnerbund und Deutschen Schulverein S\u00fcdmark, Dietwart von Wien (1931), sp\u00e4ter Bundesdietwart, nach M\u00e4rz 1938 vom Reichssportf\u00fchrer zum Gaudietwart des Gaues XVII, Ostmark, des Deutschen Reichsbundes f\u00fcr Leibes\u00fcbungen ernannt, seit 1931 Mitglied der NSDAP und schlie\u00dflich seitdem Jahre 1936 ehrenamtlicher Leiter der Buchhandlung des Deutschen Turnerbundes. Nach dieser T\u00e4tigkeit \u201eentschied ich (Bauer) mich, vor die Berufswahl gestellt, f\u00fcr die \u00dcbernahme der Betriebsf\u00fchrung des Adolf Luser Verlages\u201c (Lebenslauf, KARL <span lang=\"DE\">KONRAD BAUER, Wiener Verlagsgesellschaft m.b.H.\/Gremium)<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn63\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn63;\" href=\"#_ftnref63\" target=\"text\" name=\"_ftn63\">[63]<\/a> Quelle: Handelsgericht Wien. HRA 11.169 = HRA 14.909), Karl H. Bischoff Verlag. Gutachten Industrie- und Handelskammer in Wien (\u201eBetriebsumfang und Firmawortlaut\u201c) vom 29.4.1942.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn64\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn64;\" href=\"#_ftnref64\" target=\"text\" name=\"_ftn64\">[64]<\/a> BDC\/Zsolnay. Aktenvermerk Betr. Paul Zsolnay Verlag A.G. Wien. 11. M\u00e4rz 1941.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn65\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref65\" target=\"text\" name=\"_ftn65\">[65]<\/a> Jantsch hielt zu Zsolnay auch nach Ende des 2. Weltkriegs, als es galt, die rechtlichen Verh\u00e4ltnisse des Verlags wieder herzustellen (sog. R\u00fcckstellungsverfahren).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn66\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref66\" target=\"text\" name=\"_ftn66\">[66]<\/a> Protokoll, 1. M\u00e4rz 1941, S. Anm. 64. Der bilanzm\u00e4\u00dfige Reingewinn lag 1939 bei RM 150.000, 1940 bei RM 240.000 und 1941 noch dar\u00fcber bei ansehnlich hohen Ums\u00e4tzen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn67\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref67\" target=\"text\" name=\"_ftn67\">[67]<\/a> <span lang=\"DE\">Siehe <em>RGBl., <\/em>1., Nr. 35\/1941. Ausgegeben zu Berlin, den 31. M\u00e4rz 1941. Verordnung \u00fcber Firmen von entjudeten Gewerbebetrieben. Vom 27. M\u00e4rz 1941. <\/span><span lang=\"DE\" style=\"mso-bidi-font-size: 5.0pt; mso-ansi-language: DE;\">\u00a7 1: Wer einen j\u00fcdischen Gewerbebetrieb (&#8230;) \u00fcbernommen hat und in der Firma den Namen eines fr\u00fcheren j\u00fcdischen Inhabers oder Gesellschafters (&#8230;) f\u00fchrt, ist verpflichtet, den Namen des Juden binnen vier Monaten nach Inkrafttreten dieser Verordnung aus der Firma des \u00fcbernommenen Gesch\u00e4fts zu entfernen und eine neue Firma zu bilden.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn68\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref68\" target=\"text\" name=\"_ftn68\">[68]<\/a> BDC\/Zsolnay. Hess gab als \u201est\u00e4ndigen Bevollm\u00e4chtigten in Wien\u201c Pg. Karl Bauer, den Inhaber der Wiener Verlagsgesellschaft m.b.H. (vormals: Adolf Luser Verlag), an.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn69\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref69\" target=\"text\" name=\"_ftn69\">[69]<\/a> Siehe ein Schreiben Wilhelm Baurs an die RSK vom 21. April 1941: \u201eHess sei \u00fcbrigens nicht Buchh\u00e4ndler und k\u00f6nnte daher sein Inhaberrecht gar nicht buchh\u00e4ndlerisch aus\u00fcben. Ich pers\u00f6nlich sei im \u00fcbrigen \u00fcber Herrn Hess auch noch sehr ver\u00e4rgert, weil er, trotz einer ihm vor etwa 4 Wochen erteilten Warnung, sich um den Zsolnay-Verlag weiter gek\u00fcmmert habe. Ich habe Herrn Hess damals gesagt, da\u00df er als Schriftleiter seine Finger von verlegerischen Handlungen lassen solle, insbesondere auch deshalb, weil ihm die notwendigen Mittel fehlen w\u00fcrden. Jetzt hat er aber trotzdem die Aktien von Jantsch-Streerbach gekauft und laut Fr\u00e4ulein Witt daf\u00fcr sogar einige hunderttausend Mark bezahlt.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn70\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref70\" target=\"text\" name=\"_ftn70\">[70]<\/a> Schreiben Abwicklungsstelle an den Zsolnay Verlag vom 30.9.1941. (Gremium\/Zsolnay)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn71\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref71\" target=\"text\" name=\"_ftn71\">[71]<\/a> Handelsgericht Wien. Registerakt Karl H. Bischoff Verlag. Wien \u2013 Berlin. HRA 14.909 (umgeschrieben von HRA 11.169). \u00dcber die finanzielle Seite der Gr\u00fcndung gibt ein Fragebogen des Amtsgerichts vom Juli 1942 Aufschlu\u00df.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn72\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref72\" target=\"text\" name=\"_ftn72\">[72]<\/a> Siehe ebenda. Bischoff gab als \u201eWert des Firmenkapitals\u201c die Summe \u201erd. RM 10.000\u201c, als \u201eEigenkapital\u201c RM 250.000 an. Dieses d\u00fcrfte allerdings nicht \u201aeigenes Kapital\u2019, sondern Zsolnay-Erbe gewesen sein.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn73\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref73\" target=\"text\" name=\"_ftn73\">[73]<\/a> Siehe Anm. 53.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn74\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref74\" target=\"text\" name=\"_ftn74\">[74]<\/a> Siehe Anm. 53. Schreiben der Industrie- und Handelskammer Wien vom 10. Februar 1943. Das Pr\u00e4dikat \u201ekein Verm\u00f6gen\u201d war u.a. eine Voraussetzung f\u00fcr die amtswegige L\u00f6schung, und daher d\u00fcrfte das sehr wohl vorhandene Verm\u00f6gen de jure nicht existieren.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn75\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn75;\" href=\"#_ftnref75\" target=\"text\" name=\"_ftn75\">[75]<\/a> Der Pr\u00e4sident der Reichsschrifttumskammer. III Gf. L 10\/0 vom 26. August 1944 an die Firma Karl H. Bischoff Verlag. (Gremium\/Zsolnay).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn76\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref76\" target=\"text\" name=\"_ftn76\">[76]<\/a> Schreiben Karl H. Bischoff Verlag an die Gauinspektion der NSDAP vom 5. Oktober 1944. (Gremium\/Zsolnay).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn77\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref77\" target=\"text\" name=\"_ftn77\">[77]<\/a> Diese Darstellung der Arisierung des Tal-Verlags beruht auf folgenden Quellen: Handelsgericht Wien. Registerakt E. P. Tal\/Alfred Ibach Verlag (HRA 4.474; umgeschrieben von Reg. A 39,102); AVA, VVSt, Verm\u00f6gensanmeldung Lucy Tal V.A. 25.457; AVA, VVSt, Handelsanmeldung, Ha 2.392, Tal\/Ibach; Archiv, Buchgewerbehaus, Mappe V, XVI, 3, RSK, Produktions\u00fcbersicht Ibach-Verlag 1940; schriftliche Befragung der Witwe E.P. Tals, Lucy Tal, in New York. Ein Verlagsarchiv existiert nicht. Als der ,,Anschlu\u00df\u201c unmittelbar bevorstand, wurden Unterlagen, Vertr\u00e4ge usw. dem Anwalt des Verlags, Dr. Hermann L\u00f6w, \u00fcbergeben. Nach Einzug der Nazis ist L\u00f6w geflohen, und seine Angestellten haben wegen der gro\u00dfen Gefahr alles vernichtet (Mitteilung L. Tal). Zu Ibach siehe den Nachruf in: <em>Das Antiquariat <\/em>(Wien), IV. Jg., Nr. 13\/16, Juli-August 1948, S. 7.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn78\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref78\" target=\"text\" name=\"_ftn78\">[78]<\/a> Wolf war mit dem verstorbenen Ernst Peter Tal eng befreundet gewesen, und nach dessen Tod bot Wolf der Witwe moralische und finanzielle Hilfe an. (Mitteilung L. Tal.) Ende 1938 wurde Wolf aus der Kartei der Rechtsanwaltskammer in Wien gel\u00f6scht. Er konnte im September 1939 nach Budapest emigrieren und 1941 in die USA fliehen. Er starb in New York am 27. Mai 1946. Siehe dazu: <span lang=\"DE\" style=\"mso-bidi-font-size: 7.0pt; mso-ansi-language: DE;\">VIKTOR SUCHY, Hugo Wolf. In: <em>Kraus-Hefte,<\/em> Heft 9, Januar 1979, S. 13-16, SIGURD PAUL SCHEICHL, Hugo Wolf (2), ebda., Heft 19, Juli 1981, S.10-14 und MURRAY G. HALL, Musil \u2013 ein Gr\u00fcndungsmitglied der ,,Gesellschaft der Filmfreunde \u00d6sterreichs&#8220;. In: <em>Musil-Forum, <\/em>2.1976, S. 26-28.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn79\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref79\" target=\"text\" name=\"_ftn79\">[79]<\/a> AVA, VVSt, Ha 2.392.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn80\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref80\" target=\"text\" name=\"_ftn80\">[80]<\/a> Ebenda. Schreiben vom 30. Mai 1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn81\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref81\" target=\"text\" name=\"_ftn81\">[81]<\/a> Ebenda. In diesem Akt befindet sich das erste und letzte Verlagsverzeichnis des E.P. Tal &amp; Co. Verlags nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn82\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref82\" target=\"text\" name=\"_ftn82\">[82]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn83\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref83\" target=\"text\" name=\"_ftn83\">[83]<\/a> Durchschl\u00e4ge dieser \u201eVerf\u00fcgung\u201c befinden sich ebenda und in V.A. 25.457.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn84\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref84\" target=\"text\" name=\"_ftn84\">[84]<\/a> AVA, VVSt, Ha 2.392, Schreiben des Alfred Ibach Verlag vom 3. Oktober 1939.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn85\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref85\" target=\"text\" name=\"_ftn85\">[85]<\/a> Nach der \u201eProduktions\u00fcbersicht der Wiener Verlage 1940\u201c. S. Anm. 77.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn86\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref86\" target=\"text\" name=\"_ftn86\">[86]<\/a> Da manche Teilbereiche des Bestands VVSt im AVA noch nicht aufgearbeitet worden sind, waren mir die betreffenden nachgewiesenen Akten zum Gegenstand \u201eSaturn-Verlag\u201c nicht zug\u00e4nglich. Ein weiterer Fall von \u201einterner\u201c Arisierung, der detailliert belegbar ist, ist der Verlag Dr. Rolf Passer (und Zeitbild-Verlag). Siehe dazu: AVA, VVSt, Ha 8.841 und V.A. 03550.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn87\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref87\" target=\"text\" name=\"_ftn87\">[87]<\/a> Schreiben Frederick Ungars an den Verf. vom 8. September 1981.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn88\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref88\" target=\"text\" name=\"_ftn88\">[88]<\/a> Saturn-Verlag\/Gremium. Schreiben G\u00f6rlitz an Zartmann, RSK, Gruppe Buchhandel, vom 13. September 1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn89\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref89\" target=\"text\" name=\"_ftn89\">[89]<\/a> Die Herren bei der RSK in Berlin hatten es offensichtlich zur Gewohnheit gemacht, die Verlagsverzeichnisse \u00f6sterreichischer Verlage genauestens zu studieren, nicht allerdings mit Kenntnis der \u201e\u00f6sterreichischen Literatur\u201c. Das folgende Erlebnis hatte z.B. der Adolf Luser Verlag im Jahre 1940. Im M\u00e4rz d.J. erhielt der junge Inhaber Karl Bauer von der RSK in Berlin eine Mitteilung, da\u00df der Verfasser eines im Luser Verlag erschienenen Buches, n\u00e4mlich \u201eLeutnant Burda\u201c von einem Ferdinand von Saar, \u201eweder Mitglied der Reichsschrifttumskammer noch im Besitze eines Befreiungsscheines f\u00fcr das genannte Buch sei\u201c. Karl K. Bauer schrieb sofort an K.H. Bischoff-Berlin: \u201eWir haben uns hier in Wien immer wieder lustig gemacht, wenn von verschiedenen Schriftleitungen unsere erfolgreiche Neuauflage so besprochen wurde, als weilte Ferdinand von Saar noch unter den Lebenden. Vielleicht weisen Sie auf kurzem Wege einmal den unterzeichneten Referenten Maurer (?) an, in seine wahrscheinlich kleindeutsch zugeschnittene Literaturgeschichte auch die deutschen Erz\u00e4hler des alten \u00d6sterreich aufzunehmen.\u201c (Schreiben Bauers vom 11. M\u00e4rz 1940.) Der angesprochene RSK-Referent, Abteilungsleiter Metzner, fand die Angelegenheit freilich weniger lustig und schrieb deshalb an den RSK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer (Gruppe Schriftsteller) Max Stebich in Wien: \u201e(&#8230;) Ich bin nat\u00fcrlich f\u00fcr jeden Hinweis dankbar, (&#8230;) Da\u00df aber Herr Bauer von einer kleindeutschen Literatur spricht, die der unterzeichnete ,Referent\u2019 benutzt und gar eine amtliche Mitteilung, wenn sie auch falsch ist, noch zur Bereicherung des Kameradschaftsabends verwendet, scheint mir doch weniger ein Hinweis, als eine Kritik zu sein und ich bitte Sie, doch Herrn Bauer kameradschaftlich einmal etwas von der Arbeit der Reichsschrifttumskammer zu erz\u00e4hlen und ihn im \u00fcbrigen zu bitten, Dinge, die die Autoren angehen, grunds\u00e4tzlich und m\u00f6glichst unter Einhaltung des Dienstweges der Abteilung II, Gruppe Schriftsteller, unmittelbar zuzuleiten. Heil Hitler! [gez.: Metzner] (Schreiben vom 15. M\u00e4rz 1940) (Beide Schreiben in Gremium\/\u201cWiener Verlagsges.b.H.\u201c)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn90\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref90\" target=\"text\" name=\"_ftn90\">[90]<\/a> Saturn-Verlag\/Gremium. Schreiben der RSK Wien, Gruppe Buchhandel (Zartmann) vom 16. September 1938.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn91\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref91\" target=\"text\" name=\"_ftn91\">[91]<\/a> Er ist in der bereits zitierten \u201eProduktions\u00fcbersicht der Wiener Verlage 1940\u201c nicht angef\u00fchrt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn92\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref92\" target=\"text\" name=\"_ftn92\">[92]<\/a> Herbert Reichner verlie\u00df Wien am Tag des \u201eAnschlusses\u201c und ging nach Z\u00fcrich. Die Quellenlage zum Reichner-Verlag ist vor allem deshalb ausgesprochen ung\u00fcnstig, weil 1) der vor einigen Jahren vorhandene Akt \u201eHerbert Reichner Verlag\u201c beim Gremium f\u00fcr den Handel mit B\u00fcchern in Wien leider nicht mehr auffindbar ist, 2) die Firma Herbert Reichner Verlag bei der Wiener Standesvertretung zwar inkorporiert, nicht aber handelsgerichtlich protokolliert war. (Daher konnte kein Registerakt herangezogen werden) und 3) Reichner keine Verm\u00f6gensanmeldung an die VVSt abgegeben hat und der Akt Gw 4.641 (Liquidierung der Firma) im Bestand VVSt nicht einliegt. Bekannt ist lediglich, da\u00df der Verlag unter kommissarischer Leitung stand und da\u00df der kommissarische Verwalter (Emil Kleibl) trotz Verstreichens der gesetzlichen Frist nicht enthoben werden konnte, da im Ausland noch immer wegen ungekl\u00e4rter Verlagsrechte prozessiert wurde. Genausowenig sind Gesch\u00e4ftsunterlagen und dgl. vorhanden. Was den Bermann-Fischer Verlag anlangt, so hei\u00dft es in einem Aktenvermerk im J\u00e4nner 1942 (Registerakt C 4,40), da\u00df B\u00fccher und Schriften der Gesellschaft in Verwahrung des Reichsstatthalters der VVSt \u00fcbergeben worden seien. Beim Bastei-Verlag ist die Quellenlage \u00e4hnlich. \u201eDie B\u00fccher und Schriften der aufgel\u00f6sten Gesellschaft sind (&#8230;) anl\u00e4\u00dflich einer \u00dcbersiedlung zum Altpapier gekommen und (&#8230;) eingestampft worden.\u201c (Schreiben vom 28. September 1940, in Registerakt Bastei-Verlag, Reg. C 20, 45, deponiert in WrStLa.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn93\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref93\" target=\"text\" name=\"_ftn93\">[93]<\/a> Wie jeder Jude, nach \u00a7 5 der Ersten Verordnung zum Reichsb\u00fcrgergesetz vom 14. November 1935, war Dr. Gottfried Bermann verpflichtet, das \u201eVerzeichnis \u00fcber das Verm\u00f6gen von Juden nach dem Stand vom 27. April 1938\u201c abzugeben. Im Gegensatz zu anderen, ebenfalls geflohenen Wiener Verlegern (Herbert Reichner, Robert Freund), die dieser \u201ePflicht\u201c vom Ausland aus verst\u00e4ndlicherweise nicht nachkamen \u2013 Verm\u00f6gen und Eigentum waren sowieso automatisch verlorengegangen \u2013 \u00fcbermittelte Bermann das \u201eVerzeichnis\u201c von Stockholm aus am 19. August 1938, nachdem er von Wien aus als \u201eMeldepflichtiger\u201c hiezu aufgefordert worden war. (Siehe AVA, VVSt, V.A. 09328). In der V.A. gab er lediglich seine Anteile an der A.G. f\u00fcr Verlagsrechte, Chur, sowie an der BFV-Ges.m.b.H., Wien, (\u00f6S 20.000) an. Der Akt der VVSt zum Verlag selber (Ha 5.109) konnte zwar nachgewiesen werden, doch lag er nicht ein. Bermann ist letzten Endes minimal und indirekt \u00fcber die Gl\u00e4ubigerforderung der A.G. in Chur entsch\u00e4digt worden.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn94\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref94\" target=\"text\" name=\"_ftn94\">[94]<\/a> Siehe: Robert Musil. Briefe 1901\u20131942. Herausgegeben von ADOLF FRIS\u00c9 Unter Mithilfe von MURRAY G. HALL. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Verlag, 1981. Zwei B\u00e4nde.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn95\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref95\" target=\"text\" name=\"_ftn95\">[95]<\/a> 9.9.1903, Wien-9.8.1941, ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn96\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref96\" target=\"text\" name=\"_ftn96\">[96]<\/a> Quelle: Handelsgericht Wien. Ausgleichsakt. Sa 3\/39. Deponiert in WrStLa.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn97\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref97\" target=\"text\" name=\"_ftn97\">[97]<\/a> Laut V.A. 09328 (s. Anm. 92) besa\u00df Bermann Vorzugsaktien der A.G. f\u00fcr Verlagsrechte, Chur, im Wert von sfr 50.000 und Aktien dieser Firma im Wert von sfr 29.500.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn98\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref98\" target=\"text\" name=\"_ftn98\">[98]<\/a> Linsmayer, der u.v.a. selber seit 1933 Inhaber des Johannes M\u00fcller &amp; Co. Verlags in Klosterneuburg, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Bernina-Verlag A.G. Wien\/Olten war, war der meistbesch\u00e4ftigte Verlagsfachmann und Abwickler im Lande \u00d6sterreich. Am 10. Februar 1939 wurde er z.B. von der VVSt zum Abwickler von nicht weniger als 32 Buchhandlungen und Verlagen bestellt. (Abschrift dieser Bestellung u.a. in Registerakt Bermann-Fischer Verlag, Reg. C 4, 40.) Deponiert im WrStLa.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn99\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a href=\"#_ftnref99\" target=\"text\" name=\"_ftn99\">[99]<\/a> Enthalten in: Handelsgericht Wien. Ausgleichsakt Sa 3\/39. Deponiert in WrStLa.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn100\" style=\"mso-element: footnote;\">\n<p class=\"note\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn100;\" href=\"#_ftnref100\" target=\"text\" name=\"_ftn100\">[100]<\/a> Der \u00dcbernahmspreis freigegebener Werke betrug 5% vom Ladenpreis.<\/p>\n<h3 id=\"erg1\" class=\"note\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/h3>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>Sigrid Buchhas: Der \u00f6sterreichische Buchhandel im Nationalsozialismus. Ein Beitrag zur Geschichte des Buchhandels unter besonderer Ber\u00fccksichtigung Wiens. Diplomarbeit Univ. Wien 1993.<\/li>\n<li>Iris Pawlitschko: J\u00fcdische Buchhandlungen im Wien. \u201eArisierung\u201c und Liquidierung in den Jahren 1938-1945. Diplomarbeit Univ. Wien 1996.<\/li>\n<li>Ulrike Felber\/Peter Melichar\/Markus Priller\/Berthold Unfried\/Fritz Weber: <em>\u00d6konomie der Arisierung. Teil 2: Wirtschaftssektoren, Branchen, Falldarstellungen. Zwangsverkauf, Liquidierung und Restitution von Unternehmen in \u00d6sterreich 1938 bis 1960 2<\/em>. Wien u.a.: Oldenbourg, 2004. (= Ver\u00f6ffentlichungen der \u00d6sterreichischen Historikerkommission, Band 10-2).<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>XII. Das angeschlossene \u00d6sterreich 1. Voraussetzungen f\u00fcr die Entwicklung in Buchhandel und Verlagswesen nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c 2. Anschlu\u00df von Kunst und Kultur 3. Die Standesvertretung nach dem \u201eAnschlu\u00df\u201c a) Die Zwangsgilde unter kommissarischer Verwaltung b) Volksabstimmung c) B\u00fccherbeschlagnahmen d) Kommissarische Leitung und Vertrauensm\u00e4nner e) Probleme f) KANTATE 1938: Neuaufflackern des\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=143\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":26,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-143","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/143","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143"}],"version-history":[{"count":17,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/143\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2220,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/143\/revisions\/2220"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/26"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}