{"id":180,"date":"2015-09-03T18:48:19","date_gmt":"2015-09-03T16:48:19","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=180"},"modified":"2018-04-16T14:55:16","modified_gmt":"2018-04-16T12:55:16","slug":"anzengruber-verlag-brueder-suschitzky","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=180","title":{"rendered":"Anzengruber-Verlag Br\u00fcder Suschitzky"},"content":{"rendered":"<h3>Anzengruber-Verlag Br\u00fcder Suschitzky (Wien-Leipzig) <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span style=\"font-size: 0.7em; vertical-align: top;\">[1]<\/span><\/a><\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">Die Produktion<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">Belletristik<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#anm1\">Anmerkungen<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#erg1\">Erg\u00e4nzungen zur Buchpublikation von 1985<\/a>\n<ul>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#erg2\">Neueste Forschungsliteratur<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#erg3\">Illustrationen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-545\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen1-268x300.jpg\" alt=\"Anzengruber Signet\" width=\"150\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen1-268x300.jpg 268w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen1-134x150.jpg 134w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen1.jpg 816w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Der erste Anlauf der beiden Br\u00fcder Suschitzky, Philipp und Wilhelm, eine neue Buchhandelsfirma in Wien zu gr\u00fcnden, erfolgte Anfang Oktober 1900. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> Da\u00df aber eine offene Handelsgesellschaft erst am 1. Oktober des folgenden Jahres errichtet werden konnte, ist ein kurioses St\u00fcck der \u00f6sterreichischen Buchhandelsgeschichte. Nachdem das Buchh\u00e4ndler-Gremium das Gesuch Suschitzkys um die Verleihung einer Konzession zum Betriebe einer Buch- und Antiquariatsbuchhandlung, verbunden mit einer Leihbibliothek im 10. Wiener Gemeindebezirk, w\u00e4rmstens bef\u00fcrwortet hatte, erhielt Philipp Suschitzky eine kalte Dusche. Mit Bescheid vom Magistratischen Bezirksamt Favoriten vom 25. April 1901 wurde dem Petenten mitgeteilt, da\u00df die f\u00fcr Gewerbeangelegenheiten letztlich zust\u00e4ndige Instanz, die k.k. n.\u00f6. Statthalterei, laut Erla\u00df vom 12. April 1901, Zl. 29.042 seinem Ansuchen keine Folge gegeben habe. Der Grund f\u00fcr diese Entscheidung: der \u00a7 23, Alinea 3 der Gewerbeordnung aus dem Jahre 1859 machte bei konzessionspflichtigen Gewerben neben &#8222;Bef\u00e4higung&#8220; auch den Lokalbedarf erforderlich. Und Suschitzky wurde &#8222;mangels des Localbedarfes&#8220; im Sinne des \u00a7 23 G.O. abgewiesen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ablehnung lagen also nicht in der Person des Gesuchstellers, sondern darin, da\u00df &#8211; wie man folgern mu\u00dfte &#8211; kein Bedarf f\u00fcr eine Buchhandlung im Bezirk vorhanden sei. Suschitzky rekurrierte innerhalb der 6w\u00f6chigen Frist beim k.k. Ministerium des Innern, aber der Fall warf nicht blo\u00df eine individuelle, sondern auch eine grunds\u00e4tzliche Frage auf, n\u00e4mlich, wie man zu solchen grotesken Entscheidungen \u00fcberhaupt gelangen konnte. Denn zu dieser Zeit hatte der Wiener Arbeiterbezirk Favoriten eine Einwohnerzahl von etwa 120.000 Menschen, war also eine &#8222;Stadt&#8220; ungef\u00e4hr in der Gr\u00f6\u00dfe von Graz oder Br\u00fcnn. Und noch merkw\u00fcrdiger: in diesem Bezirk bestand bisher \u00fcberhaupt keine Buchhandlung, was, nebenbei bemerkt, auch f\u00fcr vier andere Wiener Bezirke dieser Zeit zutraf.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Und da sich jemand findet, &#8211; vermuthlich nicht der erste &#8211; der dieser Schande ein Ende bereiten w\u00fcrde &#8211; erkennt die Statthalterei, da\u00df das Concessionsgesuch mangels eines Bed\u00fcrfnisses abzulehnen sei. Commentar \u00fcberfl\u00fcssig. Ja, wenn es sich um eine Branntweinsch\u00e4nke gehandelt h\u00e4tte! (&#8230;)<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>In den Augen des zeitgen\u00f6ssischen Kritikers werfe dieser Fall<\/p>\n<p class=\"zitat\">ein Licht darauf, wie den \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden jede Ausrede recht ist, um die Erwerbsth\u00e4tigkeit der Bev\u00f6lkerung zu behindern. Jemand will eine Industrie schaffen, ein Gesch\u00e4ft errichten; zun\u00e4chst wird, wenn er nicht etliche Gevattern hat, die sich f\u00fcr ihn verwenden, vor allem nein gesagt, und wenn er nicht sehr viel Energie aufwendet, bleibt&#8217;s bei diesem Nein. Nun, der in diesem Falle Betroffene hat die Energie und hat das Ministerium des Innern recurriert. Herr v. Koerber hat Gewerbef\u00f6rderung und Culturf\u00f6rderung auf seinem Programm. Wir werden bald sehen, ob auch er der Ansicht der Statthalterei ist, da\u00df eine Buchhandlung f\u00fcr die 120.000 Einwohner von Favoriten \u00fcberfl\u00fcssig ist. (&#8230;) <em>(ebda.)<\/em><\/p>\n<p>Wiewohl Suschitzky dann mit seinem Rekurs beim Ministerium des Innern doch Erfolg hatte und die begehrte Konzession erhielt, schienen die Umst\u00e4nde um die abschl\u00e4gige Entscheidung noch skandal\u00f6ser und die Begr\u00fcndung noch willk\u00fcrlicher, als dann im Herbst 1901 das mitentscheidende Referat eines tschechischen &#8222;Bezirksrathes&#8220; der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien und nebenberuflichen F\u00fchrers der antisemitischen Partei im 10. Bezirk, Josef Nejeschleba, von Wiener Zeitungen und Zeitschriften gen\u00fc\u00dflich zitiert wurde:<\/p>\n<p class=\"zitat\">&#8222;Aeu\u00dferung&#8220; des Herrn Bezirksrathes<br \/>\nJ. Nejeschleba (w\u00f6rtlich):<br \/>\nAls Lokalen ricksichten kan das ansuchen nicht befirwarten nach dem im X bz. der gesuchsteller nicht geeignet bekannt ist und folge dessen seine gewerung bitend ob die concession nicht zu den gewissen schon polizeilich verpotenen und fir die ofentlichkeit nichtpasenden gegenst\u00e4nden ausgenizt wird, und zweitens ohnehin eine unmasse von Buchhandlungen im bezirge beschtehen welche schon ohnehin mit Ihre existens zu kempfen haben, und dadurch kein Lokal bedarf vorhanden ist, erlaube mier die ablehnung zu beantragen.<br \/>\nJosef Nejeschleba. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<br \/>\n<\/span><\/a>Bezirksrath.<\/p>\n<p>Eine &#8222;unmasse von Buchhandlungen&#8220; im 10. Bezirk gab es nicht; es gab wie erw\u00e4hnt, bislang \u00fcberhaupt keine. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr, da\u00df &#8222;mit dem Localbedarf gar so schamlos Mi\u00dfbrauch getrieben wird&#8220; glaubte auch ein Zeitgenosse, n\u00e4mlich der Gr\u00fcnder und Herausgeber des &#8222;Novit\u00e4ten-Anzeigers f\u00fcr den Colportage-Buchhandel&#8220;, Adolf Reitzer, genau zu wissen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Diese Buchhandlungsconcessionen sind nichts anderes als ein Seuchenherd der Corruption, wer nicht einer Protection sich erfreut, der bekommt keine Concession, mag er zehnmal geb\u00fcrtiger Inl\u00e4nder sein, mag er den Bef\u00e4higungsnachweis erbringen wie er will und kann, er mag politisch unbescholten sein wie ein Lamperl, ohne Protection gibt es keine Concession, die Beh\u00f6rden verschanzen sich immer hinter der Ausrede Localbedarf. Wie aber auf diese Ausrede &#8222;Localbedarf&#8220; ges\u00fcndigt wird, hat j\u00fcngst erst die Zeit gelehrt. <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Gemeint ist nat\u00fcrlich der Fall Philipp Suschitzky.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-547\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen2-300x208.jpg\" alt=\"Anzengruber Signet\" width=\"280\" height=\"194\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen2-300x208.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen2-1024x710.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen2-216x150.jpg 216w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen2-150x104.jpg 150w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen2.jpg 2008w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einige Tage nach der erw\u00e4hnten offiziellen Errichtung der Firma &#8222;Br\u00fcder Suschitzky&#8220; brachten die beiden Gesellschafter dem &#8222;verehrlichen Gesammtbuchhandel&#8220; zur Kenntnis, da\u00df sie im Laufe dieses Monats in Wien 10, Himbergerstra\u00dfe 65 eine Buch- und Antiquariatshandlung er\u00f6ffnen w\u00fcrden. <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"Reference\">[6]<\/span><\/a> Sie sollte zwar die erste Buchhandlung im Wiener Arbeiterbezirk Favoriten sein, die Suschitzkys waren dennoch optimistisch:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Thatsache, da\u00df in diesem Bezirke, der allein 120.000 Einwohner z\u00e4hlt, eine Buchhandlung noch nicht besteht, l\u00e4\u00dft uns hoffen, den Herren Verlegern neue Absatzgebiete erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen und bitten wir diese Herren, uns durch Contoer\u00f6ffnung g\u00fctigst zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Und:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir sind mit Geldmitteln gen\u00fcgend ausgestattet, so da\u00df wir auf eine gedeihliche Entwicklung unseres Unternehmens wohl rechnen d\u00fcrfen. <a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"Reference\">[7]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Doch die seinerzeitige <em>Konzessionsverweigerung <\/em>erlebte eine Neuauflage und ein &#8211; allerdings versp\u00e4tetes &#8211; Nachspiel im \u00f6sterreichischen Haus der Abgeordneten. In der 64. Sitzung der XVII. Session am 24. Oktober 1901 kam es zu einer &#8222;Interpellation des Abgeordneten Dr. [Wilhelm] Ellenbogen und Genossen an den Herrn Ministerpr\u00e4sidenten als Leiter des Ministeriums des Innern \u00fcber die Verweigerung einer Buchhandlungsconcession&#8220;. Hier ein Ausschnitt aus dieser mit 23. Oktober 1901 datierten Interpellation:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es wurden, insbesondere in letzter Zeit, wiederholte Erfahrungen in der Richtung gemacht, da\u00df die k.k. nieder\u00f6sterreichische Statthalterei bei ihr vorliegenden Gesuchen um Verleihung von Buchhandlungsconcessionen die Vorschrift des \u00a7 23, Alinea 3 der Gewerbeordnung, dergem\u00e4\u00df bei Verteilung der an dieser Gesetzesstelle aufgez\u00e4hlten Gewerbe auf die Localverh\u00e4ltnisse Bedacht zu nehmen ist, in auffallender Weise zur Anwendung bringt.<\/p>\n<p class=\"zitat\">So wurde dem Ansuchen des Buchhandlungsgehilfen Philipp Suschitzky zum Betriebe einer Buch- und Antiquariatshandlung mit dem Standorte im X. Bezirke, von der k.k. nieder\u00f6sterreichischen Statthalterei keine Folge gegeben und diese Concession erst von dem hohen k.k. Ministerium des Innern \u00fcber den von Philipp Suschitzky ergriffenen Recurs ertheilt. Der abweisliche Bescheid wurde hiebei mit der Begr\u00fcndung des mangelnden Localbedarfes motivirt, obwohl es sich um die erste Buchhandlungsconcession des circa 120.000 Einwohner z\u00e4hlenden Bezirkes Favoriten handelte, wobei nicht unerw\u00e4hnt bleiben mag, da\u00df das durch einzelne Zeitungen publicirte Referat des Bezirksrathes Nejeschleba ein eigenth\u00fcmliches Licht auf die Umst\u00e4nde zu werfen geeignet ist, unter welchen die Frage, ob ein Localbedarf vorhanden sei oder nicht, untersucht wird. (&#8230;)<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span class=\"Reference\">[8]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es ging bei dieser Interpellation nicht ausschlie\u00dflich um den Fall Suschitzky; der sozialdemokratische Abgeordnete Wilhelm Ellenbogen wu\u00dfte von weiteren F\u00e4llen zu berichten. Daher dr\u00fcckte er den Wunsch aus, da\u00df &#8211; \u00fcber den Leiter des Ministeriums des Innern &#8211; die nieder\u00f6sterreichische Statthalterei &#8222;zu einer sachgem\u00e4\u00dfen und sachgerechten Erledigung [eingereichter Konzessionsansuchen] verhalten&#8220; w\u00fcrde (ebda.). Die Suschitzkys schienen vom Pech verfolgt zu sein, wobei in diesem Fall &#8222;Pech&#8220; mit Antisemiten und selbsternannten &#8222;Sittenrichtern&#8220; gleichzusetzen ist. Kurz, die Suschitzkys wurden &#8211; zumindest auf Bezirksebene &#8211; zu einem Wahlkampfthema im Jahre 1911. Stichwort: &#8222;Der Favoritener Kampf gegen den Schmutz.&#8220; Man kann vermuten, da\u00df die Verleihung der Konzession an die Suschitzkys im 10. Bezirk nicht \u00fcberall goutiert wurde. Man kann es fast voraussetzen. Buchh\u00e4ndler und Bezirksvertretung trafen sich vor Gericht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen320.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-548\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen320-1024x373.jpg\" alt=\"Anzengruber Anzeige\" width=\"480\" height=\"175\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen320-1024x373.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen320-300x109.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen320-250x91.jpg 250w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/anzen320-150x55.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der Bezirksratssitzung in Favoriten am 30. Dezember 1910 brachte &#8211; so hie\u00df es jedenfalls &#8211; ein christlichsozialer Bezirksrat namens Christ (!) (recte: Krist) einen Antrag ein, in dem die Br\u00fcder Suschitzky beschuldigt wurden, in ihrem Gesch\u00e4ft pornographische Literatur zu f\u00fchren und der Wunsch ausgesprochen wurde, da\u00df sich im Bezirk &#8222;ein anst\u00e4ndiger christlicher Buchh\u00e4ndler etablieren m\u00f6ge&#8220;. <a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"Reference\">[9]<\/span><\/a> Diese Worte m\u00f6gen gefallen sein, nur protokolliert wurden sie nicht. Als Krist bei Gericht gefragt wurde, behauptete er, da\u00df er den Antrag nicht gestellt habe, und er wurde freigesprochen. <a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"Reference\">[10]<\/span><\/a> Worauf die Suschitzkys drei Mitglieder des Bezirksrats wegen Ehrenbeleidigung klagten. Bei der Verhandlung im Bezirksgericht Favoriten am 5. April 1911 meinten die Angeklagten (Stefan Semrad, Johann Cimbal, Johann Ri\u00df), da\u00df der Antrag sich nur dagegen richte, da\u00df durch die in der Auslage der Buchhandlung ausgestellten B\u00fccher die Phantasie der Jugend erregt werde. (Offensichtlich auch die der Herren Bezirksr\u00e4te!) Aber es habe &#8211; um Himmels willen &#8211; kein Mensch von &#8222;Pornographie&#8220; gesprochen. GR Karl Wippel hingegen meinte als Zeuge, &#8222;B\u00fccher \u00fcber die sexuelle Erziehung&#8220; h\u00e4tten mehr sein &#8222;Mi\u00dffallen&#8220; als seine Phantasie erregt. Im Laufe der Verhandlung erfuhr man auch, da\u00df zwischen einer nichtpolitischen Katholikenorganisation und der k.k. Polizeidirektion Wien eine Vereinbarung bestehe, wonach nach entsprechendem Wink die Polizei sofort einschreite und angezeigte Buchhandlungen durchsuche. Zeugen malten ein grelles Bild vom Treiben in Suschitzkys &#8222;Pornoladen&#8220;. Selbst der Bezirksvorsteher Leopold Hruza gab an, &#8222;da\u00df er sich die Auslage angesehen habe und davongelaufen sei [!], als jemand hinzukam, damit er nicht erkannt werde&#8220;. <a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><span class=\"Reference\">[11]<\/span><\/a> Also: ertappter Voyeur oder Jugendsch\u00fctzer? Die Verhandlung wurde auf den 4. Mai zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt.<\/p>\n<p>Die <em>Reichspost <\/em>widmete der zweiten und letzten Verhandlung sehr breiten Raum. Die \u00dcberschrift <em>Bezirksvertretung und Buchhandlung. Ein Kampf gegen die Schmutzliteratur:<\/em><\/p>\n<p class=\"zitat\">Heute wurde vor dem Bezirksrichter Ruzicka des k.k. Bezirksgerichtes Favoriten ein Proze\u00df zu Ende gef\u00fchrt, der bei der ersten Verhandlung am 5. April zum Zwecke weiterer Beweisaufnahmen vertagt worden war und ein grelles Streiflicht auf die j\u00fcdisch-sozialdemokratische Buchhandlung der Br\u00fcder Suschitzky in Favoriten wirft. Jedermann wei\u00df, wie verheerend die Schaustellung obsz\u00f6ner Bilder und pornographischer B\u00fccher auf die Kinder und auf die Phantasie der heranwachsenden Jugend wirkt. Doppelt verheerend in einem Bezirke, in dem es &#8211; wie in Favoriten &#8211; von verwahrlosten Kindern wimmelt, in dem ein Gro\u00dfteil der Kinder unter den denkbar ung\u00fcnstigsten wirtschaftlichen und sozialen Verh\u00e4ltnissen aufw\u00e4chst. Da ist es wohl Pflicht aller Anst\u00e4ndigen, m\u00f6gen sie was immer f\u00fcr einer Partei und Konfession angeh\u00f6ren, alles aus \u00f6ffentlichen Auslagen fern zu halten, was geeignet ist, unverdorbene Kinder in ihrem Denken, F\u00fchlen und in ihrer Phantasie zu sch\u00e4digen und sittlich angekr\u00e4nkelten Kindern neuen Giftstoff zuzuf\u00fchren. &#8211; Obwohl nun die Herren Br\u00fcder Suschitzky mit dem Gerichte unliebsame Erfahrung gemacht haben, stellen sie dennoch immer wieder B\u00fccher und Karten in ihrer Auslage aus, \u00fcber die alle anst\u00e4ndig Denkenden, insbesondere aber die Eltern von Kindern, Lehrer, Religionslehrer usw. emp\u00f6rt sind, weil es dar\u00fcber keine T\u00e4uschung gibt, da\u00df derartige Literaturerzeugnisse auf die heranwachsende Jugend demoralisierend wirken m\u00fcssen. <a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><span class=\"Reference\">[12]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Anwalt der angeklagten Bezirksr\u00e4te bem\u00fchte sich, der Devise &#8222;Nicht der M\u00f6rder, der Ermordete ist schuldig&#8220; alle Ehre zu erweisen. So suchte er s\u00e4mtliche Strafakten in Sachen Suschitzky aus und stellte eingangs fest, &#8222;da\u00df die Herren Suschitzky bereits im Jahre 1905 wegen Vergehens wider das Urheberrecht angeklagt waren und unumwunden zugestanden haben, da\u00df sie im Bewu\u00dftsein der Strafw\u00fcrdigkeit ihrer Handlung ein Buch, das im Selbstverlag des Verfassers um den Preis von 20 Mark erschienen ist und das ihnen auf 2 Kronen per St\u00fcck zu stehen kam, um 7 Mark durch l\u00e4ngere Zeit verkauft h\u00e4tten!&#8220; (ebda.)<\/p>\n<p>Ferner wurde aus dem Schwurgerichtsakte vom Jahre 1906 konstatiert, da\u00df Wilhelm Suschitzky vom Vergehen gegen die \u00f6ffentliche Sittlichkeit zwar mit 7 ja gegen 5 nein freigesprochen, aber wegen \u00a7 24 P.-G. (Verkauf verbotener Schriften) zu 200 Kronen Geldstrafe verurteilt wurde. Die Anklageschrift hatte dem Angeklagten zum Vorwurf gemacht, &#8222;da\u00df er sich seit Jahren mit dem Vertriebe pornographischer Erzeugnisse befasse und da\u00df es kein Gebiet menschlicher Verirrung in geschlechtlicher Beziehung gehe, welches nicht in der von Suschitzky vertriebenen Ware in Wort und Bild seine Darstellung f\u00e4nde&#8220;. (ebda.)<\/p>\n<p>Zumal es Gepflogenheit der <em>Reichspost <\/em>war, Unsittlichkeit als Dom\u00e4ne der Juden hinzustellen, fehlt in der Suschitzky-Berichterstattung dieser Hinweis nicht:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Da\u00df dieser f\u00fcr einen anst\u00e4ndigen Buchh\u00e4ndler furchtbare Vorwurf nicht der Ausflu\u00df von pers\u00f6nlicher und konfessioneller Geh\u00e4ssigkeit war, bewies seine Verurteilung. Die beiden Herren gefallen sich n\u00e4mlich ungemein in der Rolle der armen, verfolgten Juden! (ebda.)<\/p>\n<p>Bei der zweiten Verhandlung lud man eine Reihe von Belastungszeugen aus allen Bev\u00f6lkerungsschichten. Das geh\u00f6rte zur Inszenierung. Ein Privater wu\u00dfte von einem &#8222;Skandal&#8220; zu sprechen, ein Mechaniker, fromm wie er wohl war, meinte, es seien immer junge Burschen vor der Auslage gestanden, &#8222;die zotige \u00c4u\u00dferungen \u00fcber die Bilder machten&#8220;, ein Lehrer sah pflichtgem\u00e4\u00df &#8222;die Sittlichkeit der Jugend&#8220; gef\u00e4hrdet, eine Hausbesitzerin, die zuf\u00e4llig Vorsteherin des katholischen Frauenvereins und nebstbei Hausmutter des Kinderschutzvereins war, war f\u00fcr die Kl\u00e4ger &#8222;sehr belastend&#8220;. Fazit: der volle Wahrheitsbeweis w\u00e4re erbracht, die Angeklagten wurden freigesprochen. &#8222;Das Publikum nahm das Urteil mit gro\u00dfem Beifall zur Kenntnis&#8220;, wu\u00dfte die <em>Reichspost <\/em>zu vermelden. Die Abschlu\u00dfdrohung der <em>Reichspost<\/em>:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ob sich die Herren Suschitzky diesen Denkzettel merken und ihn beherzigen werden, darf im Hinblick auf das Vorleben der Firma wohl bezweifelt werden. Jedenfalls wird die Bezirksvertretung Favoriten diese Buchhandlung nicht aus dem Auge verlieren. (ebda.)<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter fand &#8222;eine \u00fcberaus gut besuchte Versammlung des christlichsozialen W\u00e4hlervereines f\u00fcr den 10. Bezirk statt&#8220;. Ein Redner, der Reichsratskandidat Karl Wippel, f\u00fchlte sich nun in seinem Element:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Den Wahlkampf werden wir in vornehmer Form f\u00fchren. Wir bek\u00e4mpfen nicht die Person, sondern das System. Er er\u00f6rterte den Ausgang des Prozesses der Schmutzbuchhandlung Suschitzky gegen den Favoritner Bezirksrat und dankte unter lebhaftem Beifall den freigesprochenen Angeklagten f\u00fcr ihren siegreichen Kampf gegen die Demoralisierung der Jugend. (Lebhafter Beifall). <a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><span class=\"Reference\">[13]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Aber in der Suschitzky-Angelegenheit erwarb sich die <em>Reichspost <\/em>auch besondere Verdienste im &#8222;Favoritner Kampf gegen den Schmutz&#8220; mit ihrer geradlinigen, &#8222;objektiven&#8220; Berichterstattung. Sie erhielt und ver\u00f6ffentlichte folgende Zuschrift:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wien, am 4. Mai 1911.<br \/>\nGestatten Sie mir, da\u00df ich Ihnen in meinem Namen als auch im Namen meiner Mitangeklagten im Ehrenbeleidigungsprozesse, welche die Juden Suschitzky gegen uns angestrengt haben, f\u00fcr das Eintreten der &#8222;Reichspost&#8220; unseren w\u00e4rmsten Dank ausspreche.<br \/>\nIch bin ferner auch beauftragt, Ihnen im Namen der Bezirksvertretung Favoriten f\u00fcr Ihre energische Haltung den besten Dank auszudr\u00fccken.<br \/>\nMit vorz\u00fcglicher Hochachtung<br \/>\nStefan Semrad, Bezirksrat. <a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><span class=\"Reference\">[14]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Dieser Formulierung kann man wohl entnehmen, da\u00df die Br\u00fcder Suschitzky &#8222;Juden&#8220; und folglich &#8222;unanst\u00e4ndig&#8220; waren. An dieser Argumentation \u00e4nderte sich in den kommenden Jahrzehnten in der <em>Reichspost <\/em>nichts&#8230;<\/p>\n<p>Philipp Suschitzky wurde am 14.12.1876 in Wien geboren, besuchte das Gymnasium und war 1901 bereits seit zehn Jahren in Berlin, Leipzig und in Wien zuletzt bei Gilhofer &amp; Ranschburg im Buchhandel t\u00e4tig. Wilhelm Suschitzky wurde am 22.12.1877 in Wien geboren, verlie\u00df die Schule nach dem Besuch des Untergymnasiums im Alter von 13 Jahren, besuchte drei Jahrg\u00e4nge der Gremial-Handels-Fachschule der Wiener Kaufmannschaft, sp\u00e4ter verschiedene Universit\u00e4tskurse. Er war Autodidakt, in der Arbeiterbewegung aktiv, sp\u00e4ter Sozialdemokrat, Freidenker, Mitglied des Abstinentenbundes, des Monistenbundes usw. Als Atheist verlie\u00df er die j\u00fcdische Gemeinde in Wien.<\/p>\n<p>Die Firma &#8222;Br\u00fcder Suschitzky&#8220; wurde im folgenden Fr\u00fchjahr, am 11. M\u00e4rz 1902, handelsgerichtlich protokolliert. Die Eintragung, die im Register f\u00fcr Gesellschaftsfirmen, Band 54, pagina 106 mit Betriebsgegenstand &#8222;Buch- und Antiquariatsbuchhandel mit Leihbibliothek&#8220; erfolgte, blieb ganze 33 Jahre lang unver\u00e4ndert. Einige Zeit nach der Gr\u00fcndung kam es aber wohl zu einer grundlegenden \u00c4nderung, die nicht im Handelsregister aufscheint: zur Buchhandlung kam ein eigener Verlag hinzu: &#8222;Anzengruber-Verlag Br\u00fcder Suschitzky&#8220;, benannt nach dem sozialkritischen \u00f6sterreichischen Schriftsteller Ludwig Anzengruber. <a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><span class=\"Reference\">[15]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1919 trat der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Anzengruber-Verlags Wilhelm Suschitzky an die diversen Beh\u00f6rden heran, weil er aus technischen und r\u00e4umlichen Gr\u00fcnden beabsichtigte, den Verlag aus der Isolierung im 10. Bezirk in das Zentrum der Stadt zu verlegen. Gleichzeitig wurde um die Konzession zum Betriebe einer Verlags-, Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung mit dem Standort im 1. Bezirk angesucht. Das Ansuchen wurde folgenderma\u00dfen begr\u00fcndet, wobei diese Begr\u00fcndung f\u00fcr die gesch\u00e4ftliche Entwicklung des Unternehmens sehr aufschlu\u00dfreich ist:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Infolge der in den letzten Jahren genommenen Ausdehnung der unserer Buchhandlung angegliederten Verlagsabteilung &#8222;Anzengruber-Verlag&#8220; sehen wir uns gezwungen aus r\u00e4umlichen und technischen Gr\u00fcnden, den heute in den weitesten Kreisen bekannten Verlag von unserer weit drau\u00dfen liegenden Buchhandlung Br\u00fcder Suschitzky, Wien X. zu trennen und die Verlagsbuchhandlung in das Zentrum der Stadt zu verlegen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Nur dadurch ist uns die M\u00f6glichkeit geboten, unseren Verlag derartig auszubauen, da\u00df dadurch endlich der \u00f6sterreichische Verlag geschaffen wird, nach dem gerade in den letzten Jahren lauter denn je der Ruf ert\u00f6nt und nach all den vielen Publikationen \u00fcber die \u00f6sterreichische Verlagsfrage bedarf unser vorliegendes Gesuch wohl keiner weiteren Begr\u00fcndung. <a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><span class=\"Reference\">[16]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Das mochte stimmen, aber das Ansuchen wurde mit der Entscheidung der Wiener Landesregierung vom 28.4.1919 abgelehnt. Wohl hatten die Polizei und die Korporation nichts einzuwenden und die Bezirksvertretung I schlo\u00df eine Genehmigung nicht v\u00f6llig aus. Das Mag. Bezirksamt war entschieden dagegen, u.a. weil die Art der geplanten T\u00e4tigkeit nicht mit gen\u00fcgender Deutlichkeit gekennzeichnet war. So wollte die Firma Suschitzky ein Lokal er\u00f6ffnen, &#8222;um in der Hauptsache die von ihr verlegten Werke an das Publikum zu verkaufen&#8220;, konnte aber noch kein Lokal namhaft machen. So blieb unklar, ob die Firma lediglich ein Verlagsgesch\u00e4ft oder auch Detailbuchhandel f\u00fchren wollte. Auch war fraglich, ob es zul\u00e4ssig war, da\u00df ein- und dieselbe Firma zwei Konzessionen f\u00fcr Wien erteilt bekommen konnte. Ein weiteres Kriterium, das letztlich ausschlaggebend war, n\u00e4mlich, wie 18 Jahre zuvor, der Lokalbedarf, schien doch nicht gegeben zu sein:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Bez\u00fcglich der Lokalverh\u00e4ltnisse wird darauf verwiesen, da\u00df im I. Bezirke bereits ca. 240 Buch- bezw. Kunst- und Musikalienhandlungen bestehen, soda\u00df wohl schon geradezu von einer Ueberf\u00fcllung dieses Bezirkes mit derartigen Betrieben gesprochen werden kann. <a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><span class=\"Reference\">[17]<\/span><\/a><\/p>\n<p>So urteilte jedenfalls das Magistratische Bezirksamt. Dazu bemerkte die Landesregierung &#8222;pro domo&#8220;:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Bei bestehenden 240 \u00e4hnlichen Betrieben im I. Bezirke k\u00f6nne von einem Bedarfe keine Rede sein. Am allerwenigsten w\u00e4re eine solche Konzession dem Inhaber einer \u00e4hnlichen Berechtigung zu verleihen. <a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><span class=\"Reference\">[18]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wilhelm Suschitzky legte gegen die abschl\u00e4gige Entscheidung Berufung ein, doch wurde die Konzessionsverleihung neuerlich abgelehnt. Zu dieser Zeit wurde ein entsprechendes Ansuchen des Genossenschaftsverlags, der mit dem Anzengruber-Verlag Br\u00fcder Suschitzky kurz affiliiert war, ebenfalls nicht genehmigt.<\/p>\n<p>Die am 4. Juni 1935 erfolgte \u00c4nderung im Handelsregister hatte einen traurigen Anla\u00df. Nachdem er mehrere Jahre an schwerer Depression gelitten hatte, nahm Wilhelm Suschitzky sich am 18. April 1934 das Leben. <a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><span class=\"Reference\">[19]<\/span><\/a> Als Gesellschafterin trat seine Witwe, die am 19.11.1878 in Br\u00fcnn geborene Adele Suschitzky, in die Firma ein. Ein Sinken des Firmensterns zeichnete sich bereits im St\u00e4ndestaat ab; es d\u00fcrfte laut Wolf Suschitzky zu Beschlagnahmen in gr\u00f6\u00dferem Umfang gekommen sein. Mit dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220; war das Schicksal der Firma allerdings besiegelt. Beide Gesellschafter, Philipp und Adele Suschitzky, flohen aus \u00d6sterreich, ersterer nach Frankreich (Bonafles), letztere nach London. <a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><span class=\"Reference\">[20]<\/span><\/a> In Abwesenheit beider Gesellschafter mu\u00dfte im Oktober 1938 der Antrag auf Er\u00f6ffnung des Konkurses \u00fcber die Firma Anzengruber-Verlag Br\u00fcder Suschitzky gestellt werden. <a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><span class=\"Reference\">[21]<\/span><\/a> Die Nazis waren an einer Weiterf\u00fchrung nicht interessiert. Etwas vorsichtiger wird dieser Tatbestand in der Antragsbegr\u00fcndung f\u00fcr das Handelsgericht im Oktober 1938 erl\u00e4utert:<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">Am 20. September 1938 hat uns die Reichsschrifttumskammer mitgeteilt, da\u00df wir bis 30. September 1938, also binnen 10 Tagen, unsere seit mehr als 40 Jahren bestehende Buchhandlung sperren m\u00fcssen. Alle unsere Versuche, das Gesch\u00e4ft zu arisieren, zu liquidieren, die Warenvorr\u00e4te zu verkaufen, oder zu versilbern, sind gescheitert. Die Firma ist daher zahlungsunf\u00e4hig, weil keiner der Gesellschafter mehr in Wien ist, der das Gesch\u00e4ft weiterhin auszu\u00fcben berechtigt w\u00e4re, auch ist keinerlei Bargeld vorhanden, um nur die geringste Schuld zu bezahlen. (&#8230;)<br \/>\nDa das Warenlager gegenw\u00e4rtig nicht verwertet und verwendet werden kann, weil die Er\u00f6ffnung des Gesch\u00e4ftes, oder Liquidation verboten wurde, wie auch die Versilberung durch einzelne Verk\u00e4ufe zu lange dauern w\u00fcrde, sind die Aktiven daher unverwertbar, wodurch die Firma schuldloserweise zahlungsunf\u00e4hig geworden ist. <a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><span class=\"Reference\">[22]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Aktiven (das aus mehreren tausend B\u00e4nden bestehende Warenlager in Wien 10., Favoritenstra\u00dfe 57, ausst\u00e4ndige Forderungen usw.) \u00fcberwogen, zumindest was den Papierwert betrifft, bei weitem die Passiven.<\/p>\n<p>Was diesem Gang zum Konkursrichter vorausging, ist ein St\u00fcck Nazi-Verlagspolitik und ein anschauliches Beispiel daf\u00fcr, wie die Beh\u00f6rdenmaschinerie funktionierte und selbst in F\u00e4llen, wo eine &#8222;Arisierung&#8220; w\u00fcnschenswert gewesen sein mag, Verlagsfirmen irreparablen Schaden zuf\u00fcgen konnten. Wie im Fall Saturn-Verlag war es auch bei der geplanten &#8222;Arisierung&#8220; der &#8222;Br\u00fcder Suschitzky&#8220; ein &#8222;arischer&#8220; Firmenangestellter, der Kaufabsichten \u00e4u\u00dferte. Der Kaufwillige &#8211; er hie\u00df Johann Heger &#8211; war bereits seit 1921 in der Firma besch\u00e4ftigt. In der ersten Juniwoche 1938 reichte er bei der Verm\u00f6gensverkehrsstelle ein Ansuchen um Bewilligung des Ankaufes der Buchhandlung Br\u00fcder Suschitzky ein und h\u00f6rte zwei Monate lang gar nichts. Inzwischen aber waren nicht weniger als 8 (in Worten: acht) Institutionen bzw. \u00f6ffentliche Stellen mit dem Fall befa\u00dft! Zu diesen geh\u00f6rten u.a. die bereits erw\u00e4hnte Verm\u00f6gensverkehrsstelle, die Entscheidungen auf Arisierung oder Liquidierung lediglich auf Grund von Stellungnahmen f\u00e4llte, das Reichspropaganda-Hauptamt in Wien, der kommissarische Leiter der Zwangsgilde sowie die RSK sowohl in Leipzig als auch in Wien. Federf\u00fchrend in der Ablehnung einer &#8222;Arisierung&#8220; der Firma Br\u00fcder Suschitzky war der allm\u00e4chtige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Landesleitung Wien der RSK, Dr. Karl Zartmann, der keinen Zweifel dar\u00fcber aufkommen lie\u00df, da\u00df die Firma liquidiert werden sollte. Von seiten der RSK im Altreich war man freilich bem\u00fcht, Wien als Verlagsmetropole nicht g\u00e4nzlich verdorfen zu lassen, aber gerade im Fall &#8222;Br\u00fcder Suschitzky&#8220; war an eine Weiterf\u00fchrung nicht zu denken. So urteilte einer, der es im St\u00e4ndestaat zuwege brachte, gleichzeitig VF- und NSDAP-Mitglied zu sein und unmittelbar nach dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220; sich mehr oder weniger selbst zum kommissarischen Leiter der Zwangsgilde der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler und der st\u00e4ndischen Organisation des \u00f6sterr. Buchhandels ernannte, Karl Berger:<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">Bei diesem Unternehmen handelt es sich um einen j\u00fcdisch-marxistischen Betrieb, zu dessen Arisierung wir unsere Zustimmung keinesfalls geben k\u00f6nnen. Da Herr Heger in der Buchhandlung Br\u00fcder Suschitzky gelernt und dort seine Gehilfenjahre zugebracht hat, ist von ihm anzunehmen, da\u00df er die im \u00a7 5 der Satzungen der Reichsschrifttumskammer vorgeschriebene Zuverl\u00e4ssigkeit und Eignung f\u00fcr die Aus\u00fcbung unseres Berufes nicht besitzt.<br \/>\nWir bitten Sie daher, diesen Kauf nicht zu genehmigen und uns zu verst\u00e4ndigen, da\u00df Sie unserem Wunsche nachgekommen sind. Heil Hitler! <a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><span class=\"Reference\">[23]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Zartmann fand mehrmals sehr \u00e4hnliche Worte. Die Firma war seiner Ansicht nach ein &#8222;j\u00fcdisch marxistisches Unternehmen&#8220;:<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">Die \u00dcbernahme des Betriebes durch Herrn Johann Heger werden wir in keiner Weise bef\u00fcrworten, da nicht zu erwarten ist, da\u00df dieser langj\u00e4hrige Angestellte sich auch von den Einfl\u00fcssen seiner ehemaligen Arbeitgeber frei halten konnte. Aus der Haltung der Herren Suschitzky ist auch ohne weiters zu schlie\u00dfen, da\u00df dieser (sic!) einen ihrer politischen Richtung nicht entsprechenden Angestellten niemals in ihren Dienste genommen h\u00e4tten. Aus diesem Grunde halten wir das Ansuchen f\u00fcr unterst\u00fctzungsunw\u00fcrdig. Heil Hitler! <a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><span class=\"Reference\">[24]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Buchh\u00e4ndler Heger hatte einen Kaufpreis von RM 20.000 vereinbart, von dem er 6.000 an eigenem Kapital zur Verf\u00fcgung hatte. Den Rest wollte er durch Kredite aufbringen. Am 25.7.1938 berichtete Zartmann an die RSK in Leipzig:<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">Bei diesem Unternehmen handelt es sich um einen j\u00fcdisch-marxistisch &#8211; pornographischen Betrieb, dessen Arisierung h\u00f6chst bedenklich w\u00e4re. Herr Heger kann eine buchh\u00e4ndlerische T\u00e4tigkeit nur in diesem Betrieb nachweisen, soda\u00df er schwerlich die f\u00fcr die Aus\u00fcbung einer kammerpflichtigen T\u00e4tigkeit vorgeschriebene Zuverl\u00e4ssigkeit und Eignung erbringen kann. Es ist doch dabei auch zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df die bisherigen j\u00fcdischen Inhaber des Unternehmens, nur einen ihnen gleichgesinnten Angestellten besch\u00e4ftigen. Heil Hitler! <a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><span class=\"Reference\">[25]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Ein gleichlautendes Schreiben schickte er am 2.8. 1938 an das Reichspropaganda-Hauptamt im 3. Bezirk. Zwei Tage sp\u00e4ter richtete er ein \u00e4hnliches Schreiben an die VVSt:<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">(&#8230;) Au\u00dferdem ist zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df die dem Bewerber zur Verf\u00fcgung stehenden eigenen Barmittel eine Abwicklung des Kaufvertrages in absehbarer Zeit nicht wahrscheinlich erscheinen lassen. Heil Hitler! (ebda.)<\/p>\n<p>Anfang September lehnte schlie\u00dflich die VVSt das Ansuchen Hegers ab. Das daraufhin eingeleitete Konkursverfahren zog sich aber zweieinhalb Jahre hin. Das hatte einen Grund: Anfang 1939 wurden die B\u00fccher aus dem Lager durch den Masseverwalter in die Auktionshallen des Handelsgerichts Wien \u00fcberf\u00fchrt, deren Verkauf bis Ende 1939 lediglich etwa RM 3.000 eingebracht hatte. F\u00fcr den Rest wurden noch K\u00e4ufer gesucht. <a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><span class=\"Reference\">[26]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Vierzig Jahre und ein paar Monate nach Gr\u00fcndung der Firma &#8222;Br\u00fcder Suschitzky&#8220; wurde sie am 9. Dezember 1941 &#8222;von amtswegen&#8220; aus dem Handelsregister gel\u00f6scht.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Die Produktion<\/h3>\n<p>Von allen in dieser Arbeit behandelten Verlagen der Ersten Republik existierte der Anzengruber-Verlag Br\u00fcder Suschitzky (im folgenden: AVBS) am l\u00e4ngsten. Die Produktion beschr\u00e4nkte sich aber nicht auf Belletristik, und es ist zumindest fraglich, ob der Ruf des Verlags allein auf Dichterisches zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Dennoch haben diese Publikationen einen inneren Zusammenhang. In den beinahe 40 Jahren des Verlagslebens war die Produktionsdichte &#8211; es sind weit mehr als 150 Titel erschienen &#8211; phasenweise verschieden. Nach einer Reihe von Publikationen w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs kam es zu einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl unmittelbar nach Beginn der Ersten Republik, bedingt durch die vielen Fragen, die das Kriegsende und die beginnende Friedenszeit aufwarfen. Die Zahl der Verlagsneuerscheinungen in den 30er Jahren &#8211; und bis 1938 &#8211; ging merklich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sucht man nach einem Charakteristikum f\u00fcr die Produktion dieses Verlags, so st\u00f6\u00dft man in der sp\u00e4rlichen Literatur auf Feststellungen wie die folgende: Philipp Suschitzky habe &#8222;als einer der ersten \u00f6sterreichischen Verleger sozialistische und monistische Literatur zu einer Zeit herausgegeben, da dieses Beginnen noch von heute unbekannten Gefahren bedroht war. So wurde er zum Verleger der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei \u00d6sterreichs&#8220;. <a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><span class=\"Reference\">[27]<\/span><\/a> Obwohl diese letzte Behauptung nicht ganz stimmt und die von Moriz Frisch gegr\u00fcndete Druck- und Verlagsanstalt &#8222;Vorw\u00e4rts&#8220; &amp; Co. und der &#8222;Verlag der Wiener Volksbuchhandlung&#8220; in diesem Zusammenhang Erw\u00e4hnung verdienen, ist ein Nahverh\u00e4ltnis zwischen den Verlagsbr\u00fcdern und der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie eine Tatsache.<\/p>\n<p>Es ist im Rahmen dieser Arbeit, die sich auf Belletristik konzentriert, nicht Aufgabe, die &#8222;sonstige Produktion&#8220; eines nicht rein belletristischen Verlags zu w\u00fcrdigen, doch scheint es in diesem Fall gerechtfertigt, eine Ausnahme zu machen. Ein kurzer \u00dcberblick erlaubt uns, das geistige Umfeld der sch\u00f6ngeistigen Literatur zu erkennen.<\/p>\n<p>Bevor wir auf diese Literatur n\u00e4her eingehen, soll auf eine sehr fundierte zeitgen\u00f6ssische Einsch\u00e4tzung der Arbeit des AVBS zur\u00fcckgegriffen werden. Dem Verfasser einer Artikelserie \u00fcber das \u00f6sterreichische Verlagswesen der Nachkriegszeit gelingt es n\u00e4mlich, das Wesentliche zutreffend einzufangen. Aus diesem Grund wird hier aus diesem Artikel ausf\u00fchrlich zitiert, zumal es dem Zeitgenossen n\u00e4her liegt, diese B\u00fccher vor dem geistigen Hintergrund der unmittelbaren Nachkriegszeit einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">B\u00fccher des Anzengruber-Verlages werden wohl einem Jeden begegnet sein, der f\u00fcr irgend eine Seite sozialpolitischer Arbeit ein Interesse hat. Welch gro\u00dfe Leistung sich aber in den gesamten Ver\u00f6ffentlichungen der Br\u00fcder Suschitzky kundgibt, welche gradlinige Verfolgung eines Weges, der voll schwerer Hindernisse war und Begeisterung f\u00fcr die Durchsetzung der Ideen immer wieder &#8211; allen Gewalten zum Trotz &#8211; erforderte, kann nur dem klar werden, der zusammenfassend das zu \u00fcberblicken versucht, was in den wenigen Jahren der Verlagst\u00e4tigkeit einem Publikum vorgelegt wurde, das von diesen unbequemen weil Wahrheit bringenden und verlangenden B\u00fcchern nicht viel wissen will. Denn aufger\u00fcttelt zu werden aus dem Gleichma\u00dfe des t\u00e4glichen Lebens, erinnert zu werden an das, was jenseits der b\u00fcrgerlichen Atmosph\u00e4re sich begibt, die Grundfesten bestehender Weltordnung in jedem Buche dieses Anzengruberischen Streiters angegriffen zu sehen, ist dem Leser, der zum \u00e4sthetischen Genu\u00df oder zu blo\u00dfem Vergn\u00fcgen liest, eine starke Zumutung. Eine Zielstrebigkeit sondergleichen l\u00e4\u00dft diesen Verlag seine Kompromisse schlie\u00dfen, Schwierigkeiten nicht achten und jene drei gro\u00dfen Ideen propagieren, die sich im Monismus, Pazifismus und Sozialismus eine Form f\u00fcr menschliche Bet\u00e4tigung geschaffen haben. (&#8230;)<br \/>\nWelche F\u00fclle an sozialpolitischen Anregungen, Fragen und Wegweisern birgt die stattliche Reihe der B\u00fccher dieses Verlages! Die wahre Revolutionierung der Geister m\u00fc\u00dfte von ihm ihren Ausgang nehmen und ein gro\u00dfes Verdienst an einer Durchdringung weiterer Kreise mit dem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Probleme menschlichen Zusammenlebens k\u00f6nnen wir solchen Schriften und ihren Anregern zuschreiben. Es mu\u00df betont werden, da\u00df der Anzengruber-Verlag der einzige Verlag in \u00d6sterreich ist, der nicht parteim\u00e4\u00dfig radikal orientiert ist, sondern frei diese Ideen zu seinen gemacht hat. M\u00f6gen es Romane oder Novellen sein, Skizzen oder Gedichte, soziologische oder volkswirtschaftliche Schriften und Programme, literarhistorische oder philosophische, naturwissenschaftliche oder medizinische, p\u00e4dagogische oder politische Abhandlungen, alle durchweht ein Geist, lebensbejahend, wahrheitssuchend, das endliche Gl\u00fcck der Menschheit erstrebend. Viel ist auf diesem Wege wegzur\u00e4umen, alteingewurzelte Vorurteile sind zu bannen, dem Volke m\u00fcssen die Augen ge\u00f6ffnet, Widerwillige \u00fcberredet und vom Besseren \u00fcberzeugt, Tr\u00e4ge ersch\u00fcttert und aufgerufen werden, Dogmatiker des Glaubens und der Partei bek\u00e4mpft werden, das Richtige \u00fcberzeugend dargestellt, das Falsche in seinen Grundlagen als fehlerhaft nachgewiesen werden, Schwer-zu-Sagendes in der passenden Form dargeboten und durch Kunst und Dichtung dem Verst\u00e4ndnis veredelt nahegebracht werden, Tendenz gemildert und durch das Pathos der Gestaltung gehoben werden, Dokumente des neuen Geistes aller Zeiten der Gegenwart wiedergeschenkt, Zukunftsweisendes ausgesprochen werden.<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">In diesen S\u00e4tzen ist auch schon das Programm, das aus den Werken des Verlages sich erkennen l\u00e4\u00dft, zusammengefa\u00dft. Daraus l\u00e4\u00dft sich auch die Vielf\u00e4ltigkeit erkl\u00e4ren, die den ersten Blick verwirrend, kaum einen inneren Zusammenhang ahnen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">Die Namen der Besten, die Baumeister an einer neuen Menschheit sein wollen, sind unter den Autoren des Verlages, viele neue Arbeiter hat er den alten K\u00e4mpfern zugesellt. Ein Kampfverlag ist es, das soll festgehalten werden, aber ein K\u00e4mpfer, der Positives schaffen will und in Kampfpausen arbeitet, zeigt, wie man es machen mu\u00df, um das zu gestalten, wof\u00fcr er k\u00e4mpft. Ma\u00dfst\u00e4be einer literarischen Kritik werden wir nicht anlegen d\u00fcrfen, denn an das Ethos, das allem zugrundeliegt, was an dichterischen Sch\u00f6pfungen aus dem Anzengruberverlag kommt, m\u00fcssen wir mit anderen Mitteln herangehen. (&#8230;) Doch nicht das ist die Absicht, die sie herausbringt, nicht die Absicht, die sie wertet, endlich auch nicht die Aufgabe dieser Zeilen. Die wissenschaftliche W\u00fcrdigung der wissenschaftlichen Schriften soll ebensowenig hier Platz finden, sondern es ist mir darum zu tun, die verlegerische Leistung als solche zu beurteilen, was ich immer wiederholen mu\u00df.<\/p>\n<p>So weit f\u00fcrs erste Paul Steindler. Wie der Verfasser dieser W\u00fcrdigung auch zugibt, ist es nicht leicht, ein System in die lange Reihe der Schriften des AVBS zu bringen. &#8222;Denn aus einer Gruppe in die andere greifen starke F\u00e4den hin\u00fcber, eine erg\u00e4nzt die andere, und es w\u00e4re ein zweckloses Beginnen, wollte man einer Einschachtelung und \u00dcbersicht zuliebe dem einheitlichen Organismus Gewalt antun.&#8220;<\/p>\n<p>Greifen wir nun im folgenden z.T. aus der Analyse Steindlers ein paar Schwerpunkte heraus.<\/p>\n<p>Ab 1917 gab der AVBS eine ganze Anzahl von Schriften heraus, die sich mit Krieg, Revolution, Frieden, Friedensbewegung, Pazifismus usw. auseinandersetzten. Die Schriftenreihe <em>Der Aufstieg. Neue Zeit- und Streitfragen <\/em>begann 1917 zu erscheinen und erlebte bis 1929 insgesamt 35 Nummern, die vielen Doppelnummern miteingerechnet. Diese Reihe gibt uns laut Steindler:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Richtlinien des Aufstieges, sie ist die konzentrierte Gedankenwelt der ganzen Verlagsrichtung, daher von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Tendenzen der Erneuerung aus dem Tiefsten, das im Menschen wohnt.<\/p>\n<p>Hier erschienen Werke von Richard Wahle <em>(Ein Weg zum ewigen Frieden, <\/em>1917), Paul Federn <em>(Zur Psychologie der Revolution. Die vaterlose Gesellschaft,<\/em> 1919), Rosa Mayreder <em>(Der typische Verlaufsozialistischer Bewegungen, <\/em>1917), Josef Popper-Lynkeus <em>(Friedensvorschl\u00e4ge, Schiedsgerichte, V\u00f6lkerbund, <\/em>1917), Ludo Moriz Hartmann, Paul Frei <em>(Der Weg zur N\u00e4hrpflicht), <\/em>Rud. Jer. Kreutz <em>(Der neue Mensch), <\/em>Rudolf Goldscheid <em>(Frauen, Freiheit und Friede), <\/em>Max Heller <em>(Der bewaffnete Pazifismus) <\/em>u.v.a.<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">Der Krieg, der ein Anfang war in der Ersch\u00fctterung alles Menschgewordenen, hat naturgem\u00e4\u00df eine Reihe von Schriften angeregt, die sich mit seinen Folgen und seiner \u00dcberwindung befassen. Hier leistet der Verlag praktische Arbeit, indem er B\u00fccher zur Invalidenfrage, Kriegerheimst\u00e4tten, Ern\u00e4hrungsfrage, Geschlechtskrankheiten, Friedensbewegung herausgab. (&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\">Die biologischen Probleme, die der Krieg bot, in tiefgehender, naturwissenschaftlich fest begr\u00fcndeter Weise behandelt Paul Kammerer in dem bedeutendsten Buche, das die Kriegszeit in \u00d6sterreich angeregt hat, in &#8222;Einzeltod &#8211; V\u00f6lkertod, biologische Unsterblichkeit&#8220;.<br \/>\nDa sind wir schon mittendrin in der pazifistischen T\u00e4tigkeit des Verlages, die noch eine Reihe anderer Schriften vertreten, wie Boyneburgs &#8222;Despotie der Mittel&#8220;, Selety &#8222;Politik des Lebens&#8220;, ein bedeutsames Buch, das neue Wege weist f\u00fcr das Leben der V\u00f6lker, Bleiers &#8222;Des wei\u00dfen Menschen Schicksalsstunde&#8220;, die B\u00fccher von Edgar Herbst, voll der besten Gedanken und Anregungen, Rumpf &#8222;Der Granatenkr\u00fcppel&#8220;, ein popul\u00e4rer Karl Marx, und die schon erw\u00e4hnten Schriften des &#8222;Aufstieg&#8220;.<br \/>\nMonismus und Freidenkertum sind die weiteren Etappen des neuen Menschheitsideals, wie es der Verlag sieht und f\u00fcr das er sich einsetzt. <a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><span class=\"Reference\">[28]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Neben diesen vielen angeschnittenen Themen verlegte der AVBS auch eine Reihe von B\u00fcchern, die sexuelle Aufkl\u00e4rung zum Gegenstand hatten. Hinzuweisen ist auch auf weitere Schriftenreihen. So erschienen z.B. 1918\/19 auf Initiative von Carl Colbert die <em>Flugschriften des &#8222;Abend&#8220; <\/em>bei Anzengruber in Kommission. Unter den drei Folgen finden sich z.B. Bruno Freis Brosch\u00fcre <em>Wiener Wohnungs- Elend <\/em>und Alexander Wei\u00df&#8216;\u00a0 <em>Wie kommen wir zum Frieden?<\/em> 1915 begann die kurzlebige Reihe &#8222;Wiener B\u00fccherei&#8220; zu erscheinen. 1926 erschien ein Jahr lang im AVBS die Zeitschrift <em>Der Aufbau. \u00d6sterreichische Monatshefte f\u00fcr Siedlung und St\u00e4dtebau<\/em>, die von Franz Schuster und Franz Schacherl herausgegeben wurde.<\/p>\n<p>Auch nach 1920, also in der Zeit nach dem zitierten \u00dcberblick Steindlers, blieb der AVBS der eingeschlagenen Linie treu. In diesem Zusammenhang hervorzuheben sind diverse Schriften zum Thema &#8222;Krieg&#8220;, wie z.B. Karl Jaray <em>Der Selbstmord der Menschheit. \u00d6sterreichisches Komitee gegen den drohenden Krieg<\/em> (1933).<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> Belletristik<\/h3>\n<p>Die Tendenz des Verlags bei nicht-literarischen Schriften setzte sich auch in der Wahl von Autoren und B\u00fcchern des AVBS fort. Es sind durchwegs Autoren, die in der &#8222;linken&#8220; Reichsh\u00e4lfte angesiedelt waren, die in der Regel eine kritische Position zur bestehenden Gesellschaft bezogen und somit als &#8222;engagierte Schriftsteller&#8220; gelten k\u00f6nnen. Zu den ersten Autoren, die zum Verlag stie\u00dfen, z\u00e4hlt zweifelsohne Alfons Petzold, dessen erste Sammlung von Prosatexten (<em>Memoiren eines Auges. Skizzen eines Sehenden<\/em>) 1912 im AV erschien und 1922 als Band 2 der &#8222;Wiener B\u00fccherei&#8220; aufgelegt wurde. Mit den Br\u00fcdern Suschitzky verband Petzold auch eine pers\u00f6nliche Freundschaft. <a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><span class=\"Reference\">[29]<\/span><\/a> Obwohl Petzold sich dem AVBS nicht ausschlie\u00dflich verpflichtete und andere Werke im Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, im Erdgeist-Verlag, bei Eug. Diederichs, im Deutsch\u00f6sterreichischen Verlag sowie im Ed. Strache Verlag erschienen, brachte der AVBS mehrere B\u00fccher heraus, so z.B. <em>Aus dem Leben und der Werkst\u00e4tte eines Werdenden<\/em> (1913), <em>Der heilige Ring. Neue Verse<\/em> (1914), <em>Krieg<\/em> (1914), <em>Johanna. Ein Buch der Verkl\u00e4rung<\/em> (1915; 2. Aufl. 1917), <em>Deutsche Legende<\/em> (1916), <em>Das neue Fest. Ein B\u00fcchlein der Liebe<\/em> (1917), <em>Der feurige Weg. Ein russischer Revolutionsroman<\/em> (1918). Auch Johann Ferch, engagierter Gegner des Mutterschaftszwangs und vielschreibender Autor, lie\u00df eine Reihe von gesellschaftskritischen Werken im AVBS erscheinen, so z.B. <em>Bekenntnisse eines Freimaurers <\/em>(1924), <em>Das zweite Gesicht und andere Skizzen aus dem Felde <\/em>(1915), <em>Liebe ohne Kinder. Das Recht auf Gl\u00fcck f\u00fcr Liebende, Eltern und Kinder <\/em>(1920; Auflage: 50.000), <em>Die Kaserne. Ein Roman aus dem Leben unter den Fahnen <\/em>(1913), <em>Marsch auf Wien <\/em>(Heiterer Roman, 1930). Im AVBS erschien 1930\/31 die <em>Illustrierte Roman-Revue, <\/em>die ausschlie\u00dflich eine ganze Reihe von Ferch-Romanen abdruckte. Von Hugo Bettauer erschienen 1921 der Roman <em>Hemmungslos <\/em>und 1922 der Roman <em>Die drei Ehestunden der Elisabeth Lehndorff. <\/em>Auch der kirchenkritische Priester-Schriftsteller Hans Kirchsteiger war mit mehreren B\u00fcchern im AVBS vertreten. So erwarb der Verlag die Rechte auf den seinerzeit im Wiener Verlag erschienenen, sehr viel gelesenen Roman <em>Das Beichtsiegel, <\/em>der ab 1924, als die 35. Auflage erschien, kaum seine Popularit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft hatte. 1923 kam der Roman Der <em>eiserne Paragraph, <\/em>1920 der Roman <em>Der tote Teufel <\/em>und 1928 der Roman <em>Der morsche Beichtstuhl. <\/em>Der AVBS brachte auch die erste Gesamtausgabe von Ferdinand Sauters Gedichten, verlegte eine Voltaire-\u00dcbersetzung, einige Werke des Arzt-Schriftstellers Fritz Wittels, vier B\u00fccher von Karl Adolph, darunter<em> Haus Nummer 37. Ein Wiener Roman<\/em> und den Roman <em>T\u00f6chter. <\/em>Weiters erschienen Werke von David Josef Bach <em>(Der Kugelmensch. Die Filmfl\u00e4che. Phantasien und Gedichte <\/em>(1938), Dr. Edmund Blum, dem dichtenden, sexuell besonders interessierten Zahnarzt (s. Dr. Blum-B\u00fccher), Richard A. \u00c9don, Paul Anton Keller <em>(Gesang vor den Toren der Welt. Gedichte, <\/em>1931), Emil Krischke, Olga Misar, E. M\u00fcller-Sturmheim, Heinz Nonveiller <em>(Das Evangelium der Liebe, <\/em>1920), Oskar Philipp, Fritz Rosenfeld, Christian Spanner-Hansen, Ferdinand Stechauner, Maria Stona, B. Zwilling u.a.<\/p>\n<p>1915 stie\u00df der 1890 geborene Arzt-Schriftsteller Jakob Moreno Levy zum AVBS. Hier erschien das Gedicht &#8222;Einladung zu einer Begegnung&#8220; als &#8222;Flugbericht&#8220;. Einige Jahre sp\u00e4ter, im Jahre 1918, erschien im AVBS die Zeitschrift <em>Daimon <\/em>mit Levy als Herausgeber. 1919 erschien sie als <em>Der neue Daimon <\/em>im Genossenschaftsverlag. Aber dies war nicht die einzige Zeitschrift der jungen, kritischen Generation, die bei AVBS landete. Die im Fr\u00fchjahr 1917 von Oskar Maurus Fontana und Alfons Wallis herausgegebene erstmals erscheinende Zeitschrift <em>Das Flugblatt <\/em>kam auch &#8211; zumindest die ersten zwei Folgen vom Fr\u00fchjahr und Sommer 1917 &#8211; hier heraus. Insgesamt kam es bis September 1918 zu f\u00fcnf Folgen.<\/p>\n<p>In den 30er Jahren erschien relativ wenig Belletristik, aber, um hier Abhilfe zu schaffen, begann der AVBS eine neue, von Hermann Hakel herausgegebene Schriftenreihe Neue <em>Dichtung. <\/em>Die B\u00e4nde 1-5 erschienen 1936, Band 6\/7 erschien 1937. Die Reihe brachte Werke von Rudolf Felmayer <em>(Die stillen G\u00f6tter. Gedichte), <\/em>Josef Pechacek <em>(Kleine Chronik. Erz\u00e4hlungen), <\/em>Ernst Lissauer <em>(Zeitwende. Gedichte; Die Steine reden. Drama in 3 Akten) <\/em>und Marietta v. Bronneck <em>(Die Bubenprobe. Ein Buch von Kindern). <\/em>Hinzu kam (1936) noch ohne Bandz\u00e4hlung <em>Nachtrag zur Reise <\/em>von Alphons Sol\u00e9.<\/p>\n<p>Das letzte im AVBS nachgewiesene und erschienene Werk stammt von David Josef Bach <em>(Der Kugelmensch, <\/em>1938).<\/p>\n<h3 id=\"anm1\"><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Quellenhinweise: Handelsgericht Wien. Register f\u00fcr Gesellschaftsfirmen, Band 54, pagina 106; Handelsgericht Wien. Ausgleichsakt S 98\/38 (WrStLa); AVA, Deutsch\u00f6sterreichisches Staatsamt f\u00fcr Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten, 1919, Zahl 979\/19-1 (Gewerbe), Zahl 1183\/19-1 (Gewerbe); Befragung WOLF SUSCHITZKY (London) (= Sohn von Wilhelm S.); FRIEDRICH SLEZAK, Ottakringer Arbeiterkultur an zwei Beispielen. Wien: Verlag Josef Otto Slezak 1982, S 34 f. Alfons Petzold 1882-1923. Wienbibliothek. 197. Wechselausstellung im Wiener Rathaus Nov. 1982-M\u00e4rz 1983. Gestaltung und Text: BERNHARD DENSCHER und JOHANN LUGER; Dr. PAUL STEINDLER, Das \u00f6sterreichische Verlagswesen. II. Der Anzengruber-Verlag. In: <em>Deutsch\u00f6sterreichischer Literaturanzeiger<\/em> (Wien\/Lehenrotte, N\u00d6), 1. Jg., 5.\/6. Heft, 30.6.1920, S. 49-51; DR. H. R.[EITZER], 25 Jahre-Br\u00fcder Suschitzky. Eine historische Reminiszenz. In: <em>Der blaue B\u00fccherkurier<\/em> (Wien), XXXVI. Jg., Nr. 585, 15.11.1926, S. 4; <em>Anzeiger<\/em>, Jg. 1926, Nr. 45, S. 11. 1926, S. 304 (Gesch\u00e4ftsjubil\u00e4um); ADOLF REITZER, \u00d6sterreichische Gewerbef\u00f6rderung. In: <em>Novit\u00e4ten-Anzeiger f\u00fcr den Colportage-Buchhandel<\/em> (Wien), XIII. Jg., Nr. 266, 15.6.1901, S. 1; DERS., Localbedarf. In: ebda., Nr. 272, 1.10.1901, S. 1 f. <em>Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft<\/em>. Hg. FRANZ PLANER. Wien: Verlag Franz Planer, 1928, Stichwort &#8222;Philipp Suschitzky&#8220;, S. 337; Akt Gremium\/Br\u00fcder Suschitzky.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Das erste Dokument im Akt der Standesvertretung ist ein Protokoll, aufgenommen mit Hrn. Philipp Suschitzky zum Zweck des Beitritts zur Korporation vom 4. Oktober 1900.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> ADOLF REITZER, \u00d6sterreichische Gewerbef\u00f6rderung (zit. Anm. 1), S. 1. Reitzer zitiert hier vollinhaltlich einen Bericht aus der Wiener Wochenschrift f\u00fcr Politik, Volkswirtschaft, Wissenschaft und Kunst <em>Die Zeit, <\/em>1901, Nr. 349, Sa., 8.6.1901, S. 157.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zitiert nach ADOLF REITZER, Localbedarf (zit. Anm. 1), S. 1. Auch wiedergegeben in: 25 Jahre &#8211; Br\u00fcder Suschitzky Eine historische Reminiszenz, von DR. HERMANN REITZER (zit. Anm.1).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> ADOLF REITZER, Localbedarf (zit. Anm. 1).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> <em>BC<\/em>, Nr. 41, 9.10.1901, S. 584.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebenda. In der diversen Literatur ist immer wieder davon die Rede, da\u00df der 1. November 1901 das Gr\u00fcndungsdatum war. Der 1. Oktober war laut Handelsregister der Tag, an dem der Gesellschaftsvertrag aufgesetzt wurde.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Stenographisches Protokoll. Haus der Abgeordneten. 64. Sitzung der XVII. Session am 24. Oktober 1901, S. 5949-5950. So trifft es nicht zu, da\u00df, wie SLEZAK (zit. Anm. 1), meint a) die Interpellation von Dr. Victor Adler stammte, nicht zuletzt, weil dieser erst ab 1905 im Reichsrat sa\u00df und b) Suschitzky erst durch eine bzw. die Interpellation die Konzession erhielt.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a><em> Reichspost, <\/em>7.4.1911, S. 9.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> So der soeben zitierte Zeitungsbericht. Krist stellte tats\u00e4chlich einen Antrag in der \u00f6ffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung Favoriten am 30. 12.1910, doch &#8211; zumindest, was das Protokoll anlangt &#8211; ohne die inkriminierte beleidigende \u00c4u\u00dferung. Siehe: <em>Amtsblatt der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, <\/em>Jg. XX, Nr. 7, Di., 24.1.1911, S. 246-247; bes. S. 247: &#8222;B.-R. Krist und Genossen stellen den Antrag, den Verein der \u00f6sterreichisch-ungarischen Buchh\u00e4ndler auf die Schmutz- und Schundliteratur der Br\u00fcder Suschitzky in der Favoritenstra\u00dfe aufmerksam zu machen. Angenommen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> <em>Reichspost<\/em>, 7.4.1911, S. 9.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref12\" target=\"text\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> <em>Reichspost<\/em>, 4.5.1911, S. 9.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref13\" target=\"text\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> <em>Reichspost, <\/em>Nachmittagsausgabe, 6.5.1911, S. 1.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref14\" target=\"text\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> <em>Reichspost, <\/em>6 5.1911, S. 8.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref15\" target=\"text\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Genau wann dies erfolgte, war nicht festzustellen. Immer wieder ist von &#8222;bald&#8220; danach, kurz darauf die Rede.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref16\" target=\"text\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> \u00d6Sta, AVA, Deutsch\u00f6sterreichisches Staatsamt f\u00fcr Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten. Gewerbe. Z. 1183 ex 1919. Die Eingabe Wilhelm Suschitzkys findet sich nicht in diesem Akt. Es wird hier lediglich seine Begr\u00fcndung zitiert.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref17\" target=\"text\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref18\" target=\"text\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref19\" target=\"text\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Dazu einige Zeitungskommentare zum Selbstmord: &#8222;Die letzten politischen Ereignisse haben bei Wilhelm Suschitzky, der sich immer zu einem gewaltlosen Sozialismus bekannt hat, eine tiefe seelische Depression hervorgerufen, die ihm schlie\u00dflich den Revolver in die Hand dr\u00fcckte.&#8220; <em>(Neue Freie Presse <\/em>(M), Nr. 24.999, Do., 19.4.1934, S. 6.) Anderen Zeitungsmeldungen zufolge war die Tat auf &#8222;Nervenzerr\u00fcttung&#8220; zur\u00fcckzuf\u00fchren, so <em>Der Wiener Tag, <\/em>XIII. Jg., Nr. 3917, Do., 19.4.1934, S. 5; <em>WZ, <\/em>Nr. 108, Do., 19.4.1934, S. 5.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref20\" target=\"text\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Frdl. Auskunft von Wolf Suschitzky (London). Philipp Suschitzky floh nach Frankreich, weil seine Tochter dort lebte, Adele Suschitzky lebte in London, wo sie am 24.5.1980 im Alter von 102 Jahren starb.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref21\" target=\"text\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Dazu Handelsgericht Wien. Konkursakt S 98\/38 (WrStLa).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref22\" target=\"text\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Ebenda. Die Firma war durch den Rechtsanwalt Dr. Oskar Trnka vertreten.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref23\" target=\"text\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Schreiben an die VVSt vom 17.6.1938 (Akt Gremium\/Suschitzky).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref24\" target=\"text\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Schreiben an die Deutsche Revisions- und Treuhand A.G. in Wien vom 19.7.1938 (ebda.).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref25\" target=\"text\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> In: Akt Gremium\/Suschitzky.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref26\" target=\"text\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Laut Schreiben der RSK Landesleitung Wien an die RSK, Abt. 3 in Leipzig vom 22.12.1939.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref27\" target=\"text\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft (zu. Anm. 1).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref28\" target=\"text\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> DR. PAUL STEINDLER, Das \u00f6sterreichische Verlagswesen. II. Der Anzengruber-Verlag, (zit. Anm. 1). F\u00fcr die \u00dcbermittlung einer Fotokopie dieses Artikels bin ich Frau Schroeter von der Abteilung Auskunft der Deutschen B\u00fccherei in Leipzig zu besonderem Dank verpflichtet. Trotz einer langwierigen Suche in Bibliotheken in \u00d6sterreich und der Bundesrepublik gelang es mir nicht, diese Zeitschrift zu finden. Obwohl in \u00d6sterreich erschienen, liegt sie nur in der Deutschen B\u00fccherei in Leipzig.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref29\" target=\"text\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Siehe Ausstellungskatalog der Wienbibliothek (zit. Anm. 1).<a class=\"none\" name=\"Heading20\"><\/a><\/p>\n<h3 id=\"erg1\" class=\"Note\">Erg\u00e4nzungen zur Buchpublikation von 1985<\/h3>\n<h4 id=\"erg2\">Neueste Forschungsliteratur<\/h4>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.wienbibliothek.at\/sites\/default\/files\/files\/buchforschung\/lechner-annette-anzengruberverlag.pdf\" target=\"_blank\">Annette Lechner: Die Verlagsbuchhandlung Anzengruber Verlag Br\u00fcder Suschitzky (1900\u20131938) im Spiegel der Zeit. Diplomarbeit Univ. Wien 1994. Gedruckt in <em>Archiv f\u00fcr Geschichte des Buchwesens<\/em> 44 (1995), S. 187\u2013273)<\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.biographien.ac.at\/oebl\/oebl_S_43\/Suschitzky_Philipp_1875_1942.xml\" target=\"_blank\">Philipp Suschitzky im \u00d6sterreichischen Biographischen Lexikon<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.wienbibliothek.at\/sites\/default\/files\/files\/buchforschung\/hupfer-georg-antiquariat-wien.pdf\" target=\"_blank\">Georg Hupfer: Zur Geschichte des antiquarischen Buchhandels in Wien. Diplomarbeit Univ. Wien. 2003<\/a>.<\/li>\n<li>Marianne Fischer: Die erotische Literatur und das Gericht. Der Schmutzkampf zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien. Diss. Univ. Wien 1999. (Gedruckt u.d.T.: <em>Erotische Literatur vor Gericht. Der Schmutzliteraturkampf in Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts<\/em>. Wien: Wilhelm Braum\u00fcller 2003)<\/li>\n<li>Ernst Fischer: <em>Verleger, Buchh\u00e4ndler und Antiquare aus Deutschland und \u00d6sterreich in der Emigration nach 1933. Ein biographisches Handbuch<\/em>. Typographie und Gestaltung: Ralf de Jong. Herausgegeben vom Verband Deutscher Antiquare e.V., 2011, S. 321\u2013323.<\/li>\n<\/ul>\n<h4 id=\"erg3\">Illustrationen<\/h4>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-2 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-2' class='gallery galleryid-180 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?attachment_id=2176'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Anzengruber_Kirchsteiger-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-2176\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-2176'>\n\t\t\t\tEinband &#8222;Das Beichtsiegel&#8220; von H. Kirchsteiger\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?attachment_id=2191'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Anzengruber_Signet_Farbe-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-2191\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-2191'>\n\t\t\t\tSignet\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?attachment_id=2190'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Anzengruber_Forschneritsch-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-2190\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-2190'>\n\t\t\t\tEinband des &#8222;Wiener Bilderbogen&#8220; von Forschneritsch\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anzengruber-Verlag Br\u00fcder Suschitzky (Wien-Leipzig) [1] Die Produktion Belletristik Anmerkungen Erg\u00e4nzungen zur Buchpublikation von 1985 Neueste Forschungsliteratur Illustrationen Der erste Anlauf der beiden Br\u00fcder Suschitzky, Philipp und Wilhelm, eine neue Buchhandelsfirma in Wien zu gr\u00fcnden, erfolgte Anfang Oktober 1900. [2] Da\u00df aber eine offene Handelsgesellschaft erst am 1. Oktober des folgenden\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=180\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-180","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=180"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2728,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/180\/revisions\/2728"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}