{"id":271,"date":"2015-09-04T17:31:27","date_gmt":"2015-09-04T15:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=271"},"modified":"2016-08-14T17:44:45","modified_gmt":"2016-08-14T15:44:45","slug":"verlag-die-fackel","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=271","title":{"rendered":"Verlag &#8222;Die Fackel&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3>Verlag &#8222;Die Fackel&#8220; (Jahoda &amp; Siegel)<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul>\n<li><a href=\"#anm1\">Anmerkungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#erg1\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/jahodaSiegel1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-989\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/jahodaSiegel1.jpg\" alt=\"Jahoda &amp; Siegel Signet\" width=\"140\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/jahodaSiegel1.jpg 651w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/jahodaSiegel1-210x300.jpg 210w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/jahodaSiegel1-105x150.jpg 105w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Der erste Beleg f\u00fcr den &#8222;Verlag ,Die Fackel'&#8220; f\u00e4llt mit der ersten Nummer der <em>Fackel, <\/em>die nicht mehr von Moriz Frisch hergestellt wurde, also von Jahoda &amp; Siegel gedruckt wurde, zusammen. Es ist dies die Nr. 82 vom Anfang Oktober 1901. Die &#8222;Firma&#8220; innerhalb einer Firma mit getrennter Rechnung &#8211; oder besser: die &#8222;Abteilung&#8220; &#8211; wurde vorerst nicht protokolliert. Kraus hatte im Gegensatz zu Jahoda &amp; Siegel keine Verlagskonzession. Auch war es keineswegs un\u00fcblich, den Verlag einer Zeitschrift einfach nach deren Namen zu benennen. Der Verlag ,Die Fackel&#8220; war nicht mehr &#8211; oder kaum mehr &#8211; als ein ,Selbstverlag Kraus&#8216; bzw. seiner Zeitschrift. Das hei\u00dft, es wurden manche seiner Schriften bzw. einige wenige von anderen fr\u00fchen Fackel-Autoren in Form von Sonderdrucken auf den Markt gebracht.<\/p>\n<p>Das Impressum der<em> Fackel <\/em>bleibt von Nr. 82 bis einschlie\u00dflich der Doppelnummer 285-286 vom 27. Juli 1909 gleich. Unvermittelt und ohne n\u00e4here Erkl\u00e4rung vollzieht sich eine \u00c4nderung. Im Impressum liest man nun:<br \/>\nVERLAG: ,DIE FACKEL&#8220; WIEN &#8211; BERLIN<br \/>\nWIEN, III\/2, Hintere Zollamtsstra\u00dfe 3 Telephon Nr. 181<br \/>\nBERLINER BUREAU: Halensee, Katharinenstra\u00dfe 5 (F 287, 1909)<\/p>\n<p>Hinter dieser Adresse verbarg sich, wie wir durch Martina Bilke wissen <em>(Kraus-Hefte<\/em> 3, 1977, 6-10), die Wohnung von Herwarth Walden. Walden war im Sommer 1909 mit einem Vorschlag zu einer planm\u00e4\u00dfigen Verbreitung der <em>Fackel<\/em> in Deutschland an Kraus herangetreten. Das Berliner Bureau vermochte seine Aufgabe allerdings nicht zu erf\u00fcllen: Nach etwas mehr als zwei Jahren erscheint das Impressum zum allerletzten Mal in dieser Form im Dezember 1911 (F 339-340), danach wieder als &#8222;VERLAG: ,Die Fackel&#8220; WIEN&#8220; (F 341-342).<\/p>\n<p>Von Lesern der <em>Fackel <\/em>v\u00f6llig unbemerkt, \u00e4ndert sich etwas in der Rechtskonstruktion des Verlags im Jahre 1913. Am 19. August 1913 erh\u00e4lt Kraus vom Handelsgericht Wien die Aufforderung bzw. den gerichtlichen Beschlu\u00df, seine &#8222;Firma&#8220; anzumelden, d.h. protokollieren zu lassen. Das Kriterium f\u00fcr eine allf\u00e4llige Anmeldung einer kleinen Firma war der an einj\u00e4hriger staatlicher Erwerbsteuer zu entrichtende Betrag. Wenn dieser Betrag eine bestimmte H\u00f6he erreichte, mu\u00dfte sich die Firma beim Handelsgericht anmelden und sich ins Handelsregister eintragen lassen.<\/p>\n<p>Am 6. Oktober 1913 erscheint Kraus zusammen mit seinem Rechtsanwalt Dr. Richard Wagner bei Gericht, um die Firma mit dem Wortlaut &#8222;,Die Fackel&#8216;. Herausgeber Karl Kraus&#8220; anzumelden. Nota bene: das Wort &#8222;Verlag&#8220; kommt nicht im Firmenwortlaut vor. Am 10. Oktober 1913 wird sie unter Reg. A, Band 27, pagina 34 ins Wiener Handelsregister eingetragen. In den n\u00e4chsten 24 Jahren erf\u00e4hrt diese Eintragung keinerlei Ver\u00e4nderung, obwohl man dazu \u00fcbergegangen war, in der ersten H\u00e4lfte der 20er Jahre Publikationen Kraus&#8216; mit dem Impressum &#8222;Verlag ,Die Fackel&#8216; (Jahoda &amp; Siegel) Wien-Leipzig&#8220; zu versehen. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"Reference\">[1]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Auslieferung des Verlags &#8222;Die Fackel&#8220; blieb mit der von Jahoda &amp; Siegel stets identisch, also: die Auslieferung f\u00fcr \u00d6sterreich und die Sukzessionsstaaten erfolgte durch den Verlag selbst, die f\u00fcr Deutschland Anfang der 20er Jahre durch Maier in Leipzig, danach durch K.F. Koehler ebendort.<\/p>\n<p>Der Inhalt des Registerakts Reg. A 27, 34 ist sehr mager. Am 10. August 1937 wurde schlie\u00dflich vermerkt: &#8222;Der Inhaber Karl Kraus gestorben. Bis auf weiteres wird die Firma von Dr. Oskar Samek vertreten und gezeichnet.&#8220; Samek war allein vertretungsbefugter erbeserkl\u00e4rter Erbe nach dem bisherigen Alleininhaber dieser Firma, Karl Kraus.<\/p>\n<p>Da die Verlassenschaftsabhandlung von Kraus (Zl 2A 694\/36) <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> geraume Zeit in Anspruch nahm, geschah in der Abwicklung der Firma ,Die Fackel&#8216; vor dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220; nichts. Das Handelsgericht, das gewisserma\u00dfen ein Eigenleben f\u00fchrte, interessierte sich wieder im Fr\u00fchherbst 1938 f\u00fcr die Firma, nachdem es durch das Bezirksgericht Margarethen, das eine Zeit lang mit der Verlassenschaftsabhandlung befa\u00dft war, darauf aufmerksam gemacht wurde. Die Erledigung von Firmenl\u00f6schung und Verlassenschaftsabhandlung wurde erheblich verz\u00f6gert. Das Handelsgericht mu\u00dfte das Offenkundige amtlich best\u00e4tigen, n\u00e4mlich ob der Betrieb &#8222;noch aufrecht gef\u00fchrt&#8220; werde und &#8222;verneinendenfalls, seit wann der gegenst\u00e4ndliche Betrieb eingestellt ist&#8220;. So lauteten jedenfalls die dringenden Fragen, die am 25. Oktober 1938 von der Bezirkshauptmannschaft Landstra\u00dfe an das Marktamt f\u00fcr den 3. Bezirk gerichtet wurden. Aber schon Wochen vorher hatte das Handelsgericht aus dem B\u00fcro des Dr. techn. Karl Jaray von dem &#8222;mit deutschem Gru\u00df&#8220; zeichnenden kommissarischen Verwalter folgendes erfahren:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Prof. Jaray ist seit 14. M\u00e4rz l.J. gefl\u00fcchtet. Sein B\u00fcro wird unter der kommissarischen Verwaltung des SS-Sturmbannf\u00fchrers Max Plobner liquidiert. Die Literatur des Prof. Jaray, im besonderen &#8222;die Fackel&#8220; von Karl Kraus befindet sich noch im Haus, Langackergasse 22, ist jedoch von der Gestapo beschlagnahmt. <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Darauf richtete das Handelsgericht die obenzitierte Anfrage an die Bezirkshauptmannschaft Landstra\u00dfe:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es wird ersucht, an Ort und Stelle erheben zu wollen, ob der Betrieb an der gemeldeten Adresse noch aufrecht gef\u00fchrt wird, bzw. seit wann der Betrieb eingestellt ist.<br \/>\nUm ehebaldigste Erledigung wird ersucht.<br \/>\nHandelsgericht Wien, Abt. 8 am 10.10.1938<\/p>\n<p>Erst im Dezember 1938 wurde amtlich bekannt, da\u00df der Betrieb &#8222;seit 11. M\u00e4rz 1938 eingestellt&#8220; sei. Und: &#8222;Nach Auskunft des Portiers war im Hause 3. Hintere Zollamtsstra\u00dfe 4 nur der Sitz der Zeitung. Sein Wohnort ist unbekannt.&#8220;<\/p>\n<p>Die Firma &#8222;Die Fackel&#8220;, Herausgeber Karl Kraus, wurde schlie\u00dflich am 31. Juli 1939 &#8222;von amtswegen&#8220; aus dem Handelsregister gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>In seinem Testament hat Kraus keine <em>ausdr\u00fcckliche <\/em>Verf\u00fcgung \u00fcber die Firma, sprich: \u00fcber den &#8222;Verlag ,Die Fackel'&#8220; getroffen. Diese repr\u00e4sentierte klarerweise aber ein bestimmtes Verm\u00f6gen. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a> Nach Angaben des Testamentsvollstreckers Dr. Oskar Samek vom Fr\u00fchjahr 1937 war der Wert aus dem Verm\u00f6gen der Firma &#8222;Verlag ,Die Fackel&#8216;, Inhaber Karl Kraus&#8220; &#8222;ca. 16.000&#8220; Schilling. Dieses wird wahrscheinlich Sach- und Barverm\u00f6gen gewesen sein, im Gegensatz zu den Forderungen gegen die Firma Jahoda &amp; Siegel &#8222;im Betrage von ca. 7.000.-S&#8220;, aus denen der Nachla\u00df u.a. auch bestand. Mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit kann man annehmen, da\u00df diese Verm\u00f6genswerte, insofern es sich nicht um Sparb\u00fccher, Memorabilien, Pretiosen, Briefe etc. handelte, v\u00f6llig verloren gingen, ja verloren gehen mu\u00dften. Denn, wie \u00e4hnlich gelagerte F\u00e4lle nach dem M\u00e4rz 1938 zeigen, waren Firmenverm\u00f6gen innerhalb weniger Monate zur G\u00e4nze entwertet, Barverm\u00f6gen &#8222;gestohlen&#8220;, die Firmen selber in den Konkurs getrieben, gelegentlich &#8222;arisiert&#8220;, aber meist einfach aufgel\u00f6st worden.<\/p>\n<h3 id=\"anm1\"><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> All diese Vorg\u00e4nge sind dem Registerakt, Handelsgericht Wien, Register A, Band 27, pagina 34 entnommen. Er befindet sich im Bestand des Wiener Stadt- und Landesarchivs.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Dieser Akt mitsamt dem Testament Kraus&#8216; ist heute noch im Bezirksgericht Wien (Innere Stadt) in der Riemergasse aufbewahrt. Alle Tatsachen, die mit dem Testament zusammenh\u00e4ngen, sind diesem Akt entnommen.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dieses Schreiben auf Briefpapier Jarays findet sich im Registerakt und ist mit 5. Oktober 1938 datiert.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Da hei\u00dft es in mehr als holprigem Deutsch: &#8222;(&#8230;) Der Ertrag meiner s\u00e4mtlichen (inkl. aller vorhandenen Hefte der Fackel) geh\u00f6rt zu 30% den Herausgebern [&#8222;meiner Schriften&#8220;], zu 20% den Familien Jahoda &amp; Siegel, (die die Auslieferung) auszuliefern hat, zu 25% Sidonie Nadherny und zu 25% Frau Helene Kann, der auch Manuscripte u. sonstige Dokumente f\u00fcr das Archiv zu \u00fcberlassen wird. Diese, selbst nach dem Ableben der Verwahrerin einem von der von ihr zu bestimmenden Zweck oder Faktor (etwa der Stadt Wien) zu.&#8220;<\/p>\n<h3 id=\"erg1\" class=\"Note\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/h3>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li class=\"Note\">Murray G. Hall: Verlage um Karl Kraus. In: <i>Kraus Hefte<\/i>, Heft 26\/27, Juli 1983, S. 2\u201331.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag &#8222;Die Fackel&#8220; (Jahoda &amp; Siegel) Anmerkungen Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985 Der erste Beleg f\u00fcr den &#8222;Verlag ,Die Fackel&#8217;&#8220; f\u00e4llt mit der ersten Nummer der Fackel, die nicht mehr von Moriz Frisch hergestellt wurde, also von Jahoda &amp; Siegel gedruckt wurde, zusammen. Es ist dies die Nr. 82 vom\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=271\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-271","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=271"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/271\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2527,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/271\/revisions\/2527"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}