{"id":29,"date":"2015-09-01T15:37:20","date_gmt":"2015-09-01T13:37:20","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=29"},"modified":"2015-09-26T19:18:42","modified_gmt":"2015-09-26T17:18:42","slug":"vorwort-zur-druckausgabe","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=29","title":{"rendered":"Vorwort [zur Druckausgabe]"},"content":{"rendered":"<h3>Vorwort [zur Druckausgabe]<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<p>Eine \u00f6sterreichische Verlagsgeschichte der Zwischenkriegszeit? Besteht Bedarf nach einem solchen Buch? Wir schr\u00e4nken einmal ein, und zwar auf den belletristischen Verlag. Dem w\u00e4re entgegenzuhalten, da\u00df \u00f6sterreichische Literatur bzw. literarische Werke \u00f6sterreichischer Autoren traditionell, d.h. ab der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, im Deutschen Reich verlegt wurden, so z.B. bei S. Fischer, bei Insel, bei Egon Fleischel und zunehmend bei L. Staackmann, bei Kurt Wolff u.v.a.m. Mit diesen Verlagen ist die Geschichte bedeutender Autoren verbunden. Das gilt beispielsweise f\u00fcr Peter Altenberg, Arthur Schnitzler, Richard Beer-Hofmann, Peter Rosegger, d.h. f\u00fcr Autoren unterschiedlicher literarischer Genres und verschiedener ideologischer Observanz.<\/p>\n<p>Der auffallende Gegensatz zwischen einer bedeutenden literarischen Produktion, deren Ergebnisse weithin rezipiert wurden, und den geringen Vermarktungsm\u00f6glichkeiten im Mutterland stellt vorab ein erkl\u00e4rungsw\u00fcrdiges Paradoxon dar. Diese Vor\u00fcberlegung f\u00fchrte \u00fcber einen blo\u00df literaturgeschichtlichen Zusammenhang weit hinaus. Um die Literaturgeschichte \u00fcberhaupt zu schreiben und die paradoxe Situation \u00f6sterreichischer Autoren zu fassen, war es notwendig, die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zu erforschen und darzustellen, innerhalb deren die Literatur entsteht: Es geht also um Gesetzestexte (Urheberrecht, Pre\u00dfgesetze etc.) und die Analyse politischer Ereignisse aus einer oft ungewohnten Perspektive, Fragen des Devisenrechts, des zwischenstaatlichen Handels, Handelsabkommen, Kulturabkommen, Papierindustrie und Standort der Druckereien, um nur einige Punkte zu nennen. Es ist irgendwie klar, da\u00df diese Voraussetzungen, \u00fcber die es so gut wie keine zusammenh\u00e4ngende Darstellung gibt, die unabdingbare Grundlage f\u00fcr eine Verlagsgeschichte abgeben mu\u00dften.<\/p>\n<p>Ein weiterer erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftiger Punkt ist die intensive Verlagst\u00e4tigkeit in \u00d6sterreich in der Zeit unmittelbar nach 1918. Diese politische Z\u00e4sur kann auch als eine verlagsgeschichtliche Z\u00e4sur betrachtet werden und ist ebenso in Beziehung zu setzen zu den vorhin erw\u00e4hnten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Diese Verlagshausse, die namhafte Autoren und Verlage zu kurzer Bl\u00fcte brachte, w\u00e4re schon Gegenstand einer Untersuchung f\u00fcr sich. Der notwendige Kontext aber fehlte, wenn man dieses Ph\u00e4nomen isoliert betrachtet. Es erwies sich als notwendig, das Verlagssterben und die kulturpolitische Situation \u00d6sterreichs vor allem in den 30er Jahren in diesem Zusammenhang einzubringen, um so eine geschlossene literarhistorische Studie vorzulegen.<\/p>\n<p>Was sich hier als Programm liest, dessen Durchf\u00fchrung zu einer runden Studie realisierbar erscheint, stie\u00df auf gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten. Zun\u00e4chst einmal der Stand der Forschung. Das mangelnde Interesse in \u00d6sterreich an der Geschichte des Buchhandels und Verlagswesens des 20. Jahrhunderts kann durch nichts auff\u00e4lliger dokumentiert werden als durch das Fehlen nicht nur von einschl\u00e4giger Literatur, sondern an Stellungnahmen \u00fcberhaupt. Und auch dort, wo ein Verlag sich selbst darstellt, wird in den meisten F\u00e4llen (vor allem anl\u00e4\u00dflich von Jubil\u00e4en) die Notwendigkeit, die anf\u00e4llig gegebenen Informationen zu korrigieren oder genau nachzupr\u00fcfen, evident. Aktives Interesse besteht weder von seiten der Standesvertretung noch von seiten der Unternehmer. Versuche, zu anf\u00e4lligem Quellenmaterial zu gelangen, verliefen oft stereotyp. Nach einem dutzendfachen &#8222;wei\u00df ich nicht&#8220;, &#8222;haben wir nicht&#8220;, das den jeweils Auskunftgebenden nicht in den Verdacht eines allzugro\u00dfen Interesses geraten lie\u00df, mu\u00dfte der Versuch, zu einer Auskunft an der Quelle selbst zu gelangen, aufgegeben werden. Man kann sich sogar zur Behauptung versteigen, da\u00df die \u00f6sterreichische Verlagsgeschichtsschreibung praktisch vor einem halben Jahrhundert, genauer im Jahre 1928, mit dem Tode des langj\u00e4hrigen Sekret\u00e4rs der <em>Buchh\u00e4ndler-Correspondenz, <\/em>Carl Junker, aufh\u00f6rte. Junker, auf dessen Arbeiten mehrfach hingewiesen wird, ja werden mu\u00df, hat wesentlich zur Beschreibung der Geschichte und Entwicklung des Buchhandels und Verlagswesens in \u00d6sterreich beigetragen. Aber es ist nicht ganz korrekt, da\u00df nach seinem Tod kein Versuch gemacht wurde, diese Geschichte zu behandeln. Im Jahre 1928 erschien eine Schrift, f\u00fcr die der Verfasser Adolf Stierle sogar die Doktorw\u00fcrde einer \u00f6sterreichischen Universit\u00e4t erhielt. Allerdings ist das nicht mehr als ein Junker-Plagiat. L\u00e4\u00dft man den deutschnationalen Tenor dieser Junker-Abschrift beiseite, hat sie nichts zu bieten. Um der Vollst\u00e4ndigkeit willen gilt es, noch eine Arbeit anzuf\u00fchren: Das hundertj\u00e4hrige Bestehen des nunmehrigen Hauptverbands des \u00f6sterreichischen Buchhandels im Jahre 1959 war Anla\u00df f\u00fcr ein unbrauchbares Plauderwerk von Oskar Maurus Fontana, das wissenschaftlichen Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgt und in seinem Charakter als Auftragsarbeit der vorliegenden Studie keineswegs n\u00fctzlich sein konnte. Davon kann sich jeder Leser \u00fcberzeugen. Vereinzelt wird auf Dissertationen an \u00f6sterreichischen Hochschulen verwiesen, denen die Tatsache gemeinsam ist, da\u00df sie sich kaum oder \u00fcberhaupt nicht auf Quellenstudium st\u00fctzen, sondern aus f\u00fcnf publizierten Arbeiten eine sechste schaffen.<\/p>\n<p>Dieser Forschungsstand, dem man sich so konfrontiert sah, war deprimierend. jetzt galt es, nicht mutlos zu werden, und in der Tat stellte sich in k\u00fcrzester Zeit die Einsicht ein, da\u00df es Unmengen verschiedenartiger Quellen gab, die allerdings erst entdeckt werden mu\u00dften. Auch hier ist ein kontrollierender Einschub vonn\u00f6ten: Es gibt im Ausland bereits Verlagsgeschichten, unter denen vielleicht diejenige von Peter de Mendelssohn \u00fcber den S. Fischer Verlag hervorragt. So etwas h\u00e4tte als Modell dienen k\u00f6nnen. Peter de Mendelssohn legt Erkenntnisinteresse und Methode dar und stellt eingangs fest, da\u00df eine Verlagsgeschichte keine Literaturgeschichte ist. Aber: &#8222;Sie ist die Geschichte eines Gesch\u00e4ftsunternehmens, das geistige und k\u00fcnstlerische Werte in materielle Werte umwandelt und ihnen einen Markt zu erschlie\u00dfen sucht; Auch ist eine Verlagsgeschichte nicht die Biographie eines Verlegers. Sie ist die Geschichte einer eng verflochtenen Gemeinschaft von Schaffenden, die auf kleinem Raum zusammenwirken und deren Wirken in weite Fernen auszustrahlen vermag.&#8220; (S. 1332) In seinem Nachwort verfa\u00dft de Mendelssohn eine Art &#8222;Kochrezept&#8220;: man nehme das wohlgeordnete Archiv, und man nehme das Bucharchiv mit der gesamten Produktion des Verlags von den fr\u00fchesten Anf\u00e4ngen bis zur j\u00fcngsten Neuerscheinung. In der Registratur findet man den gesamten Briefwechsel des Verlegers mit seinen Autoren und Mitarbeitern samt Verlagsvertr\u00e4gen und Honorarabrechnungen, die Korrespondenz mit Druckereien, Buchbindereien, Papierlieferungen, Buchk\u00fcnstlern und Illustratoren, die Arbeitsbelege der Werbeabteilung, der Vertriebsabteilung, der Buchhaltung usw. usw. Kurzum: der Chronist hat die Basis f\u00fcr eine totale Dokumentation. So jedenfalls im Idealfall.<\/p>\n<p>All das lag de Mendelssohn nicht vor, andererseits gen\u00fcgte das Vorhandene, um 1600 Seiten zu schreiben &#8211; \u00fcber einen einzigen Verlag. W\u00fcrde man das hier dargetane Verfahren auf eine \u00f6sterreichische Verlagsgeschichte umw\u00e4lzen, w\u00e4re das ein Unding, und dies aus mehreren Gr\u00fcnden. Die vorliegende Arbeit konnte sich auf kein einziges solches ideales Archiv st\u00fctzen, ja nicht einmal auf ein solches, das dem des S. Fischer Verlags gleich w\u00e4re. Es k\u00f6nnte nun bei manchen der Verdacht aufkommen, da\u00df eine solche Arbeit keine seri\u00f6sen Ergebnisse liefern k\u00f6nnte. Doch das Manko braucht nicht als allzu gravierend empfunden werden. Der Grund liegt in der Zielsetzung dieser Arbeit, die mehr als eine Huldigung an den Superpositivismus sein will und ist, wobei man ohne Liebe zum Detail, ohne eine kr\u00e4ftige Portion &#8222;Faktenwut&#8220; an eine solche Aufgabe gar nicht erst heranzugehen braucht! Als der Verfasser erste \u00dcberlegungen zu dieser Arbeit anstellte, stand freilich die Auswertung von Verlagsarchiven naturgem\u00e4\u00df auf der Liste der Priorit\u00e4ten. Nur mu\u00dfte dieser wohlgemeinte Vorsatz bald fallen gelassen werden. Denn die Frage, die sich stellte und noch stellt, war nicht etwa: Wo finde ich diese Verlagsarchive, sondern: Wo fange ich nach 40, 50, ja 60 Jahren der Nichtexistenz dieser Verlage zu suchen an? Was blieb \u00fcbrig nach Liquidationen, &#8222;Arisierungen&#8220; und Kriegszerst\u00f6rungen? Sollten etwa mehr Archive sich erhalten haben als beispielsweise in Deutschland, wo gro\u00dfe Verlage wie Rowohlt, S. Fischer, Drei Masken Verlag, Langen-M\u00fcller usw. ihre Archive gro\u00dfteils oder zur G\u00e4nze verloren? Selbst wenn es den Idealfall eines gut erhaltenen Verlagsarchivs g\u00e4be, so besteht doch ein gro\u00dfer Unterschied zwischen der Geschichte eines einzelnen Verlags in einem einzigen Buch und dem Versuch, das Verlagsleben der Ersten Republik im \u00dcberblick zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Bevor wir auf die &#8222;Quellen&#8220; nun n\u00e4her eingehen, m\u00fcssen wir klarstellen, was die einzelnen Verlagsgeschichten sollen und zugleich nicht sollen. Sie sollen und k\u00f6nnen keine Verlagsmonographien, keine in allen Einzelheiten ersch\u00f6pfende Darstellung eines einzelnen Verlags sein. Ob auf Grund der Materiallage ein solches Projekt jemals realisierbar ist, scheint zwar fraglich, doch kann und soll die M\u00f6glichkeit eines gl\u00fccklichen Fundes nicht ausgeschlossen werden. Die einzelnen Kapitel \u00fcber die Verlage wollen allgemein die Produktion charakterisieren, deren Umfang umrei\u00dfen, die wichtigsten Autoren und B\u00fccher nennen, die Verlagsrichtung oder Verlagslinie beschreiben, die Firmengeschichte verfolgen und die Verleger\/Inhaber identifizieren. Wo dies m\u00f6glich ist, werden Verlagswerbung, finanzielle Gebarung, Buchillustration, Preisgestaltung, Korrespondenz mit Autoren ber\u00fccksichtigt. Nicht geboten werden k\u00f6nnen Verlagsinterna.<\/p>\n<p>Dem Leser mu\u00df dabei auffallen, da\u00df die Abschnitte von sehr unterschiedlicher L\u00e4nge sind, Diese reicht manchmal von einigen S\u00e4tzen bis zu 60 und mehr Seiten. Das liegt zwar gro\u00dfteils am vorliegenden Material, aber es dr\u00e4ngte sich w\u00e4hrend der Arbeit von selbst die Frage des Erkenntnisinteresses und der Wertung auf. D.h. Ausf\u00fchrlichkeit der Darstellung stand nicht zwangsl\u00e4ufig direktem Verh\u00e4ltnis zum Umfang des Materials. Der Gradmesser f\u00fcr die Ausdehnung eines Kapitels war die klar zutage liegende literaturgeschichtliche und sozialgeschichtliche Bedeutung des jeweiligen Verlags. In diesen) Sinne kommt es beispielsweise beim Paul Zsolnay Verlag zu fast 100 Seiten Text. Nicht nur der Umfang schwankt, auch das verf\u00fcgbare Material in seinem Aussagewert. So banal das klingen mag, es mu\u00dfte in ca. 130 F\u00e4llen zun\u00e4chst einmal festgestellt werden, von wann bis wann ein bestimmter Verlag \u00fcberhaupt existierte, und, leichter gesagt als getan: Es mu\u00dfte als Voraussetzung f\u00fcr die Angabe der Gr\u00f6\u00dfenordnung die gesamte Produktion jedes einzelnen Verlags ermittelt und erfa\u00dft werden. Und wer hier glaubt, einfach auf die damaligen Verlagsprospekte zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen, wird eines besseren belehrt, denn da Archive sich auch nicht erhalten haben, waren die Chancen, solcher Verzeichnisse habhaft zu werden (sollten die betreffenden Verlage sie \u00fcberhaupt herausgegeben haben), genau so gering. Eine gro\u00dfe Hilfe in vielen F\u00e4llen leistete hier der Verleger- und Institutionenkatalog der Deutschen B\u00fccherei in Leipzig, der, da er nach dem Krieg rekonstruiert werden mu\u00dfte, auch nicht immer vollst\u00e4ndig bzw. l\u00fcckenlos war. So blieben nur Verlagsanzeigen als Korrektur und Erg\u00e4nzung.<\/p>\n<p>Um nun die Problematik dieser Arbeit klarzustellen, ist es notwendig, die Quellenlage, mit der ich mich konfrontiert sah, zu charakterisieren.<\/p>\n<p>Die Grundinformation f\u00fcr die Geschichte der einzelnen Verlage lieferten zwei Institutionen. Wenn eine Firma protokolliert war, konnten wertvolle Informationen aus dem Registerakt (in seltenen F\u00e4llen: dem Registerband) des Handelsgerichts Wien gewonnen werden. Problematisch waren manche Angaben insofern, als die Daten der ersten Eintragung in das Register oder das Datum des Gesellschaftsvertrags und das Datum der L\u00f6schung nur \u00e4u\u00dfere Grenzen darstellen und manchmal wenig \u00fcber den tats\u00e4chlichen Beginn und die Betriebseinstellung des Verlags aussagen. Aber in Ermangelung sonstiger konkreter Daten haben selbst diese Angaben einen Aussagewert. Neben den Registerakten wurden gegebenenfalls auch die Ausgleichs- und Konkursakten des Handelsgerichts ausgewertet, die, da sie eine Begr\u00fcndung des Ansuchens enthielten, \u00fcber die gesch\u00e4ftliche Entwicklung Aufschlu\u00df gaben. Wenig ergiebig war dabei die Suche nach Unterlagen der Gewerbebeh\u00f6rde. Zweite wichtige Quelle waren die Firmenakten jener seinerzeit bei der Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler inkorporierten Unternehmen, aber auch hier waren nicht immer Unterlagen zu jedem Verlag vorhanden bzw. auffindbar. Manche Akten waren ausgesprochen d\u00fcrftig. In F\u00e4llen, wo Verlage als Aktiengesellschaften gegr\u00fcndet oder in eine solche umgewandelt wurden, war die Genehmigung u.a. des Bundeskanzleramtes (Inneres) erforderlich. Daher werden die diesbez\u00fcglichen Akten \u00fcber die Errichtung und Wandlungen der Aktiengesellschaften als Quelle herangezogen. Als vor allem ab 1935 handels- und au\u00dfenpolitische Ma\u00dfnahmen des Dritten Reichs den B\u00fccherverkehr zwischen \u00d6sterreich und dem Deutschen Reich sehr erschwerten, kam einer Reihe von Bundesministerien in Wien gro\u00dfe Bedeutung zu, als Verlagsinhaber ihre Beschwerden und Probleme an diese herantrugen. Hier lieferten die Archivbest\u00e4nde des Bundeskanzleramts (Ausw\u00e4rtige Angelegenheiten), des Bundesministeriums f\u00fcr Unterricht, des Bundesministeriums f\u00fcr Justiz und vor allem des Bundesministeriums f\u00fcr Handel und Verkehr wichtige Unterlagen. Die Verfolgung der Entwicklung eines Verlags nach dem M\u00e4rz 1938 brachte besondere Schwierigkeiten mit sich, aber hier kam dem Chronisten die (\u00f6sterreichische) B\u00fcrokratie zugute. So wurde der Bestand &#8222;Verm\u00f6gensverkehrsstelle&#8220; des Allgemeinen Verwaltungsarchivs nach Verlegern und Verlagsunternehmen abgesucht.<\/p>\n<p>Die von allen Juden abzuliefernde Verm\u00f6gensanmeldung brachte neben den ansonsten nicht verf\u00fcgbaren Geburtsdaten etc. auch Aufschlu\u00df \u00fcber den jeweiligen Verlag. Noch aufschlu\u00dfreicher war &#8211; soweit nicht nur nachweisbar, sondern auch auffindbar &#8211; der Bestand &#8222;Handel&#8220; der Verm\u00f6gensverkehrsstelle, der meist eine l\u00fcckenlose Verfolgung der &#8222;Arisierung&#8220; erm\u00f6glichte. Wesentliches f\u00f6rderte in einzelnen F\u00e4llen das Aktenstudium im Finanzarchiv des Bundesministeriums f\u00fcr Finanzen zutage.<\/p>\n<p>Die genannten Best\u00e4nde der diversen Ministerien sind mit Gewi\u00dfheit nicht die Quellen, auf die man auf Suche nach Auskunft \u00fcber bestimmte Verlage reflexm\u00e4\u00dfig zur\u00fcckgreifen w\u00fcrde. Weiters wurden s\u00e4mtliche Jahrg\u00e4nge des offiziellen Organs des Vereins der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler, der <em> \u00d6sterreichisch-ungarischen Buchh\u00e4ndler-Correspondenz <\/em>(ab 1922: <em>Anzeiger f\u00fcr den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel) <\/em>etwa 1900-1938 und ab 1946 auf Gesch\u00e4ftsberichte, Notizen zu Jubil\u00e4en usw. durchgesehen. Zum selben Zweck wurden <em> &#8220;Der blaue B\u00fccherkurier (<\/em>fr\u00fcher:<em> Novit\u00e4ten-Anzeiger), die \u00d6sterreichisch-ungarische Buchh\u00e4ndler-Zeitung, <\/em>der<em> \u00d6sterreichische Buch- und Steindrucker, <\/em>die<em> Buchdruckerwehr <\/em>usw. wie auch die &#8222;Wiener Briefe&#8220; des <em> B\u00f6rsenblatts f\u00fcr den deutschen Buchhandel <\/em>durchgesehen. F\u00fcr Buchmarktfragen allgemein und f\u00fcr das Jahr 1938\/39 trugen die Unterlagen im Archiv des Buchgewerbehauses in Wien Wesentliches bei. Unentbehrliches Nachschlagewerk war nat\u00fcrlich das Adre\u00dfbuch des \u00f6sterreichischen Buchhandels. Zu Einzelfragen und zu bestimmten Anl\u00e4ssen wurde eine Unzahl von Tageszeitungen und Zeitschriften herangezogen, die im Vergleich zur \u00f6sterreichischen Situation heute sich am Verlagswesen au\u00dferordentlich engagiert und interessiert zeigten, und das nicht nur, wenn ein Unternehmen ins Gerede kam.<\/p>\n<p>Das erste Kapitel dieser Arbeit unternimmt den Versuch, anhand gedruckter Quellen (genauer: unselbst\u00e4ndiger Publikationen) die Entwicklung des Verlagsbuchhandels in \u00d6sterreich etwa vom 15. bis zum 20. Jahrhundert in groben Z\u00fcgen zu skizzieren. Dabei tritt zutage, da\u00df diese Phase einer Buchh\u00e4ndler- oder Buchhandelsgeschichte gleicht, d.h. da\u00df wir im 18. und 19. Jahrhundert dem &#8222;Auch-Verleger&#8220; und erst Anfang des 20. Jahrhunderts dem z\u00f6gernden Beginn des &#8222;Nur-Verleger&#8220;-Typus in \u00d6sterreich begegnen. Es wird auf Fragen wie Konzessionspflicht, Urheberrecht und Pre\u00dfgesetzgebung &#8211; drei Faktoren, die als Hemmschuh wirkten &#8211; n\u00e4her eingegangen. Besonderes Augenmerk wird den allgemeinen Produktions- und Marktbedingungen der letzten zehn Jahre vor 1918 geschenkt, um die \u00dcberg\u00e4nge von der Monarchie zur Republik, von Kriegs- zu Friedenszeiten zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Ebenfalls zu diesem letzteren Abschnitt z\u00e4hlt der \u00dcberblick \u00fcber 20 repr\u00e4sentative Verlage vor 1918, um erstens die in dieser Zeit oft ge\u00e4u\u00dferte Meinung zu untermauern, es g\u00e4be keinen namhaften belletristischen Verlag in \u00d6sterreich, und zweitens (und umgekehrt) zu sehen, welche Arten von Verlagen es denn gegeben hat. Diese Abschnitte \u00fcber einzelne Verlage werden bewu\u00dft nur mit den n\u00f6tigsten Informationen versehen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Teil der vorliegenden Arbeit befa\u00dft sich mit der Zeit zwischen 1933 und 1938\/39. Vieles davon ist nicht rein literarischen Dingen gewidmet. Der Grund daf\u00fcr ist einfach ein Gemeinplatz: 1933 bedeutete den Beginn der intensiven Politisierung von Kunst und Literatur in \u00d6sterreich und Deutschland.<\/p>\n<p>Aber die Mechanismen sind nicht einfach mit Schlagworten zu erkl\u00e4ren. Hier zeigt sich, um eine bestimmte Forschungsrichtung anzusprechen, da\u00df eine Darstellung der Verfolgung der Sozialdemokratie durch Dollfu\u00df\/Schuschnigg und eine Geschichte der &#8222;S\u00e4uberungen&#8220; in verschiedenen, vor allem Arbeiterb\u00fcchereien dazu geeignet ist, Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse hervorzurufen und den Blick f\u00fcr andere Facetten des Verlags- und Buchwesens dieser Jahre zu verstellen. Nach der Devise pars pro toto wird in den meisten F\u00e4llen ein wichtiges Symptom f\u00fcr den Gesamtzustand genommen. Nicht um der Kosmetik willen wird hier versucht, die verschiedensten Seiten der offiziellen und inoffiziellen Politik im Bereich Buchwesen und Verlagsbuchhandel zu analysieren. Da oft irrige Ansichten \u00fcber Zensur und Beschlagnahme im &#8222;St\u00e4ndestaat&#8220; zirkulieren, sind die Kriterien f\u00fcr Verbote zu er\u00f6rtern und im weiteren Verlauf deren Handhabung zu schildern. Damit wird keine Lanze f\u00fcr Konfiskation gebrochen, auch keine Apologie f\u00fcr ein autorit\u00e4res System verfa\u00dft, doch erscheint es notwendig, einer simplifizierenden und tendenzi\u00f6sen Darstellungsweise entgegenzutreten, die darauf hinausl\u00e4uft, die Bedrohung der Eigenst\u00e4ndigkeit \u00d6sterreichs als allein durch den autorit\u00e4ren Kurs eines Dollfu\u00df oder Schuschnigg gegeben zu sehen.<\/p>\n<p>Das Schwergewicht an dieser Stelle der Arbeit liegt daher auf den Beziehungen zwischen \u00d6sterreich und dem Deutschen Reich, auf der Rolle, die NS-Schrifttumspolitik im Verlagsleben in \u00d6sterreich spielte. Breiter Raum mu\u00df dem Komplex des reichsdeutschen Buchdumping im Jahre 1935 gewidmet werden, weil es eine weitere Folge der versuchten Gleichschaltung darstellt und die Situation der \u00f6sterreichischen Verlage, Autoren und Buchh\u00e4ndler verdeutlicht. Dar\u00fcber hinaus wird auf die Antwort auf diese Dumpingpraxis, den Verlagsf\u00f6rderungsfonds, eingegangen. Als n\u00e4chstes wird das Juli-Abkommen des Jahres 1936 als m\u00f6glicher Beginn des kulturellen &#8222;Anschlusses&#8220; eingehend behandelt.<\/p>\n<p>Die Beschreibung der T\u00e4tigkeit des Ausschusses f\u00fcr kulturelle Angelegenheiten zwischen \u00d6sterreich und Deutschland f\u00fchrt wiederum zur Erl\u00e4uterung der Verbotspraxis in \u00d6sterreich und der diversen Behinderungen \u00f6sterreichischer Verlage im Reich. In diesem Zusammenhang wird eine kleine Wirtschaftsfibel geboten, um Vorg\u00e4nge im zwischenstaatlichen Buchhandel verst\u00e4ndlich zu machen. Auch die wichtige Frage der Transferierung von Autorenhonoraren nach \u00d6sterreich und die besondere Lage der &#8222;emigrierten&#8220; Verlage werden behandelt.<\/p>\n<p>Der letzte Abschnitt nennt sich &#8222;Das angeschlossene \u00d6sterreich&#8220; und versucht \u00fcber die Entwicklungen und Ereignisse im Buchhandel und Verlagswesen und in der Standesvertretung einen \u00dcberblick zu bieten. Besonderes Augenmerk verdient dabei die &#8222;Arisierung&#8220; und Liquidation von Verlagen und Buchhandlungen, wobei stellvertretend f\u00fcr andere Firmen einzelne Beispiele der Arisierung von innen und au\u00dfen dokumentiert werden.<\/p>\n<p>Alles in allem liegt das Schwergewicht dieser &#8222;\u00f6sterreichischen&#8220; Verlagsgeschichte auf der Hauptstadt Wien, was keineswegs bedeutet, da\u00df belletristische Verlage in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern keine Ber\u00fccksichtigung f\u00e4nden. Im Gegenteil. Wien war aber die Verlagsmetropole \u00d6sterreichs, wies rein zahlenm\u00e4\u00dfig die allermeisten Verlage auf und stand in engster Verbindung zum Verlagsbuchhandel im Deutschen Reich. Die eigene Rolle der Verlage in den Bundesl\u00e4ndern &#8211; seien sie nationaler und\/oder katholischer Observanz &#8211; m\u00fc\u00dfte vor allem in Hinblick auf deren spezifischen Beitrag zur \u00f6sterreichischen Literatur vornehmlich in den 30er Jahren in einer weiterf\u00fchrenden Arbeit ausf\u00fchrlich analysiert und gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n<p>Bei einer Arbeit dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung waren mir eine ganze Reihe von Einzelpersonen und Institutionen bei Recherchen und Materialbeschaffung behilflich, und daher m\u00f6chte ich ihnen an dieser Stelle meinen Dank aussprechen.<\/p>\n<p>Zu Beginn m\u00f6chte ich dem Leiter und den Mitarbeitern der Deutschen B\u00fccherei in Leipzig danken, namentlich Herrn Dr. Helmut Lohse, der es mir gestattete, mit dem Verleger- und Institutionenkatalog zu arbeiten und somit einen Grundstock der Verlagsproduktion der behandelten Unternehmen zu bilden, ferner Frau Schroeter von der Abteilung Auskunft, die \u2013 zusammen mit ihren Mitarbeitern \u2013 mir in den letzten Jahren immer wieder bei der Vermittlung von schwer auffindbaren Fachschriften und Werklisten verschiedener Verlage unentbehrliche Hilfe leistete, ferner Frau Quaasdorf, die mir beim Besuch der Deutschen B\u00fccherei die ben\u00f6tigten Unterlagen aussuchte.<\/p>\n<p>Weiters bin ich Herrn Dr. Karl Megner, dem Archivar des Buchgewerbehauses in Wien, f\u00fcr seine Geduld und wohlwollende Unterst\u00fctzung bei der Sichtung des Archivs des Vereins der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler zu Dank verpflichtet.<\/p>\n<p>Meine Arbeit im Allgemeinen Verwaltungsarchiv in Wien wurde durch die freundliche Hilfe der dortigen Beamten wesentlich erleichtert. Mein Dank geb\u00fchrt besonders Herrn Dr. Lorenz Mikoletzky, ferner Herrn Peter Clement, Herrn Karl H\u00f6pfinger sowie Herrn Alfred Lechner. Ebenfalls m\u00f6chte ich den Referenten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, des Wiener Stadt- und Landesarchivs sowie der Wiener Stadt- und Landesbibliothek meinen Dank aussprechen.<\/p>\n<p>Mein besonderer Dank gilt Frau Erika Bleier vom Landesgremium Wien des Handels mit B\u00fcchern, Kunstbl\u00e4ttern, Musikalien, Zeitungen und Zeitschriften (Landesgremialvorsteher und Bundesgremialvorsteher Komm.-Rat Dr. Herbert Borufka), deren zuvorkommende Hilfe einen wichtigen Beitrag zu dieser Arbeit darstellte.<\/p>\n<p>Ferner m\u00f6chte ich mich beim Fonds zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Forschung in \u00d6sterreich bedanken, der meine Forschungsarbeit \u00fcber 1 3\/4 Jahre gro\u00dfz\u00fcgig finanziell f\u00f6rderte und es mir erm\u00f6glichte, mich mehr oder weniger &#8222;hauptberuflich&#8220; diesem Projekt zu widmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die sorgf\u00e4ltige Durchsicht des Manuskripts bin ich Herrn Dr. Christian Loidl zu Dank verpflichtet.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00f6chte ich meine Freunde Dr. Gerhard Renner und Werner J. Schweiger nennen. Beide haben mir nicht nur beim Austausch von Materialien und Erfahrungen geholfen, sondern mir auch wertvolle Hinweise gegeben und in stundenlangen Gespr\u00e4chen mich zu wichtigen Einsichten geleitet. F\u00fcr zahlreiche, wertvolle Informationen bin ich einer ganzen Reihe von Personen verpflichtet, die in den jeweiligen Anmerkungen gesondert genannt werden.<\/p>\n<p>Last, but not least m\u00f6chte ich Herrn Univ.-Prof. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler, der diese Arbeit nicht nur anregte, sondern mir auch moralische und fachliche Unterst\u00fctzung gab und jede Phase meiner Arbeit mit Interesse und Engagement verfolgte, meinen gro\u00dfen Dank aussprechen.<\/p>\n<p>Wien, im Herbst 1984<\/p>\n<p>Murray G. Hall<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort [zur Druckausgabe] Eine \u00f6sterreichische Verlagsgeschichte der Zwischenkriegszeit? Besteht Bedarf nach einem solchen Buch? Wir schr\u00e4nken einmal ein, und zwar auf den belletristischen Verlag. Dem w\u00e4re entgegenzuhalten, da\u00df \u00f6sterreichische Literatur bzw. literarische Werke \u00f6sterreichischer Autoren traditionell, d.h. ab der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, im Deutschen Reich verlegt wurden, so\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=29\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":26,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-29","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/29","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/29\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":965,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/29\/revisions\/965"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/26"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}