{"id":326,"date":"2015-09-05T18:27:13","date_gmt":"2015-09-05T16:27:13","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=326"},"modified":"2016-08-14T20:00:20","modified_gmt":"2016-08-14T18:00:20","slug":"ralph-a-hoeger-verlag","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=326","title":{"rendered":"Ralph A. H\u00f6ger-Verlag"},"content":{"rendered":"<h3>Ralph A. H\u00f6ger-Verlag<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/H\u00f6ger-Verlag.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1206\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/H\u00f6ger-Verlag.jpg\" alt=\"H\u00f6ger Verlag Signet\" width=\"140\" height=\"187\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/H\u00f6ger-Verlag.jpg 179w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/H\u00f6ger-Verlag-112x150.jpg 112w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Dieser Verlag wurde von dem am 3. J\u00e4nner 1906 in Wien geborenen gelernten Buchh\u00e4ndler Ralph bzw. Rudolf A. (Adolf) H\u00f6ger gegr\u00fcndet.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"Reference\">[1]<\/span><\/a> H\u00f6ger trat mit 16 Jahren bei Rudolf Heger in die Buchhandelslehre ein und erhielt sein Gehilfenzeugnis durch einj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit bei der Bukum A.G. in Wien. Im Alter von blo\u00df 29 Jahren und mit den erforderlichen Zeugnissen ausgestattet, suchte H\u00f6ger im Februar 1931 bei der Korporation um Verleihung einer Buchhandelskonzession an. W\u00e4hrend die Korporation das Ansuchen gleich im M\u00e4rz bef\u00fcrwortete, zog H\u00f6ger sein Ansuchen Ende des folgenden Monats von sich aus zur\u00fcck. Der Grund: er war inzwischen nach Deutschland ausgewandert und betrieb seit April 1931 das Buchhandelsgewerbe in Berlin, genauer: er gr\u00fcndete den &#8222;Ralph A. H\u00f6ger-Verlag&#8220;, Berlin W 10, Matthaikirchstra\u00dfe 16. Wann H\u00f6ger genau mit der Produktion in Berlin (bzw. Leipzig) begann, ist nicht bekannt. Sp\u00e4testens Ende 1934 erschienen seine Verlagswerke mit dem Impressum &#8222;Leipzig-Wien&#8220;. Im Laufe dieses Jahres mu\u00df sich H\u00f6ger aus unbekannten Gr\u00fcnden entschlossen haben, Deutschland zu verlassen und mit seiner Firma nach Wien zu \u00fcbersiedeln. In Wien begann also 1935 die zweite Produktionsphase. Anfang J\u00e4nner dieses Jahres suchte H\u00f6ger in Wien bei der Korporation um eine Konzession an, die er am 20. M\u00e4rz zum Betriebe des Buchverlages im Standort Wien III., Hetzgasse 42 (sp\u00e4ter: I., Biberstra\u00dfe 22) erhielt.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> Die nicht protokollierte Firma &#8222;Ralph A. H\u00f6ger-Verlag&#8220; d\u00fcrfte noch bis zum &#8222;Anschlu\u00df&#8220; Mitte M\u00e4rz 1938 existiert haben. Belegbar ist diese Vermutung allerdings leider nicht. \u00dcber das weitere Schicksal H\u00f6gers bzw. des Verlags ist so gut wie gar nichts bekannt. Da H\u00f6ger nicht Jude war, m\u00fcssen andere, vielleicht finanzielle Gr\u00fcnde daf\u00fcr ma\u00dfgebend gewesen sein, da\u00df der &#8222;Ralph A. H\u00f6ger-Verlag&#8220; bereits am l. April 1938 unter Zwangsverwaltung gestellt und der Alleininhaber der F. Speidel&#8217;schen Verlagsbuchhandlung, Eugen Swoboda, vom kommissarischen Leiter der Zwangsgilde, Karl Berger, zum Zwangsverwalter bestellt wurde.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>So weit sich feststellen l\u00e4\u00dft, entfiel der Gro\u00dfteil der Produktion dieses Verlags auf die Wiener Zeit. Nach einer vorsichtigen Sch\u00e4tzung, die auf Verlagsanzeigen vor allem ab 1935 beruht, umfa\u00dfte die Gesamtproduktion etwa 52 oder etwas mehr Titel. Eine Analyse der Verlagswerke ergibt zwei f\u00fcr diese Zeit typische Charakteristika. Nach 1933 wurde ganz allgemein im \u00f6sterreichischen Verlagswesen (verst\u00e4rkt nat\u00fcrlich im Fall von Verlagen, die mehr j\u00fcdische Autoren hatten) die durch die &#8222;Ausschaltung&#8220; unerw\u00fcnschter Autoren vom deutschen Buchmarkt entstandene &#8222;L\u00fccke&#8220; vielfach durch \u00dcbersetzungsliteratur gef\u00fcllt. Andere zeitgen\u00f6ssische Beispiele neben H\u00f6ger: E.P. Tal, Verlag Dr. Rolf Passer, Herbert Reichner, Amonesta &amp; Co.<\/p>\n<p>Bei H\u00f6ger erschien \u00dcbersetzungsliteratur aus dem Ungarischen (L. Sz\u00e9kely), Englischen (D.H. Lawrence, Arthur Weigall, B. Morris), Italienischen (R. Calzini, G. Papini, L. Bianchi) und Russischen (A. Awertschenko).<\/p>\n<p>Das zweite Ph\u00e4nomen &#8211; und H\u00f6gers Verlagsprogramm ist durch dieses Genre vor allem ab 1935 geradezu dominiert &#8211; ist das Schwergewicht auf historisch-biographischen Werken, d.h. entweder deklarierten &#8222;Biographien&#8220; oder sonstigen Bearbeitungen historischer Stoffe, Werken \u00fcber zeitgen\u00f6ssische und verstorbene Pers\u00f6nlichkeiten. Ohne jedoch alle diesbez\u00fcglichen Verlagswerke zu autopsieren, scheint es wichtig, festzuhalten, da\u00df die historischen Werke des H\u00f6ger-Verlags sich von denen der F. Speidel&#8217;schen Verlagsbuchhandlung (Jelusich <em>C\u00e4sar, Cromwell <\/em>etc.; Ellert) bzw. des Zsolnay Verlags (etwa: Wladimir von Hartliebs <em>Fridericus Rex) <\/em>abheben. In diesem Zusammenhang sprach ein zeitgen\u00f6ssischer Autor vom &#8222;Mi\u00dfbrauch historischer Gestaltung&#8220;.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a> So finden wir in der Verlagspalette des H\u00f6ger-Verlags Werke \u00fcber historische Figuren wie Dante, Marconi, Peter den Gro\u00dfen, Mona Lisa, Wilhelm Tell, den Sohn der Marie Antoinette, Johannes Kepler, Oswald von Wolkenstein, Theodor Herzl, Marie Louise, Nero, Radetzky, Kaiser Karl I usw. Auch \u00fcber Zeitgenossen verlegte H\u00f6ger biographisch-historische Werke, wie etwa \u00fcber Benito Mussolini, Otto von Habsburg, Grete Garbo und Edward, Herzog von Windsor.<\/p>\n<p>Da\u00df diese Wende zum Historischen im Verlagsprogramm &#8211; wie es \u00fcberhaupt dem literarischen Zeitgeist teilweise entsprach &#8211; kein Zufall war, sondern da\u00df die Produktion zielbewu\u00dft in diese Richtung gesteuert wurde, zeigt ein Preisausschreiben, das der junge Verleger Mitte 1935 veranstaltete.<\/p>\n<p>Es ging H\u00f6ger nicht nur darum, neue Werke zu bekommen, sondern unentdeckten dichterischen Talenten eine Chance zu gehen. Au\u00dfergew\u00f6hnlich an diesem Preisausschreiben war neben der Festlegung auf &#8222;den besten historischen Roman&#8220; auch das hohe Preisgeld, das mit einer Dotierung von 5.000 Schilling genau f\u00fcnfmal gr\u00f6\u00dfer war als der \u00d6sterreichische Staatspreis f\u00fcr Literatur!<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a> Wegen des dokumentarischen Werts wird die diesbez\u00fcgliche Zeitungsmeldung in extenso zitiert:<\/p>\n<p class=\"zitat\" style=\"text-align: left;\"><em>5000 Schilling f\u00fcr einen Dichter!<br \/>\n<\/em>Wie der &#8222;Morgen&#8220; als erstes Blatt mitteilen kann, hat der junge Wiener Verlag, Ralph A. H\u00f6ger, soeben ein Preisausschreiben erlassen. Der ambitionierte Verleger sucht f\u00fcr seine Herbst-Produktion den besten historischen Roman in deutscher Sprache und sichert dem auserw\u00e4hlten Einsender au\u00dfer den Tantiemen einen Preis von 5000 Schilling zu. Bis zum 31. August 1935 m\u00fcssen die Manuskripte beim Wiener Verlag eingesandt werden. Die endg\u00fcltige Entscheidung wird bereits vierzehn Tage sp\u00e4ter, also am 15. September, bekanntgegeben, da der Roman bereits Ende dieses Jahres erscheinen wird.<br \/>\n<em>Nur deutsche Autoren<br \/>\n<\/em>&#8222;Jawohl ich setze 5000 Schilling f\u00fcr den besten historischen Roman aus, der mir bis Ende August eingereicht wird. Die Einsendungen haben unter voller Namensnennung zu erfolgen&#8220;, erkl\u00e4rt der Verleger, der mit dem preiszukr\u00f6nenden Roman f\u00fcr den Herbst Werke wie D.H. Lawrence &#8222;Der wei\u00dfe Pfau&#8220;, und ein neues Calcini-Werk, &#8222;Klassischer Vollmond&#8220;, erworben hat. Au\u00dfer einer &#8222;Maria-Luise&#8220;-Biographie von Gertrude Aretz hat H\u00f6ger dann noch einen neuen ungarischen Autor, Sz\u00e9kely, n\u00e4mlich dessen Roman &#8222;Tropenfieber&#8220;, erworben.<br \/>\n&#8222;Nur in deutscher Sprache geschriebene Manuskripte kommen in Frage. \u00dcbersetzungen oder Bearbeitungen k\u00f6nnen nicht konkurrieren. Ich suche neue Namen, neue Menschen, einen neuen Dichter &#8211; es soll mich freuen, wenn es ein \u00d6sterreicher ist.&#8220;<br \/>\n<em>Sogar handgeschriebene Romane konkurrenzf\u00e4hig<br \/>\n<\/em>H\u00f6ger verlangt nicht einmal Manuskripte, die mit der Maschine geschrieben sind; er will wirklich denen eine Chance geben, die noch ganz unentdeckt sind. Es ist sch\u00f6n, da\u00df es gerade ein junger Wiener Verleger ist, der auf Entdeckungssuche geht.<br \/>\nEs ist nicht das erstemal, da\u00df der Ralph-A.-H\u00f6ger-Verlag von sich Reden macht; aber er hat sich v\u00f6llig umgestellt und beabsichtigt nunmehr, nicht nur der politischen Literatur ein Obdach zu gew\u00e4hren. Es ist keine Zeitflucht, die ihn gerade historische Romane suchen l\u00e4\u00dft. Die tiefe Erkenntnis, da\u00df die heutigen Leser von den schweren Zeiten in geschichtlichen Parallelen &#8222;Erholung&#8220; und Entspannung suchen, leitet das Preisausschreiben.<br \/>\n<em>Der Morgen<\/em> (Wien), 1.7.1935, 4)<\/p>\n<p>Gerade die letzten Feststellungen sind interessant: Ob man von den historischen Romanen eines Mirko Jelusich oder eines Franz Spunda behaupten k\u00f6nnte, sie dienten nur der &#8222;Erholung&#8220; oder &#8222;Entspannung&#8220;, kann stark bezweifelt werden. Wer den Preis gewann, war nicht zu eruieren.<\/p>\n<p>Zu den zeitgen\u00f6ssischen \u00f6sterreichischen Autoren des H\u00f6ger-Verlags geh\u00f6rten u.a. Alexander Lernet-Holenia <em>(Mona Lisa), <\/em>Fred Eggarter, Hilde Spiel,<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"Reference\">[6]<\/span><\/a> die ihr zweites Buch hier erscheinen lie\u00df <em>(Verwirrung am Wolfgangsee, <\/em>1935), und Edith Zellweker, die, als ihr Erstlingswerk <em>Und seine Tochter ist der Peter <\/em>1935 erschien und mit dem Julius Reich-Preis ausgezeichnet wurde, erst 19 Jahre alt war.<\/p>\n<p>Ob der H\u00f6ger-Verlag Schwierigkeiten hatte, seine B\u00fccher nach Deutschland einzuf\u00fchren, ist nicht bekannt. Da\u00df er &#8211; im Vergleich zu manch anderen Verlagen dieser Zeit &#8211; den \u00f6sterreichischen Markt zur Kenntnis nahm, geht daraus hervor, da\u00df er sich \u00f6fter des schwachbr\u00fcstigen <em>Anzeigers <\/em>als Werbetr\u00e4ger bediente.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die hier folgenden Ausf\u00fchrungen sind zur G\u00e4nze dem Akt Ralph A. H\u00f6ger-Verlag der ehemaligen Korporation entnommen.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe Gutachten vom 21. J\u00e4nner 1935: &#8222;Mit R\u00fccksicht auf die mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als 1. Sortimentsgehilfe besitzt der Gesuchswerber die entsprechende Allgemeinbildung und die erforderlichen Erfahrungen, womit der Bef\u00e4higungsnachweis erbracht erscheint.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Schreiben des Kommissarischen Leiters an die Handelskammer Wien, vom 1. April 1938. (Archiv Buchgewerbehaus Wien, V 1938, Mappe 504.)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> AVA, Vaterl\u00e4ndische Front (VF), Karton 38. Denkschrift \u00fcber die Lage und die W\u00fcnsche des \u00f6sterreichischen Schrifttums, vorgebracht beim \u00d6sterreichischen Dichtertreffen am 16. November 1936 von Dr. Theodor Heinrich Mayer, S. 2.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> W\u00e4hrend also H\u00f6ger 1935 ein Preisausschreiben veranstaltete und der Wiener Krystall-Verlag 1937 im Rahmen der Wiener Festwochen einen &#8222;Dichterwettbewerb f\u00fcr Lyrik 1937&#8220; organisierte (s.d.), gab es in diesem Jahrein &#8222;Preisausschreiben der Stadt Wien f\u00fcr Romane&#8220;. F\u00fcr die Literaturpolitik des St\u00e4ndestaates auf kommunaler Ebene mag dieses Ereignis stellvertretend sein. Hier einige Ausz\u00fcge aus den &#8222;Bestimmungen \u00fcber den von der Stadt Wien auszuschreibenden Romanwettbewerb&#8220;: &#8222;1. Die Stadt Wien schreibt f\u00fcr das Jahr 1938 einen Preis in der H\u00f6he von 2000 S f\u00fcr den besten Roman aus, der in gew\u00e4hlter oder echt volkst\u00fcmlicher Sprache und in k\u00fcnstlerischer Form ein Thema aus dem Wiener Milieu (Geschichte oder Gegenwart) in ethisch hochstehender Art behandelt.&#8220; Zur Preiszuerkennung wurden zwei Jurys eingesetzt: eine &#8222;Volksjury&#8220; und eine &#8222;Schriftstellerjury&#8220;. W\u00e4hrend die Volksjury aus &#8222;Volkskreisen&#8220; gebildet wurde, setzte sich die Schriftstellerjury aus drei vom Kunstbeirat gew\u00e4hlten Pers\u00f6nlichkeiten zusammen. Der Schriftstellerjury oblag die erste Sichtung, der Volksjury oblag es, &#8222;die gesichteten Werke auf ihre volkst\u00fcmliche Wirkung zu pr\u00fcfen&#8220;. Schlie\u00dflich hatten die Schriftsteller die Aufgabe, in Form von Gutachten dem B\u00fcrgermeister die ausgew\u00e4hlten Werke zu pr\u00e4sentieren. Einsendeschlu\u00df war der 15. Februar 1938, und die Jurys mu\u00dften ihre Urteile bis 15. Juni 1938 abgeben. (Siehe: <em>\u00d6sterreichische Rundschau. Land-Volk-Kultur <\/em>(Wien), 3. Jg., 1937, S. 188 f.) N\u00e4heres zum Preisausschreiben geht aus dem entsprechenden Sammelakt der St\u00e4dtischen Sammlungen (St.S. 150\/37) hervor, der sich heute im Archivbestand der WrStLb befindet. In diesem Akt finden sich neben den Bewerbungsschreiben (genauer: mit Kennworten versehenen Zetteln) der einzelnen Autoren auch die gesamte amtliche Korrespondenz, die zur Wettbewerbsausschreibung f\u00fchrte. Das Preisausschreiben geht auf einen Beschlu\u00df des Wiener B\u00fcrgermeisters vom 7.3.1936 zur\u00fcck, wonach die Sektion f\u00fcr Literatur des Kunstbeirates eingeladen wurde, Aufgaben und Bestimmungen f\u00fcr einen solchen Preis vorzuschlagen. Da hei\u00dft es beispielsweise in einem Schreiben vom 27.I.1937 an den B\u00fcrgermeister: &#8222;Ferner seien den Romanschriftstellern bestimmte Themen (aus der Wiener Geschichte; Heimatliebe, Staatstreue, Familiensinn) als Preisaufgabe zu stellen.&#8220; Als Beispiel wurde &#8222;Die Spinnerin am Kreuz&#8220; angef\u00fchrt. Auf etablierte Wiener Autoren \u00fcbte dieses neue Preisausschreiben so gut wie keine Faszination aus. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der nicht sehr zahlreichen Bewerber war schon damals nicht allzu bekannt und rekrutierte sich vielfach aus denjenigen &#8222;Hobbydichtern&#8220;, die seit dem Jahre 1924 sich fast j\u00e4hrlich um den Preis der Stadt Wien f\u00fcr Dichtkunst erfolglos bewarben. W\u00e4hrend die Bewerbungen vom literarhistorischen Standpunkt aus von geringem Interesse sind, beanspruchen die Vorg\u00e4nge rund um die Nominierung der Schriftstellerjury mehr Interesse. In Frage kamen &#8211; wie sich herausstellt &#8211; Autoren, die z.T. mit einem Bein im katholischen, mit dem zweiten im nationalen Lager standen. Dem allerersten Vorschlag zufolge sollten Franz Nabl, Max Mell und Rudolf List in der genannten Jury sitzen. Nabl lehnte die Berufung in das Ehrenamt in einem Schreiben vom 5.7.1937 mit der Begr\u00fcndung ab, da\u00df &#8222;ich selbst mit gr\u00f6\u00dferen Arbeiten besch\u00e4ftigt bin, die keinerlei Ablenkung und auch keinen Aufschub vertragen&#8220;. In seiner Ablehnung vom 29.6.1937 schrieb Max Mell u.a.: &#8222;Ich allerdings habe eigener Arbeiten wegen, die mir die Zeit zum Lesen naturgem\u00e4\u00df einschr\u00e4nken, keine M\u00f6glichkeit, als Preisrichter mitt\u00e4tig zu sein.&#8220; Ersatzleute f\u00fcr die Genannten standen gleich von Anfang an fest. F\u00fcr Nabl waren es Theodor Heinrich Mayer und Friedrich Schreyvogl, f\u00fcr Mell waren es Josef Weinheber und Herbert Strutz und f\u00fcr List Josef Neumair. F\u00fcr die Libretti-Jury war auch Franz Karl Ginzkey vorgeschlagen worden. Ginzkey teilte den St\u00e4dtischen Sammlungen in einem Brief aus Salzburg vom 21.7.1937 mit, er sei &#8222;mit bestem Willen nicht in der Lage&#8220;, in die Jury einzutreten. &#8222;(&#8230;) es ist mir aber ganz unm\u00f6glich, im Hinblick auf meine, meine Zeit v\u00f6llig ersch\u00f6pfenden zahlreichen Nebenbesch\u00e4ftigungen auch noch die Mu\u00dfe zur Pr\u00fcfung von Operettenlibrettis aufzubringen.&#8220; Mit Hinweis auf seine Mitgliedschaft im Preisgericht f\u00fcr den Staatspreis des Unterrichtsministeriums k\u00f6nne er &#8222;kaum noch eine Minute er\u00fcbrigen&#8220;. Josef Weinheber hingegen war &#8222;gerne bereit&#8220;, in die Schriftstellerjury einzutreten, wie aus den zwei im Akt enthaltenen Briefen des Autors hervorgeht. Die Preisrichter f\u00fcr den Librettowettbewerb waren: Julius Bittner, Dr. Karl Lahr, Max Millenkowich, Robert Prosl und Julius Horst. Beim Romanwettbewerb setzte sich die Jury aus Theodor Heinrich Mayer, der selber Bewerber war, Josef Weinheber und Rudolf List zusammen. Nach Einsendeschlu\u00df gab es &#8222;96 Einreichungen von Librettoentw\u00fcrfen&#8220; und 42 eingelangte Romane. Sowohl die Pr\u00fcfung der eingereichten Arbeiten durch die Jury als auch das Preisausschreiben an sich wurden durch die Ereignisse im M\u00e4rz 1938 komplizierter gemacht. Das Problem l\u00e4\u00dft sich am besten durch ein l\u00e4ngeres Zitat aus einem Schreiben der St\u00e4dtischen Sammlungen an den Herrn B\u00fcrgermeister vom 22.4.1938 pr\u00e4sentieren: ;,Die gefertigte Direktion erlaubt sich nun die Anfrage an den Herrn B\u00fcrgermeister, ob die Preisausschreiben eingestellt oder ob sie ge\u00e4ndert werden sollen, da sie mit der nun herrschenden Beurteilung des Schrifttums insoferne nicht in Einklang stehen, als sich das Recht der Teilnahme nicht auf deutschbl\u00fctige Schriftsteller beschr\u00e4nkte. Da die Einreichungen unter Kennwort erfolgten und die verschlossenen Kuverts mit Namen und Adressen erst nach dem Schiedsspruch er\u00f6ffnet werden sollen, ist eine Preiszuerkennung an nichtarische Schriftsteller nicht ausgeschlossen. <em>Nach <\/em>dem Schiedsspruch der Preisrichter aber von den Preistr\u00e4gern einen Abstammungsnachweis zu fordern, w\u00e4re sehr kompliziert und w\u00fcrde nicht sicher zum Ziele f\u00fchren. Es ergeben sich nach Ansicht der gefertigten Direktion zwei M\u00f6glichkeiten die Schwierigkeit zu l\u00f6sen; die erste w\u00e4re, die Wettbewerbe ganz einzustellen, mit der Begr\u00fcndung, da\u00df die Ausschreibung auf die in Deutschland erforderliche volkhafte Bindung der Literatur keinen Bezug genommen habe. Das k\u00f6nnte umso leichter geschehen, wenn gleichzeitig ein neues Preisausschreiben in Aussicht gestellt w\u00fcrde, an dem sich nur arische Wiener Schriftsteller beteiligen k\u00f6nnen. Die zweite M\u00f6glichkeit w\u00e4re, da\u00df nur jene Kennworte von den Preisgerichten in Ber\u00fccksichtigung gezogen werden, deren Tr\u00e4ger sich in einer an die Direktion der St\u00e4dtischen Sammlungen zu richtenden Erkl\u00e4rung der Nachpr\u00fcfung ihrer arischen Abstammung unterwerfen.&#8220; Um sich diese m\u00f6gliche Peinlichkeit zu ersparen, haben die Verantwortlichen sich entschlossen, das Preisausschreiben einzustellen.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Frau Dr. Hilde Spiel, Wien (dzt. London), bin ich f\u00fcr eine Reihe von interessanten Details zu H\u00f6ger und seinem Verlag sehr zu Dank verpflichtet. &#8222;Ralph A. H\u00f6ger habe ich dadurch kennengelernt, da\u00df er eine Weile mit meiner Freundin (&#8230;) verheiratet war (&#8230;). H\u00f6ger war eine sonderbare, zwielichtige Erscheinung. Er kannte G\u00f6ring als junger Mann, war aber kein Nazi, sondern ein gl\u00e4ubiger Katholik (&#8230;). Er hatte aus einer nie genau eruierbaren Quelle in Italien, ganz gewi\u00df einer faschistischen, Geld f\u00fcr einen Verlag bekommen und eine Weile lang in Wien B\u00fccher publiziert, darunter ausgezeichnete. (&#8230;) Ich k\u00f6nnte mir denken, da\u00df seine Beziehungen zu Italien, seine einige Jahre dauernde Ehe mit einer J\u00fcdin und seine m\u00f6glicherweise bestehenden Bindungen an eine Heimwehr oder \u00e4hnliche Organisation ihn in Schwierigkeiten brachten, als die Nazis kamen.&#8220; Durch die Vermittlung von Frau Dr. Spiel erschien 1935 der 700seitige historische Roman <em>Wolkenstein oder Die ganze Welt<\/em> von CARL JOHANN LEUCHTENBERG. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich ihr erster Mann Peter de Mendelssohn, und das wiederum wirft ein anderes Licht auf viele &#8222;Autorennamen&#8220; , die einem ansonsten nicht sehr gel\u00e4ufig sind und die bei \u00f6sterreichischen Verlagen in den 30er Jahren aufscheinen. Eben durch diese &#8222;Tarnung&#8220; gelang es manchem entsprechend gesinnten Verleger, &#8222;unerw\u00fcnschte&#8220; Autoren doch noch auf den reichsdeutschen Markt zu bringen. Ernst Peter Tal versuchte dasselbe \u00fcber Emigrantenverlage in Amsterdam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ralph A. H\u00f6ger-Verlag Dieser Verlag wurde von dem am 3. J\u00e4nner 1906 in Wien geborenen gelernten Buchh\u00e4ndler Ralph bzw. Rudolf A. (Adolf) H\u00f6ger gegr\u00fcndet.[1] H\u00f6ger trat mit 16 Jahren bei Rudolf Heger in die Buchhandelslehre ein und erhielt sein Gehilfenzeugnis durch einj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit bei der Bukum A.G. in Wien. Im\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=326\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-326","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/326","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=326"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/326\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2535,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/326\/revisions\/2535"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}