{"id":348,"date":"2015-09-05T18:50:34","date_gmt":"2015-09-05T16:50:34","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=348"},"modified":"2016-08-15T18:59:48","modified_gmt":"2016-08-15T16:59:48","slug":"krystall-verlag","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=348","title":{"rendered":"Krystall-Verlag"},"content":{"rendered":"<h3>Krystall-Verlag (Wien-Leipzig)<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">Umst\u00e4nde um die Betriebseinstellung (1939-42)<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">Die Produktion<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Krystall-Verlag.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1237\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Krystall-Verlag.jpg\" alt=\"Krystall Verlag Signet\" width=\"170\" height=\"163\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Krystall-Verlag.jpg 211w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Krystall-Verlag-157x150.jpg 157w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Krystall-Verlag-150x144.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/><\/a>Der Krystall-Verlag ist in Zusammenhang mit der Erforschung der national-v\u00f6lkischen Literatur \u00d6sterreichs in den 30er Jahren wegen einer einzigen, sagen wir, ideologisch stark gef\u00e4rbten Publikation indirekt zu einer Bekanntheit gelangt, die ansonsten auf Grund der \u00fcbrigen &#8222;literarischen&#8220; Produktion gewi\u00df nicht unbedingt gerechtfertigt erscheint. Gemeint ist hiemit das <em>Bekenntnisbuch \u00f6sterreichischer Dichter, <\/em>dessen Planung und Konzeption in die Zeit zwischen dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220; und dem Juni 1938 gefallen ist. Das<em> Bekenntnisbuch <\/em>setzte zugleich den Schlu\u00dfpunkt in der Produktion des Krystall-Verlags.<\/p>\n<p>Wie Josef Weinheber in einem Brief vom 26. Juni 1935 an den Herausgeber der Nazi-Literaturzeitschrift <em>Neue Literatur, <\/em>Will Vesper, festh\u00e4lt, war der Krystall-Verlag urspr\u00fcnglich &#8222;eine Unternehmung der staatlichen Pfandleihanstalt ,Dorotheum&#8220;&#8220;.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"Reference\">[1]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Auf Grund eines Gesellschaftsvertrags vom 29. November 1921 wurde am 7. Februar 1922 die Firma &#8222;Belvedere&#8220;-Verlag Ges.m.b.H. unter Reg. C, Band 61, pagina 208 ins Wiener Handelsregister eingetragen. Betriebsgegenstand dieses dem Dorotheum nahestehenden Unternehmens war u.a. die Herausgabe und der Verlag von periodisch erscheinenden Druckschriften, insbesondere von <em>Belvedere. Kunstzeitschrift f\u00fcr Sammler<\/em><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> sowie der kommissionsweise Verkauf von Kunstgegenst\u00e4nden und das Antiquariat. Das Stammkapital betrug 600.000 Kronen, und die beiden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Leopold Satori und Alfred Juritzki waren Beamte des Dorotheums bzw. auch Kunsth\u00e4ndler. Durch einen Beschlu\u00df der Gesellschafter vom 7. April 1922 nahm die Firma den endg\u00fcltigen Namen &#8222;Krystall-Verlag Ges.m.b.H.&#8220; (Eintragung: 28.4.1922) aus gegebenem Anla\u00df an. Durch den von Amts wegen bem\u00e4ngelten &#8222;Gleichlaut&#8220; der Firma &#8222;Belvedere-Verlag&#8220; mit dem Namen des Schlosses &#8222;Belvedere&#8220; ergaben sich wiederholt Schwierigkeiten. Die Verwaltung des Schlosses richtete daher eine Beschwerde an den Verlag und legte ihm nahe, den Firmennamen zu \u00e4ndern.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es wurde nun neben der Zeitschrift <em>Belvedere <\/em>eine ganze Anzahl von Kunstb\u00fcchern und kunsthistorischen Periodika, die noch zu nennen sein werden, gedruckt, &#8222;mit vorz\u00fcglichen Reproduktionen, weil das ,Dorotheum&#8220; ja \u00fcber sehr viel Geld verf\u00fcgte&#8220; (JWB, S. 178). Dann kam der sog. &#8222;Dorotheumskandal&#8220; inmitten einer an Skandalen und Korruption so reichen Zeit. Denn ein neues Statut aus dem Juli 1923 gab dem Dorotheum das Recht zur Aus\u00fcbung von Bankgesch\u00e4ften. Wie F. Czeike schreibt, war es gerade dieses Bankinstitut, &#8222;das wenige Jahre sp\u00e4ter ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, als es infolge mi\u00dfgl\u00fcckter Transaktionen, vor allem jedoch infolge des unerwarteten Zusammenbruchs eines soliden amerikanischen Bankhauses, \u00fcber welches man Industriekredite vergeben hatte, enorme Verluste erlitt&#8220;.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a> Im Klartext hei\u00dft das allerdings &#8211; und weniger sch\u00f6nf\u00e4rbend ausgedr\u00fcckt &#8211; da\u00df das staatliche Dorotheum der Versuchung nicht widerstehen konnte, die Spekulationswelle zu reiten.<\/p>\n<p>Danach wurde der Krystall-Verlag &#8211; so Weinheber wieder &#8211; &#8222;abgesto\u00dfen, und die fr\u00fcheren Beamten taten sich zu einer Art Arbeitsgemeinschaft unter Leitung eines Dr. Juraschek zusammen&#8220;. (JWB, 178) Der \u00dcbergang war rechtlich weitaus komplexer, als da\u00df Weinheber \u00fcber alle Einzelheiten informiert sein konnte. Handelsrechtlich ging das so vor sich: die beiden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Satori und Juritzki gingen, Dr. Franz Juraschek und Dr. Leopold Ruprecht wurden noch 1924 zu den neuen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern bestellt und diese Bestellung am 27. J\u00e4nner 1925 ins Handelsregister eingetragen. Um den Verlag \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen, mu\u00dfte Juraschek nicht weniger als 39 Millionen Kronen aufbringen und zus\u00e4tzlich 50 Millionen bei der Bank des Dorotheums zur Einzahlung bringen. Im August 1926 trat der aus Hadersdorf-Weidlingau stammende Landesregierungsrat i.R. Ing. Edwin Beigl als dritter Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in den Krystall-Verlag ein.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a> Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ruprecht &#8211; ein Beamter des Dorotheums &#8211; schied im August 1927 aus der Firma wieder aus, und nur der 1895 in Wien geborene promovierte Kunsthistoriker Dr. Franz (Ritter von) Juraschek blieb bis zum bitteren Ende in der Firma t\u00e4tig.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"Reference\">[6]<\/span><\/a> Bis zur Einstellung des Betriebs, auf die wir noch zu sprechen kommen, \u00e4nderte sich nur wenig im Bereich dessen, was dem Handelsgericht gemeldet werden mu\u00dfte: nach dem Goldbilanz-Gesetz wurde das Stammkapital am 22.8.1927 mit S 10.000 angegeben. Von dieser Summe kontrollierte Juraschek nach endg\u00fcltiger \u00dcbernahme aller Gesch\u00e4ftsanteile des Dorotheums per 31.3.1927 ca. 92% des Stammkapitals. Im Herbst 1927 trat ein Kunsthistoriker und Beamter des Dorotheums, Dr. Felix Horb, als Kollektiv-Prokurist in die Firma ein. 1931 fungierte ein paar Monate lang Adolf Heine-Geldern neben Juraschek als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Am 24. Dezember 1942 wurde die Firma &#8222;Krystall-Verlag&#8220; &#8222;von amtswegen&#8220; aus dem Handelsregister Wien gel\u00f6scht.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"Reference\">[7]<\/span><\/a><\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Umst\u00e4nde um die Betriebseinstellung (1939-42)<\/h3>\n<p>Zum Zwecke der Einsparung in der nicht gewinnorientierten Verlagst\u00e4tigkeit verzichtete der alleinige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Hauptgesellschafter des Krystall-Verlags, Franz Juraschek, in den Jahren 1934-38 im Gegensatz zu den Jahren davor auf die Mitarbeit von Angestellten. Zum Schlu\u00df &#8211; im Jahre 1938 &#8211; arbeitete Juraschek allein mit seiner Frau. Im ersten Halbjahr nach dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220; gelang es Juraschek, fast ein Dutzend neue Titel herauszubringen. Die gewichtigste und zugleich profittr\u00e4chtigste Publikation darunter war das vorhin erw\u00e4hnte <em>Bekenntnisbuch, <\/em>wodurch Juraschek &#8222;in kurzer Zeit die wirtschaftliche Sanierung&#8220; (Juraschek) erwartete. Wie hoch die Auflage der normalen Ausgabe war, ist nicht bekannt. Angesichts der Tatsache jedoch, da\u00df es von diesem Werk zus\u00e4tzlich noch eine nicht im Handel befindliche Sonderausgabe in Ganzleinen als Festgabe f\u00fcr die 5. Reichstheaterfestwoche gab, kann man sich vorstellen, da\u00df Juraschek &#8211; was f\u00fcr seinen Betrieb au\u00dfergew\u00f6hnlich w\u00e4re &#8211; mehr als nur die Herstellungskosten hereinbrachte. Die &#8222;Sanierung&#8220; wurde durch die Abberufung Jurascheks in den Reichsdienst unterbrochen. Im September 1938 wurde er fallweise f\u00fcr Denkmalpflegearbeiten vom Ministerium f\u00fcr innere kulturelle Verwaltung herangezogen und ab 1. Dezember 1938 vollkommen daf\u00fcr in Anspruch genommen. Juraschek war daher gezwungen, ab 1. J\u00e4nner 1939 den Verlag stillzulegen und in nur vor\u00fcbergehenden Gesch\u00e4ftsstunden die laufenden Gesch\u00e4fte abzuwickeln. Als er dann mit 1. M\u00e4rz 1939 nach Linz versetzt wurde, mu\u00dfte er selbst die beschr\u00e4nkte T\u00e4tigkeit aufgeben und das Gesch\u00e4ft sperren. Obwohl gleichzeitig Verhandlungen wegen einer m\u00f6glichen \u00dcbersiedlung des Verlags nach Linz aufgenommen wurden und ein fixer Zeitpunkt in Aussicht gestellt wurde (Sommer 1940), wurden die Pl\u00e4ne wegen des Kriegszustands nicht realisiert. Statt dessen wurde der Verlag in Wien vollkommen stillgelegt, nachdem Juraschek Ende April 1939 gezwungen worden war, seine Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume in Wien zu r\u00e4umen. Zumal s\u00e4mtliche Werkbest\u00e4nde in Kisten verpackt und abgelagert wurden, konnte vom Verlag aus nichts mehr ausgeliefert werden.<\/p>\n<p>Wie Juraschek ferner in seinem Bericht schreibt, hatte er mit R\u00fccksicht auf diese Verh\u00e4ltnisse verzichtet, f\u00fcr den Krystall-Verlag die Mitgliedschaft bei der RSK zu erwirken.<\/p>\n<p>Bis Ende 1942 gelang es Juraschek, die gesamten Verlagsverpflichtungen zu erledigen, womit die amtswegige L\u00f6schung erfolgen konnte.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span class=\"Reference\">[8]<\/span><\/a><\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> Die Produktion<\/h3>\n<p>Erst im Jahre 1926, also ungef\u00e4hr zwei Jahre nach dem Eintritt Jurascheks in den Verlag, begann der Krystall-Verlag z\u00f6gernd mit der Verlegung von sch\u00f6ngeistiger Literatur. Bis dahin bestand die Produktion ausschlie\u00dflich aus wissenschaftlichen, vor allem kunstwissenschaftlichen Publikationen wie z.B.: <em>Amicis. Jahrbuch der \u00d6sterreichischen Galerie; Artes Austria. Studien zur Kunstgeschichte \u00d6sterreichs; <\/em>die illustrierte Monatsschrift <em>\u00d6sterreichs Bau- und Werkkunst; Beitr\u00e4ge zur vergleichenden Kunstforschung; Belvedere; Wiener Jahrbuch f\u00fcr Kunstgeschichte; \u00d6sterreichische Kunsttopographie, <\/em>um nur die Reihen zu nennen. Das erste sch\u00f6ngeistige Werk, ein Lyrikband von Josef Weinheber &#8211; <em>Boot in der Bucht<\/em> &#8211; erschien am 2. Dezember 1926. Weinheber trat nach eigener Aussage<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"Reference\">[9]<\/span><\/a> im Sommer dieses Jahres zu dem Verlag in Beziehung: &#8222;Die Leute hatten jetzt alle miteinander kein Geld und begannen Lyrik auf Subskription zu drucken (darunter mein Boot in der Bucht)&#8220; (a.a.O.). Am Erscheinen des vierten Weinheber-Buchs sollen zwei Herren ma\u00dfgeblich beteiligt gewesen sein: Dr. Hermann R. Leber (6.8.1900-2.1.1974, Wien) und Dr. Gustav Adolf K\u00fcnstler (1.3.1902, Wien-28.5.1974). Beide waren zu dieser Zeit &#8222;Lektoren&#8220; des Krystall-Verlags.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"Reference\">[10]<\/span><\/a> Ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit &#8211; so behauptet zumindest Ruth V. Gross in ihrem &#8222;Portr\u00e4t&#8220; der Zeitschrift <em>Plan<\/em><a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><span class=\"Reference\">[11]<\/span><\/a> &#8211; soll Otto Basil (24.12.1901, Wien &#8211; 19.2.1983, ebda) &#8222;reader and editor&#8220; (S. 8) gewesen sein. Wie lange ist nicht klar.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><span class=\"Reference\">[12]<\/span><\/a> In der 1930 erschienenen <em>Anthologie junger Lyrik aus \u00d6sterreich <\/em>(Hg. Friedrich Sacher; Vorwort von Richard v. Schaukal) ist Basil (\u00fcbrigens neben Weinheber und vielen anderen) jedenfalls vertreten.<\/p>\n<p>Aber es ist besonders Leber, der laut Weinheber &#8222;dort eine Art Volont\u00e4r&#8220; war, &#8222;jedenfalls hatte er nichts zu reden und sa\u00df halt so herum&#8220; (JWB, 178), und im Wiener Verlagsleben bis 1938 eine selbst unter nationalen \u00f6sterreichischen Autoren nicht unumstrittene und sonst eher zwielichtige Rolle spielte. Er war 1921 nach Wien gekommen, studierte zwei Semester Kunstgeschichte an der Universit\u00e4t Wien und zog nach Deutschland, wo er in Freiburg das Doktorat machte. 1925 kehrte er &#8211; zum Krystall-Verlag &#8211; nach Wien zur\u00fcck, war aber schon 1927 als Lektor beim M\u00fcnchner R. Piper &amp; Co. Verlag t\u00e4tig. Anl\u00e4\u00dflich dieses Umzugs sollen die Verlagsartikel des Krystall-Verlags zur G\u00e4nze an Piper in M\u00fcnchen verkauft worden sein.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><span class=\"Reference\">[13]<\/span><\/a> Zwischendurch war Leber beim Amalthea Verlag t\u00e4tig und Mitarbeiter der Zeitschrift <em>Kunst und Kultur der Vergangenheit. <\/em>1932 war Leber erneut in Wien, und zu dieser Zeit &#8222;machte er sich an mich heran&#8220; &#8211; so Josef Weinheber im mehrfach zitierten Brief an Vesper vom 29. Juni 1935 &#8211; &#8222;und ich f\u00fchrte ihn in meiner Eigenschaft als Fachberater bei den nationalen Schriftstellern ein&#8220; (a.a.O., S. 178). Auf die Rolle Lebers als &#8222;Vertrauensmann der Landesleitung der N.S.D.A.P. in \u00d6sterreich&#8220; und &#8222;guter Wahl\u00f6sterreicher&#8220;<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><span class=\"Reference\">[14]<\/span><\/a> in Zusammenhang mit der &#8222;Nationalisierung&#8220; des Paul Zsolnay Verlags im Sommer 1934 wird an anderer Stelle eingegangen werden.<\/p>\n<p>Auch Gustav Adolf K\u00fcnstler sprang von der &#8222;Arbeitsgemeinschaft&#8220; des Krystall-Verlags ab, um zum Verlag Rudolf M. Rohrer zu wechseln. Mit seinem Ausscheiden gingen 1929 einige kunsthistorische Periodika zum Rohrer Verlag, wo K\u00fcnstler Gesellschafter wurde, \u00fcber.<\/p>\n<p>Bis einschlie\u00dflich 1929 war die belletristische Produktion wohl aus Geldmangel nicht sehr gro\u00df. Auf Weinheber 1926 folgten nur vier weitere Lyrikb\u00e4nde: Alfred Gr\u00fcnewald (1927), Erica Tietze (1926), Alfred Schroth (1926) und Teresa Ries (1928).<\/p>\n<p>Zwischen 1930 und 1938 wurden weiterhin kunsthistorische Werke sowie neue Reihen und Serien im Krystall-Verlag herausgebracht. Beispiele: <em>Kirchenkunst. \u00d6sterreichische Zeitschrift f\u00fcr Pflege religi\u00f6ser Kunst; Kunsttheoretische Schriften <\/em>usw.<\/p>\n<p>Die Tatsache, da\u00df der Krystall-Verlag in den Jahren 1930-1938 nicht weniger als an die 80 Werke sch\u00f6ngeistiger Literatur, davon \u00fcber 70 Lyrikb\u00e4nde, herausgab, kann nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, da\u00df Juraschek und sein Verlag eine finanzielle Gratwanderung machten. Als das Handelsgericht 1933 \u00fcber Juraschek eine Ordnungsstrafe verh\u00e4ngte, weil dieser mehrmals eine Mahnung ignorierte, gesetzesm\u00e4\u00dfig dem Gericht eine Gesellschafterliste zukommen zu lassen, entschuldigte er sich damit, &#8222;da\u00df er infolge der besonders schwierigen wirtschaftlichen Lage des Verlages im Sommer und Herbst dieses Jahres die vom Handelsgericht ausgegangene Mahnung \u00fcbersehen hat&#8220;. Die Strafe treffe ihn um so h\u00e4rter, &#8222;als durch die Notlage des Krystall-Verlages seine pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnisse sich im letzten Jahre katastrophal zugespitzt haben, soda\u00df er tats\u00e4chlich nicht in der Lage w\u00e4re, die vorgeschriebene Strafe zu bezahlen&#8220;.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><span class=\"Reference\">[15]<\/span><\/a> Es wurde ihm die Strafe nachgelassen. Anfang 1935 war der Krystall-Verlag endg\u00fcltig konkursreif. Der Verlag beantragte die Er\u00f6ffnung des Konkurses, doch wurde dieser vom Handelsgericht Wien mit Edikt vom 7. Februar &#8211; &#8222;mangels Verm\u00f6gens&#8220; &#8211; abgewiesen.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><span class=\"Reference\">[16]<\/span><\/a> Juraschek mu\u00df allerdings 1936 potente Geldgeber gefunden haben, wie ein Blick auf die Entwicklung der Produktion zeigt. Die Produktion des Krystall-Verlags entwickelte sich 1930 bis 1938 folgenderma\u00dfen:<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><span class=\"Reference\">[17]<\/span><\/a><\/p>\n\n<table id=\"tablepress-18\" class=\"tablepress tablepress-id-18\">\n<thead>\n<tr class=\"row-1\">\n\t<th colspan=\"2\" class=\"column-1\">Produktion 1930-1935<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody class=\"row-hover\">\n<tr class=\"row-2\">\n\t<td class=\"column-1\">1930<\/td><td class=\"column-2\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-3\">\n\t<td class=\"column-1\">1931<\/td><td class=\"column-2\">4<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-4\">\n\t<td class=\"column-1\">1932<\/td><td class=\"column-2\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-5\">\n\t<td class=\"column-1\">1933<\/td><td class=\"column-2\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-6\">\n\t<td class=\"column-1\">1934<\/td><td class=\"column-2\">1<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-7\">\n\t<td class=\"column-1\">1935<\/td><td class=\"column-2\">3<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-8\">\n\t<td class=\"column-1\">1936<\/td><td class=\"column-2\">6<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-9\">\n\t<td class=\"column-1\">1937<\/td><td class=\"column-2\">34<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-10\">\n\t<td class=\"column-1\">1938<\/td><td class=\"column-2\">11<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<!-- #tablepress-18 from cache -->\n<p>Auffallend ist freilich die Baisse der Krisenjahre (s.o.) 1934-35 und der starke Anstieg im Jahre 1937, in dem allein 43% der Produktion der 30er Jahre verlegt wurden.<\/p>\n<p>Nun ein Wort zum Verh\u00e4ltnis Krystall-Verlag &#8211; Autoren: keineswegs ungew\u00f6hnlich f\u00fcr die Praxis einer ganzen Reihe von prominenten und weniger prominenten \u00f6sterreichischen Verlagen vor allem der 30er Jahre war die Bedingung, da\u00df Autoren sich am Risiko wie an den Herstellungskosten zu beteiligen hatten. Dieser Usus erkl\u00e4rte Juraschek mit folgenden Worten:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Diese ziemlich umfangreiche T\u00e4tigkeit war darauf aufgebaut, da\u00df die Autoren dem Verlage Vorausbestellungen auf ihre Werke beibrachten, die 2\/3 der Verlagskosten &#8211; die Verlagsregie nicht gerechnet- decken mu\u00dften. Wer die Schwierigkeiten Lyrik zu vertreiben kennt, wei\u00df, da\u00df diese Verlagst\u00e4tigkeit nicht auf Gewinn bedacht war, sondern einerseits einer kulturellen Aufgabe dienen sollte, andererseits den Namen des Verlages bekanntzumachen berufen war. Beides ist in gewissen Grenzen, die die schwierigen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse der Systemzeit bedingten, auch gelungen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Weitaus der gr\u00f6\u00dfte Teil der etwa 70 Lyrikautoren des Krystall-Verlages hat diese Sachlage voll zu w\u00fcrdigen verstanden und dem Krystall-Verlag auch \u00fcber seine Stillegung hinaus Dankbarkeit und Anh\u00e4nglichkeit bewahrt.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Anspr\u00fcche auf Autorenhonorar entstehen erst dann, wenn \u00fcber die im Autorenvertrag festgelegte Anzahl von B\u00fcchern weitere Exemplare verkauft werden. Die Abrechnung \u00fcber das Autorenhonorar wurde aus Mangel an Arbeitskr\u00e4ften nur gelegt, wenn ein solcher Anspruch entstanden war. Auf die Verst\u00e4ndigung, da\u00df ein Anspruch noch nicht entstanden war, haben die meisten Autoren freiwillig verzichtet.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><span class=\"Reference\">[18]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Mit Ausnahme dreier Romane, einer &#8222;Erz\u00e4hlung&#8220;, eines Filmszenarios usw. bestand die Produktion ausschlie\u00dflich aus \u00f6sterreichischer Lyrik, eine Tatsache, auf die Juraschek durchaus stolz war<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><span class=\"Reference\">[19]<\/span><\/a> und die in der \u00f6sterreichischen Presse honoriert wurde.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><span class=\"Reference\">[20]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Zu den nennenswerten Publikationen z\u00e4hlen z.B. die vorhin erw\u00e4hnte <em>Anthologie junger Lyrik aus \u00d6sterreich <\/em>(1930),<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><span class=\"Reference\">[21]<\/span><\/a> <em>Dichtungen in nieder\u00f6sterreichischer Mundart <\/em>(1931), <em>Die neue Lyrik in \u00d6sterreich <\/em>(1932), <em>Die Gruppe. Neun Lyriker aus \u00d6sterreich <\/em>(1932), <em>Zw\u00f6lf Lyriker aus \u00d6sterreich <\/em>(1935). Letztere zwei Werke &#8211; beide von Friedrich Sacher herausgegeben &#8211; waren als &#8222;Ein Dreijahr-Buch&#8220; konzipiert, doch ist Band III (1938), das im Herbst 1937 erscheinen sollte, nicht herausgekommen. Angek\u00fcndigt (Juni 1937), aber ebenfalls nicht erschienen ist der Band <em>Zw\u00f6lf Jahre \u00f6sterreichischer Lyrik. Ein Almanach auf das Jahr 1938 <\/em>mit einleitenden Essays von F.K. Ginzkey, Josef Nadler, Friedrich Sacher u.a. und einer Anthologie aus dem lyrischen Schaffen des Dichterkreises des Krystall-Verlages.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><span class=\"Reference\">[22]<\/span><\/a> M\u00f6glich ist, da\u00df jenes <em>Bekenntnisbuch <\/em>diesen Band aus dem Programm verdr\u00e4ngte.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><span class=\"Reference\">[23]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Das Engagement des Krystall-Verlags f\u00fcr junge \u00f6sterreichische Lyrik zeigt au\u00dferdem noch der &#8222;Dichterwettbewerb f\u00fcr Lyrik&#8220;, der am 17. Juni 1937 im Rahmen der Wiener Festwochen im Wiener Konzerthaus gemeinsam mit dem Krystall-Verlag veranstaltet wurde.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><span class=\"Reference\">[24]<\/span><\/a> Aufgabe dieser Veranstaltung war, &#8222;den Ruf von \u00d6sterreichs lyrischer Dichtkunst in die Weite und in des Heimatvolkes Tiefen zu tragen, ein Beginnen, das jedem Dichter \u00d6sterreichs F\u00f6rderung bringt&#8220; (Vorwort zum &#8222;Programmbuch&#8220;). Zu Wort kommen sollten unter Ausschlu\u00df der bereits etablierten Lyriker &#8222;jene Stimmen (&#8230;), die bisher noch wenig oder &#8211; auch f\u00fcr Eingeweihte &#8211; v\u00f6llig neuen Klang haben&#8220;. Nach einer &#8222;Vorpr\u00fcfung von rein fachlichen Gesichtspunkten&#8220; blieb &#8222;die letzte Entscheidung \u00fcber die Zuerkennung der Preise nicht einer Jury, sondern der Abstimmung in der Zuh\u00f6rerschaft \u00fcberlassen&#8220;.<\/p>\n<p>Aber da die Auflagen der Lyrikb\u00e4nde des Krystall-Verlags kaum 500 Ex., f\u00fcr deren Absatz zum gro\u00dfen Teil der Autor selbst zu sorgen hatte, \u00fcberstiegen, ist nicht anzunehmen &#8211; so edel die F\u00f6rderung junger \u00f6sterreichischer Lyrik in den 30er Jahren gewesen sein mag &#8211; da\u00df die kleinen B\u00e4nde eine nennenswerte Verbreitung erfuhren. Literarhistorisch interessant sind die vielen Anthologien, die trotz der reichsdeutschen Konkurrenz ein Bild der \u00f6sterreichischen Lyrik dieser Zeit vermitteln.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><span class=\"Reference\">[25]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Eine Einordnung des Krystall-Verlags unter die &#8222;nationalen&#8220; Verlage \u00d6sterreichs ist nicht unproblematisch. Auch da\u00df Juden kaum vertreten sind, ist noch kein hinreichendes Indiz. Wenn man aber das politische Bekenntnis mancher heute noch bekannter Autoren in Betracht zieht und sich vor Augen h\u00e4lt, da\u00df das <em>Bekenntnisbuch <\/em>als Bekenntnis \u00f6sterreichischer Autoren zu Gro\u00dfdeutschland, Hitler und dem Nationalsozialismus in Jurascheks Krystall-Verlag herauskam, scheint eine solche Einordnung gerechtfertigt. Da der Verlag die Produktion nach 11 Neuerscheinungen 1938 einstellte, wei\u00df man nicht, ob er sich dem <em>Bekenntnisbuch <\/em>weiterhin literarisch und geistig &#8222;angeschlossen&#8220; h\u00e4tte.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> JOSEF WEINHEBER, S\u00e4mtliche Werke. V. Band: Briefe. Hg. von Josef Nadler und Hedwig Weinheber. Salzburg: Otto M\u00fcller Verlag, 1956, S. 177-178; hier S. 178. Im folgenden als &#8222;JWB&#8220; mit Seitenzahl abgek\u00fcrzt.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Diese Zeitschrift erschien ab Jg. 8 im Wiener Amalthea-Verlag. Eigentlicher K\u00e4ufer war Alfred Juritzki-Warberg. Zu den Umst\u00e4nden um den Verkauf siehe die diesbez\u00fcglichen Unterlagen im Registerakt des Krystall-Verlags, HRB 4801 (umgeschrieben von Reg. C 61, 208). (Aufbewahrt im Depot des Handelsgerichts Wien.)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dazu das Protokoll der a.o. Generalversammlung vom 7.4.1922 (im Registerakt HRB 4801).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> FELIX CZEIKE, 275 Jahre Dorotheum. In: <em>Wiener Geschichtsbl\u00e4tter, <\/em>Beiheft 2 (1982), S. 15. Dieser Aufsatz enth\u00e4lt keinerlei Hinweise auf den Verlag, genausowenig CZEIKES Festschrift: Das Dorotheum. Vom Versatz- und Fragamt zum modernen Auktionshaus. Wien\/M\u00fcnchen: Verlag Jugend und Volk, 1982. Zumal dieses Buch weder ein Personenregister noch Quellenangaben, noch eine Bibliographie enth\u00e4lt, wird man wenigstens dadurch getr\u00f6stet, da\u00df es ein Inhaltsverzeichnis hat.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Gel\u00f6scht 9.4.1929.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Dr. Franz (Ritter v.) Juraschek promovierte 1918 an der Wiener Universit\u00e4t mit der Dissertation &#8222;Eindringen von Raumwerten in die gotische Fassade&#8220;. Die Dissertation war weder in der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek, der Universit\u00e4tsbibliothek Wien noch der Bibliothek des Kunsthistorischen Instituts in Wien aufzufinden.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Am 26. November 1940 erfolgte die \u00dcbertragung aus Reg. C 61, 208 auf HRB 4801. Das Stammkapital betrug nun RM 6666,67. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer war Dr. Franz Juraschek\/Linz a.D.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Die obige Darstellung ist einem nicht datierten, aber im August 1941 entstandenen &#8222;Bericht \u00fcber die Stillegung des Krystall-Verlages&#8220; entnommen. Die Vorgeschichte zu diesem Bericht ist einigerma\u00dfen verwickelt. Begonnen hat es im Herbst 1939, als die Krystall-Verlag-Autorin Hildegard Wais aus P\u00f6chlarn 167 sich bei der RSK in Berlin dar\u00fcber beschwerte, da\u00df sie von ihrem im Krystall-Verlag in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienenen Gedichtband <em>Weinberg im Morgen<\/em> (1937) weder Honorar erhalten, noch etwas \u00fcber den Verbleib von 300 restlichen Exemplaren des Gedichtbandes geh\u00f6rt habe. Diese 300 Exemplare sollten spurlos verschwunden sein &#8211; so zumindest die Vermutung. Im November 1939 wurde der nunmehrige Gaukonservator f\u00fcr Oberdonau, Dr. Franz Juraschek, vom Pr\u00e4sidenten der RSK in Berlin ersucht, zu berichten, welche Forderungen von Gl\u00e4ubigern aus seinem Verlagsgesch\u00e4ft nach dem Stand vom I. J\u00e4nner 1940 noch bestanden, was dabei aus den Verlagsrechten geworden war und in welcher Weise die Honorarforderungen der Autoren befriedigt oder sichergestellt worden seien. Alle Bem\u00fchungen seitens der RSK in Berlin wie auch der Landesleitung in Wien blieben fruchtlos. Im M\u00e4rz 1941 bat schlie\u00dflich die RSK in Berlin den Oberb\u00fcrgermeister der Gauhauptstadt Linz um Verwaltungshilfe. Da Juraschek der Aufforderung wiederholt nicht nachgekommen war &#8211; erst im September 1941 traf sein Bericht ein &#8211; kam es zu mehreren Vollstreckungsbescheiden, zu Zwangsstrafen, zur Verh\u00e4ngung einer Haftstrafe von zwei Wochen und schlie\u00dflich zur Gehaltspf\u00e4ndung. Im Oktober 1941 gab sich die RSK in Berlin mit Jurascheks Bericht zufrieden: &#8222;Das Ersuchen der Kammer ist damit erledigt.&#8220; Der Antrag auf Pf\u00e4ndung wurde zur\u00fcckgezogen. Auf weitere Details aus dem Bericht wird noch eingegangen. Das Original des Berichts findet sich im Akt Hildegard Wais der RSK im Berlin Document Center. Eine Abschrift zusammen mit \u00fcber 50 Aktenst\u00fccken zum Fall Juraschek\/Krystall-Verlag-Wais findet sich heute im Archiv der Stadt Linz. Verf. m\u00f6chte Herrn B\u00fcrgermeister der Stadt Linz, Prof. Hugo Schanovsky, und dem Direktor des Archivs der Stadt Linz, Dr. Fritz Mayrhofer, f\u00fcr ihre Hilfe bei der Beschaffung dieser Unterlagen herzlich danken. Gerhard Renner bin ich f\u00fcr den Hinweis auf den Akt Wais-RSK zu Dank verpflichtet.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> JWB, S. 178. Weinheber geh\u00f6rte neben dem \u00d6sterreicher Manfred Jasser bez\u00fcglich \u00f6sterreichischer Verlagsszene der 30er Jahre zu den Informanten des &#8222;Judenverlag-J\u00e4gers&#8220; Will Vesper. Sie lieferten ihm die Insider-Informationen, mit denen er dann die Invektiven austeilte. Dies zeigen die Briefe Vespers an Weinheber aus dem Weinheber-Nachla\u00df in der Handschriftensammlung der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek in Wien. Nach dem Erscheinen eines erfolglosen Lyrikbandes im Burgverlag 1923 fand Weinheber in den n\u00e4chsten drei Jahren keinen Verleger. Seine Kontaktaufnahme mit dem Krystall-Verlag wird folgenderma\u00dfen geschildert. Weinheber sah sich gen\u00f6tigt, &#8222;unter seinen Kollegen in der Post- und Telegraphendirektion eine Subskription auf ein neues Lyrikb\u00e4ndchen zu er\u00f6ffnen. Von einem zum anderen gehend, nur von wenigen Freunden unterst\u00fctzt, sammelte er, Schilling um Schilling, die Druckkosten. Stolz erschien er eines Tages dann in einem bereitwilligen Verlag mit einem kleinen Handkoffer, in dem er den gesamten Betrag in Hartgeld mitf\u00fchrte, und z\u00e4hlte das Geld &#8211; jeweils kleine T\u00fcrmchen von zehn aufeinanderliegenden Schillingst\u00fccken aufbauend &#8211; auf den Tisch des Hauses. ,Da habt&#8217;s den Mammon, und jetzt druckt&#8217;s!&#8220; rief er, befreit lachend, mit sichtlicher Befriedigung aus. So schuf er die wirtschaftliche Grundlage zu seinem Lyrikband ,Boot in der Bucht&#8216; (1926).&#8220; HERMANN R. LEBER, Magische Zwiesp\u00e4ltigkeit? Ein Versuch \u00fcber Weinhebers Anf\u00e4nge. In: HEINRICH ZILLICH (Hg.), <em>Bekenntnis zu Josef Weinheber. Erinnerungen seiner Freunde<\/em>. Salzburg: Akademischer Gemeinschaftsverlag, 1950, S. 34-41; hier S. 35.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Josef Weinheber an Edmund Finke. In:<em> Jahresgabe 1968\/69. <\/em>Josef-Weinheber-Gesellschaft, Wien, S. 4.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> RUTH V. GROSS, <em>PLAN and the Austrian Rebirth: Portrait of a Journal<\/em>. Columbia, South Carolina: Camden House, 1982 (= Studies in German Literature, Linguistics, and Culture, Vol. 6).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref12\" target=\"text\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Gross schreibt, Basils erste gr\u00f6\u00dfere Leistung f\u00fcr den Krystall-Verlag w\u00e4re eine Lyrikanthologie mit dem Titel &#8222;Die Sammlung&#8220; im Jahre 1925. Auf Grund finanzieller Schwierigkeiten ist der Band nie erschienen. Wenn die Jahresangabe wirklich stimmt, hei\u00dft es, da\u00df der Krystall-Verlag schon 1925 Pl\u00e4ne hatte, Lyrik zu verlegen. Sehr zweifelhaft ist allerdings eine weitere Behauptung Gross&#8216;, n\u00e4mlich da\u00df der Krystall-Verlag Basils erste Novelle &#8222;Benja&#8220; 1930 ver\u00f6ffentlichte. Selbst wenn eine andere Quelle 1929 angibt, konnte dieses Werk weder in einschl\u00e4gigen B\u00fccherverzeichnissen (DBV, GV) noch in Wiener Bibliotheken entdeckt werden. Au\u00dferdem soll Basil &#8211; laut Gross, S. 9 &#8211; im Jahre 1933 seinen ersten Roman <em>Der Umkreis<\/em> dem Krystall-Verlag angeboten haben, doch w\u00e4re das Manuskript auf Grund der politischen Lage nicht verlegt worden. Basil hat seine Verbindung mit dem Krystall-Verlag vor 1938 nicht g\u00e4nzlich abgebrochen: F\u00fcr den 1937 im Verlag erschienenen Gedichtband des Freundes Rudolf Geist (<em>Das sch\u00f6ne Gleichnis<\/em>) schrieb Basil das Nachwort. Als Basil 1938 verhaftet wurde, setzte sich Weinheber erfolgreich f\u00fcr seine Freilassung ein.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref13\" target=\"text\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> So zumindest nach einem Schreiben der Korporation vom 17.8.1927 an die Buchhandlung Rudolf Lechner &amp; Sohn (Gremium\/Krystall-Verlag). Sicher ist, da\u00df aus Kostengr\u00fcnden eine Kunstzeitschrift gemeinsam produziert wurde. Im weiteren hei\u00dft es: &#8222;Das Dorotheum hat sich von dem Krystall-Verlag zur\u00fcckgezogen und trachtet Dr. Juraschek dzt. einen Geldgeber zu finden (&#8230;).&#8220;<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref14\" target=\"text\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> F\u00fcr die Biographie Lebers wurde z.T. ein Akt der Generaldirektion f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit aus dem Jahre 1935 als Quelle herangezogen. (AVA, BKA, Gendion, 22 gen, Zl. 327.726-St. B.\/G. D. 35). Die Formulierung &#8222;guter Wahl\u00f6sterreicher&#8220; stammt von &#8222;A.W.&#8220; (= Alexander Witeschnik) in seiner W\u00fcrdigung &#8222;Hermann R. Leber 60 Jahre&#8220;, in: <em>Neue \u00d6sterreichische Tageszeitung <\/em>(Wien), 6.8.1960, S. 4.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref15\" target=\"text\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Schreiben Jurascheks an das Handelsgericht Wien vom 22. November 1933. Im Registerakt Krystall-Verlag, HRB 4801.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref16\" target=\"text\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>76. Jg., Nr. 5, 5.3.1935, S. 24.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref17\" target=\"text\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Diese Aufschl\u00fcsselung wurde an einer Liste der Ver\u00f6ffentlichungen des Krystall-Verlags, die von der Deutschen B\u00fccherei, Leipzig, stammt, vorgenommen. Die Liste weist insgesamt, also 1922-1938, 176 Titel auf.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref18\" target=\"text\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Bericht \u00fcber die Stillegung des Krystall-Verlages, (zit. Anm. 8).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref19\" target=\"text\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Juraschek weist ebenda darauf hin, &#8222;da\u00df der damals noch v\u00f6llig unbekannte Autor (Josef Weinheber, 1926) innerhalb von einigen Jahren sich durchsetzen konnte&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref20\" target=\"text\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Pressestimmen waren sehr positiv. Der Krystall-Verlag, &#8222;der sich damit ein gro\u00dfes Verdienst erwirbt, da\u00df er in dieser Zeit neue Lyriker herauszubringen k\u00fchn genug ist&#8220; <em>(Neues Wiener Tagblatt); <\/em>&#8222;dessen zielbewu\u00dftes Eintreten f\u00fcr die \u00f6sterreichische Kunst und Dichtung zu den erfreulichsten Erscheinungen unserer im Geistigen nicht gerade erfreulichen Zeit geh\u00f6rt. (&#8230;)&#8220; <em>(Reichspost); <\/em>&#8222;Die neue \u00f6sterreichische Lyrik hat schon ihre sicheren und beglaubigten Vertreter gefunden. Hier ist es besonders der Krystall-Verlag, der sich seiner Verpflichtung \u00d6sterreich und der Dichtung gegen\u00fcber bewu\u00dft ist.&#8220; <em>(Volkszeitung). <\/em>(Zitiert nach Wiener Festwochen\/Programmbuch f\u00fcr den Dichterwettbewerb f\u00fcr Lyrik 1937 veranstaltet von der Konzertdirektion Maria Pokorny (Hugo Abel) gemeinsam mit dem Krystall-Verlag in Wien am 17. Juni 1937. Wien: Krystall-Verlag, 1937.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref21\" target=\"text\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Beitr\u00e4ger: Basil, Billinger, Bormann, Eidlitz, Fischer-Colbrie, Franke, Goll, Haringer, Henz, Kalmer, Kramer, Leifhelm, Lernet-Holenia, Lindner, Ludwig, Mitterer, N\u00fcchtern, Sacher, Sachs, Scheibelreiter, Schreyvogl, Staude, Stebich, Szabo, Waldinger, Weinheber, Wittner, Zerzer.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref22\" target=\"text\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Zu den im Krystall-Verlag mit selbst\u00e4ndigen Publikationen vertretenen Lyrikern geh\u00f6rten: Eugen Andergassen, Hanns Arens*, Gabriele Marie Arthur, Otto Aull, Hilda Bergmann, Friederike Candido-Kubin, Walter Diemberger, Erich Dolezal, Robert Ederer, Franz Felgitsch, Anton Forcher, Wilhelm Franke, Rudolf Geist, Anatol Gerz, Hugo Glaser*, Alfred Gr\u00fcnewald, Hans Haidenbauer, Lisl Hirschfeld, Anton Holdhaus, Herbert Johannes Holz, Eva Hornek, Walther Horwitz, Jon\u00e9l Kalinczuk, Franziska Klinger, Grete K\u00f6rber, Otto Krasensky, Walter Kukula*, Andreas Latzko*, Elsa Leipen, Juliane Ludwig-Braun, Maria Neuhauser, Felix Pfisterer, Heinz Odo Range, Martin Rathsprecher, Erich Rattner, Teresa Ries, Ilse Ringler-Kellner, Lilly Rons, Friedrich Sacher, Walter Sachs, Maria Ditha Santifaller, Moriz Scheyer*, Alfred Schroth, Karl Schulhofer, Rudolfine Seidl, Max Stebich, Franz Strnad, Fritz St\u00fcber, Wilhelm Szaho, Marianne Sz\u00e1p\u00e1ry, Erica Tietze, Hugo Treo, Ernst T\u00fcrk, Erika Tutuila, Rudolf Uliczny, Hildegard Wais, Wilhelm Waldstein, Franz Wanek, Eduard Wasserberger, Josef Weinheber, Otto Weissel, Friedrich Winkelm\u00fcller, Hans Winterl, Nina Wostall, Adele Zaunegger, Franz Zhernotta. (* = nicht Lyrik)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref23\" target=\"text\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Verwiesen sei noch auf ein im Juni 1938 erschienenes und ebenfalls vom Bund der deutschen Schriftsteller \u00d6sterreichs herausgegebenes Reclam-B\u00e4ndchen: <em>Ges\u00e4nge der Ostmark. Ein Dichtergru\u00df<\/em>. Es bringt einen Querschnitt durch die Lyrik von 34 &#8222;nationalen&#8220; Autoren und ist nicht so propagandistisch angelegt wie das <em>Bekenntnisbuch<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref24\" target=\"text\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Dazu das 64seitige, im Krystall-Verlag erschienene, Programmbuch 1937 (siehe Anm. 20), das u.a. Verlagsneuerscheinungen ank\u00fcndigt und die Beitr\u00e4ge aller 25 zugelassenen Teilnehmer enth\u00e4lt. Die hier folgenden Zitate sind dem Programmbuch entnommen.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref25\" target=\"text\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Andere \u00e4hnliche Anthologien zu dieser Zeit: die qualitativ unbedeutende Serie <em>\u00d6sterreichisch-deutsche Lyrik <\/em>im Wiener Heros-Verlag (s.d.); <em>Anthologie \u00f6sterreichischer Lyrik<\/em>, herausgegeben von ERWIN RIEGER. Darmstadt: Darmst\u00e4dter Verlag, 1931.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krystall-Verlag (Wien-Leipzig) Umst\u00e4nde um die Betriebseinstellung (1939-42) Die Produktion Der Krystall-Verlag ist in Zusammenhang mit der Erforschung der national-v\u00f6lkischen Literatur \u00d6sterreichs in den 30er Jahren wegen einer einzigen, sagen wir, ideologisch stark gef\u00e4rbten Publikation indirekt zu einer Bekanntheit gelangt, die ansonsten auf Grund der \u00fcbrigen &#8222;literarischen&#8220; Produktion gewi\u00df nicht unbedingt\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=348\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-348","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/348","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=348"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/348\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2539,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/348\/revisions\/2539"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=348"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}