{"id":366,"date":"2015-09-05T19:14:31","date_gmt":"2015-09-05T17:14:31","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=366"},"modified":"2016-08-15T19:14:41","modified_gmt":"2016-08-15T17:14:41","slug":"literaria-a-g","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=366","title":{"rendered":"Literaria A.G."},"content":{"rendered":"<h3>Literaria A.G.<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">Literarische Vertriebs- und Propaganda-Gesellschaft m.b.H.<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">Die &#8222;Literaria&#8220;-A.G.<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading3\" target=\"_self\">Gesch\u00e4ftliche Entwicklung 1922-1925<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading4\" target=\"_self\">Die Hermann Goldschmiedt Ges.m.b.H.<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading5\" target=\"_self\">Die Ullstein Auslieferung Wien Ges.m.b.H.<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading6\" target=\"_self\">&#8222;Die Muskete&#8220; Ges.m.b.H.<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading7\" target=\"_self\">&#8222;Ister&#8220;<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading8\" target=\"_self\">Verlagsproduktion<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading9\" target=\"_self\">1923\/24 Die Zeit der Krise<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading10\" target=\"_self\">Der &#8222;Literaria-Verlag&#8220;<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"zitat\">Wenn der \u00f6sterreichische Buchhandel dereinst einen Geschichtsschreiber finden sollte, so wird dieser der Entwicklung der Literaria A.G. einen ganz besonders breiten Spielraum einr\u00e4umen m\u00fcssen. Denn das Schicksal, das die Literaria nach einer fast an amerikanische Verh\u00e4ltnisse erinnernden Entwicklung genommen hat, spiegelt zu einem gro\u00dfen Teile die Lage des \u00f6sterreichischen Buchhandels in den Nachkriegsjahren wider, und deshalb ist es ja so besonders erfreulich, da\u00df sich dieses von allem Anfang an so verheissungsvoll ins Dasein getretene Unternehmen, das f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Buchhandel eine unbedingte Notwendigkeit bildet, aus der seinerzeitigen Krise in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig so schneller Zeit wieder zu seiner heutigen Bedeutung emporschwingen konnte. (&#8230;)<br \/>\n(Der Blaue B\u00fccherkurier (Wien), Nr. 572, 1.10.1925, S. 4.)<\/p>\n<p>Mindestens zwei Unternehmen standen der Gr\u00fcndung des &#8222;Literaria&#8220;-A.G.-Konzerns im Jahre 1922 Pate. Das waren die Firmen: &#8222;Buchhandlung und Zeitungsbureau Hermann Goldschmiedt Ges.m.b.H.&#8220; und &#8222;Literarische Vertriebs- und Propaganda-Gesellschaft m.b.H.&#8220;<\/p>\n<p>Das &#8222;Zeitungsbureau Hermann Goldschmiedt in Wien&#8220; &#8211; wohl heute unter dem Namen &#8222;Morawa&#8220; , unter dem es seit 1934 firmiert, bekannt &#8211; wurde von dem am 10.1.1843 in B\u00f6hm.-Leipa geborenen Kaufmannssohn Hermann Goldschmiedt am 1. Dezember 1877 in Wien gegr\u00fcndet. Er war von Prag, wo er als Journalist t\u00e4tig war, nach Wien \u00fcbersiedelt und begann, eine neue Idee auszuf\u00fchren: eine Zentrale f\u00fcr den internationalen Zeitungs- und Zeitschriftenverkehr zu schaffen. Zu diesem Zweck vereinigte er sich mit dem Prager Journalisten Alexander Thorsch und gr\u00fcndete mit ihm im Eckhaus der Wollzeile und Strobelgasse in einem kleinen Laden das Zeitungsbureau, das das erste gr\u00f6\u00dfere Unternehmen dieser Art in Wien darstellte. Anf\u00e4nglich hatte die Firma h\u00f6chstens 25 verschiedene Tageszeitungen und eine kleine Anzahl von Zeitschriften zu expedieren. Bald nach der Gr\u00fcndung trat Thorsch aus dem Gesch\u00e4ft aus, und Hermann Goldschmiedt f\u00fchrte es meist allein, sp\u00e4ter mit seinen zwei S\u00f6hnen Walter und Felix weiter. Von Anfang an bearbeitete Goldschmiedt einen Teil des Absatzmarkts konsequent, n\u00e4mlich den der gr\u00f6\u00dften Zeitungsabnehmer, d.h. der zahlreichen gro\u00dfen Kaffeeh\u00e4user. Diese wurden zu Dauerkunden, vor allem durch die Errichtung eines Zustelldienstes von unerreichter P\u00fcnktlichkeit und Schnelligkeit. Im Jahre 1900 \u00fcbersiedelte das Gesch\u00e4ft in das Haus Wollzeile 11, wo heute die Zentrale der Firma &#8222;Morawa&#8220; untergebracht ist.<\/p>\n<p>1910 besch\u00e4ftigte das Unternehmen 81 Personen und expedierte \u00fcber 1.000 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften in einer j\u00e4hrlichen Gesamtzahl von mehr als zehn Millionen Exemplaren. T\u00e4glich wurden 18.000-20.000 Zeitungsexemplare expediert.<\/p>\n<p>Im hohen Alter entschlo\u00df sich Hermann Goldschmiedt im Herbst 1913, sein Unternehmen in eine Ges.m.b.H. umzuwandeln <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"Reference\">[1]<\/span><\/a> und ein Buchsortiment <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> anzugliedern. 1918 galt die Firma als &#8222;Gr\u00f6\u00dftes Zeitungsbureau der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie&#8220;.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a> Goldschmiedt und seine Familie schieden am 1. Juli 1921 aus dem Unternehmen aus. Der Firmagr\u00fcnder verstarb kurz darauf am 8.2.1922.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Erste Gesch\u00e4ftsverbindungen zwischen der Firma Goldschmiedt und der &#8222;Literarischen Vertriebs- und Propagandages.m.b.H.&#8220; bestanden bereits 1920, als der Prokurist f\u00fcr Literatur, Theodor Kr\u00fchne (1882-11.I.1930, Wien), zugleich Prokurist bei Goldschmiedt wurde.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a> Am 6. Dezember 1921 schlie\u00dflich traten Erwin und Robert M\u00fcller als neue Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in die Firma ein,<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"Reference\">[6]<\/span><\/a> und somit wurde der Anschlu\u00df der Literaria, der auch aktenkundig ist, an die Firma Goldschmiedt vollzogen. Erst 1924 ging die Hermann Goldschmiedt Ges.m.b.H. in andere H\u00e4nde \u00fcber.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"Reference\">[7]<\/span><\/a><\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Literarische Vertriebs- und Propaganda-Gesellschaft m.b.H.<\/h3>\n<p>Eine wesentliche Quelle zur Entstehung &#8222;im Herbst jenes Revolutionsjahres&#8220; und zur weiteren Entwicklung bilden einerseits die Ausf\u00fchrungen des ma\u00dfgeblich Beteiligten, Robert M\u00fcller (29.2.1887, Wien-27.8.1924, ebda.), andererseits der Registerakt dieser protokollierten Firma im Handelsgericht Wien.<\/p>\n<p>Die eine Quelle informiert \u00fcber die kulturpolitische, die andere \u00fcber die gesch\u00e4ftliche Seite des Unternehmens. Der Gr\u00fcndung ging &#8222;ein berstender Wille zur Aktivit\u00e4t&#8220;, der &#8222;Drang zum Schaffen&#8220; voraus.<\/p>\n<p class=\"zitat\">In den Tagen der Revolution bildete sich in Wien ein Kreis von K\u00fcnstlern und kulturpolitisch ausgerichteten Aktivisten. Er hie\u00df: &#8222;Die Katakombe&#8220; und erweiterte die pazifistisch-antimilitaristischen und marxistischen Ideen des Umsturzes durch breite Kulturprogramme auf alle Gebiete, auf Rechtssprechung, Ehe, Schule, Gesch\u00e4ft, Geselligkeit. Die &#8222;Katakombe&#8220; beschlo\u00df ihre ersten gr\u00fcndenden Agenden in der Privatwohnung eines der jetzigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Literaria. Von diesen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern ist der eine Publizist [Robert M\u00fcller], der andere, von der Industrie und dem Bankfach herkommend [Erwin M\u00fcller], wohnte den Sitzungen als volkswirtschaftlicher Experte bei. Die &#8222;Katakombe&#8220; stellte zu gleicher Zeit sozusagen einen Corner im modernen Wiener Zeitschriftenwesen dar, sie war so organisiert, da\u00df von den Zeitschriften Der Anbruch, Das Flugblatt, Der neue Daimon, Die Rettung, Die Neue Wirtschaft (Der Wirt zum reinen Geiste) wenigstens je ein Vertreter kooptiert war; denn um die neuen Ideen zu verbreiten, brauchte man eine fachliche Basis; und diese sollte durch eine praktische Zusammenlegung der kleinen Zeitschriftenbetriebe und einen energischen und ingeni\u00f6sen Vertriebsapparat gewonnen sein.<br \/>\nAus dieser urspr\u00fcnglich reinen aktivistischen Ideologie, die aber sofort die grifffestesten Realisierungen suchte, entstand die Literaria. (&#8230;) Die &#8222;Katakombe&#8220; zerfiel aus einem \u00dcberma\u00df an Geistigkeit, ihr praktisches Leitmotiv, der gedachte Vertriebsmechanismus, war noch nicht fermentierend genug, es fehlte in einer Zeit, wo alles Gesch\u00e4ft aus den Angeln ging, an der n\u00e4chsten t\u00e4glichen Erfahrung. (&#8230;)<br \/>\nDie Literaria begann als kleiner Vertrieb literarischer Zeitschriften. (&#8230;)<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span class=\"Reference\">[8]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die &#8222;Literaria&#8220; war von vornherein nicht bereit, auf dem Markt blo\u00df mit dabeizusein. Sie wollte, um die stark abgegriffene Phrase zu gebrauchen, die &#8222;Nummer eins&#8220; sein. F\u00fcr die tr\u00e4ge \u00f6sterreichische Buchhandelsszene mu\u00df sie revolution\u00e4r gewirkt haben, und das \u00e4u\u00dferte sich vor allem in der Eigenwerbung wie in der Werbung. Der Motor dieser Neugr\u00fcndung, Robert M\u00fcller, wollte sich von der <em>Idee <\/em>leiten lassen, mu\u00dfte aber mit dem &#8222;diesseitigen&#8220; Kapitalismus auskommen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">In der Verfallszeit des Geschmackes war bei gr\u00f6\u00dfter Energie und Geschicklichkeit auf diesem Wege ein Resultat nicht zu erzielen. Die &#8222;Literaria&#8220; mu\u00dfte sich merkantilisieren. Um ihren Betrieb dominierend zur Geltung zu bringen, mu\u00dfte sie mit den vorhandenen kaufm\u00e4nnischen Formen Kompromisse schlie\u00dfen. Der Weg war der richtige;(&#8230;) (Literaria-Almanach 1921, 107 f.)<\/p>\n<p>Aber wir eilen der Entwicklung ein wenig voraus.<\/p>\n<p>Zur Errichtung eines Gesellschaftsvertrages f\u00fcr die neue zu protokollierende Firma kam es anl\u00e4\u00dflich einer Versammlung am 28. Juli 1919 in Wien, die am 6. August von einer zweiten gefolgt wurde. Es hatten sich neun Geldgeber eingefunden, die f\u00fcr das Stammkapital von K 120.000 aufkommen sollte. Mit Ausnahme von Erwin M\u00fcller stand offensichtlich keiner der Investoren in enger Verbindung mit der Buchhandelsbranche. M\u00fcller brachte seinen Anteil von K 10.000 in Form einer Sacheinlage ein. Diese bestand aus einer vollst\u00e4ndigen Herrenzimmereinrichtung zur Ausstattung des von der Gesellschaft zu f\u00fchrenden B\u00fcros (Wert K 9.000), dem Adressenmaterial, das M\u00fcller als Herausgeber des Wochenblatts <em>Die Neue Wirtschaft <\/em>zur Verf\u00fcgung stand, sowie den Verlags-rechten dieser seiner periodischen erscheinenden Druckschrift. Die Gesellschafteranteile sahen wie folgt aus:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Gustav Harmer, Fabrikant in Spillern K 15.000<br \/>\nPaul K\u00f6ller, Reg-Rat., Direktor der Hofapotheke K10.000<br \/>\nJosef H\u00e4nisch, Obstlt. in Stockerau K 15.000<br \/>\nLeopold Schaller, Rittmeister in Stockerau K 10.000<br \/>\nOtto Pellech, Rechtsanwalt in Wien K 10.000<br \/>\nOskar Zitnik, Ing. d. n.\u00f6. Landesbahnen K 10.000<br \/>\nRobert Schmotzer, Rechtsanwalt in V\u00f6lklabruck K 20.000<br \/>\nLeopoldine Gutruf, Inh. d. Firma English house Gutruf &amp; Co. K 20.000<\/p>\n<p>Erster Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma war Erwin M\u00fcller. Sein Bruder Robert, der keinen Gesch\u00e4ftsanteil hatte, wurde erst anl\u00e4\u00dflich einer am 6. August 1919 abgehaltenen Versammlung zum 2. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer gew\u00e4hlt. Die Existenz der revolution\u00e4ren Neugr\u00fcndung vermeldete die M\u00fcller nahestehende <em>Wiener Mittags-Zeitung <\/em>am 20. August 1919 unter der \u00dcberschrift: &#8222;Die Generation und ihre Zeitschrift&#8220;:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ein Unternehmen, das die Schriftsteller Erwin M\u00fcller und Robert M\u00fcller soeben begr\u00fcndeten, hat den Zweck, zur\u00fcckgebliebene geistige Verbindungen mit dem Ausland Zu organisieren. Die Literarische Vertriebs- und Propaganda-Gesellschaft m.b.H., Wien 1., Tuchlauben 11, besch\u00e4ftigt sich mit der Organisation des Zeitschriftenbetriebes, wobei besonders an die speziellen Fachbl\u00e4tter, die jetzt in Betracht kommen, gedacht wird und wobei auch die j\u00fcngsten Erscheinungen auf dem Gebiete der Politik, der Kunst, der Literatur und der Unterhaltung besonders ber\u00fccksichtigt werden. (S. 3)<\/p>\n<p>Die Firma &#8222;Literarische Vertriebs- und Propaganda Ges.m.b.H.&#8220; wurde sodann am 26. August 1919 unter Reg. C, Bd. 32, pag. 218 ins Wiener Handelsregister eingetragen. Der &#8222;Gegenstand des Unternehmens&#8220; entsprach auch den hochfliegenden Pl\u00e4nen, dem neuen Geist, dem &#8222;Drang zum Schaffen&#8220;, und war sehr umfassend:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Herausgabe und der Verlag einzeln, periodisch oder t\u00e4glich erscheinender Druckschriften (Zeitungen). Der kommissionsweise Vertrieb von Zeitschriften und Brosch\u00fcren jeder Art und Richtung, die \u00dcbernahme von literarischen Arbeiten jeder Art (Ausarbeitung und \u00dcbersetzung etc.) das Abonnenten- und Inserate-Aquisitionsgesch\u00e4ft, die Durchf\u00fchrung von literarischen Propaganda-Arbeiten jeder Art, die Aufnahme und Pflege des gesamten Druckschriften- und Verlagsgesch\u00e4ftes, die \u00dcbernahme von Finanzierung auf literarischem Gebiete, sowie die Durchf\u00fchrung s\u00e4mtlicher in den Rahmen dieser Literarischen Vertriebs- und Propaganda-Gesellschaft m.b.H. fallenden Arbeiten.<\/p>\n<p>Bereits hier ist &#8211; durch die enorme Spannweite quer durch den Buchhandel &#8211; der Konzern Literaria A.G. als logische Expansion vorweggenommen. Vielmehr ist die A.G. blo\u00df eine Fortsetzung der bestehenden Ges.m.b.H. mit der Rechtsform einer A.G. und erh\u00f6htem Kapital. Und der Name &#8222;Literaria&#8220; taucht sehr bald in der Firmenbezeichnung auf: am 7. Juli 1920 wird die Umbenennung in: &#8222;\u201aLiteraria&#8220;. Literarische Vertriebs- und Propaganda Ges.m.b.H.&#8220; ins Handelsregister eingetragen. Als Sitz der Firma dienen vorerst B\u00fcror\u00e4umlichkeiten der Firma &#8222;Internationaler Nachrichtendienst&#8220; in Wien 1., Tuchlauben 11. Ein entscheidender Schritt in Richtung Gro\u00dfkonzern erfolgte anl\u00e4\u00dflich der ersten Generalversammlung am 29. Dezember 1920. Es kam n\u00e4mlich zu einer kr\u00e4ftigen Erh\u00f6hung des Stammkapitals, was sich angesichts der rapiden Geldentwertung wohl weniger dramatisch auswirkte. Dies geschah einerseits durch die Erh\u00f6hung einzelner Gesellschafteranteile, andererseits durch den Eintritt neuer, kapitalkr\u00e4ftiger Gesellschafter. Eingetreten sind:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Dr. Moritz Chlumecky-Bauer, Gutsbesitzer in Wien K 340.000<br \/>\nFriedrich Neuhauser, Chefredakteur in Wien K 130.000<br \/>\nFranz Stern, Prok. der Deutschen Bodenbank, Wien K 20.000<br \/>\nFranz Neidl, Dir. d. Granitwerke Anton Poschacher K 5.000<\/p>\n<p>Die vorhin erw\u00e4hnte Internationale Nachrichtendienst Gesellschaft ist bei gleicher Gelegenheit mit einer Sacheinlage (K 100.000) der Literaria beigetreten.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"Reference\">[9]<\/span><\/a> Somit war das Stammkapital von K 120.000 auf K 1,500.000 erh\u00f6ht worden.<\/p>\n<p>Etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Umbenennung wurde der Betriebsgegenstand auf die &#8222;Aus\u00fcbung des Buchhandelsgewerbes auf Grund der von der Gesellschaft zu erwerbenden Konzession&#8220; erweitert. Dazu lag ein konkreter Anla\u00df vor: am 15. Dezember 1920 wurde in der <em>BC<\/em> dem Gesamtbuchhandel bekanntgegeben,<\/p>\n<p class=\"zitat\">da\u00df wir zwecks weiteren Ausbaues die bisher unter der Firma Erwin M\u00fcller, Buchhandlung in Wien I., Tuchlauben Nr. 11 betriebene Firma k\u00e4uflich erworben haben und da\u00df wir nunmehr das Alleinauslieferungsrecht von Werken der folgenden Verlage f\u00fcr Deutsch\u00f6sterreich und die Sukzessionsstaaten besitzen: (&#8230;)<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"Reference\">[10]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es folgt hier eine Liste von 13 Verlagen, darunter Erich-Rei\u00df-Verlag (Berlin), Roland-Verlag (M\u00fcnchen), Verlag der Wiener Graphischen Werkst\u00e4tte usw. Nach derselben Anzeige bestand das Unternehmen aus folgenden Sparten: Grosso-Buchhandlung, Sortimentsbuchhandlung, Verlagsauslieferung, Brosch\u00fcren- und Zeitschriftenvertrieb. Ab 1. J\u00e4nner 1921 scheint die Literaria Gesch\u00e4ftsverbindungen mit Hermann Goldschmiedt gepflogen zu haben, denn kaum einen Monat nach der gerade zitierten Bekanntmachung war der &#8222;Betriebsumfang&#8220; wie ausgewechselt: Grosso-Buchhandlung, Reise-Buchhandlung, Verlagsauslieferung, und das Neue: Trafiken- und Provinzvertrieb in- und ausl\u00e4ndischer Zeitschriften. Die Literaria hatte nun die Alleinauslieferung von 18 Verlagen f\u00fcr Deutsch\u00f6sterreich und die Sukzessionsstaaten sowie die Hauptauslieferung f\u00fcr drei weitere.<\/p>\n<p>Die Eigenwerbung der &#8222;Literaria&#8220; 1919\/20 ist durchaus bemerkenswert. Sie pries drei Abteilungen an: Zeitschriftenvertrieb und Versand, Verlagsvertretung und Literarisches Bureau und bot ihre Dienstleistungen in folgender Weise der Buchhandelsbranche an:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Im Zeitschriftenvertrieb steigert sich der Umsatz jeder Zeitschrift, ob wirtschaftlichen, politischen, technischen, juridischen, k\u00fcnstlerischen, literarischen Inhaltes, durch planm\u00e4\u00dfige Organisation des Leserkreises. Verlage erfahren eine energische Propagierung und Ausbreitung ihrer Werke.<br \/>\nDas Literarische Bureau verfa\u00dft au\u00dfer \u00dcbersetzungen usw. auch Prospekte, Almanache, Kataloge f\u00fcr Industrien, Verkehrsunternehmen, touristische Spezialit\u00e4ten. &#8211; Umfassende Reklamem\u00f6glichkeit. &#8211; Interessentenmaterial in allen Schichten f\u00fcr alle Kategorien der Publizistik. &#8211; Ein geistiger Organisations- und Ankn\u00fcpfungspunkt. &#8211; Wichtig f\u00fcr Verleger, Redaktionen, Fachleute, Schriftsteller, Reklamechefs aller Industrien, Politiker, Gesch\u00e4ftsleute!<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><span class=\"Reference\">[11]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wie bereits in der Liste der neueingetretenen Gesellschafter angedeutet, war die &#8222;Hausbank&#8220; der Literaria Ges.m.b.H. und A.G. die Deutsche Bodenbank. Sie war eine jener Nachkriegsgr\u00fcndungen, deren Zahl Legion war und die beinahe so spurlos verschwanden, wie sie gekommen waren. Sie war am 20. J\u00e4nner 1919 mit einem Grundkapital von 5 Millionen Kronen ins Handelsregister eingetragen worden.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><span class=\"Reference\">[12]<\/span><\/a> Wie andere Inflationsgr\u00fcndungen hatte sie eine bewegte Geschichte, die sich u.a. im Personalkarussell und st\u00e4ndigen Besitzerwechsel ausdr\u00fcckte. Am 19. Mai 1924 mu\u00dfte die Deutsche Bodenbank schwer verschuldet den Ausgleich anmelden.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><span class=\"Reference\">[13]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Literaria hatte &#8211; weder als Ges.m.b.H. noch sp\u00e4ter als A.G. &#8211; die Absicht, selber gro\u00df ins Verlagsgesch\u00e4ft einzusteigen, und zwar aus Gr\u00fcnden, die wir noch erl\u00e4utern werden. Zwei Publikationen sind aber durchaus erw\u00e4hnenswert: die eine ist der 1921 im Eigenverlag erschienene <em>Literaria-Almanach, <\/em>aus dem bereits zitiert wurde. Der Almanach erschien blo\u00df einmal, obwohl er eigentlich zweimal j\u00e4hrlich h\u00e4tte erscheinen sollen. Aufs\u00e4tze, literarische Erstver\u00f6ffentlichungen (z.B. aus Robert Musils erst 1927 <em>Der Mann ohne Eigenschaften <\/em>benanntem Roman) und Buchbesprechungen bildeten den Inhalt.<\/p>\n<p>Zu den Propagandamitteln des dynamischen Unternehmens geh\u00f6rte die seit Anfang Juli 1921 erscheinende <em>Literaria-Rundschau, <\/em>&#8222;Gratis f\u00fcr alle Buchh\u00e4ndler&#8220;, dreimal im Monat (gelegentlich als 4fach Nummer) herauskommen sollte und sich grunds\u00e4tzlich mit dem Kulturgut bzw. der Ware &#8222;Buch&#8220; auseinandersetzte. So strahlt der &#8222;Leitartikel&#8220; zur Messenummer &#8211; im Rahmen der Wiener Internationalen Messe vom 4.-25. September 1921 fand erstmals seit Kriegsende bzw. seit der Bugra 1914 eine Buchmesse statt &#8211; Sendungsbewu\u00dftsein aus:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Wiener Buchmesse ist der helle Punkt am Ende eines langen Tunnels, in den (sic!) wir zweieinhalb Jahre lang versch\u00fcttet waren. Er ist das erste Anzeichen f\u00fcr ein Aufbl\u00fchen des Buchgewerbes zumal in Deutsch\u00f6sterreich. (&#8230;)<br \/>\nNun aber scheint es, als h\u00e4tten wir uns noch vor der materiellen Renaissance schon zu einer neuen moralischen Haltung hinaufgearbeitet; Unternehmungslust, Geist, Phantasie, Geschmack, k\u00fcnstlerischer Wille in der Buchherstellung, solides Urteil, strenge Kritik, w\u00e4hlerische Auslese und eine fortrei\u00dfende Energie in der Aufmachung und Ausbeutung der zu neuen Konsumkomplexen zusammengeballten Massen beseelen die Tr\u00e4ger des Buchgewerbes in allen seinen Funktionen. Die Verlage leisten eine eminente kulturelle Arbeit und der Sortimenter vermag es wieder, die Produktion aufzuschleu\u00dfen in ein neues der Bildung und dem traditionellen \u00f6sterreichischen Geschmack zustrebendes Publikum. Die Wiener Buchmesse ist der Auftakt zu einer besseren Zukunft und ist sie unter noch immer materiellen Mi\u00dfumst\u00e4nden zustande gekommen, noch immer nicht zu vergleichen mit den historisch verankerten Leistungen des reichsdeutschen Verlags- und Buchhandelsgewerbes, so spricht dies umso mehr f\u00fcr die geistige Dynamik, die hier ausgedr\u00fcckt ist und gerade die kleinen Umst\u00e4nde zeigen die Gewalt- und Schaffensfreude eines neuen Geistes an: (&#8230;)<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><span class=\"Reference\">[14]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Wer F\u00f6rderer des &#8222;neuen Geistes&#8220; war, bleibt zwar aus Bescheidenheit oder Selbstverst\u00e4ndlichkeit ungenannt, doch war einzig und allein die Literaria gemeint. Auch Robert Musil, Angeh\u00f6riger des Literaria-Vorg\u00e4ngers, der &#8222;Katakombe&#8220;, war von dem neuen Geist, den die Literaria ausstrahlte, von der v\u00f6lligen Umkrempelung des \u00f6sterreichischen Buchhandels in der Nachkriegszeit begeistert. In seinem Bericht \u00fcber die Messe in der <em>Prager Presse <\/em>meinte er, Robert M\u00fcller habe sich<\/p>\n<p class=\"zitat\">gemeinsam mit einem kaufm\u00e4nnisch bedeutenden Bruder auf den Buchhandel gest\u00fcrzt und hier in Wien mit der ganzen Speedigkeit seines Stils eine Art Kommissionsgesch\u00e4ft gegr\u00fcndet, das amerikanisch anwuchs. Ziel ist, den Teufel durch Beelzebub auszutreiben und die Zust\u00e4nde der Literatur zu bessern, nicht indem man Zeitschriften gr\u00fcndet, sondern indem man den Betrieb beherrscht und mit seinen eigenen Giften behandelt. Es ist ganz \u00fcber Wien hinaus f\u00fcr die Literatur das weitaus interessanteste Unternehmen.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><span class=\"Reference\">[15]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die <em>Literaria-Rundschau <\/em>stellte ihr Erscheinen offenbar mit Nummer 14 des 1. Jahrgangs vom 5. J\u00e4nner 1922 ein. Aber nur vor\u00fcbergehend. Das &#8222;Organ des Vereins der \u00f6sterreichisch-ungarischen Buchh\u00e4ndler&#8220;, <em>Buchh\u00e4ndler-Correspondenz<\/em>, mu\u00dfte im 63. Jg., mit der Nr.5-8 vom 10. M\u00e4rz 1922 sein Erscheinen einstellen. Daran schuld waren die &#8222;Verh\u00e4ltnisse&#8220;: In der letzten Nummer liest man:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die au\u00dferordentlich hohen Herstellungskosten der &#8222;Buchh\u00e4ndler-Correspondenz&#8220; verhindern vorl\u00e4ufig ein weiteres Erscheinen unseres Blattes. (&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir nehmen daher nicht Abschied, sondern sehen uns nur gezwungen, eine andere Form der Verbindung mit unseren Lesern zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die andere Form der Verbindung, das Wiedererstehen eines offiziellen Organs, verdankt man, wie es scheint, der Literaria. Sieben Monate sp\u00e4ter erscheint erstmals am 20. Oktober 1922 der <em>Anzeiger f\u00fcr den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel. (&#8230;) Mit dem Wahlzettel f\u00fcr den \u00f6st.-ung. Buchhandel und der &#8222;Literaria&#8220;-Rundschau. <\/em>Selbst das Geleitwort &#8222;Zum Beginn&#8220; entspricht dem gewohnt aktiven Literaria-Propagandaton. Gewand und Name seien anders geworden, &#8222;weil die Zeit und die Verh\u00e4ltnisse es verlangten&#8220;.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> Die &#8222;Literaria&#8220;-A.G.<\/h3>\n<p>Die Literaria A.G., die anl\u00e4\u00dflich einer konstituierenden Generalversammlung am 30. September 1922 gegr\u00fcndet wurde und am 10. Oktober 1922 unter Reg. B, Bd. 13, pag. 77 ins Wiener Handelsgericht eingetragen wurde, war im Grunde genommen nichts anderes als eine reine Fortsetzung der Agenden und Ambitionen der &#8222;,Literaria&#8220;. Literarische Vertriebs- und Propaganda-Ges.m.b.H.&#8220;. Doch war der Betriebsgegenstand zugleich umfangreicher und un\u00fcberschaubarer. So gut wie alles im Buchhandel M\u00f6gliche war vorgesehen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Vervielf\u00e4ltigung und der Handel von auf mechanischem oder chemischem Wege hergestellten literarischen oder artistischen Erzeugnissen aller Art, daher insbesondere die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von B\u00fcchern, Zeitschriften, Tageszeitungen, Musikalien und allen Erzeugnissen der graphischen K\u00fcnste und Gewerbe; ferner die Errichtung und der Betrieb von Buch- und Kunsthandlungen, Antiquariaten, Lesehallen, Lesezirkeln, B\u00fccherstuben, Leihb\u00fcchereien, Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements, Annoncen und Inseratenvermittlungsb\u00fcros, Briefmarkenhandlungen, die Veranstaltung von Auktionen in allen Gesch\u00e4ftszweigen des gegenst\u00e4ndlichen Unternehmens, ferner der Verlag und der Vertrieb von B\u00fchnenwerken aller Art, der Erwerb und die Ver\u00e4u\u00dferung von Auff\u00fchrungs- und Vortragsrechten f\u00fcr Darbietungen aller Art, ferner Herstellung, Ankauf, Vertrieb und Verleih von Filmwerken, insoweit es dem Zwecke der Gesellschaft f\u00f6rderlich ist, Betrieb von Theater- und Konzertagenturen, Theater- und Konzertkartenb\u00fcros, ferner Errichtung und Betrieb von Buchdruckereien, Buchbindereien und sonstigen in der graphischen Industrie erforderlichen Werkst\u00e4tten, endlich der Ankauf von und die Beteiligung an im In- oder Auslande gelegenen Unternehmungen, welche einem oder mehreren der oben angef\u00fchrten Sonderzwecke oder einem verwandten Zwecke dienen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Gegenstand des Unternehmens ist ferner \u00fcberhaupt jede gewerbliche oder gesch\u00e4ftliche T\u00e4tigkeit, die mittelbar oder unmittelbar den Zweck der Gesellschaft zu f\u00f6rdern geeignet ist. Der Betrieb von Bankgesch\u00e4ften ist aber unter allen Umst\u00e4nden ausgeschlossen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Gesellschaft kann alle in den Rahmen ihrer Bet\u00e4tigung fallenden Gesch\u00e4fte f\u00fcr eigene oder fremde Rechnung betreiben.<\/p>\n<p>Das Aktienkapital bei der Gr\u00fcndung betrug 250 Millionen Kronen, und der Verwaltungsrat bestand aus folgenden acht Mitgliedern:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Dr. Moriz Chlumecky-Bauer, Pr\u00e4sident<br \/>\nFranz Neidl, Vize-Pr\u00e4sident<br \/>\nErwin M\u00fcller, General-Direktor<br \/>\nRobert M\u00fcller, Direktor<br \/>\nAlfred Remiz<br \/>\nHermann Kienzl<br \/>\nFranz Stern<br \/>\nDr. Eugen Bochner, RA<\/p>\n<p>Chlumecky-Bauer zeichnete 60% der Aktien (150.000 \u00e0 K 1.000 = K 150 Millionen), w\u00e4hrend Erwin M\u00fcller 20% (50 Mill. K), Robert M\u00fcller und Franz Neidl je 10% (25 Mill. K) der Aktien zeichneten. Als Koll.-Prokurist eingetragen wurden Emmerich Morawa, Theodor Kr\u00fchne, Alfred Remiz, Robert Polz und Rudolf H\u00fcttel.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> Gesch\u00e4ftliche Entwicklung 1922-1925<\/h3>\n<p>Als der Literaria-Konzern Mitte April 1924 in einem Fachblatt gelobt wurde, galt er als &#8222;eine Musterorganisation f\u00fcr den Buchvertrieb&#8220;:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es ist das charakteristische Kennzeichen aller genialen Gesch\u00e4ftsgr\u00fcnder, da\u00df sie eine feine Witterung f\u00fcr die Augenblicksbed\u00fcrfnisse der Wirtschaft besitzen und mit f\u00f6rmlich divinatorischem Scharfblick auch die Erfordernisse und Stimmungen der n\u00e4chsten Zeit voraussehen. Auch die Gr\u00fcnder der &#8222;Literaria&#8220; haben diese Eigenschaften besessen, denn h\u00e4tte ihr Werk nicht so sehr dem Bed\u00fcrfnisse der Zeit entsprochen, dann h\u00e4tte es unm\u00f6glich in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig so kurzer Zeit seinen heutigen Umfang erreichen k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><span class=\"Reference\">[16]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Aus dem Rechenschaftsbericht des Verwaltungsrates und Rechnungsabschlu\u00df f\u00fcr das erste Gesch\u00e4ftsjahr geht hervor, was alles zwischen dem 10. Oktober 1922 und dem 30. Juni 1923 geleistet worden war. Nach der Gr\u00fcndung wurde eine Reihe von uns nun bekannten Firmen in die Holding aufgenommen. Entsprechend den betriebstechnischen Besonderheiten wurde das Buchvertriebsgesch\u00e4ft zum gr\u00f6\u00dften Teil der Literaria Ges.m.b.H., das Zeitungs- und Zeitschriftenvertriebsgesch\u00e4ft hingegen nur der Hermann Goldschmiedt Ges.m.b.H. \u00fcbertragen. Mit R\u00fccksicht auf bestehende Vertr\u00e4ge wurden die Erzeugnisse des Ullstein-Verlags durch eine andere Tochtergesellschaft, die Ullstein Auslieferung Wien Ges.m.b.H., vertrieben. Zu Ende des 1. Gesch\u00e4ftsjahrs schlo\u00df die Literaria Ges.m.b.H. mit einem Reingewinn von \u00f6.K. 43,906.069 ab, zu welchem Zeitpunkt sie f\u00fcr 43 Verlage den Gesamtvertrieb f\u00fcr \u00d6sterreich und die Sukzessionsstaaten besorgte.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1923 wurde die Literaria Ges.m.b.H. Leipzig als Tochtergesellschaft ins Leben gerufen. Die Filiale hatte zun\u00e4chst den Zweck, den Vertrieb \u00f6sterreichischer Verlagswerke in Deutschland zu \u00fcbernehmen und als Kommission\u00e4r zu fungieren. Die Neugr\u00fcndung war sehr erfolgreich.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><span class=\"Reference\">[17]<\/span><\/a><\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading4\"><\/a> Die Hermann Goldschmiedt Ges.m.b.H.<\/h3>\n<p>Diese Tochterfirma war stark verlustig, eine Tatsache, die durch die im Zeitschriftenvertriebsgesch\u00e4ft besonders f\u00fchlbare Kronenentwertung hervorgerufen wurde.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading5\"><\/a> Die Ullstein Auslieferung Wien Ges.m.b.H.<\/h3>\n<p>Diese Tochter hatte nicht nur die Auslieferung des Ullstein-Verlags in Deutsch\u00f6sterreich \u00fcber, sondern seit Mai 1922 die Alleinauslieferung f\u00fcr Ungarn und Jugoslawien sowie den Vertrieb nach Polen und die Tschechoslowakei. Sie schlo\u00df das Gesch\u00e4ftsjahr 1922\/23 mit Gewinn ab.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading6\"><\/a> &#8222;Die Muskete&#8220; Ges.m.b.H.<\/h3>\n<p>Diese Gesellschaft war im Jahre 1908 gegr\u00fcndet worden. Sie gab allein die humoristische Wochenschrift <em>Die Muskete <\/em>heraus und wurde unmittelbar nach Gr\u00fcndung der Literaria A.G. angegliedert. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer waren Robert M\u00fcller und Erwin M\u00fcller. Robert M\u00fcller hatte die oberste Leitung der Wochenschrift selber.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><span class=\"Reference\">[18]<\/span><\/a> Firma und Zeitschrift wurden g\u00e4nzlich reorganisiert: &#8222;Ihre Bedeutung liegt f\u00fcr uns in erster Linie in ihrer Eigenschaft als Propagandaorgan f\u00fcr die von uns vertriebenen Erzeugnisse&#8220;, hei\u00dft es im Rechenschaftsbericht 1922-23. Der Mitarbeiterstab der <em>Muskete <\/em>\u00e4nderte sich unter der Leitung von Robert M\u00fcller gewaltig.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading7\"><\/a> &#8222;Ister&#8220;<\/h3>\n<p>Im Mai 1923 erwarb die Literaria A.G. 90% der Anteile der &#8222;Ister&#8220; Buch- und Zeitungs-Vertriebs- und Verlagsges.m.b.H., die erst im M\u00e4rz 1921 protokolliert worden war.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><span class=\"Reference\">[19]<\/span><\/a> Diese Tochterfirma hatte die Aufgabe, den Vertrieb von B\u00fcchern, Zeitungen und Zeitschriften auf den Schiffen der DDSG und in Hotelbuchhandlungen, Donaub\u00e4dern, in den Schiffsbuchhandlungen auf den Dampfern der Strecke Wien-Budapest-Belgrad &#8211; Giurgiu sowie auf dem Semmering zu t\u00e4tigen. Die Expansion sollte im folgenden Jahr fortgesetzt werden, und zwar in Richtung Tochtergesellschaften in den Sukzessionsstaaten. Die Herren im Verwaltungsrat sahen die M\u00f6glichkeit, &#8222;da\u00df Wien f\u00fcr Zentral- und Osteuropa allm\u00e4hlich jene Stellung im Buchhandel erringen k\u00f6nnte, welche bisher Leipzig f\u00fcr das gesamte deutsche Sprachgebiet inneh\u00e4lt&#8220;. Die Aussichten f\u00fcr das laufende Gesch\u00e4ftsjahr wurden als &#8222;g\u00fcnstig&#8220; beurteilt.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading8\"><\/a> Verlagsproduktion<\/h3>\n<p>Obwohl wir sp\u00e4ter auf die Verlagsproduktion zur\u00fcckkommen, ein Wort zum Entschlu\u00df der A.G., sie g\u00e4nzlich einzustellen und die Gr\u00fcnde daf\u00fcr:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Literaria A.G. hat sich als Holdinggesellschaft nur ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringf\u00fcgiges Buchvertriebsgesch\u00e4ft zugewiesen. Der Verlag wurde, obwohl er nicht ung\u00fcnstig abschlie\u00dft, aufgegeben, da die Eigenausgabe von B\u00fcchern gewisserma\u00dfen eine Konkurrenz gegen\u00fcber den von uns vertretenen Verlagserzeugnissen bedeutet und mit den Zielen eines Vertriebsgesch\u00e4ftes unvereinbar ist. Auch sollte das nicht unerhebliche verlegerische Risiko ausgeschaltet werden. (Rechenschaftsbericht 1922\/23)<\/p>\n<p>Dies kann ein Grund daf\u00fcr gewesen sein, da\u00df der Literaria-Erfinder Robert M\u00fcller im Laufe des Jahres 1923 (bzw. Anfang 1924) alle seine Posten im Rahmen der A.G. aufgab, um einen eigenen Verlag zu gr\u00fcnden. Sein Jugendideal war es n\u00e4mlich, Verleger zu werden, und die Holdinggesellschaft hatte sich immer weiter vom Verlegen entfernt. In einem Gespr\u00e4ch mit dem Wiener Verleger Lucian Frank Erdtracht &#8211; dessen Interterritorialer Verlag &#8222;Renaissance&#8220; 1922 M\u00fcllers <em>Flibustier. Ein Kulturbild <\/em>im Programm hatte &#8211; vertraute M\u00fcller dem Polen Erdtracht kurz vor seinem Selbstmord folgendes an:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Mein Jugendideal war es, Verleger zu werden, B\u00fccher zu drucken, aber nicht des Druckes wegen, sondern um dadurch die M\u00f6glichkeit zu haben, durch begabte, strebsame, Ideen repr\u00e4sentierende Autoren zur \u00d6ffentlichkeit zu sprechen. (&#8230;) Ich habe zuerst eine gro\u00dfe Organisation (&#8222;Literaria&#8220;) schaffen wollen, eine Vereinigung f\u00fchrender Verlagsanstalten, bei Gott, nicht zwecks Ausbeutung des Marktes, aber um durch eine gro\u00df angelegte Propaganda in verschiedenen Zentren Europas mit Werken unserer Autoren in die weitesten Schichten einzudringen. Ich gab gemeinsam mit meinem Bruder die Fundamente, spannte jedoch nachher aus, da ich die M\u00f6glichkeit sah, als selbst\u00e4ndiger Verleger eher meine Ideen zu verwirklichen. (&#8230;)<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><span class=\"Reference\">[20]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Halten wir aber nun fest, was die Literaria A.G. als Holdinggesellschaft eigentlich wollte:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Bedeutung unserer Gesellschaft liegt in der Zentralisation des Vertriebsgesch\u00e4ftes f\u00fcr das Druckgewerbe, gegen\u00fcber der\u00a0bis heute \u00fcblich gewesenen v\u00f6lligen Zersplitterung, welche jeden einzelnen Verleger zwang, seine Vertriebsorganisation selbst zu schaffen, eine Aufgabe, zu deren Bew\u00e4ltigung die wenigsten technisch und finanziell f\u00e4hig sein k\u00f6nnen. Die ganz bedeutenden Erfolge, welche die Gesellschaft schon im ersten Jahr aufzuweisen hat, beweisen, da\u00df die angewendeten neuen Methoden einem wirklichen Bed\u00fcrfnis nachkommen. (Rechenschaftsbericht 1922\/23)<\/p>\n<p>Bleiben wir beim Stichwort &#8222;neue Methoden&#8220;, denn da l\u00e4\u00dft sich einiges sagen, wie z.B. zum Thema Bestell- und Abholdienst:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Da\u00df die &#8222;Literaria&#8220; auch darauf bedacht ist, Einrichtungen zu treffen, welche die Betriebs\u00f6konomie der Sortimenter zu f\u00f6rdern geeignet ist, geht aus dem Bestell- und Abholdienst hervor, den sie zwischen sich und den gr\u00f6\u00dferen Sortimentsfirmen in Wien eingerichtet hat.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><span class=\"Reference\">[21]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Aber im Zeitalter, das keine Computer kannte, erfand die Literaria A.G. einen w\u00fcrdigen Ersatz:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Als gesch\u00e4ftliche Einrichtung von besonderem Wert bew\u00e4hrt sich die Literaria-Kartothek, eine verlagsweise geordnete Preiskartothek, die es erm\u00f6glicht, die jeweilige Gesamtproduktion nicht nur der durch die &#8222;Literaria&#8220; ausgelieferten 60 Verlage, sondern auch die aller anderen bedeutenden Firmen augenblicklich festzustellen. Angaben \u00fcber Preisver\u00e4nderungen, Novit\u00e4ten, Neubindungen usw. mit einem Blick zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Diese Preiskartothek wird durch Zusatzlisten dauernd auf den letzten Stand gebracht. Durch diese Einf\u00fchrung wird eine einheitliche, stets richtige Evidenz der gesamten deutschen Verlagst\u00e4tigkeit f\u00fcr sie spielend erm\u00f6glicht. (ebda.)<\/p>\n<p>Der Personalstand war entsprechend hoch: der Gesamtkonzern besch\u00e4ftigte Mitte 1923 203 Beamte sowie 220 Diener und Kolporteure.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading9\"><\/a> 1923\/24 Die Zeit der Krise<\/h3>\n<p>Bereits im ersten Gesch\u00e4ftsjahr hatte man die Schaffung von Tochtergesellschaften in Prag, Zagreb und Budapest in Angriff genommen. Sie wurden jeweils als selbst\u00e4ndige Unternehmen gegr\u00fcndet und an Ort und Stelle protokolliert. Zweck war jeweils, den Sortimentsbuchhandlungen den Bezug deutscher B\u00fccher zu erleichtern und zu verbilligen. Die Tochtergesellschaften hatten jeweils die Alleinauslieferung von \u00fcber 40 deutschsprachigen Verlagen<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><span class=\"Reference\">[22]<\/span><\/a> und wurden bald sehr erfolgreich. Die &#8222;Literaria r.t.&#8220; in Budapest war nach einem Jahr das gr\u00f6\u00dfte Auslieferungs- und Kommissionshaus im K\u00f6nigreich Ungarn. Der Vertriebs- und Propagandadienst erfolgte in der jeweiligen Landessprache. Die &#8222;Literaria r.t.&#8220; verf\u00fcgte z.B. \u00fcber ein eigenes publizistisches Organ: &#8222;Literaria-K\u00f6zl\u00f6ny&#8220;. In Zagreb hie\u00df es &#8222;Vjesnik D.D. Literaria&#8220;. Auch die in Leipzig gegr\u00fcndete Gesellschaft hatte ein eigenes Fachblatt: <em>Der Literaria-Reisende. <\/em><\/p>\n<p>Aber wie aus dem Gesch\u00e4ftsbericht \u00fcber das Gesch\u00e4ftsjahr 1923\/24, der der 2. ordentlichen Generalversammlung von 4. September 1925 vorgelegt wurde, hervorgeht, steckte die Literaria A.G. in gro\u00dfen Schwierigkeiten, wie wir sie bereits von den F\u00e4llen Rikola und WILA kennen. Die Gesch\u00e4ftsperiode vom 1. Juli 1923 bis 31. Dezember 1924 war eine Zeit der Krise.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Mit den Auswirkungen der Stabilisierung der W\u00e4hrung in \u00d6sterreich und Deutschland sind einerseits die Buchpreise wesentlich gestiegen, andererseits ist die Kaufkraft wesentlich gefallen, so da\u00df sich die Absatzverh\u00e4ltnisse aus diesen zwei Momenten heraus im gro\u00dfem Umfange verschlechterten.<\/p>\n<p>Die Literaria A.G. mu\u00dfte zu \u00e4hnlichen Mitteln greifen wie die WILA A.G. und eine neue Gesch\u00e4ftsleitung finden:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Literaria A.G. mu\u00dfte, nachdem sie eine Politik starker Expansion getrieben hatte, zu der sie die Berechtigung aus der Hochkonjunktur sch\u00f6pfte, einsehen, da\u00df ein wesentlicher Abbau ihres Apparates notwendig wurde. Diese Erkenntnis tauchte im ersten Halbjahr 1924 auf und f\u00fchrte dazu, da\u00df, nachdem die finanzielle Situation sich zu starker Immobilit\u00e4t verschlechtert hatte, die bisherige Gesch\u00e4ftsleitung von der F\u00fchrung des Unternehmens zur\u00fccktrat und den notwendigen Proze\u00df der Reorganisation und der Einstellung auf die gegebene richtige Basis der neuen Leitung \u00fcbertrug.<\/p>\n<p>Die Aufgabe der Sanierung fiel &#8211; wie im Fall WILA A.G. &#8211; der Zentralgesellschaft f\u00fcr buchgewerbliche und graphische Betriebe zu. Der zwingendste Grund zur Sanierung war der bilanzm\u00e4\u00dfige Verlust von \u00fcber 5 Milliarden Kronen!!<\/p>\n<p>Nicht einmal drei Monate nach der Gr\u00fcndung der Firma war das Aktienkapital von 250 Millionen Kronen verdoppelt werden. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde es auf 800 Millionen Kronen erh\u00f6ht mit R\u00fccksicht auf die Gr\u00fcndungen von Tochterfirmen in Budapest, Zagreb und Prag sowie auf den durch die Ausdehnung der Gesch\u00e4fte erforderlichen gr\u00f6\u00dferen Kapitalaufwand. Zum Schlu\u00df betrug das Aktienkapital 1,5 Milliarden Kronen.<\/p>\n<p>Im September 1924 stand die &#8222;Literaria&#8220; vor der Einstellung des Betriebs. Es kam zum Ausscheiden der bisherigen Verwaltungsratsmitglieder und zum Eintritt f\u00fchrender Vertreter der Zentralgesellschaft (ZG). Im Zuge der Umorganisation wurde praktisch alles, was durch die Expansion aufgenommen wurde, nach und nach wieder abgesto\u00dfen. So wurden die Unternehmen &#8222;Muskete&#8220;<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><span class=\"Reference\">[23]<\/span><\/a>, &#8222;Ister&#8220;<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><span class=\"Reference\">[24]<\/span><\/a>, &#8222;Literaria. Literarische Vertriebs- und Propaganda-Ges.m.b.H.&#8220; und &#8222;Literaria D.D. Zagreb&#8220; der Liquidation zugef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Bis Ende 1924 hatte die &#8222;Literaria&#8220; Ges.m.b.H. schon einen Verlust von nicht weniger als K 405,947.402 erwirtschaftet. Schuld am horrenden Defizit des einstigen revolution\u00e4ren Paradeunternehmens von Robert M\u00fcller war die hohe Spesenbelastung bei st\u00e4ndig abnehmender Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit. In Wahrheit hatte man durch die Gr\u00fcndung von vier nationalen Tochterfirmen der \u00f6sterreichischen Tochter das Wasser abgegraben. Die Firma in Wien mu\u00dfte ihre fast unverwertbaren gro\u00dfen B\u00fccherbest\u00e4nde verramschen. Das gesamte Stammkapital von 1 1\/2 Mill. Kronen war l\u00e4ngst aufgezehrt, und der einzige Ausweg schien Konkurs oder Ausgleich zu sein. Um dies zu vermeiden, erkl\u00e4rte sich die Literaria A.G. bereit, die Anteile der Ges.m.b.H. zu kaufen und somit die Schulden zu decken. Die Literaria Ges.m.b.H. mu\u00dfte aber weitergef\u00fchrt werden (Schuldeneintreibung), was noch mehr Geld kostete.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><span class=\"Reference\">[25]<\/span><\/a> Anl\u00e4\u00dflich der a.o. Generalversammlung vom 17. August 1925 wurde beschlossen, die Firma aufzul\u00f6sen und zu liquidieren. Am 30. Dezember 1927 wurde sie schlie\u00dflich gel\u00f6scht. Robert M\u00fcllers Literaria war nur mehr eine aufregende Episode im \u00f6sterreichischen Nachkriegsbuchhandel.<\/p>\n<p>Die Firma Goldschmiedt wurde verkauft. Es verblieben also vom einstigen Gro\u00dfkonzern die Literaria A.G. Wien, Prag und Budapest und dabei praktisch nur mehr die Auslieferung. Mit der \u00dcbernahme der Sanierung durch die ZG kam es zu bedeutenden Ver\u00e4nderungen in den Mehrheitsverh\u00e4ltnissen, die trotz der nicht ung\u00fcnstigen Aussichten auf Sanierung auf Grund von Meinungsverschiedenheiten letztlich das Ende der A.G. besiegelten.<\/p>\n<p>Der von Anfang an gr\u00f6\u00dfte Einzelaktion\u00e4r und Pr\u00e4sident der A.G., Dr. Moriz Chlumecky-Bauer, verkaufte im Fr\u00fchjahr 1925 sein Aktienpaket (40%) an die Deutsche Agrar- und Industriebank in Prag. Die Pleitefirma, die Centralbank der deutschen Sparkassen, besa\u00df 47,8% der Aktien und die ZG 11,8%. Die Gro\u00dfaktion\u00e4re waren zerstritten, das Unternehmen so gut wie handlungsunf\u00e4hig und ohne jede F\u00fchrung. Eine Kompromi\u00dfl\u00f6sung wurde erst 1927 erreicht: die Literaria A.G. sollte in Liquidation treten. Bis zur 4. und letzten ordentlichen Generalversammlung am 13. April 1927 gab es nun statt 3 wiederum 14 Aktion\u00e4re. Die Bilanz f\u00fcr das Jahr 1926 war noch weniger erfreulich: sie wies einen Verlust von S 351.330,08, mit anderen Worten: \u00fcber 3,5 Milliarden Kronen, aus, der zum gro\u00dfen Teil (70%) auf den Abverkauf der Filiale in Prag zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Die ZG erkl\u00e4rte sich bereit, die ausgewiesenen Gl\u00e4ubiger, nicht aber die Aktion\u00e4re voll zu befriedigen, womit sich diese nicht zufrieden gaben und unter Austragung heftiger pers\u00f6nlicher Fehden gegen die ZG zu Gericht gingen, wo sie allerdings den k\u00fcrzeren zogen. Daf\u00fcr erlitt die ZG durch \u00dcbernahme der Liquidation selber einen Verlust von ca. S 100.000. Es war alles in allem ein sehr unr\u00fchmliches Ende einer Firma, die ausgezogen war, den schlechten Ruf, dem der angeblich arbeitsunlustige \u00d6sterreicher ausgesetzt war, L\u00fcgen zu strafen. F\u00fcr &#8222;divinatorischen Scharfblick&#8220; war etwa ein Jahr nach Gr\u00fcndung der A.G. angesichts der konjunkturellen Entwicklung in \u00d6sterreich schon kein Platz mehr gewesen.<\/p>\n<p>Die Fach\u00f6ffentlichkeit nahm den Zerfall des Literaria-Konzerns mit Trauer zur Kenntnis:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Tief bedauerlicherweise sind die unter dem Namen Literaria-Konzern bekannten Unternehmungen als Opfer der ung\u00fcnstigen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und vor allem wohl auch infolge schwerwiegender Fehler, die in der Leitung gemacht wurden, von eine Krise erfa\u00dft worden, die sie nicht \u00fcberstehen werden, so da\u00df die Literaria in ihrer bisherigen Form zu bestehen aufh\u00f6ren wird.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><span class=\"Reference\">[26]<\/span><\/a><\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading10\"><\/a> Der &#8222;Literaria-Verlag&#8220;<\/h3>\n<p>Wie erw\u00e4h<a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Literaria-Verlag.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1263\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Literaria-Verlag.jpg\" alt=\"Literaria Verlag Signet\" width=\"130\" height=\"154\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Literaria-Verlag.jpg 402w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Literaria-Verlag-254x300.jpg 254w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Literaria-Verlag-127x150.jpg 127w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Literaria-Verlag-400x475.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 130px) 100vw, 130px\" \/><\/a>nt, gab man den &#8222;Literaria-Verlag&#8220;, der bis dahin nicht allzu aktiv war, auf, um nicht mit den sonstigen vertretenen Verlagen zu konkurrieren. Zum <em>Almanach <\/em>bzw. zur <em>Rundschau <\/em>gesellten sich mehrere Kataloge, so z.B. der im Dezember 1922 erschienene <em>Auslieferungs-Katalog der Literaria A.G. <\/em>(300 S.),<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><span class=\"Reference\">[27]<\/span><\/a> der in der buchh\u00e4ndlerischen Fachpresse sehr gelobt wurde.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><span class=\"Reference\">[28]<\/span><\/a> Entstanden ist der Katalog unter der Redaktion von Dr. Karl Oskar Piszk (* 9.4.1894, Wien).<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><span class=\"Reference\">[29]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im Sommer 1923 kam der <em>Ferien-B\u00fccher-Almanach. Ein Reisef\u00fchrer durch die B\u00fccherwelt <\/em>(herausgegeben im Verein mit den f\u00fchrenden Verlagen Deutschlands) mit einem Umfang von 200 S. im Literaria-Verlag als &#8222;ein chancenreiches Geschenk an das Gesamtsortiment&#8220; heraus.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\"><span class=\"Reference\">[30]<\/span><\/a> Als n\u00e4chstes Verlagswerk erschien gegen Ende August 1924 der im Einklang mit dem BM f\u00fcr Handel und Verkehr und dem Min. f\u00fcr Unterricht herausgegebene <em>K\u00fcnstlerhilfe-Almanach. <\/em>Der Umfang dieses von Karl Oskar Piszk bearbeiteten Buches war 400 S., seine Auflage 10.000 Exemplare. Zu den Mitarbeitern z\u00e4hlten:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ambrosi, Araquistain, Arzybaschew, Barbusse, Capek, Coudenhove-Kalergi, Eidlitz, Galsworthy, Ginzkey, Hanak, Hellmer, Hofmannsthal, Hohlbaum, Kienzl, Lucka, Machar, Masareel, Masters, R. M\u00fcller, Musil, Palacios, Paraf, Polgar, Rolland, Shaw, Sinclair, Slezak, Schnitzler, Ssologub, Sramek, Stoe\u00dfl, Unamuno,\u00a0Wassermann, Werfel usw.<\/p>\n<p>Der gesamte Reinertrag dieses Werkes sollte auf amtlichem Wege den notleidenden Schriftstellern und K\u00fcnstlern Deutschlands zuflie\u00dfen.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\"><span class=\"Reference\">[31]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im Dezember 1923 erschien praktisch als letztes &#8222;Werk&#8220; der <em>Weihnachtsb\u00fccher-Almanach.<\/em><a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\"><span class=\"Reference\">[32]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Begonnen hat die Produktion des Literaria-Verlags (als A.G.) eigentlich im Dezember 1922, als eine Biographie des Schauspielers Alexander Moissi von Ludwig Ullmann im &#8222;Hermann Goldschmiedt Verlag&#8220; erschien. Auf dieses Werk folgte Paul Stefans <em>Max Reinhardt. Eines K\u00fcnstlers Heimweg nach Wien. <\/em>Ebenfalls im Jahre 1922 begann die Serie <em>Gegenwartskunst <\/em>von Fritz Karpfen zu erscheinen, von der Teil I <em>(Ru\u00dfland), <\/em>Teil II <em>(Skandinavien und Holland), <\/em>1923 Teil III <em>(\u00d6sterreichische Kunst) <\/em>auf den Markt kamen. Als letztes Werk ist <em>Der brennende Mensch. Aus den Tageb\u00fcchern Anton Hanaks <\/em>von L.W. Rochowanski zu nennen (1923). Im Falle von sechs weiteren Titeln im &#8222;Literaria-Verlag&#8220; blieb es bei der Ank\u00fcndigung:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ludwig Ullmann, Johannes Fischer, <em>Exegese \u00fcber den Begriff &#8222;G\u00fctersloh&#8220;. Eine Autobiographie und Zeitkritik von Paris G\u00fctersloh.<br \/>\n<\/em>Franz Dirsztay, <em>Die Revolution der Parasiten. Ein Zeitroman.<br \/>\n<\/em>Richard A. Bermann, <em>Das Bad der Dschehenara Begum. Ein asiatischer Roman.<br \/>\n<\/em>Andreas Thom, <em>Das Cham\u00e4leon. Ein Dirnenroman.<br \/>\n<\/em>Paris G\u00fctersloh, <em>Zwischen Heut und Morgen. Kulturhistorisch er Roman aus der Gegenwart. <\/em><\/p>\n<p>Einige dieser Titel werden sp\u00e4ter in den Ank\u00fcndigungen des von Robert M\u00fcller Anfang 1924 gegr\u00fcndeten Atlantischen Verlags wieder aufscheinen. Einige davon (z.B. Dirsztay) sind dann tats\u00e4chlich im Druck erschienen. Auch das \u00fcberaus ehrgeizige Programm dieses Verlags blieb restlos unerf\u00fcllt.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading11\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Sie wurde sodann am 23. J\u00e4nner 1914 unter Reg. C, Bd. 16, pag. 17 ins Wiener Handelsregister eingetragen.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Die Buchhandlung Hermann Goldschmiedt war am 10. Juli 1896 unter Reg. Ges. Bd. 44, pag. 168 ins Handelsregister eingetragen worden und bestand als getrennte Firma. Sie wurde am 28. September 1914 gel\u00f6scht.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Adre\u00dfbuch, 52. Jg., 1918, S. 17.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zu Goldschmiedts Geburtsdatum liest man verschiedentlich: 1841, 1842, 1843! Richtig ist 1843. Hinweise zur Firma: Festnummer 1910, II. Teil, S. 77 und <em>Anzeiger, <\/em>Jg. 1927, Nr. 48, 2.12.1927, S. 266.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Handelsgericht Wien, Register C, Bd. 16, pag. 77. Eintragung 12.10.1920.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Robert M\u00fcller wurde bereits am 20.7.1923 wieder gel\u00f6scht, Erwin M\u00fcller erst am 21. 10. 1924.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Im Interesse einer faktischen Darstellung hier das weitere Schicksal dieser Firma, denn Festschriften zum 100j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Firma Morawa &amp; Co. verschwiegen die Leistung der Toten und schreiben das Wunderwerk dem Falschen zu. Die Firma Goldschmiedt bestand schon zwei Jahrzehnte, bevor Emmerich Morawa das Licht der Welt erblickte. Sie geh\u00f6rte \u00fcber 40 Jahre hindurch der Familie Goldschmiedt (Hermann, Walter, Felix) und wurde w\u00e4hrend dieser Zeit zu einem erfolgreichen, bedeutenden Unternehmen, zur gr\u00f6\u00dften Vertriebsorganisation \u00d6sterreichs. 1921-1924 wurde die Firma im Rahmen der Holdinegesellschaft Literaria Ges.m.b.H. bzw. A.G. gef\u00fchrt und ausgestaltet. Morawa trat 1921 in die Firma ein und wurde 1923 einer der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Im Sommer 1924 gelangten die Anteile mehrheitlich in reichsdeutschen Besitz. Kommanditisten waren: Jacques Bettenhausen, Dresden; Hermann Stilke, Berlin; Karl Schmelzer, Graz; Max Manicke, Wien; Emmerich Morawa, Wien. Seit dem Jahre 1924 also befindet sich die heutige Firma Morawa &amp; Co. mehrheitlich in hundesdeutschem Besitz. Als die Verbindung mit der Literaria im Oktober 1924 beendet wurde, wurden Morawa und Manicke Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Buchhandlung Karl Schmelzer in Wien) Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma. Am 20. M\u00e4rz 1934 wurde die Firma Buchhandlung und Zeitungsb\u00fcro Morawa &amp; Co. ins Handelsregister eingetragen (Reg. A, Bd. 12, pag. 1 34a; umgeschrieben nach HRA 4607 im M\u00e4rz 1939). Sie wurde fast zur G\u00e4nze (zu 92%) mit reichsdeutscbem Kapital gegr\u00fcndet, was manches an der Haltung der Firma \u00d6sterreich und dem Nationalsozialismus gegen\u00fcber bis 1938 und die Umsatzsteigerungen nach 1938 erkl\u00e4ren mag. Erst im Jahre 1943 wurde die Firma Goldschmiedt durch \u00dcbertragung auf Buchhandlung und Zeitungsb\u00fcro Morawa &amp; Co. aufgel\u00f6st und am 20. April 1943 aus dem Handelsregister (HRB 3784) gel\u00f6scht.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> ROBERT M\u00dcLLER: Literaria. Keine Geschichte mit beschr\u00e4nkter Haftung. Literaria-Almanach 1921. Wien 1921, S. 105-108. Der Registerakt der Literarischen Vertriebs- und Propaganda-Ges.m.b.H. ist im WrStLa deponiert (Reg. C, Bd. 32, pag. 218).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Handelsgericht Wien. Reg. C, Bd. 29, pag. 19. Auch hier gab es eine personelle Verbindung. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer dieser Firma, Gustav Remiz, wurde sp\u00e4ter Verwaltungsratsmitglied der Literaria A.G.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> 61. Jg., Nr. 46-52, 15.12.1920, S. 479.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Empfehlungsanzeige in <em>Perle&#8220;s Adre\u00dfbuch, <\/em>1919\/20, 53. Jg., S. XII.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref12\" target=\"text\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Dazu die Eintragungen im Handelsregister, Reg. B, Bd. 7, pag. 164; umgeschrieben nach Reg. B, Bd. 9, pag. 218.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref13\" target=\"text\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Handelsgericht Wien. Ausgleich Sa 350\/24 vom 14.V.1924.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref14\" target=\"text\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> <em>Literaria-Rundschau <\/em>(Wien), 1. Jg., Nr. 7\/10, S. 1. Verlag der Literaria. Verantwortlicher Schriftleiter Dipl. exp. Erwin M\u00fcller.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref15\" target=\"text\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> ROBERT MUSIL, Gesammelte Werke. Band 9, S. 1503-1506; bes. S. 1504.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref16\" target=\"text\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> <em>Der blaue B\u00fccherkurier <\/em>(Wien), Nr. 548, 15.4.1924, S. 3.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref17\" target=\"text\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Siehe den Gesch\u00e4ftsbericht 1922\/23 sowie <em>Anzeiger, <\/em>Nr. 22, 6.4.1923, S. 216.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref18\" target=\"text\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Handelsgericht Wien. Registerakt C, Bd. 3, pag. 133 (WrStLa). Die M\u00fcller-Br\u00fcder wurden am 24.10.1922 als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eingetragen. Robert wurde am 1.2.1924, Erwin M\u00fcller am 18.8.1924 gel\u00f6scht.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref19\" target=\"text\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Handelsgericht Wien. Reg. C, Bd. 50, pag. 124. Die erste Eintragung ist am 15. M\u00e4rz 1921, der Gesellschaftsvertrag ist mit 13.11.1920 datiert. Erwin M\u00fcller und Gustav Remiz wurden am 18.9.1923 ins Handelsregister eingetragen. Der Gegenstand des Unternehmens wurde hiebei abge\u00e4ndert in: Der Verlag, Verkauf und Vertrieb von B\u00fcchern, Zeitschriften, Zeitungen, insbesonders in deutscher und ungarischer Sprache.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref20\" target=\"text\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Dieses hier erstmals der Robert-M\u00fcller-Forschung bekanntgemachte Gespr\u00e4chsprotokoll erschien in: <em>Der blaue B\u00fccherkurier <\/em>(Wien), XXXV. Jg., Nr. 556, 15.9.1924, S. 2. Der Interterritoriale Verlag &#8222;Renaissance&#8220; &#8211; im Wien der 20er Jahre gab es nicht weniger als drei ,Renaissance-Verlage &#8211; war auf \u00dcbersetzungsliteratur spezialisiert, k\u00fcmmerte sich nicht immer um die Urheberrechte, war im Besitz von Lucian Frank Erdtracht, alias David Erdtracht (* 9.10.1894, Klubowce, Polen), und mu\u00dfte 1926 in den Ausgleich gehen. Das hier auszugsweise wiedergegebene Gespr\u00e4ch tr\u00e4gt die \u00dcberschrift: Der Verleger. Aus meinem letzten Gespr\u00e4ch mit Robert M\u00fcller. Von LUCIAN FRANK ERDTRACHT.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref21\" target=\"text\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Der Literariakonzern &#8211; eine Musterorganisation f\u00fcr den Buchvertrieb, in: <em>Der blaue B\u00fccherkurier<\/em> (Wien), siehe Anm. 16.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref22\" target=\"text\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Dazu die Annoncen in <em>Anzeiger, <\/em>Jg. 1924, Nr. 2, 11.1.1924, S. 22-23.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref23\" target=\"text\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Eintragung im Handelsregister am 18.8.1925: Die Muskete Ges.m.b.H. in Liquidation. Die Gesellschaft ist aufgel\u00f6st und in Liquidation getreten. Die Firma wurde erst am 30.12.1927 gel\u00f6scht. \u00dcber die Muskete gibt es neulich einen umfangreichen Text- und Bildband: DIE MUSKETE. Kultur- und Sozialgeschichte im Spiegel einer satirisch-humoristischen Zeitschrift 1905-1941. Wien: Edition Tusch, 1983. Auf folgende drei Beitr\u00e4ge wird hier hingewiesen: MURRAY G. HALL, Die Verlags- und Redaktionsgeschichte, S. 7-18; FRANZ KADRNOSKA, Die Karikatur und ihre Erscheinungsform in der &#8222;Muskete&#8220;, S. 19-34; WENDELIN SCHMIDT-DENGLER, Literatur in der &#8222;Muskete&#8220;, S. 35-50.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref24\" target=\"text\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Eintragung im Handelsregister 25.8.1925. Gel\u00f6scht: 30.12.1927.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref25\" target=\"text\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Zu diesen Vorg\u00e4ngen siehe das Protokoll der ordentlichen Generalversammlung vom 20.2.1925. (Reg. C, Bd. 32, pag. 218.)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref26\" target=\"text\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Zerfall des Literaria- Konzerns, in: <em>Der blaue B\u00fccherkurier <\/em>(Wien), XXXV. Jg., Nr. 555, 1.9.1924, S. 3 f.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref27\" target=\"text\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>Nr. 5, 14.12.1922, S. 7.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref28\" target=\"text\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Ebenda, Nr. 17, 26.1.1923, S. 12: &#8222;Auf 213 Seiten in gro\u00dfem Oktavformat wird ein umfangreiches, alphabetisch nach Autoren geordnetes Katalogmaterial geboten. Ungef\u00e4hr weitere 100 Seiten enthalten Verlegeranzeigen und Verlagskataloge, ferner eine lesenswerte Darstellung \u00fcber den Werdegang der ,Literaria&#8220; A.G.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref29\" target=\"text\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Piszk war Kunstmaler (Autodidakt) und Schriftsteller. Spezialgebiet: Buchschmuck, Dekorative Kompositionen, Portr\u00e4ts.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref30\" target=\"text\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>Nr. 31, 8.6.1923, S. 305. Auch ebenda, Nr. 40, 10.8.1923, S. 383.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref31\" target=\"text\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>Nr. 35, 29.8.1923, S. 414. Bei den Vorbereitungen f\u00fcr diesen Band wandte sich Piszk an eine Reihe von Institutionen in der Hoffnung auf direkte bzw. indirekte Subventionen. So schrieb er am 24.3.1924 an Wiens B\u00fcrgermeister Karl Seitz mit der Bitte, &#8222;die Entrichtung der Inseratenabgabe ausnahmsweise zu erlassen&#8220;. Hier einige Ausz\u00fcge aus diesem Brief, die neues Licht auf das Vorhaben werfen: &#8222;Hochverehrter Herr B\u00fcrgermeister! (&#8230;) Im Einklang mit dem Schutzverband deutscher Schriftsteller in \u00d6sterreich, der die bedeutendsten Autorit\u00e4ten der \u00f6sterreichischen K\u00fcnstlerwelt in sich vereinigt, gibt die Literaria ein gro\u00dfangelegtes Werk heraus, dessen gesamter Verkaufserl\u00f6s den hungernden deutschen K\u00fcnstlern und Schriftstellern &#8211; offiziell verrechnet &#8211; zugute kommt. Die bedeutendsten Autoren Europas und Amerikas, aber haupts\u00e4chlich \u00f6sterreichische Autoren und K\u00fcnstler werden in dem bez\u00fcglichen Werk, \u201aK\u00fcnstlerhilfe-Almanach&#8220; genannt, vertreten sein. (&#8230;) Die nicht unbedeutenden Organisationskosten dieses Werkes, die sch\u00e4tzungsweise 15-20 Millionen betragen d\u00fcrften, tr\u00e4gt die Literaria in eigener Regie, w\u00e4hrend die Herstellungskosten durch den Erl\u00f6s von Inseraten der deutschen Buchverlegerschaft hereingebracht werden. (&#8230;) Der K\u00fcnstlerhilfe-Almanach, der hier in Rede steht, wird in 10.000 Exemplaren in einer St\u00e4rke von \u00fcber 300 Seiten, versehen mit einer 32seitigen Kunstbeilage, in aller Welt sorgf\u00e4ltig vertrieben werden. (&#8230;)&#8220; Die Bitte wurde nicht erf\u00fcllt. Quelle: WrStLa, MD Akten, Pr\u00e4sidialb\u00fcro, A 11, Kt. 1, Pr. Z. 793 ex 1924.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref32\" target=\"text\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> <em>Anzeiger, <\/em>Nr. 56, 30.11.1923, S. 571.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literaria A.G. Literarische Vertriebs- und Propaganda-Gesellschaft m.b.H. Die &#8222;Literaria&#8220;-A.G. Gesch\u00e4ftliche Entwicklung 1922-1925 Die Hermann Goldschmiedt Ges.m.b.H. Die Ullstein Auslieferung Wien Ges.m.b.H. &#8222;Die Muskete&#8220; Ges.m.b.H. &#8222;Ister&#8220; Verlagsproduktion 1923\/24 Die Zeit der Krise Der &#8222;Literaria-Verlag&#8220; Wenn der \u00f6sterreichische Buchhandel dereinst einen Geschichtsschreiber finden sollte, so wird dieser der Entwicklung der Literaria A.G.\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=366\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-366","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=366"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2544,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/366\/revisions\/2544"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}