{"id":464,"date":"2015-09-10T15:55:06","date_gmt":"2015-09-10T13:55:06","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=464"},"modified":"2016-01-26T14:46:30","modified_gmt":"2016-01-26T12:46:30","slug":"renaissance-verlag","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=464","title":{"rendered":"Renaissance-Verlag"},"content":{"rendered":"<h3>Renaissance-Verlag<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">&#8222;Renaissance-Verlag&#8220; Dr. Martin Brussot Verlag<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">Renaissance-Verlag\/Verlag der &#8222;Renaissance&#8220;<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading3\" target=\"_self\">Interterritorialer Verlag &#8222;Renaissance&#8220; (Wien-Leipzig)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Es mag nicht verwundern, da\u00df nach Ende des Weltkriegs und nach &#8222;Ausbruch des Friedens&#8220; eine Reihe von Firmen das Wort &#8222;Renaissance&#8220; in den Firmawortlaut aufnahmen. Es gab zumindest zwei Verlage und eine Zeitschrift, die dies taten.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> &#8222;Renaissance-Verlag&#8220; Dr. Martin Brussot Verlag (Wien-Leipzig-Berlin)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span style=\"font-size: 0.7em; vertical-align: top;\">[1]<\/span><\/a><\/h3>\n<p>Mitte Mai 1922 machte der am 19.2.1881 in Budapest geborene Schriftsteller Dr. phil. Martin Brussot die Korporation der Wiener\u00a0Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler darauf aufmerksam,<\/p>\n<p class=\"zitat\">da\u00df ich unter der Firma &#8222;Renaissance-Verlag&#8220;, unterst\u00fctzt durch reichsdeutsche Interessenten, einen neuen belletr. Verlag f\u00fcr gediegene Romanliteratur begr\u00fcndet habe. Dieser bringt neben meinen eigenen Werken (bisher Georg M\u00fcller Vlg etc.) solche erstrangiger deutscher Autoren, sodann Werke franz\u00f6sischer, spanischer, portugiesischer und brasilianischer Meistererz\u00e4hler, Literaturwissenschaftliches und Kunstdrucke. Hergestellt werden unsere Verlagswerke in Leipzig, M\u00fcnchen bzw. Berlin. Meine Vertretung \u00fcbernimmt F. Volckmar in Leipzig.<br \/>\nDie ersten Werke erscheinen zu Pfingsten. (&#8230;)<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Eine Woche sp\u00e4ter (27.5.1922) wurde allerdings nun die Firma &#8222;M. Brussot Verlag&#8220; bei der Korporation protokolliert. Fallengelassen wurde die Firmabezeichnung &#8222;Renaissance-Verlag&#8220;, desgleichen &#8222;Renaissance-B\u00fccherei&#8220;. \u00dcbrig blieb ein &#8222;Selbstverlag&#8220; zum Vertrieb eigener Werke in Wien 9., Pfluggasse 6, und hief\u00fcr bedurfte Brussot keiner Konzession. Doch als Korporationsmitglied war er beitragspflichtig.<\/p>\n<p>Die Verlagsproduktion hielt sich in kleinen Grenzen: In den ersten f\u00fcnf Jahren kamen zwei Werke Brussots heraus. Entsprechendes liest man in einer Mitteilung an die Korporation vom 19.11.1925:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich habe einen ganz, aber schon ganz kleinen Verlag von 2 Werken, edierte seit 3 Jahren nichts mehr u. setze so gut wie nichts ab.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Mittlerweilen scheint die Firma 1925 im Adre\u00dfbuch des \u00f6sterreichischen Buchhandels als &#8222;Renaissance-Verlag, Verlagshandel f\u00fcr Belletristik und Literatur in Wien&#8220; auf, soda\u00df es, wenn auch nur kurze Zeit, zwei nicht protokollierte Firmen mit \u00e4hnlichem Namen gibt.<\/p>\n<p>Wiederum in Zusammenhang mit dem Jahresbeitrag der Korporation liest man in einem Schreiben vom 17.10.1927 zum Gesch\u00e4ftsgang folgendes:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich habe, wie Ihnen sicherlich bekannt ist, einen nur ganz kleinen Verlag, d.h. ich habe seit 5 Jahren (u.zw. 1922\/23) blo\u00df 2 B\u00fccher herausgegeben, die mir nicht einen Groschen Profit einbrachten, dagegen aber ein betr\u00e4chtliches Defizit verursachten. Reich ist so ein kleiner Verleger nun einmal nicht, der sich nebenher als freier Schriftsteller sein k\u00e4rglich zugemessenes Brot erwerben mu\u00df. Glauben Sie mir, man ist nicht auf Rosen gebettet.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im November dieses Jahres k\u00fcndigte Brussot im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>ein neues Werk im Renaissance-Verlag an: <em>Das Jordanwunder. Roman.<\/em><a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a> Die diversen Verlagswerke fanden nicht gerade rei\u00dfenden Absatz, wie man folgender Bemerkung Brussots in einem Schreiben vom 19.11.1928 entnehmen kann:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Mein Umsatz j\u00e4hrlich\u00a0beziffert sich auf ein paar Schilling; im gro\u00dfen und ganzen wird draufgezahlt.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"Reference\">[6]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Kurze Zeit darauf, n\u00e4mlich am 2. J\u00e4nner 1929, stellte der &#8222;Renaissance-Verlag&#8220; seinen &#8222;Betrieb&#8220; ein. Dazu Brussot an die Korporation:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Da sich mein Verlag leider nicht verlohnt, sehe ich mich gen\u00f6tigt ihn aufzugeben und aus der Korporation auszuscheiden. Den noch von mir geschuldeten Betrag werde ich mir erlauben in monatl. Zahlungen an die gesch. Korporation zu begleichen. (&#8230;)<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"Reference\">[7]<\/span><\/a><\/p>\n<p>So weit der Selbstverlag namens &#8222;Renaissance-Verlag&#8220;.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> Renaissance-Verlag\/Verlag der &#8222;Renaissance&#8220;<\/h3>\n<p>Auch ein Zeitschriftenverlag der jungen Republik trug den Namen &#8222;Renaissance&#8220;. Wie im Fall anderer Verlage, z.B. &#8222;Verlag ,Die Fackel&#8220;&#8220;, &#8222;Verlag ,Der Friede&#8220;&#8220;, &#8222;Verlag der Wiener Weltb\u00fchne&#8220; usw. war der Firmaname mit dem Zeitschriftentitel identisch. Sitz dieser &#8222;Firma&#8220; war Wien 3., Ungargasse 3. Herausgeber der Halbmonatsschrift <em>Renaissance, <\/em>die erstmals Mitte M\u00e4rz 1921 erschien, war Stephan Hartenstein. Eingestellt wurde die Zeitschrift, deren Umfang zwischen 12 und 20 Seiten schwankte, im selben Jahr, und zwar mit Nr.10, dem 2. September-Heft. Mit neuem Format (A 4) e<br \/>\nrschien sie neuerlich ab 13. Oktober 1923 als <em>Die Kritik. <\/em>&#8222;II. Jahr der ,Renaissance&#8220;&#8220;, allerdings ohne Verlagsangabe. Eigent\u00fcmer und Herausgeber war wiederum Stephan Hartenstein. <em>Die Kritik <\/em>stellte mit Nr. 3\/4 vom 5. November 1923 ihr Erscheinen ein.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> Interterritorialer Verlag &#8222;Renaissance&#8220; (Wien-Leipzig)<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span style=\"font-size: 0.7em; vertical-align: top;\">[8]<\/span><\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Renaissance-Verlag1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-791\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Renaissance-Verlag1.jpg\" alt=\"Renaissance-Verlag\" width=\"150\" height=\"185\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Renaissance-Verlag1.jpg 360w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Renaissance-Verlag1-243x300.jpg 243w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Renaissance-Verlag1-121x150.jpg 121w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Die &#8222;Geschichte&#8220; dieses Unternehmens hat alle Ingredienzien eines Thrillers: Medienjustiz, Selbstmordversuche, Auftritte bei Gericht, Namensverwirrung usw. Sie beginnt im Jahre 1920. Der Wiener Hauptakteur hei\u00dft Davis bzw. David bzw. Lucian Frank Erdtracht. Er wurde am 9. Oktober 1894 in Klubowce, Polen, geboren, organisierte die erste zionistische Studentenverbindung in Wien, absolvierte die Hochschule f\u00fcr Welthandel in Wien, besuchte die Exportakademie und diente im Ersten Weltkrieg als j\u00fcdischer Frontoffizier, danach in der Reserve. Aus seiner Erfahrung heraus schrieb er die Brosch\u00fcre <em>Die Juden im Weltkriege. <\/em><\/p>\n<p>1920 gr\u00fcndet Davis alias David Erdtracht in Wien einen Verlag. Er verlegt zun\u00e4chst Werke zionistischen Inhalts und zeichnet z.B. als Herausgeber der zweib\u00e4ndigen <em>Geschichte des Zionismus <\/em>von Nahum Sokolow. Im selben Jahr gibt Erdtracht eine 7b\u00e4ndige Reihe mit dem Titel <em>An der Schwelle der Wiedergeburt <\/em>heraus (Beispiel: <em>Pal\u00e4stina. Das Land der j\u00fcdischen Gegenwart und Zukunft<\/em>). Die erste Folge hat folgendes Impressum: &#8222;Im Verlag ,Wiedergeburt&#8220;. &#8211; Hochschule f\u00fcr Welthandel, Wien-D\u00f6bling&#8220;, w\u00e4hrend eine weitere Folge eine andere Formulierung aufweist: Interterritorialer Verlag &#8222;Wiedergeburt&#8220;, Wien-Berlin-Warschau-London-New York (!).<\/p>\n<p>Ein erster Versuch, sich branchenm\u00e4\u00dfig zu etablieren, erfolgt im November 1920: ein Druckereibesitzer namens Ignaz Citron &#8211; er druckt die fr\u00fchen Werke Erdtrachts &#8211; sucht bei der Korporation um Verleihung einer Konzession zum Betrieb eines Verlags am Sitz seiner Firma an. Die neue Firma soll nun &#8222;Interterritorialer Verlag Renaissance (&#8222;Wiedergeburt&#8220;) hei\u00dfen. Die Konzession wird aber offensichtlich nicht verliehen. 1921 unternimmt Davis Erdtracht den ersten seiner Selbstmordversuche: er versucht sich mit Leuchtgas zu vergiften. Zwei Jahre sp\u00e4ter wird er es mit Lysol probieren.<\/p>\n<p>Mittlerweile entpuppt sich der &#8222;Renaissance-Verlag&#8220; als eine multinationale Firma, als Ableger des &#8222;Interterritorialen Verlags&#8220; bzw. des &#8222;Interterritorial Publishing Concern&#8220; mit Sitz in Berlin, Warschau, London, New York und last, but not least: Wien. Derselbe Davis bzw. David Erdtracht bzw. Lucian Frank Erdtracht in Wien d\u00fcrfte aber nebenbei einen weiteren Verlag gef\u00fchrt haben. Er nennt sich (nomen es Omen!) &#8222;West-Ost-Verlag&#8220; mit Sitz in Leipzig und Wien. \u00c4u\u00dferes Zeichen f\u00fcr dessen Existenz: 1922 erscheint ebendort Robert M\u00fcllers <em>Flibustier. <\/em>Sp\u00e4ter wird das Signet mit Interterritorialer Verlag Renaissance \u00fcberklebt9.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"Reference\">[9]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Am 15. Juli 1922 erfolgte die Inkorporation der Firma Interterritorialer Renaissance-Verlag Davis Erdtracht. Wenig sp\u00e4ter richtete der Alleininhaber dieser Firma ein Schreiben an das Mag. Bezirksamt f. d. 1. Bezirk mit der Bitte um Verleihung einer Konzession zum Verlage von B\u00fcchern, Musikalien und Kinowerken im Standort 1., Johannesgasse 14. Er begr\u00fcndete sein Ansuchen folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich bin Mitinhaber eines Verlagsgesch\u00e4ftes, welches unter der Firma &#8222;Renaissance-Verlag&#8220; in Polen, Deutschland, Ungarn, Rum\u00e4nien und Amerika t\u00e4tig ist. Unser Verlag hat eine Reihe von guten B\u00fcchern in deutscher und polnischer Sprache herausgegeben und die hervorragendsten Autoren verkauften uns ihre Werke. Hans Heinz Evers (sic), Nossig, Kaiser, Andrejew, Miljukow, Tolstoj, Nordau und viele andere haben ihre Werke in unserem Verlage herausgegeben.<br \/>\nAus verschiedenen Gr\u00fcnden sehe ich mich nun veranla\u00dft in Wien einen selbst\u00e4ndigen Verlag zu gr\u00fcnden und dessen Wirkungskreis dahin auszudehnen, da\u00df ich auch den Vertrieb von Theater- Musikalien- und Kinowerken einf\u00fchren w\u00fcrde.<br \/>\nIch bin selbst Schriftsteller und die von mir bis heute herausgegebenen Werke hervorragender Autoren, die mit mir in st\u00e4ndigem Kontakte verbleiben, wie auch die vielen Werke, die bereits gedruckt werden und demn\u00e4chst noch unter der alten Firma erscheinen werden, sind ein gen\u00fcgender Bef\u00e4higungsnachweis f\u00fcr meine Berufst\u00e4tigkeit.\u00a0<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"Reference\">[10]<\/span><\/a><\/p>\n<p>In ihrer Stellungnahme vom 26. August 1922 f\u00fchlte sich die Korporation veranla\u00dft, sich gegen die Erteilung der nachgesuchten Verlagskonzession unter dieser Firmabezeichnung auszusprechen, und zwar &#8222;mit R\u00fccksicht auf die mehrfache Verwendung des Namens ,Renaissance-Verlag&#8220;, die im Buchhandel zu vielfachen Irrt\u00fcmern f\u00fchrt&#8220;. Und au\u00dferdem:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Dadurch, da\u00df der Konzessionsansucher David Erdtracht bereits Mit-Inhaber eines Verlags-Gesch\u00e4ftes ist, ist die Notwendigkeit nicht gegeben ein eigenes Verlagsgesch\u00e4ft hier in Wien zu errichten, das dieselben Zwecke verfolgt wie das z.B. in Deutschland bestehende an dem er Mit-Inhaber ist.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><span class=\"Reference\">[11]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Erdtracht kam doch noch zu seiner Konzession. Es d\u00fcrfte ein Kompromi\u00df dahingehend erreicht worden sein, da\u00df das Wort &#8222;Renaissance&#8220; an dritter Stelle aufschien.<\/p>\n<p>Im Oktober desselben Jahres wurde die Ost-West-Linie konsequent fortgef\u00fchrt, denn in diesem Monat erschien die allererste Nummer einer neuen periodischen Druckschrift, die <em>Der Osten <\/em>betitelt wurde. Diese &#8222;einzige Zeitung in deutscher und polnischer Sprache&#8220; wurde vom &#8222;Chefredakteur&#8220; Lucian Frank Erdtracht betreut. Der Eigent\u00fcmer hie\u00df David Erdtracht. <em>Der Osten <\/em>verstand sich als &#8222;Verst\u00e4ndigungsorgan zwischen dem Westen und dem neuen Polen&#8220;, als &#8222;das geeignetste Vermittlungsorgan zwischen Osten und Westen&#8220;. Die Zeitung hielt sich nur sehr kurz: h\u00f6chstwahrscheinlich sind nicht mehr als f\u00fcnf Folgen erschienen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Garconne_Renaissance_Verlag.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1881\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1881\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Garconne_Renaissance_Verlag.jpg\" alt=\"Garconne_Renaissance_Verlag\" width=\"220\" height=\"326\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Garconne_Renaissance_Verlag.jpg 3267w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Garconne_Renaissance_Verlag-203x300.jpg 203w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Garconne_Renaissance_Verlag-768x1136.jpg 768w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Garconne_Renaissance_Verlag-692x1024.jpg 692w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Garconne_Renaissance_Verlag-101x150.jpg 101w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>Aber bereits zu dieser Zeit hatte der Interterritoriale Verlag &#8222;Renaissance&#8220;, worauf das vorhin zitierte Ansuchen hindeutet, ein umfangreiches Programm: eine Verlagsanzeige im <em>Osten <\/em>zeigt vierzig Werke in polnischer \u00dcbersetzung, darunter 4 Werke von Leo Perutz, 4 von Gustav Meyrink, 2 von Arthur Schnitzler, 2 von Gerhart Hauptmann, 4 von Jakob Wassermann, 2 von Hans Heinz Ewers, 3 von Albert Einstein, 1 von Hermann Hesse <em>(Demian), <\/em>1 von Thomas Mann, 2 von Oskar Wilde und 1 von Hugo Bettauer <em>(Die Stadt ohne Juden). <\/em>Daneben finden sich 38 Werke in deutscher Sprache. Die Produktion der folgenden Jahre zeigt ein eindeutiges \u00dcbergewicht bei \u00dcbersetzungswerken, d.h. \u00dcbertragungen aus einer Fremdsprache ins Deutsche. Und in dieser Hinsicht zeigen sich Parallelen zum &#8222;Wiener Verlag&#8220; des Fritz Freund zwei Jahrzehnte zuvor. Das lag einmal an den f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Buchhandel zu dieser Zeit erstaunlich hohen Auflagenzahlen und einmal an der Tatsache, da\u00df es Erdtracht mit autorisierten \u00dcbersetzungen und der Erwerbung der Zustimmung des \u00fcbersetzten Autors nicht sonderlich genau nahm. Ein solcher Betroffener, Gustav Meyrink, erhob gegen Erdtracht den Vorwurf, seine B\u00fccher unbefugt in polnischer Sprache herausgegeben zu haben. Es war aber ein zweiter Fall, der die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit auf David bzw. Lucian Frank Erdtracht und den Interterritorialen Verlag &#8222;Renaissance&#8220; lenkte. Erdtracht machte viel von sich reden, als er pl\u00f6tzlich mit einem ber\u00fchmten Buch auf den Markt kam. In Paris hatte es <em>La Gar\u00e7onne <\/em>von Victor Margueritte zu einer hohen Auflagenziffer gebracht; der Roman galt als der meistgelesene des Jahres.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Man betrachtete es als besondere Geschicklichkeit des Renaissance-Verlages, da\u00df es ihm gelungen war, vor allen anderen deutschen Verlegern diesen Roman zu erwerben und so rasch in den Handel zu bringen. Aber kurze Zeit, nachdem der Roman in deutscher Sprache erschienen war, meldete sich bereits Paul Margueritte und teilte mit, da\u00df er von einer rechtsm\u00e4\u00dfigen \u00dcberlassung seines Romanes &#8222;La Gar\u00e7onne&#8220; an den Renaissance-Verlag nichts wisse, da\u00df ein Vertreter dieses Verlages niemals mit ihm verhandelt habe, und da\u00df die \u00dcbersetzung unrechtm\u00e4\u00dfig erfolgt sei.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><span class=\"Reference\">[12]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Pariser Verlag Ernst Flammarion pochte auf seine Rechte, die \u00fcbrigens dem Karl Schusdek Verlag in Wien zugesprochen worden waren, und strengte gegen David Erdtracht eine Urheberrechtsklage an.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Sch\u00f6ffensenat, vor welchem die Klage verhandelt wurde, sprach Erdtracht des bewu\u00dften und unbefugten Eingriffes in das Urheberrecht schuldig und verurteilte ihn zu vier Millionen Kronen Geldstrafe, im Nichteinbringungsfalle zu zehn Tagen Arrest. Der Gerichtshof erkannte auf den Verfall der B\u00fccher, wo immer sie vorgefunden werden. Au\u00dferdem wurde der Angeklagte zu einer Geldbu\u00dfe von vier Millionen Kronen und zur Entrichtung eines Schadenersatzbetrages von zwanzig Millionen Kronen an den Pariser Verlag verurteilt. Mit den weiteren Anspr\u00fcchen wurde der Verlag auf den Zivilrechtsweg verwiesen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><span class=\"Reference\">[13]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Trotz der saftigen Strafe war Erdtracht gesch\u00e4ftst\u00fcchtig genug, um aus der Not eine Tugend zu machen und doch noch auf der Margueritte-Erfolgswelle zu reiten. Er bot einen Ersatz an und f\u00fchrte im <em>Anzeiger <\/em>1924 eine wochenlange Polemik mit seinem Wiener Kontrahenten Karl Schusdek. Im Mai 1924 warb er mit dem K\u00f6der &#8222;Konfisziert und wieder freigegeben&#8220;, was zu allen Zeiten verkaufsf\u00f6rdernd gewesen ist. Das Werk war eine <em>La Gar\u00e7onne-<\/em>Parodie von Hans Reimann, und deren Auflage wurde sehr bald mit 80.000 angegeben. Nichtsdestotrotz verga\u00df man in sp\u00e4teren Jahren diese Erdtracht-Aff\u00e4re nicht. Ende 1925 schien das Verlagsgesch\u00e4ft an einen Tiefpunkt gelangt zu sein. Erdtracht war u.a. nicht in der Lage, den Angestellten ihre Geh\u00e4lter zu zahlen, der Interterritoriale Verlag &#8222;Renaissance&#8220; war \u00fcberschuldet, die Passiva betrugen nach eigener Darstellung S 134.845.68, die Aktiva S 112.100.17.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><span class=\"Reference\">[14]<\/span><\/a> Doch die Forderungen der 57 Gl\u00e4ubiger, von denen die meisten kleinere Buchdruckereien waren, waren wesentlich h\u00f6her. Erdtracht bot in seinem Ausgleichsantrag vom 15. Dezember eine Ausgleichsquote von 50%. Darauf schlagzeilte <em>Die Stunde <\/em>den &#8222;Zusammenbruch eines Wiener Buchverlages&#8220; (20.1.1926, S. 6) und bekam postwendend eine Zuschrift von D. Erdtracht mit dem Ersuchen, &#8222;auch seine Stimme zu h\u00f6ren&#8220;. Hier seine &#8222;Stimme&#8220;, die f\u00fcr die Verlagsgeschichte nicht uninteressant ist:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Renaissance-Verlag ist trotz des Ausgleichsansuchens nicht zusammengebrochen; er besteht und wird weiter bestehen. Da ich imstande war, innerhalb kurzer Zeit einen angesehenen Verlag unter Mitwirkung namhaftester Autoren zu gr\u00fcnden und zu entwickeln, w\u00e4re es mir nicht schwer gefallen die jetzigen schwierigen Verh\u00e4ltnisse im Buchgewerbe zu \u00fcberwinden. Aber die Verfolgungen und Verhetzungen, denen ich (&#8230;) ausgesetzt war, haben meine Nerven zerr\u00fcttet, meine Arbeitslust untergraben, mein Werk, wenn nicht zerst\u00f6rt, so doch gest\u00f6rt. Ich habe mich nur nach langem inneren Kampf entschlossen, um den Ausgleich anzusuchen. Ich will die Lage meines Verlages kl\u00e4ren und nach Best\u00e4tigung des Ausgleiches nicht nur die angebotenen 50%, sondern auch die restlichen 50% in absehbarer Zeit bezahlen. (ebda., 22.1.1926, S. 6)<\/p>\n<p>Am 11. M\u00e4rz 1926 wurde der 50%ige Ausgleich im Verfahren beim Handelsgericht best\u00e4tigt. Doch der finanzielle Aderla\u00df und eine Pressekampagne von bestimmten Lagern f\u00fchrten dazu, da\u00df das Gesch\u00e4ft nicht mehr anlief. Kaum hatte sich Erdtracht finanziell und psychisch von diesem R\u00fcckschlag erholt, als er durch Revolverjournalismus zum \u00c4u\u00dfersten getrieben wurde.<\/p>\n<p>Am 4. Juni 1926 begann das ber\u00fcchtigte Revolverblatt <em>Der Abend, <\/em>das &#8211; laut Motto &#8211; wenn es St\u00e4rkere gab, sich immer auf der Seite des Schw\u00e4cheren befand, seine Berichterstattung \u00fcber &#8222;Das Geheimnis der jungen Menschen, die in Wien verschwinden&#8220;. Es sei dem <em>Abend <\/em>n\u00e4mlich gelungen, den &#8222;Freund&#8220; eines der &#8222;letztverschwundenen&#8220; Burschen, eines 16j\u00e4hrigen Friseurlehrlings, ausfindig zu machen. Diesem &#8222;Freund&#8220; wurden vom <em>Abend <\/em>intime Beziehungen mit dem Burschen vorgeworfen. Und die sensationelle Enth\u00fcllung gibt es auf der ersten Seite: &#8222;Es ist jener Erdtracht, dessen Name der \u00d6ffentlichkeit bekannt wurde, als die Schmutzereien des von ihm gegr\u00fcndeten und geleiteten ,Renaissanceverlages&#8220; aufkamen&#8220;.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><span class=\"Reference\">[15]<\/span><\/a> Fazit: zwischen beiden mu\u00df &#8222;ein sehr intimes Verh\u00e4ltnis geherrscht haben&#8220;. Auch am n\u00e4chsten Tag wurde berichtet. Diesmal wurde die Polizei in sprichw\u00f6rtlicher <em>Abend<\/em>-Manier aufs Korn genommen, weil sie von einer Verbindung zu Erdtracht nichts wu\u00dfte und eine solche auch nicht nachweisen konnte. <em>Der Abend <\/em>lie\u00df nicht locker: die Kampagne gegen Erdtracht wurde in der n\u00e4chsten Woche fortgesetzt. Nun durfte der Vater des Verschwundenen im <em>Abend <\/em>&#8222;auspacken&#8220;. <em>Der Abend <\/em>setzte sich auch mit einem Bericht auseinander, der in dem weniger auf Sensationen ausgerichteten <em>Neuen Wiener Journal <\/em>erschienen war: &#8222;Eine L\u00fcge und ihre Widerlegung&#8220;. Die L\u00fcge bezog sich freilich auf das <em>Neue Wiener Journal. <\/em>Am 9. Juni erschien ein gro\u00dfer Bericht auf S. 3 unter der \u00dcberschrift &#8222;Der Verleger Frank Erdtracht k\u00fcndigt Selbstmord an. Motiv: Verleumdung durch den \u201aAbend&#8220;&#8220;. In der <em>Stunde <\/em>hei\u00dft es: &#8222;Das Verschwinden des Verlegers Erdtracht. Man bef\u00fcrchtet, da\u00df er Selbstmord begangen habe&#8220; (10.6.1926, S. 4). Tats\u00e4chlich hat Erdtracht &#8211; im <em>NWJ <\/em>hei\u00dft er &#8222;Lucian Frank&#8220;, in der <em>Stunde <\/em>hingegen &#8222;David&#8220; &#8211; \u00fcberall pers\u00f6nliche Abschiedsbriefe abgegeben und \u00e4hnliche Schreiben an eine ganze Reihe von Zeitungsredaktionen geschickt.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Verleger Lucian Frank Erdtracht, der Inhaber des Renaissanceverlages, hat gestern an die Redaktion unseres Blattes ein Schreiben gerichtet, worin er seinen Entschlu\u00df mitteilt, durch Selbstmord aus dem Leben zu scheiden. Erdtracht bezeichnet sich in seinem Abschiedsbrief als Opfer des &#8222;Abend&#8220;, der ihn durch eine Verleumdungskampagne in den Tod getrieben habe. Der Abschiedsbrief Erdtrachts hat folgenden Wortlaut:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wien, 8. Juni 1926<br \/>\nHochverehrte Redaktion!<br \/>\nWenn Sie diese Zeilen lesen, habe ich vom Leben Abschied genommen. Gestatten Sie mir nur einige Worte, f\u00fcr die ich Kraft noch finde.<br \/>\nMan soll meinen Schritt nicht mi\u00dfverstehen. Ich habe gewartet, da\u00df die Polizei einwandfrei feststellen konnte, da\u00df an den unerh\u00f6rten, verlogensten Angriffen des &#8222;Abend&#8220; kein Wort wahr ist. (&#8230;)<br \/>\nIch habe nie den Mut verloren! Da kam der &#8222;Abend&#8220;. Seine wiederholten Angriffe haben mich nie gest\u00f6rt. Sie waren auf L\u00fcge, organisierter Hetze aufgebaut. Die Angriffe &#8211; waren politischer und gesch\u00e4ftlicher Natur.<br \/>\nAber der letzte pers\u00f6nliche Angriff vorige Woche hat mein Innerstes zerst\u00f6rt, mein Wesen ruiniert. L\u00fcge, L\u00fcge und nur L\u00fcge! &#8211; in jeder Zeile des &#8222;Abend&#8220;. Mein Gef\u00fchlsleben und Gesellschaftsleben hat der &#8222;Abend&#8220; zerst\u00f6rt &#8211; der Sensationsgier, der Scheinmoral wegen. (&#8230;)<br \/>\nErdtracht.<\/p>\n<p>Am 10. Juni schlie\u00dflich wu\u00dfte man mehr:<\/p>\n<p class=\"zitat\">SELBSTMORDVERSUCH DES VERLEGERS FRANK ERDTRACHT Mit einer Schu\u00dfwunde am linken Oberarm aufgefunden. (Orig.-Bericht des NWJ) (10.6.26, S. 5)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Erdtracht wurde in der N\u00e4he der Urania, einen Trommelrevolver in der Hand, verletzt aufgefunden und in die Unfallstation gebracht. Sein Zustand war nicht gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Die Polizei vermochte noch immer nicht &#8211; trotz des <em>Abends <\/em>&#8211; den verschwundenen Burschen mit Erdtracht in Verbindung zu bringen, aber <em>Der Abend <\/em>hatte wieder einmal sein Ziel erreicht. Dazu der h\u00e4mische Kommentar dieses Blattes<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8222;Die Verletzung des Herrn Erdtracht&#8220;):<br \/>\nNach dem Gutachten der behandelnden \u00c4rzte ist die Verletzung des Herrn Erdtracht eine leichte. Der Knochen ist unversehrt und auch von einer ernsten Fleischwunde kann keine Rede sein. In einigen Tagen wird die Schramme geheilt sein. (10.6. 1926, S. 2)<\/p>\n<p>Und damit h\u00f6rte die Berichterstattung im <em>Abend <\/em>\u00fcber Erdtracht auf. Die Episode brachte aber zugleich die Ausgleichszahlung ins Wanken:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der zweite Grund ist der Umstand, da\u00df ich infolge meines Falles, der durch die Angriffe des &#8222;Abend&#8220; verursacht wurde, derart gesundheitlich herabgekommen bin, da\u00df ich in den letzten Monaten vollst\u00e4ndig arbeitsunf\u00e4hig war und w\u00e4re ohne Hilfe meiner Freunde \u00fcber die allt\u00e4glichen Sorgen kaum hinweggekommen.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><span class=\"Reference\">[16]<\/span><\/a><\/p>\n<p>So weit Erdtracht an seine Gl\u00e4ubiger im Oktober 1926. W\u00e4hrend seiner langen Abwesenheit von Wien wurden von der Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler allerlei Schritte unternommen, um Erdtracht und seinen Verlag in Mi\u00dfkredit zu ziehen: es wurde beim <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>protestiert, Anzeige erstattet; im <em>Anzeiger <\/em>wurden Ger\u00fcchte kolportiert, wonach ein Konkursantrag gegen Erdtracht abgewiesen worden w\u00e4re. Fazit Erdtrachts:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich habe demnach den Eindruck, da\u00df die Korporation der Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler in Wien von irgendeiner Seite, planm\u00e4\u00dfig gegen mich aufgehetzt wird und jedenfalls \u00fcber meine Verlagst\u00e4tigkeit falsch informiert ist.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><span class=\"Reference\">[17]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Interterritoriale Verlag &#8222;Renaissance&#8220; trat als eigener Verlag nicht mehr in Erscheinung. Es wurde in Wien lediglich die Vertretung des Verlages Interterritorial Wydawinczy &#8222;Renaissance&#8220; Warschau gef\u00fchrt. Nach 1930 d\u00fcrfte Erdtracht Wien verlassen haben. \u00dcber sein weiteres Schicksal konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.<\/p>\n<h4>Die Produktion<\/h4>\n<p>Als im Interterritorialen Verlag &#8222;Renaissance&#8220; lang nichts mehr erschienen war, schrieb Erdtracht im bereits zitierten Brief vom 14.4.1927 an die Korporation folgendes in eigener Sache:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich gestatte mir noch darauf hinzuweisen, da\u00df ich bis heute zka 200 Werke in deutscher und polnischer Sprache herausgegeben habe, und zwar in einem Zeitraume von 4 Jahren und da\u00df die bedeutendsten deutschen Autoren, wie: Hauptmann, Schnitzler, Wassermann, Thomas Mann usw. in mir den Propagator f\u00fcr die \u00dcbersetzung ihrer Werke in die polnische Sprache gefunden haben. Dies in einer Zeit, wo der Deutschenha\u00df in Polen in h\u00f6chster Bl\u00fcte stand.<\/p>\n<p>In einer Verlagsanzeige von 1923 waren bereits 77 (lieferbare) Werke verzeichnet. Es scheint daher sehr fraglich, ob der Verlag bis Ende 1925 &#8211; in diesem Jahr erschienen die letzten B\u00fccher &#8211; tats\u00e4chlich und insgesamt an die 200 Werke herausgab.<\/p>\n<p>Obwohl der Verlag das Schwergewicht auf deutsche \u00dcbersetzungen fremdsprachiger Werke legte (z.B. Julius Slowacki, Claude Farr\u00e9re, D&#8217;Annunzio, Upton Sinclair, Alexander Kuprin, E.A. Poe, Paul Bourget, Georges Duhamel etc.), waren auch deutsche und \u00f6sterreichische Autoren vertreten: Adolf Gelber, Carl Julius Haidvogel, Heinrich Husserl, Paul Frank, Hans Liebst\u00f6ckl, Alfons Petzold, Johann Nestroy, Robert M\u00fcller, Lothar Ring, Richard A. \u00c9don, Georg Kaiser, L.W. Rochowanski, Kurt Sonnenfeld u.a.<\/p>\n<p>Die sehr aggressive Verkaufswerbung erinnert stark an die des &#8222;Wiener Verlags&#8220;. Frappierend sind, wie bereits erw\u00e4hnt, die hohen Auflagen, die der Verlag in Anzeigen auch werbewirksam einzusetzen wu\u00dfte, wenn man z.B. Richard A. \u00c9dons &#8222;Roman der Gegenwart&#8220; <em>Rausch, <\/em>dessen Startauflage 40.000 Exemplare betrug oder Alexander Kuprins <em>Jama,<\/em> <em>Die Lastergrube <\/em>(Auflage \u00fcber 70.000) als Beispiele heranzieht.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading4\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Quellenhinweis: Akt Gremium\/Renaissance-Verlag.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Schreiben Dr. Martin Brussot vom 16.5.1922, ebenda.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Gremium\/Renaissance-Verlag. Bei diesen zwei Verlagswerken handelt es sich um: Landst\u00f6rz Wenzel Nazdaryk. Roman und Die Stadt der Lieder. Roman (zuerst Leipzig 1913).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Akt Gremium.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Nr. 270, 21.11.1927, S. 11314. Das Werk scheint im <em>DBV <\/em>nicht auf.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Schreiben im Akt Gremium\/Renaissance-Verlag.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Hauptquelle: Akt Gremium\/Interterritorialer Verlag ,Renaissance&#8216;.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Dazu LUCIAN FRANK ERDTRACHT, Der Verleger. Aus meinem letzten Gespr\u00e4ch mit Robert M\u00fcller. In: <em>Der Blaue B\u00fccherkurier <\/em>(Wien), XXXV. Jg., Nr. 556, 15.9.1924, S. 2: &#8222;(&#8230;) Robert M\u00fcller lernte ich als Verleger seines Romans ,Flibustier&#8216;, seines letzten kennen. Zu jener Zeit war er noch obdachlos, das hei\u00dft ohne jede St\u00fctze. Er kam zu mir fast jeden Tag und wir plauderten \u00fcber Schriftsteller, Verleger und B\u00fccher.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Akt Gremium. Zitiert nach einem Schreiben des MBA I an die Korporation.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Akt Gremium.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref12\" target=\"text\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a><em> Die Stunde <\/em>(Wien), 20.1.1926, S. 6.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref13\" target=\"text\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> <em>Anzeiger<\/em>, Nr. 41, 10.10.1924, S. 470.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref14\" target=\"text\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Quelle: Ausgleichsantrag David Erdtracht im Akt Gremium. (Handelsgericht Wien. Ausgleich. Sa 1623\/25; der Akt war im Bestand der WrStLa leider nicht vorhanden.)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref15\" target=\"text\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> <em>Der Abend <\/em>(Wien), 12. Jg., Nr. 126, S. 1.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref16\" target=\"text\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Rundschreiben Erdtrachts Mitte Oktober 1926 an die diversen Gl\u00e4ubiger. (Akt Gremium)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref17\" target=\"text\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Schreiben vom 14.4.1927. Zur Person des Verlegers soll auf Grund einer Meldeauskunft des WrStLa vom 29.3.1983 folgendes nachgetragen werden: der polnische Staatsb\u00fcrger David Erdtracht meldete sich im November 1928 ins Ausland ab. Er scheint 1929 einmal wieder auf, verlie\u00df Wien, hat sich aber nicht offiziell abgemeldet. Da ein &#8222;Lucian Frank&#8220; Erdtracht nicht ermittelt werden konnte, liegt der Schlu\u00df nahe, da\u00df David Erdtracht sich diesen Namen zulegte. In den 20er Jahren bis Anfang der 30er Jahre ist ein &#8222;Hochsch\u00fcler&#8220; bzw. Verleger Ludwig E. in Wien gemeldet gewesen. Sein ordentlicher Wohnsitz war Paris, und er meldete sich im Juli 1931 nach Stanislau, Polen ab.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref18\" target=\"text\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> RICHARD KOLA, <em>R\u00fcckblick<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Renaissance-Verlag &#8222;Renaissance-Verlag&#8220; Dr. Martin Brussot Verlag Renaissance-Verlag\/Verlag der &#8222;Renaissance&#8220; Interterritorialer Verlag &#8222;Renaissance&#8220; (Wien-Leipzig) Es mag nicht verwundern, da\u00df nach Ende des Weltkriegs und nach &#8222;Ausbruch des Friedens&#8220; eine Reihe von Firmen das Wort &#8222;Renaissance&#8220; in den Firmawortlaut aufnahmen. Es gab zumindest zwei Verlage und eine Zeitschrift, die dies taten. &#8222;Renaissance-Verlag&#8220;\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=464\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-464","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=464"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2156,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/464\/revisions\/2156"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}