{"id":584,"date":"2015-09-11T20:49:03","date_gmt":"2015-09-11T18:49:03","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=584"},"modified":"2015-12-21T12:54:42","modified_gmt":"2015-12-21T10:54:42","slug":"spiegel-verlag-iris-verlag","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=584","title":{"rendered":"Spiegel-Verlag (Iris-Verlag)"},"content":{"rendered":"<h3>Spiegel-Verlag (Iris-Verlag) (Wien-Berlin-Leipzig)<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Spiegel-Verlag.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-587\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Spiegel-Verlag.jpg\" alt=\"Spiegel-Verlag\" width=\"110\" height=\"165\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Spiegel-Verlag.jpg 181w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Spiegel-Verlag-100x150.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 110px) 100vw, 110px\" \/><\/a>Der Gr\u00fcnder und Inhaber dieses kurzlebigen Verlagsunternehmens war der am 2. April 1884 zu Bielitz in Schlesien geborene Gymnasialprofessor i.R. Dr. phil. Robert Lohan. Den Beginn der Bem\u00fchungen, den Verlag zu errichten, kann man mit dem 27. J\u00e4nner 1927 festsetzen, als bei der Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler Lohans Daten in ein &#8222;Protokoll&#8220; aufgenommen wurden. Am 18. Februar ds. J. wurde auf Grund des Gesellschaftsvertrags vom 2. Februar &#8222;Spiegel-Verlag Ges.m.b.H.&#8220;, Sitz Wien 6., Fillgraderstra\u00dfe 12, unter Reg. C, Band 25, pagina 17 ins Wiener Handelsregister eingetragen. Dr. Robert Lohan wurde als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eingetragen, und das bar eingezahlte Stammkapital betrug S 20.000. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"Reference\">[1]<\/span><\/a> Am 8. M\u00e4rz 1927 schlie\u00dflich erhielt Lohan die Konzession zum Betrieb des Buch- und Kunsthandels, beschr\u00e4nkt auf den Verlag, Versand und Vertrieb der eigenen Verlagswerke unter Ausschlu\u00df des offenen Ladengesch\u00e4ftes.<\/p>\n<p>Wie Lohan der Korporation gegen Ende April 1927 mitteilte,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> wollte die &#8222;Spiegel-Verlag G.m.b.H. Wien-Berlin-Leipzig&#8220; &#8222;erst Ende Mai, Anfang Juni in die \u00d6ffentlichkeit treten&#8220;.<\/p>\n<p>Der Tatsache, da\u00df Lohan anl\u00e4\u00dflich der handelsgerichtlichen Eintragung seiner Firma vom Gericht aufgefordert wurde, &#8222;zu bescheinigen, in wiefern die gew\u00e4hlte Firma ,Spiegel-Verlag Gesellschaft m.b.H.&#8220;, von dem Gegenstande des Unternehmens entlehnt ist&#8220;, <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a> verdanken wir eine ausf\u00fchrliche Erkl\u00e4rung dieses im deutschen Buchhandel nicht einmaligen Namens. Den Namen begr\u00fcndete Lohan n\u00e4mlich wie folgt:<\/p>\n<p class=\"zitat\">I. Es ist vielfach \u00fcblich, einem Verlagsunternehmen einen symbolischen, die Richtung irgendwie kennzeichnenden Namen zu geben. Ich verweise auf die Wiener Unternehmungen ,Amalthea&#8216; ,Boheme&#8216;, ,Dreimasken&#8216; Ges.m.b.H., &#8218;Scholle Ges.m.b.H.&#8216;.<br \/>\nII. In Analogie zu den deutschen Firmen ,Insel&#8216;, ,Schmiede&#8216;, ,Br\u00fccke&#8216; wurde ein leicht aussprechbares einpr\u00e4gsames Wort gew\u00e4hlt, das bequem auf verschiedene Verlagserzeugnisse Anwendung finden kann. So soll eine gleichm\u00e4\u00dfig ausgestattete B\u00fccherreihe ,Spiegelb\u00fccher&#8216;, ein geplantes Magazin ,Spiegel&#8216; hei\u00dfen.<br \/>\nIII. Nach Shakespeares bekanntem Ausspruch: &#8222;Die Kunst ist ein Spiegel der Zeit&#8220; soll durch den Firmenwortlaut ausgedr\u00fcckt werden, dass der Verlag lebendige Literatur in der sich die Kultur und die Mentalit\u00e4t der Zeit in k\u00fcnstlerischem Gewande spiegelt, pflegen will. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Mitte 1928 verlegte der Verlag seinen Sitz nach Wien I., Teinfaltstra\u00dfe 4, doch war nun bereits ein Ende des Unternehmens unter der F\u00fchrung von Lohan abzusehen. Bereits bei einer Generalversammlung des Spiegel-Verlags am 23. J\u00e4nner 1929 trat Lohan von seiner Stelle als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zur\u00fcck. Er wurde sodann am 26.2.1929 aus dem Handelsregister gel\u00f6scht. In derselben Generalversammlung wurde der Kaufmann Karl Rapaport zum alleinigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gesellschaft bestellt. Da nun die Gesellschaft die gesamten Verlagserzeugnisse des &#8222;Iris-Verlages&#8220; (Inhaber Gustav Rapaport) erworben hatte und die Gesch\u00e4fte des Verlages auch fortsetzen wollte, bestand die Notwendigkeit, den Firmenwortlaut in &#8222;Iris-Verlag Ges.m.b.H.&#8220; umzu\u00e4ndern. Dies geschah im Handelsregister am 26.2.1929. Diese Nachfolgefirma war bereits seit etwa Oktober 1925 im Verlagsgesch\u00e4ft, aber nach der Fusion mit dem &#8222;Spiegel-Verlag&#8220; dann auch nicht mehr lange, trat aber, wie wir sehen werden, mit B\u00fcchern nicht allzuoft an die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Im Jahre 1931 gelangten s\u00e4mtliche Anteile des Buch- und Kunstverlags &#8222;Iris-Verlag&#8220; in das Eigentum eines Dr. Leon Finkel aus Tarnopol. Das weitere Schicksal des einstigen &#8222;Spiegel-Verlags&#8220; entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik, denn auf Grund eines Generalversammlungsbeschlusses vom 8. November 1935 ging eine neue Firma aus der abge\u00e4nderten Firma &#8222;Iris-Verlag&#8220; hervor, n\u00e4mlich die &#8222;Kaffeehaus-Betriebsgesellschaft m.b.H.&#8220; (eingetragen: 4.9.1935). Sie wurde dann am 30. J\u00e4nner 1941 von amtswegen aus dem Handelsregister gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>Der &#8222;Spiegel-Verlag&#8220; war nur in den Jahren 1927 und 1928 aktiv, der nachfolgende &#8222;Iris-Verlag&#8220; &#8211; so weit es sich nachweisen l\u00e4\u00dft &#8211; noch bis 1930.<\/p>\n<p>Finanzielle Probleme d\u00fcrften der Grund f\u00fcr das vorzeitige Ende des Spiegel Verlags gewesen sein. Obwohl das Magazin <em>Spiegel<\/em> nicht realisiert wurde, konnten zumindest sieben Werke (darunter zwei Doppelb\u00e4nde!) in der Reihe <em>Die Spiegel-B\u00fccher <\/em>1927\/28 erscheinen. Ein zehnter Band wurde zwar angek\u00fcndigt, ist jedoch nicht erschienen. <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a> Die Auflagen der ver\u00f6ffentlichten B\u00e4nde betrugen entweder f\u00fcnf- oder zehntausend Exemplare. Weil es sich um einige wenige Titel handelt, hier die Werke im einzelnen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Emil Ertl, Leidenschaft. Zwei Novellen. 1.-5. Tsd. 1927. (129 S.) (Band 1)<br \/>\nH.H. Schefter, Yankees und Indianer. 1.-10. Tsd. 1927. (172 S.) (Band 2)<br \/>\nAlfred Schirokauer, Der Tanz auf der Weltkugel. Roman. 1.-10. Tsd. 1927. (126 S.)\u00a0(Band 3)<br \/>\nGeorg Hirschfeld, Opalritter. Roman. 1.-5. Tsd. 1927. (261 S.) (Band 4\/5)<br \/>\nManfred Georg, R\u00e4ubergeschichten. 1927. (145 S.) (Band 6)<br \/>\nHjalmar S\u00f6derberg, Das ernste Spiel. Roman. Einzig autor. \u00dcbertragung aus dem Schwedischen von Marie Franzos. 1.-5. Tsd. 1927. (282 S.) (Band 7\/8)<br \/>\nWilhelm Klitsch, Ohne Maske. Ein modernes Vortragsbuch. Mit einer Einleitung von Paul Wertheimer. 1.-5. Tsd. 1928 (Band 9)<\/p>\n<p>Viel mehr \u00fcber den Verlag war nicht in Erfahrung zu bringen. Da\u00df aber der Spiegel-Verlag einzelne Autoren offensichtlich einlud, Werke einzusenden, zeigt ein Brief Robert Walsers vom 31. Mai 1927. Walser schreibt an Max Rychner u.a. folgendes:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ein gewisser ,Spiegel-Verlag&#8220;, der wom\u00f6glich eher ein sorgf\u00e4ltig verh\u00fclltes Bordell betreibt, als da\u00df es ihm mit Literatur wirklich ernst ist, lud mich ein, ihm Einsendungen zu machen, und nun ist es, als existierte er \u00fcberhaupt nicht, ich bekomme aus Wien nichts mehr zu h\u00f6ren.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"Reference\">[6]<\/span><\/a><\/p>\n<p>So schlimm w\u00e4re die Umgebung f\u00fcr Walser doch nicht gewesen &#8230;<\/p>\n<p>Obwohl Lohan aus dem Spiegel-Verlag ausschied, blieb er f\u00fcr den Iris-Verlag weiterhin t\u00e4tig. Zwei von ihm bearbeitete Werke erschienen in der auch nur zwei B\u00e4nde umfassenden Reihe <em>Die sch\u00f6ne Welt <\/em>1929 und 1930.<\/p>\n<p>In den 30er Jahren d\u00fcrfte Lohan Mitarbeiter des Saturn-Verlags gewesen sein. Er emigrierte nach New York und publizierte sowohl gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als auch nach dem Krieg in dem von Dr. Frederick Ungar in New York neu etablierten Verlag. Lohan starb dort im Jahre 1953.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Als Stammeinlagen \u00fcbernahm Lohan S 8.000, seine Gattin Marie 2.000 Schilling. Siehe Handelsgericht Wien. Registerakt C 25, 17 (WrStLa).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Schreiben vom 25. April 1927 im Akt Gremium\/Spiegel-Verlag.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Eingabe Lohans an das Handelsgericht Wien vom 10. Februar 1927. Im Registerakt, s. Anm. 1.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Im Registerakt.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> In Vorbereitung, Band 10. FREDRRIC BOUTET, Herrn Larives weites Herz.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> ROBERT WALSER, Briefe. Hg. v. J\u00f6rg Sch\u00e4fer. Unter Mitarbeit von Robert M\u00e4chler. Genf 1975, S. 298.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spiegel-Verlag (Iris-Verlag) (Wien-Berlin-Leipzig) Der Gr\u00fcnder und Inhaber dieses kurzlebigen Verlagsunternehmens war der am 2. April 1884 zu Bielitz in Schlesien geborene Gymnasialprofessor i.R. Dr. phil. Robert Lohan. Den Beginn der Bem\u00fchungen, den Verlag zu errichten, kann man mit dem 27. 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