{"id":621,"date":"2015-09-15T18:06:41","date_gmt":"2015-09-15T16:06:41","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=621"},"modified":"2023-01-21T19:12:09","modified_gmt":"2023-01-21T17:12:09","slug":"e-p-tal-co","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=621","title":{"rendered":"E.P.Tal &#038; Co."},"content":{"rendered":"<h3>E.P.Tal &amp; Co. (Wien-Z\u00fcrich-Leipzig) (Wien-Leipzig) <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span style=\"font-size: 0.7em; vertical-align: top;\">[1]<\/span><\/a><\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">Die Produktion<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">Zw\u00f6lf B\u00fccher<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading3\" target=\"_self\">Wiener Drucke<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#anm1\">Anmerkungen<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#erg1\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der E.P. Tal &amp; Co. Verlag war einer der angesehensten und r\u00fchrigsten &#8222;Individualverlage&#8220; im \u00d6sterreich der Ersten Republik und einer, der auch der jungen deutschen Literatur einen gro\u00dfen Dienst erwies.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E.-P.-Tal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-623\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E.-P.-Tal-1024x424.jpg\" alt=\"E. P. Tal\" width=\"450\" height=\"186\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E.-P.-Tal-1024x424.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E.-P.-Tal-300x124.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E.-P.-Tal-250x104.jpg 250w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E.-P.-Tal-150x62.jpg 150w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/E.-P.-Tal.jpg 1345w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es kommt in der \u00f6sterreichischen Verlagsgeschichte dieser Zeit sonst nicht vor, da\u00df zwei Br\u00fcder ungef\u00e4hr zur selben Zeit verlegerisch t\u00e4tig werden. Es ist von dem am 11. Februar 1881 in Wien geborenen Maximilian Rosenthal und seinem j\u00fcngeren, am 14. Dezember 1888 ebenfalls in Wien geborenen Bruder Ernst Peter Rosenthal die Rede. Ersterer ist besser bekannt als Dr. Max Ermers, <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> letzterer als E.P. Tal. Sie waren S\u00f6hne von Joseph Rosenthal, der in Wien die Firma &#8222;E.S. Rosenthals Erben&#8220; betrieb. Diese war eine offene Handelsgesellschaft seit 28.9.1882 zum Betriebe des Schlossergewerbes, insbesonders zur Erzeugung von Roll\u00e4den aus gewelltem Stahlblech. Daneben war der wohlsituierte Josef Rosenthal Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma &#8222;Rosenthal &amp; Goldschmidt&#8220;. Zun\u00e4chst aber zur Person des Verlegers: Bis 1909 hie\u00df der ambitionierte Verleger Ernst Rosenthal, aber von da an f\u00fchrte er mit Bewilligung der n.\u00f6. Statthalterei den Namen Ernst Peter Tal. Tal soll als &#8222;feinsinniger Lyriker&#8220;, <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a> als &#8222;begabter Lyriker&#8220; <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a> begonnen haben, doch ist von selbst\u00e4ndigen Publikationen nichts bekannt. <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Er war &#8211; so Lucy Tal &#8211; &#8222;von j\u00fcngster Jugend an literarisch orientiert u. trieb sich anscheinend im Kreise weit \u00e4lterer angehender Ber\u00fchmtheiten herum, die sich &#8211; wie ich h\u00f6rte &#8211; im seligen Kaffee Griensteidl trafen. Dann ging er von Wien weg in das damals literarisch u. k\u00fcnstlerisch hochbl\u00fchende Berlin, wo er in ganz jungen Jahren sich eine Position beim Fischerverlag schaffte.&#8220;<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"Reference\">[6]<\/span><\/a> Tal fand also seine Ausbildung im S. Fischer Verlag in Berlin, &#8222;wo er rasch aufr\u00fcckte und bald Prokura erhielt&#8220;.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"Reference\">[7]<\/span><\/a> Wann genau und in welcher Funktion (m\u00f6glicherweise: Lektor) Tal in den Verlag eintrat, ist unklar,<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span class=\"Reference\">[8]<\/span><\/a> jedoch war er Mitte 1913 als Vierundzwanzigj\u00e4hriger Leiter der 1903 gegr\u00fcndeten &#8222;Theaterabteilung&#8220; zum Verlag und Vertrieb der dramatischen Werke der Fischer-Autoren. <a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"Reference\">[9]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Sicher ist jedenfalls, da\u00df Tal gleich nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs Berlin und Fischer verlie\u00df, um als Soldat an der galizischen Front zu dienen. Im Jahre 1917 heiratete der zur Evangelischen Kirche H.B. konvertierte Jude E.P. Tal in Ungarn die um acht Jahre j\u00fcngere Wienerin Lucy Traub.<\/p>\n<p>Erste konkrete Ans\u00e4tze in Richtung Verlagsneugr\u00fcndung erfolgten schon sp\u00e4testens im J\u00e4nner 1919, als Tal und der Wiener Neust\u00e4dter Mittelschulprofessor und Inhaber einer Konzession der n.\u00f6. Statthalterei zum Betrieb des Buch-, Kunst- und Musikalienhandels, verbunden mit Antiquariat im 7. Bezirk in Wien, Dr. Hans Schl\u00f6gel, die Errichtung einer offenen Handelsgesellschaft unter der Firma &#8222;E.P. Tal &amp; Co.&#8220; ab 24. J\u00e4nner 1919 dem Wiener Handelsgericht meldeten. Am 14.2.1919 wurde die Firma dann unter Register A, Band 39, pagina 102 ins Wiener Handelsregister eingetragen. Da\u00df Tal einen Kompagnon hatte bzw. brauchte, darf nicht zum Schlu\u00df verleiten, da\u00df Schl\u00f6gel etwa ins Verlagsgesch\u00e4ft tats\u00e4chlich einsteigen wollte. In einer Zeit, in der es in Wien ohnehin zu viele Konzessionen gab, war man bei der Verleihung \u00fcberhaupt sehr knauserig. So suchte man jemanden, der eine aufrechte Konzession besa\u00df und diese nicht oder nicht mehr aus\u00fcbte, und auf diese Art und Weise &#8211; konnte man den erforderlichen Bildungsnachweis erbringen &#8211; kam es zu keiner Konzessionsvermehrung. Kein Wunder also, da\u00df Tal und Schl\u00f6gel schon Anfang Juni 1919 dem Handelsgericht den Austritt des Gesellschafters Schl\u00f6gel und den \u00dcbergang der Gesellschaft in eine Einzelfirma meldeten. Bis zum unerwarteten Tod Tals am 30.11.1936 erfuhr die Registereintragung praktisch keine Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Am 7.3.1919 richtete Tal ein Schreiben an die Nieder\u00f6sterreichische Landesregierung mit dem Ersuchen um Genehmigung seiner Person als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sowie der R\u00fccklegung der bestehenden Konzession in Wien 7., Burggasse 17 zugunsten des neuen Standorts in Wien 7., Lindengasse 4. Hier blieb der Verlag auch die n\u00e4chsten zwanzig Jahre. Das Ansuchen wurde zehn Tage sp\u00e4ter bewilligt. <a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"Reference\">[10]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Eine fr\u00fche \u00f6ffentliche Kunde vom neuen Wiener Verlagsunternehmen bekamen Leser der literarisch interessierten <em>Wiener Mittags-Zeitung <\/em>am 18. M\u00e4rz 1919. Die kurze Notiz wirft zugleich Licht auf die traditionelle Lage des belletristischen Verlags in \u00d6sterreich bis 1918:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ein neues gro\u00dfangelegtes literarisches Verlagsunternehmen ist in Wien in Gr\u00fcndung begriffen. Schriftsteller Ernst Peter Tal, durch seine T\u00e4tigkeit als Lektor eines gro\u00dfen Berliner Verlags bekannt, unternimmt den Versuch, wie er in den letzten Jahren in Wien bereits einigemale aber niemals mit Erfolg gewagt wurde, hier, etwas abseits von den Zentren des deutschen Buchhandels, einen gro\u00dfen f\u00fchrenden Verlag f\u00fcr Werke der Dichtkunst und Belletristik zu errichten. Der Verlag wird &#8222;E.P. Tal &amp; Ko.&#8220; zeichnen. Mit einer Reihe von bedeutenden Wiener und ausw\u00e4rtigen Schriftstellern laufen bereits Verhandlungen \u00fcber die Erwerbung ihrer neuesten Werke. (S.3).<\/p>\n<p>Erst am 16. April 1919 stellte sich E.P. Tal dem &#8222;verehrten Buchhandel&#8220; \u00d6sterreichs in der <em>Buchh\u00e4ndler-Correspondenz <\/em>vor:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Unter obiger protokollierter Firma erfolgte die Errichtung einer Verlagsbuchhandlung.<br \/>\nEs ist die Herausgabe von Werken politischer, kulturpolitischer und belletristischer Art vorgesehen. Die ersten Werke werden noch im Laufe des Monats April erscheinen. Besondere Prospekte \u00fcber die einzelnen Werke werden dem verehrlichen Buchhandel rechtzeitig vorgelegt werden.<br \/>\nAn die Versicherung, da\u00df der Verlag nur gut gangbare Werke erscheinen lassen wird, kn\u00fcpft sich schon heute die Bitte, seinen Erscheinungen Interesse entgegenzubringen. Durch Einr\u00e4umung g\u00fcnstiger Bedingungen wird sich jede Anteilnahme als lohnend erweisen.<br \/>\nDie Auslieferung f\u00fcr das ehemalige \u00f6sterr.-ungar. Gebiet findet in Wien, VII\/2, Lindengasse 4, statt.<br \/>\nWien, im April 1919.<br \/>\nHochachtungsvoll<br \/>\nERNST PETER TAL<br \/>\ni. Fa. E.P. Tal &amp; Co.<br \/>\n(Nr. 16, S. 229)<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die ersten Werke noch im April erschienen, so z.B. als allererstes <em>Woodrow Wilsons Friedensplan <\/em>von Heinrich Lammasch, gefolgt von Alfred H. Frieds <em>Der V\u00f6lkerbund. Ein Sammelbuch. <\/em>Im Mai erschienen Ferdinand K\u00fcrnbergers <em>Briefe eines politischen Fl\u00fcchtlings. Aus dem Nachla\u00df herausgegeben <\/em>von Otto Erich Deutsch und Walt Whitmans <em>Ich singe das Leben <\/em>(Neue \u00dcbertragungen von Max Hayek. Vorwort von Hermann Bahr). Noch vor Ende Juni erschienen zwei weitere Werke: <em>Otto Weininger. Taschenbuch und Briefe an einen Freund <\/em>und Moriz Rappaports <em>Sozialismus, Revolution und Judenfrage. <\/em><\/p>\n<p>Von stillen Teilhabern (Carl Seelig) abgesehen, blieb E.P. Tal weiterhin alleiniger Inhaber und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verlags bis zu seinem Tod 1936. Danach wurde der Verlag von seiner Frau weitergef\u00fchrt, und zwar bis M\u00e4rz 1938. Lucy Tal konnte im letzten Moment aus \u00d6sterreich fliehen, worauf ihr Vertrauensanwalt Dr. Hugo Wolf sich um die sich abzeichnende &#8222;Arisierung&#8220; k\u00fcmmerte. Da die &#8222;Arisierung&#8220; des E.P. Tal &amp; Co. Verlags an anderer Stelle gesondert behandelt wurde, sollen die Vorg\u00e4nge hier nur kurz skizziert werden. Der 1902 in Saarbr\u00fccken geborene Reichsdeutsche Dr. Alfred Ibach hatte im Verlag seit Anfang 1937 ein Beteiligungsverh\u00e4ltnis mit Optionskaufrecht. Seit dem 19. M\u00e4rz 1938 leitete er den Verlag. In den Darstellungen der Umst\u00e4nde, unter welchen die \u00dcbergabe und die Ver\u00e4u\u00dferung vor sich gingen, gibt es Unterschiede. Was wir \u00fcber den Vorgang aus der Sicht des &#8222;Ariseurs&#8220; Ibach wissen, geht z.B. aus dem Akt der Verm\u00f6gensverkehrsstelle hervor, und dieser folgte einem bestimmten Schema. Da\u00df aber solche &#8222;Arisierungen&#8220; erstens mit Erpressung viel gemein hatten und zweitens nach au\u00dfen hin dennoch eine &#8222;Scheinlegalit\u00e4t&#8220; aufrechterhalten mu\u00dften, wissen wir ebenfalls. Am 14. M\u00e4rz 1938 unterschrieb Lucy Tal eine Vollmacht f\u00fcr Dr. Hugo Wolf, die diesen erm\u00e4chtigte, f\u00fcr ev. L\u00f6schungen und Neueintragungen bei der Firma E.P. Tal gegen\u00fcber dem Handelsgericht zu sorgen. Ob diese Unterschrift echt war, mag dahingestellt bleiben, denn Lucy Tal meint dazu:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Alle waren unter gro\u00dfem Druck u. Gefahr u. Ibach hat z.B. meine damals noch in Wien gebliebene Schwester &#8211; die ja gar keine Rechte hatte &#8211; zu irgend einer Unterschrift gepresst, die er dann betruegerisch benuetzte u.s.w. Ich war nicht mehr da u. koennte Ihnen kaum mehr Details geben, die ja auch zwecklos sind. Aber keinesfalls habe ich Auftrag zum Verkauf gegeben.<br \/>\n(An den Verf., 17.5.81)<\/p>\n<p>Ein Kaufpreis in der H\u00f6he von RM 13.333 wurde vereinbart, was angesichts eines Durchschnittsumsatzes von ca. RM 112.000(1935-37) nicht \u00fcbertrieben viel war. (Man mu\u00df freilich die gewaltige Lagerentwertung und den Verlust von Verlagsrechten ins Kalk\u00fcl ziehen, aber trotzdem.) Doch der &#8222;Kauf&#8220; durch Ibach selber wurde erst im Februar 1939 genehmigt. Wir sehen also, da\u00df die \u00dcbernahme oder die &#8222;Arisierung&#8220; relativ rasch erfolgen konnte und erfolgte, die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des &#8222;Kaufs&#8220;, aber erst viel sp\u00e4ter ihre Best\u00e4tigung fand. Wie auch sonst bei solchen &#8222;Arisierungen&#8220; mu\u00dfte der &#8222;K\u00e4ufer&#8220; nicht bangen, der &#8222;Verk\u00e4uferin&#8220;, in diesem Fall Lucy Tal, etwas zahlen zu m\u00fcssen. Wohl aber mu\u00dfte die &#8222;Allgemeinheit&#8220; etwas davon haben, und zwar in Form einer &#8222;Entjudungsauflage&#8220;, die einen gewissen Prozentsatz des von der Abteilung Auflagenberechnung der VVSt errechneten sog. Mehrwertes einer Firma darstellte. Obwohl der &#8222;Kaufpreis&#8220; sich inzwischen auf RM 4.500 reduziert hatte, gab es schlie\u00dflich nach dem Bericht eines Buchsachverst\u00e4ndigen keinen &#8222;zugelassenen Kaufpreis&#8220; mehr. Durch die &#8222;Arisierung&#8220; war die Firma E.P. Tal finanziell derart heruntergekommen, da\u00df sie erstens nichts mehr wert, zweitens \u00fcberschuldet war. Also: auf der einen Seite ein mit gro\u00dfem Aufwand aufrechterhaltener Schein der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit, auf der anderen Erwerb zum Nulltarif. Aber nicht ganz: Ibach mu\u00dfte zu seinem \u00c4rger als &#8222;Entjudungsauflage&#8220; einen Betrag von RM 4.482 an die Staatskasse abliefern &#8230;<\/p>\n<p>Am 10. Juni 1939 verschwand der Name E.P. Tal Verlag aus dem Handelsregister und wurde durch &#8222;Alfred Ibach Verlag&#8220; ersetzt (HRA 4474).<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Die Produktion<\/h3>\n<p>Da\u00df man die ersten f\u00fcnf Jahre der Entwicklung des E.P. Tal Verlags ziemlich genau verfolgen kann, ist dem gl\u00fccklichen Umstand zuzuschreiben, da\u00df sich ein umfangreicher Briefwechsel zwischen Ernst Peter Tal und seinem zeitweiligen Finanzier und literarischen Berater in der Schweiz, Carl Seelig, f\u00fcr die Zeit zwischen Juli 1919 und April 1923 erhalten hat. <a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><span class=\"Reference\">[11]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Nun ein Blick auf die Verlagsproduktion der Jahre 1919-1938, wobei zuerst auf die Neuerscheinungen der 30er Jahre n\u00e4her eingegangen wird. Nachgewiesen wurden f\u00fcr die Jahre 1919 bis 1938 etwas mehr als 200 Titel, was f\u00fcr \u00f6sterreichische Verh\u00e4ltnisse damals eine Position im oberen Mittelfeld bedeutete. Die Produktionsentwicklung ist sehr ungleichm\u00e4\u00dfig, wenn man bedenkt, da\u00df etwa 1\/4 der nachgewiesenen Titel in den ersten drei Jahren, rund die H\u00e4lfte in den sechs Jahren zwischen 1919 und 1924 (!) erschienen. So f\u00fchrt eine Verlagsanzeige in der <em>Buchh\u00e4ndler-Correspondenz <\/em>am 26.10.1921 53 Titel an, von denen 2 vergriffen waren. Der Verlagsprospekt &#8222;Drei Jahre&#8220; vom &#8222;Fr\u00fchling 1922&#8220; f\u00fchrt 60 Titel an.<\/p>\n<p>In den d\u00fcrren vier Jahren zwischen 1925 und 1928 konnten ganze acht Neuerscheinungen verifiziert werden. (F\u00fcr 1925 und 1926 gar keine.) Bevor wir versuchen, die Produktion der ersten Jahre zu charakterisieren, sei noch bemerkt, da\u00df sich ab 1928\/29, als der Verlag wieder beginnt, Neuerscheinungen zu forcieren &#8211; in diesem Jahr (1929) sind es mindestens wieder ein Dutzend &#8211; ein Wandel im Verlagsprogramm vollzieht. Obwohl keineswegs die ersten \u00dcbersetzungswerke (s. H.G. Wells 1923), begannen diese unter den Neuerscheinungen ein \u00dcbergewicht zu bekommen. Diese Entwicklung wird nur noch verst\u00e4rkt, wenn im Jahre 1936 die au\u00dferordentlich erfolgreiche Reihe der <em>Rot-blauen B\u00fccher, <\/em>das sind preiswerte Kriminalromane, aus dem Amerikanischen bzw. dem Englischen \u00fcbersetzt und in Taschenformat hergestellt, initiiert wird. Darunter befinden sich mehrere Werke von bekannten Krimiautoren wie Dorothy Sayers, Erle Stanley Gardner, Rex Stout, John Dickson Carr und nat\u00fcrlich: Agatha Christie. Bis Mai 1939 z\u00e4hlte diese Reihe 32 B\u00e4nde. Auf diese Reihe hin angesprochen, meinte Lucy Tal: &#8222;Wir erzielten die Balance, indem wir gro\u00dfen Absatz mit der Serie der <em>,Rotblauen B\u00fccher&#8220; <\/em>hatten. D.h. mit den Kriminalromanen, lauter gro\u00dfe englische Autoren dieses Genres in deutscher Sprache. Diese Einnahmen erm\u00f6glichten das Erscheinen literarisch h\u00f6her stehender Werke, die nicht so viel einbrachten. Es gab aber auch literarisch wertvolle B\u00fccher, die Absatz hatten. Man mu\u00dfte Ideen haben.&#8220; (An den Verf. 17.5.81).<\/p>\n<p>Schon 1927 verlegte Tal ein Werk von Somerset Maugham <em>Der Besessene\/<\/em>The Moon and Sixpence), im folgenden Jahr ein zweites <em>(Der bunte Schleier! <\/em>The painted veil) neben Claude Anet <em>M\u00e4nner, Frauen und Betrachtungen \u00fcber die Liebe; <\/em>1930: <em>Mayerling. Roman <\/em>und Franz Moln\u00e1r <em>Die Jungen der Paulusstra\u00dfe). <\/em>1929 hat Tal dem deutschen Lesepublikum Thornton Wilder vorgestellt <em>(Die Cabala), <\/em>und von diesem folgten in den 30er Jahren drei weitere Werke, darunter <em>Die Br\u00fccke von San Luis Rey <\/em>und <em>Dem Himmel bin ich auserkoren, <\/em>die der Alfred Ibach Verlag noch im Mai 1939 im <em>B\u00f6rsenblatt <\/em>anzeigte. Auch ein Werk von Sinclair Lewis, einem der popul\u00e4rsten Autoren im deutschsprachigen Raum, wurde verlegt <em>(Der Erwerb, <\/em>1929). 1930 erschien neben einem Roman von Fjodor Gladkow <em>(Marussja stiftet Verwirrung, <\/em>\u00fcb. Josef Kalmer u. Boris Krotkow) auch ein Werk des verstorbenen Engl\u00e4nders D.H. Lawrence, dessen \u00fcbrige B\u00fccher im Insel-Verlag und in der Deutschen Verlagsanstalt erschienen: <em>Lady Chatterley und ihr Liebhaber. <\/em>Die \u00dcbersetzung machte Herbert E. Herlitschka (26.12.1893, Wien-6.6.1970, Bern), der f\u00fcr Tal und viele andere Verlage \u00fcbersetzte. Die Ver\u00f6ffentlichung von <em>Lady Chatterley <\/em>mu\u00dfte, um einer m\u00f6glichen Beschlagnahme zu entgehen auf dem Wege der Subskription erfolgen, und zu dieser waren nur Bibliotheken und Wissenschaftler zugelassen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><span class=\"Reference\">[12]<\/span><\/a> 1931 \u00fcbersetzte Herlitschka <em>Apropos ,Lady Chatterley &#8230;&#8220; <\/em>f\u00fcr E.P. Tal. Im selben Jahr erschien im Verlag eine neue Ausgabe von <em>Lady Chatterley <\/em>und 1933 (Ausgabe 1932) schon eine dritte Auflage des Romans. Tal lernte den neuen Geist der 30er Jahre kennen, als er in Wien vor Gericht zitiert wurde.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><span class=\"Reference\">[13]<\/span><\/a> Im Oktober 1931 kam bei Tal ein Werk von Claire Goll in einer Auflage von 3.300 St\u00fcck heraus, n\u00e4mlich der Roman <em>Ein Mensch ertrinkt <\/em>(fr\u00fcherer Titel: <em>Eine Perle). <\/em>Goll war an Tal 1931 herangetreten, das Buch zu verlegen, und hatte eine Beurteilung des Romans durch Thomas Mann beigelegt. Das Buch kam in den Handel, und erst fast drei Jahre sp\u00e4ter &#8211; man lebte nun im sog. St\u00e4ndestaat &#8211; nahm sich die Zentralstelle gegen Pornographie in der Bundespolizeidirektion in Wien das Werk wegen Verdachts unz\u00fcchtigen Inhalts vor und wurde f\u00fcndig. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Beschlagnahme am 4.9.1934 wegen \u00a7 516 St.G. (Pornographie), Tal erschien Ende November vor Gericht, wurde verurteilt und mu\u00dfte noch die Verfahrenskosten tragen. Solche Verfahren gegen belletristische Literatur in \u00d6sterreich zwischen 1933 und 1938 hatten eher Seltenheitswert.<\/p>\n<p>Neben der umfangreichen \u00dcbersetzungsliteratur, zu der noch Werke von A.G. Macdonell, Booth Tarkington, Ladislaus Bus-Fekete, J.P. McEvoy, Dorothea Brande usw. z\u00e4hlten, f\u00e4llt ein Wandel in der deutschsprachigen Literatur auf. Obwohl es fraglich ist, ob der Begriff &#8222;Emigrantenliteratur&#8220; zutrifft, sind ab 1933 eine ganze Reihe von meist erfolgreichen unerw\u00fcnschten Autoren zum Tal Verlag gesto\u00dfen. An erster Stelle mu\u00df Max Brod erw\u00e4hnt werden, der &#8211; f\u00fcr Zsolnay nicht mehr tragbar &#8211; drei Werke bei Tal erscheinen lie\u00df: <em>Die Frau, die nicht entt\u00e4uscht. Roman, <\/em>1934; <em>Heinrich Heine, <\/em>1934; <em>Novellen aus B\u00f6hmen, <\/em>1936; Weiters Otto Brod <em>(Die Berauschten. Roman, <\/em>1934), Ludwig Bauer <em>(Welt im Sturz, <\/em>1933), Arnold H\u00f6llriegel <em>(Lichter der Gro\u00dfstadt. Der Film von Strolch Charlie, dem Million\u00e4r und dem M\u00e4dchen, <\/em>1931; <em>Das M\u00e4dchen von St. Helena, <\/em>1933), Arthur Rundt <em>(Wer ist das? <\/em>1933), Adrienne Thomas <em>(Dreiviertel Neugier. Roman, <\/em>1934), Ferdinand Bruckner <em>(Mussia. Erz\u00e4hlung eines fr\u00fchen Lebens<\/em>, 1935), Vincenz Brun <em>(Alkibiades. Roman, <\/em>1936), Roda Roda <em>(Die Panduren, <\/em>1935), Raoul Auernheimer(Gottlieb <em>Weniger dient der Gerechtigkeit. Roman, <\/em>1934), Gina Kaus <em>(Katharina die Gro\u00dfe, <\/em>1935; <em>Die Schwestern Kleh. Roman <\/em>1933;) Emil Alphons Rheinhardt <em>(Der gro\u00dfe Herbst Heinrichs IV, <\/em>1935), Alfred Neumann <em>(Neuer C\u00e4sar. Roman, <\/em>1934), und Sir Galahad, d.i. Berta Eckstein-Diener (<em>Byzanz. Von Kaisern, Engeln und Eunuchen, <\/em>1936). Es waren also gro\u00dfteils Juden und\/oder im Reich nicht mehr erw\u00fcnschten Autoren, die einen Gutteil der Produktion des Tal-Verlags nach 1933 ausmachten; Zehn der 17 genannten nach 1933 erschienenen Werke waren Koproduktionen mit dem Amsterdamer Exilverlag Allert de Lange (M. Brod, O. Brod, A. Thomas, F. Bruckner, V. Brun, G. Kaus, A. Neumann).<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens anfangs 1935 stand Tal &#8222;im dringenden Verdacht (&#8230;) Verlage zu f\u00f6rdern, die gegen Deutschland gerichtete hetzerische Literatur herausbringen.&#8220; <a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><span class=\"Reference\">[14]<\/span><\/a><\/p>\n<p>So jedenfalls lautete der nicht unberechtigte Vorwurf des General-Direktors des B\u00f6rsenvereins der deutschen Buchh\u00e4ndler zu Leipzig, Albert Hess. Als Konsequenz verweigerte die Schriftleitung des <em>B\u00f6rsenblatts <\/em>die Aufnahme von Anzeigen des Tal-Verlags. Lucy Tal schildert diese interessante, aber leider nicht ausleuchtbare Facette der Exil- und Emigrationsliteratur folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Um unsere Autoren in Deutschland weiterzuverkaufen u. sie vor dem Verhungern zu sch\u00fctzen hatte mein Mann riskiert mit einem holl\u00e4ndischen Verlag solche Autoren unter falschem Namen zu bringen und sie in solcher Weise weiter erscheinen zu lassen. Den Nazis war das offenbar nicht ganz unbekannt. \u00dcberhaupt waren sie meist fantastisch in formiert. Und wir waren dementsprechend auf der Top Black List u. als sie in Wien einmarschierten waren sofort 5 oder 6 Riesen-SS M\u00e4nner da um mich zu holen, aber ich war bereits abgepascht. (An den Verf. 4.9.1980)<\/p>\n<p>Aber nicht nur der Kontakt Tals zu Allert de Lange (Walter Landauer) wird den v\u00f6lkischen Beobachtern ein Dorn im Auge gewesen sein. Wie Dr. Mayer Pr\u00e4ger vom R. L\u00f6wit Verlag stand auch E.P. Tal mit dem in Deutschland verha\u00dften Verlag Julius Kittl&#8220;s Nachf. in M\u00e4hrisch-Ostrau und dessen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Paul Fischel in Verbindung. Dieser Verlag brachte Romane von Friedrich Torberg, Ernst Wei\u00df, Ludwig Winder, Julien Green, u.a. sowie Biographien von Karl Tschuppik und Walter Tritsch. E.P. Tal lie\u00df die <em>Rotblauen B\u00fccher <\/em>mit rotblauem Umschlag bei Jul. Kittl&#8220;s Nachf., M.-Ostrau drucken und binden.<\/p>\n<p>Im ersten Verlagsverzeichnis von E.P. Tal nach dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220; &#8222;im Mai 1938&#8220; ist einiges auffallend: eine Anzeige f\u00fcr Josef Weinhebers Ladenh\u00fcter aus dem Jahre 1920 (!), den Lyrikband <em>Der einsame Mensch, <\/em>sagt einiges \u00fcber den ideologisch motivierten Anstieg im Kurswert Weinhebers aus. Das weitere f\u00e4llt auf, da\u00df nach der &#8222;Entjudung&#8220; des Verlagsprogramms nach dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220; kaum mehr \u00f6sterreichische Autoren \u00fcbriggeblieben waren. Ausnahmen waren Sir Galahad mit dem Geschichtswerk <em>Byzanz <\/em>und E.A. Rheinhardts <em>Der gro\u00dfe Herbst Heinrichs IV. <\/em>Beide Werke wurden auch noch am 6.5.1939 in einer <em>B\u00f6rsenblatt<\/em>-Anzeige angeboten.<\/p>\n<p>In den ersten f\u00fcnf Jahren nach der Gr\u00fcndung bietet der Verlag allerdings ein ganz anderes Bild: dynamisch und an der Vorderfront der jungen deutschsprachigen Literatur &#8230;<\/p>\n<p>Der vorhin angesprochene &#8211; leider nicht vollst\u00e4ndig vorliegende &#8211; Briefwechsel zwischen Ernst Peter Tal und Carl Seelig 1919-1923 dokumentiert in vielerlei Hinsicht das Werden eines jungen belletristischen Verlags und dient dem Verst\u00e4ndnis der &#8222;Produktionsbedingungen&#8220; in den ersten Nachkriegsjahren. Aus diesem Grund sollen einige wichtige Aspekte der Korrespondenz herausgegriffen und erl\u00e4utert, l\u00e4ngere Passagen auch zitiert werden.<\/p>\n<p>Der junge Verleger E.P. Tal und Carl Seelig trafen Ende April 1919 eine Vereinbarung \u00fcber eine Kapitalbeteiligung Seeligs am E.P. Tal &amp; Co. Verlag. Hiebei wurde am 30. April folgendes schriftlich festgehalten:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ich stelle Ihnen den Antrag, dem von Ihnen mit 150.000 Kronen Kapital betriebenen Verlagsunternehmen (E.P. Tal &amp; Co.) als stiller Gesellschafter beizutreten.<br \/>\nMeine Einlage soll 150.000 Kronen (Hundertf\u00fcnfzigtausend Kronen) betragen, mein Gewinnanteil ein Drittel, die Dauer des Verh\u00e4ltnisses zun\u00e4chst drei Jahre, und von dann an &#8222;unbestimmt&#8220;, wenn nicht vor Ablauf der drei Jahre gek\u00fcndigt ist.<br \/>\nDas Verh\u00e4ltnis soll r\u00fcckwirkend vom Beginn Ihres Unternehmens an gelten.<br \/>\nHochachtungsvoll<br \/>\nCarl Seelig m.p. <a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><span class=\"Reference\">[15]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Tal nahm den gestellten Antrag auch an. Die Gesch\u00e4ftsbeziehungen zwischen beiden waren nicht immer ohne Spannungen, die sich sehr bald ergaben, und wenn es zu Unstimmigkeiten kam, betrafen sie meistens &#8222;Kompetenzbereiche&#8220; und Zahlungsverpflichtungen. Am Anfang versicherte Seelig, er w\u00fcrde sich &#8222;bei gr\u00f6\u00dferen Abschl\u00fcssen&#8220; an Tal wenden. Oft trat er Tal gegen\u00fcber gemeinsam mit Stefan Zweig auf (wie sein Name \u00fcberhaupt h\u00e4ufig in dieser Korrespondenz auftaucht), der ebenfalls als &#8222;literarischer Berater&#8220; angesehen werden kann. Er machte sowohl Tal als auch Seelig auf bestimmte aus seiner Sicht empfehlenswerte Autoren und Werke aufmerksam. Seelig schlo\u00df auch in Z\u00fcrich Vertr\u00e4ge mit neuen Autoren ab, zahlte Honorare. Einmal hei\u00dft es: &#8222;Zweig und ich haben &#8230;&#8220; (28.7.1919). Tal war mit solchen Entscheidungen nicht immer gl\u00fccklich. So schreibt er am 26. Juli 1919: &#8222;Bitte, nehmen Sie nichts an, bevor ich nicht Gelegenheit hatte, mir ein Urteil zu bilden.&#8220; Tal war auch mi\u00dftrauisch, zumal Seelig Dritten gegen\u00fcber so auftrat, als ob <em>er <\/em>einen Verlag h\u00e4tte. Darauf Tal: &#8222;Ich bitte Sie, damit Irrt\u00fcmer vermieden werden, die meinem Verlag nicht zum Vorteil sein k\u00f6nnten, die betreffenden Satzwendungen anders zu halten&#8220; (ebda.).<\/p>\n<p>Nicht nur bei Seeligs &#8222;Liebkind&#8220;, den <em>Zw\u00f6lf B\u00fcchern, <\/em>mu\u00dfte Tal &#8222;immer wieder den kommerziellen Standpunkt betonen&#8220; (20.8.1919). Konkret: &#8222;Wie ich Ihnen schon schrieb, m\u00fcssen wir 700 Exemplare von <em>jedem <\/em>Werk verkauft haben, damit die Kosten gedeckt sind.&#8220; (20.8.1919) Das waren n\u00e4mlich 70% der Auflage!<\/p>\n<p>Seelig reagierte in einem Schreiben an Tal vom 24.8.1919 etwas sauer, als angedeutet wurde, da\u00df er statt Tal f\u00fcr ein Autorenhonorar aufkommen sollte. Da hei\u00dft es w\u00f6rtlich: &#8222;Bevor ich ihm schreibe, noch folgendes: Ich bin nat\u00fcrlich der Meinung, da\u00df Sie von Wien aus die Mk. 2000.- zahlen. &#8211; Sollte dies nicht der Fall sein, so tue ich es nat\u00fcrlich aus Anst\u00e4ndigkeit. Aber ich bitte Sie sehr um Klarlegung unsres Verh\u00e4ltnisses in dieser und allen solchen Sachen: Ich habe Ihnen von vornherein und immer gesagt, da\u00df ich die Honorare der ,Zw\u00f6lf B\u00fccher&#8220; \u00fcbernehme, die am Ende jedes Gesch\u00e4ftsjahres verrechnet werden. Auf keinen Fall kann ich aber sonstige Unkosten \u00fcbernehmen. Das erlauben mir meine Mittel nicht. Ich mu\u00df also von nun an &#8211; ich sage Ihnen das in guter Kameradschaft &#8211; jede Beanspruchung meines Privatverm\u00f6gens (au\u00dfer f\u00fcr ,Die Zw\u00f6lf B\u00fccher&#8220;) ablehnen. Wenn ich also z.B. einen Vertrag \u00fcber die 2 B\u00fccher Hellens abschlie\u00dfe, so finde ich es selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df ich finanziell nichts mit der Sache zu tun habe. (&#8230;) Wenn Sie meine T\u00e4tigkeit f\u00fcr den Verlag \u00fcberhaupt nur auf ,Die zw\u00f6lf B\u00fccher&#8220; beschr\u00e4nkt haben wollen, so bitte ich Sie, mir das ganz offen zu sagen. Im anderen Fall (ich arbeite gegenw\u00e4rtig etwa 6 Stunden pro Tag f\u00fcr den Verlag und habe sehr viel Portoauslagen etc) m\u00fcssen Sie mir nat\u00fcrlich einige Kompetenz einr\u00e4umen, (&#8230;)&#8220; Eine Reaktion Tals liegt nicht vor. Es kam auch im zweiten Verlagsjahr zu Unstimmigkeiten zwischen Tal und Seelig, zumal dieser \u00fcber die T\u00e4tigkeit des Verlags selbst &#8222;sehr ungehalten&#8220; war, was Tal auf den mangelnden Einblick in die Verlagsinterna zur\u00fcckf\u00fchrte. Mit dem Geleisteten war auch Tal nicht g\u00e4nzlich zufrieden:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Mir selbst gef\u00e4llt er noch ganz und garnicht und ich bin sehr verwundert, wenn ich von andern Leuten h\u00f6re, da\u00df der Verlag Ansehn genie\u00dft. Ich f\u00fchre das darauf zur\u00fcck, da\u00df unter den Wiener Verlagen, so weit sie sich mit dem zeitgen\u00f6ssischen Schrifttum befassen, au\u00dfer in materieller Beziehung keine Konkurrenz f\u00fcr den Verlag da ist. Es gibt hier Verlage, wie Strache, die bedeutend reicher sind und \u00fcber ein Kapital von 60 bis 70 Millionen verf\u00fcgen. Auch sonst wachsen hier die Verlage wie die Pilze aus der Erde. Heute hat man mir wieder von zwei sehr soliden Millionengr\u00fcndungen erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Sagt man mir also, da\u00df ich es zustande gebracht habe, mit den wenigen Publikationen und in kaum 9 Monaten dem Verlag zumindest hier Ansehen zu verschaffen, so erkl\u00e4re ich mir dieses Faktum durch das Sprichwort, da\u00df unter Blinden der Ein\u00e4ugige K\u00f6nig ist. Sie haben damit sofort den Beweis, wie sehr oder wie wenig ich die Leistung des Verlags als Totalit\u00e4t genommen, einsch\u00e4tze. (13.1.1920)<\/p>\n<p>Was Seelig am meisten gest\u00f6rt hat, waren die in seinen Augen &#8222;unn\u00f6tigen B\u00fccher&#8220;, die der E.P. Tal Verlag in den ersten Monaten herausgegeben hatte, und bis auf seine eigenen <em>(Die Zw\u00f6lf B\u00fccher) <\/em>scheinen es nicht wenige gewesen zu sein. &#8222;Unn\u00f6tig&#8220; war z.B. Alfred Frieds <em>V\u00f6lkerbundbuch, <\/em>aber auch das Werk von Heinrich Lammasch. In einem stimmte Tal mit Seelig \u00fcberein: &#8222;Auernheimer ist wirklich unn\u00f6tig.&#8220; (Es handelt sich um <em>Das \u00e4ltere Wien. Schatten und Bilder.) <\/em>Aber beim 21j\u00e4hrigen Hans Flesch-Brunningen <em>(Balthasar Typho. Eine Geschichte vom Stern Karina; <\/em>Aufl. 3.000) blieb Tal hart:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Bei Flesch bin ich entgegengesetzter Meinung. Hier ist eine junge Kraft, nennen Sie sie Dichter oder anderswie, hier ist Kunst. Und bekommt ein Verleger so ein Manuskript in die Hand, so mu\u00df er das Buch annehmen. Er w\u00e4re ein Dilettant, wenn er es ablehnte. Der Verleger ist ein Hazardeur, noch dazu einer mit der Manie, ein System zu haben, n\u00e4mlich ein Ziel. Das mag gut oder schlecht sein, aber es ist jedenfalls so. L\u00e4\u00dft er eine solche Chance aus, wie es dieses Buch ist, so soll er lieber gleich das Spiel sein lassen. (An Seelig, 13.1.1920)<\/p>\n<p>Auch dr\u00e4ngte Seelig auf mehr illustrierte B\u00fccher, worauf Tal versprach, diese Sparte langsam auszubauen.<\/p>\n<p>Gleich unfroh war Seelig \u00fcber Tals &#8222;freundschaftlichem Kontrollorgan&#8220; Oskar Maurus Fontana. Seelig hielt nichts vom &#8222;Expressionismus&#8220; und lehnte deshalb Fontana v\u00f6llig ab. Tal hingegen war anderer Meinung:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Sie sind wirklich im Irrtum. Er ist kein Expressionist. Er hat einmal ein St\u00fcck geschrieben, das &#8222;Marc&#8220; hei\u00dft und das sehr m\u00e4\u00dfig ist. Auf Grund dieser Arbeit und weil das St\u00fcck an der Neuen Wr. B\u00fchne in einem Zyklus von jungen Dramatikern aufgef\u00fchrt wurde, die selbst Expressionisten waren, haben ihn die Expressionisten zu den Ihren gemacht. Er steht aber weder seinen Arbeiten nach noch seiner \u00dcberzeugung nach bei ihnen. (&#8230;) Mir ist Fontana \u00e4u\u00dferst wertvoll als freundschaftliches Kontrollorgan. Manuskripte, die ich gelesen habe und die mir interessant oder wichtig erscheinen, gebe ich regelm\u00e4\u00dfig ihm, obwohl ich im vorhinein wei\u00df, da\u00df ich selbst schon aufschreiben k\u00f6nnte, was er nach der Lekt\u00fcre sagen wird, so innig sind wir geistig miteinander verwachsen. Wertvoll ist mir auch, da\u00df er das was er empfindet oder denkt, wenn es sich auf B\u00fccher bezieht, viel plastischer, sch\u00e4rfer und in endg\u00fcltigerer Form sagen kann, als wie ich dar\u00fcber sprechen oder schreiben k\u00f6nnte. Und das ist f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Bereicherung und von gro\u00dfer Wichtigkeit. Ich sch\u00e4tze sein Urteil vor allen andern der jungen Leute, die jetzt \u00fcber Kunst schreiben. (&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Und wenn ich auch nicht sagen k\u00f6nnte, ich w\u00fcrde Fontana zum selbst\u00e4ndigen literarischen Leiter meines Verlages machen, so sind wir doch heute so sehr miteinander verwachsen, da\u00df es f\u00fcr mich ein arger Verlust w\u00e4re, wenn er heute von Wien wegginge und nicht mehr f\u00fcr mich arbeiten k\u00f6nnte.-<\/p>\n<p class=\"zitat\">(&#8230;) Nein, \u00fcber meinen Fontana lasse ich nichts kommen, Sie d\u00fcrfen \u00fcber ihn nichts B\u00f6ses sagen, ich sch\u00e4tze ihn au\u00dferordentlich hoch und da\u00df er kein Expressionist ist, sondern ein Dichter ist, w\u00fcrden Sie sehen, wenn Sie seinen kleinen Roman ,Die Erweckung&#8220;, bei Kurt Wolff erschienen, gelesen h\u00e4tten, oder den Novellenband, der im J\u00e4nner bei uns erscheint. (8.11.1919)<\/p>\n<p>Um diese Zeit d\u00fcrfte auch ein gewisser Ernst Stein<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><span class=\"Reference\">[16]<\/span><\/a> bei Tal als Lektor t\u00e4tig gewesen sein.<\/p>\n<p>Entzweit waren Tal und Seelig auch in der Frage &#8222;Lyrikb\u00e4nde&#8220; im E.P. Tal Verlag. Dazu Tal in einem Brief an Seelig vom 20. August 1919:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ganz aus materiellen Gr\u00fcnden heraus bitte ich Sie daher nochmals, von Gedichtb\u00e4nden, die f\u00fcr gew\u00f6hnlich schon nicht gehn und zu den verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohen Preisen, die wir fordern, noch schwerer verk\u00e4uflich sind, m\u00f6glichst Abstand zu nehmen und, wenn Ihnen eine Ablehnung schwer fallen sollte, die Schuld ruhig auf mich schieben. Auch Dramen werden in der Serie mehr oder weniger schlecht gehn, denn die Leser wollen ein Lesebuch (&#8230;)<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sind die \u00dcberlegungen Tals am 10.12.1919:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Aus diesen Gr\u00fcnden bin ich dagegen, da\u00df zwei Gedichtb\u00e4nde im 2. Semester erscheinen. Ich halte das buchh\u00e4ndlerisch effektiv f\u00fcr verderblich.<\/p>\n<p>Ebenfalls in der Frage &#8222;lyrische Anthologie&#8220; im E.P. Tal Verlag gingen die Ansichten weit auseinander, sowohl was den Inhalt als auch was die vorgesehenen Herausgeber betrifft. Erstmals wird die Frage in einem Brief Tals vom 23. Juli 1919 er\u00f6rtert:<\/p>\n<p class=\"zitat\">\u00dcberdies trage ich mich mit dem Gedanken, eine lyrische Anthologie herauszugeben, \u00e4hnlich wie die von Bethge oder Benzmann seinerzeit waren, ganz auf die jungen deutschen Dichter gestellt; Sie erinnern sich, welchen gro\u00dfen buchh\u00e4ndlerischen Erfolg diese beiden genannten Anthologien hatten! Ich hatte diesen Plan der Anthologie schon vor Wochen mit Fontana besprochen; zuf\u00e4lligerweise traten vor wenigen Tagen mit dem gleichen Plan die beiden Schriftsteller Albert Ehrenstein und Hugo Sonnenschein an mich heran. Da ich vermeiden will, da\u00df eine Konkurrenzausgabe der beiden letzteren erscheine, will ich versuchen alle drei zusammenzuspannen, zumindest in der Arbeit, als Herausgeber w\u00fcrde Ehrenstein dann allein zeichnen.<\/p>\n<p>Die Reaktion Seeligs f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter ist alles andere als positiv:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Gegen eine lyrische Anthologie bin ich skeptisch, besonders wenn sie ganz modern ist. Die Herren um die &#8222;Aktion&#8220; herum sind f\u00fcr einen ehrlichen Menschen ein Ekel und solches Gew\u00e4sch kauft niemand. Wenn Sie unter modern aber eine Richtung im Sinne Dehmels, Zweig, Kneip etc. verstehen, so k\u00f6nnte ich eher an einen buchh\u00e4ndlerischen Erfolg glauben. Eine solche moderne Anthologie, nicht prima, aber ein Anflug dazu, erschien bei Meulehoff, Leipzig (&#8222;Deutschlands Dichter&#8220;), ausgew\u00e4hlt von Krauss). Ich sehe nicht ein, warum Sie dazu Ehrenstein, Sonnenschein etc. brauchen. Das k\u00f6nnen doch Zweig, Sie und ich zusammen ebenso gut und noch viel besser, indem wir es wie mit den Zw\u00f6lf B\u00fcchern machen: ein Dichter und ein Gedicht wird nur aufgenommen, wenn zwei damit einverstanden sind. Als Herausgeber zeichnet Zweig, der viel besseren Klang als der sehr einseitige Ehrenstein hat, welcher nur ultramodernes Zeug bringen wird. \u00dcberdies w\u00e4re das dann ein direktes Konkurrenzunternehmen gegen\u00fcber Fischer, bei dem doch, wenn ich nicht irre, Ehrenstein auch eine Anthologie herausgegeben hat, die niemand kauft.<br \/>\nIch werde \u00fcbrigens Ehrenstein diese Woche sprechen. (&#8230;)<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter hat Seelig bereits mit Ehrenstein gesprochen, &#8222;der \u00fcbrigens keine Anthologie machen w\u00fcrde&#8220; &#8211; so Seelig an Tal (1.8.1919). Darauf Tal:<\/p>\n<p class=\"zitat\">In der Sache der lyrischen Anthologie bin ich anderer Meinung als Sie. Es besteht gar nicht die Absicht, den Aktionskreis irgendwie f\u00fcr die Sache zu ben\u00fctzen, sondern diese Anthologie, die die Dichter von 1919-1920 umfassen soll, w\u00fcrde alle Erscheinungen der Lyrik in diesem Jahrzehnt umspannen. Es kommen ungef\u00e4hr folgende Dichter daf\u00fcr in Betracht: Werfel, Ehrenstein, Becher, Zech, Leonhardt (sic), Herrmann, Goll, Klabund, Heyman, Heym, Nadel, Loerke, Wolffenstein (sic), Trakl, Liechtenstein (sic), Benn, Blass, Heynicke, K\u00f6lwel, Hardenberg, Bold (sic), Viertel, Felix Braun, Mell. Die Liste ist noch nicht vollst\u00e4ndig. (1.8.1919)<\/p>\n<p>Dazu wieder Seelig:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Ihre Anthologie-Idee halte ich noch mehr als zuvor f\u00fcr verfehlt. Ehrenstein (den ich \u00fcbrigens in der Tat mit Wolffenstein verwechselt habe) w\u00fcrde eine solche Anthologie nicht machen oder, wie er selbst sagt, nur unter seinem Gesichtspunkt: also &#8222;expressionistisch&#8220;. Ein solches Buch wird niemand kaufen, denn diese Art von Lyrik interessiert nur eine gewisse Clique und in einem Jahr wird nicht soviel Gutes und Bleibendes gedichtet, da\u00df diese Sammlung ein Bed\u00fcrfnis w\u00e4re. Wassermann, Greiner etc. anerkennen Sonnenschein, Ehrenstein etc. nur in sehr beschr\u00e4nktem Sinne als Dichter, ich selbst halte sie f\u00fcr hoffnungslos. &#8211; Erfolg wird aber unbedingt eine Sammlung haben, die seit etwa 1900 (gewisserma\u00dfen als Fortsetzung der &#8222;Ernte&#8220;) das Beste ver\u00f6ffentlicht und dazu w\u00e4re Zweig wie geschaffen, wenn Sie und ich wieder als Mitrichter funktionieren. (&#8230;) (7.8.1919)<\/p>\n<p>Tal dazu in seiner Replik vom 11. August:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Anthologie: an eine nur expressionistische Anthologie habe ich, wie Sie aus meinem letzten Brief ersehen k\u00f6nnen, nie gedacht. Eine gro\u00dfe Anzahl der Autoren, die ich dort aufz\u00e4hlte, sind keine Expressionisten.<\/p>\n<p>Damit endete die Auseinandersetzung. Wegen des Widerstands des konservativen Seelig \u00fcberlie\u00df es Tal praktisch dem Ed. Strache Verlag, sich um diese j\u00fcngeren Autoren zu k\u00fcmmern. Diese geplante Anthologie erschien nicht, wohl aber stellt Oskar Maurus Fontana f\u00fcr Tal 1922 eine weitere Anthologie zusammen, n\u00e4mlich <em>Der Garten Immergr\u00fcn. Deutsche Volkslieder <\/em>als Fortsetzungsband zu <em>Des Knaben Wunderhorn. <\/em>Dies \u00e4rgert Seelig wieder einmal. Weder die Buchausstattung noch die Auswahl (mit j\u00fcdischen Volksliedern) gef\u00e4llt ihm. Dies sollte auch die letzte Anthologie bei Tal sein, denn der Verleger hatte, wie er Seelig am 10. J\u00e4nner 1923 schreibt, &#8222;schon seit langer Zeit beschlossen, \u00fcberhaupt keine Anthologieb\u00e4nde mehr zu bringen, mit Ausnahme der wenigen wie ,Gebete&#8220; etc., die schon seit langer Zeit geplant sind, weil dadurch mein Verlag in eine v\u00f6llig falsche, r\u00fcckw\u00e4rts gewendete und nicht Zuk\u00fcnftiges mit aufbauen helfende Richtung gedr\u00e4ngt wird. Es ist mir schon und nicht ganz mit Unrecht von verschiedenen Seiten vorgeworfen worden, da\u00df der Verlag sich zum Anthologie-Verlag entwickelt und in Gefahr ist, aus der zeitgen\u00f6ssischen Literatur sich auszuschalten. Das will ich aber begreiflicherweise nicht und ich hoffe, Sie werden es verstehen.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ersten Verlagsjahre schien Tal nahe daran, zwei bekannte Autoren zu erwerben bzw. abzuwerben, n\u00e4mlich Arthur Schnitzler und Robert Musil. Zun\u00e4chst Schnitzler: Auf die n\u00e4heren, noch geheimgehaltenen Umst\u00e4nde geht ein Brief Tals an Seelig vom 19. August 1919 ein:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Eine andre \u00dcbernahme-Angelegenheit: Gestern war Herr Dr. [Richard] Specht bei mir und fragte mich, ob ich s\u00e4mtliche Werke von Arthur Schnitzler \u00fcbernehmen m\u00f6chte. Ich war sehr erstaunt, 1. dar\u00fcber, da\u00df Schnitzler von Fischer weggeht und 2. da\u00df Schnitzler, mit dem Dr. Specht schon ohne mein Wissen \u00fcber das Projekt dieser Transaktion gesprochen hat, mir seine ganzen Werke \u00fcbergeben will. Zur Erkl\u00e4rung des ersten Punktes erz\u00e4hlte Specht, da\u00df Schnitzler sich mit Fischer nicht mehr vertrage, Fischer f\u00fcr seine B\u00fccher nichts tue, vergriffene Werke nicht neu auflege und es st\u00e4ndig Reibungen zwischen dem Verlag und Schnitzler gebe. Zum 2. Punkt meint Specht, da\u00df Schnitzler mich ja von fr\u00fcher her kenne, und eben, weil der Verlag ein junger ist, mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr sich sehe, als bei Fischer, wo er mit vielen anderen mitl\u00e4uft. Ich habe nat\u00fcrlich Specht meine prinzipielle Bereitwilligkeit erkl\u00e4rt und ihn erm\u00e4chtigt, sie Schnitzler zu \u00fcberbringen, und warte nun den Verlauf der Angelegenheit ab. Ein gro\u00dfer Kapitalienaufwand d\u00fcrfte hier n\u00f6tig sein. Denn wenn auch Fischer f\u00fcr die Abl\u00f6sung der Verlagsrechte, soviel mir Specht sagte, nichts verlangen kann, so m\u00fcssen doch die Best\u00e4nde \u00fcbernommen werden und au\u00dferdem verlangt Schnitzler bei Neudrucken die ganze Auflage vorausbezahlt (Autorenhonorar 20% in Mark wie bei Fischer bisher zahlbar). &#8211; Haben Sie sich \u00fcbrigens wie ich Ihnen vor Wochen gelegentlich des Tiefstandes der deutschen Valuta riet, Mark verschafft und in Z\u00fcrich liegen lassen? &#8211; Ich werde Sie jeweils von den Ergebnissen der Konferenzen mit Schnitzler benachrichtigen, bitte Sie aber die Angelegenheit geheim zu halten. Ich habe nicht einmal Zweig davon Mitteilung gemacht.<\/p>\n<p>Seelig war nat\u00fcrlich \u00fcber diese Aussicht sehr froh:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Schnitzler-Idee begeistert mich nat\u00fcrlich, aber ich kann mir nicht denken, da\u00df er mir nichts dir nichts von Fischer fort kann. Dann h\u00e4tten wir doch auch den B\u00fchnenvertrieb? Das w\u00e4re schon etwas wert! &#8211; Bitte halten Sie mich auf dem Laufenden! (24.8.1919)<\/p>\n<p>Die zur Verf\u00fcgung stehende Korrespondenz geht leider auf die Schnitzler-\u00dcbernahme nicht mehr ein: Schnitzler blieb weiterhin bei Fischer.<\/p>\n<p>Der erste Hinweis auf eine Verbindung Robert Musils zu E.P. Tal um sieben Ecken findet sich in einem Brief Musils an Carl Seelig vom 24. Dezember 1922.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><span class=\"Reference\">[17]<\/span><\/a> Seeligs Vertrauter Max Picard hatte Musil n\u00e4mlich aufgefordert, eine kleine Arbeit zu senden. Musil war in der Lage, zwei gr\u00f6\u00dfere Arbeiten anzubieten, weiters das Manuskript einer Novelle (m\u00f6glicherweise die noch unver\u00f6ffentlichte Novelle <em>Die Portugiesin) <\/em>und ein burleskes Theaterst\u00fcck <em>(Vinzenz). <\/em>Da von der Seelig-Serie <em>Zw\u00f6lf B\u00fccher <\/em>die Rede ist, kam wohl nur die schmale Novelle \u00fcberhaupt in Frage. Im zweiten diesbez\u00fcglichen Brief Musils an Seelig vom 31. Dezember 1922 ist der Autor von einer gewissen Koketterie nicht freizusprechen: er tut n\u00e4mlich so, als ob sich deutsche Verleger haufenweise um ihn raufen w\u00fcrden (&#8220; &#8230; da ich mit deutschen Verlegern bereits vor Eintreffen Ihres Briefs in Verhandlungen stand&#8220;, &#8220; &#8230; Die Situation (&#8230;) ist ja die, da\u00df ich durchaus nicht Mangel an Verlagsm\u00f6glichkeiten leide (&#8230;).&#8220;<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><span class=\"Reference\">[18]<\/span><\/a> Sieht man die Realit\u00e4ten, ist Musils Pose &#8211; nachdem er nach langer Verlagssuche mit dem erfolglosen Druck der <em>Schw\u00e4rmer <\/em>in einem Provinzverlag in Dresden Schiffbruch erlitt, nachdem er Ende 1922 <em>Tonka <\/em>in einer Reichenberger Druckerei und <em>Grigia <\/em>in einer Zeitschrift <em>(Der Neue Merkur) <\/em>und <em>Die Portugiesin <\/em>in einer bibliophilen Ausgabe mit einer Auflage von 200 Exemplaren 1923 erscheinen lie\u00df &#8211; leicht pr\u00e4potent und \u00fcberheblich.<\/p>\n<p>Die Korrespondenz Tal-Seelig hilft uns bei der Dokumentation dieser Anbahnung weiter. Seelig sollte Musils Probe an Tal weiterleiten. Dementsprechend kurz hei\u00dft es an Seelig am 3.1.1923: &#8222;Robert Musil: Die Zusendung erwarte ich also.&#8220; Erst am 15. M\u00e4rz ist wieder von Musil die Rede, und zwar in einer Karte an Seelig vom Verlagslektor Dr. Epstein:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Musil: Ich bitte Sie, die Novellen recht bald zu lesen, da der Autor dr\u00e4ngt. Ich glaube, da\u00df die Lekt\u00fcre Ihnen viel Freude machen wird.<\/p>\n<p>Wohlgemerkt ist nun von &#8222;Novellen&#8220; die Rede, was zu Spekulationen f\u00fchrt, welche zwei der sp\u00e4teren <em>Drei Frauen-<\/em>Novellen hier gemeint sein k\u00f6nnten. Einige Wochen sp\u00e4ter schreibt Tal an Seelig:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Musil: Ich bin ganz Ihrer Meinung in der Wertung der beiden St\u00fccke. Es dreht sich also jetzt darum, ob Sie, wie Sie schreiben, 1000 Franken f\u00fcr die Erwerbung der Urheberrechte bezahlen wollen, dann h\u00e4tte ich die Basis um mit ihm unterhandeln zu k\u00f6nnen. (22.3.1923)<\/p>\n<p>Doch konnte Seelig das Geld nicht aufbringen: Tal dazu: &#8222;Musil: Ich nehme zur Kenntnis, da\u00df Sie Musil nichts bezahlen k\u00f6nnen.&#8220; (3.4.1923)<\/p>\n<p>Vier Tage sp\u00e4ter teilt Martha Musil ihrer Tochter \u00c4hnliches mit:<\/p>\n<p class=\"zitat\">(Seelig will nicht 1000 Frcs f\u00fcr die Novellen geben; also ist es nichts damit.)<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><span class=\"Reference\">[19]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Doch war die Frage noch nicht ganz erledigt. So teilte Tal Seelig am 27. April 1923 mit:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Musil: Ich nehme also zur Kenntnis, da\u00df Sie sich nicht entschlie\u00dfen k\u00f6nnen, alle Rechte an seinen zwei Novellen zu erwerben. Ich werde bei ihm anfragen, ob er mit Fr. 200.- in der Ausgabe in den &#8222;Zw\u00f6lf B\u00fcchern&#8220; einverstanden w\u00e4re. Bevor ich definitiv abschlie\u00dfe, werde ich Ihnen den Vertrag zusenden.<\/p>\n<p>Musil gab sich damit nicht zufrieden, und es sollte nicht das erste Mal sein, da\u00df ein Vertragsabschlu\u00df an seinen meist weltfremden Forderungen scheiterte. Am 4. Mai schl\u00e4gt er Seelig vor, das Dreifache zu bezahlen, also &#8222;mir bei Abschlu\u00df des Vertrags darauf einen Vorschu\u00df von 600 Fr. zu bezahlen (&#8230;).&#8220;<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><span class=\"Reference\">[20]<\/span><\/a> Und als dies sich nicht realisieren lie\u00df, beendete Musil die Angelegenheit mit folgendem Brief an Seelig:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Bedingungen, die ich Ihnen vorschlug, waren kein Spa\u00df und kein Versuch, und da ich das Gleiche von Ihrem Gegenvorschlag annehme, mu\u00df ich leider feststellen, da\u00df wir von einer Distanz getrennt sind, die eine Fortsetzung unserer Bem\u00fchungen aussichtslos erscheinen l\u00e4\u00dft. (&#8230;) (2.6.1923)<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><span class=\"Reference\">[21]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Von diesen zwei Beinahe-Tal-Autoren kommen wir schlie\u00dflich auf die Literaturf\u00f6rderung des Tal-Verlags und dessen sonstiger Produktion in der Anfangszeit zu sprechen.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> Zw\u00f6lf B\u00fccher<\/h3>\n<p>Eine Besprechung dieser Serie gibt Anla\u00df zu einer Betrachtung der &#8222;Produktionsbedingungen&#8220; in den ersten Jahren. Die Tatsache, da\u00df Seeligs eigenfinanzierter Stolz die <em>Zw\u00f6lf B\u00fccher <\/em>ohne Verschulden Tals erst mehr als ein halbes Jahr nach dem geplanten Erscheinungstermin herauskam (die ersten 3 B\u00fccher am 15. September 1919, das vierte am 4. Oktober, das 5. am 5. November, das 6. am 1. Dezember), stimmte Seelig zunehmend ungl\u00fccklich, wobei man nicht au\u00dfer Acht lassen darf, da\u00df der verm\u00f6gende Seelig von der inflationsbefreiten Schweiz aus die Lage anders beurteilte. Ein gro\u00dfes Problem, vor allem f\u00fcr kleine, nicht mit Papierfabriken liierte Verlage, war die Papierbeschaffung. Und die sehr versp\u00e4tete Lieferung einer besonderen Papiersorte f\u00fchrte zum Verzug und zu einer &#8222;Kette von Ungl\u00fccksf\u00e4llen&#8220; (Tal, 4.2.1920). So schlug Seelig den Papierbezug aus Deutschland vor, worauf Tal folgenderma\u00dfen reagierte:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Picards Rat ist sehr freundlich, aber es gibt hier kein Papier aus Deutschland, weil keines hereingelassen wird. \u00dcbrigens ist in Deutschland, soviel ich h\u00f6re, die Papiernot nicht geringer als hier, denn der gr\u00f6\u00dfte Teil der Produktion geht als Kompensation in die Schweiz und nach dem starken Import scheint man in der Schweiz den Eindruck zu haben, als ob Deutschland eine \u00dcberproduktion an Papier h\u00e4tte, was aber nicht der Fall ist. &#8211; Vorl\u00e4ufig habe ich hier f\u00fcr meine Werke gen\u00fcgend Papier, sogar zu billigen Preisen: holzfreies zum Preis von 6-11 K das kg. (&#8230;) Zu den heute geltenden Schleichhandelspreise(n) von 30-35 K kann man Papier haben so viel man will. Und Papier aus Deutschland w\u00fcrde nicht billiger kommen. Au\u00dferdem ist der Verlag materiell nicht in der Lage zu diesen Preisen Papier in gr\u00f6\u00dferen Quanten einzukaufen und sich aufs Lager zu legen. F\u00fcr die Produktion dieses Jahres bin ich jedenfalls gedeckt. (14.2.1920)<\/p>\n<p>Das war freilich nicht das einzige Problem: der Kohlenmangel in \u00d6sterreich war enorm. So schreibt Tal zum Thema die Zw\u00f6lf B\u00fccher:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Sie sollten unter Poenale am 31. J\u00e4nner fix und fertig sein. Nun ist hier wegen Kohlenmangel der elektrische Strom fast den ganzen J\u00e4nner hindurch abgeschaltet. Da\u00df die Autoren sich beklagen und auch die Buchh\u00e4ndler begreife ich; wir beide klagen noch viel mehr. (24.1.1920)<\/p>\n<p>Der literarische Vertrauensmann und Ratgeber Seelig war schon w\u00e4hrend der ersten H\u00e4lfte des ersten Gesch\u00e4ftsjahres \u00fcber die Lage des Verlags deprimiert. Tal versuchte am 26.2.1920 klare Verh\u00e4ltnisse zu schaffen und bat Seelig, sich zu erinnern:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Als Sie seinerzeit in Wien waren und wir \u00fcber die Rentabilit\u00e4tsm\u00f6glichkeiten eines neu gegr\u00fcndeten Verlages sprachen, sagte ich Ihnen, da\u00df meiner Meinung nach ein Verlag erst nach zwei Jahre(n) anf\u00e4ngt, aktiv zu werden, das hei\u00dft soviel, da\u00df die daran Interessierten erst nach dieser Frist damit rechnen k\u00f6nnten, einen Ertrag aus dem Verlage zu ziehen. Die erste Bilanz wird nun aber meine ich ergeben, da\u00df schon nach dem ersten Jahre der Verlag entgegen meiner Vorkalkulation am Ende des ersten Jahres keinen Verlust haben wird, wobei ein Teil des zu Investition bestimmten Kapitales noch nicht aufgebraucht sein d\u00fcrfte; vielleicht wird es schon m\u00f6glich sein, im 2. Gesch\u00e4ftsjahre etwas aus dem Verlag herauszuziehen. Ich bin wenigstens dieser guten Hoffnung, aber ich will mich nicht der Phantasie hingeben, da\u00df man unter den heutigen, so kostspieligen Verh\u00e4ltnissen einen bedeutenden Teil des Hausgebrauches bestreiten k\u00f6nnte.<br \/>\nIn Anbetracht der verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Investitionssummen und der verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Summe, welche ein Haushalt heute beansprucht ist eine Deckung des Hausgebrauches aus dem Ertrag eines Verlagsgesch\u00e4ftes, welches heute leider materiell ein ziemlich ung\u00fcnstiges ist, dadurch da\u00df die Verleger im allgemeinen es nicht wagen, mit den Preissteigerungen Schritt zu halten (Materialpreise sind seit der Friedenszeit um 1000 bis 2000% gestiegen, w\u00e4hrend die B\u00fccherpreise sich h\u00f6chstens auf das 3 bis 4fache erh\u00f6ht haben) so ziemlich ausgeschlossen, wenn einem nicht ein sogenannter &#8222;Schlager&#8220; in die Hand f\u00e4llt.<br \/>\nIch habe bisher nicht vom Ertrag des Verlages gelebt und werde auch im 2. Gesch\u00e4ftsjahr keinesfalls zur G\u00e4nze davon leben k\u00f6nnen. Ihre Situation ist im Verh\u00e4ltnis besser, weil Sie ja auch Honorarforderungen haben werden, aber auf jeden Fall mu\u00df ich es Ihnen freundschaftlich abraten den Ertrag des Verlages als Sicherung Ihrer materiellen Lebens-Situation zu betrachten. Vielleicht habe ich etwas schw\u00e4rzer gemalt, als die Ereignisse es zeigen werden, aber ich verantworte lieber dieses, als Sie durch eine geschminkte Darstellung zu einem Entschlu\u00df zu verleiten, den gefa\u00dft zu haben Ihnen nachher leid t\u00e4te. (&#8230;)<\/p>\n<p>Eine Reaktion Seeligs liegt nicht vor, aber etwas mehr als ein Jahr sp\u00e4ter im Juli 1921 er\u00f6ffnet Tal, da\u00df ihm soeben der Antrag gestellt worden sei, &#8222;gegen ein Drittel des Reinertrages eine Kapitalseinlage von 5.000.000 Kronen anzunehmen&#8220; (an Seelig, 12.7.1921).<\/p>\n<p class=\"zitat\">Da\u00df diese Vergr\u00f6\u00dferung des Verlages n\u00f6tig ist, wissen Sie; bei jeder besseren gr\u00f6\u00dferen Sache mu\u00df ich kleinlich mit den Mitteln rechnen, obwohl ich den ganzen Gewinn stehen lasse und meinen Haushalt aus meinen Privatmitteln decke. Wenn ich den Antrag annehme, so w\u00fcrde das mit sich bringen, da\u00df wir zum 14. Januar 1922 miteinander bilanzieren und ich Ihre Einlage samt dem Zuwachs auszahle.<\/p>\n<p>Tal erwartet auch einiges von Seelig:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Nicht H\u00f6flichkeit, sondern die wirkliche Freundschaft, die ich f\u00fcr Sie in der letzten Zeit gefa\u00dft habe, zwingt mich, Ihnen mit dieser Ank\u00fcndigung zugleich zu sagen, da\u00df ich den Antrag nur dann annehmen werde, wenn es Ihnen nicht m\u00f6glich sein sollte, dem Verlag das gleiche Kapital zur Verf\u00fcgung zu stellen.<br \/>\nAber auch dann m\u00f6chte ich sehr gern irgend eine Form f\u00fcr die Fortsetzung unseres Verh\u00e4ltnisses finden, und wenn ich auch im Augenblick, wo ich Ihnen in aller Eile berichte, noch nichts vorzuschlagen wei\u00df, so hoffe ich doch, da\u00df wir einen brauchbaren Weg finden werden. (&#8230;)<\/p>\n<p>Der Name des Kapitalsgebers wird nicht genannt und ist auch nicht bekannt. Tal wu\u00dfte, was er von Seelig alles verlangte: &#8222;Sie k\u00f6nnen es sich kaum denken, wie schwer mir der Entschlu\u00df wurde, den mir gestellten Antrag \u00fcberhaupt in Erw\u00e4gung zu ziehen. Aber es handelt sich um Lebensfragen.&#8220; (An Seelig, 15.7.1921). Die Begr\u00fcndung ist \u00fcber den gegebenen Fall hinaus auch zum Verst\u00e4ndnis der Lage im \u00f6sterreichischen Verlagsbuchhandel dieser Zeit interessant und soll daher in extenso zitiert werden:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Sie wissen, da\u00df s\u00e4mtliche deutschen Verlage, auch die gr\u00f6\u00dften, wie S. Fischer, Kurt Wolff, Georg M\u00fcller, etc., bei ausgezeichnetem Gesch\u00e4ftsgang das Kapital sehr vergr\u00f6\u00dfern mu\u00dften. Die Preise von Papier und Druck sind heute zwanzigmal so hoch wie 1919. Und wenn ein Buch ausverkauft war, so konnte man bisher aus dem Erl\u00f6s allein eine Neuauflage nicht herstellen, sondern mu\u00dfte noch Kapital aus anderen Erl\u00f6sen dazunehmen. Nicht darum handelt es sich also, &#8222;einige B\u00fccher mehr zu bringen&#8220;, (wie Sie sagen), sondern geradezu um die Gefahr des Stillstandes des Verlags, d.h. soviel wie, seines Absterbens. Das aber w\u00e4re die Vernichtung des bisherigen Werkes und der Verlust unseres Kapitales, das wir beide investierten.<br \/>\nDa\u00df ich au\u00dferdem nicht f\u00e4hig bin, meinen Haushalt wie bisher auch weiterhin aus meinem Privatverm\u00f6gen zu bestreiten, sondern die Gewinne aus dem Unternehmen ziehen mu\u00df, soweit sie auf meinen Teil kommen, um zu leben, das ist ein weiterer zwingender Umstand, den ich Ihnen \u00fcbrigens schon \u00f6fter zur Sprache gebracht habe.<br \/>\nGeht aber der Gewinn aus dem Unternehmen weg, so bleiben nur die K 750.000 die wir zusammen investiert haben und wie sollen die die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung m\u00f6glich machen? Betr\u00e4gt doch die Aufwendung f\u00fcr die Honorare und die Herstellungskosten des ersten Bandes allein bei Ludwig schon 1.300.000 K!<br \/>\nLieber Herr Seelig, erlauben Sie mir die freim\u00fctige und wirklich nicht aggressiv gemeinte Bemerkung: Ich kann mir nicht vorstellen, da\u00df die 40.000 Franken, die die 5 Millionen Kronen bedeuten, Ihnen eine ernsthafte Schwierigkeit machen. Es mu\u00df also ein Mangel an Zuversicht und Vertrauen sein, der Sie hemmt, ohne da\u00df Sie sich genau Rechenschaft dar\u00fcber geben.<br \/>\nIch bin weit davon entfernt, Ihnen das \u00fcbelzunehmen, denn das sind elementare Regungen, f\u00fcr die kein Mensch verantwortlich ist und die auch kein Mensch meistern kann. Deshalb \u00e4ndert das auch nichts an meinem festen Vorsatz, nach einer Form zu suchen, in der sich Ihre interessierte Verbindung mit dem Verlage fortsetzen lie\u00dfe und ich werde in den kommenden Verhandlungen, nicht vergessen, daran zu denken, um Ihnen plausible Vorschl\u00e4ge machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Tal dr\u00e4ngte auf eine rasche Entscheidung (&#8222;Es ist leider nicht sicher m\u00f6glich, die letzte Entscheidung bis \u00fcber die Ferien ruhen zu lassen.&#8220; 19.7.1921). Die weitere zur Verf\u00fcgung stehende Korrespondenz geht auf diesen Punkt nicht mehr ein, doch kann man mit einiger Sicherheit annehmen, da\u00df Seelig in der Folge das von Tal erw\u00fcnschte Kapital aufbrachte. Die Zusammenarbeit wird fortgesetzt. Das letzte mir zur Verf\u00fcgung stehende Schreiben Tals ist mit 27. April 1923 datiert.<\/p>\n<p>Die &#8222;Zw\u00f6lf B\u00fccher herausgegeben von Carl Seelig, Z\u00fcrich&#8220; waren eine elit\u00e4re Angelegenheit. Sie umfa\u00dften folgende Werke:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Hermann Hesse, <em>Kleiner Garten. Erlebnisse und Dichtungen<\/em>.<br \/>\nRomain Rolland, <em>Die Zeit wird kommen. Drama in 3 Akten<\/em>. (\u00dcbertr. von Stefan Zweig)<br \/>\nStefan Zweig, <em>Fahrten, Landschaften und St\u00e4dte<\/em>.<br \/>\nCarl Hauptmann, <em>Der abtr\u00fcnnige Zar. Eine Legende in 6 Vorg\u00e4ngen<\/em>.<br \/>\nWilhelm Schmidtbonn, <em>Die Flucht zu den Hilflosen<\/em>.<br \/>\nHenri Barbusse, <em>Erste Novellen<\/em>. (\u00dcbertr. L. Andro)<br \/>\nSuares: <em>Cressida<\/em>. (von Stefan Zweig und Erwin Rieger nachgedichtet)<br \/>\nOtto Zoff, <em>Gedichte.<br \/>\n<\/em>Maurice Maeterlinck, <em>Der B\u00fcrgermeister von Stillmonde. Drama in drei Akten<\/em>. (\u00dcbertr. von Paul und Marta Amann)<br \/>\nWilhelm Sch\u00e4fer, <em>Fr\u00fchzeit. Erz\u00e4hlungen<\/em>.<br \/>\nGeorges Duhamel, <em>Das Licht, Drama in 4 Akten<\/em>. (Dt. von Erwin Rieger)<br \/>\nErnst Toller, <em>Die Maschinenst\u00fcrmer. Ein Drama aus der Zeit der Ludditenbewegung in England in 5 Akten und 7 Vorspiel<\/em>.<\/p>\n<p>Da\u00df das Erscheinen der Reihe erheblich verz\u00f6gert wurde, ist z.T. darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df Material f\u00fcr die besondere Ausstattung in den Jahren 1919\/20 schwer zu beschaffen war. In einer Verlagsanzeige weist man auf folgendes hin:<\/p>\n<p class=\"zitat\">In nur tausend Exemplaren auf Japandokumentenpapier, der Titelbogen in zwei Farben, unter der Leitung von Rudolf Geyer in Wien gedruckt. <a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><span class=\"Reference\">[22]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Davon erschienen die Nummern 1-50 in Ganzlederb\u00e4nden, die Nummern 51-150 in Halblederb\u00e4nden, die Nummern 151-1000 in Pappb\u00e4nden. Die Preise hielten mit den Material- und Herstellungskosten nicht mit und mu\u00dften einige Male angehoben werden. 1921 waren schlie\u00dflich die Werke Hesses und Rollands in allen Ausgaben vergriffen und konnten aus Kostengr\u00fcnden nicht neu aufgelegt werden. Obwohl nach der ersten weitere Reihen vorgesehen waren, kam es nicht mehr dazu.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> Wiener Drucke<\/h3>\n<p>\u00c4hnlich wie die WILA begann auch der E.P. Tal &amp; Co. Verlag im Sp\u00e4therbst 1921 eine Viennensia-Reihe, die sich <em>Wiener Drucke <\/em>nannte. Unter der Leitung von Otto Erich Deutsch wurde eine besondere Abteilung errichtet, die sich mit der Herausgabe von Schriften \u00fcber den Kulturkreis des alten \u00d6sterreich, insbesondere des alten Wien, befa\u00dfte. Zu den ersten Publikationen z\u00e4hlte der <em>Alt-Wiener-Kalender f\u00fcr das Jahr 1922, <\/em>herausgegeben von Alois Trost. Der Umschlag stammte von Rudolf Geyer, der auch den Buchschmuck f\u00fcr Auernheimers <em>Das \u00e4ltere Wien. Bilder und Schatten <\/em>besorgte. Die drei bisher erschienenen Jahrg\u00e4nge (1917, 1918, 1919) waren im Kunstverlag Anton Schroll &amp; Co. herausgekommen. Egon Friedell gab eine kleine Nestroy-Ausgabe unter dem Titel <em>Das ist klassisch. Nestroy-Worte <\/em>heraus. In dieser Abteilung erschienen u.a. noch Joseph Gregors <em>Wiener Szenische Kunst. Die Theaterdekoration <\/em>(1923), Daniel Spitzers <em>Wiener Abstecher. Auswahl aus Gedrucktem und Ungedrucktem <\/em>von Wilhelm A. Bauer, ein <em>Raimund-Liederbuch <\/em>(1923) usw. <a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><span class=\"Reference\">[23]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Nicht zuf\u00e4llig wurde die alleinige Auslieferung des E.P. Tal &amp; Co. Verlags und der <em>Wiener Drucke <\/em>Anfang 1924 vom Drei Masken Verlag \u00fcbernommen. E.P. Tal war mit gleichem Datum zum Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Drei Masken Verlags ernannt worden. Die Gesch\u00e4ftsverbindung Tal\/Drei Masken Verlag wurde Ende Dezember 1926 gel\u00f6st. \u00dcbrigens wurde Tal im Fr\u00fchjahr 1924 zum Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bzw. Direktor der BUKUM A.G. f\u00fcr Buch-, Kunst- und Musikalienhandel, vormals Hugo Heller &amp; Co., ernannt. 1928 hatte er diese Funktion nicht mehr inne. <a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><span class=\"Reference\">[24]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im Juni 1933 mu\u00dfte \u00fcber die Firma BUKUM A.G. das Ausgleichsverfahren er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Im Herbst 1924 wurden die <em>Wiener Drucke <\/em>mit allen Aktiven und Passiven vom Amalthea-Verlag \u00fcbernommen. <a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><span class=\"Reference\">[25]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Ebenfalls vom Amalthea-Verlag \u00fcbernommen wurde die zuerst in der Abteilung &#8222;Wiener Drucke&#8220; erschienene <em>Neue \u00d6sterreichische Biographie. <\/em><\/p>\n<p>Die in den Jahren 1919-1924 von Tal herausgegebene Belletristik stammt gro\u00dfteils von \u00f6sterreichischen Autoren. 1919 erschien neben dem erw\u00e4hnten utopischen Roman von Flesch-Brunningen auch Hans Adlers Gedichtband <em>Affentheater. <\/em>Von L. Andro (d.i. Therese Rie) erschienen der Roman Die <em>Kom\u00f6diantin Dora <\/em>X. (1920), 1924 der Roman <em>Das entschwundene Ich. <\/em>Hermann Bahr, von dem Tal au\u00dferordentlich viel hielt, lie\u00df 1920 einen Band seiner Tageb\u00fccher <em>1919 <\/em>erscheinen. Von Oskar Maurus Fontana erschien 1920 in einer Auflage von 2.000 Exemplaren <em>Emp\u00f6rer. Novellen, <\/em>im selben Jahr <em>Gier. Erz\u00e4hlung <\/em>(Umschlag A. Berger) von Alfred Golfar, Eugen Hoeflichs <em>Feuer im Osten, <\/em>zwei Werke von Felix D\u00f6rmann: <em>Der platonische W\u00fcstling <\/em>und <em>Zimmerherren. Kom\u00f6die in drei Akten, <\/em>der Roman der jungen Maria Lazar <em>Die Vergiftung, <\/em>Hugo Sonnenscheins <em>Die Legende vom weltverkommenen Sonka <\/em>(lithogr. Einband von A. Berger), Fritz Lampls <em>Gedichte, <\/em>Erich Singers Gedichtband <em>Heiterkeit, <\/em>Viktor Fleischers Novelle <em>Der Sammler <\/em>(ill. Stefan Hlava), Hermann Ungars <em>Knaben und M\u00f6rder, <\/em>und schlie\u00dflich Josef Weinhebers erste Buchver\u00f6ffentlichung <em>Der einsame Mensch. <\/em>Zwischen Weinheber und den Tals entwickelte sich eine Freundschaft. <a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><span class=\"Reference\">[26]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df Weinheber durch Arnold H\u00f6llriegel\/Richard A. Bermann zum Tal-Verlag gesto\u00dfen ist. Verlagsautor Dr. Hans Adler k\u00e4me auch als Vermittler in Frage.<\/p>\n<p>Als die Gemeinde Wien erstmals 1924 die Preise f\u00fcr Dichtkunst vergab, bewarb sich Weinheber neben ca. 150 anderen Schriftstellern (bis Ende M\u00e4rz 1924) um den Preis <a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><span class=\"Reference\">[27]<\/span><\/a>, bekam ihn aber nicht. Einer der sechs Preistr\u00e4ger war Robert Musil. Er hatte sich gar nicht um den Preis beworben, was laut Richtlinien auch nicht erforderlich war. &#8222;Einer, der leer ausging&#8220; &#8211; so betitelt Richard A. Bermann seinen Kommentar im Wiener <em>Tag <\/em>vom 11. Mai 1924 (S. 5) &#8211; war Weinheber. Sein Mi\u00dferfolg mit <em>Der einsame Mensch <\/em>schwingt in Bermanns Bericht mit:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es ist aber tief zu bedauern, da\u00df nicht noch ein Wiener Dichter schon in diesem Jahr durch einen Preis ermutigt werden konnte. Einige Kunstfreunde hatten, nicht ganz ohne Anla\u00df gehofft, da\u00df Josef Weinheber unter den Laureaten dieses Jahres sein w\u00fcrde.<br \/>\nJosef Weinheber ist ein noch ziemlich junger Telegraphenbeamter in Wien. Es ist eben sein zweiter Gedichtband erschienen. (&#8222;Von beiden Ufern.&#8220; Burgverlag.) Schon der erste (&#8222;Der einsame Mensch.&#8220; Bei E.P. Tal) ist von einem zahlreichen und distinguierten Publikum so gr\u00fcndlich ignoriert worden, da\u00df das allein die Bedeutung dieses Dichters beweisen k\u00f6nnte. Sechzig oder siebzig Menschen in Wien, in \u00d6sterreich und im Universum hatten sich dieses B\u00e4ndchen gekauft. Es war wundervoll; wir haben einmal im &#8222;Tag&#8220; davon Proben gegeben. (&#8230;)<\/p>\n<p>Als Weinhebers zweites Buch vor der Ver\u00f6ffentlichung steht, gesteht er seinem F\u00f6rderer Leo Perutz: &#8222;Sehr schade, da\u00df das Buch nicht bei Tal erscheint! Es w\u00e4re mir viel lieber gewesen als der Burgverlag, der ein unbekannter Verlag ist. Aber schlie\u00dflich: Hauptsache ist, da\u00df das Buch \u00fcberhaupt herauskommt und in einer sch\u00f6nen, k\u00fcnstlerischen Aufmachung.&#8220; <a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><span class=\"Reference\">[28]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Im folgenden Jahr (1921) erscheinen bei Tal Werke des Ungarn Andreas Ady <em>(Auf neuen Gew\u00e4ssern. Eine Auswahl), <\/em>von Ludwig Hatvany <em>(Das verwundete Land; <\/em>Aufl. 3.000), Max Picard <em>(Der letzte Mensch, <\/em>Aufl. 2.000), des Zweig-Freundes Erwin Rieger (die Novelle <em>Juliska und die Husaren; <\/em>ill. Oskar Laske), und anderer. 1922 f\u00e4llt die Zahl der Neuerscheinungen deutlich ab. Erw\u00e4hnenswert sind zwei Werke: Anton Kuhs <em>Von Goethe abw\u00e4rts. Essays in Ausspr\u00fcchen <\/em>und ein &#8222;Liederbuch&#8220; von Albert Ehrenstein. Die Verbindung Kuh-E.P. Tal registriert Wien-Chronist Hugo Bettauer in seinem Fortsetzungsroman <em>Der Kampf um Wien. Ein Roman vom Tage <\/em>1922\/23 auf folgende Weise: &#8222;Anton Korn (recte: Kuh) ist neben Egon Kriegel (recte: Friedell) Sekret\u00e4r des amerikanischen Helden Ralph O&#8220;Flanagan: &#8222;Korn hatte noch einen Weg zu seinem Verleger Peter Berg vor (&#8230;).&#8220; <a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><span class=\"Reference\">[29]<\/span><\/a> Albert Ehrenstein, von dem in Zusammenhang mit einer lyrischen Anthologie die Rede gewesen ist, war dann doch f\u00fcr Tal t\u00e4tig. 1922 erschien &#8222;Dem Deutschen angeeignet von Friedrich R\u00fcckert und Albert Ehrenstein&#8220;: <em>Schi-King: Das Liederbuch Chinas. Gesammelt von Kung-fu-tse. <\/em><\/p>\n<p>Auch erschienen Wilhelm Schmidtbonns <em>Garten der Erde. M\u00e4rchen aus allen Zonen <\/em>(Buchausstattung Rudolf Geyer). 1923 erschienen Werke u.a. von Fritz Br\u00fcgel <em>(Zueignung), <\/em>Arthur Rundt und Richard Bermann <em>(Pal\u00e4stina. Ein Reisebuch), <\/em>Otto Rung <em>(Kokain. Novellen), <\/em>Heinz Schaffer <em>(Schlechter Wandel. Roman), <\/em>1924 wieder Schmidtbonn <em>(Der Verzauberte. Seltsame Geschichte eines Pelzh\u00e4ndlers; <\/em>ill. Einband Josef Tengler) und im selben Jahr das 11.-13. Tsd. von Ernst Tollers <em>Die Maschinenst\u00fcrmer. <\/em><\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise durch Tals anderweitige T\u00e4tigkeit und\/oder durch Kapitalmangel bedingt, sackte die Produktion bis gegen Ende der 20er Jahre nahezu v\u00f6llig ab. Es bleibt der Vollst\u00e4ndigkeit halber auf eine weitere Reihe im Tal-Verlag hinzuweisen, und zwar auf die &#8222;NEUEN MUSIKB\u00dcCHER&#8220;. Wie aus dem Briefwechsel Tal-Seelig hervorgeht, plante Tal seit Dezember 1919 mit m\u00f6glicher Beteiligung der Universal-Edition in Wien &#8222;eine musikalische B\u00fccherei&#8220;, die ansetzen sollte, wo die verschiedenen in Deutschland erscheinenden Reihen-Publikationen \u00fcber Musiker aufh\u00f6rten. Tal dachte dabei an Komponisten wie Erich Wolfgang Korngold, Arnold Sch\u00f6nberg, Gustav Mahler, Max Reger, Joseph Marx, Franz Schreker, Maurice Ravel etc. Als &#8222;Beirat&#8220;, ganz anonym und im Hintergrund, diente Doz. Dr. Egon Wellesz. Bereits am 13. J\u00e4nner 1920 konnte Tal Seelig berichten, da\u00df die Verhandlungen mit der Universal-Edition &#8222;zu einem g\u00fcnstigen Abschlu\u00df gekommen&#8220; seien und da\u00df die U.E. den Mitvertrieb und einen Teil der Auflage (geplant: 3.000) abnehmen w\u00fcrde. Die ersten B\u00e4nde waren schon geplant, und es folgten nun z.T. langwierige Verhandlungen, vor allem \u00fcber Honorare. Die ersten Werke kamen im Laufe des Jahres 1921 auf den Markt, darunter Egon Wellesz: <em>Arnold Sch\u00f6nberg, <\/em>Rudolf St. Hoffmann: <em>Franz Schreker, <\/em>M.D. Calvocoressi: <em>Mussorgsky, <\/em>Gisella Selden-Goth: <em>Ferruccio Busoni, <\/em>Paul Stefan: <em>Neue Musik und Wien, <\/em>Richard Specht: <em>Richard Strau\u00df und sein Werk <\/em>(2 B\u00e4nde), <em>Briefe \u00fcber den ber\u00fchmten Komponisten Joseph Haydn von Stendhal <\/em>etc. Zwei Jahre sp\u00e4ter erschienen etwa <em>Die Bildnisse von Gustav Mahler <\/em>von Alfred Roller, <em>E.N. v. Reznicek. Eine vorl\u00e4ufige Studie, <\/em>Natalie Bauer-Lechner: <em>Erinnerungen an Gustav Mahler <\/em>und Josef Matthias Hauers <em>Deutung des Melos. Eine Frage an den K\u00fcnstler unserer Zeit. <\/em><\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, sorgte eine Reihe von freien K\u00fcnstlern f\u00fcr Buchschmuck, Einband, Illustration der Tal-Verlagswerke. Wie die Zusammenarbeit zustandekam, war unterschiedlich. Dazu Lucy Tal: &#8222;Die jeweilige Wahl f\u00fcr ein Buch hat sich mal so, mal so abgespielt: Manchmal mag ein j\u00fcngerer K\u00fcnstler sich angeboten haben, aber oft ging man an bekanntere Namen heran u. fragte ob sie wollen u. was sie gerade zu diesem Buch f\u00fcr eine Idee hatten. Angestellt war dazu niemand. Man blieb bei freier Wahl.&#8220; (An den Verf., 17.5.81). So weit sich Lucy Tal erinnern kann, hat der bekannte Graphiker Julius Klinger das (erste) Verlagsemblem entworfen. Es gab n\u00e4mlich zwei &#8222;Rappenmotive mit Reiter&#8220;, die schon seit der Verlagsgr\u00fcndung als Signet dienten und f\u00fcr Briefpapier, nicht aber f\u00fcr Verlagswerke Verwendung fanden. <a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\"><span class=\"Reference\">[30]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Zu den K\u00fcnstlern, die f\u00fcr den Tal-Verlag t\u00e4tig waren, z\u00e4hlten Rudolf Geyer, Josef Tengler, Albert Berger, Oskar Laske, Karl Walser, Leo Frank, Stephan Slava, K\u00e4the Kollwitz, A. Stadler u.a. Im gro\u00dfen und ganzen aber wurde beim E.P. Tal &amp; Co. Verlag von Buchillustration weniger Gebrauch gemacht als bei anderen zeitgen\u00f6ssischen Verlagen.<\/p>\n<p>Versucht man die Verlagst\u00e4tigkeit der ersten f\u00fcnf Jahre zu charakterisieren, so ist die Tendenz feststellbar, j\u00fcngere \u00f6sterreichischen Autoren nach Ma\u00dfgabe der finanziellen Mittel zu f\u00f6rdern und forcieren. Aber wie anderen zeitgen\u00f6ssischen Verlegern, gelang es E.P. Tal nicht, echte &#8222;Verlagsautoren&#8220; zu z\u00fcchten. Zeitweise schien E.P. Tal dem kurzlebigen Ed. Strache Verlag Konkurrenz machen zu wollen, doch hat sich die Gesch\u00e4ftsverbindung mit dem etwas konservativen Carl Seelig hier wohl hemmend ausgewirkt. Da der Verlag finanziell nicht sehr beweglich war und \u00fcber geringeres Kapital verf\u00fcgte als Konkurrenten, konnte er eine &#8222;fortschrittliche&#8220; Richtung nicht konsequent verfolgen.<\/p>\n<h3 id=\"anm1\"><a class=\"none\" name=\"Heading4\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Quellenhinweise: Handelsgericht Wien. Registerakt A 39, 102, umgeschrieben nach HRA 4474 (Aktenlager Handelsgericht, Wien); N\u00d6LA, N.\u00d6. Landesregierung, Pressewesen 1919, Zl. Ia-694\/1919; AVA, VVSt, V.A. 25.457 (Verm\u00f6gensanmeldung Lucy Tal); Ebenda, Handel, Ha 2392 (Arisierung Tal-Ibach); Briefkonvolut Tal-Carl Seelig, Carl-Seelig-Stiftung, Z\u00fcrich; Landesgericht f\u00fcr Strafsachen Wien I, Zl. 26f Vr 6188\/34 (WrStLa); Archiv, Buchgewerbehaus Wien, Personalakt E.P. Tal; WILLY HAAS, Eine Reise zu den Wiener Verlegern. Die Situation der \u00f6sterreichischen Buchproduktion 1930. In: <em>Die literarische Welt <\/em>(Berlin), 6. Jg., Nr. 11, 14.3.1930, S. 7-8; bes. S. 8. F\u00fcr unendlich viele Informationen zur Person E.P. Tal und zum Verlag bin ich Frau Lucy Tal, New York, sehr zu Dank verpflichtet. Im Laufe eines mehrj\u00e4hrigen Briefwechsels war es dem Verf. m\u00f6glich, Information aus erster Hand zu erhalten.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zum Ursprung dieses neuen Namens teilte mir Lucy Tal mit, da\u00df die Mutter &#8222;Ermetz&#8220; gehei\u00dfen hatte und aus Ermershausen in der N\u00e4he von N\u00fcrnberg in Deutschland kam.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <em>Die Stunde <\/em>(Wien), 14. Jg., Nr. 4121, Mi., 2.12.1936, S. 3.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <em>Der Wiener Tag, <\/em>XV. Jg., Nr. 4838, Di., 1.12.1936, S. 5. Weitere Nachrufe auf Tal erschienen in: <em>Wiener Zeitung, <\/em>Di., 1.12.1936, S. 6 und <em>Neue Freie Presse <\/em>(M), Nr. 25943A, Mo., 30.11.1936, S. 3 und <em>Das Echo <\/em>(Wien), Jg. 3, Nr. 278, Mo., 30.12.1936, S. 3.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Dazu LUCY TAL, &#8222;E.P. Tal (&#8230;) hat meines Wissens nie in Buchform ver\u00f6ffentlicht.&#8220; (Brief vom 30.7.1981)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> L. TAL an den Verf. 3.7.1980.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> <em>Der Wiener Tag, <\/em>(zit. Anm. 4) Als Bildungsnachweis anl\u00e4\u00dflich des Ansuchens um Verleihung einer Konzession im M\u00e4rz 1919 gab Tal ein Realschulmaturit\u00e4tszeugnis und &#8222;eine Best\u00e4tigung \u00fcber mehrj\u00e4hrige Verwendung im S. Fischer Verlag, Berlin&#8220; an.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Es k\u00f6nnte ab 1909 gewesen sein, also nach dem Zeitpunkt, wo er in Wien seinen Namen \u00e4ndern lie\u00df.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Siehe PETER DE MENDELSSOHN, <em>S. Fischer und sein Verlag<\/em>, a.a.O., S. 425 und 638. Die Angaben de Mendelssohns sind hier nicht nur \u00e4u\u00dferst unklar, sie sind auch sehr vage. So schreibt er (S. 425): &#8222;Bereits einige Wochen nach dem Erla\u00df des Rundschreibens &#8230;&#8220; etc., ohne da\u00df erkennbar ist, um welches Rundschreiben es sich handelt und wann es datiert ist. Dann hei\u00dft es &#8222;sp\u00e4ter&#8220; \u00fcbernahm Tal die Leitung usw., ohne da\u00df klar ist, was das wirklich zu bedeuten hat.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> N\u00d6LA, Bestand Nieder\u00f6sterreichische Landesregierung, Pressewesen, Ki. 4033, Zeichen XII 167 b10, Stammzahl Ia-238, 1919.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Im Besitz der Carl-Seelig-Stiftung Z\u00fcrich. Herrn Dr. Ulrich Weinzierl (Wien) bin ich f\u00fcr den Einblick in Kopien dieser Korrespondenz sehr zu Dank verpflichtet.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref12\" target=\"text\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Mitteilung von Lucy Tal, 17.5.81.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref13\" target=\"text\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Die folgende Darstellung ist dem Akt Landesgericht f\u00fcr Strafsachen Wien I, 26 f Vr 6188\/34 (WrStLa) entnommen.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref14\" target=\"text\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Schreiben an den Verein der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler in Wien vom 25.9.1935. In: Archiv, Buchgewerbehaus Wien, Personalakt E.P. Tal.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref15\" target=\"text\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Es handelt sich hier um Tals Abschrift der Vereinbarung, die seinem Brief vom 12.7.1921 beigelegt ist. Korrespondenz aus dieser Zeit (1919) stand mir nicht zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref16\" target=\"text\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> ERNST STEIN, am 3.7.1901 in Wien geboren, d\u00fcrfte im Jahr 1920 Lektor im Tal-Verlag gewesen sein. Dazu Stein im Jahre 1966: &#8222;Ich war Lektor des Verlags, in dem sein [Weinhebers] erstes Buch erschien, ,Der einsame Mensch&#8220;, und das Referat dar\u00fcber war sozusagen meine Aufnahmepr\u00fcfung; der Verlag hat es mir nicht nachgetragen, da\u00df das B\u00e4ndchen \u00fcberhaupt nicht ging.&#8220; (E.S., Der verblendete Seher. Josef Weinheber: ein Epigone oder vielleicht doch ein Klassiker? In: <em>Die Zeit<\/em>, Nr. 40, 30.9.1966, S. 25.) Der vorhin erw\u00e4hnte &#8222;Dr. Epstein&#8220; ist mit Sicherheit der am 4.7.1897 in Wien geborene Dr. Hans Epstein. Dieser machte sich 1927 mit einer finanziellen Zuwendung von seinem Vater als Verleger selbst\u00e4ndig und gr\u00fcndete den \u201aVerlag Dr. Hans Epstein&#8220;. Als Epstein unerwartet, noch nicht 35 Jahre alt, am 20.2.1932 verstarb, wurde E.P. Tal zum Kurator f\u00fcr die Verlassenschaft bestellt. (Siehe <em>Anzeiger<\/em>, 73. Jg., Nr. 19, 7.5.1932, S. 2.)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref17\" target=\"text\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Robert Musil. Briefe 1901-1942. Hg. von Adolf Fris\u00e9. Unter Mithilfe von Murray G. Hall. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1981. Dieser Brief wurde neben einem zweiten erst nach Abschlu\u00df der Ausgabe im Seelig-Nachla\u00df entdeckt. Beide sind daher der Ausgabe im nachhinein beigelegt worden, und so fehlt eine Seitenzahl.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref18\" target=\"text\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Dies ist der zweite, soeben angesprochene Brief Musils.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref19\" target=\"text\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Robert Musil. Briefe, (zit. Anm. 17), S. 289.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref20\" target=\"text\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Ebenda, 1, S. 293.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref21\" target=\"text\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Ebenda, I, S. 304.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref22\" target=\"text\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> <em>BC, <\/em>Nr. 20-22, 2.6.1920, S. 255.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref23\" target=\"text\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> \u00dcber das vollst\u00e4ndige Programm informiert eine Annonce im <em>Anzeiger, <\/em>Jg. 1924, Nr. 41, 10.10.1924, S. 471.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref24\" target=\"text\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Obwohl dieses Unternehmen gelegentlich Belletristik verlegte, wird es in dieser Arbeit nicht gesondert behandelt. Da es in der Wiener Szene Jahrzehnte hindurch ein angesehener Betrieb war, wollen wir hier doch ein paar Informationen anf\u00fchren. Die Firma wurde im September 1905 als Buchhandlung Hugo Heller &amp; Cie. gegr\u00fcndet. Der Alleininhaber bis 1922, Hugo Heller, der, wie sp\u00e4ter auch Richard L\u00e1nyi, aus seiner Buchhandlung so etwas wie ein Kulturzentrum machte, starb am 29.11.1923 im 52. Lebensjahr. Davor nahm sein Gesch\u00e4ft eine v\u00f6llig neue Form an: Es wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Umwandlung w\u00e4hrend einer dem Buchhandel abtr\u00e4glichen Wirtschaftslage brachte dem Unternehmen mehr Schaden als Nutzen. Diese Gesellschaftsform erwies sich in mehreren F\u00e4llen als schwerf\u00e4llig und 1926 mu\u00dften Betriebseinschr\u00e4nkungen im gro\u00dfen Stil vorgenommen werden. Im Rahmen der Reorganisation wurden defizit\u00e4re Gesch\u00e4ftszweige wie die Konzertdirektion und die Theateragentur liquidiert, das Personal in allen Abteilungen auf ein Minimum reduziert. Auch das Antiquariat wurde abgesto\u00dfen. Diese Feuerwehrma\u00dfnahmen brachten nur kurzfristig Erleichterungen. Am 19.6.1933 wurde das Ausgleichsverfahren er\u00f6ffnet (Sa 348\/33) und im Oktober beendet. Verlagswerke wurden hier nicht systematisch erfa\u00dft, 1931 erschien aber im &#8222;Verlag der Bukum A.G.&#8220; Mensch in Fesseln. Ein Drama um Heinrich Heine von FRIEDRICH PORGES.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref25\" target=\"text\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Siehe <em>Anzeiger<\/em>, Jg. 1924, Nr. 41, 10.10.1924, S. 471.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref26\" target=\"text\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Dazu Lucy Tal an den Verf., 21.12.82: &#8222;We knew Weinheber well. At one time we wandered with him durch die Wachau. (&#8230;) Weinheber was known to every Wirtshaus there, he played some musical instrument and was obviously a favorite mit all den Wirtinnen in den Gasth\u00e4usern. Wanderung there without him would have been a dreary experience, with him it was Fr\u00fchlings-Wunderland. He was a poet, as poet appreciated by my husband and Weinheber, who came vom Proletariat and my husband who certainly didn&#8220;t, nevertheless developed a good rapport.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref27\" target=\"text\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Auf dichterische Werke entfielen bis 31.. M\u00e4rz 1924 148 Bewerbungen. Die Bewerbung Weinhebers, der den Preis dann 1925 gewann, war die 16. Quelle: Schreiben des Direktors der St\u00e4dtischen Sammlungen, Wien, Hermann Reuther an Bgm. Karl Seitz vom 3.4.1924. MD Akten, A 11, 1(1-1000), Pr. Z. 826\/1914 (WrStLa); Liste der Bewerber. MD Akten, A 11, 2, Pr. Z. 1866\/1924. Verf. plant eine Dokumentation \u00fcber diesen Preis.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref28\" target=\"text\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> JOSEF WEINHEBER, S\u00e4mtliche Werke. Hg. von JOSEF NADLER und HEDWIG WEINHEBER. V. Band; Briefe. Salzburg: Otto M\u00fcller Verlag, 1956, S. 43f. Schreiben Weinhebers an Perutz vom 24.11.1923. Ein Querverweis auf die Unterst\u00fctzung Bermanns <em>(Der Tag, <\/em>11.5.1924, S. 5) findet sich in einem weiteren Weinheber-Brief an Perutz vom 30.5.1923: &#8222;Herr Tal hat mir auch von Gedichten gesprochen, die Herr Beermann (sic!) so liebensw\u00fcrdig sein will, im Tag zu ver\u00f6ffentlichen.&#8220; (S. 42) Da\u00df in der Weinheber-Rezeption auf die fr\u00fcheren F\u00f6rderer Tal, Perutz und Bermann m\u00f6glichst wenig hingewiesen wird, mag damit zusammenh\u00e4ngen, da\u00df sie Juden waren. In der Vor- und Nachkriegszeit ist die Rezeption ja betont deutsch-v\u00f6lkisch gewesen.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref29\" target=\"text\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> HUGO BETTAUER, <em>Der Kampf um Wien. Ein Roman vom Tage<\/em>. Salzburg: Hannibal Verlag, 1980, S. 147 f. (= Gesammelte Werke, Band 1).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref30\" target=\"text\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> In den 20er und 30er Jahren dienten schlicht verschiedene Variationen der Buchstaben T und V als Signet. Eine Abbildung des allerersten Signets findet sich in <em>BC, <\/em>Nr. 16, 16.4.1919, S. 229. Das Motiv wurde abgewandelt und der Rappen stilistisch in einem Kreis mit den Buchstaben E P T &amp; Co. pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<h3 id=\"erg1\" class=\"Note\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>Freya Schmiedt: Der E.P. Tal Verlag. Eine Edition der Korrespondenz E.P. Tal \u2013 Carl Seelig. Diplomarbeit Univ. Wien 2002.<\/li>\n<li>Freya Katharina Schmiedt: Der E.P. Tal Verlag. Eine Edition der Korrespondenz E.P. Tal \u2013 Carl Seelig. (Diplomarbeit Universit\u00e4t Wien 2002). 2002-1, S. 25\u201327.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>E.P.Tal &amp; Co. (Wien-Z\u00fcrich-Leipzig) (Wien-Leipzig) [1] Die Produktion Zw\u00f6lf B\u00fccher Wiener Drucke Anmerkungen Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985 Der E.P. Tal &amp; Co. Verlag war einer der angesehensten und r\u00fchrigsten &#8222;Individualverlage&#8220; im \u00d6sterreich der Ersten Republik und einer, der auch der jungen deutschen Literatur einen gro\u00dfen Dienst erwies. Es kommt\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=621\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-621","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=621"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2781,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/621\/revisions\/2781"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}