{"id":631,"date":"2015-09-15T18:16:36","date_gmt":"2015-09-15T16:16:36","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=631"},"modified":"2019-01-23T13:06:17","modified_gmt":"2019-01-23T11:06:17","slug":"verlagsanstalt-tyrolia","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=631","title":{"rendered":"Verlagsanstalt Tyrolia"},"content":{"rendered":"<h3>Verlagsanstalt Tyrolia (Innsbruck-Wien-M\u00fcnchen-Bozen)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span style=\"font-size: 0.7em; vertical-align: top;\">[1]<\/span><\/a><\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul class=\"overview\">\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading1\" target=\"_self\">Pre\u00dfvereinszeit bis 1907<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading2\" target=\"_self\">Linie des Verlags im allgemeinen<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a class=\"none\" href=\"#Heading3\" target=\"_self\">Die Produktion<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#anm1\">Anmerkungen<\/a><\/li>\n<li class=\"overview\"><a href=\"#erg1\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung 1985<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tyrolia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-634\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tyrolia.jpg\" alt=\"Tyrolia\" width=\"110\" height=\"112\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tyrolia.jpg 293w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tyrolia-148x150.jpg 148w\" sizes=\"auto, (max-width: 110px) 100vw, 110px\" \/><\/a>Die \u00f6sterreichische Verlagsszene der Ersten Republik war durch mehrere &#8222;katholische&#8220; Verlage gepr\u00e4gt, denen es vor allem nach Ende des Ersten Weltkriegs gelang, das Ghetto des katholischen Schrifttums zu sprengen. Was deren drei prominente Vertreter gemein haben, ist ihr Ursprung in kirchennahen Pre\u00dfvereinen, so im Fall Verlag Anton Pustet, dem Styria-Verlag und der Verlagsanstalt Tyrolia.<\/p>\n<h6><\/h6>\n<p>Die Entwicklung letzteren Unternehmens l\u00e4\u00dft sich in mehrere Abschnitte gliedern:<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Pre\u00dfvereinszeit bis 1907<\/h3>\n<p>Die Verlagsanstalt Tyrolia verdankt ihre Entstehung der Gr\u00fcndung einer Zeitung. Im Fr\u00fchjahr 1888 beschlo\u00df ein Kreis von politisch und religi\u00f6s interessierten M\u00e4nnern in Brixen, darunter der Brixener Theologieprofessor Dr. Aemilian Schoepfer (1858-1936),<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> eine Wochenschrift herauszugeben. Diese wurde <em>Brixener Chronik <\/em>genannt und erschien erstmals am 28.4.1888. Bald darauf wurde, um die Schulden zu zahlen und die Rentabilit\u00e4t des Blatts zu erreichen, eine eigene Druckerei gegr\u00fcndet. Die organisatorische Grundlage fanden diese Unternehmungen im Katholisch-Politischen Pre\u00dfverein in Brixen, der die Keimzelle der sp\u00e4teren Verlagsanstalt Tyrolia werden sollte. Als n\u00e4chstes wurde eine zweite Zeitung, der <em>Tiroler Volksbote<\/em>, der erstmals am 22.12.1892 erschien, herausgegeben. In Bozen schuf Schoepfer einen &#8222;Pre\u00dfverein Tyrolia&#8220; mit der Zeitung <em>Der Tiroler. <\/em>Der Gedanke einer Vereinigung der beiden Pre\u00dfvereine bot sich bald an. Schoepfer meint, es habe sich immer mehr das Bed\u00fcrfnis herauskristallisiert, in Innsbruck ein katholisches Blatt zu gr\u00fcnden. Unmittelbarer Anla\u00df war der &#8222;gl\u00e4nzende Sieg&#8220; der christlichsozialen Partei in Tirol bei den ersten Reichsratswahlen nach dem allgemeinen gleichen Wahlrecht im Mai 1907.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es hie\u00df raschestens handeln. Wir kauften im Sommer des Jahres 1907 in Innsbruck ein Haus und lie\u00dfen f\u00fcr die Druckerei ein eigenes Nebengeb\u00e4ude auff\u00fchren. W\u00e4hrend diese Arbeiten noch im Gange waren, wurde die formelle Vereinigung beider Pre\u00dfunternehmungen vollzogen. Die f\u00fchrende Rolle spielte dabei der Katholisch-Politische Pre\u00dfverein in Brixen. Am 15. Oktober 1907 wurde die &#8222;Verlagsanstalt Tyrolia, Gesellschaft m.b.H.&#8220; mit dem Sitz in Brixen gegr\u00fcndet. Es waren 71 Mitglieder, der Pre\u00dfverein nat\u00fcrlich das weitaus st\u00e4rkste. Die neue Gesellschaft \u00fcbernahm die Unternehmungen des Pre\u00dfvereins, kaufte zugleich das erw\u00e4hnte Gesch\u00e4ftshaus in Brixen f\u00fcr die Buchhandlung, \u00fcbernahm die Pre\u00dfunternehmungen in Bozen und Zugleich die bereits eingeleitete Pre\u00dfunternehmung in Innsbruck. Vorl\u00e4ufig begn\u00fcgte man sich mit einem Gesellschaftskapital von etwas \u00fcber 220.000 Kronen. Mit Hochdruck wurde dann gearbeitet, da\u00df das Tagblatt in Innsbruck, der &#8222;Allgemeine Tiroler Anzeiger&#8220; noch im Dezember des Jahres erscheinen k\u00f6nne. (&#8230;)<br \/>\nSo war Ende 1907, also nach zwanzigj\u00e4hriger Vorarbeit, die &#8222;Verlagsanstalt Tyrolia, Gesellschaft m.b.H.&#8220; gegr\u00fcndet.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Die Verlagsanstalt Tyrolia ging demnach nicht auf einen Gr\u00fcndungsentschlu\u00df literarischer oder kommerzieller Natur zur\u00fcck. Der zweite Abschnitt begann 1907. Die junge Verlagsanstalt nahm einen raschen Aufschwung. Bestehende Unternehmungen wurden ausgebaut, es mehrten sich rasch die literarischen und kulturellen Projekte, das Gesellschaftskapital wurde erh\u00f6ht. Durch die Kriegsereignisse bedingt, erfolgte 1915 die Verlegung der Zentralleitung und des Buchverlags von Brixen nach Innsbruck. Dieser Schritt bedeutete<\/p>\n<p class=\"zitat\">weit mehr als eine blo\u00df lokale Verschiebung; er bot die M\u00f6glichkeit und gab zugleich auch den Ansto\u00df zur Ausgestaltung des Buchverlages, womit in der Tyrolia selbst eine innere Umwandlung vor sich gegangen ist.<br \/>\nEs hatte zwar schon der Pre\u00dfverein in Brixen den Buchverlag gepflegt; das Schwergewicht lag aber die 20 Jahre hindurch und noch mehr, seitdem in Innsbruck der &#8222;Allgemeine Tiroler Anzeiger&#8220; als Tagblatt gegr\u00fcndet war, auf dem Gebiete des Zeitungswesens. Der Zeitungsbetrieb gab dem Unternehmen auch einen parteipolitischen Einschlag; die Verlagsanstalt Tyrolia galt als christlich-soziales Unternehmen. Durch den Kriegsausbruch wurde das parteipolitische Moment vollst\u00e4ndig in den Hintergrund gedr\u00e4ngt, der Zeitungsbetrieb nahm wegen der Kriegsberichterstattung einen gro\u00dfartigen Aufschwung, und der technische Betrieb mu\u00dfte darum immer mehr ausgestaltet werden.<br \/>\n(&#8230;)<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der neue Standort in Innsbruck f\u00fchrte zur Erweiterung in \u00d6sterreich: 1909 kamen die Buchhandlungen Landeck, 1917 die Niederlassungen in Wien und M\u00fcnchen, sp\u00e4ter die Buchhandlungen in Schwaz, Kufstein und Kitzb\u00fchel hinzu.<\/p>\n<p>Der Zusammenbruch der \u00f6sterr.-ungar. Monarchie und der Friedensschlu\u00df von St. Germain hatten f\u00fcr die Verlagsanstalt Tyrolia schwerwiegende Folgen. Sie brachten die praktische Trennung des Unternehmens in eine Nord- und S\u00fcdtiroler H\u00e4lfte mit separater Gesch\u00e4ftsleitung 1918\/19 mit sich. Doch der Verlagsname &#8222;Verlagsanstalt Tyrolia&#8220; wurde nicht lange geduldet, so mu\u00dfte der Verlag seinen Namen zun\u00e4chst in &#8222;Vogelweider&#8220; um\u00e4ndern und, als dieser Name nicht gestattet wurde, die Firmenbezeichnung &#8222;Athesia&#8220; (lat. athesis = Etsch) 1929 annehmen.<\/p>\n<p>1921 war Kanonikus Michael Gamper zum Pr\u00e4sidenten der S\u00fcdtiroler Unternehmungen ernannt worden.<\/p>\n<p>Einen Markstein in der Geschichte der Tyrolia bildete das Jahr 1925, als man gezwungen worden war, eine v\u00f6llige Trennung der Verlage in Nord- und S\u00fcdtirol durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die \u00f6sterreichische Regierung hat auf Grund des \u00f6sterreichisch-italienischen Staatsvertrages vom 16. Juli 1923 verlangt, da\u00df die auf \u00f6sterreichischem Gebiete befindlichen Unternehmungen der &#8222;Tyrolia&#8220;, die rechtlich nur Filialen der italienisch gewordenen Gesellschaft waren, von dieser losgetrennt und in einer \u00f6sterreichischen Gesellschaft vereinigt werden. Es kam zu Verhandlungen mit der Regierung \u00fcber die rechtliche und finanzielle Auseinandersetzung, in deren Verlauf uns nahegelegt wurde, wir sollten das \u00f6sterreichische Unternehmen nicht mehr als Gesellschaft m.b.H., sondern als Aktiengesellschaft konstituieren, da die erstere Form f\u00fcr eine Gesellschaft mit soviel Mitgliedern, die erst noch anwachsen werden, weder von der Gesetzgebung gedacht war, noch sachlich passend sei. Wir folgten dem Rat zu diesem Zeitpunkt um so lieber, weil die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, wenn sie aus Anla\u00df der Trennung erfolgte, auf Grund des Staatsvertrages vollst\u00e4ndig geb\u00fchrenfrei vor sich gehen konnte. Freilich erkannten wir auch die Notwendigkeit, besondere Vorsichtsma\u00dfregeln und Kautelen anzuwenden, um die Gefahren einer kapitalistischen Gesellschaftsform (eine solche war \u00fcbrigens auch schon die Gesellschaft m.b.H.) von unserem Unternehmen auszuschlie\u00dfen. So wurde am 23. M\u00e4rz 1925 die &#8222;Verlagsanstalt Tyrolia A.G.&#8220; mit dem Sitz in Innsbruck und mit einem Aktienkapital von 200.000 Schilling konstituiert. Auf Grund des Goldbilanzgesetzes hat dann die erste Generalversammlung im Jahre 1926 das Aktienkapital auf 400.000 Schilling umgestellt mit einem Reservefonds von 230.000 Schilling, wobei die diesen Zahlen zugrundeliegende Bewertung sehr m\u00e4\u00dfig gehalten wurde. Die gleiche Versammlung hat sodann die Erh\u00f6hung des Aktienkapitals auf 600.000 Schilling zum Beschlu\u00df erhoben, der im Jahre 1927 durchgef\u00fchrt worden ist.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der ruhige wirtschaftliche Aufstieg wurde erst durch den Nationalsozialismus unterbrochen. Verst\u00e4rkt in der Zeit des St\u00e4ndestaats k\u00e4mpfte die Tyrolia mit ihrer Presse und ihrem Schrifttum f\u00fcr die Erhaltung der Selbst\u00e4ndigkeit \u00d6sterreichs und bek\u00e4mpfte den Nationalsozialismus und seine Ideologien. Wie ein Parteiischer es 1935 formulierte, hatte die Tyrolia &#8222;gerade in den letzten Jahren (&#8230;) in vorbildlicher Weise seine T\u00e4tigkeit in den Dienst \u00d6sterreichs gestellt&#8220;.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span class=\"Reference\">[6]<\/span><\/a> Weniger ahistorisch formuliert, war die Tyrolia Verfechterin jener von Gott gewollten, neuen sog. &#8222;Mai-Verfassung&#8220; des Jahres 1934, die die verfassungsm\u00e4\u00dfige &#8222;Legitimation&#8220; f\u00fcr den St\u00e4ndestaat schuf. Bezeichnend f\u00fcr dieses Engagement der 30er Jahre war eine Stellungnahme eines Verlagsdirektors w\u00e4hrend der Diskussion 1935 \u00fcber den &#8222;\u00f6sterreichischen Verlag&#8220;.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wir kommen auf den \u00f6sterreichischen Verlag zur\u00fcck. Er ist die B\u00fchne, von der aus \u00f6sterreichische Autoren zu ihren Landsleuten und zur Welt sprechen. Der \u00f6sterreichische Verlag wirkt also \u00f6sterreichisch und wirbt f\u00fcr \u00d6sterreich, wenn seine Werke in ihrer Gestalt und ihrer geistigen Darstellung echt \u00f6sterreichisch sind, m\u00f6gen sie von \u00d6sterreich handeln oder nicht.<br \/>\nWeil die Tyrolia sich mit allen Kr\u00e4ften, freilich im Rahmen bestehender M\u00f6glichkeiten &#8211; wer kennt nicht den &#8222;Widerstand der Materie&#8220;? &#8211; bem\u00fcht, in diesem Sinn \u00f6sterreichisch zu wirken und werben, ist sie ein vorbildlicher, bewu\u00dft \u00f6sterreichischer Verlag.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Damit ist nun freilich nicht gesagt, da\u00df die Tyrolia sich nicht mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln in den Dienst des heutigen aktuellen Zieles der \u00f6sterreichischen Erneuerungsbewegung vor allem in \u00d6sterreich selbst gestellt h\u00e4tte. Kaum ein anderes \u00f6sterreichisches Geistesinstitut &#8211; bei aller und freudiger Anerkennung anderer hervorragender Leistungen des \u00fcbrigen \u00f6sterreichischen Verlagswesens &#8211; hat in so ausgedehnter und tiefgreifender Weise seine Kr\u00e4fte dem Vaterland in seiner gegenw\u00e4rtigen Lage zur Verf\u00fcgung gestellt.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><span class=\"Reference\">[7]<\/span><\/a><\/p>\n<p>So weit eine bescheidene Selbsteinsch\u00e4tzung der \u00f6sterreichischen Tyrolia &#8230; Diese Einstellung wurde in einigen Kreisen \u00fcbelgenommen: so soll es vor dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220; einen \u00f6ffentlichen propagierten Boykott der Nazis gegen die Tyrolia-Unternehmungen sowie Gewalt- und Terrorakte, wie z.B. einen schweren Sprengstoffanschlag auf das Druckereigeb\u00e4ude, gegeben haben.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><span class=\"Reference\">[8]<\/span><\/a><\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Betriebe der Tyrolia wurden in der Nacht des 11. M\u00e4rz 1938 durch die SA gewaltsam besetzt, und die Leitung des Unternehmens wurde einem kommissarischen Verwalter \u00fcbertragen, w\u00e4hrend die rechtm\u00e4\u00dfigen Mandatare ihrer Funktion enthoben und teilweise in Haft gesetzt wurden.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><span class=\"Reference\">[9]<\/span><\/a> Die Zeitungen und Zeitschriften wurden sofort eingestellt. Sp\u00e4ter wurden der Buchverlag samt seinen Rechten, ebenso eine Reihe von H\u00e4usern und wertvollen Maschinen sowie ganze Filialbetriebe ver\u00e4u\u00dfert. So ging der Tyrolia durch Gewaltakte ein gro\u00dfer Teil des Verm\u00f6gens verloren. Zur Weiterf\u00fchrung der Unternehmungen der Tyrolia hat der kommissarische Verwalter am 26. November 1938 eine neue Firma, die &#8222;Deutsche Alpenverlag Ges.m.b.H.&#8220;, gegr\u00fcndet, deren alleiniger Inhaber eben dieser Kommissar war. Von den 420 Mitarbeitern Anfang 1938 waren im Mai 1945 nur mehr 66 im Betrieb.<\/p>\n<p>Bereits am 10. Oktober 1945 fand eine a.o. Generalversammlung der Verlagsanstalt Tyrolia statt, die erste ordentliche Hauptversammlung am 18. Dezember des folgenden Jahres. Zum Teil durch langwierige Prozesse wurde endlich 1957 die R\u00fcckstellung der H\u00e4user und Betriebsstellen sowie teilweise der Verlagsrechte erreicht. Im selben Jahr wurde die 1925 errichtete A.G. in eine Ges.m.b.H. r\u00fcckgewandelt. Die Firma besteht heute noch.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading2\"><\/a> Linie des Verlags im allgemeinen<\/h3>\n<p>Wie vorhin angeklungen, sah die Verlagsanstalt Tyrolia ihre Aufgabe in der Verbreitung christlichen Gedankengutes. Dazu noch ein Zitat aus einem bunten Faltprospekt neueren Datums:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Im Sinne ihrer Satzungen und Tradition erkennt die Verlagsanstalt Tyrolia ihre Aufgabe in der Herausgabe und Verbreitung katholischen, vaterl\u00e4ndischen und kulturell wertvollen Schrifttums. Die Tyrolia versteht sich als geistiger und kultureller Faktor und nicht nur als Wirtschaftsunternehmen. Der wirtschaftliche Erfolg ist ihr nicht Selbstzweck und letzter Sinn des Schaffens, sondern nur Grundlage und Voraussetzung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der ideellen Aufgaben. In \u00fcber neun Jahrzehnten hat das Unternehmen aus christlicher Verantwortung seinen Beitrag zur Meinungsbildung und Mitgestaltung des \u00f6ffentlichen Lebens unserer Heimat geleistet und f\u00fcr die Verwirklichung der programmatischen Aufgabe immer wieder Anfechtungen und materiellen Verzicht auf sich genommen. (&#8230;) Gerade in einer Zeit, (&#8230;) in der sich zersetzendes (!) Schrifttum und negative Einfl\u00fcsse in allen Medien in erschreckender Weise breitmachen und sich im gesellschaftlichen Bereich eine Versch\u00e4rfung der Auseinandersetzung abzeichnet, sind feste Grunds\u00e4tze und eine klare Haltung geboten. (&#8230;)<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading3\"><\/a> Die Produktion<\/h3>\n<p>Im folgenden wollen wir uns mit der sehr umfangreichen Produktion dieses Verlags im Hinblick darauf,<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><span class=\"Reference\">[10]<\/span><\/a> da\u00df er lediglich &#8222;auch&#8220; Belletristik produzierte, eher kursorisch befassen und selbst hier keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erheben.<\/p>\n<p>Zu nennen ist zuallererst eine Reihe von Periodika, die die Tyrolia verlegte, allen voran <em>Das Neue Reich <\/em>(im Oktober 1918 erstmals als <em>Monarchie <\/em>erschienen,<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><span class=\"Reference\">[11]<\/span><\/a> von Dr. Josef Eberle, sp\u00e4ter von Johannes Messner redigiert). Diese Wochenschrift wollte nach eigener Aussage ein Berater in den allgemeinen Kulturfragen und in den aktuellsten Fragen des Christentums sein. 1925 wurde die Zeitschrift <em>Der Seelsorger, <\/em>im Dezember dieses Jahres die Jugendzeitschrift <em>Neuland <\/em>gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Im Oktober 1921, als das Unternehmen &#8222;Innsbruck-Wien-M\u00fcnchen-Bozen&#8220; firmierte, bot man in Verlagsanzeigen \u00fcber 120 Titel als lieferbar an. Neben rein religi\u00f6sen Schriften finden sich viele Werke, die sich mit Themen aus Tiroler Geschichte und Volkskunde befassen. Auch sonst ist die bodenst\u00e4ndige Note vorherrschend. Unter den dichterischen Werken insgesamt finden sich Namen wie Joseph Georg Oberkofler, Hermann Bahr, Heinrich Suso Waldeck, Werner Bergengruen, Josef Friedrich Perkonig, Max Stock, Fanny Wibmer-Pedit, Joseph Weingartner, Otto Rudl, Hans Steiger, Bruder Willram (= Anton M\u00fcller), Joseph Praxmarer, Maria Domanig u.v.a.m.<\/p>\n<p>Bei weitem den gr\u00f6\u00dften Erfolg hatte die Tyrolia mit den Werken Reimmichls, d.i. Msgr. Sebastian Rieger (1867-1953), dessen im <em>Volksboten <\/em>und in <em>Reimmichl-Kalendern <\/em>erschienene Erz\u00e4hlungen in Buchform herauskamen. Diese fanden interessierte Leser in allen Schichten und erlebten mit 62 B\u00e4nden eine Gesamtauflage von mehreren Millionen Exemplaren im In- und Ausland.<\/p>\n<p>Wie erw\u00e4hnt, engagierte sich die Tyrolia in den 30er Jahren sehr stark f\u00fcr den christlich-deutschen St\u00e4ndestaat in \u00d6sterreich und lieferte hiezu einschl\u00e4gige Publikationen. Beispiele hief\u00fcr sind Bischof Alois Hudals <em>Der Katholizismus in \u00d6sterreich, <\/em>BM Dr. Otto Enders <em>Das neue \u00d6sterreich, \u00d6sterreich, eine Deutung seiner Geschichte und Kultur <\/em>und <em>\u00d6sterreichs Schicksalsweg <\/em>von Hugo Hantsch, <em>Was wird aus \u00d6sterreich? <\/em>von Anton Klotz, Herndls <em>\u00d6sterreich, seine Geschichte, <\/em>Bayers <em>Der berufsst\u00e4ndische Aufbau in \u00d6sterreich, Otto von Habsburg im Bild <\/em>und <em>Dollfu\u00df <\/em>von Johannes Messner. Bodenst\u00e4ndigkeit war auch ansonsten gro\u00dfgeschrieben: hinzu kamen u.a. eine L\u00e4nderkunde \u00d6sterreichs, eine \u00f6sterreichische Heimatkunde, ein \u00f6sterreichisches Liederbuch und eine vaterl\u00e4ndische aktuelle Schriftenreihe.<\/p>\n<h3 id=\"anm1\"><a class=\"none\" name=\"Heading4\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zu diesem Verlag gibt es eine sehr umfangreiche Quellenliteratur, und Verf. ist Herrn Chefredakteur Benedikt Posch von der Verlagsanstalt Tyrolia in Innsbruck f\u00fcr die \u00dcbersendung einer Vielzahl solcher Schriften sehr zu Dank verpflichtet. Hier eine Auswahl der verwerteten Literatur: <em>Der Volksbote<\/em>. Unabh\u00e4ngige \u00f6sterreichische Wochenzeitung, Jg. 67, Nr. 52\/53, 23.12.1967. (75 Jahre 1892-1967). Darin: KARL WEINGARTNER, Tradition und Fortschritt. Zum 60j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Verlagsanstalten Tyrolia und Athesia. (S. 33); <em>Der Volksbote<\/em>, Jg. 69, Nr. 6, 8.2.1969. Festbeilage zur Einweihung des neuen Verlags- und Betriebsgeb\u00e4udes und zum 6oj\u00e4hrigen Firmenjubil\u00e4um der Verlagsanstalt Tyrolia in Innsbruck. (Im neuen Haus). Darin: KARL WEING\u00c4RTNER, Die Verlagsanstalt Tyrolia. Geschichte \/ Profil \/ Auftrag, S. III-IV.; Dr. AEM. SCHOEPFER, Der Verlagsanstalt Tyrolia Werden und Wachsen. In: <em>Das Neue Reich<\/em> (Innsbruck), 10. Jg., Nr. 31, 28.4.1928, S. 638-640; Nr. 32, 5.5.1928, S. 661-663; Nr. 33, 12.5.1928, S. 678-680. Im folgenden wird nach der Kopie eines Separatdrucks, den mir Chefred. B. Posch liebensw\u00fcrdigerweise zur Verf\u00fcgung stellte, zitiert. Sowie als Separatdruck aus der Wochenschrift (29 S.); JOSEF LEB, \u00d6sterreichisches Verlagswesen. In: <em>Die Zeit im Buch<\/em>. Zeitschrift f\u00fcr Freunde des guten Buches (Wien), 2. Jg., Heft 9\/10, Juli-August 1935, S. 129-133; JOSEF LEEB [sic], \u00d6sterreichisches Verlagswesen. In: <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich<\/em>, Jg. 3, Folge 16, 4.8.1935, S. 3; Dr. Aemilian Schoepfer. In: <em>Der Gral<\/em>, 12. Jg., 1917\/18, S. 464; HANS BIRNSTING, Moderne katholische Verlagsarbeit in \u00d6sterreich. In: <em>Grazer Volksblatt<\/em>, 68. Jg., Nr. 66, Di., 19.3.1935, S. 1-2; DR. ALBERT SCHIEMER, Weit \u00fcber Tirol hinaus: Tyrolia. Werden und Wirken der Innsbrucker Verlagsanstalt. In: <em>Die Furche<\/em>. Worte in die Zeit, Nr. 24, 9.6.1956, S. 6-7; Die Linie unserer Verlage. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck. In: <em>Berichte und Informationen<\/em> (Salzburg), 2. Jg., 1947, S. 979; zu Albert Schiemer, in: <em>Das Antiquariat<\/em> (Wien), VI. Jg., Nr. 17\/18, September 1950, S. 14; Die Verlagsanstalt Tyrolia fordert Wiedergutmachung. (brosch. Heft o. J. ohne Impressum. F. d. Inh. verantw. Albert Schiemer, Generaldirektor der Verlagsanstalt Tyrolia); Farbfaltprospekt der Verlagsanstalt Tyrolia.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zu seiner Biographie siehe bes. Dr. ANTON KLOTZ, Dr. Aemilian Schoepfer &#8211; Priester und Volksmann. Innsbruck: Tyrolia, 1936.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dr. AEM. SCHOEPFER, Der Verlagsanstalt Tyrolia Werden und Wachsen, (zit. Anm. 1), 1928, S. 12 f.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ebenda, S. 18 f.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebenda, S. 28 f.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref6\" target=\"text\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> JOSEF LEEB, \u00d6sterreichisches Verlagswesen. In: <em>Sturm \u00fcber \u00d6sterreich, <\/em>Jg. 3, Folge 16, 4.8.1935, S. 3.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref7\" target=\"text\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> JOSEF LEB, \u00d6sterreichisches Verlagswesen. In: <em>Die Zeit im Buch. <\/em>Zeitschrift f\u00fcr Freunde des guten Buches (Wien), 2. Jg., Heft 9\/10, Juli-August 1935, S. 132 f.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref8\" target=\"text\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Dazu die Brosch\u00fcre &#8222;Die Verlagsanstalt Tyrolia fordert Wiedergutmachung&#8220;. Tyroliadruck Innsbruck o.J. Der erw\u00e4hnte Anschlag erfolgte am 28. Juni 1934 (s. S. 19). Kurios an dieser ausf\u00fchrlichen Darstellung der NS-\u00dcbernahme ist die Tatsache, da\u00df weder der kommissarische Verwalter noch sonstige beteiligte Nazis mit dem Namen genannt werden. So hei\u00dft es etwa: &#8222;Der zum nationalsozialistischen Kommissar bestellte Chemigraphengehilfe war ihr Anf\u00fchrer. Er hatte sich seit langem das Vertrauen der Nazis erworben. In Untreue gegen seine Firma war er als illegaler NS-Parteiorganisationsleiter, als regelm\u00e4\u00dfiger Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes (SD) des Reichsf\u00fchrers SS und als Mitarbeiter der Gestapo t\u00e4tig.&#8220; (S. 5)<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref9\" target=\"text\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ebenda, S. 9.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref10\" target=\"text\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Bis 1947 hat es mehr als 1600 Verlagstitel gegeben. Die Verlagswerke wurden hier nicht systematisch erfa\u00dft. Ein gedrucktes Gesamtverzeichnis der Tyrolia-Werke findet sich im Verlagsarchiv in Innsbruck.<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref11\" target=\"text\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Genaueres zur Gr\u00fcndung s. Dr. AEM. SCHOEPFER, (zit. Anm. 1), S. 21.<\/p>\n<h3 id=\"erg1\" class=\"Note\">Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung von 1985<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li><em>Tyrolia \u2013 Athesia. Hundert Jahre. Erlebt \u2013 erlitten \u2013 gestaltet. Ein Tiroler Verlagshaus im Dienste des Wortes<\/em>. Red. Dr. Hanns Humer. Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia, Bozen: Verlagsanstalt Athesia 1989.<\/li>\n<li>Sandra Mayr: <em>Die Profilierung der Tyrolia Verlagsanstalt als theologischer und regionaler Fachverlag in der Zwischenkriegszeit (1918\u20131938)<\/em>. Diplomarbeit Univ. Wien 2013. (Online: <a href=\"http:\/\/othes.univie.ac.at\/25508\/1\/2013-01-28_0609364.pdf\">http:\/\/othes.univie.ac.at\/25508\/1\/2013-01-28_0609364.pdf<\/a>)<\/li>\n<li><span lang=\"DE-AT\">Johann Hutter:\u00a0<\/span><span lang=\"DE-AT\"><em>Literatur und Buchhandel im Zeitalter autorit\u00e4rer Regime \u2013 Die Verlagsanstalt Tyrolia. Eine wirtschaftliche und ideologische Geschichte am Beispiel der Heimatdichterin Fanny Wibmer-Pedit<\/em>. Diss. Univ. Innsbruck 2018.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlagsanstalt Tyrolia (Innsbruck-Wien-M\u00fcnchen-Bozen)[1] Pre\u00dfvereinszeit bis 1907 Linie des Verlags im allgemeinen Die Produktion Anmerkungen Erg\u00e4nzungen zur Buchver\u00f6ffentlichung 1985 Die \u00f6sterreichische Verlagsszene der Ersten Republik war durch mehrere &#8222;katholische&#8220; Verlage gepr\u00e4gt, denen es vor allem nach Ende des Ersten Weltkriegs gelang, das Ghetto des katholischen Schrifttums zu sprengen. Was deren drei\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=631\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-631","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=631"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/631\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2751,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/631\/revisions\/2751"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}