{"id":640,"date":"2015-09-15T18:23:11","date_gmt":"2015-09-15T16:23:11","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=640"},"modified":"2015-12-14T14:37:00","modified_gmt":"2015-12-14T12:37:00","slug":"verlag-der-wiener-graphischen-werkstaette","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=640","title":{"rendered":"Verlag der Wiener Graphischen Werkst\u00e4tte"},"content":{"rendered":"<h3>Verlag der Wiener Graphischen Werkst\u00e4tte (Wien-Leipzig)\u00a0<span style=\"font-size: 0.7em; vertical-align: top;\"><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/span><\/h3>\n<h6><\/h6>\n<p>Die &#8222;Druck- und Verlagsgesellschaft Wiener graphische Werkst\u00e4tte&#8220;, wie die Firma im vollen Wortlaut hie\u00df, war eine der ehrgeizigsten Neugr\u00fcndungen der unmittelbaren Nachkriegszeit mit Schwergewicht auf moderner \u00f6sterreichischer Literatur. Sie hat es dem Ehrgeizeines anderen zu &#8222;verdanken&#8220;, da\u00df sie nicht allzulange im Gesch\u00e4ft blieb. Ihr Schicksal ist n\u00e4mlich mit dem unheimlichen Abgang eines Finanzmagnaten verkn\u00fcpft, der meinte, ihm m\u00fcsse jede Papierfabrik und jeder Qualit\u00e4tsverlag im Lande geh\u00f6ren, n\u00e4mlich Richard Kola. Die Zahl der Firmenleichen bzw. Beinahe-Leichen, die mit Kolas Finanzgenie und Finanzimperium untrennbar verbunden sind, ist Legion: Br\u00fcder Rosenbaum, Ilf-Verlag, Rikola-Verlag, Musarion Verlag, Verlag Neuer Graphik, Elbem\u00fchl, Waldheim-Eberle, Gesellschaft f\u00fcr graphische Industrie u.a. Durch den Aufkauf dieser Firmen und anderer wie der Buch- und Steindruckerei M. Munk verstand es Kola, den Literaturbetrieb zu dessen Ungunsten in das B\u00f6rsentreiben und in die Spekulation hineinzuman\u00f6vrieren. Nicht zuf\u00e4llig mu\u00dfte eine Reihe von Firmen, f\u00fcr die das oberste Gebot erstklassige Buchausstattung war, den Betrieb einstellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-642\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-300x111.jpg\" alt=\"Wiener graphische Werkst\u00e4tte\" width=\"440\" height=\"163\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-300x111.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-1024x380.jpg 1024w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-250x93.jpg 250w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-150x56.jpg 150w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte.jpg 1303w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><\/p>\n<p>Kurz vor Jahresende 1918 kamen der Verlagskonzessionsinhaber und Kaufmann Adolf Platzer<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span class=\"Reference\">[2]<\/span><\/a> und der Mitbesitzer der renommierten Buch- und Kunstdruckerei &#8222;Jordan &amp; Kalkus&#8220;, Hans Jordan<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span class=\"Reference\">[3]<\/span><\/a> (11.11.1891-14.7.1958), zusammen, um die Firma &#8222;Druck- und Verlagsgesellschaft Wiener graphische Werkst\u00e4tte&#8220; zu gr\u00fcnden. Die erste Direktion befand sich in Wien VII., Kaiserstra\u00dfe 45.<\/p>\n<p>Gegenstand des Unternehmens war laut Gesellschaftsvertrag vom 28. Dezember 1918 (Art. IV) der Druck und Verlag von literarischen und artistischen Erzeugnissen nach Ma\u00dfgabe der von den Gesellschaftern eingebrachten und allenfalls zu erweiternden gewerbebeh\u00f6rdlichen Konzessionen. Die Herren Adolf Platzer, Hans Jordan, Hugo Schmidl, und Hans Schreier brachten eine Sacheinlage in das neue Unternehmen ein, die in Form einer bis dahin gemeinsam betriebenen Druckerei in der Wiener Biberstra\u00dfe 26 etwa zwei Drittel des Gr\u00fcndungskapitals von ca. 101.000 Kronen betrug. Au\u00dferdem steuerte Jordan die Druckereikonzession plus eine Sacheinlage aus der Buch- und Kunstdruckerei Jordan &amp; Kalkus bei. Eine weitere Gesellschafterin, Frl. Charlotte Serebrenik, Beamtin in Wien, beteiligte sich mit einer Barzahlung von 30.000 Kronen an der Gr\u00fcndung.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Adolf Platzer lie\u00df seine M\u00fchewaltung laut Gesellschaftsvertrag mit monatlich vorl\u00e4ufig 1.000 Kronen abgelten, w\u00e4hrend Partner Hans Jordan etwa 900 Kronen zustanden. Beide Bez\u00fcge nehmen sich gegen\u00fcber den 4.000 Kronen bescheiden aus, die sich der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des etwa zur gleichen Zeit gegr\u00fcndeten &#8222;Donau Verlags&#8220; ausbedungen hatte.<\/p>\n<p>Die Druck- und Verlagsgesellschaft &#8222;Wiener graphische Werkst\u00e4tte&#8220; stieg aber nicht gleich in das Verlagsgesch\u00e4ft ein, denn die graphische Erzeugung von Ansichtskarten bildete zun\u00e4chst einen Hauptzweig des Betriebs. Diese Ansichtskarten sollten ebenso wie die anderen graphischen Erzeugnisse die Wiener Eigenart, das typische Wiener Genre und den Wiener Geschmack in der graphischen Darstellung zum Ausdruck bringen. Geplant war, in den Anfangsstadien Erzeugnisse vorzugsweise ins Ausland zu exportieren. Zu diesem Zweck wurden wertvolle Beziehungen sowohl in der Schweiz als auch in den skandinavischen L\u00e4ndern angekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Doch der erste Schritt nach Errichtung des Gesellschaftsvertrags war die Einholung der beh\u00f6rdlichen Genehmigung. Und damit begannen die Schwierigkeiten. Am 20. Februar 1919 vermeldete das Deutsch\u00f6sterreichische Staatsamt des Innern, da\u00df gegen die Eintragung dieser Gesellschaft m.b.H. keine Einw\u00e4nde best\u00fcnden. Nun aber legte sich eine weitere, \u00fcblicherweise mit solchen Fragen befa\u00dfte Instanz &#8211; die Handels- und Gewerbekammer &#8211; in einem Schreiben vom 7.4.1919 quer. Das Problem lag in der gew\u00fcnschten Firmabezeichnung. In einer routinem\u00e4\u00dfigen gutachtlichen \u00c4u\u00dferung zum Firmawortlaut wurden n\u00e4mlich Bedenken erhoben: Der Firmawortlaut entspreche zwar nach Umfang und Gegenstand des Betriebs den tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnissen,<\/p>\n<p class=\"zitat\">doch erlaubt sich die Kammer darauf aufmerksam zu machen, da\u00df der Passus \u201aWiener graphische Werkst\u00e4tte&#8220; leicht in Kollisionen mit der weltbekannten \u201aWiener Werkst\u00e4tte&#8220; f\u00fchren k\u00f6nnte.<br \/>\nDas geplante Unternehmen wird sich vorzugsweise mit dem Verlag von k\u00fcnstlerischen Ansichts-Postkarten befassen, ein(em) Erwerbszweig, den die &#8222;Wiener Werkst\u00e4tte&#8220; ebenfalls in ihrem Betrieb aufgenommen hat, wodurch eine teilweise Identit\u00e4t des T\u00e4tigkeitsgebietes gegeben erscheint.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span class=\"Reference\">[4]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Freilich lie\u00dfen es Platzer und Jordan nicht dabei bewenden &#8211; ebensowenig, wie die &#8222;Wiener Werkst\u00e4tte&#8220; kurz davor, die gegen die Protokollierung der \u00e4hnlich lautenden &#8222;Wiener W\u00e4schewerkst\u00e4tte&#8220; erfolglos gek\u00e4mpft hatte. Platzer und Jordan argumentierten dahingehend, da\u00df die Bef\u00fcrchtungen und Bedenken der Handels- und Gewerbekammer gr\u00f6\u00dftenteils unbegr\u00fcndet seien, zumal der Vertrieb von Ansichtskarten einen verschwindend kleinen Bruchteil des gesch\u00e4ftlichen Umsatzes der &#8222;Wiener Werkst\u00e4tte&#8220; bildete. Vielmehr habe die &#8222;Wiener Werkst\u00e4tte&#8220; gar keine Konzession, welche sie berechtigen w\u00fcrde, das graphische Gewerbe auszu\u00fcben, und insoweit sie sich mit Ansichtskarten besch\u00e4ftige, m\u00fcsse sie sich ohnehin auf deren handelsm\u00e4\u00dfigen Vertrieb beschr\u00e4nken und die graphischen Erzeugnisse durch andere Unternehmen bewerkstelligen. Hinzu komme noch, da\u00df beide Unternehmungen in ihrem Betriebsgegenstand wesentlich verschieden seien.<\/p>\n<p>Die Kammer gab dann schlie\u00dflich am 19.5.1919 &#8211; also fast f\u00fcnf Monate nach der &#8222;Gr\u00fcndung&#8220; des neuen Unternehmens &#8211; etwas nach. Zwar best\u00fcnden gegen das Wort &#8222;Wiener&#8220; im angestrebten Wortlaut keine Bedenken mehr, doch beharrte die Kammer weiterhin auf der Bef\u00fcrchtung, da\u00df wegen des vermeintlich gleichen Betriebsgegenstands der Firmawortlaut zu Verwechslungen mit der &#8222;Wiener Werkst\u00e4tte&#8220; Anla\u00df geben k\u00f6nnte. Sie schlug vor, das Wort &#8222;Werkst\u00e4tte&#8220; durch eine andere Bezeichnung zu ersetzen. Im Juli 1919 legten Platzer und Jordan erneut Rekurs ein, leugneten weiterhin eine allf\u00e4llige Verwechslungsm\u00f6glichkeit, zumal der Weltruf der &#8222;WW&#8220; sicherlich nicht von dem Vertriebe von Ansichtskarten herr\u00fchre. Obendrein habe ja keine Firma den Ausdruck Werkst\u00e4tte f\u00fcr sich gepachtet.<\/p>\n<p>Platzer und Jordan f\u00fchrten noch an, &#8222;da\u00df wir unter der gew\u00e4hlten Firma seit dem Jahresbeginn [1919] nicht blo\u00df auf dem Wiener Platze, sondern auch im Auslande ein gewisses Renommee errungen haben, da\u00df wir nur bei Beibehaltung unserer Firma uns wahren und ausbauen k\u00f6nnen&#8220;. Kurz darauf wird der Streit beigelegt: der Firmawortlaut bleibt. Am 29. Juli 1919 wird die Druck- und Verlagsgesellschaft Wiener graphische Werkst\u00e4tte unter Register C, Band 32, pagina 91 ins Wiener Handelsregister eingetragen.<\/p>\n<p>Im Mai 1919 kommt ein neuer Gesellschafter und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Franz Rosenberg, in die Firma, und das Kapital wird auf fast eine halbe Million Kronen erh\u00f6ht. Rosenberg verkauft im Oktober 1919 seinen Gesch\u00e4ftsanteil an Adolf Platzer und verl\u00e4\u00dft &#8222;wegen vorgefallenen Unstimmigkeiten&#8220; das Unternehmen. Neu aufgenommen als Gesellschafter werden der Buchhalter Gustav Kadletz und Karl Bauer. Die Geh\u00e4lter der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer werden r\u00fcckwirkend ab 1.9.1919 auf K 2.500 erh\u00f6ht. Im M\u00e4rz 1920 werden bei der Generalversammlung Friedrich Neurath und Hans W\u00f6dl zu Prokuristen bestellt. Zur gleichen Zeit scheiden die bisherigen Gesellschafter Kadletz und Schmidl aus dem Unternehmen aus.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-647\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-2-300x244.jpg\" alt=\"Wiener graphische Werkst\u00e4tte 2\" width=\"130\" height=\"106\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-2-300x244.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-2-184x150.jpg 184w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-2-150x122.jpg 150w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-2.jpg 724w\" sizes=\"auto, (max-width: 130px) 100vw, 130px\" \/><\/a>Das kurze Leben des Verlagsunternehmens l\u00e4\u00dft sich z.T. auf personelle Streitigkeiten zur\u00fcckf\u00fchren, denn einer der Gr\u00fcnder, der Drucker Hans Jordan, scheidet schon im Dezember 1920 aus dem Gesch\u00e4ftsverh\u00e4ltnis aus und tritt seinen Gesch\u00e4ftsanteil an Compagnon Platzer ab. Auch der Gesch\u00e4ftserfolg bzw. -mi\u00dferfolg mag dazu beigetragen haben, denn die Firma schlo\u00df die Gesch\u00e4ftsjahre 1919 und 1920 mit betr\u00e4chtlichen Verlusten ab, und diese Schulden m\u00f6gen zu den Schritten, die anl\u00e4\u00dflich einer a.o. Generalversammlung am 22. M\u00e4rz 1921 in den Gesch\u00e4ftslokalit\u00e4ten der &#8222;Elbem\u00fchl&#8220; in Wien, get\u00e4tigt wurden, Anla\u00df gegeben haben. Der Gr\u00fcnder, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und kommerzielle Leiter Adolf Platzer, der zu diesem Zeitpunkt durch Abtretungen und Anteilserh\u00f6hungen bereits 91% des Firmenkapitals von ca. 1,6 Millionen Kronen besa\u00df, entschlo\u00df sich, s\u00e4mtliche Gesch\u00e4ftsanteile an den Wiener Gro\u00dfindustriellen Rudolf Thorn, seines Zeichens auch Vorstands- und Verwaltungsratsmitglied des Elbem\u00fchl-Konzerns, zu \u00fcbertragen. Als Gegenleistung erhielt Platzer nicht einen Barbetrag, sondern Aktien der &#8222;Gesellschaft f\u00fcr graphische Industrie&#8220; die &#8211; ebenfalls Richard Kola geh\u00f6rend &#8211; einige Jahre sp\u00e4ter mit der &#8222;Elbem\u00fchl&#8220; fusioniert wurde. Somit wurde der Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte in den Kola-Konzern aufgenommen, einen Vertikalkonzern, dessen Gesch\u00e4ftsbereich von Schnittholz \u00fcber Papier und Zeitungen bis zum fertigen Buch reichte. Gleichzeitig beschlo\u00df die Versammlung, den 26j\u00e4hrigen Rudolf Rosenbaum, Direktor der Gesellschaft f\u00fcr graphische Industrie in Wien, als neuen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu bestellen. Die entsprechende Eintragung ins Wiener Handelsregister erfolgte am 12.4.1921. Diese \u00dcbernahme war zugleich der Anfang vom Ende f\u00fcr den Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte.<\/p>\n<p>Auf Grund des personellen Nahverh\u00e4ltnisses ist es nicht weiter verwunderlich, da\u00df ab 1921 so gut wie alle Ver\u00f6ffentlichungen des &#8222;Verlags der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte&#8220; bei der Offizin der Waldheim-Eberle A.G., Wien, gedruckt wurden. So trugen manche Publikationen &#8211; etwa A.M. Renners <em>Sulamith. Ein Roman in Gef\u00fchlen <\/em>&#8211; auf der Titelseite bzw. auf dem Umschlag nicht nur unterschiedliche Untertitel, sondern auch verschiedene Angaben \u00fcber den Erscheinungsort innen also: &#8222;Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte&#8220;, au\u00dfen am Einband: &#8222;Waldheim-Verlag, Wien-Leipzig&#8220;.<\/p>\n<p>Die neue personelle Zusammensetzung des &#8222;Verlags der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte&#8220; blieb zumindest auf dem geduldigen Papier bis zur amtlichen Aufl\u00f6sung der Firma am 1.1.1929 (eingetragen: 22. 1.1929) wegen Nichtanmeldung der sogenannten Golder\u00f6ffnungsbilanz gleich. Gel\u00f6scht wurde die Gesellschaft am 28. J\u00e4nner 1930. Wie immer aber t\u00e4uschen diese beh\u00f6rdlichen Daten und sagen so gut wie gar nichts \u00fcber die Zeitspanne der Verlagst\u00e4tigkeit aus. In Wirklichkeit war der Verlag von 1920 bis einschlie\u00dflich 1923 im Gesch\u00e4ft. Innerhalb dieser vier Jahre aber hat der Verlag viele der k\u00fcnstlerisch sch\u00f6nsten und reizvollsten B\u00fccher der Zwischenkriegszeit in \u00d6sterreich produziert.<\/p>\n<p>Die Produktion<\/p>\n<p>Erste Nachricht von der Entstehung dieses neuen Verlags konnte man am 24. April 1920 in der <em>Wiener Mittags-Zeitung <\/em>erhalten:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Druck- und Verlagsgesellschaft ,Wiener Graphische Werkst\u00e4tte&#8220; Ges.m.b.H. unter der kommerziellen Leitung des Direktors Adolf Platzer, die in der kurzen Zeit ihres Bestandes auf dem Gebiete der Druckkunst k\u00fcnstlerisch bahnbrechend gewirkt hat, geht nun daran, dem Unternehmen einen Buch- und Kunstverlag anzugliedern. In K\u00fcrze werden bereits die ersten Werke erscheinen, unter welchen Egon Friedell mit einem Altenberg-Buch vertreten sein wird, Franz Theodor Csokor mit einem Novellenband, u.a.m. Bei allen Erscheinungen wird strenge darauf gesehen, da\u00df das Thematische des Stoffes mit der Formvollendung der k\u00fcnstlerisch-technischen Ausstattung in ad\u00e4quatem Zusammenhange steht. Mit heimatlichen Geldmitteln, auch f\u00fcr bisher nicht heimatliche Gro\u00dfz\u00fcgigkeit hinreichend fundiert, will der Verlag der geistigen Auswanderung einen beachtenswerten Damm entgegensetzen. Die literarische Leitung liegt in den H\u00e4nden des jungen Wiener Schriftstellers Fritz Karpfen, die k\u00fcnstlerische Leitung bei Prof. Bernhard Steiner inne.<\/p>\n<p>Da\u00df bei zwei Verlagen &#8211; dem Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte und dem Verlag Frisch &amp; Co. &#8211; etwa zur gleichen Zeit junge Schriftsteller, knapp \u00fcber 20 Jahre alt, mit der literarischen Leitung von neugegr\u00fcndeten Unternehmen betraut wurden, mu\u00df man als Signal der jungen Generation in der neuen Republik bewerten. Fritz Karpfen, der am 21.2.1897 in Wien geboren wurde, hatte mit 21 Jahren in seinem ersten Werk <em>Literarisches Verbrecheralbum <\/em>mit der \u00e4lteren Generation der begeisterten Kriegslyriker abgerechnet und auch einen Gedichtband &#8211; <em>Ich rufe Klage <\/em>&#8211; im Verlag des &#8222;Ver!&#8220; erscheinen lassen. Bernhard (Bernd) Steiner am 20.4.1884 in Mistelbach, N.\u00d6. geboren &#8211; trat vor allem als Plakatk\u00fcnstler in Erscheinung, bet\u00e4tigte sich im buchk\u00fcnstlerischen Bereich u.a. f\u00fcr den Ilf-Verlag und betrieb nach der Episode mit dem Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte in Wien die &#8222;Werbe-Werkst\u00e4tte Bernd Steiner&#8220;. In den sp\u00e4teren 20er Jahren machte Steiner in Deutschland Karriere, als er etwa f\u00fcr den Norddeutschen Lloyd charakteristische Schiffahrtsplakate schuf und nebenbei als k\u00fcnstlerischer Leiter des Bremer Stadttheaters arbeitete. Steiner, der relativ jung am 10. 12. 1933 in Wien starb, \u00fcbernahm pers\u00f6nlich die k\u00fcnstlerische Ausstattung einiger Reihen im Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte.<\/p>\n<p>Der Verlag gab f\u00fcnf Publikationsreihen heraus, die ihr &#8222;Plansoll&#8220; leider nicht erf\u00fcllten und die zahlenm\u00e4\u00dfig etwa ein Drittel der Gesamtproduktion von ca. 56 Titeln ausmachten.<\/p>\n<p>1. <em>Die Novellenb\u00fccher der Wegewe\/Begonnen im Jahre Neunzehnhundertzwanzig <\/em>brachten es blo\u00df auf drei Werke junger \u00f6sterreichischer Autoren der um bzw. kurz nach 1880 geborenen Generation. In dieser kurzlebigen Reihe mit kleinformatigen Werken waren folgende Autoren vertreten: Hans Steiger (Jg. 1889) mit <em>K\u00f6nig Augenblick und andere Skizzen, <\/em>Karl F. Kocmata (Jg. 1890) mit <em>Anny Rober. Eine Wiener M\u00e4delsgeschichte <\/em>und Friedrich Wallisch (Jg. 1890) mit <em>Der rote Bart. <\/em>Ein 4. Band von Franz Theodor Csokor <em>Zwischen Zwanzig und Drei\u00dfig <\/em>mit Buchschmuck von Carry Hauser ist zwar mehrmals angek\u00fcndigt worden, aber nie erschienen. F\u00fcr Satzordnung und Buchschmuck jedes dieser in Reclamheft-Format aufgelegten reizenden B\u00e4ndchen zeichnete Bernd Steiner verantwortlich. Dieser schuf jeweils das au\u00dferordentlich h\u00fcbsch gestaltete Vorsatzpapier. Die Werke erschienen in einer Auflage von je 3.000 Exemplaren, wobei auch eine auf 50 Ex. beschr\u00e4nkte, numerierte und vom Dichter signierte Liebhaberausgabe hergestellt wurde.<\/p>\n<p>Themen der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden in zwei weiteren Reihen besonderes Augenmerk gewidmet. Sozialpolitisches Engagement kommt etwa in der Reihe<\/p>\n<p>2. <em>Die B\u00fccher des Gewissens <\/em>zum Ausdruck. Es erschienen drei Werke. Im Jahre 1920 z.B. war der junge linksengagierte Autor Bruno Frei (Jg. 1897) vom Verlag &#8211; vermutlich von Fritz Karpfen &#8211; aufgefordert worden, eine Anzahl von Elendsschilderungen und Elendsbildern aus Wien in ein Buch zusammenzufassen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der Verlag lie\u00df sich hierbei von der \u00dcberzeugung leiten, da\u00df es keine dringendere Aufkl\u00e4rungsarbeit gibt, als die Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Ausbreitung, Verursachung und &#8211; wenn es so etwas gibt &#8211; Linderung der f\u00fcrchterlichen sozialen Not der unbemittelten Schichten. Der Verlag glaubte eine Aufgabe der Zeit zu erf\u00fcllen, wenn er ein Buch zum Druck bef\u00f6rderte, das sich zum unbescheidenen Ziel setzt, das Gewissen der Reichen wachzur\u00fctteln und die Hoffnung der Massen neu zu beleben. (Aus dem Vorwort vom September 1920)<\/p>\n<p>Ganz au\u00dfergew\u00f6hnlich f\u00fcr diese Zeit war dieses 1921 auf den Markt gekommene, 124 Seiten starke Buch insofern, als es mit Dutzenden photographischen Aufnahmen des Wiener Elends ausgestattet wurde. Autor des zweiten Bands dieser Reihe war der sozialpolitisch engagierte, heute mehr oder weniger vergessene Autor und prominente Gegner des Mutterschaftszwangs Johann Ferch (1879-1954). Das Werk hei\u00dft: <em>Der Umsturz der Ehe. Eine radikale Studie. <\/em>Wegen Papiernot war die Auflage, wie der Verlag den Buchh\u00e4ndlern mitteilte, beschr\u00e4nkt. Das dritte erschienene Werk stammt von Bernhard Boyneburg und hei\u00dft <em>Despotie der Mittel. <\/em>Wie bei den <em>Novellenb\u00fcchern <\/em>kamen auch in einer dritten Reihe junge Autoren zu Wort.<\/p>\n<p>3. <em>Die B\u00fccher der Zeit <\/em>1920 erschienen drei B\u00e4nde mit Werken von zwei jungen \u00d6sterreichern, so z.B. <em>Die Wiedergeburt in Kain. Drei Revolutionsakte <\/em>von Carl Julius Haidvogel (Jg. 1891) und <em>Auferstehung. Eine dramatische Legende <\/em>von Friedl Schreyvogl (Jg. 1899). Ein weiterer junger Autor stand mit dem neugegr\u00fcndeten Verlag in loser Verbindung, n\u00e4mlich Franz Theodor Csokor. In dieser Reihe h\u00e4tte von ihm das Werk <em>Gedanken zum Gegenwartsdrama. Anhang: Der Expressionismus als Regieproblem <\/em>mit zw\u00f6lf graphischen Erl\u00e4uterungen und zahlreichen Szenenbildern erscheinen sollen. Statt dessen erschien in dieser Reihe Csokors \u00dcbersetzung <em>Die Kulissen der Seele. Monodrama <\/em>von Nikolaj Nikolajewitsch Evreinoff im Jahre 1920. Die auff\u00e4llige Einbandzeichnung (Dreifarbenlithographie) stammt von Bernd Steiner. Eine zweite Auflage von Csokors in 1. Auflage beim Deutsch-\u00d6sterreichischen Verlag erschienenem Gedichtband <em>Der Dolch und die Wunde <\/em>kam 1920 mit Umschlagzeichnungen von Carry Hauser heraus.<\/p>\n<p>4. <em>Phalanx. Bibliothek f\u00fcr die Internationale des Geistes <\/em>Die vierte Publikationsreihe im Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte wurde vom Verlags-angestellten Josef Kalmer (1898-1959) betreut, herausgegeben und gelegentlich \u00fcbersetzt. Die &#8222;B\u00fccher des Phalanx&#8220; waren &#8222;eine Zusammenfassung der K\u00e4mpfer f\u00fcr die Internationale des Geistes. Dichter, Politiker der neuen Weltidee werden in dieser B\u00fccherei zu Wort kommen&#8220;. Von den vierzehn im Jahre 1920 angek\u00fcndigten Werken konnten blo\u00df drei tats\u00e4chlich erscheinen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Maxim Gorki, <em>Die silbernen Schlie\u00dfen<\/em>. Ins Deutsche \u00fcbertragen von Josef Kalmer. Mit einem Nachwort von Boris Suwarin und f\u00fcnf Originallithographien von M. Fischer. 1920.<br \/>\nLeo N. Tolstoi, <em>Die Friedenskonferenz<\/em>. Ins Deutsche \u00fcbertragen und mit einem Nachwort versehen von Josef Kalmer. 1920. (Umschlagzeichnung von G. Marisch)<br \/>\nGeorg Fr. Nicolai, <em>Aufruf an die Europ\u00e4er<\/em>. Gesammelte Aufs\u00e4tze zum Wiederaufbau Europas. Hrsg. und eingeleitet von Dr. Hans Wehberg. 1921.<\/p>\n<p>5. <em>Irgendwo und Irgendwann. M\u00e4rchen aus allen L\u00e4ndern <\/em>Der Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte versuchte auch das &#8222;sch\u00f6ne&#8220; Buch f\u00fcr ein j\u00fcngeres Lesepublikum zu pflegen. So entstand 1922 der Plan, eine 12b\u00e4ndige Reihe von M\u00e4rchen aus allen L\u00e4ndern in gediegener Ausstattung herauszugeben. Es erschienen aber lediglich sieben der zw\u00f6lf B\u00e4nde, f\u00fcr die Arthur Stadler die farbige Schutzh\u00fclle und buntgezeichnetes in jedem Band verschiedenes Vorsatzpapier kreierte. Gedruckt wurde jeweils in der Offizin der Waldheim-Eberle A.G. in Wien. Besondere Ausstattung und der Preis lassen darauf schlie\u00dfen, da\u00df jugendliche K\u00e4ufer kaum die Zielgruppe gewesen sein kann. Es erschienen deutsche, norwegische, d\u00e4nische, franz\u00f6sische, griechische, albanische, ukrainische M\u00e4rchen, w\u00e4hrend vl\u00e4mische (Band 5), englisch-irische (Band 6), italienische (Band 8), schwedische (Band 4), und russische (Band 11) nicht erscheinen konnten. Die Illustrationen wurden von Franz Wacik (Band 1 und 3), Arthur Stadler (Band 2) und Axl (Albert) Leskoschek (Band 7, 9, 10, 12 sowie der nicht erschienene Band 4) gefertigt. Nach 1923, als der Verlag aufh\u00f6rte, B\u00fccher zu produzieren, ging die unvollst\u00e4ndige Reihe an den auf Kinderb\u00fccher spezialisierten Wiener &#8222;Sesam-Verlag&#8220; \u00fcber, der die Reihe unter dem Titel <em>Sesam-Volksb\u00fccher <\/em>vertrieb.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df dem Vorsatz, der geistigen Auswanderung einen Damm entgegenzusetzen, bestand die restliche Verlagsproduktion nahezu ausschlie\u00dflich, d.h. mit Ausnahme von allf\u00e4lligen \u00dcbersetzungen aus dem Englischen bzw. Russischen, aus Werken gro\u00dfteils j\u00fcngerer \u00f6sterreichischer Autoren. Die Palette reicht von Romanen \u00fcber Kurzgeschichten, Essays und Skizzen zu Lyrik, Schauspiel und Kunstgeschichte. Von Egon Friedell erschienen die Werke <em>Steinbruch. Vermischte Meinungen und Spr\u00fcche <\/em>(1922) und <em>Das Altenbergbuch <\/em>(1922), von Fritz Karpfen herausgegeben <em>Das Egon Schiele-Buch <\/em>(1921), von Alfred Gr\u00fcnewald insgesamt vier Werke, und zwar: <em>Pavor nocturnus. F\u00fcnf Einakter <\/em>(1921), <em>Mutter. Ein Requiem <\/em>(1920), <em>Die Streiche des Herrn Sassaparilla <\/em>(Holzschnitte, Initialen und Titelzeichnung von A. Leskoschek) (1922), <em>Ergebnisse <\/em>(1921). Weiters erschienen Max Hayeks Studie \u00fcber den Graphologen Raphael Schermann &#8211; <em>Das Geheimnis der Schrift <\/em>(1923), seine \u00dcbersetzungen von Walt Whitman &#8211; <em>Gesang von mir selbst <\/em>(1920), Prentice Mulfords <em>Der unendliche Geist des Guten. Essays <\/em>(1922) und William E. Bartons <em>Die Parabeln des weisen Safed <\/em>(1922). Von Friedrich Wallisch und Friedl Schreyvogl erschienen die Romane <em>Genius Lump <\/em>(1922) bzw. <em>Der Antichrist <\/em>(1921). Humoristisches von Alexander Max Vallas<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span class=\"Reference\">[5]<\/span><\/a> erschien 1920 unter dem Titel <em>Wie ich seziert wurde <\/em>und Juristisches von RA Dr. Walter Rode <em>Justiz, Justizleute und Anderes <\/em>(1921). 1920 erschien das Werk <em>Spuk. Drei phantastische Geschichten. <\/em>(Mit vier Schwarzwei\u00df-Zeichnungen von Arthur Paunzen) von Herbert Barber und 1921 ein Werk von Arthur Stadler &#8211; <em>Masken. Schauspielerbildnisse. <\/em>1922 erschien ein Werk von Erich Singer, das bald in die &#8222;Giftschr\u00e4nke&#8220; \u00f6ffentlicher Bibliotheken wanderte und sp\u00e4testens 1933 in Deutschland verboten war: <em>Die rote Laterne. Die sch\u00f6nsten Bordellgeschichten der Weltliteratur <\/em>(Zeichnungen und Umschlag von Arthur Stadler). Im selben Jahr gab Anton Kuh eine Auswahl der Schriften Ludwig B\u00f6rnes u.d.T. <em>B\u00f6rne der Zeitgenosse <\/em>heraus. Ein weiteres Werk, das 1920 herauskam, f\u00e4llt etwas aus dem Verlagskonzept heraus, und zwar Heinrich Wertheimers <em>Das Verj\u00fcngungsproblem. Im Lichte der Steinachschen Entdeckungen. Volkst\u00fcmlich dargestellt. <\/em>Der Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte veranstaltete 1922 einen bibliophilen Druck von Goethes <em>Natur, <\/em>f\u00fcr den Sascha Kronburg, Gattin des Verlagsmitarbeiters Max Hayek, die Rahmen zeichnete. Die Auflage war auf 330 signierte Exemplare beschr\u00e4nkt. Zu erw\u00e4hnen w\u00e4ren nur noch L.W. Rochowanskis <em>Abend-Morgen-Mittag <\/em>aus dem Jahre 1920 sowie A.M. Renners <em>Sulamith. Ein Roman in Gef\u00fchlen <\/em>(Mit acht Steinzeichnungen von Axl Leskoschek).<\/p>\n<p>Wie im Fall der meisten Autoren geh\u00f6rten auch die meisten K\u00fcnstler, die dem Verlag Buchschmuck, Umschlagzeichnungen usw. lieferten, der j\u00fcngeren Generation an: Carry Hauser (Jg. 1895), Sascha Kronburg (Jg. 1893), M. Fischer, Bernd Steiner (1884-1933), Gustav Marisch (Jg. 1887), Franz Plachy, Arthur Stadler (1892-1937), Arthur Paunzen (Jg. 1890), Axl Leskoschek (1889-1976), Hans Neumann (Jg. 1888), Franz Wacik (1883-1938), Viktor Leyrer und Franz Wimmer.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-649 size-medium\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-3-300x169.jpg\" alt=\"Wiener graphische Werkst\u00e4tte 3\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-3-300x169.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-3-250x141.jpg 250w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-3-150x84.jpg 150w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wiener-graphische-Werkst\u00e4tte-3.jpg 950w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Auch gebrauchte der Verlag eine Reihe von verschiedenen Signets. Von den f\u00fcnf nachgewiesenen Beispielen d\u00fcrfte eines vom Mitbegr\u00fcnder Hans Jordan stammen. Dies ist das allererste beherrschende Signet, das eine sitzende weibliche Figur im Dekollet\u00e9kleid mit glockenartigem Unterteil darstellt. Auf ihrem hochgezogenen Haarschopf sind die Gro\u00dfbuchstaben W G W plakativ aufgedruckt. In der Hand h\u00e4lt sie eine Blume, auf der eine weitere nackte weibliche Figur aufragt. Auch hat das Motiv einer \u00fcber Berggipfel aufgehenden Sonne Verwendung gefunden. In einem Werk wurde das Kapitell einer Karyatide mit den Buchstaben W G W dar\u00fcber als Verlagssignet ben\u00fctzt. Schlie\u00dflich hat der Verlag einfach die doppelt gezogenen Buchstaben W W mit dem Buchstaben G dazwischen leicht nach unten versetzt verwendet und dasselbe Muster mit verschn\u00f6rkelter Schrift.<\/p>\n<p>Wenn der Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte nicht so fr\u00fch in die Einflu\u00dfsph\u00e4re des Rikola-Konzerns geraten w\u00e4re, h\u00e4tte er sicherlich dem einen oder anderen heimischen Autor eine bleibende Heimst\u00e4tte geboten, aber gerade die gro\u00dfen Konzerne, die in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, konnten dies nicht tun. Der Verlag der Wiener graphischen Werkst\u00e4tte bleibt einer der interessantesten Versuche der jungen Republik, die heimische Literatur zu repatriieren bzw. zu f\u00f6rdern und die buchk\u00fcnstlerische Gestaltung besonders zu pflegen.<\/p>\n<h3><a class=\"none\" name=\"Heading1\"><\/a> Anmerkungen<\/h3>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref1\" target=\"text\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Quellenhinweis: Handelsgericht Wien. Registerakt C 32, 91 (WrStLa).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref2\" target=\"text\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe <em>BC<\/em>, Nr. 17, 23.4.1919, S. 238: &#8222;Konzessionen erhielten (&#8230;) Platzer, Adolf, zum Betriebe des Buch- und Kunstverlages.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref3\" target=\"text\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Siehe &#8222;Gremialnachrichten&#8220;, in: <em>Deutsch\u00f6sterreichische Buchdrucker-Zeitung, <\/em>48. Jg., Nr. 3, 5.2.1920, S. 1: &#8222;Die n.-\u00f6. Landesregierung hat an folgende Firmen die Konzession zum Betriebe des Buchdruckgewerbes erteilt: (&#8230;) Jordan Johann, im Standort Wien, VII., Schottenfeldgasse 53. (&#8230;)&#8220;<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref4\" target=\"text\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Dieses Schreiben findet sich im Registerakt des Handelsgerichts Wien (WrStLa).<\/p>\n<p class=\"Note\"><a href=\"#_ftnref5\" target=\"text\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vallas ist am 12.7.1884 in Pre\u00dfburg geboren und war neben seiner schriftstellerischen T\u00e4tigkeit als Fachkonsulent der Handelskammer besch\u00e4ftigt. Obwohl Jude, ereilte Vallas das Schicksal der meisten seiner Leidensgenossen erst f\u00fcnf Jahre nach dem &#8222;Anschlu\u00df&#8220;. Er wurde n\u00e4mlich am 8. Juli 1943 von der Gestapo festgenommen und in Schutzhaft genommen. Der Grund: Er hatte wiederholt ohne polizeiliche Genehmigung Wien verlassen, die Stra\u00dfenbahn benutzt und seine Wohnung nicht gekennzeichnet. W\u00e4hrend der &#8222;Systemzeit&#8220; galt er als eifriger Anh\u00e4nger des Dollfu\u00dfregimes und war wegen mehrerer Verst\u00f6\u00dfe gegen die Kennzeichnungsverordnung bereits vorbestraft. Mit einiger Sicherheit ist Vallas in ein KZ gekommen. (Quelle: \u00d6Sta, AVA, GESTAPO, Staatspolizeileitstelle Wien, Tagesbericht Nr. 3 vom 9.-12. Juli 1943, S. 3, Leitz-Ordner, Nr. 8.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag der Wiener Graphischen Werkst\u00e4tte (Wien-Leipzig)\u00a0[1] Die &#8222;Druck- und Verlagsgesellschaft Wiener graphische Werkst\u00e4tte&#8220;, wie die Firma im vollen Wortlaut hie\u00df, war eine der ehrgeizigsten Neugr\u00fcndungen der unmittelbaren Nachkriegszeit mit Schwergewicht auf moderner \u00f6sterreichischer Literatur. Sie hat es dem Ehrgeizeines anderen zu &#8222;verdanken&#8220;, da\u00df sie nicht allzulange im Gesch\u00e4ft blieb. Ihr\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=640\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-640","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=640"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1605,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/640\/revisions\/1605"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}