{"id":693,"date":"2015-09-16T12:28:57","date_gmt":"2015-09-16T10:28:57","guid":{"rendered":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=693"},"modified":"2015-12-24T14:15:34","modified_gmt":"2015-12-24T12:15:34","slug":"ehrendoktorate","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=693","title":{"rendered":"EHRENDOKTORATE"},"content":{"rendered":"<h3>EHRENDOKTORATE \u00d6STERREICHISCHER UNIVERSIT\u00c4TEN F\u00dcR REICHSDEUTSCHE VERLEGER<\/h3>\n<h6><\/h6>\n<p>Im folgenden soll auf zwei reichsdeutsche Verlage, die in \u00d6sterreich zwar keine eigene Vertretung (Niederlassung) unterhielten, jedoch was Absatz und Verbreitung betrifft, eine dominierende Stellung auf dem Belletristikmarkt hatten, eingegangen werden. lm Mittelpunkt steht weniger eine ausf\u00fchrliche Geschichte dieser Unternehmen, was sowieso nicht zum Gegenstand dieser Arbeit geh\u00f6rt. Vielmehr soll auf das Umfeld eines Ph\u00e4nomens aufmerksam gemacht werden, n\u00e4mlich der Verleihung von Ehrendoktoraten an zwei deutsche Verleger durch zwei \u00f6sterreichische Universit\u00e4ten: an den Juniorchef des Verlagshauses Reclam in Leipzig und an den Chef des L. Staackmann Verlags in Leipzig, Alfred Staackmann. An diesen Verleihungen ist einiges bemerkenswert: 1. Die verleihenden Institutionen, also die Universit\u00e4ten Graz bzw. Innsbruck (und nicht Wien), 2. da\u00df es sich in diesen F\u00e4llen um die einzigen Verleger, denen man diese Ehre zuteil werden lie\u00df, handelt, 3. da\u00df w\u00e4hrend der Zwischenkriegszeit einige \u00f6sterreichische Verleger zwar diverse Ehrungen, Orden, Titel usw. verliehen bekamen, das Ehrendoktorat aber nicht, 4. da\u00df bei diesen Verlagen \u2013 zweifelsohne verst\u00e4rkt bei Staackmann \u2013 auch eine vorherrschende politische Gesinnung und eine Pr\u00e4ferenz f\u00fcr v\u00f6lkisch-nationales Schrifttum zum Ausdruck kommt, insofern als z.B. S. Fischer, Kurt Wolff, Ernst Rowohlt u.a. auch f\u00fcr ihre Verdienste um die \u00f6sterreichische Literatur \u201ebeehrenswert\u201c gewesen w\u00e4ren, 5. da\u00df die tats\u00e4chliche Verleihung aus bestimmten, auch au\u00dfenpolitischen Gr\u00fcnden in Relation zum gegebenen Anla\u00df mit reichlicher Versp\u00e4tung erfolgte.<\/p>\n<h3>Reclam<a href=\"#_ftn01\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Reclam.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-695\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Reclam-300x283.jpg\" alt=\"Reclam\" width=\"120\" height=\"113\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Reclam-300x283.jpg 300w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Reclam-159x150.jpg 159w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Reclam-150x141.jpg 150w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Reclam.jpg 310w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a>Am 1. Oktober 1928 feierte das Verlagshaus Philipp Reclam jun. in Leipzig seinen hundertj\u00e4hrigen Bestand. Den Anfang der Produktion machte die erste volkst\u00fcmliche Ausgabe von Shakespeares Werken. Als dann mit dem Sturz der deutschen Bundesverfassung am 1. Oktober 1867 die Privilegien der Klassikerverleger erloschen, kamen die ersten billigen Ausgaben Schillers und Lessings heraus. Im selben Jahr erfolgte die Gr\u00fcndung der Reclamschen Universal-Bibliothek, die einen v\u00f6llig neuen Weg in der damaligen Verlagslandschaft einschlug und auch international einmalig war. Die urspr\u00fcngliche Beschr\u00e4nkung auf die \u201efreien\u201c Autoren wurde aufgegeben, neuere und neueste Schriftsteller in die Bibliothek aufgenommen. Bis zum Jubil\u00e4um 1928 waren bereits rund 7.000 Nummern erschienen. Der Reclam-Verlag hatte sich auch um die Literatur in \u00d6sterreich verdient gemacht, soda\u00df einzelne Mitglieder des Professorenkollegiums der philosophischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Graz auf den Gedanken kamen, den Juniorchef des Hauses, Hans Emil Reclam (*1881), der akademische Studien betrieben, aber den Doktorhut nicht erworben hatte, mit einem Ehrendoktorat auszuzeichnen. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits im Herbst 1928 an der Universit\u00e4t unternommen. Es wurde n\u00e4mlich eine Kommission eingesetzt, um Reclams W\u00fcrdigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen, und am 8. M\u00e4rz 1929 beschlo\u00df das Professorenkollegium der Phil. Fakult\u00e4t an der Universit\u00e4t Graz, Reclam das Ehrendoktorat zu verleihen und das Bundesministerium f\u00fcr Unterricht in Wien um Genehmigung dieses Beschlusses zu ersuchen. Der Antrag wurde folgenderma\u00dfen begr\u00fcndet:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Diesem letzteren, Hans Emil Reclam, will die philosophische Fakult\u00e4t der Grazer Universit\u00e4t die Auszeichnung des Ehrendoktorats angedeihen lassen, in Anerkennung und W\u00fcrdigung der Verdienste, die sich das Haus Reclam um die deutsche Literatur- und Geistesgeschichte erwarb. Da\u00df eine \u00f6sterreichische Universit\u00e4t dies tut, ist zugleich eine Anerkennung der Tatsache, da\u00df die Universalbibliothek und die anderen Verlagsunternehmungen die \u00f6sterreichischen Dichter und Schriftsteller in reichem Ma\u00df aufnahm: z.B. Anzengruber, Castelli, Felder, Fraungruber, Gilm, Anastasius Gr\u00fcn, Halm, Hamerling, K\u00fcrnberger, Sealsfield, Stelzhamer, Leitner, Lenau, Nestroy, Raimund, Saar, Stifter und viele andere, bekannte und wenig bekannte, \u00e4lterer und neuerer Zeit.<a href=\"#_ftn02\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"zitat\">Das Ministerium ignorierte den Antrag aus Graz von nun an 21 Monate lang, sagte weder ja noch nein, worauf das Professorenkollegium in seiner Sitzung vom 5.12.1930 beschlo\u00df, \u201edas Ministerium zu bitten, auf seinen Antrag vom 8.3.1929 einen klaren Bescheid zu erlassen\u201c.<a href=\"#_ftn03\"><sup>[3]<\/sup><\/a> F\u00fcr die Universit\u00e4t war die Sache inzwischen etwas peinlich geworden. Erst mit Erla\u00df vom 3. Februar 1931 (!), also zwei Jahre nach dem ersten offiziellen Antrag, bequemte sich Unterrichtsminister Czermak, den Beschlu\u00df auf Verleihung des Ehrendoktorats der Philosophie an Hans Emil Reclam zu genehmigen.<br \/>\nAm 28. Februar wurde Reclam vom Dekan \u00fcber diesen Beschlu\u00df informiert.<a href=\"#_ftn04\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Am 5. M\u00e4rz \u00fcbernahm Reclam die ihm \u201everliehene W\u00fcrde in dem Bewu\u00dftsein (&#8230;) der besonderen Pflege, die mein Verlag seit jeher dem \u00f6sterreichischen Schrifttum hat angedeihen lassen\u201c. Er dankte \u201ef\u00fcr die mir verliehene hohe Auszeichnung, die f\u00fcr mich umso wertvoller ist, als sie mir von einer so alten und angesehenen Hochschule unseres \u00f6sterreichischen Bruderlandes dargebracht wird.\u201c Doch war Reclam \u201edurch starke gesch\u00e4ftliche Inanspruchnahme verhindert, nach Graz zu kommen, um pers\u00f6nlich zu der Promotion zu erscheinen\u201c. Er lie\u00df sich die Urkunde mit der Post schicken.<\/p>\n<p>Welche innen- und au\u00dfenpolitische Interessen im Spiel waren, dar\u00fcber kann man nur spekulieren. Allerdings hatte sich der Reclam-Verlag tats\u00e4chlich Verdienste um die \u00f6sterreichische Literatur, auch die der Gegenwart erworben, mehr, m\u00f6chte man fast sagen, als so mancher \u00f6sterreichische belletristische Verlag.<\/p>\n<h3>L. Staackmann<a href=\"#_ftn05\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-697\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann-259x300.jpg\" alt=\"Staackmann\" width=\"120\" height=\"139\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann-259x300.jpg 259w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann-130x150.jpg 130w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann.jpg 323w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a>Vielschichtiger ist der Fall Staackmann: hier haben die gespannten politischen Beziehungen zwischen \u00d6sterreich und Deutschland eine entscheidende Rolle gespielt, bedenkt man, da\u00df erste Schritte um die Zeit unternommen wurden, als die deutsche Reichsregierung Reisen nach \u00d6sterreich beschr\u00e4nkte (\u201eTausendmarksperre\u201c) und die NSDAP in \u00d6sterreich verboten wurde (19.6.1933). Die Verleihung blieb diplomatisch \u201einopportun\u201c, bis nach Unterzeichnung des sog. \u201eJuli-Abkommens\u201c im Jahre 1936.<\/p>\n<p>Eine kritische Geschichte des L. Staackmann Verlags \u2013 kritisch in dem Sinne, da\u00df sie \u00fcber die verlagseigene Propaganda hinausgeht und die Verlagsentwicklung aus heutiger Sicht beurteilt \u2013 und eine Gesamtw\u00fcrdigung des Stellenwerts von Staackmann-Autoren innerhalb der \u00f6sterreichischen Literatur im 20. Jahrhundert k\u00f6nnen hier nicht geboten werden. Fine solche kritische Geschichte des sehr wichtigen Verlags, vor allem in Hinblick auf die tradierte nationale Ideologie, steht noch aus. Sollte man sie einmal in Angriff nehmen, wird man davon ausgehen m\u00fcssen, da\u00df das Staackmann-Archiv in Leipzig durch Kriegswirren nahezu vollst\u00e4ndig verlorenging.<a href=\"#_ftn06\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Daher wird man gro\u00dfteils auf die Korrespondenz einzelner Verlagsautoren in Nachl\u00e4ssen (z.B. Rosegger, Ginzkey, Greinz etc.) wie auf Verlagsalmanache, Gedenkschriften u.dgl. angewiesen sein. Erst durch m\u00fchselig zusammengetragene Einzeldokumentationen \u00fcber Autor, Verlag und Verleger wird es gelingen, Mosaiksteine zu einer gro\u00dfen Verlagsgeschichte zu schaffen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-698\" src=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann-2.jpg\" alt=\"Staackmann 2\" width=\"120\" height=\"147\" srcset=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann-2.jpg 238w, http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Staackmann-2-122x150.jpg 122w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a>Die Firma L. Staackmann Verlag wurde am 1. Oktober 1869 durch Ludwig Staackmann (* 3.7.1830), einen B\u00e4ckerssohn aus Wolfenb\u00fcttel, gegr\u00fcndet. Die Verlagst\u00e4tigkeit setzt ein am 1. J\u00e4nner 1873 mit dem Ankauf der bis dahin bei Otto Janke\/ Berlin erschienenen Werke des befreundeten Leipziger Englischlehrers Friedrich Spielhagen. Zwanzig Jahre lang bleibt Spielhagen der einzige Autor des Hauses. Im Jahre 1893 kn\u00fcpft Ludwig Staackmann die ersten Beziehungen zu Peter Rosegger an, doch war die Freundschaft nur von kurzer Dauer: Ludwig Staackmann starb am 13. Dezember 1897, die Firma ging an seinen am 21.5.1873 in Leipzig geborenen \u00e4ltesten Sohn Alfred \u00fcber. Aber mit Peter Rosegger erfuhr die bis dahin einseitig begrenzte Verlagst\u00e4tigkeit der Firma eine Wendung. \u201eDie beiden ersten und \u00e4ltesten Autoren des Verlages sollten richtunggebend sein und bleiben f\u00fcr die gesamte Entwicklung des Verlagshauses.\u201c<a href=\"#_ftn07\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Am 1. J\u00e4nner 1899 kaufte der junge Alfred Staackmann die vom Wiener Verlag A. Hartleben herausgegebenen Werke Peter Roseggers an und verlegte und vertrieb sie fortan. So brachte damals ein Sonderzug mit 8 Waggons die bedeutenden Vorr\u00e4te an B\u00fcchern und Platten etc. nach Leipzig. Unter Alfred Staackmann erweiterte das Unternehmen seine Grundlage ganz bedeutend, gewann 1899 als dritten Autor Otto Ernst hinzu. Bis Ende 1904 widmete sich der Verlag nun ausschlie\u00dflich dem Vertriebe dieser drei Autoren. Dann kamen zwei \u00f6sterreichische Dichter, Emil Ertl und Rudolf Greinz mit je einem neuen Novellenband hinzu. Auf diese beiden \u00d6sterreicher folgten Franz Karl Ginzkey im Jahre 1905 mit einem kleinen Gedichtband <em>Das heimliche L\u00e4uten<\/em> und Rudolf Hans Bartsch im Fr\u00fchjahr 1908 mit dem Roman <em>Zw\u00f6lf aus der Steiermark<\/em>. Sukzessiv wurde die Zahl der \u00d6sterreicher immer gr\u00f6\u00dfer. Hinzu kamen sp\u00e4ter Anton Wildgans, Karl Sch\u00f6nherr, Adam M\u00fcller-Guttenbrunn, Karl Hans Strobl, Robert Hohlbaum, Rudolf Haas, Friedrich von Gagern, Theodor Heinrich Mayer, Hans Watzlik, Emil Hadina usw. In der Staackmann-Jubil\u00e4umsschrift 1929 konnte man lesen, da\u00df diese Autoren \u201eim Sinne eines gesunden deutschen Schrifttums gewirkt\u201c h\u00e4tten. Und das ist nicht die einzige Anspielung auf das Kern-Deutschtum, die man unter den Zeugnissen findet. In der soeben zitierten Schrift hei\u00dft es weiter:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die F\u00f6rderung des Lebenswerkes von Peter Rosegger war andererseits der Ausgangspunkt f\u00fcr die gro\u00dfe Mission, die der Verlag f\u00fcr das deutsch-\u00f6sterreichische Schrifttum, dessen erlesenste und erfolgreichste Vertreter nach und nach unter den Fittichen des Staackmann-Adlers vereinigt werden konnten, zu erf\u00fcllen suchte. (S. 10)<\/p>\n<p>1930 f\u00f6rderte der L. Staackmann Verlag \u201eeine neue Generation\u201c, die mit der \u201ealten\u201c viel gemein hatte: unter dem Titel <em>Die 7 Jungen aus \u00d6sterreich<\/em> erschien eine Novellensammlung herausgegeben von Leopold Steiner mit Proben von Carl Julius Haidvogel, Josef Robert Harrer, Paul Anton Keller, Maria M\u00fchlgrabner, Friedrich Schreyvogl, K.H. Waggerl, Guido Zernatto. Darunter finden sich also Autoren, die sich dem Bund deutscher Schriftsteller \u00d6sterreichs anschlossen und acht Jahre sp\u00e4ter Bekenntnisse zu Hitler ablegten.<\/p>\n<p>Als Verlagsunternehmen war der L. Staackmann Verlag ungeheuer erfolgreich, und was Auflagen und Produktion betrifft, konnte in \u00d6sterreich diesbez\u00fcglich bestenfalls Paul Zsolnay mithalten. Wie beliebt die Staackmann-Autoren waren \u2013 auch in Relation zu \u00f6sterreichischen Autoren in anderen Verlagen \u2013 geht aus den Jahresberichten der n.o. Handels- und Gewerbekammer in Wien beispielsweise f\u00fcr die Jahre 1911, 1912 und 1913 hervor. Da liest man etwa 1911:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Tatsache ist es, da\u00df auf belletristischem Gebiet in Wien von allen Schriftstellern am meisten \u00f6sterreichische Autoren beliebt sind. Die B\u00fccher von Bartsch, Ertl, Greinz, dann von Hermine Cl\u00f6ter, Wassermann, Decsey und Rosegger haben im vorigen Jahre einen gr\u00f6\u00dferen Absatz gefunden als jene anderer Autoren.<a href=\"#_ftn08\"><sup>[8]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die ersten drei und der letzte waren \u2013 wie Karl Kraus sie bezeichnete \u2013 \u201eStaackm\u00e4nner\u201c. Im Bericht f\u00fcr 1912 \u2013 das Jahr, in dem der S. Fischer Verlag zum 50. Geburtstag von Gerhart Hauptmann und Arthur Schnitzler Gesamtausgaben veranstaltete \u2013 hei\u00dft es:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Neben Hauptmann und Schnitzler wurden gern gekauft die \u00d6sterreicher Bartsch, Ginzkey, Greinz, Salburg und Strobl.<a href=\"#_ftn09\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>1913 wies die B\u00fccherproduktion im allgemeinen eine erhebliche Steigerung gegen die fr\u00fcheren Jahre auf. Auch zeigte der B\u00fccherbedarf des Publikums eine steigende Tendenz. Wieder z\u00e4hlten in Wien die Staackmann-Verlagswerke zu den meistgekauften im Bereich Belletristik. So hei\u00dft es im Bericht f\u00fcr 1913 der n.\u00f6. Handels- und Gewerbekammer in Wien:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Von Romanschriftstellern, welche im Jahre 1913 am meisten begehrt wurden, sind zu nennen: Die \u00d6sterreicher: Bartsch, Ertl, Ginzkey, Greinz, M\u00fcller-Guttenbrunn, Schnitzler und Strobl.<a href=\"#_ftn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Also bis auf Schnitzler lauter Staackm\u00e4nner! Von B\u00fcchern au\u00dfer-\u00f6sterreichischer Autoren konnten in diesem Jahr nur Thomas Mann und Ernst Zahn mithalten.<\/p>\n<p>Anl\u00e4\u00dflich seines Jubil\u00e4ums im Jahre 1929 gab der Verlag einen Almanach heraus, der \u00fcber die gro\u00dfe Verbreitung seiner B\u00fccher interessante statistische Zahlen mitteilt. In den 60 Jahren des Bestehens, von denen nahezu 25 Jahre dem Vertrieb nur eines einzigen Autors gewidmet waren, produzierte Staackmann \u00fcber 11\u00bd Millionen B\u00e4nde!<a href=\"#_ftn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Zur weiteren Veranschaulichung stellte man fest, \u201eda\u00df bei gleichm\u00e4\u00dfiger Verteilung aller Verlagserzeugnisse auf die Bev\u00f6lkerung des deutschen Reiches jeder 5. Deutsche ein Buch des Staackmann-Verlages besitzen, etwa jeder 17. einen Band des steirischen Heimatdichters Peter Rosegger, jeder 30. einen Band von Rudolf Hans Bartsch oder Otto Ernst sein eigen nennen w\u00fcrde\u201c (ebda., S. 41). Auflagen von \u00fcber 100.000 Exemplaren zu erreichen \u2013 etwas, was unter belletristischen Verlagen in \u00d6sterreich nur Zsolnay und lange vor ihm der Wiener Verlag schaffte \u2013 waren bei Staackmann nichts Ungew\u00f6hnliches. Von den 15 in einer Tabelle im Almanach 1929 angef\u00fchrten Werken stammen 8 von Peter Rosegger. Auch Werke von drei weiteren \u00d6sterreichern, die heute kaum gelesen werden, erreichten bis 1929 die 100.000-Marke: Rudolf Hans Bartsch (<em>Schwammerl<\/em>), Karl Sch\u00f6nherr (<em>Glaube und Heimat<\/em>), Rudolf Greinz (<em>Allerseelen<\/em>).<\/p>\n<p>Der meistgekaufte Autor des Verlags war freilich mit Abstand Peter Rosegger. Staackmann setzte von seinen B\u00fcchern bis 1929 \u00fcber 3 \u00bd Millionen B\u00e4nde ab. Nach ihm folgten die Werke von Otto Ernst (1.12 Mill.), Rudolf Hans Bartsch (1.16 Mill.) und dem heute vergessenen Rudolf Greinz (803.000).<a href=\"#_ftn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Einen einzigen Grund f\u00fcr diesen verlegerischen Erfolg gibt es wohl nicht, aber versuchen wir, diesen zu charakterisieren, indem wir zeitgenossische Zeugnisse heranziehen.<\/p>\n<p>In der <em>Fackel<\/em> Nr. 398 vom Ende April 1914 w\u00fcrdigte Karl Kraus den Verlagsalmanach <em>Taschenbuch f\u00fcr B\u00fccherfreunde<\/em> (hg. Rudolf Greinz) unter der \u00dcberschrift \u201eDie Staackm\u00e4nner\u201c in einer bei\u00dfenden Satire. Bez\u00fcglich des Verlagsprogramms spricht er vom \u201eGeist vierter Klasse, der aber in Deutschland erster und zweiter f\u00e4hrt. Dieser Geist wird vom Verlag Staackmann, Leipzig, ediert (\u2026)\u201c (S. 22). Welters hei\u00dft es: \u201eEine gr\u00fcndliche anatomische Untersuchung w\u00fcrde ergeben, da\u00df die meisten in diese Kategorie fallenden Patienten [= Staackmann-Autoren] infolge Schwindens der Schilddr\u00fcse Romanschriftsteller anstatt Tramwaykondukteure geworden sind.\u201c (S. 23) Und schlie\u00dflich: \u201eEs wird sich zeigen, da\u00df alle Herren, die mit Staackmann in Verbindung sind, auch mit der Natur sehr gut stehen. Sie schreiben auf der Scholle und ackern auf dem Schreibtisch.\u201c (S. 24) Kraus handelte sich dabei eine Privatanklage von Alfred Staackmann wegen Urheberrechtsverletzung (unautorisierter Abdruck einer Fotographie aus dem Almanach) und wegen Ehrenbeleidigung ein. Er wurde im Dezember 1914 von der Anklage freigesprochen.<a href=\"#_ftn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Anfang der 20er Jahre notierte Robert Musil in seinem Tagebuch auch einige Gedanken zum Erfolg der Staackmann-Autoren:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Fr\u00fcher sagte der Mensch vom Familienblattroman: er gefallt mir; heute sagt er: er ist deutsch.<br \/>\nVon den deutschen Gemeinden der Tschechoslow. werden in gro\u00dfen Posten Staackmannb\u00fccher gekauft.<br \/>\nSie m\u00fcssen mehr v\u00f6lkisch schreiben, sagt ein einflu\u00dfreicher Freund Spunda.<br \/>\nEine Empfehlung von Hohlbaum bedeutet gro\u00dfen Absatz. Fr\u00fcher war die Karrikatur des Geisteslebens das politische Programm. Durch die V\u00f6lkischen wird das Programm Leben.<a href=\"#_ftn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Aber schon in seinem kritischen Essay vom M\u00e4rz 1919, \u201eDer Anschlu\u00df an Deutschland\u201c, war Musil auf deutsch-nationale Str\u00f6mungen im Nachkriegs-\u00d6sterreich und unweigerlich auf die Ideologie des Staackmann-Verlags zu sprechen gekommen. Denn gerade im Bereich Deutschnationalismus war Staackmann laut Musil mitbestimmend:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Man schw\u00e4rmte f\u00fcr Erh\u00f6hung des deutschen Wesens in \u00d6sterreich, meinte damit aber nicht etwa Rilke, obgleich der ein Deutscher, \u00d6sterreicher und \u201eArier\u201c ist, sondern kerninniges deutschen Staackmannestum. Diese Gesinnung lebt leider heute noch in vielen K\u00f6pfen, vor allem unter der Studentenschaft;<a href=\"#_ftn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Eine treffende Charakterisierung des Verlags L. Staackmann als eines Hortes \u201egesunden\u201c deutschen Schrifttums konnte man Ende 1924 in der von Roderich M\u00fcller-Guttenbrunn herausgegebenen Zeitschrift <em>\u00d6sterreichische Woche<\/em> lesen. Von \u201eAsphaltliteratur\u201c ist zwar noch nicht expressis verbis die Rede, aber die Tonart nimmt manche literarkritische Erg\u00fcsse der NS-Zeit vorweg: Das \u201eStaackmann-Buch\u201c war sozusagen \u201eMarkenartikel\u201c:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Man kann heute ruhig sagen, da\u00df der Verlag L. Staackmann in \u00d6sterreich der in einem breiten Lesepublikum am besten bekannte Verlag ist, dessen B\u00fccher vorwiegend \u00f6sterreichischer Autoren gr\u00f6\u00dfte Verbreitung gefunden haben.<br \/>\nUnd es ist wahrscheinlich, da\u00df er diesen gro\u00dfen Erfolg vor allem dem Umstand zu verdanken hat, da\u00df alle seine B\u00fccher eine bestimmte Merke tragen, da\u00df ein scharf umrissenes, wenn auch unausgesprochenes, Verlagsprogramm besteht, das jeder K\u00e4ufer der Staackmannb\u00fccher kennt. Womit eigentlich ein gewisser Idealzustand des Buchhandels erreicht ist; das Buch wird nach dem Verlag gekauft. Der Leser wei\u00df, da\u00df er in diesen B\u00fcchern keinerlei zersetzenden Tendenzen der Gegenwart begegnen wird, da\u00df B\u00fccher mitarbeiten wollen an der inneren Gesundung des deutschen Volkes. Positiv sind sie fast alle, aber deshalb durchaus nicht hausbacken, wie von einer geh\u00e4ssigen Kritik, der alle gesunden Lebens\u00e4u\u00dferungen des deutschen Volkes verha\u00dft sind, manchmal h\u00e4misch bemerkt wurde.<a href=\"#_ftn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Einer, der es wissen m\u00fc\u00dfte \u2013 Verlagsautor Robert Hohlbaum \u2013 vermochte in einer W\u00fcrdigung zum 60. Geburtstag des Verlags im <em>Getreuen Eckart<\/em> 1929 das Erfolgsrezept kurz zu bestimmen:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Der [Staackmann] hat seine ganze, von Zugest\u00e4ndnissen ungetr\u00fcbte Pers\u00f6nlichkeit in den Dienst der Sache gestellt, der er dient. Diese Sache ist \u2013 kurz gesagt \u2013 die eines weitgesteckten k\u00fcnstlerischen und menschlichen Nationalgedankens. Nat\u00fcrlich fehlt es nicht an Gegnern, die ihm Chauvinismus vorwerfen. Das begreifen wir.<a href=\"#_ftn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u201eIm Kampf um nationales Schrifttum\u201c war eine im Mai 1933 zum 60. Geburtstag Alfred Staackmanns im v\u00f6lkisch-nationalen <em>Heimgarten<\/em> aus der Steiermark erschienene W\u00fcrdigung betitelt. Man erfuhr Pr\u00e4gnantes \u00fcber des Verlegers Leistung:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die besondere und einzigartige verlegerische Leistung Alfred Staackmanns besteht in der planm\u00e4\u00dfigen Zusammenfassung und gro\u00dfz\u00fcgigen F\u00f6rderung einer gro\u00dfen Gruppe f\u00fchrender reichsdeutscher, vor allem auch \u00f6sterreichischer Autoren, die ihre dichterischen Kr\u00e4fte aus Volkstum und Stammeseigenart, Erde und Heimat gewinnen. Alfred Staackmann ist der deutsche Verleger, der es f\u00fcr sich in Anspruch nehmen kann, auch in dem hinter uns liegenden 15j\u00e4hrigen Zeitabschnitt tiefster weltanschaulicher Ersch\u00fctterung der Idee der Nation und der Volksgemeinschaft treugeblieben zu sein. In einer Zeit, die die ausschlie\u00dfliche Representation des literarisch-geistigen Lebens art- und volksfremden Autoren zuwies, hat sich Staackmann unbeirrt f\u00fcr ein Schrifttum bekannt, das sich an das g\u00f6ttliche Sein im Leben gebunden f\u00fchlt und die Notwendigkeit einer lebendigen Volksgemeinschaft zur Forderung erhebt. Die Entwicklung der Dinge hat dieser \u00fcberzeugten und unbeirrten Verlagspolitik recht gegeben.<a href=\"#_ftn18\"><sup>[18]<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"zitat\">Im Mittelpunkt der Arbeit Staackmanns steht seine gro\u00dfe Mission, als Pionier eines deutschgerichteten, bodenst\u00e4ndigen, mit Heimat, Volkstum und Erde verbundenen Schrifttums zu wirken, wobei er der Erkenntnis der \u00f6sterreichischen Sendung im Lebensraum des deutschen Volkes in hervorragender Weise diente. (Ebda., S. 304)<\/p>\n<p class=\"zitat\">So geschrieben im Jahre 1933 in \u00d6sterreich. Da\u00df das Deutsch-Nationale Programmkomponente war, wu\u00dften auch Staackmanns Nachrufer, als der Verleger am 4. M\u00e4rz 1941 verstarb. Hervorgehoben werden neuerlich Staackmanns Verdienste um die extra-territoriale Schaffung eines \u201e\u00f6sterreichischen Verlags\u201c. So liest man in der Wiener Ausgabe des <em>V\u00f6lkischen Beobachters<\/em> vom 6.3.1941:<\/p>\n<p class=\"zitat\">es gelang ihm (&#8230;) im Laufe der Jahre die besten K\u00f6pfe des deutsch\u00f6sterreichischen Schrifttums in seinem Verlage zu sammeln und ihnen dort eine dauernde Heimstatt zu schaffen. Durch die Werke von Bartsch, Ertl, Ginzkey, Hohlbaum, Adam M\u00fcller-Guttenbrunn, Sch\u00f6nherr, Strobl und Wildgans, die er f\u00fcrsorglich betreute, war es ihm gelungen, einen Verlag aufzubauen, der repr\u00e4sentativ wurde f\u00fcr das Schrifttum des deutschen \u00d6sterreich. Er \u00f6ffnete seinen Autoren durch sein Verlagshaus die Pforten zur deutschen Nation, stellte es vor ihr Bewu\u00dftsein welche F\u00fclle von gro\u00dfen Talenten in Deutsch\u00f6sterreich beheimatet war, welch wertvoller Beitrag f\u00fcr das gesamtdeutsche Schrifttum von diesen geleistet wurde.<a href=\"#_ftn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"zitat\">Und nach Ansicht des <em>V\u00f6lkischen Beobachters<\/em> im September 1939 schien der Verlag Staackmann \u201eim Tiefpunkt deutscher Geltung\u201c der einzige zu sein, \u201eder auf dem weiten Plane deutschen Schrifttums selbstsicher, unersch\u00fcttert deutsch geblieben ist, der sich Deutsches, nur Deutsches zur Richtschnur machte \u2013 unbestritten bleibt ihm das Verdienst, das deutsch gebliebene Schrifttum der Ostmark wie ein gewaltiger Magnet in sich gesogen und betreut der gro\u00dfen deutschen Leserschaft ins Herz gestreut zu haben.\u201c<a href=\"#_ftn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u00c4hnliche Worte, allerdings mit Metaphorik aus anderen Branchen, konnte man noch anl\u00e4\u00dflich zweier offizieller Ehrungen in \u00d6sterreich 1929 und 1936 h\u00f6ren. Aber vielleicht soll kurz darauf hingewiesen werden, da\u00df der L. Staackmann Verlag im Gegensatz zu seinen Konkurrenten in Deutschland sich nicht, was angesichts des Absatzes vielleicht naheliegend w\u00e4re, in Wien niederlie\u00df. Da\u00df dies nicht geschah, hat einen ziemlich einfachen Grund. Von den vier S\u00f6hnen Ludwig Staackmanns war nicht nur Alfred im Verlagsbuchhandel t\u00e4tig. Die Staackmann-Auslieferung f\u00fcr Wien war der Schuberthaus-Verlag, Wien 9., W\u00e4hringerstra\u00dfe 22. Inhaber der Musikalienhandlung und des Verlags \u201eSchuberthaus\u201c war der am 13. April 1877 in Leipzig geborene Wilhelm Staackmann. Er war 1907 in die im Jahre 1854 gegr\u00fcndete Musikalienhandlung Schuberthaus eingetreten, wurde am 1.4.1909 Alleininhaber und erweiterte die Firma durch Errichtung eines Verlages.<a href=\"#_ftn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Daher war es f\u00fcr den L. Staackmann Verlag nicht notwendig, in Wien eine eigene Vertretung zu etablieren.<\/p>\n<p>Das 60-Jahre-Jubil\u00e4um im Oktober 1929 gab den Anla\u00df zu einer ersten gro\u00dfen Ehrung Alfred Staackmanns in Form des Goldenen Ehrenzeichens f\u00fcr besondere Verdienste um die Republik \u00d6sterreich. Selbst Robert Musil notierte das Ereignis in seinem Tagebuch. <a href=\"#_ftn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Initiator war der Staackmann-Autor Dr. Rudolf Haas aus Villach (u.a. <em>Heimat in Ketten. Roman; Diktatur. Roman; Der Volksbegl\u00fccker. Roman; Matthias Triebl; Michel Blank und seine Liesel. Roman<\/em>), der sich schon im August 1929 mit der Anregung an Bundespr\u00e4sidenten Wilhelm Miklas wandte.<a href=\"#_ftn23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Auch die \u00d6sterreichische Gesandtschaft in Berlin beantragte und bef\u00fcrwortete die Verleihung des goldenen Ehrenzeichens. Nach der Bef\u00fcrwortung u.a. durch das Bundeskanzleramt (Ausw. Angelegenheiten), das BM f\u00fcr Unterricht im September unterschrieb Bundeskanzler Johann Schober zwei Tage nach der Zustimmung durch den Ministerrat die Bef\u00fcrwortung pers\u00f6nlich am 23. Oktober 1929. Da hei\u00dft es:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Derselbe hat im Jahre 1899 die vom Wiener Verlag Hartleben herausgegebenen Werke Peter Roseggers angekauft und hat sich seitdem in erster Linie die Pflege und F\u00f6rderung der \u00f6sterreichischen Dichtkunst angelegen sein. Unter den \u00f6sterreichischen Autoren, deren Werke der Verlag schon zu einer Frist \u00fcbernahm, als die betreffenden Schriftsteller noch mit Erstlingsschwierigkeiten zu k\u00e4mpfen hatten, figurieren ganz prominente Pers\u00f6nlichkeiten, wie Sch\u00f6nherr, Ginzkey, Bartsch, Strobl, Wildgans, Greinz etc.<sup>[24]<\/sup><\/p>\n<p>Sechs Tage sp\u00e4ter setzte Miklas seine Unterschrift unter die entsprechende Resolution. Wie in solchen Fallen \u00fcblich, bedankte sich Staackmann beim Bundespr\u00e4sidenten. Da es sich um ein interessantes Zeugnis handelt, das das Selbstverst\u00e4ndnis des Verlags gut dokumentiert, wollen wir das Schreiben Staackmanns hier vollinhaltlich wiedergeben:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Leipzig, den 11. November 1929.<br \/>\nHochzuverehrender Herr Pr\u00e4sident!<br \/>\nF\u00fcr das mir verliehene Goldene Ehrenzeichen f\u00fcr Verdienste um die Republik \u00d6sterreich erlaube ich mir hierdurch meinen tiefgef\u00fchltesten Dank auszusprechen.<br \/>\nDiese hohe Auszeichnung, die vor mir wohl noch keinem deutschen Verleger zuteil geworden ist, freut mich nicht nur deswegen, well sie eine sichtbare und offizielle Anerkennung meiner eigenen T\u00e4tigkeit darstellt, sondern well sie gleichzeitig auch eine W\u00fcrdigung des Gesamtschaffens der \u00f6sterreichischen Autoren meines Verlages in sich schlie\u00dft. Die mit mir verbundenen und meist eng mit mir befreundeten \u00f6sterreichischen Dichter und Schriftsteller haben es sich zur Aufgabe gestellt, das gro\u00dfe in \u00d6sterreich schlummernde Kulturgut dem deutschen Volke naher zu bringen. Im Gegensatz zu heutigen Modestr\u00f6mungen betonen sie das Nationale, Positive und Verbindende, und diesen Ursachen ist es wohl zu danken, da\u00df es meinem Verlag gelingen konnte, den Werken dieser echt deutschen, aber ihrem engeren Vaterland treu ergebenen M\u00e4nner eine zum Tell recht bedeutende Verbreitung zu schaffen.<br \/>\nSeit meinem 21. Lebensjahr, als ich zum ersten Male mit den Schriften eines Peter Rosegger naher vertraut wurde, darf ich in \u00d6sterreich meine geistige Heimat erblicken. Es war mir daher eine gro\u00dfe pers\u00f6nliche Genugtuung, da\u00df es mir gelingen konnte, meine Vorliebe f\u00fcr das sch\u00f6ne Land und seine Dichter auch auf meine gesch\u00e4ftliche T\u00e4tigkeit zu \u00fcbertragen und meinem Verlag mit der Zeit eine ausgesprochene \u00f6sterreichische Note zu geben. Ich werde an dieser Einstellung auch in Zukunft festhalten und hoffe, mich auch fernerhin der mir gewordenen Auszeichnung w\u00fcrdig zu erweisen.<br \/>\nIch habe die Ehre, Sie Herr Pr\u00e4sident, zu begr\u00fc\u00dfen und zeichne mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochsch\u00e4tzung als<br \/>\nIhr sehr ergebener<br \/>\n[gez.] Alfred Staackmann<a href=\"#_ftn25\"><sup>[25]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Knapp vier Jahre sp\u00e4ter, im Mai 1933, feierte Alfred Staackmann seinen 60. Geburtstag, und seine getreuen Autoren waren geschlossen der Ansicht, man sollte ihn auf besondere Weise ehren. Nur war es gerade jetzt mit der politischen Ruhe des Jahres 1929 sowie zwischen Hitler- Deutschland und Dollfu\u00df-\u00d6sterreich vorbei. Zur Erinnerung: Bundeskanzler Dollfu\u00df drohte angesichts des wachsenden NS-Terrorismus und der Propaganda der NSDAP f\u00fcr die Gleichschaltung \u00d6sterreichs mit dem Deutschen Reich, die Frage vor den V\u00f6lkerbund zu bringen. Als Antwort darauf erlie\u00df die Deutsche Reichsregierung am 1.6.1933 das Reichsgesetz \u00fcber die Beschr\u00e4nkung der Reisen nach \u00d6sterreich (Tausendmarksperre), was f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Fremdenverkehr verheerende Folgen haben mu\u00dfte. Darauf (19.6.1933) wurde die NSDAP (Hitler-Bewegung) in \u00d6sterreich verboten. Die Zeit schien also nicht gerade g\u00fcnstig, einen prominenten Exponenten des deutschen Geisteslebens nach \u00d6sterreich zu einem Ehrendoktorat einzuladen. Das Vorspiel zur Verleihung nahm folgenden Verlauf: Die \u201eAktion Ehrendoktorat f\u00fcr Staackmann\u201c begann Anfang 1933 wohl damit, da\u00df s\u00e4mtliche lebende \u00f6sterreichische Autoren des Verlags den Wunsch \u00e4u\u00dferten, Staackmann eine Ehrung zu bereiten, \u201ewelche das Gef\u00fchl unausl\u00f6schlicher Dankbarkeit und ungetr\u00fcbter Verehrung f\u00fcr diesen unvergleichlichen Freund und Wegbereiter des \u00f6sterreichischen Geisteslebens zum Ausdruck bringt\u201c.<a href=\"#_ftn26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> Als Kontaktmann zur Universit\u00e4t Innsbruck diente Autor Rudolf Greinz in Tirol. Schon am 6. M\u00e4rz 1933 setzte das Professorenkollegium der Phil. Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck einen Ausschu\u00df ein, um die Angelegenheit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Voraussichtlicher Termin der Promotionsfeier: Juni 1933. Antragsteller in der Fakult\u00e4t und Ausschu\u00dfmitglied war Staackmann-Wortf\u00fchrer und Junggermanist Moriz Enzinger. Hierauf setzte sich der Ausschu\u00df mit der \u00d6sterreichischen Gesandtschaft in Berlin in Verbindung, um sozusagen von au\u00dfen die Entscheidung in Wien zu beeinflussen. Gesandter Stephan Tauschitz schrieb dem Akademischen Senat der Universit\u00e4t einige Tage, bevor er das Ausw\u00e4rtige Amt in Wien dar\u00fcber informierte, am 7. 4. 1933, er bef\u00fcrworte \u201eauf das nachdr\u00fccklichste das Ersuchen der genannten \u00f6sterreichischen Autoren um Verleihung des Ehrendoktorats der Philosophie an Herrn Staackmann\u201c. <a href=\"#_ftn27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> Eine solche Promotion schien Tauschitz \u201edurch die unverg\u00e4nglichen Verdienste Staackmanns um das \u00f6sterreichische Geistesleben ebenso gerechtfertigt\u201c zu sein, \u201ewie sie geeignet w\u00e4re, eine sowohl in geistiger wie wirtschaftlicher Hinsicht \u00fcberaus wesentliche Beziehung zwischen \u00d6sterreich und dem Reich auch f\u00fcr die Zukunft zu festigen und zu vertiefen\u201c (ebda.). Dem Bundeskanzleramt (Ausw. Angelegenheiten) teilte er am 11.4. mit, Staackmann habe \u201esich in einer Zeit, in der sich die Mehrzahl der gro\u00dfen Verleger im Reich den \u00f6sterreichischen Autoren versagte, zum Wegbereiter und Verk\u00fcnder der \u00f6sterreichischen Eigenart deutscher Dichtung gemacht\u201c<a href=\"#_ftn28\"><sup>[28]<\/sup><\/a> , und ersuchte um Ber\u00fccksichtigung des Antrags. Das Au\u00dfenamt hatte keine Bedenken und schlo\u00df sich der \u00c4u\u00dferung des Gesandten Tauschitz, der mit Staackmann pers\u00f6nlichen Kontakt aufnahm, an. Nur das Unterrichtsministerium konnte zu wenig Begeisterung aufbringen, um auch von sich aus \u201eingerent\u201c zu werden. Die Argumente: Staackmann sei 1929 \u201ein gen\u00fcgender Weise gew\u00fcrdigt\u201c werden, so da\u00df das Ehrendoktorat \u201eeiner \u00f6sterr. Universit\u00e4t kaum in Betracht gezogen werden k\u00f6nnte.\u201c Au\u00dferdem habe Staackmann seit der letzten \u00f6sterreichischen Auszeichnung \u201ekaum so bedeutende neue Verdienste erworben, (&#8230;) da\u00df diese besonders hohe Auszeichnung f\u00fcr ihn nunmehr in Frage kommen k\u00f6nnte\u201c. So noch die vorherrschende Meinung des Ministeriums im April, doch es blieb dem Professorenkollegium in Innsbruck am 15. Mai und dem akademischen Senat am 24. Mai unbenommen, den Antrag auf Verleihung des Ehrendoktorats an Staackmann zu genehmigen. Am 26. Mai 1933 wurde der Antrag an das Ministerium in Wien mit dem Ersuchen um Bef\u00fcrwortung weitergeleitet.<\/p>\n<p>Bevor wir die weiteren Entwicklungen referieren, scheint es wichtig zu sein, zum Verst\u00e4ndnis des Stellenwerts der Literatur des Staackmann-Verlags in akademischen Kreisen im \u00d6sterreich der 30er Jahre einen l\u00e4ngeren Auszug aus dem Ausschu\u00dfantrag vom 9. Mai 1933, der mit sieben Unterschriften, darunter der Enzingers, versehen ist, zu zitieren:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Alfred Staackmann begann seine Verlagst\u00e4tigkeit in Leipzig zun\u00e4chst in bescheidenen Grenzen. Er hatte aber dann den Mut, die Werke Roseggers zu verlegen und veranstaltete schlie\u00dflich von diesem Schriftsteller sogar eine sch\u00f6ne Gesamtausgabe. Das war zu jener Zeit nut gro\u00dfem Risiko verbunden, denn im Reich lautete die Parole: Austriaca non leguntur. Bald nahm er immer mehr \u00f6sterreichische Dichter in Verlag, so da\u00df man ruhig sagen kann, da\u00df er fast die H\u00e4lfte der \u00f6sterreichischen Literatur der letzten 30-40 Jahre gemacht hat. So manches Werk, das sonst den Weg an die \u00d6ffentlichkeit nur schwer gefunden h\u00e4tte, so mancher Dichter, der sonst kaum Beachtung gefunden h\u00e4tte, wurde durch ihn weit verbreitet. Im Laufe der Zeit hat Staackmann eine namhafte Liste \u00f6sterreichischer Dichter und Schriftsteller verlegt, aus der die wichtigsten Namen angef\u00fchrt seien: Die Wiener Ertl, Wildgans, Schreyvogl, die Deutschb\u00f6hmen Watzlik, Strobl, Hohlbaum, Ginzkey, Rainalter, die Steirer Rosegger und Bartsch, die Tiroler Sch\u00f6nherr und Greinz und der Banater Schwabe Adam M\u00fcller-Guttenbrunn.<br \/>\nBei der eigenartigen Stellung, die die \u00f6sterreichische Literatur im Bereich der gesamtdeutschen einnimmt, (\u00f6sterreichische Dichter werden au\u00dferhalb der Grenzpf\u00e4hle bis auf wenige Ausnahmen kaum gelesen, man braucht nur an das Beispiel Grillparzer zu erinnern, \u00f6sterreichische Verleger drangen im Reich nicht durch), bei dieser eigenartigen Stellung hat sich Alfred Staackmann um die \u00f6sterreichische Literatur Verdienste erworben, die man schon heute als hervorragend bezeichnen mu\u00df. Er hat der modernen \u00f6sterreichischen Literatur im Reiche erst den Boden bereitet und ihr Geltung und Anerkennung verschafft. So ist vom rein literarischen Standpunkt die T\u00e4tigkeit des Verlegers Staackmann w\u00e4rmstens zu begr\u00fc\u00dfen und zu w\u00fcrdigen.<br \/>\nAber auch die nationale Seite der Frage darf nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Was allein das Werk Adam M\u00fcller-Guttenbrunns f\u00fcr das Deutschtum in Ungarn bedeutete, ist heute allgemein bekannt. Die Deutschen f\u00fchlten sich wieder als Deutsche, fanden einen nationalen R\u00fcckhalt und bewahrten ihr Deutschtum, ja begannen es nun erst recht zu pflegen.<br \/>\nUnd in B\u00f6hmen lagen die Dinge \u00e4hnlich. Auch hier hat sich Staackmann als ein Freund und F\u00f6rderer der deutschen Literatur bew\u00e4hrt.<br \/>\nAus diesem Grunde sieht sich der Ausschu\u00df veranla\u00dft, an die Fakult\u00e4t mit dem Vorschlag heranzutreten, man m\u00f6ge Herrn Alfred Staackmann anl\u00e4\u00dflich seines 60. Geburtstages wegen seiner bedeutenden Verdienste um die neuere \u00f6sterreichische Literatur das Ehrendoktorat verleihen.<br \/>\nInnsbruck, am 9. Mai 1933.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Herren Germanistik-Professoren in Innsbruck lag also zwischen Grillparzer und den Staackmann-Autoren in \u00d6sterreich nichts Nennenswertes, woraus hervorgeht, da\u00df die Kunde von den \u00fcber drei Dutzend \u00f6sterreichischen Autoren im S. Fischer Verlag nicht nach Innsbruck vorgedrungen ist.<\/p>\n<p>Doch hatte es inzwischen die bereits erw\u00e4hnten politischen Ereignisse gegeben, und au\u00dferdem geht aus den Akten hervor, da\u00df Staackmann-Autor Guido Zernatto gegen eine Verleihung aufgetreten war. Grunds\u00e4tzlich und letzten Endes bef\u00fcrwortete das Unterrichtsministerium die Verleihung, wie Rudolf Greinz seinem Freund, dem Rektor der Universit\u00e4t Innsbruck, am 16. Juni mitteilte:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Sache ist im zustimmenden Sinn erledigt, vom Minister aber noch nicht unterschrieben und wird vorl\u00e4ufig liegen gelassen, da man den Zeitpunkt f\u00fcr eine solche Ehrung im Augenblick einer solchen politischen Hochspannung zwischen \u00d6sterreich und Deutschland nicht f\u00fcr g\u00fcnstig h\u00e4lt. Der Akt wird aber in \u201ewohlwollender Evidenz\u201c gehalten und sobald dies \u201eopportun\u201c erscheinen wird, vom Minister unterschrieben und dem Au\u00dfenamt weitergegeben werden.<a href=\"#_ftn29\"><sup>[29]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Greinz meinte sogar, dies k\u00f6nnte \u201ewirklich noch in diesem Semester\u201c oder \u201egar zu Beginn des Wintersemesters erfolgen\u201c. Er t\u00e4uschte sich. Laut Aktenvermerk des BMU vom 22. Juni m\u00fcsse man sich nun fragen, \u201eob unter den gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnissen die Verleihung des Ehrendoktorats einer \u00f6sterreichischen Hochschule von dem genannten Verleger in Leipzig (&#8230;) tunlich erscheint\u201c.<a href=\"#_ftn30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> Wenige Tage nach dem Verbot der NSDAP in \u00d6sterreich war sie wohl nicht \u201etunlich\u201c. Greinz wu\u00dfte auch am 8. Juli anderes zu berichten:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Soeben erhielt ich von meinem Verleger und treuen Freund die Nachricht, da\u00df die Regierung in Wien gesonnen sei, die erforderliche Unterschrift zu seiner Ehrenpromotion an der Innsbrucker Universit\u00e4t zu geben.<a href=\"#_ftn31\"><sup>[31]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Nur war der Bruder Alfred Staackmanns, Wilhelm, \u201edieser Tage\u201c gestorben, was ihn verhindert h\u00e4tte, an der Feier teilzunehmen. Die Sache schlief dann ein, aber aufgeschoben war nicht aufgehoben &#8230; Greinz blieb am Ball, die Professoren in Innsbruck auch: im Juni 1936, also drei Jahre sp\u00e4ter, wurde an eine Wiederaufnahme der Angelegenheit des Ehrendoktorats f\u00fcr Staackmann gedacht. Wodurch das erneuerte Interesse motiviert war und ob mit der bevorstehenden Unterzeichnung des \u201eJuli-Abkommens\u201c ein Zusammenhang bestand, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall war das BM f\u00fcr Unterricht unter Hans Pernter nun \u201egeneigt\u201c, der Verleihung die Zustimmung zu erteilen. Mitte September 1936 lag die Sache noch unerledigt im Ministerium \u2013 meinte man jedenfalls \u2013 und neben anderen war auch der zu Ehrende, Staackmann, der zum 70. Geburtstag von Rudolf Greinz am 16. August in Innsbruck weilte, etwas ungehalten; oder, wie es in einem Brief von Prof. A. R. Franz an den Rektor der Universit\u00e4t Innsbruck am 18. September hei\u00dft, sei Staackmann \u201e\u00fcber die neue Verz\u00f6gerung, da doch der Friedensschlu\u00df mit Deutschland die Sache nur noch beg\u00fcnstigt haben sollte, sehr betroffen, wurde sich aber andererseits, wenn die Sache doch zustande k\u00e4me, unendlich freuen\u201c. <sup><a href=\"#_ftn32\">[32]<\/a> <\/sup>Doch unbekannterweise war die Genehmigung schon am 1. September erteilt worden. Mittlerweile wurde hinter den Kulissen mit Inszenierungspl\u00e4nen begonnen. Ob Zernatto der Feier beiwohnen w\u00fcrde, blieb ein Fragezeichen. Staackmann wollte seinen Aufenthalt in \u00d6sterreich anl\u00e4\u00dflich der Promotion dazu ben\u00fctzen, mit Zernatto in dessen Eigenschaft als Verlagsautor und als Buchh\u00e4ndler \u201eeine wichtige gesch\u00e4ftliche Besprechung abzuhalten\u201c.<\/p>\n<p>Die Promotionsfeier fand am 7. November 1936 statt. Neben den \u00fcblichen Honoratioren und \u201eStaackm\u00e4nnern\u201c waren \u00fcbrigens alle farbtragenden akademischen Verbindungen ohne Unterschied ihrer Einstellung in Couleur zugegen. Staatssekret\u00e4r Zernatto kam aber nicht, sondern lie\u00df sich durch Staatsrat Dr. h.c. Franz Karl Ginzkey vertreten.<\/p>\n<p>Zeugnischarakter haben die zwei Hauptreden, die anl\u00e4\u00dflich der Feier gehalten wurden. W\u00fc\u00dfte man nicht im vorhinein, worum es sich handelte, k\u00f6nnte jemand, der sich dorthin verirrt hatte, gemeint haben, bei der Jahresversammlung der Botaniker oder des Bauernbundes zugegen zu sein. Halten wir zun\u00e4chst fest, da\u00df laut Urkunde die Verleihung \u201eIn W\u00fcrdigung seiner Verdienste um das Schrifttum \u00d6sterreichs und des Grenzlanddeutschtums\u201c erfolgte. Denn \u201eDeutschtum\u201c wurde bei der Feier in Innsbruck etwas \u00fcberstrapaziert. Die Laudatio hielt Rektor Dr. A. Schmitt, und f\u00fcr ihn war der Staackmann-Verlag das lebende Beispiel der stammesgeschichtlichen Literaturgeschichte. Hier Ausz\u00fcge aus seiner Rede:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es sei mir nun gestattet, die Bedeutung dieser Ehrung kurz hervorzuheben. Es k\u00f6nnte auffallen, da\u00df sie einem Nichtwissenschaftler gilt, einem Mann des praktischen Lebens. Das Bedenken h\u00e4tte einen Sinn, wenn der Beruf eines Verlegers wirklich nur eine technisch-kaufm\u00e4nnische Sache w\u00e4re. Es mag ja sein, da\u00df manchmal nur diese Seite gesehen wird, und man erkennt das am gespannten Verh\u00e4ltnis zwischen Autor und Verleger, wo der eine glaubt \u00fcbervorteilt zu werden, und der andere, zu gro\u00dfes Risiko zu tragen. Doch der Verlegerberuf hat eine weit wichtigere und tiefergreifende Seite, die ideale, die recht gepflegt, nicht nur f\u00fcr den Autoren [sic], sondern f\u00fcr die ganze Literatur und Kultur eines Volkes von einschneidender Bedeutung ist. Da ist dann auch das Verh\u00e4ltnis zwischen Verleger und Autor ein ganz anderes. Und da\u00df es in unserem Fall ein solch ideales Verh\u00e4ltnis war, zeigt am besten die Tatsache, da\u00df gerade die bei Staackmann verlegten \u00f6sterreichischen Dichter es waren, die sich um die Verleihung des Ehrendoktorates bem\u00fchten. Bleiben wir ein wenig bei dieser idealen Aufgabe des Verlegers. Literatur ist ein St\u00fcck geformtes Leben \u2013 und dieses vom Dichter geformte Leben soll wieder fortwirken \u2013 der Vermittler vom Autor zum Publikum ist der Verleger. Besonders Dichter sind wie die Blumen Sonnenkinder; sie brauchen die Sonne der \u00d6ffentlichkeit, um sich recht entfalten zu k\u00f6nnen, um ihrem Volk das sein zu k\u00f6nnen, was sie ihm sein wollen und sollen. Manch wertvolles Talent ist verk\u00fcmmert, well es zeitlebens im Winkel und im Schatten stehen mu\u00dfte, sich nicht allein zum frohen Lichte durchdringen konnte; manch andere haben wenigstens nicht den ihnen geb\u00fchrenden Platz erhalten. Es fehlte der kundige und liebevolle G\u00e4rtner, der sie aus dem Dunkel zum Lichte gef\u00fchrt h\u00e4tte. Da setzt nun die ideale Aufgabe des Verlags ein. Mit seinem Verst\u00e4ndnis mu\u00df er die wahren Talente erkennen und, da er ja nicht alle Gebiete pflegen kann, die rechte Auswahl treffen, mu\u00df ihnen den Platz an der Sonne anweisen, den sie brauchen; er mu\u00df mit dem geistigen Leben seines Volkes vertraut sein und mit Hilfe von Beratern sich immer mehr vertraut machen. Und nicht nur Vertrautheit ist n\u00f6tig, sondern eine heilige Begeisterung f\u00fcr die Literatur seines Volkes, eine Begeisterung, die ihn auch wagen und opfern l\u00e4\u00dft f\u00fcr das ideale Ziel. Und schlie\u00dflich mu\u00df er eine gro\u00dfe Verantwortung tragen in moralischer, politischer und \u00e4sthetischer Hinsicht.<br \/>\nDas sind die Eigenschaften, das ist die geistige Arbeit, die heute geehrt werden soll. Denn Staackmann hat diese Aufgabe f\u00fcr eine ganze Reihe von \u00f6sterreichischen Dichtern geleistet. Er hat ihnen zur Verbreitung im deutschen Reich verholfen, und das zu einer Zeit, wo \u00f6sterreichische Autoren im Reiche nicht durchdrangen, sei es, da\u00df der \u00f6sterreichische Verlag zu eng begrenzt war, sei es, da\u00df man damals nach dem Spruch handelte \u201eAustriaca non leguntur\u201c.<br \/>\nIch kann hier nur eine Auswahl von Dichtern bringen, die durch Staackmann gef\u00f6rdert wurden. Einer der ersten die auf diesen Verlag \u00fcbergingen und so weitere Verbreitung fanden, war Rosegger, neben dem Steirer Rosegger dann Rudolf Hans Bartsch, die Wiener Emil Ertl, Anton Wildgans, Theodor Heinrich Mayer, Friedrich Schreyvogl, der Nieder\u00f6sterreicher Hans Sterneder, die K\u00e4rntner Gustav Renker und Guido Zernatto, der Krainer Friedrich v. Gagern, von den Sudetendeutschen Franz Karl Ginzkey, Rudolf Haas, Robert Hohlbaum, Karl Hans Strobl, und des B\u00f6hmerw\u00e4lders Hans Watzlik und nicht zuletzt die Tiroler Rudolf Greinz und Karl Sch\u00f6nherr.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nFast alle B\u00fccher dieser Autoren zeigen engen Zusammenhang mit der Landschaft, der sie entstammen, sind keine Gro\u00dfstadtsch\u00f6pfungen, sondern spiegeln die Naturverbundenheit des \u00d6sterreichers. So hat der Verleger nicht nur die Dichter selbst im Reiche bekanntgemacht, sondern auch das Verst\u00e4ndnis der \u00f6sterreichischen Eigenart kr\u00e4ftig gef\u00f6rdert. Sein Verdienst liegt also nicht nur in der F\u00f6rderung der einzelnen Autoren, sondern auch darin, da\u00df er die \u00f6sterreichische Art, \u00f6sterreichische Natur-Landschaftsverbundenheit bekannt gemacht, f\u00fcr das Grenzlanddeutschtum gewirkt und vor allem dazu beigetragen hat, da\u00df die Bewohner der beiden deutschen Staaten, wenn sie auch in der Politik die von ihrer Mission gewiesenen Wege gehen, doch in kulturellen Belangen sich gegenseitig verstehen, sch\u00e4tzen und lieben gelernt haben.<br \/>\nSo wird sich nun niemand mehr wundern, da\u00df diese \u00f6sterreichischen Dichter, um in einem Bilde zu sprechen, je ein Reis aus ihrem Lorbeerkranz nahmen, um daraus einen neuen Kranz zu winden, um ihn ihrem G\u00f6nner und F\u00f6rderer in Form des Ehrendoktorates aufs Haupt setzen zu lassen. Und well sie zum gro\u00dfen Tell in der Alpenwelt verhaftet sind, war es nur nat\u00fcrlich, da\u00df sie an eine alpenl\u00e4ndische Universit\u00e4t herantraten mit der Bitte, diesen Wunsch zu verwirklichen. Die philosophische Fakult\u00e4t ist diesem Wunsche entgegengekommen, und nachdem das Bundesministerium f. Unterricht seine Zustimmung gegeben, habe ich nur noch die angenehme Pflicht, Herrn Staackmann zu dieser Ehre zu begl\u00fcckw\u00fcnschen. M\u00f6ge es ihm verg\u00f6nnt sein, noch lange in diesem idealen Sinn zu arbeiten und m\u00f6ge er unserem \u00d6sterreich und der Innsbrucker Universit\u00e4t ein freundliches Andenken bewahren.<a href=\"#_ftn33\"><sup>[33]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Rektor seine Bilder aus dem Bereich der G\u00e4rtnerei holte (Autor-Verleger = Blume, Sonnenkind \u2013 liebevoller G\u00e4rtner) appellierte Staackmann an alpenl\u00e4ndische Gef\u00fchle, bem\u00fchte sich, kein Bundesland auszulassen, wobei \u201edas liebe Land Tirol und deren Menschen\u201c besonders hervorgestrichen wird. Tirol nehme \u201eeinen \u00fcberragenden Platz\u201c ein. \u201eUnd das leidvoll geliebte Land im S\u00fcden, der Garten Gottes, hat in zahlreichen gro\u00dfen Werken einen immer aufs neue ergreifenden Niederschlag gefunden, w\u00e4hrend der Vogelweider und Andreas Hofer, jeder in seiner Art, das Deutschtum durch Lied and Tat versinnbildlichen.\u201c Staackmann variiert das Bild des \u201eliebevollen G\u00e4rtners\u201c mit dessen pflegebed\u00fcrftigen \u201eSonnenkindern\u201c und \u201eBlumen\u201c: er sieht sich als \u00dcberbringer der norddeutschen Erde in das Alpenland hinein:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die landschaftliche Sehnsucht des Norddeutschen gilt dem S\u00fcden. Aber nicht Italien allein, das ewige und zumeist unheilvolle lockende Ziel schon der alten Germanen ist es, nach dem sich diese Sehnsucht dr\u00e4ngt \u2013 auf dem Wege zwischen dem Norden und Italien stehen die Alpen, die herrlichen gewaltigen Berge und diese Berge sind es, die mit magnetischer Kraft immer und immer wieder den Nordmenschen anziehen. Das Deutschtum der Alpenl\u00e4nder, die ehrw\u00fcrdige Ostmark, die der Menschheit so unsagbar viel an kulturellen Werten geschenkt hat, hat auch von jeher in reger geistiger Verbindung zu den Br\u00fcdern im flachen Norden gestanden.<br \/>\n(&#8230;)<\/p>\n<p>Staackmann weiter:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, in diesem Rahmen die unendlich reichen Wechselbeziehungen der deutschen und \u00f6sterreichischen Dichtung aufzuz\u00e4hlen. Beide sind ja im Grunde eines, sind deutsche Dichtung im umfassenden Sinne, aber durch ihre jeweilige Gebundenheit an und Verbundenheit mit der Landschaft durchaus eigenwillige und selbst\u00e4ndige Kinder der Muse.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich und seine Dichtung best\u00fcnden also laut Staackmann blo\u00df aus den Bergen und Bundeslandliteratur. Und das kann er auch nachweisen. Was den Norddeutschen besonders reize, sei die Verbundenheit mit der Scholle, weg von einer \u201eherandr\u00e4ngenden anderen Kultur\u201c. Was Staackmann hier verschl\u00fcsselt meinte, wird seinen Zuh\u00f6rern klar gewesen sein. Die \u00d6sterreicher seien ja Menschen der Berge:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Wenn die Dichtung des deutschen Alpenlandes \u00d6sterreich immer ihre gro\u00dfe Freundesschar im Deutschland des Nordens hatte, so liegt das in erster Linie an den neuen farbigen und lebendigen Bildern der Erde, die uns Norddeutschen diese Dichtung vermittelte. Die Sehnsucht nach der gro\u00dfartigen Formenf\u00fclle und landschaftentsprungenen Ausdruckskraft der Alpen gebar im Deutschen des Nordens eine gro\u00dfe Liebe f\u00fcr die Berge und ihre Menschen und diese Liebe mu\u00dfte dort am tiefsten Wurzel schlagen, wo sich die Menschen der Berge bewu\u00dft und unabl\u00e4ssig zum Deutschtum bekannten, sich nicht in einem farblosen Internationalismus und in eine schwer verst\u00e4ndliche Verbr\u00fcderung mit anderen Nationen begaben, sondern stolz darauf waren Deutsche zu sein, Deutsche in dem Sinne, dem deutschen Kulturkreis anzugeh\u00f6ren und an dessen Entwicklung mitschaffen zu k\u00f6nnen. Diese Menschen der Berge sind aber vor allem, von Bayern abgesehen, nur die \u00d6sterreicher!<\/p>\n<p>Und nun geht es in der Rede Staackmanns auf BundesI\u00e4ndertournee: erste Station ist die Steiermark!<\/p>\n<p class=\"zitat\">Aber es war ein guter Stern, unter dem mein Vater zum ersten Male die H\u00e4nde \u00fcber die politische Grenze ins alpendeutsche Bruderland hin\u00fcberstreckte. Und dieser gute Stern hie\u00df: Peter Rosegger. Mit ihm, einem der ganz Gro\u00dfen des \u00f6sterreichischen Schrifttums, hatte der Verlag die erste und kraftvollste Bindung zu \u00d6sterreich hergestellt. Hier war ein St\u00fcck \u00d6sterreich dem deutschen F\u00fchlen nahegebracht worden, das zum wertvollsten Schaffenskreis des deutschen Menschen \u00fcberhaupt geh\u00f6rte und f\u00fcr alle Zukunft geh\u00f6ren wird. Es ist wohl kein Zufall, da\u00df sich die deutsche Alpendichtung gerade in jenem Lande zu ihrer reichsten F\u00fclle fand, wo die Berge schon der ungarischen Tiefebene entgegen verflachen und die deutsche Art und Sprache vom ungarischen Kulturkreis abgel\u00f6st wird. Kein Zufall, denn \u00fcberall in deutschen G r e n z l a n d e n, sei es nun im S\u00fcden, Norden, Osten oder Westen, erw\u00e4chst dem germanischen Kulturwillen aus dem Gegensatz zur herandr\u00e4ngenden anderen Kultur h\u00f6chste Kraft und Wille zur Abwehr. In Peter Rosegger hatte dieser deutsche Grenzgeist st\u00e4rksten Ausdruck gefunden, ohne da\u00df er vom Dichter selbst jemals auch nur im Entferntesten betont worden w\u00e4re. Roseggers Heimat ist letztes deutsches Land im Osten und durch die Dichtung zugleich das \u00d6sterreich der norddeutschen Sehnsucht geworden. (&#8230;)<\/p>\n<p class=\"zitat\">Die Steiermark ist f\u00fcr Staackmann \u00fcberhaupt ein friedliches St\u00fcck deutscher Erde:<\/p>\n<p>\u201eAus ihrer Landschaft sollt ihr sie erkennen\u201c, darf ich da wohl sagen, ob ich nun von der Steiermark des S\u00fcdens, von der Schwermut des Herbstes in dem slawennahen Land der Weing\u00e4rten oder von Steiermarks Hauptstadt spreche, in deren alten Gassen und bunten Garten sich Nord und S\u00fcd des Landes zusammenfinden.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Station ist Wien, der Aufenthalt eher kurz:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Von Graz aus aber f\u00fchrt ein direkter Strang, f\u00fchrt die \u201eBahn \u00fcber den Berg\u201c, \u00fcber die H\u00fcgelwellen des Wiener Waldes, an jener St\u00e4tte vorbei, wo ein Eigenes um die Erkenntnis letzter g\u00f6ttlicher Dinge singt, nach der gewaltigen Residenz des Landes \u00d6sterreich, nach Wien. Es ist mir eine Freude und Erf\u00fcllungsteil meines Lebenswerkes, da\u00df alles, was an dieser schon etwas ostw\u00e4rts gerichteten, von vielen v\u00f6lkischen und rassischen Str\u00f6mungen durchzitterten Riesenstadt deutsch im Sinne aller gro\u00dfen Meister ist, seine Spiegelung durch in meinem Verlag erschienene Arbeiten erhalten hat. Zwar habe ich niemals versucht und auch gar nicht wagen k\u00f6nnen, dem Verlag eine wienerische Note in der allgemeinen Bedeutung dieses Wortes beizulegen. Aber in den durch den Verlag vertriebenen B\u00fcchern werden den mit Wien aufs engste verbundenen Musikheroen, wie Schubert und Beethoven, unverg\u00e4ngliche Denkm\u00e4ler gesetzt, erklingt in herrlich reinen T\u00f6nen \u201eEin ganzes himmlisches Orchester\u201c und wir erleben weiter in diesen B\u00fcchern auch jenes Wien, das seit Jahrhunderten Vorposten des Deutschtums war und dieses in heldenm\u00fctigen K\u00e4mpfen gegen aus dem Osten hervorbrechende fremde V\u00f6lker gesch\u00fctzt hat. Wir erleben Wien in der entz\u00fcckenden Biedermeierzeit und besitzen auch ein entz\u00fcckendes Dokument an jenes \u201egespenstische\u201c Wien aus den Jahren, die kurz nach dem Krieg folgten.<\/p>\n<p>Daneben gebe es \u2013 so Staackmann \u2013 \u201eaber \u00fcberhaupt kein Land des so reichen \u00d6sterreich, das nicht irgendwie auch mit dem Schaffen des Staackmann Verlages verbunden w\u00e4re\u201c. Salzburg habe ja seinen \u201egro\u00dfen Geist\u201c Mozart, und die Festung Hohensalzburg d\u00fcrfe man nicht vergessen.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Auch die Dichtung des stillsten der Alpenl\u00e4nder, K\u00e4rntens hat in meinem Verlag eine Heimat gefunden \u2013 das Land der dunklen Alpenseen mit ihrer Mystik, \u00fcberkr\u00f6nt von hohen Bergen, auf denen uralte Bauerngeschlechter im steten Kampf mit den Naturgewalten oder auch gegen den kriegerischen Ansturm fremder V\u00f6lker um die Heimat der V\u00e4ter ringen. K\u00e4rnten hat auch die deutsche Lyrik der letzten Jahre um eine erdhafte, starke, kostbare Frucht bereichert. (&#8230;)<\/p>\n<p>N\u00e4chste Station: Ober\u00f6sterreich:<\/p>\n<p class=\"zitat\">Aus den Gefilden Ober\u00f6sterreichs aber erhebt sich im Roman die Gestalt seines gr\u00f6\u00dften Sohnes, Anton B r u c k n e r, der heute unter der Orgel von St. Florian die letzte Ruhe h\u00e4lt.<a href=\"#_ftn34\"><sup>[34]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Endlich f\u00fchrt Staackmann der Weg nach Innsbruck (s.o.).<\/p>\n<p>Staackmann schm\u00fcckte sich im Reich noch gern mit seinem Dr. h.c. aus Innsbruck. Die n\u00e4chste Ehrung wegen besonderer Verdienste \u2013 die Goethe-Medaille \u2013 \u00fcberreichte ihm Adolf Hitler . . .<\/p>\n<h3>Anmerkungen<\/h3>\n<p><a name=\"_ftn01\"><\/a>[1] Quellenhinweise: AVA, BMU, Fasz. 2634, Gesch\u00e4ftszahl 41.374-1\/2\/1930, Gesch\u00e4ftszeichen 14-2; Grundzahl: Reclam; Universit\u00e4ts-Archiv, Universit\u00e4t Graz, Dek. Zl. 725 ex 1928\/29, 406 ex 1928\/29, 564 ex 1930\/31, 890 ex 1930\/31, 906 ex 1930\/31, 955 ex 1930\/31; <em>Anzeiger<\/em>, 72. Jg., Nr. 9, 27.2.1931, S. 46; ebenda, 69. Jg., Nr. 41, 12.10.1928, S. 200-201; ebenda, Jg. 1928, Nr. 40, 5.10.1928, S. 191-192.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn02\"><\/a>[2] Antrag an das BMU in Wien (Universit\u00e4ts-Archiv, Universit\u00e4t Graz). Verf. dankt Herrn Dr. Karl Wagner (Wien) f\u00fcr die \u00dcbermittlung der Unterlagen aus dem Universit\u00e4ts-Archiv in Graz.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn03\"><\/a>[3] Schreiben des Dekanats der philosophischen Fakult\u00e4t vom 10.12.1930 an das BMU in Wien. Zl. 564 ex 1930\/31.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn04\"><\/a>[4] Schreiben im Univ.-Archiv, Graz. Zl. 906 ex 1930\/31.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn05\"><\/a>[5] Auswahl der Quellenhinweise: AVA, Pr\u00e4sidentschaftskanzlei, Jahr 1929, Zahl 8306\/29; AVA, BMU, Gesch\u00e4ftszeichen: 14-2; Fasz. 2635, Gdzl. Staackmann, Gesch\u00e4ftszahl 11.582-1\/l, 66\/1933 sowie Gesch\u00e4ftszahl 15.047-1,1\/1933 sowie Gesch\u00e4ftszahl 22.008-1\/1\/1936; Universit\u00e4ts-Archiv, Universit\u00e4t Innsbruck, Akt Staackmann-Promotion. Verf. m\u00f6chte Herrn Univ.-Doz. Dr. Gerhard Oberkofler f\u00fcr die \u00dcbermittlung der umfangreichen Unterlagen zur Verleihung des Ehrendoktorats an Alfred Staackmann sehr herzlich danken. Der Einfachheit halber werden betreffende Unterlagen aus diesem Bestand mit \u201eArchiv Innsbruck&#8220; identifiziert: <em>60 Jahre L. Staackmann Verlag.<\/em> Leipzig 1929. Weitere Quellen werden an der betreffenden Stelle genannt. Anl\u00e4\u00dflich der 50jahrigen Wiederkehr der Verlagsgr\u00fcndung 1919 erschien die Schrift: <em>L. Staackmann Leipzig. Gedenkblatter zum 1. Oktober<\/em>.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn06\"><\/a>[6] Frdl. Mitteilung an den Verf. von Dr. Friedrich Vogel in Linden bei M\u00fcnchen (L. Staackmann Verlag KG) vom 19.7.82.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn07\"><\/a>[7] 60 Jahre Staackmann Verlag. Leipzig 1929, S. 6.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn08\"><\/a>[8] BC, Nr. 45, 6. 11. 1912, S. 642 f.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn09\"><\/a>[9] BC, Nr. 37, 10. 9. 1913, S. 496.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn10\"><\/a>[10] Bericht \u00fcber die Industrie, den Handel und die Verkehrsverh\u00e4ltnisse in Nieder\u00f6sterreich w\u00e4hrend des Jahres 1913. Dem k.k. Handelsministerium erstattet von der Handels- und Gewerbekammer in Wien. Wien 1914, S. 560. In den vorangehenden zwei Anmerkungen wurde nach dem Auszug aus dem betreffenden Bericht, der regelm\u00e4\u00dfig abgedruckt wurde, zitiert.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn11\"><\/a>[11] Anm. 7, S. 38.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn12\"><\/a>[12] Ebenda, S. 42.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn13\"><\/a>[13] Zu diesem Komplex siehe: KARL KRAUS. <em>Briefe an Sidonie Nadhern\u00fd<\/em>. M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1977 sowie <em>Die Fackel<\/em>, Nr. 398, Ende April 1914, 22-28 und ebda., Nr. 406-412 vom 5. Oktober 1915, S. 39-51.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn14\"><\/a>[14] ROBERT MUSIL. <em>Tageb\u00fccher<\/em>. Hg. Adolf Fris\u00e9. 2 B\u00e4nde. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1976, Band 1, S. 624.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn15\"><\/a>[15] ROBERT MUSIL. Der Anschlu\u00df an Deutschland. In: R.M. <em>Gesammelte Werke<\/em>. Hg. Adolf Fris\u00e9. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, Band 8, S. 1033-1042; hier S. 1037.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn16\"><\/a>[16] Der Verlag L. Staackmann. In: <em>\u00d6sterreichische Woche<\/em> (Wien), 1. Jg., Heft 37, 14.12.1924, S. 10-12; bes. S. 10. Aufgenommen wurden Fotos von mehreren \u201eStaackm\u00e4nnern\u201c sowie Kurzanzeigen von diversen Werken.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn17\"><\/a>[17] Alfred Staackmann. In: <em>Der getreue Eckart<\/em> (Wien), Jg. 7, 1929\/30, Band 1, S. 178-179; hier S. 178f.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn18\"><\/a>[18] Dr. E. STARKLOFF, Im Kampf um nationales Schrifttum. Dem deutschen Verleger Alfred Staackmann zu seinem 60. Geburtstag. In: <em>Heimgarten<\/em>, 57. Jg., 10. Heft, 20. 5.1933, S. 303-304; bes. S. 303. In diesem Zusammenhang wird auf eine W\u00fcrdigung durch \u201eH.L.R.&#8220;, d.i. Hans Ludwig Rosegger in <em>Roseggers Heimgarten<\/em>, 44. Jg., 1. Heft, Oktober 1919, S. 46 f. sowie auf den Aufsatz \u201eErinnerungen an Peter Rosegger\u201c von Alfred Staackmann in: <em>Heimgarten<\/em>, 57. Jg., 15. Heft, 29.7.1933, S. 460-462 hingewiesen.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn19\"><\/a>[19] <em>V\u00f6lkischer Beobachter<\/em>. Wiener Ausgabe, Nr. 65, Do., 6. 3. 1941, S. 5.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn20\"><\/a>[20] <em>V\u00f6lkischer Beobachter<\/em>. Wiener Ausgabe, Nr. 274, So., September 1939, S. 6.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn21\"><\/a>[21] Dazu u.a.: Wilhelm Staackmann \u2013 50 Jahre alt. In: <em>Anzeiger<\/em>, Jg. 1927, Nr. 15, 15.4.1927, S. 99, und \u201eSchuberthaus-75 Jahre\u201c. Ebda., 70. Jg., Nr. 39, 27.9.1929, S. 241 f.; Wilhelm Staackmann \u2013 20 Jahre Musikalienh\u00e4ndler. In: <em>Anzeiger<\/em>, Jg. 1927, Nr. 35, 2.9.1927, S. 204.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn22\"><\/a>[22] Siehe Anm. 14, Band 1, S. 684. Weitere Hinweise: <em>Die Neue Literatur<\/em>, 32. Jg., Oktober 1929-September 1930, S. 306; <em>Die sch\u00f6ne Literatur<\/em>, Heft 1, Januar 1930, S. 63.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn23\"><\/a>[23] Die folgende Darstellung entstammt folgender Quelle: AVA, Pr\u00e4sidentschaftskanzlei, Jahr 1929, Zahl 8306\/1929. Alle diesbez\u00fcglichen Aktenst\u00fccke sind unter dieser Zahl zusammengefa\u00dft. Gegenstand: Verleihung des goldenen Ehrenzeichens f\u00fcr Verdienste um die Republik.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn24\"><\/a>[24] Ebenda. \u201eTabelle f\u00fcr einen Dekorierungsantrag des Bundeskanzlers (mit Zustimmung des Ministerrates vom 21. X. 1929)\u201c.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn25\"><\/a>[25] Im <em>Anzeiger<\/em>, 70. Jg., Nr. 48, 29.11.1929, S. 296 ist ein Schreiben Staackmanns auf die Gluckw\u00fcnsche des Vereins der \u00f6sterreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienh\u00e4ndler wledergegeben. Weitere Quellen zur Verlagsgeschichte: 60 Jahre Verlag Staackmann. In: <em>Anzeiger<\/em>, 70. Jg. , Nr. 41, 11.10.1929, S. 254; <em>Festnummer der \u00d6sterr.-ungarischen Buchh\u00e4ndler-Correspondenz<\/em>, III. Teil, S. 16, Wien 1910.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn26\"><\/a>[26] Zitiert nach einem Schreiben des Gesandten Tauschitz an das BKA (AA) vom 11.4.1933. Liegt bei AVA, BMU, Fasz. 2635, Zl. 11582-1, 66\/1933.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn27\"><\/a>[27] Ebendort.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn28\"><\/a>[28] Ebendort.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn29\"><\/a>[29] Schreiben Rudolf Greinz, Aldrans bei Innsbruck. Ansitz Rosenegg vom 16.6.1933. (Archiv Innsbruck) Wenn nicht anders vermerkt, stammen alle zitierten Unterlagen aus diesem Bestand.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn30\"><\/a>[30] AVA, BMU, Fasz. 2635, Zahl 15.047-I, 1\/1933. Handschr. Vermerk vom 22. Juni 1933.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn31\"><\/a>[31] Akt Archiv Innsbruck.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn32\"><\/a>[32] Schreiben im Akt Archiv Innsbruck.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn33\"><\/a>[33] Der vollst\u00e4ndige Text dieser Rede findet sich im Akt Ehrendoktorat Staackmann im Archiv Innsbruck. Ein von einem Insider gestalteter Bericht \u00fcber die bevorstehende Promotion findet sich in <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, 83. Jg., Nr. 251, Fr., 30.10.1936, S. 9. Er stammt von Prof. A.R. Franz. Ein weiterer Bericht \u00fcber die Promotion erschien in: <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, Nr. 259, 7.11.1936 sowie in <em>Neueste Zeitung<\/em> (Innsbruck), Nr. 258, 7.11.1936, S. 2.<\/p>\n<p><a name=\"_ftn34\"><\/a>[34] Der Wortlaut dieser Staackmann-Rede erschien unter dem Titel \u201eEin Preislied \u00d6sterreichs aus dem Munde eines deutschen Verlegers\u201c in: <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, 83. Jg., Nr. 259, Mo., 9.11.1936, S. 5.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EHRENDOKTORATE \u00d6STERREICHISCHER UNIVERSIT\u00c4TEN F\u00dcR REICHSDEUTSCHE VERLEGER Im folgenden soll auf zwei reichsdeutsche Verlage, die in \u00d6sterreich zwar keine eigene Vertretung (Niederlassung) unterhielten, jedoch was Absatz und Verbreitung betrifft, eine dominierende Stellung auf dem Belletristikmarkt hatten, eingegangen werden. lm Mittelpunkt steht weniger eine ausf\u00fchrliche Geschichte dieser Unternehmen, was sowieso nicht zum\u2026<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/?page_id=693\"><span>Continue reading<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-693","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/693","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=693"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/693\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1618,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/693\/revisions\/1618"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/verlagsgeschichte.murrayhall.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=693"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}