Amonesta-Verlag

Amonesta-Verlag (Wien-Berlin-Leipzig)
Verlag für Kulturforschung (Wien-Leipzig)
Hagenberg-Verlag (Wien)
Zinnen-Verlag (Wien)

Die vier in der Überschrift genannten Verlage werden auf Grund der personellen Verflechtungen und fließenden Grenzen zwischen den einzelnen (protokollierten wie nicht protokollierten) Firmen als ein Komplex behandelt, obwohl der „Verlag für Kulturforschung“ streng genommen kein belletristischer Verlag war.

Verlag für Kulturforschung Amonesta & Co. [1]

Amonesta SignetDer Verlag für Kulturforschung, der in Anlehnung an das „Institut für Sexualforschung“ des Magnus Hirschfeld errichtet wurde, brachte sein erstes Werk bereits 1925 auf den Markt, hatte sein gewerberechtliches Fundament in der Konzession des August Amonesta sen. (4.2.1854-4.3.1932, Wien) und seine Betriebsstätte in Wien 4, Margaretenstraße 7. Dieser Verlag war eine Gesellschaft, die aus den Herren August Amonesta jun. (* 2.9.1893), Leo Schidrowitz (* 20.3.1894, Wien) und Dr. jur. Gustav Ullmann (* 20.10.1898, Wien) bestand.

Aber erst nach der Ankündigung einer Standortverlegung nach 1., Kohlmarkt 7 im Börsenblatt am 12.11.1927 wurde die Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienhändler und folglich auch die Gewerbebehörde auf das Verlagsunternehmen aufmerksam gemacht, denn der genannte Verlag besaß keine Konzession (für diesen Standort), was so viel wie unbefugte Gewerbeausübung bedeutete.

Am 19. Dezember 1927 wurde der Verlag für Kulturforschung im Namen des Geschäftsführers Dr. Gustav Ullmann bei der Standesvertretung inkorporiert. Einige Monate später wurde beim Mag. Bezirksamt um eine Konzession für den Verlagsbuchhandel mit Ausschluß des offenen Ladengeschäftes angesucht, die dann erst im Februar 1929 verliehen wurde. In der Anmeldung der OHG „Verlag für Kulturforschung Amonesta & Co.“ an das Handelsgericht wurde erklärt, „daß der Umfang des Unternehmens (…) den Rahmen eines Kleingewerbes überschreiten und den Charakter eines Großhandels haben“ werde. [2] Offene Gesellschafter waren Amonesta, Schidrowitz und Ullmann.

Über den Firmennamen schrieb die Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie in Wien in ihrem Gutachten vom 20. November 1928 u.a. folgendes:

Das Unternehmen beabsichtigt, Werke aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen der kulturgeschichtlichen Forschung zu edieren und in den Verkehr zu bringen. Der Verlag, welcher seine Tätigkeit bereits aufgenommen hat, befaßt sich derzeit mit der Herausgabe einer auf 12 Bände berechneten Sittengeschichte der Kulturwelt und deren Entwicklung. Die Bezeichnung „Verlag für Kulturforschung“ erscheint begründet, da zu den Mitarbeitern dieser Publikationen namhafte Persönlichkeiten auf dem Forschungsgebiete der Kulturgeschichte gehören. [3]

Am 23. November 1928 schließlich wurde die Firma unter Register A, Band 58, pagina 225a ins Wiener Handelsregister eingetragen. Die Korrespondenz zwischen Verlag und Korporation 1929-1935 zeigt, daß die Wirtschaftskrise und die Absatzflaute dem Unternehmen schwer zu schaffen machten. Streitpunkt war immer wieder die Höhe des jährlichen Korporationsbeitrages, die „als zu hoch gegriffen“ schien.

In einem Schreiben 1932 an die Korporation heißt es zum Geschäftsgang des Verlags:

Wir haben durch die deutschen und österreichischen Insolvenzen vom 1. Juli 1931 angefangen derartige Verluste erlitten, daß wir nicht einmal in der Lage waren unseren Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachzukommen und derzeit einen schweren Kampf um unser Bestehen führen. Unsere Verluste erreichen eine Höhe von ca. S. 80.000.-, die bei der derzeitigen schlechten Geschäftslage auch nicht im entferntesten wettgemacht werden können. Wir haben unseren Personalstand auf die Hälfte reduziert und sind auch bei der Veranlagung der Erwerbs- und Einkommenssteuer auf eine bedeutend niedrigere Stufe als bis nun herabgesunken. [4]

Einige Monate später argumentierte der Verlag, „daß wir Ihnen als unserer Standesvertretung die triste Situation der Verleger und des gesamten Buchhandels [nicht] vor Augen führen“ müssen. [5] Im folgenden Jahr ist der Korporationsbeitrag wiederum „viel zu hoch gegriffen“:

Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr derartige Verluste erlitten, daß unsere Bilanz reichlich ungünstig ausgefallen ist (…)[6]

Mitte Juli 1935 war das endgültige Aus für den Verlag für Kulturforschung. [7] Die Konzession der OHG wurde zurückgelegt, und am 11. Dezember 1935 schließlich wurde die Löschung der Firma aus dem Handelsregister beantragt. Diese erfolgte am 3. Jänner 1936.

Die Produktion

Wie eingangs erwähnt, kam das erste Verlagswerk, und zwar der erste Band der Serie Sittengeschichte der Kulturwelt und ihrer Entwicklung in Einzeldarstellungen (Sittengeschichte des Theaters), bereits 1925 auf den Markt. Herausgeber dieser Reihe war Leo Schidrowitz. Bis einschließlich 1930 erschienen zehn Bände dieser „Sittengeschichte“ samt „Ergänzungs-Werk“, während die zwei letzten geplanten Bände wohl aus Geldmangel nicht mehr erscheinen konnten. Hier die Kurztitel der erschienenen Folgen:

Sittengeschichte des Geheimen und Verbotenen.
– des Hafens und der Reise.
– des Intimen.
– des Intimsten.
– des Lasters.
— der Liebkosung und Strafe.
– von Paris.
– des Proletariats.
– der Revolution.
— des Theaters. [8]

Außerdem gab es andere Serien wie z.B. 1930-35 die 8bändige Reihe Die fünf Sinne. Ihre Einflußnahme und Wirkung auf die Sexualität des Menschen, die 5bändige Reihe Allmacht Weib. Erotische Typologie der Frau (1928-30), Dokumente zur Sexualforschung (1931), Die legitime Erotik, Die Weiberherrschaft (fünf Bände), Die Erotik in der Photographie, Bilderlexikon der Erotik usw.

Es erhebt sich nun die Frage, wie der Verlag für Kulturforschung mit der (österreichischen) Zensurbehörde ausgekommen ist. Wenn man die Tatsache berücksichtigt, daß der Verlag bereits Mitte 1935 de facto den Nicht-Betrieb anmeldete und schon früher zu produzieren aufhörte, so mag die Beschlagnahme einiger der oben erwähnten Werke erst 1936 in Österreich und vor allem 1937 überraschen. Bis dahin scheint der Verlag – zumindest in Österreich – mit den einschlägigen Gesetzen nicht in Konflikt gekommen zu sein. Erst 1937 und anläßlich einer Polizeiamtshandlung in einer Leihbücherei, die weitere Aktionen und eine Gerichtsverhandlung auslöste, wurden die diversen ‚Sittengeschichten“, die Reihe Die fünf Sinne und praktisch das ganze Programm des Verlags für Kulturforschung – ja insgesamt 21 Titel – nach einzelnen Gerichtsverhandlungen verboten. [9]

Daß die Verlagswerke im Verzeichnis der seit 1933 im Deutschen Reich verbotenen Werke österreichischer Verlage stehen, wird nicht verwundern…

Der teilweise in Personalunion geführte Amonesta-Verlag wandte sich an ein anderes Publikum.

Amonesta-Verlag (Wien-Leipzig)

Amonesta SignetDer Amonesta-Verlag wurde im Konzessionsrahmen der im Mai 1881 von August Amonesta sen. gegründeten und handelsgerichtlich protokollierten Buchhandlung, Antiquariat und Verlagsbuchhandlung in Wien geführt. Bereits vor dem Tod des Gründers im Jahre 1932, als die Firma an den Sohn August jun. überging, war die Firma sporadisch – z.B. 1914 – als Verlag tätig, begann aber erst 1930 und bis etwa 1935 ernsthaft Bücher zu verlegen.

 

Amonesta Versiegelte Bücher 1930Das letzte Drittel jedes Buches ist versiegelt. Sollte Ihnen das Buch nicht gefallen, so tauscht Ihr Buchhändler- solange das Siegel unverletzt ist – dasselbe gegen einen anderen Band der Reihe um.
DAHER IST JEDER MISSGRIFF AUSGESCHLOSSEN.
Von vielen tausenden bisher verkauften Bänden wurde auch nicht ein Exemplar umgetauscht.

Zu den Autoren dieser Reihe zählten u.a. Agathe Christie (Der Blaue Expreß), Will Schott, Philip Macdonald und W.S. Masterman. Insgesamt erschienen ab 1931 15 Bände.

Auch in der zweiten Reihe, Die mondänen Bücher, engagierte man heimische Kräfte für die Übertragung der fremdsprachigen, meist amerikanischen oder französischen Werke, die zu 99% die Produktion des Amonesta-Verlags ausmachten. 1930-31 erschienen insgesamt sechs „mondäne Bücher“. Die Titel sagen ziemlich alles: American girls, Die Frau einer Nacht, Susi rutscht aus (Roman!), Ich bin ja schon fünfzehn. Ein amerikanisches Schulmädchen erzählt etc. Am häufigsten wurden die Übersetzungen vom Verlagsangestellten Ernst Simon, der uns in Zusammenhang mit dem „Zinnen-Verlag“ begegnet, gemacht.

Ansonsten sind nur zwei weitere Verlagswerke bekannt, und beide sind von österreichischen Schriftstellern verfaßt worden.

Der Inhaber der Amonesta Buchhandlung bzw. des Amonesta-Verlags war in der Buchhandelsbranche nicht zuletzt wegen des Vertriebs von „pornographischer Literatur“ nicht sehr beliebt. Obwohl wiederholte Verstöße gegen die Buchhandelsverkaufsordnung (er teilte Werbegeschenke aus) zu einer Sperre durch den Börsenverein deutscher Buchhändler in Leipzig führten, [10] kam Amonesta 1933/34 nach der Herausgabe des ersten seriösen belletristischen Werks, Gottes Bollwerk. Ein Starhemberg-Roman aus der Türkenzeit (1933) von Erwin Weill, [11] mit diversen Behörden in Konflikt. Der Vorwurf: „unrichtige Firmenbezeichnung“, „unlauterer Wettbewerb“, „unkaufmännisches Vorgehen“ in der Kundenwerbung. [12] Die Korporation erstattete gegen Amonesta Anzeige, nachdem er in Rundschreiben an österreichische Mittelschulen die Bezeichnung „Abt.: Amtliche und vaterländische Publikationen“ gebraucht hatte.

Amonesta Signet

Gerade rechtzeitig zur 250-Jahr-Feier der Türkenbefreiung wie zum Katholikentag 1933 war Weills Roman auf den Markt gekommen. Rechtzeitig auch, um auf der Propagandawelle des neuen christlichen Ständestaats zu schwimmen. Im Zeichen der neuen politischen Zeit plante Amonesta die Edierung vaterländischer Bücher, der Reden von Dollfuß, Fey, Schuschnigg, Starhemberg etc., denn der Verlag hatte sich

auch freiwillig und ohne jede Subvention dadurch in den Dienst der vaterländischen Sache gestellt, daß wir die Reden, die Bundeskanzler Dr. Dollfuß, Vizekanzler Fey, Minister Dr. von Schuschnigg als Führer der österreichischen Sturmscharen, Bundesführer Fürst Starhemberg etc. hielten, sowie die weiteren an die Öffentlichkeit gerichteten amtlichen Verlautbarungen und Enunziationen in festlichem Gewand zu besonders billigem Preis veröffentlichen, hierdurch dem vaterländischen Gedanken dienend und die wertvollsten und gehaltvollsten geistigen Dokumente des neuen Österreich in die große Öffentlichkeit tragend.

Dies zur Klarstellung unserer Verlagsabsicht und der inneren Berechtigung für die Bezeichnung der Abteilung, mit der wir uns freiwillig in den Dienst des österreichischen Gedankens stellen. (…)[13]

Aus all dem wurde nichts. Das Rennen in Sachen Führer-Reden machten der Österreichische Bundesverlag, der Österreichische Bundespressedienst, der Tyrolia-Verlag, der Herold-Verlag und der Reinhold-Verlag.

Es war daher unter Berufung auf „die vom Unterrichtsministerium verfügte Säuberung der Schulbibliotheken“ etc., daß Amonesta den Lehrern seine „vom vaterländischen und christlichen Geist getragene(n) Bücher“ anbot. [14] Trotz allem zog die Korporation ihre Anzeige nicht zurück, die Angelegenheit dürfte allerdings in Vergessenheit geraten sein.

Neben Erwin Weills Roman, einer literarischen Anbiederung an den Zeitgeist, erschien Hanns Sassmanns Kulturgeschichte Österreichs vom Urzustand bis zur Gegenwart. Das Werk wurde nach Erscheinen im Deutschen Reich verboten und 1937 auf Drängen der Österreicher wieder freigegeben.

Exkurs: Schicksal eines Verlegers

Nachdem sich der Amonesta-Verlag 1933 ff. mit christlichem und patriotischem Geist derart exponiert hatte, kam es altgedienten Austro-Nazi-Buchhändlern unmittelbar nach dem „Anschluß“ als keine kleine Überraschung vor, das Selbstverständnis bzw. Eigenimage der Amonesta-Buchhandlung zu diesem Zeitpunkt zu sehen. Mitte April 1938 wurde den nationalsozialistisch gefärbten Wiener Neuesten Nachrichten eine Werbeschrift dieser Firma beigelegt, auf der Erstaunliches zu lesen war. Es wurden nicht nur „Die wichtigsten Bücher der nationalsozialistischen Bewegung aus dem Zentralverlag der NSDAP“ und nicht nur „die unerreichte, lebenswahre Bildnisbüste“ des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler um S 15.30 bzw. RM 10.20 feilgeboten. Die Firma pries sich als „die älteste nationale Buchhandlung Wiens“. Abgesehen davon, daß nicht wenige Wiener Buchhändler dieses Prädikat am liebsten für sich aufgehoben hätten und der Parteiapparat nicht auf jeden Hitler-Kitsch erpicht war, vermochten manche Beobachter diese „plötzliche“ Entwicklung nicht einzusehen. Die kommissarische Leitung unter Karl Berger wurde von diesem Vorfall in Kenntnis gesetzt. [15] Der Amonesta-Buchhandlung wurde mitgeteilt, solche Bezeichnung sei „unstatthaft“.

Nach dem „Anschluß“ plante der „Arier“ Amonesta, den C. Barth Verlag (s.d.) zu „arisieren“. Die Sache schien gelaufen, bloß daß die Amonesta Buchhandlung am 5. September 1938 durch die Gestapo gesperrt und zehn Tage später unter kommissarische Verwaltung (Ludwig Penauer) gestellt wurde. Amonesta wurde in Schutzhaft genommen und in das KZ Buchenwald gebracht. Er war von der Gestapo beschuldigt worden, „auch nach dem Umbruch pornographisches Schrifttum zu verbreiten und ins Ausland zu verkaufen“ versucht zu haben. [16] Daher wurde von der Vermögensverkehrsstelle eigenhändig ein kommissarischer Verwalter eingesetzt, dessen Aufgabe es war, „die verschiedenen undurchsichtigen Geschäfte des Amonesta zu klären und die von Amonesta betriebenen Verlagsgeschäfte aus dem Buchhandelsbetriebe auszuscheiden“. (Ebenda)

Schließlich und endlich erhielt die Amonesta-Buchhandlung eine Frist bis Ende März 1939, die Firma zu verkaufen. August Amonesta kehrte nicht zurück. Er starb am 27.7.1942 im KZ Auschwitz. Von seinen Partnern konnte Schidrowitz emigrieren; das Schicksal Ullmanns ist nicht bekannt.

Zinnen -Verlag (Wien-Basel-Leipzig) [17]

Gegründet wurde die Zinnen-Verlag Ges.m.b.H. mit Gesellschaftsvertrag vom 9. März 1932. In vielen Hinsichten war dieser Verlag ein Ableger (am selben Standort) des Amonesta-Unternehmens, und der Eindruck, daß es sich um eine Strohmann-Firma handelt, scheint berechtigt zu sein. [18] Hinter diesem Verlag standen die drei Gesellschafter des Verlags für Kulturforschung, Amonesta, Schidrowitz und Ullmann. Geschäftsführer waren Julius Kern und Ernst Simon. Gegenstand des Unternehmens war der Verlagsbuchhandel im großen sowie das Verlagsgeschäft, während das Stammkapital S 20.000 betrug. Der Zinnen-Verlag wurde am 24. Juni 1932 unter Reg. C, Band 8, pagina 221 ins Wiener Handelsregister eingetragen. Bis zum März 1938 – nur bis zu diesem Zeitpunkt wird die Geschichte hier verfolgt – gab es nur eine Änderung, als im Dezember 1937 Dr. Gustav Ullmann offiziell als Kollektivprokurist der Firma eingetragen wurde. Nach dem „Anschluß“ dürften alle „Nicht-Arier“ aus der Firma ausgeschieden sein. [19]

Die Produktion

Rund drei Viertel der zwischen 1932 und 1938 im Zinnen-Verlag erschienenen ca. 30 Werke sind Übersetzungen aus dem Amerikanischen, Englischen, Rumänischen, Dänischen, Italienischen usw. Mit ein Zweck der Verlagsstrategie wird es gewesen sein, „Werke, die in ihrer Heimat zu den größten literarischen Erfolgen gehörten“, in deutscher Sprache zu verlegen. [20] In einer Ankündigung von Neuerscheinungen Dezember 1933 in der Wiener Allgemeinen Zeitung heißt es, der Zinnen-Verlag habe „sich in den wenigen Jahren (!) seines Bestehens durch gute und saubere Belletristik einen ansehnlichen Ruf erworben“. [21] Und zwei Jahre später schreibt der Verlag in einer Anzeige über sich selbst:

Der Zinnen-Verlag hat sich in den wenigen Jahren seines Bestandes als literarischer Verlag von Format bewährt, dessen Bücher die geistig anspruchsvolle Leserschaft voll befriedigen, dem Buchhandel stets guten Absatz, häufig das große Geschäft brachten.

ZV bringt zu Weihnachten 1935 vier sorgsam gewählte Werke, die das Streben des Verlages nach immer höherer Leistung beweisen. [22]

Zu den bekannteren „Verlagsautoren“ im Bereich der Übersetzungsliteratur zählten Pearl S. Buck (Der junge Revolutionär, 1933) und P.G. Wodehouse. Vorausgesetzt, der Verlag hat bei manchen Autoren keine Tarnnamen gebraucht, waren bei den anderen Verlagserscheinungen wenige bekannte Namen dabei. 1932 erschienen von Leo Schidrowitz Der unbegabte Goethe, der 1924 in seinem eigenen Verlag erschienen war, und – in einer Auflage von 4.000 Exemplaren – Notizbuch eines Provinzschriftstellers. Erlebnisse – Intimitäten – Meinungen von Oskar Maria Graf. Als dieses Werk fünf Jahre später polizeilich beschlagnahmt wurde, konnten die Polizeibeamten lediglich zwei (2) Exemplare im Verlag vorfinden. Nach der Konfiskation im Juni 1937 wurde das Graf-Werk Gegenstand einer Gerichtsverhandlung. Angeklagt war der Verlag. Am 27. Oktober 1937 wurde das Buch nach Antrag des Staatsanwalts nach § 303 St.G. (Verspottung und Herabsetzung der Lehren der katholischen Kirche) für verfallen erklärt. [23]

Ansonsten leistete der Zinnen-Verlag, dessen Schwerpunkt auf fremdsprachiger Unterhaltungsliteratur lag, keinen Beitrag zur österreichischen Belletristik.

Hagenberg-Verlag (Wien)[24]

August Amonesta jun. schuf neben seinem bestehenden „Amonesta-Verlag“ einen weiteren „Verlag“. Im Rahmen seiner Verlagsgeschäfte tauchte plötzlich im Juli 1933 ein „Hagenberg-Verlag“ auf, welcher nie als offizieller Verlag anerkannt und angemeldet war, sondern einfach das „Grosso“-Geschäft umfaßte. Das heißt: es wurden im Ramschweg erstandene, teilweise noch ungebundene Bestände (Rohdrucke) dann aufgebunden, hergerichtet und wieder an Buchhändler weiterverkauft. Der Firmenname war „naheliegend“ im wörtlichen Sinne: er entstand dadurch, daß Amonesta den Namen der Gegend im 13. Bezirk verwendete, in der die Villa seiner Gattin Rosa gelegen war („Hagenberg“) [25]

Der Umfang der Produktion ist nicht bekannt, kann aber kaum groß gewesen sein. Nachgewiesen wurde folgendes kurioses Übersetzungswerk, das im Deutschen Reich verboten wurde: F.D. Pasley, Al Capone – Gangsterkönig (1934).

Anmerkungen

[1] Quellenhinweise: Handelsgericht Wien. Registerakt A 58, 225a (WrStLa); Akt Verlag für Kulturforschung/Amonesta/Gremium; Gespräch mit Frau Rosa Amonesta, Wien, am 28.4.1981.

[2] Handelsgericht Wien. Registerakt A 58, 225a.

[3] Ebenda.

[4] Verlag für Kulturforschung/Gremium. Schreiben Dr. Gustav Ullmanns vom 15.4.1932.

[5] Ebenda. Schreiben Dr. Gustav Ullmanns vom 3.6.1932.

[6] Ebenda. Schreiben Dr. Gustav Ullmanns vom 6.4.1933. Ähnliches im Schreiben vom 24.3. 1933.

[7] Schreiben an die Korporation vom 6.7.1935. Ebenda. Demgegenüber heißt es in einem „vertraulichen“ Rahmenbericht über das Amonesta-Unternehmen einer Treuhandgesellschaft vom 3.11.1938: „A. war vorher schon Mitteilhaber des Verlages für Kulturforschung, den er zusammen mit den Juden Schidrowitz und Dr. Ullmann führte. In dieser Zeit soll A. mit den beiden Genannten zusammen viel Geld verdient haben, da der Verlag in Anlehnung an ein ‚Institut für Sexualforschung‘ sich mit der Herausgabe von Werken größtenteils erotischer Art befaßte.“ (S. 2 f.)

[8] Laut GV und laut Aufstellung im Verleger- und Institutionenkatalog der Deutschen Bücherei, Leipzig. Zum Erscheinen der angekündigten Bände XI und XII (Sittengeschichte der oberen Zehntausend; Sittengeschichte der Schamlosigkeit) ist es offenbar nicht gekommen. Diese Serie wurde übrigens in den 70er Jahren von einem Verlag in der BRD neu herausgegeben.

[9] So wurde die 4bändige Serie Die Weiberherrschaft 1936 vom Landesgericht für Strafsachen Wien I beschlagnahmt und für verfallen erklärt. Tatbestand in den meisten Fällen: § 516 St.G. (Pornographie). Siehe den Strafakt LG f. Strafsachen Wien I, 26h Vr 4268/37; Strafsache gegen Oskar Ludwig (WrStLa). Verzeichnet sind so gut wie alle verbotenen Werke dieses Verlags mit Geschäftszahl in: Beschlagnahmte Bücher von 1937, Anzeiger, 79. Jg., Nr. 4, 19.2.1938, S. 21-23; bes. S. 22 f. Die Anregung zur vorhin erwähnten Amtshandlung der „Zentralstelle gegen Pornographie“ (:Z.g.P.:) bei der Bundes-Polizeidirektion in Wien ging im März 1937 vom Volksbildungsamt der Stadt Wien aus.

[10] Anzeiger, Nr. 31, 12.12.1936, S. 200.

[11]Siehe Anzeiger, 74. Jg., Nr. 31, 19.8.1933, S. 135.

[12] Dazu u.a. Reichspost, 3.3.1934, S. 6.

[13] Siehe Gremium/Amonesta. Schreiben des Verlags an die Korporation vom 8.3.1934.

[14] Dies geschah durchaus im Sinne des Zeitgeistes. Unter der Überschrift „Die Reform der Schulbücher“ heißt es z.B. in der Reichspost vom 15.9.1935, S. 12: „Davon abgesehen aber wird der Inhalt der österreichischen Schulbücher vor allem von den Grundsätzen der Erziehung zu sittlich-religiösem, vaterländischem und sozial-volkstreuem Fühlen, Denken und Handeln bestimmt sein müssen (…) So wird besonders im Deutschunterricht und im Geschichtsunterricht, aber auch in allen anderen Lehrgegenständen der vaterländisch-österreichische Gedanke und die sittlich-religiöse Erziehung Gegenstand sorgsamster Pflege sein.“

[15] Siehe die entsprechenden Schriftstücke in: Archiv, Buchgewerbehaus Wien, V 1938, Mappe 502.

[16] Schreiben RSK Landesleitung Wien, Gruppe Buchhandel an RSK Abt. III, Leipzig, vom 26.1.1939. Diese Ausführungen stützen sich auf den relativ umfangreichen Aktenbestand zu Amonesta nach dem März 1938.

[17] Quellenhinweise: Handelsgericht Wien. Registerband. Reg. C 8, 121 (umgeschrieben nach HRB 4928). Obwohl 1944 gelöscht, war der Registerakt im Depot des Handelsgerichts Wien nicht auffindbar.

[18] Dies wurde in einem Gespräch mit der Witwe August Amonestas bestätigt.

[19] So weit sich feststellen läßt, wurde die Firma arisiert und von einem NS-Pg. namens Ludwig Lininger geführt. Die Produktion wurde ebenso weitergeführt, und die Firma wurde erst am 2.10.1944 aus dem Wiener Handelsregister gelöscht.

[20] Der Morgen (Wien), 27. Jg., 21.12.1936, S. 6.

[21] WAZ, 19.12.1933, S. 8.

[22] Anzeiger, 76. Jg., Nr. 28, 23.11.1935, S. 159.

[23] Siehe den Strafakt LG für Strafsachen Wien I, 26h Vr 4519/37 (WrStLa). Weitere Werke Grafs wurden 1936, 1937 auf ähnliche Weise verboten.

[24] Gremium/Amonesta.

[25] Gemeint ist eigentlich der Hackenberg oder Hackinger Berg, der 411 m hoch ist. Es ist dies der Grenzberg zwischen Ober St. Veit und dem Lainzer Tiergarten.

Ergänzungen zur Buchveröffentlichung von 1985

Literatur

  • Rosa Amonesta. Geb. 25. Mai 1898, bestattet am Friedhof Ober St. Veit in Wien am 29.4.1994. August Amonesta nicht in diesem Grab bestattet!

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