Glöckner Verlag

Glöckner Verlag Andreas Glöckner [1]

Der „Glöckner-Verlag“ wurde 1929 von Andreas Glöckner gegründet und am 10. Mai 1929 unter Register A, Band 71, pagina 27a ins Wiener Handelsregister eingetragen. Neben dem Buchverlag betrieb Glöckner auch eine Buchdruckerei in Wien 20, Stromstraße 82. Die Konzession Glöckners umfaßte den Buchhandel, beschränkt auf den Verlag und Vertrieb von literarischen und musikalischen Werken jeder Art mit Ausschluß des offenen Ladengeschäfts.

Obwohl der Glöckner-Verlag sich trotz der Weltwirtschaftskrise drei Jahre lang im Geschäft halten konnte, traten schon Anfang 1930 finanzielle Schwierigkeiten auf. Am 14. Jänner 1930 mußte über den Buchverlag beim Handelsgericht der Ausgleich eröffnet werden. [2] Danach führte Glöckner seine Firma weiter, aber Anfang März 1932 mußte erneut der Ausgleich eröffnet werden. [3] Nun war an ein Weiterführen der Firma nicht mehr zu denken. Im April 1934 wurde Glöckner, der mittlerweile unbekannten Aufenthalts war, die Gewerbeberechtigung entzogen. [4] Die Firma „Glöckner-Verlag Andreas Glöckner“ wurde erst nach geraumer Zeit – am 25. September 1942 – aus dem Handelsregister gelöscht.

Die Produktion

Die umfangreiche Produktion des Glöckner-Verlags, die am Niedergang der Firma nicht unschuldig gewesen sein wird, begann Anfang 1929 und läßt sich generell folgendermaßen gliedern:

1. Glöckner-Bücher (1929-1931)
2. Glöckner-Magazin (1930)
3. Glöckner-Bücher. Roman-Wochenschrift (1929)
4. Die großen Glöckner-Bücher (1930)

l. Glöckner-Bücher

Die ersten elf Bände dieser Serie wurden Anfang Februar 1929 im Anzeiger angekündigt. Jede Woche (später, d.h. 1931: 14-tägig) sollte ein Band erscheinen: „Reich illustriert im Mindestumfang von 256 Seiten.“ Besonders attraktiv für den hohen Absatz war der Preis dieser stattlichen Bände, nämlich 70 Groschen. Zum Vergleich kosteten die Folgen der Roman-Rundschau des Strom-Verlags S 1.80, die Hefte der Tagblatt-Bibliothek z.T. 50 Groschen, Reclam-Hefte je nach Umfang schon S 1.50. Das Programm der Glöckner-Bücher: „Romane der besten modernen Autoren des In- und Auslandes.“ Da liest man in der Werbung ferner: „Die Zeit ruft nach zeitgerechtem Buch! Wir wollen beweisen: Es gibt keine Bücherkrise!“ (Anzeiger, Nr. 6, 8.2.1929, 40). Und der günstige Preis blieb auch 1931 ein zugkräftiges Argument:

Glöckner-Bücher bedeuten auch weiterhin das billigste deutsche Buch.
Glöckner-Bücher sind nach wie vor die Bücher mit dem Massenabsatz.
Wir halten Schritt mit den Ansprüchen des modernen Lesers. Jeder Band ein Meisterwerk der modernen Gesellschafts-Abenteuer- und Kriminalliteratur.
Wir stehen an der Spitze im Preisabbau und tragen der Wirtschaftskrise Rechnung. Der Ladenpreis ab jetzt 70 g.
Wir sind die Ersten, die dem billigen Buch zum Ansehen verholfen haben. [5]

Die Produktion verteilte sich über die drei Jahre folgendermaßen:
1929: 44 Bände (Durchschnitt: 250 Seiten)
1930: 36 Bände
1931: 10 Bände[6]

Unter diesen 90 Bänden waren neben Übersetzungen aus dem Ungarischen, Spanischen, Englischen, Amerikanischen, Französischen, Kroatischen und Italienischen mehrere zeitgenössische österreichische Autoren, wie z.B. Karl Hans Strobl, Paul Frank, Theodor Brun, Robert Lohan, Otto Soyka und Erwin Stranik vertreten.

Der Preis und das handliche Format der einzelnen Bände kamen dem Geschmack des Publikums durchaus entgegen, und der Anklang spiegelt sich im Absatz wider. Verkauft wurden z.B. Herbst 1929 etwa 3.000 Stück pro Band und Woche! Zum Vergleich gab Glöckner an, er würde im Deutschen Reich wöchentlich 30.000 Stück pro Band absetzen, [7] was, wenn man den Durchschnittsumfang von immerhin 250 Seiten berücksichtigt, beachtlich war.

Glöckner vertrat die Auffassung, daß die österreichischen Buchhändler an seinem billigen Erzeugnis wegen der geringen Verdienstspanne – ein Band kostete, wie erinnerlich, 70 Groschen – kein allzu großes Interesse hatten. Umso verwunderlicher ist es, daß die Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienhändler im Jahre 1929 gegen zwei Wiener Verleger – gegen Béla Horovitz vom Strom-Verlag (s.d.) und gegen Glöckner (am 10. Juli 1929) – wegen des Straßenverkaufs offiziell Beschwerde einlegte.

Über Einschreiten der Korporation hat dann die Polizeidirektion Wien mit Bescheid vom 12.8.1929 (Zl. P.B. 675/2) entschieden, daß den Glöckner-Büchern der Charakter einer Zeitschrift und in weiterer Folge die Eignung für den Straßenverkauf im Sinne des § 9/1 des Preßgesetzes (Kolportage) aberkannt werde. Demnach durften die Glöckner-Bücher nur von konzessionierten Buchhändlern im Standort der Konzession verkauft werden. [8] Glöckner verlor in sämtlichen Berufungsinstanzen. [9]

2. „Glöckner-Magazin“

Das Glöckner-Magazin (Schriftleitung: Theodor Brun) erschien zunächst wöchentlich und erlebte 1930 bloß fünf Folgen, als man eine monatliche Erscheinungsweise ankündigte. Das Magazin erschien nicht mehr. Zum Vorhaben der neuen Zeitschrift liest man in der ersten Folge u.a.:

Das Glöckner-Magazin veröffentlicht in jeder Nummer ein komplettes Theaterstück – aber nicht ein Theaterstück schlechtweg. Aus dem Repertoire der kommenden Saison gelangen jene Stücke zum Abdruck, deren Uraufführung mit Interesse erwartet wird, oder die bereits bei einer Uraufführung stürmischen Erfolg gehabt haben und von den bedeutenden Bühnen akzeptiert worden sind. (S. 19)

3. Glöckner-Bücher. Roman-Wochenschrift[10]

Diese Druckschrift erschien 1929 sehr kurz, wurde aber vielleicht wegen des Kolportageverbots im selben Jahr eingestellt.

4. Die großen Glöckner-Bücher[11]

Diese Serie wurde 1930 begonnen und brachte es auf sechs Folgen.

Anmerkungen

[1] Quellenhinweis: Handelsgericht Wien. Registerakt A 71, 27a (WrStLa). Verlagsanzeige im Anzeiger; GV.

[2] Handelsgericht Wien. Ausgleich Sa 11/30 vom 14.1.1930. Gelöscht 23.4.1930.

[3] Handelsgericht Wien. Ausgleich Sa 146/32 vom 1.3.1932. Gelöscht 8.8.1932. Siehe auch: Anzeiger, 73. Jg., Nr. 10, 5.3.32, S. 2; Nr. 17, 23.4.32, S. 2; Nr. 22, 28.5.32, S. 3.

[4] Dazu Anzeiger, 75. Jg., Nr. 11, 21.4.1934, S. 56.

[5] Anzeiger, 72. Jg., Nr. 18, 1.5.31, S. 101.

[6] Der Einfachheit halber wird hier auf das Gesamtverzeichnis (GV) des deutschsprachigen Schrifttums 1911-1965 hingewiesen. Stichwort: „Glöckner-Bücher“ usw. Hier sind alle Autoren und Titel vermerkt.

[7] AVA, BKA, Kt. 3727, Geschäftszeichen: 16; Grundzahl: Zl. 144.663-9/29; Geschäftszahl: 188.660-9/29. Gegenstand: Druckwerk: „Glöckner-Bücher“. Der Akt enthält alle Entscheidungen in dieser Frage wie selbstverständlich auch die hier als Informationsquelle verwendete Berufung Andreas Glöckners vom 28.10.1929.

[8] Siehe Anm. 7 und Anzeiger, 70. Jg.; Nr. 34, 23.8.29, S. 215.

[9] Anzeiger, 72. Jg., Nr. 22, 30.5.1930, S. 136 f.

[10] Nicht autopsiert, Angaben sind dem GV entnommen.

[11] Nicht autopsiert, Angaben sind dem GV entnommen.

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