Adolf Luser Verlag

Adolf Luser Verlag (Eckardt-Verlag Adolf Luser, Wiener Verlagsges.m.b.H.) (Wien-Leipzig) [1]

Adolf Luser SignetNach 1933/34 waren völkisch-national ausgerichtete Verlage in Österreich zumindest der Zahl, wenn nicht auch der Bedeutung nach, in der Mehrzahl. Bei keinem dieser Verlage (Verlag „Das Bergland-Buch“, Augarten-Verlag, S.L. Gerstel, Krystall-Verlag usw.) lag das Nahverhältnis zum Nationalsozialismus, zur (illegalen) NS-Bewegung in Österreich so klar auf der Hand wie beim Adolf Luser Verlag. Die Materiallage läßt es allerdings nicht zu, diese Verbindungen in allen Einzelheiten zu dokumentieren, aber die verfügbaren Unterlagen reichen sehr wohl aus, um sich von der Ideologie des Verlags ein Bild zu machen.

Der Adolf Luser Verlag (bzw. Eckart-Verlag Adolf Luser) entstand aus dem völkisch-nationalen Dunstkreis des 1880 gegründeten „Deutschen Schulvereins Wien bzw. Südmark“ und wurde zu einer Heimstätte für „südostdeutsche Dichter der Gegenwart“. Der Deutsche Schulverein setzte sich zur Aufgabe, die Wohlfahrt des deutschen Volkes im In- und Ausland zu fördern. Der am 8. Oktober 1886 in Mährisch-Lotschnau, C.S.R. geborene Adolf Luser war als Gesellschafter und Geschäftsführer der Buchhandlung der OHG „Deutscher Schulverein und Gesellschaft“ in Wien 8., Fuhrmanngasse 18a tätig, die am 27.11.1922 ihre Konzession erhielt. Der Firmenname lautete „Eckart Verlag und Eckart-Buchhandlung“. Im September 1925 wandte sich Luser an die Standesvertretung, um seine Firma inkorporieren zu lassen. Dies stellte zugleich den ersten Schritt in Richtung handelsgerichtlicher Protokollierung dar. Gleichzeitig legte die OHG Deutscher Schulverein und Gesellschaft ihre Konzession zugunsten Adolf Lusers zurück. Vor der Protokollierung baute Luser sein Geschäftsimperium aus: er übernahm die Druckerei Werthner, Schuster & Co. A.G. in Wien.[2] Die 1925 neubestellten Vorstandsmitglieder dieser Firma deuten auf die ideologische Ausrichtung hin: Verleger Adolf Luser persönlich, der Schriftsteller Dr. Erich August Mayer (vom 1927 gebildeten und durch seinen Arierparagraphen genügend gekennzeichneten Verein „Eckart-Bund zur Förderung der schönen Künste“)[3], Annemarie Luser, Dr. Alexander Schilling (Verfasser einer Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung in Österreich, mit Anhang: „Hitler in Österreich“, 1933) und Marie Katzer. 1928 trat Ing. Karl Maria Grimme, 1934 der nationale Schriftsteller Erwin Stranik, 1935 Dr. Alfred Luser in den Vorstand.

Lusers Verlag und Buchhandlung wurde schließlich am 22. Juni 1926 unter Register A, Band 61, pagina 215a ins Wiener Handelsregister eingetragen. Als Einzelprokuristin scheint Marie Katzer auf.

Der Adler

Im Jahre 1933 kam es in Wien zu einer Unzahl von Zeitungsneugründungen und -neuerscheinungen nationaler bzw. nationalsozialistischer Provenienz. Sie mußten alle ihr Erscheinen entweder aus politischen oder finanziellen Gründen allerdings bald wieder einstellen. Am 7. Juli1933 erschien z.B. erstmals dieTageszeitung Der Adler. Untertitel: Unabhängiges Tagblatt für bodenständige Politik und Kultur. Eigentümer, Herausgeber und Verleger war niemand anderer als Adolf Luser. Verantwortlicher Schriftleiter war Hans Proßnitz, und der Satz stammte von der Werthner, Schuster & Co. A.G. Hinter dieser Zeitung stand nominell der „Eckart-Verlag“, und das Zielpublikum – eben jene, an die der erste Leitartikel mit Erläuterung der Blattlinie gerichtet ist – bildeten die Leser des Getreuen Eckart. Dazu Verlagsdirektor Luser:

Zu wiederholten Malen sind die Leser des „Getreuen Eckart“ an uns mit der Frage herangetreten, warum denn der „Getreue Eckart“ nicht auch gelegentlich in die Tagesereignisse mit Rat und Tat eingreife, um seinen Lesern den schwierigen Weg durch die Wirrnis unserer Tage zu erleichtern. Lange Jahre haben wir gezögert, diesen Wunsch unserer Leserschaft zu erfüllen Nun aber, da sich die Ereignisse überstürzen, da es immer schwieriger wird, sich einen sicheren Überblick über den Lauf der Ereignisse zu verschaffen, fühlen wir geradezu eine innere Verpflichtung, diesem vielfach geäußerten Wunsch unserer Leserschaft entgegenzukommen. Wir haben uns entschlossen mit dem heutigen Tage eine Tageszeitung herauszugeben, die zu allen bedeutsamen Fragen rasch, aber trotzdem ernst und verantwortungsvoll Stellung nehmen soll.

Wer den „Getreuen Eckart“ kennt, der weiß, daß wir unsere Arbeit nicht leicht gemacht haben, daß wir sorgfältig abgewogen und gesiebt haben, was uns an vielfältigen Anregungen ins Haus gekommen ist; er weiß, daß wir das Echte und Wahre, das Dauernde und Verläßliche dem glänzenden Erfolg des Augenblickes vorgezogen haben. So wollen wir es auch mit unserer neuen Zeitung halten. (…) Die Zeitung wurde von uns „Der Adler“ genannt. Wir haben diesen Namen gewählt, weil sie sich gleich dem Adler über das Kleinliche des Alltags, über die Wirrnisse unserer Zeit erheben soll in jene Höhen, aus denen der Blick frei und klar in die Zukunft fliegt, in der groß und geheimnisvoll das Schicksal unseres Volkes ruht. (…) Eckart-Verlag

Die Luser-Zeitung erlebte ganze 19 Folgen und wurde am 26. Juli mit einer „Extra-Ausgabe“ eingestellt. Der Umfang schwankte zwischen vier und 16-20 Seiten (Sonntagsausgabe). Das Blatt verstand sich nuanciert als „allgemeinnational“ und nicht als nationalsozialistisch, mögen die semantischen und tatsächlichen Grenzen auch noch so fließend sein. Es war jedenfalls bemüht, sich verbal von der übrigen NS-Presse zu distanzieren und sah sich als „ein deutsches, nationalgerichtetes arisch bodenständiges Blatt“ (Folge 7, 13.7.33):

Wir kämpfen mit offenem Visier. Der Name des Herausgebers, des Begründers des „Getreuen Eckart“, die Namen der zahlreichen Mitarbeiter, die seit Jahrzehnten in hervorragenden Stellungen des nationalen und öffentlichen Lebens Österreichs stehen und nationale Taten bereits gesetzt haben, sie bürgen für die Reinheit unserer Sache.

Unsere Sendung geht dahin, uns über den Kleinkrieg der Parteien zu erheben und die großen Richtlinien deutscher Politik, Kultur und Wirtschaft wahrzunehmen, keiner Partei hörig zu sein, aber jeder zu dienen, die es ehrlich gut meint mit unserem Ostmarkdeutschtum. Für diese Ideale ist seit zehn Jahren der „Getreue Eckart“ eingetreten, auf seinem Werk bauen wir weiter auf.

Lusers kurzlebiger Feldzug durch die Zeitungslandschaft wurde nicht von allen Gesinnungsgenossen gleichermaßen goutiert. Die beiden Zeitungen zu Gunsten des „Ostmarkdeutschtums“ sorgten insofern für Aufregung, als es zwischen Alfred Frauenfeld, dem Gauleiter der bereits illegalen NSDAP, die traditionell sowohl vor als auch nach dem „Anschluß“ durch Personalfragen gespalten war, und Adolf Luser zu einer Reiberei kam. Diese führte auch dazu, daß Lusers jüngerer Weggefährte Erich August Mayer seine Funktion als Schriftleiter im Verlag im Sommer 1933 aufgab. Dazu Mayer:

Im Jahre 1932 trat ich der NSDAP bei und suchte die Gedanken der Partei in meinem gesamten Schaffen zu vertreten. Im Sommer 1933 geriet während meiner Abwesenheit (ich verlebte damals meinen ausnahmsweise siebenwöchigen Urlaub) der Besitzer des Eckart-Verlages wegen Herausgabe von Zeitungen in einen scharfen Gegensatz zum damaligen Gauleiter von Wien, Frauenfeld. Als ich vom Urlaub zurückkehrte, war die Lage so gespannt, daß alle im Verlag beschäftigten Parteimitglieder den Befehl erhielten, aus dem Verlag auszutreten. Meine Vermittlungsversuche scheiterten, ich mußte dem Gebot der Partei Folge leisten und das Werk, auf das ich sehr stolz war, verlassen. (…)[4]

Mayer kehrte erst einige Jahre später wieder in den Verlag zurück.

Im Adler pflegte Luser auch zeitgenössische Literatur und zeigte eine Vorliebe für seine Verlagsautoren. Hier schrieben u.a. Erwin Stranik, Max Morold, Maria Grengg, Karl Maria Grimme, Josef Weinheber, Arthur Fischer-Colbrie. Vorstandsmitglied Erich August Mayer steuerte einen nie vollendeten Fortsetzungsroman bei. Auf den Adler sollte „das Nachmittagsblatt der nationalen Bevölkerung“ Die Sendung folgen.

Einige Wochen nach Einstellen des Adlers trat Luser neuerlich als Zeitungsherausgeber hervor. Diesmal hieß das Blatt einfach Ostmark. Unabhängiges Tagblatt für Politik und Kultur, und seine erste Nummer erschien am 1. September 1933. Noch im selben Monat – am 30. September – erfolgte die „Dernière“, aus Gründen, die leicht auszudenken sind: “ … unvorhergesehene, plötzlich eingetretene Hindernisse zwingen uns …“

Auch hier versuchte Luser einen Leserkreis aus Getreue Eckart-Treuen zu rekrutieren, wobei auffällt, daß entsprechende Hinweise im Getreuen Eckart nicht zu finden waren. Hier ein Auszug aus der redaktionellen Notiz „Unser Panier“ in der ersten Folge:

(…) Aber Politik soll eben nicht Geschäft sein, sondern eine sittliche Pflicht, der man zu gehorchen hat, wenn man die Sendung in sich fühlt.
Das ist der sittliche Beweggrund, der den „Eckart-Verlag“ veranlaßt, von der höheren Warte einer Monatsschrift herabzusteigen und in der Arena der Tagespolitik mitzukämpfen. Wir kämpfen nicht getarnt durch ein Visier, wir kämpfen nicht unter falschem Feldzeichen.
Unsere Fahne flattert seit zehn Jahren über österreichischem Land. „Der getreue Eckart“ hat sich in diesen zehn Jahren nicht nur einen Namen gemacht, sondern ein großes ideales Programm verwirklicht. (…)
Wir wählten für unser Blatt den Namen „Ostmark“, weil in diesem Namen zugleich ein Programm enthalten ist. Das heutige Österreich, was ist es anders als die alte Ostmark.
(…)
Indem wir uns zur Ostmark bekennen, bekennen wir uns zugleich zu unserem größeren Vaterland – zu Deutschland.

Die Ostmark hatte einen längeren Wunschzettel; sie verlangte

unerbittlichen Kampf gegen die beiden inneren Erbfeinde des deutschen Volkes, des positiven Christentums und der arischen Kultur überhaupt, verlangen Kampf gegen den zersetzenden Marxismus und das parasitäre Judentum. (…) An ihrer Stelle fordern wir eine einheitliche, national-christliche, antimarxistische und antisemitische Front. (…)

Klare Vorstellungen also für die „nationalgesinnte Bevölkerung Österreichs“! Wie beim Adler bot Luser Lesern der Ostmark auch literarische Kost von „nationalen“ Autoren wie Robert Hohlbaum, Maria Grengg, Erwin Stranik, Bruno Brehm, Karl Maria Grimme und Karl Wache (Kampfbund für deutsche Kultur). E.A. Mayer trat wieder glücklos mit einem (unvollendeten) Fortsetzungsroman in Erscheinung. Unter den literarischen Mitarbeitern fällt einer besonders auf, der noch wichtige Staatsämter bekleiden wird: Hans von Hammerstein-Equord.[5] Kurz vor dem erzwungenen Einstellen begann die Ostmark eine Reihe Junge österreichische Dichtung. Als ersten stellte man Friedrich Sacher vor. Besonders heftig griff man in die Debatte um die PEN-Klub-Spaltung ein („Gründet die österreichische Gruppe des deutschen Pen-Klubs! Ein Zurück der nationalen Schriftsteller gibt es nicht mehr!“ (Folge 5, 6.9.33, 6) und rief zu einem Verband nationaler Schriftsteller auf: „Arische Schriftsteller Österreichs vereinigt euch.“

Etwa zwei Jahre später war Luser auf dem österreichischen Zeitschriftenmarkt wieder aktiv: ab November1935 erschien Lebendige Dichtung. Österreichische Monatshefte für Deutsches Schrifttum im Adolf Luser Verlag. Die Herstellung erfolgte in der angeschlossenen Druckerei Werthner, Schuster & Co. A.G. Im September 1936 stellte Lebendige Dichtung ihr Erscheinen ein.[6]

Die zweite wesentliche Veränderung im Handelsregister erfolgte nach der Ersteintragung 1926 erst im Jahre 1937: am 3. Dezember wurde der Firmawortlaut offiziell in „Adolf Luser Verlag“ umgeändert. Betriebsgegenstand war nun statt Buchhandel und Verlag Verlagsbuchhandel mit Ausschluß des offenen Ladengeschäftes.

Änderungen in den Besitzverhältnissen des Adolf Luser Verlags dürften nun bereits zu diesem Zeitpunkt im Gange gewesen sein. Unmittelbar nach dem „Anschluß“ bekam der Verlag einen neuen Inhaber. Warum sich ein Besitzerwechsel vollzog, ist nicht genau feststellbar, doch sprechen einige Indizien dafür, daß der Verlag in finanziellen Schwierigkeiten steckte [7] und daß nach Überlegungen nationalsozialistischer Kreise der Adolf Luser Verlag so etwas wie ein österreichischer Eher-Verlag werden könnte. Fest steht jedenfalls, daß man hiebei nicht gerade die fähigsten bzw. geeignetsten Kräfte aussuchte, sondern danach urteilte, ob sie „verdiente Parteigenossen“ (der illegalen Zeit) gewesen seien.

Am 5. Juli 1938 wurde der bisherige Inhaber Adolf Luser aus dem Handelsregister gelöscht; dafür- wurden ein gewisser Karl Konrad Bauer als neuer Besitzer sowie Josef Walter Pollak und Franz Schlögel als Einzelprokuristen eingetragen. Der Verlag wurde an Bauer verkauft, sodaß sich die Frage erhebt, wie dies vor sich ging und welche Eignung der Neo-Verleger gehabt haben mag. (Er interessierte sich auch für den Paul Zsolnay Verlag.) Daher soll auf seine Biographie näher eingegangen werden. Bauer, am 8. März 1910 in Wien geboren und zum Zeitpunkt des „Kaufes“ ganze 28 Jahre alt, hatte sich – wie aus seinem Lebenslauf für die RSK hervorgeht – seit seinem 14. Lebensjahr in überzeugender Weise für die NS-Causa in Österreich „verdient“ gemacht: Seit 1924 im Deutschen Turnerbund und Deutschen Schulverein Südmark tätig. 1928 Dietwart eines Wiener Vereines (Schulungsleiter), 1929 eines Bezirkes, 1931 von Wien. „An der Spitze eines jungen Amtswalterkreises ist es mir gelungen, innerhalb kurzer Zeit die Wiener Vereine immer stärker in den Dienst der nationalsozialistischen Bewegung zu stellen.“ 1936: „Zeitungsleiter“ des Turnerbundes und ehrenamtlicher Leiter der Buchhandlung des Deutschen Turnerbundes. Ab Nr. 1 1937 (und bis Mitte Mai 1938) verantwortlicher Schriftleiter von Der Turner. Wochenblatt des Deutschen Turnerbundes. Er wurde 1931 Mitglied der NSDAP und im gleichen Jahr an den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund überstellt, arbeitete in dessen Auftrag als Kulturamtsleiter und später als Außenamtsleiter in der deutschen Studentenschaft (Kreis VIII, Deutschösterreich) und war Mitglied der illegalen Kreisführung bis zum Frühjahr 1938. „Vorübergehend arbeitete ich am Aufbau des legalen NSDATB als Leiter der Abteilung ,Politische Erziehung“ mit.“

Die eigene Begründung dafür, wie Bauer zum Luser-Verlag kam, ist verblüffend:

Nachdem ich bereits seit dem Jahre 1936 als ehrenamtlicher Leiter der Buchhandlung des Deutschen Turnerbundes sehr viel fachlich gearbeitet hatte, entschied ich mich, vor die Berufswahl gestellt, für die Übernahme der Betriebsführung des Adolf Luser Verlages.

Da bleibt noch einiges unzureichend geklärt, sodaß die Vermutung berechtigt ist, daß Bauer als Strohmann, und zwar als Strohmann für den Gauleiter für Wien, Odilo Globocnik, hervortrat. Dazu Bauer:

Im Frühjahr 1938 konnte ich als Bundesdietwart in engster Verbindung mit dem Führerkreis Klausner, Rainer und Globocnik alle Kräfte des Bundes für die Bewegung mobilisieren. Nach dem Umbruch ernannte mich der Reichssportführer zum Gaudietwart des Gaues XVII, Ostmark, des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen.[8]

Über die finanzielle Seite dieser Übernahme schreibt Gerhard Botz:

Der von Globocnik veranlaßte Ankauf und die Finanzierung des von der Auflösung bedrohten Adolf-Luser-Verlages hatte die NSDAP den Betrag von RM 666.333,33 gekostet, bis der Gauleiter schließlich Ende Jänner 1939 abgesetzt wurde.[9]

Globocnik hatte – so Botz unter Berufung auf einschlägige Archivunterlagen –

den weitgesteckten Plan verfolgt, sich ein kleines Presseimperium zu schaffen. Dabei sollte der Adolf-Luser-Verlag, der neben anderen deutsch-völkischen Zeitschriften den „getreuen Eckart“ verlegt hatte, mit einem ehemals jüdischen Modeverlag („Societät-Graphik“ ) unter Beteiligung der DAF zu einem lebensfähigen Verlag verschmolzen werden und weithin auch auf die Deutschen Südosteuropas ausstrahlen. (ebda.)

Stichwort „Beteiligung der DAF“: Die Deutsche Arbeitsfront war die Gewerkschaftsorganisation des Dritten Reiches. Wie aus dem Akt Adolf Luser Verlag der RSK Wien hervorgeht, war die DAF mehr als bloß „beteiligt“. So heißt es z.B. in einem Schreiben des kommissarischen Geschäftsführers der RSK Landesleitung Wien, Gruppe Buchhandel, an den Reichsstatthalter in Wien vom 14. Juni 1940:

Der Verlag selbst ist ein Unternehmen der Deutschen Arbeitsfront; es ist im Hinblick auf seine kulturelle Leistung und die Auswahl seiner Mitarbeiter keinerlei Bedenken zu äußern. (Gremium/Luser)

In einem weiteren Schreiben vom 20. Juni 1940 heißt es auf entsprechende Anfrage des Reichsstatthalters:

Der Adolf Luser-Verlag ging nach dem Umbruch im März 1938 in die Hände des Herrn Karl Bauer, Wien 13., Melchartgasse 37 über und von diesem laut Bescheid (…) vom 1.3.1940 auf die Adolf Luser Verlag Ges.m.b.H., deren Inhaber der Verlag der Deutschen Arbeitsfront und der Buchmeister-Verlag sind, über. Karl Bauer wurde zum Geschäftsführer bestellt.[10]

Am 5. Jänner 1941 ist davon die Rede, daß „deren sämtliche Geschäftsanteile der DAF gehören“.[11]

Aber im Verlag war noch alles in Fluß: das Nahverhältnis zur DAF machte sich in weiteren Entwicklungen im Frühjahr 1941 bemerkbar. Im Jänner richtete der am 4.1.1909 geborene, also 31jährige Ernst Sopper ein Schreiben an die RSK Landesleitung Österreich zu Hd. Pg. Edgar Traugott, in dem er diesen bittet, davon Kenntnis zu nehmen,

daß ich mit 1.1. d.J. die Betriebsführung der Adolf Luser-Verlag G.m.b.H., Wien, übernommen habe.[12]

Sopper war Geschäftsführer, sein Vorgänger sollte den Verlag „führen“ und „leiten“. Obwohl weder gelernter Buchhändler noch Buchdrucker, konnte Sopper die RSK Mitgliedschaft für den Buchhandel vorweisen (B III/1 3819), aber er hatte wie sein Kompagnon Bauer eine Karriere sowohl hinter als auch vor sich. Seit seinem 14. Lebensjahr gehörte er der NS-Jugendbewegung an. Nach Gauakt Nr. 28.243 war er seit 1928 (mit 19 Jahren) Parteigenosse mit der Nummer 83.612.[13] 1933 und 1935 wurde er wegen Betätigung für die NSDAP in Wien verhaftet; er war seit 10.9.1939 Inhaber des goldenen Ehrenzeichens der HJ und Träger der Dienstauszeichnung der NSDAP in Bronze und Silber seit 5. März 1941 gewesen. Mit einem Wort: er war verdienter Parteigenosse und bisher Leiter bzw. Gauleiter der Zweigstelle Wien des Verlages der DAF und gleichzeitig der Zweigstelle Ostmark der Büchergilde Gutenberg. Wie aus einem Schreiben des Landesobmannstellvertreters der RSK Wien, Hans Knoll, aus dem Oktober 1944 an den Reichsführer SS hervorgeht, ist Sopper „zum Buche selbst erst in der Verbotszeit in Beziehung getreten, dadurch, daß er in den illegalen Kreisen Abnehmer für die Büchergilde geworben hat“. Unmittelbar nach dem Eintritt Soppers in die Adolf Luser Ges.m.b.H. kam es zu einer Veränderung: die DAF gab den in ihren Händen befindlichen Verlag in Privatbesitz zurück. Bauer und Sopper erstanden den Verlag und gaben Ende März 1941 bekannt,

daß der Adolf Luser Verlag Wien-Leipzig und die diesem angeschlossene Druckerei Werthner, Schuster & Co. den Namen geändert haben und von nun an den Titel WIENER VERLAGSGESELLSCHAFT m.b.H. führen.[14]

Der ehemalige Adolf Luser Verlag und die nunmehrige Wiener Verlagsgesellschaft m.b.H. genossen nach Ausbruch des Weltkriegs eine gewisse Sonderstellung, zumindest eine Zeitlang. Im Herbst 1939 galt der Adolf Luser Verlag über Ansuchen des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda als „W-Betrieb“, als einer, der kriegswirtschaftlich wichtig war und daher bei Materiallieferungen bevorzugt zu behandeln sei. Die Firma wurde allerdings im selben Jahr als „W-Betrieb“ wieder gestrichen und an die Bedarfsstelle II. Ordnung verwiesen. Dennoch machte sich die RSK Wien für den Adolf Luser Verlag im Juli 1940 stark: zu dieser Zeit war „der Luser Verlag bereits in allergrößte Schwierigkeiten bei der Material- und Transportmittelbeschaffung geraten“, was den Geschäftsführer der RSK dazu veranlaßte, „auf die Wichtigkeit des Luser Verlages für die gesamte politische Arbeit im Südosten zu verweisen“ (17.8.1940).

Ähnlich verhielt es sich im Frühjahr 1945, als der Kampf um Wien tobte. Der „Wiener Verlag“ wurde durch Fliegerangriffe sehr stark beschädigt. Dazu der Landesobmannstellvertreter in Wien, Hans Knoll:

Er ist als kriegswichtiger Verlag vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda anerkannt und hat vordringliche Aufträge zu erledigen. Die RSK bittet daher, nach den bestehenden Möglichkeiten um eheste Zuweisung von Materialien um den Gebäudeschaden zum großen Teil beheben zu können, damit der Betrieb wieder halbwegs einsatzfähig wird.[15]

Unmittelbar nach Kriegsende kam die Firma Wiener Verlagsgesellschaft Ernst Sopper und Karl Bauer unter öffentliche Verwaltung und Ernst Sopper in Haft. Er wurde laut Angaben seiner Gattin „am 5. Mai 1945 von den Organen einer Besatzungsmacht verhaftet“[16] und war vier Jahre später noch unbekannten Aufenthalts. Er wurde in absentia als schwerbelasteter Illegaler der NSDAP vor das Volksgericht gestellt und verurteilt.[17] Was aus Bauer wurde – er mußte einrücken – konnte nicht ermittelt werden. 1949 ging der ehemalige Luser und nunmehrige Wiener Verlag an die Druck- und Verlagsanstalt „Vorwärts“ A.G. Seit 1970 figuriert der C. Bertelsmann Verlag für Österreich als Gesellschafter.

Der Verlagsgründer Adolf Luser, der nach dem „Anschluß“ sogar als Herausgeber des Getreuen Eckart zurücktrat, um Bruno Brehm Platz zu machen, starb am 19. November 1941 „nach kurzem Leiden im 56. Lebensjahre“.[18] In einem kurzen Nachruf im Neuen Wiener Tagblatt vom 21.11.1941 wird darauf hingewiesen, daß Luser „eine Reihe begabter bodenständiger Schriftstellerpersönlichkeiten“ gefördert hätte. Außerdem hätte er „besonders in der illegalen Zeit wertvolle geistige Vorarbeit geleistet für die Heimkehr der Ostmark ins Reich“ (S.4). Das kann ihm wohl niemand absprechen …

Die Produktion

Unmittelbar nach dem „Anschluß“ 1938 tauchte ein neuer Aspekt in der Werbung des Adolf Luser Verlags auf, den man mit „Selbstmitleid“ umschreiben könnte:

Unsere Bücher haben in den schwersten Jahren der Unterdrückung das Bewußtsein in der unbedingten Schicksalsgemeinschaft des Ostmark-Deutschtums mit dem Großdeutschen Reiche verkündet.[19]

Zugleich begann man altes Vokabular aufzufrischen und neues hinzuzufügen, wobei der Begriff „deutscher Südosten“ sich besonderer Beliebtheit erfreute:

Ich danke den Buchhändlern, daß sie sich in schwerster Zeit für diese Werke eingesetzt haben und bitte sie, auch weiter den Einsatz für diese bedeutsamen Bücher aus dem deutschen Südosten nicht erlahmen zu lassen. (ebda.)

Daß die Darbietungen des Verlags vielleicht nicht nach Publikumsgeschmack waren, wurde freilich nicht ins Kalkül gezogen. Nach der Okkupation Österreichs gab man wieder einen repräsentativen Verlagskatalog unter dem Titel Bücher aus der Ostmark 1938 heraus. Im Geleitwort werden programmatische Erklärungen abgegeben, die den zitierten Auszügen aus dem Adler bzw. der Ostmark sehr ähneln. Sie sind daher auch für die Verlagslinie mit oder ohne Luser aufschlußreich:

In den eineinhalb Jahrzehnten seines Bestehens hat unser Verlag mit seiner Arbeit durch schwere und stürmische Jahre stets die Sendung Österreichs als eine deutsche Sendung zu betonen gewußt. Heute, in der Zeit der Erfüllung dessen, worum der Kampf ging, senden wir unser neues Bücherverzeichnis nun zum erstenmal freudig und dankerfüllten Herzens hinaus in das Großdeutsche Reich, daß es Kunde vom Schaffen und der Leistung ostmarkdeutscher Dichter und Denker gebe.

Die wohl bekannteste Publikation des Eckart-Verlags Adolf Luser bzw. des Adolf Luser Verlags war der bereits erwähnte Getreue Eckart. Für die Entstehung und Herausgabe dieser Zeitschrift waren Luser und Erich August Mayer verantwortlich. Was beide miteinander verband, war das Nahverhältnis zum Deutschen Schulverein Südmark.[20] Mayers ihm sehr ergebene Biographin schreibt dazu:

Nach Beendigung seines Studiums stürzte sich Mayer in das kulturelle Leben des national bewußt schaffenden Österreich. Er wurde Wanderredner beim Deutschen Schulverein. Sein Organisationstalent ließ ihn Volkstumsgruppenfahrten in das ganze Deutsche Reich zusammenstellen, und Mayer, in dem damals schon der Anschluß-Gedanke wach war, lernte so das ganze deutsche Sprachgebiet kennen. Diese Zeit machte ihn zum gewandten redebeherrschenden Menschen und ließ ihm die Eigenart und Vielfalt der einzelnen Gaue recht bewußt werden.[21]

Eine „Schicksalsfügung“ habe die beiden zusammengeführt. Das Ergebnis: „Mit Luser zusammen übernahm Mayer später, neben seiner Tätigkeit als Mittelschulprofessor, in einer Zeit großen geistigen und moralischen Verfalls gerade in Wien die Leitung der Nationalen Kulturzeitschrift ,Der getreue Eckart“, und er machte aus ihr binnen kurzem ein wirksames Instrument für eine gesunde, aufbauende und zielbewußt auf den gesamtdeutschen Raum gerichtete Kulturpolitik.“ (ebda. 11 f.) Das erste Heft des Getreuen Eckart erschien im Dezember 1923. Luser zeichnete als Herausgeber, Eigentümer und Verleger, Mayer als verantwortlicher Schriftleiter. Neben den in Graz erscheinenden Alpenländischen Monatsheften verbreitete die Zeitschrift in den 20 Jahren ihres Bestehens – sie wurde im März 1943 eingestellt – auf populäre Art und Weise deutsch-völkisches Gedankengut in Österreich. Da sie für jeden etwas brachte und sich nicht ostentativ politisch-tendenziös gebärdete, wurde sie ziemlich rasch zu einem auflagenstarken Blatt. Bis 1927 erschien sie im Halbmonatsabstand, danach als Monatsschrift. Nach Böhm (a.a.O., S. 101) erreichte die Auflage 1927 bereits 40.000 Exemplare im Monat, von denen die Hälfte an Abonnenten geschickt wurde. Dazu Mayer:

Ich darf auf Grund der Tatsachen darauf hinweisen, daß es mir gelungen ist, in dieser Zeitschrift, der einzigen wirklich großen und verbreiteten Familienzeitschrift Österreichs auf streng arischer Grundlage das gesamte kulturell und geistig bedeutende Österreich, soweit es deutscher und arischer Abstammung war zusammengefaßt zu haben.[22]

Die zunehmend schwierigere Wirtschaftslage Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre ging an der Zeitschrift nicht spurlos vorbei. Die Auflagenzahlen begannen zurückzugehen. So schreibt Josef Weinheber in einem Brief aus dem Jahre 1941:

Der „Getreue Eckart“ war um 1930 die bedeutendste österr. Familienzeitschrift, (im besten Sinn) hatte eine Auflage von 32000, fiel dann nach dem Anschluß durch schlechte Führung auf knapp 3000, jetzt hat er wieder 8000 steigend. Sie werden damit im südöstlichen deutschen Raum bekannt.[23]

Wie bereits erläutert, kam es unmittelbar nach dem „Anschluß“ im Adolf Luser Verlag zu großen Veränderungen – Luser mußte nicht nur den Verlag verkaufen, er mußte auch nach 15 Jahren seinen Sessel als Herausgeber des Getreuen Eckart räumen. Ein Schreiben Lusers vom 2. Mai 1938 hat folgenden Wortlaut:

Von niemandem beauftragt als von meinem sehnsüchtigen Herzen, nur meinem eigenen Gewissen verantwortlich, ging ich als Gründer, Herausgeber sind Schriftleiter des „Getreuen Eckart“ fünfzehn Jahre lang meinen sicheren Weg zu Großdeutschland. Das Ziel ist erreicht, die Zeit für Einzelgänger vorbei. Nun lege ich mein selbstverliehenes Amt in andere, vielfach bewährte Hände.
Allen Weggefährten, die mitgeholfen haben im „Getreuen Eckart“ eine über die Grenzen der Ostmark hinaus anerkannte Zeitschrift zu schaffen, meinen hervorragenden Mitarbeitern und den allzeit getreuen Lesern, reiche ich zum Abschied dankbar die Hand. Dem „Getreuen Eckart“ Glück und Erfolg auf den weiteren Weg![24]

Bestimmende Kräfte waren nun nicht der neue junge Inhaber, Bauer, sondern die Herren Odilo Globocnik (Gauleiter von Wien), Hubert Klausner (Stellv. des Reichskommissars Gauleiter Bürckel und Gauleiter von Kärnten) und Friedrich Rainer (Gauleiter von Salzburg). Sie „wirkten mit“ im 16. Jg., 1938, und schrieben sogar hochoffizielle Begleitbriefe zu den ersten Heften der NS-Zeit. Globocniks Mann mit den „bewährten Händen“ war Bruno Brehm:

Als Gauleiter von Wien begrüße ich es besonders, daß ein Mann, der im Rahmen der Pflichten Wiens eine ungewöhnlich starke, prägende Kraft entwickelt hat, Bruno Brehm, die Herausgeberschaft des „Getreuen Eckart“ übernommen hat.[25]

So Globocnik wörtlich. Bruno Brehm dazu:

Gerne werde ich Herausgeber einer Zeitschrift, die seit anderthalb Jahrzehnten völkisch und aufrecht für den großdeutschen Gedanken gewirkt und geworben hat. (…)

Diese Zeitschrift sei ihnen ein Spiegelbild von Opfer und Leid, vor allem aber von der ungebrochenen Kraft des kämpfenden Deutschtums im Südosten.[26]

Als Hauptschriftleiter wurde nun Walter Pollak engagiert. Im Jahrgang 16, 1938, waren u.a. folgende Personen mit Beiträgen vertreten:

Odilo Globocnik, Friedrich Rainer, Kajetan Mühlmann, Heinz Kindermann, Hans Giebisch, Hermann Graedener, Maria Grengg, Karl Maria Grimme, Wladimir von Hartlieb, Robert Hohlbaum, Mirko Jelusich, Ernst Kratzmann, Bodo Kaltenboeck, Erich August Mayer, Franz Nabl, Friedrich Sacher, Franz Schlögel, Franz X. Schaffer, Adalbert Schmidt, Karl Springenschmid, Erwin Stranik, Karl Hans Strobl, Josef Weinheber, Bruno Hanns Wittek, Heinrich Zillich.

Wie sah sich der Getreue Eckart selber, der nun im Untertitel „Die Monatsschrift der Ostmark“ hieß?

Der „Getreue Eckart“ ist die ideale unterhaltende, kulturpolitische Monatsschrift, die allen Ansprüchen, auch denen der Verwöhntesten unter uns genügt; er ist der lebendige Spiegel des Geistesschaffens des deutschen Alpenvolkes, des Sudetendeutschtums und der anderen deutschen Volksgruppen im Südostraum. (Verlagsverzeichnis 1938)

Auch die reichsdeutsche Presse begrüßte das Weitererscheinen, wie aus einem Kommentar in der Berliner Börsen-Zeitung hervorgeht:

Er war in der Ostmark auch in der Zeit schwerster Bedrückung durch ein volksfremdes System geistiger Schildträger des gesamtdeutschen Ideengutes. – Eine Heimatzeitschrift im besten und fruchtbarsten Sinne – die auch nach der Heimkehr der Ostmark in das Reich ihre kulturpolitische Aufgabe als „Bannerträger des Südostdeutschtums“ weiterhin in ernsthafter Arbeit erfüllen wird. (ebda.)

Die versuchte Konzentration eines Teils der NS-Presse erfolgte durch weitere Übernahmen. So verlegte der Adolf Luser Verlag die Monatsschrift Volkstum im Südosten sowie die Wochenschriften Der Turner und Rundpost. Die Rundpost hatte schon 1923 begonnen, nannte sich zeitweise „Deutsches Gemeinschaftsblatt“ im Untertitel, mußte Mitte der 30er Jahre ihr Erscheinen einstellen und nahm die Veröffentlichung gleich am 19. März 1938 mit der 1. Folge des 12. Jahrgangs wieder auf. Sie richtete sich anfänglich an ein junges deutschbewußtes Publikum in Österreich und war national, antisemitisch, arisch, antidemokratisch eingestellt. Zu den Leitern dieses Wochenblatts zählten Alexander Witeschnik und Pg. Ernst Schlögl. Beide waren verbissene Antisemiten und äußerten ihre Ansichten in Leitartikeln. Beide zogen nach dem „Anschluß“ in den Adolf Luser Verlag (später: Wiener Verlagsges.m.b.H.) ein. Witeschnik, der noch in den 60er Jahren publizistisch aktiv war, galt neben Erich August Mayer nach einer Mitteilung aus dem Jahre 1944 als „Seele“ des Wiener Verlags.[27] Auf literarischer Seite tat sich nach der Wiederaufnahme wenige Tage nach dem „Anschluß“ einer besonders hervor: Friedrich Sacher. Trotz seiner scheinbar unbändigen Euphorie über den Anschluß Österreichs fand er in der ersten Nummer der Rundpost dennoch Worte für diese, wie er sie nannte, „wundervolle Fügung“ (poetischer Titel: „Unter den Schwingen des Schwerts“). Sachers Hochstimmung kannte keine Grenzen: „Endlich wieder deutsch und wahr!“ (S.4) lautet die Überschrift seines zweiten Ergusses ebendort. Mit Folge 28 vom 1. Oktober 1938 erschien Rundpost (nun ohne Untertitel) mit großem Format im Adolf Luser Verlag. Hauptschriftleiter war ein gewisser Wilhelm Stiehler, während Karl Maria Grimme das Referat für Theater und bildende Kunst innehatte und Ludwig Gesek Bücher rezensierte. Zu den Kuriositäten dieser Zeitschrift gehört, daß ab November 1938, wohl in sinniger Anlehnung an die „Reichskristallnacht“, Stiehler Hugo Bettauers visionären Roman aus dem Jahre 1922, Die Stadt ohne Juden, in Fortsetzungen abdruckte. Aber: Was herauskam, war eine hämisch kommentierte Romanfassung.

Es ist in Zusammenhang mit dem Luser Verlag vor dem „Anschluß“ öfter von „schwersten Jahren der Unterdrückung“ die Rede gewesen. Das mag wohl daran liegen, daß der Adolf Luser Verlag sein Programm nicht so gestaltete, daß es ein nicht völkisch bzw. nationalsozialistisch gesinntes Publikum interessieren konnte. Wohl hat Luser vor dem „Anschluß“ einige Autoren gefördert, darunter Erich August Mayer (seit 1926 Schriftleiter des Buchverlags), Maria Grengg (die auch für Illustrationszwecke engagiert wurde) und vor allem Josef Weinheber.

Bevor Weinheber 1934 zu Luser stieß, hatte er einige schlechte Erfahrungen mit Verlegern hinter sich (E.P. Tal, Burgverlag, Krystallverlag) und litt stark unter Mißerfolgen und dem Mangel an öffentlicher Anerkennung. Nach dem Bericht der Verlagsautorin und -illustratorin Maria Grengg war der erste Vertrag mit Weinheber gar nicht so sicher. Luser habe mitgeteilt,

Für mich ist alleinbestimmend, daß es Gedichte sind. Lyrik paßt nicht in den Rahmen meines Verlages und ist ein schlechtes Geschäft für den Verleger. Keine Seele liest heute Lyrik.[28]

Dennoch kam Adel und Untergang 1934 bei Luser heraus, 1935 das sehr beliebte und von Grengg illustrierte Werk Wien wörtlich. Verleger Luser gab im selben Jahr das Werk Josef Weinheber. Persönlichkeit und Schaffen persönlich heraus. Weinheber stand den österreichischen Verlagen skeptisch gegenüber, weil sie vor allem Ende der 20er Jahre von der Hand in den Mund lebten und auch weil ihre Produktion im Reich wenn nicht ignoriert, so kritisiert wurde. Seine Hoffnung und die mancher Kollegen war es, bei einem reichsdeutschen Verlag unterzukommen. Als er von Langen-Müller in München unter Vertrag genommen wurde, war seine Beziehung zu Adolf Luser nicht mehr die beste: er mußte 1937 Honorarforderungen eintreiben lassen und hatte offenbar gegen die Sturheit Lusers anzukämpfen. Fazit: „Nun, es ist ja diese Ehe gottseidank getrennt worden!“[29]

Erich August Mayer veröffentlichte fast alle seine Werke bei Luser bzw. dessen Nachfolger, so z.B. Flammen (1928), Gottfried sucht seinen Weg (1929), Werk und Seele (1930), O, ihr Berge! (1931), Der Umweg (1937), Der Knecht (1940), usw.[30] Maria Grengg ließ die Werke Die Flucht zum grünen Herrgott. Roman (1931), Das Feuermandl. Roman, Die Liebesinsel. Roman (1934), Peterl. Roman etc, bei Luser verlegen. Außerdem erschienen Werke von H. Povinelli, Ernst Kratzmann, Franz Farga, Friedrich Sacher, Albert Mollan, Franz X. Schaffer u.a.

Der Adolf Luser Verlag zeigte sich in den 20er und 30er Jahren durch mehrere Werke als wesentlicher Vermittler deutsch-völkischen Gedankenguts. 1926 erschien z.B. im Eckart-Verlag Adolf Luser das Buch Der deutschösterreichische Mensch und der Anschluß von Friedrich F.G. Kleinwaechter. Im Jahre 1933 kam ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Buch bei Luser heraus. Es handelt sich hier um ein Genre, das in den 30er Jahren sehr beliebt war, nämlich eine Anthologie. Der volle Titel:

DICHTERBUCH. Deutscher Glaube, deutsches Sehnen und deutsches Fühlen in Österreich. Mit Beiträgen hervorragender österreichischer Dichter ergänzt durch Biographien und Bildnisse. Einleitung und kritische Würdigung von Max Morold.

Dieses „arische“ Großwerk umfaßt mehr als 600 Seiten mit Beiträgen (Prosa und Lyrik) von 65 Autoren, alle der „deutschen Rasse“ zugehörig:

Karl Bacher, Rudolf Hans Bartsch, Richard Billinger, Bruno Brehm, Emil Ertl, Hans Fraungruber, Friedrich v. Gagern, Hans Giebisch, Franz Karl Ginzkey, Hermann Graedener, Rudolf Greinz, Maria Grengg, Paula Grogger, Rudolf Haas, Emil Hadina, Hans von Hammerstein, Enrica v. Handel-Mazzetti, Franz Herold, Robert Hohlbaum, Ludwig Huna, Mirko Jelusich, Ottokar Kernstock, Hans Kloepfer, Erwin Guido Kolbenheyer, Zdenko v. Kraft, Richard v. Kralik, Franz Kranewitter, Ernst Kratzmann, Erich August Mayer, Theodor Heinrich Mayer, Max Mell, Robert Michel, Adam Müller-Guttenbrunn, Franz Nabl, Hermann Heinz Ortner, Josef Friedrich Perkonig, Alfons Petzold, Hilda Povinelli, Erwin H. Rainalter, Gustav Renker, Ernst Scheibelreiter, Karl Schönherr, Erika Spann-Rheinsch, Franz Spunda, Max Stebich, Hans Sterneder, Hans Stiftegger, Dora Stockert-Meynert, Karl Hans Strobl, Fritz Stüber-Gunther, Rudolf Stürzer, Albert v. Trentini, Dolores Vieser, Karl Heinrich Waggerl, Heinrich Suso Waldeck, Arthur v. Wallpach, Hans Watzlik, Josef Weinheber, Eberhard v. Weittenhiller, Josefine Widmar, Anton Wildgans, Bruder Willam, Bruno Hanns Wittek, Guido Zernatto, Julius Zerzer.

Es folgten weitere „Kulturbücher, die für das Verständnis der Vorgänge im deutschen Südosten unbedingt notwendig sind“.[31] Das eine „Kulturbuch“ stammte vom Wiener Korrespondenten des Berliner Tageblatts, Erwin Stranik, und wurde – wie der Verlag vermerkt – „in die NS-Bibliographie“ aufgenommen: Österreichs Deutsche Leistung. Eine Kulturgeschichte des südostdeutschen Lebensraumes. Die erste Auflage erschien 1936, die zweite, erw. im folgenden Jahr. Während der Versuch Franz Kochs, eine Geschichte der Gegenwartsliteratur in Österreich zu schreiben im Land selber prompt mit einem Verbot belegt wurde,[32] widerfuhr es Adalbert Schmidt anders. Sein Werk Deutsche Dichtung in Österreich. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart konnte sogar in zwei Auflagen erscheinen und erhielt beifällige Urteile, so z.B. vom Völkischen Beobachter, München:

Es war höchste Zeit, daß auch für dieses wichtige Teilgebiet des gesamtdeutschen Schrifttums einmal die reinliche (!) Scheidung zwischen echt und unecht, zwischen heimisch und fremd, zwischen österreichisch und jüdisch von einem mit der nötigen Sachkenntnis und dem rechten Feingefühl begabten Österreicher vollzogen wurde. Adalbert Schmidt hat sich dieser Aufgabe mit großem Geschick und treffendem Urteil unterzogen.[33]

Verlagsprospekt Adolf Luser Verlag 1939

Verlagsprospekt Adolf Luser Verlag 1939

Das Gros der Produktion des Adolf Luser Verlags erschien erst nach dem „Anschluß“. Aber schon vorher hatte man mit einer speziellen Reihe begonnen: Reihe Süd-Ost. Herausgegeben von Walter Pollak. Durch das „neuerstandene Deutschland“ wurde der Pflege des „Deutschtums des Südostens“ größere Aufmerksamkeit zuteil. In der Verlagswerbung liest man dazu:

(…) Das richtige Verstehen und Erkennen zwischen dem deutschen Volke und den Nationen des Südostraumes zu fördern, es zu vertiefen oder auszuweiten und denen, die diesen Fragen unwissend gegenüberstehen, Klarheit über die historischen Tatsachen zu geben, ließen die Reihe Süd-Ost notwendig werden und entstehen. In lebendigen und gründlichen Darstellungen wird sie in der ersten Folge „Werdendes Volk“ aus der geschichtlichen und kulturellen Entwicklung Fragen des Südostraumes aufzeigen, um in der zweiten Folge „Stimmen der Lebenden“ die Dichtung des eigenen wie des fremden Volkstums zu uns sprechen zu lassen. (Verlagsverzeichnis 1938)

Insgesamt erschienen über 50 Folgen, und darunter sind so gut wie alle völkisch-nationalen Autoren vertreten. Beispiele in alphabetischer Reihenfolge:

Bruno Brehm, Hugo Greinz, Maria Grengg, Karl Maria Grimme, Karl Julius Haidvogel, Robert Hohlbaum, Mirko Jelusich, Erich Kernmayer, Heinz Kindermann, Hans Kloepfer, Franz Nabl, Jos. Fr. Perkonig, Walter Pollak, Ilse Ringler-Kellner, Ernst Scheibelreiter, Franz Schlögel, Karl Springenschmid, Karl Hans Strobl, Erwin Stranik, Karl Hans Watzinger, Alexander Witeschnik, Kurt Ziesel usw.

Die Produktion des Adolf Luser Verlags und der Wiener Verlagsgesellschaft wird hier nicht weiter verfolgt. Es mag genügen, festzuhalten, daß er ebenso wie der Karl H. Bischoff Verlag (ehemals Zsolnay) vom Krieg insofern profitierte, als er Feldpostausgaben in großen Mengen herstellte und absetzte.

Mochten nach dem „Anschluß“ Verlage wie der Adolf Luser Verlag in Wien von noch so verdienten und fleißigen Pgs. geführt worden sein, hieß das aber noch lange nicht, daß sie und ihre Produktion nicht von der RSK in Berlin genauestens kontrolliert wurden. Denn wer publizieren wollte, mußte sich registrieren lassen und in die RSK, Gruppe Schriftsteller, aufgenommen werden. Wehe, es versuchte ein Verlag, ein Nicht-Mitglied zu drucken! Zu den Neuerscheinungen des Adolf Luser Verlags im Jahre 1939 zählten neben Heinz Kindermanns Das Burgtheater, Adalbert Schmidts Anthologie Ostmark-Lyrik und einem Werk von Karl Hans Strobl eine Neuauflage von Ferdinand v. Saars Novelle Leutnant Burda. Mehrere Monate nach Erscheinen des Bandes traf ein Brief der RSK Berlin im Luser Verlag ein, in dem mitgeteilt wurde,

daß der Verfasser des in unserem Verlag erschienenen Buches „Leutnant Burda“, Ferdinand von Saar, weder Mitglied der RSK noch im Besitze eines Befreiungsscheines für das genannte Buch sei. Es ist schade, daß dieser Brief nicht in Ischl vorgelegen hat, die Anfrage hätte sicherlich unseren schönen Abschiedsabend bereichert. Wir haben uns hier in Wien immer wieder lustig gemacht, wenn von verschiedenen Schriftleitungen unsere erfolgreiche Neuauflage so besprochen wurde, als weilte Ferdinand von Saar noch unter den Lebenden. Vielleicht weisen Sie auf kurzem Wege einmal den unterzeichneten Referenten Maurer (?) an, in seine wahrscheinlich kleindeutsch zugeschnittene Literaturgeschichte auch die deutschen Erzähler des alten Österreich aufzunehmen. (…)
Heil Hitler!
Ihr [gez.] Karl Bauer[34]

(Saar ist übrigens 1833 geboren und 1906 gestorben.) Aber als der Abteilungsleiter Metzner in Berlin den Brief Bauers von Bischoff (an den er gerichtet war) übermittelt bekam, war er weniger für Scherze aufgelegt. Seinen Unmut drückte er wenige Tage später in einem Schreiben an Max Stebich vom 15.3.1940 so aus:

In der Anlage übersende ich Ihnen abschriftlich einen Brief des dort ansässigen Verlagsbuchhändlers Karl Bauer, den dieser an den Referenten der Reichsschrifttumskammer, Pg. K.H. Bischoff, geschrieben hat. Ich bin natürlich für jeden Hinweis dankbar, da ich als Leiter von zwei Abteilungen unmöglich wissen kann, was im einzelnen geschieht. Ich werde den Vorgang sofort nachprüfen lassen, um festzustellen, wie das Versehen passieren konnte. Daß aber Herr Bauer von einer kleindeutschen Literaturgeschichte spricht, die der unterzeichnete „Referent“ benutzt und gar eine amtliche Mitteilung, wenn sie auch falsch ist, noch zur Bereicherung des Kameradschaftsabends verwendet, scheint mir doch weniger ein Hinweis, als eine Kritik zu sein und ich bitte Sie, doch Herrn Bauer kameradschaftlich einmal etwas von der Arbeit der Reichsschrifttumskammer zu erzählen und ihn im übrigen zu bitten, Dinge, die die Autoren angehen, grundsätzlich und möglichst unter Einhaltung des Dienstweges der Abteilung II, Gruppe Schriftsteller, unmittelbar zuzuleiten.
Heil Hitler!
Metzner

Trotz eines ausgeklügelten autoritären Systems war man in Nazi-Deutschland nicht in der Lage, alles in den Griff zu bekommen.

Anmerkungen

[1] Quellenhinweise: Handelsgericht Wien, Registerakt A 61, 215a (WrStLa); Akt Adolf Luser Verlag und Wiener Verlagsgesellschaft m.b.H./Gremium.

[2] Das Unternehmen wurde am 21.1.1921 unter Register B, Bd. 9, pag. 29 ins Wiener Handelsregister eingetragen. Im Februar 1940 wurde es nach HRA 5147 umgeschrieben und am 10. September 1942 gelöscht.

[3] Näheres zu Mayers Tätigkeit innerhalb dieses Vereins, siehe HERMANN BOHM, Erich August Mayer. Völkisch-nationale Ideologie im österreichischen Roman der Zwischenkriegszeit. phil. Diss. Wien 1980, bes. S. 101-103. Siehe auch noch den Vereinsakt im Vereinskataster der Stadt Wien: Zahl 13.797/1927. (Der Akt ist leider nicht komplett.) AVA, BKA (Gendion), Geschäftszeichen 15/4, ZI. 305.484-GD 2/1937. Alle Unterlagen 1927-37 sind in diesem Akt zusammengetragen worden. Der Verein hatte im Geschäftsjahr 1930/31 5.213 zahlende Mitglieder; am 1. Oktober 1935 war die Zahl auf 2.602 zurückgefallen.

[4] Zitiert nach BOHM (zit. Anm. 3), S. 104. Quelle ist ein maschingeschriebener Lebenslauf aus dem Jahre 1938, der wahrscheinlich zum Zwecke der Aufnahme in die RSK, Gruppe Schriftsteller, verfaßt wurde.

[5] Sehr aufschlußreich in dieser Hinsicht ist der zugegebenermaßen einseitig gefärbte Kommentar Wladimir v. Hartliebs in einer Tagebucheintragung vom 29. Jänner 1937. Obwohl nach eigener Einschätzung national gesinnt, wird Hartlieb, offenbar weil er der Regierung nicht genehm ist, ignoriert. In diesem Zusammenhang kommt er auf Hans von Hammerstein-Equord zu sprechen und dessen „nationale“ Vergangenheit: „Ein Wort über Hammerstein. Frist als Dichter völlig talentlos, gradezu lächerlich. Aber er war wenigstens ein anständiger Mensch. Als wir Nationale 1933 aus dem Penklub austraten, schloß er sich uns an; damals war er auf unserer Seite. Dann bot sich ihm plötzlich die Chance, Karriere zu machen, und er erlag der Versuchung: Er stellte sich Dollfuß zur Verfügung. Bis 1933 einfacher Bezirkshauptmann, wurde er nun in rascher Folge Sicherheitsdirektor in Linz, dann Staatssekretär, dann Minister. Jetzt ist er Bundeskommissär für Kulturpolitik. Diese hohen Stellungen verschafften ihm auch eine Art Dichterruhm. Große Verleger druckten ihn plötzlich, die jüdische Presse strich ihn mächtig heraus. Er wurde ein Liebling der Juden – er, der seinerzeit aus Protest gegen die antideutsche jüdische Resolution mit uns aus dem Penklub ausgetreten war! Er ging noch einen Schritt weiter, er tat etwas Unfaßbares: Er ließ sich vor ungefähr einem Jahr sogar zum – Präsidenten dieses Penklubs wählen, der nun, seit unserem Austritt, fast nur noch aus Juden besteht! Und er ist heute noch der Präsident dieses Klubs! Er wurde belohnt: er gilt jetzt als ein Repräsentant des österreichischen Schrifttums. Ehrungen, Auszeichnungen regnen auf ihn herab. Dabei ist er innerlich doch ANTISEMIT, wie ich positiv weiß! Aber die Karriere geht ihm über alles. -“ (WLADIMIR VON HARTLIEB, Tagebuch 1936-1938. Nachlaß Hartlieb, Österr. Nationalbibliothek, Wien.)

[6] Diese Zeitschrift erschien ab Oktober 1934 in der ABZ-Druck- und Verlagsanstalt Wien. Dazu VIKTOR SUCHYS Aufsatz: Literatur „März 1938″, in: ,Wien 1938“. Verein für Geschichte der Stadt Wien. Wien 1978 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, Band 2), S. 258-272; bes. S. 269: „Mit dem Juliabkommen 1936 sah ich ihre Mission, zwischen dem ,Dritten Reich“ und Österreich auf ihre Weise zu vermitteln, wohl für erfüllt an und stellte im September 1936 ihr Erscheinen ein.“ Nach einer frdl. Auskunft von em. O. Univ.-Prof. Adalbert Schmidt vom 23.4.1983 erschien „die Zeitschrift im 1. Jahr auf Kosten der Herausgeber, die durch eigene Zuschüsse das Erscheinen ermöglichten. Den folgenden Jahrgang übernahm der Adolf Luser Verlag in Wien. (…) Die Einstellung im September 1936 erfolgte auf einen Entscheid des Verlegers Adolf Luser, weil die Zeitschrift infolge der niedrigen Abonnentenzahl finanziell nichts einbrachte.“

[7] Dazu GERHARD BOTZ, Wien vom „Anschluß“ zum Krieg. Nationalsozialistische Machtübernahme und politisch-soziale Umgestaltung am Beispiel der Stadt Wien 1938/39. Mit einem einleitenden Beitrag von KARL R. STADLER. Wien/München: Jugend und Volk, 1978, S. 418.

[8] Zu dieser Bewegung und den Machtkämpfen unter den einzelnen NS-Gruppen in Österreich vor dem „Anschluß“ siehe GERHARD JAGSCHITZ, NSDAP und „Anschluß“ in Wien 1938. In: Wien 1938, (Zit. Anm. 6), S. 147-157; bes. S. 147, 151.

[9] BOTZ (Zit. Anm. 7), S. 148. Diese Summe entspricht einer Summe von 1 Million Schilling, die möglicherweise Luser-Schulden darstellen.

[10] Der Adolf Luser Verlag wurde am 1.2.1940 infolge Gewerberücklegung aus dem Handelsregister gelöscht! Die Nachfolgefirma gleichen Namens war eine Ges.m.b.H.

[11] Vermerk Dr. Edgar Traugott, RSK Wien im Akt Luser/Gremium.

[12] Schreiben Soppers vom 20.1.1941.

[13] Zitiert nach „Ratskammerbeschluß“ in: WZ, Nr. 133, 9. Juni 1949.

[14] Geschäftspostkarte im Akt Wiener Verlag/Gremium.

[15] Schreiben vom 16.2.1945 (Akt Gremium).

[16] WZ, Nr. 133, 9.6.1949.

[17] Landesgericht für Strafsachen Wien, Abt. Vg Sa/Vr 1066/49. Dazu WZ, 9.6.1949.

[18] Partezettel im Akt Gremium.

[19] Börsenblatt, Nr. 65, 18.3.1938, S. 1467 und ebenda, Nr. 84, 9.4.1938, S. 2081. Als Will Vespers „jahrelanger Kampf gegen das jüdische und undeutsche Verlegertum in Wien“ im Mai 1938 fast zu Ende war, griff er dem leidgeprüften Verlag unter die Arme: „In Zukunft sind ja auch alle Wiener Verlage, soweit sie weiter bestehen werden, nun deutsche Verlage, die wir gerne mit allen Kräften fördern, wenn sie sich für deutsche Dichtung und deutsche Kultur einsetzen. Verlage allerdings, wie allen voran der Verlag Adolf Luser in Wien, die auch in der Vergangenheit mit Mut und aller Kraft für echte deutsche Kultur und deutsche Dichtung gestritten haben, sollte man vor allen Dingen fördern.“ (Die Neue Literatur, Heft 5, Mai 1938, S. 264.) Weitere Erwähnung ebenda, Heft 3, März 1938, S. 150 und bei KARL INHAUSER, Wer verlegt heute wen?, in: Österreichische Volkspresse, 12.6.1937, S. 4.

[20] Dazu WALTER KLEMM, 90 Jahre Schutzarbeit. Zum Gründungstag 13. Mai 1880 des Deutschen Schulvereines Wien. Wien 1970 (Eckart-Schriften Heft 35), S. 4: „(…) 1920 wurde er [Der getreue Eckart] zu einer künstlerisch wertvollen Familienzeitschrift erweitert und dem Adolf Luser Verlag eingegliedert, der auch die geschäftliche Führung der ,Eckart-Buchhandlung‘ übernahm.“

[21] ELFRIEDE HÜTTER, Monographie über den Dichter Erich August Mayer. phil. Diss. Wien 1945, S. 11. Diese Arbeit trägt die Entstehungszeit eindeutig in sich. Das NS-Literaturvokabular erstreckt sich sogar auf den angeschlossenen Lebenslauf.

[22] ERICH AUGUST MAYER. Lebenslauf 1938. Zitiert nach Böhm (zit. Anm. 3), S. 101.

[23] Josef Weinheber in einem Schreiben an Wolf v. Niebelschütz vom 20.9.1941, in: JOSEF WEINHEBER, Sämtliche Werke. V. Band: Briefe. Salzburg: O. Müller Verlag, 1956, S. 564.

[24] Beigeheftet im Getreuen Eckart, 1938, Band 2.

[25] Schreiben Globocniks vom 23. Juni 1938, ebenda.

[26] Schreiben Brehms vom 24. Juni 1938, ebenda.

[27] Witeschnik (* 3.3.1909, Wien) entstammt einer alten Wiener Musikerfamilie, verfaßte eine große Anzahl von Musikbüchern und brachte zuletzt ein Werk über Richard Wagner heraus. Ab 1950 war er Kulturredakteur der Neuen Wiener Tageszeitung. In der NS-Zeit verfolgte er freilich ganz andere Ziele. Symptomatisch hiefür ist seine Reportage „Die jüdische Dreckseele“, erschienen in der Rundpost am 6.8.1938 (S. 4) und geschrieben nach einem Besuch der Schau „Der ewige Jude“. Witeschnik im Original-Ton: „(…) Wir wollen hier bloß eines herausgreifen, da [sic!] sich vielleicht aus all den Bildern, Gegenständen, Akten, Dokumenten, Statistiken usw. zum erschütterndsten Eindruck und zugleich zur überwältigendsten Anklage gegen das Judentum verdichtet, das ist die sittliche Verkommenheit des Juden und sein geradezu satanischer Einflußfeldzug in dieser Richtung. Hinter allen Masken verbirgt sie sich, Kunst, Presse und Wissenschaft müssen ihre Namen leihen, aber überall schlägt sie durch, die jüdische Dreckseele und ihr einziges Ziel: die planmäßige Rassenzersetzung. (…)“ Kommentar überflüssig. Zu Witeschniks Biographie siehe Anzeiger, Nr. 6, Mitte März 1974, S. 32. Witeschnik starb am 19. Juli 1993 in Wien.

[28] MARIA GRENGG, Seine schönste Bestätigung als Dichter. In: HEINRICH ZILLICH (Hg.): Bekenntnis Zu Josef Weinheber. Erinnerungen seiner Freunde. Salzburg: Akademischer Gemeinschäftsverlag, 1950, S. 42-46; bes. S. 42.

[29] Brief Weinhebers an Korfiz Holm, vom 24.11.1937 (Briefe, zit. Anm. 23), S. 288 f.). Anders hätte Weinheber im August 1934 unmittelbar vor seinem Adel und Untergang geurteilt: „Luser ist außerordentlich koulant, eine wahre Wohltat. Er hat das Buch genau so gemacht, wie wir es zusammengestellt hatten. Nicht ein Jota hat mir Ing. Grimme verändern dürfen. Ich bin wild glücklich.“ (Anm. 23, S. 82, 29.8.1934). Grimme ist am 14.8.1983 gestorben.

[30] Allgemein wird auf die Arbeit von Hütter sowie auf die eingehende Analyse von Böhm verwiesen. Zu den Auflagenzahlen seiner Bücher bei Luser bis Ende 1937 siehe Börsenblatt, Nr. 275, 27.11.1937, S. 6051. Zahlen 1944, Hütter, S. 243.

[31] Verlagswerbung zur Neuauflage 1937, in: Börsenblatt, Nr. 270, 22.11.1937, S. 5867.

[32] FRANZ KOCH, Gegenwartsdichtung in Österreich. Berlin 1935.

[33] Zitiert nach der Verlagsanzeige in: Börsenblatt, Nr. 270, 22.11.1937, S. 5867.

[34] Beide zitierten Schriftstücke finden sich im Akt Luser/Gremium.

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