Verlag Karl Schusdek

Verlag Karl Schusdek[1]

Nach der Matura in Wien begann Karl Schustek, wie er sich zu dieser Zeit offensichtlich nannte, im Wintersemester 1913/14 im Alter von 19 Jahren das Jus-Studium an der Universität Wien. Er studierte nur noch im SS 1914, bevor er bis Kriegsende beim Militär diente. „Auf welchem Gebiete Karl Schusdek seine Existenz suchen sollte, war für ihn keine Frage. (…)“ Er entschloß sich, „mit seiner Tätigkeit dort einzusetzen, wo er dem Bedürfnis weitester Kreise nach nutzbringender Lektüre entgegenkommen konnte: mit der Verbreitung populär geschriebener Bücher, die der Aufklärung und dem Wissen dienen. Der Plan war da, bis in die kleinsten Einzelheiten durchdacht und zur Ausführung fertig: gute Bücher einkaufen, gute Arbeiten erwerben und drucken lassen und durch eine möglichst großzügige Propaganda dem Publikum bekanntmachen. Nur eines fehlte noch – das nötige Geld! (…)“.

Da er nicht über die Mittel verfügte, selbst Werke zu erwerben und drucken zu lassen, beschränkte er sich zunächst darauf, in bescheidenstem Ausmaße jene Bücher einzukaufen, deren Zugkraft ihm bekannt war.[2] Das Resultat war die „Versandbuchhandlung Schusdek“. Zwei Jahre später – also 1921 trat er selbst als Verleger hervor. Er erhielt im Juli 1921 eine Konzession zum Betrieb des Verlags- und Versandbuchhandels mit Ausschluß des offenen Ladengeschäftes. Sitz der Firma war Wien 5., Stollberggasse 21. Im selben Jahr erschienen die ersten Publikationen im Schusdek Verlag. Stützpfeiler des Geschäfts blieb allerdings der Versandbuchhandel. Zwei Jahre nach Verlagsbeginn ließ Schusdek seine Firma handelsgerichtlich protokollieren. Am 24. April 1923 wurde die „Karl Schusdek Verlags- und Versandbuchhandlung Ges.m.b.H.“ unter Register A, Band 2, pagina 57a ins Wiener Handelsregister eingetragen. Schusdek dürfte – wohl aus finanziellen Gründen – 1925 seine Produktion eingestellt haben.[3] Der Registerakt des Handelsgerichts vermerkt erst 1938 wieder eine Änderung: Am 12. April 1938 wird die Firma „Wegen Gewerberücklegung“ aus dem Handelsregister gelöscht. Zu diesem Zeitpunkt fand sich Schusdek, der mosaischer Konfession war, bereits in Haft. Ein letzter Vermerk im Registerakt aus dem Oktober 1938 läßt darauf schließen, daß Schusdek ins Ausland übersiedelt ist. Ob in ein KZ, ist nicht bekannt …

Die Produktion

Die Produktion des Schusdek Verlags in den Jahren 1921 bis 1925 machte nur etwa ein knappes Dutzend Titel aus, davon ungefähr ein Viertel „Belletristik“. Wie bereits oben erwähnt, hatte es Schusdek mit der Verbreitung populär geschriebener Bücher zu tun, die der Aufklärung und dem Wissen dienten.

1924, Umschlagzeichnung von Eduard Gärtner

1924, Umschlagzeichnung von Eduard Gärtner

Schusdek

Firmenprospekt von Karl Schusdek

Schusdek Gefährten

Umschlagzeichnung von Eduard Gärtner, 1924

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist nicht überraschend, daß sieben Werke, darunter die allerersten, vom Volksaufklärer und Hugo Bettauer-Imitator Joseph Carl Schlegel stammen. Von Schlegel erschienen bereits 1921 fünf Titel, darunter der Bestseller Die Hygiene der Ehe. Der Weg zu Liebes- und Eheglück. Die Gesamtauflage erreichte bis 1925 über 100.000 Exemplare. Daß Schusdek für „schlüpfrige“ Literatur zu haben war und in manchen Kreisen als Pornographie-Verleger gesehen wurde, bewies er bereits 1923, als er nach einem langen polemischen Kampf mit David Erdtracht vom Interterritorialen Verlag „Renaissance“ Paul Marguerittes Bestseller La Garçonne (Die Junggesellin) in deutscher Übersetzung herausbrachte. Im folgenden Jahr blieb er dieser Linie treu, als er Erwin Weills Roman Der Palast zu den tausend Wonnen sowie Fortuné Paillots Das frische Fleisch und Victor Marguerittes Le Compagnon (Gefährten) herausgab. 1925 folgte ein weiterer Bestseller von Edmond de Goncourt in deutscher Übersetzung (von Rudolf Brettschneider, dem früheren Direktor des Ed. Strache Verlags), nämlich Die Dirne Elisa. Womit sich die Belletristikproduktion des Verlags Karl Schusdek erschöpft.

Außerdem erwähnenswert ist die Publikation Schusdeks Magazin, die zwischen 1927 und 1930 in sehr unregelmäßigen Abständen erschien. In erster Linie diente es als Werbeblatt für Schusdeks Versandbuchhandel, enthielt aber auch Lyrikproben, kurze Erzählungen usw. in deutscher Übersetzung.

Anmerkungen

[1] Quellenhinweise: Handelsgericht Wien. Registerakt A 2, 57a (WrStLa); Zehn Jahre Schusdeks Verlag. Von einem Mitarbeiter. In: Schusdeks Magazin (Wien), Nr. 7, o.D., [Dezember 1929], S. 2-3.

[2] Zehn Jahre Schusdeks Verlag, ebda., S. 2.

[3] Schusdek und seine Frau Elise waren beide an der am 30. Mai 1924 handelsgerichtlich protokollierten Buchhandlung Schneider & Co. (Reg. A, Band 22, pagina 155a) beteiligt und in der Buchhandlung beschäftigt. Gesellschafter war Robert Schneider. Nach 1938 wurde der Firma ein Abwickler (Dr. Gottfried Linsmayer) zugeteilt. Sie wurde am 22. Mai 1942 gelöscht. Betriebsgegenstand: Buchhandel mit Einschluß des Antiquariatsbuchhandels. OHG seit 1.4.1924.

Ergänzungen zur Buchveröffentlichung von 1985

  • Hermann Staub: Indische Liebeskunst obszön? Karl Schustek verlegt das Kamasutram. In: Erotisch-pornografische Lesestoffe. Das Geschäft mit Erotik und Pornografie im deutschen Sprachraum vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Hrsg. v. Christine Haug, Johannes Frimmel und Anke Vogel unter Mitarbeit von Theresa Lang und Franz Adam. Wiesbaden: Harrassowitz, 2015, S. 183–205.

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