EHRENDOKTORATE

EHRENDOKTORATE ÖSTERREICHISCHER UNIVERSITÄTEN FÜR REICHSDEUTSCHE VERLEGER

Im folgenden soll auf zwei reichsdeutsche Verlage, die in Österreich zwar keine eigene Vertretung (Niederlassung) unterhielten, jedoch was Absatz und Verbreitung betrifft, eine dominierende Stellung auf dem Belletristikmarkt hatten, eingegangen werden. lm Mittelpunkt steht weniger eine ausführliche Geschichte dieser Unternehmen, was sowieso nicht zum Gegenstand dieser Arbeit gehört. Vielmehr soll auf das Umfeld eines Phänomens aufmerksam gemacht werden, nämlich der Verleihung von Ehrendoktoraten an zwei deutsche Verleger durch zwei österreichische Universitäten: an den Juniorchef des Verlagshauses Reclam in Leipzig und an den Chef des L. Staackmann Verlags in Leipzig, Alfred Staackmann. An diesen Verleihungen ist einiges bemerkenswert: 1. Die verleihenden Institutionen, also die Universitäten Graz bzw. Innsbruck (und nicht Wien), 2. daß es sich in diesen Fällen um die einzigen Verleger, denen man diese Ehre zuteil werden ließ, handelt, 3. daß während der Zwischenkriegszeit einige österreichische Verleger zwar diverse Ehrungen, Orden, Titel usw. verliehen bekamen, das Ehrendoktorat aber nicht, 4. daß bei diesen Verlagen – zweifelsohne verstärkt bei Staackmann – auch eine vorherrschende politische Gesinnung und eine Präferenz für völkisch-nationales Schrifttum zum Ausdruck kommt, insofern als z.B. S. Fischer, Kurt Wolff, Ernst Rowohlt u.a. auch für ihre Verdienste um die österreichische Literatur „beehrenswert“ gewesen wären, 5. daß die tatsächliche Verleihung aus bestimmten, auch außenpolitischen Gründen in Relation zum gegebenen Anlaß mit reichlicher Verspätung erfolgte.

Reclam[1]

ReclamAm 1. Oktober 1928 feierte das Verlagshaus Philipp Reclam jun. in Leipzig seinen hundertjährigen Bestand. Den Anfang der Produktion machte die erste volkstümliche Ausgabe von Shakespeares Werken. Als dann mit dem Sturz der deutschen Bundesverfassung am 1. Oktober 1867 die Privilegien der Klassikerverleger erloschen, kamen die ersten billigen Ausgaben Schillers und Lessings heraus. Im selben Jahr erfolgte die Gründung der Reclamschen Universal-Bibliothek, die einen völlig neuen Weg in der damaligen Verlagslandschaft einschlug und auch international einmalig war. Die ursprüngliche Beschränkung auf die „freien“ Autoren wurde aufgegeben, neuere und neueste Schriftsteller in die Bibliothek aufgenommen. Bis zum Jubiläum 1928 waren bereits rund 7.000 Nummern erschienen. Der Reclam-Verlag hatte sich auch um die Literatur in Österreich verdient gemacht, sodaß einzelne Mitglieder des Professorenkollegiums der philosophischen Fakultät der Universität Graz auf den Gedanken kamen, den Juniorchef des Hauses, Hans Emil Reclam (*1881), der akademische Studien betrieben, aber den Doktorhut nicht erworben hatte, mit einem Ehrendoktorat auszuzeichnen. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits im Herbst 1928 an der Universität unternommen. Es wurde nämlich eine Kommission eingesetzt, um Reclams Würdigkeit zu überprüfen, und am 8. März 1929 beschloß das Professorenkollegium der Phil. Fakultät an der Universität Graz, Reclam das Ehrendoktorat zu verleihen und das Bundesministerium für Unterricht in Wien um Genehmigung dieses Beschlusses zu ersuchen. Der Antrag wurde folgendermaßen begründet:

Diesem letzteren, Hans Emil Reclam, will die philosophische Fakultät der Grazer Universität die Auszeichnung des Ehrendoktorats angedeihen lassen, in Anerkennung und Würdigung der Verdienste, die sich das Haus Reclam um die deutsche Literatur- und Geistesgeschichte erwarb. Daß eine österreichische Universität dies tut, ist zugleich eine Anerkennung der Tatsache, daß die Universalbibliothek und die anderen Verlagsunternehmungen die österreichischen Dichter und Schriftsteller in reichem Maß aufnahm: z.B. Anzengruber, Castelli, Felder, Fraungruber, Gilm, Anastasius Grün, Halm, Hamerling, Kürnberger, Sealsfield, Stelzhamer, Leitner, Lenau, Nestroy, Raimund, Saar, Stifter und viele andere, bekannte und wenig bekannte, älterer und neuerer Zeit.[2]

Das Ministerium ignorierte den Antrag aus Graz von nun an 21 Monate lang, sagte weder ja noch nein, worauf das Professorenkollegium in seiner Sitzung vom 5.12.1930 beschloß, „das Ministerium zu bitten, auf seinen Antrag vom 8.3.1929 einen klaren Bescheid zu erlassen“.[3] Für die Universität war die Sache inzwischen etwas peinlich geworden. Erst mit Erlaß vom 3. Februar 1931 (!), also zwei Jahre nach dem ersten offiziellen Antrag, bequemte sich Unterrichtsminister Czermak, den Beschluß auf Verleihung des Ehrendoktorats der Philosophie an Hans Emil Reclam zu genehmigen.
Am 28. Februar wurde Reclam vom Dekan über diesen Beschluß informiert.[4] Am 5. März übernahm Reclam die ihm „verliehene Würde in dem Bewußtsein (…) der besonderen Pflege, die mein Verlag seit jeher dem österreichischen Schrifttum hat angedeihen lassen“. Er dankte „für die mir verliehene hohe Auszeichnung, die für mich umso wertvoller ist, als sie mir von einer so alten und angesehenen Hochschule unseres österreichischen Bruderlandes dargebracht wird.“ Doch war Reclam „durch starke geschäftliche Inanspruchnahme verhindert, nach Graz zu kommen, um persönlich zu der Promotion zu erscheinen“. Er ließ sich die Urkunde mit der Post schicken.

Welche innen- und außenpolitische Interessen im Spiel waren, darüber kann man nur spekulieren. Allerdings hatte sich der Reclam-Verlag tatsächlich Verdienste um die österreichische Literatur, auch die der Gegenwart erworben, mehr, möchte man fast sagen, als so mancher österreichische belletristische Verlag.

L. Staackmann[5]

StaackmannVielschichtiger ist der Fall Staackmann: hier haben die gespannten politischen Beziehungen zwischen Österreich und Deutschland eine entscheidende Rolle gespielt, bedenkt man, daß erste Schritte um die Zeit unternommen wurden, als die deutsche Reichsregierung Reisen nach Österreich beschränkte („Tausendmarksperre“) und die NSDAP in Österreich verboten wurde (19.6.1933). Die Verleihung blieb diplomatisch „inopportun“, bis nach Unterzeichnung des sog. „Juli-Abkommens“ im Jahre 1936.

Eine kritische Geschichte des L. Staackmann Verlags – kritisch in dem Sinne, daß sie über die verlagseigene Propaganda hinausgeht und die Verlagsentwicklung aus heutiger Sicht beurteilt – und eine Gesamtwürdigung des Stellenwerts von Staackmann-Autoren innerhalb der österreichischen Literatur im 20. Jahrhundert können hier nicht geboten werden. Fine solche kritische Geschichte des sehr wichtigen Verlags, vor allem in Hinblick auf die tradierte nationale Ideologie, steht noch aus. Sollte man sie einmal in Angriff nehmen, wird man davon ausgehen müssen, daß das Staackmann-Archiv in Leipzig durch Kriegswirren nahezu vollständig verlorenging.[6] Daher wird man großteils auf die Korrespondenz einzelner Verlagsautoren in Nachlässen (z.B. Rosegger, Ginzkey, Greinz etc.) wie auf Verlagsalmanache, Gedenkschriften u.dgl. angewiesen sein. Erst durch mühselig zusammengetragene Einzeldokumentationen über Autor, Verlag und Verleger wird es gelingen, Mosaiksteine zu einer großen Verlagsgeschichte zu schaffen.

Staackmann 2Die Firma L. Staackmann Verlag wurde am 1. Oktober 1869 durch Ludwig Staackmann (* 3.7.1830), einen Bäckerssohn aus Wolfenbüttel, gegründet. Die Verlagstätigkeit setzt ein am 1. Jänner 1873 mit dem Ankauf der bis dahin bei Otto Janke/ Berlin erschienenen Werke des befreundeten Leipziger Englischlehrers Friedrich Spielhagen. Zwanzig Jahre lang bleibt Spielhagen der einzige Autor des Hauses. Im Jahre 1893 knüpft Ludwig Staackmann die ersten Beziehungen zu Peter Rosegger an, doch war die Freundschaft nur von kurzer Dauer: Ludwig Staackmann starb am 13. Dezember 1897, die Firma ging an seinen am 21.5.1873 in Leipzig geborenen ältesten Sohn Alfred über. Aber mit Peter Rosegger erfuhr die bis dahin einseitig begrenzte Verlagstätigkeit der Firma eine Wendung. „Die beiden ersten und ältesten Autoren des Verlages sollten richtunggebend sein und bleiben für die gesamte Entwicklung des Verlagshauses.“[7] Am 1. Jänner 1899 kaufte der junge Alfred Staackmann die vom Wiener Verlag A. Hartleben herausgegebenen Werke Peter Roseggers an und verlegte und vertrieb sie fortan. So brachte damals ein Sonderzug mit 8 Waggons die bedeutenden Vorräte an Büchern und Platten etc. nach Leipzig. Unter Alfred Staackmann erweiterte das Unternehmen seine Grundlage ganz bedeutend, gewann 1899 als dritten Autor Otto Ernst hinzu. Bis Ende 1904 widmete sich der Verlag nun ausschließlich dem Vertriebe dieser drei Autoren. Dann kamen zwei österreichische Dichter, Emil Ertl und Rudolf Greinz mit je einem neuen Novellenband hinzu. Auf diese beiden Österreicher folgten Franz Karl Ginzkey im Jahre 1905 mit einem kleinen Gedichtband Das heimliche Läuten und Rudolf Hans Bartsch im Frühjahr 1908 mit dem Roman Zwölf aus der Steiermark. Sukzessiv wurde die Zahl der Österreicher immer größer. Hinzu kamen später Anton Wildgans, Karl Schönherr, Adam Müller-Guttenbrunn, Karl Hans Strobl, Robert Hohlbaum, Rudolf Haas, Friedrich von Gagern, Theodor Heinrich Mayer, Hans Watzlik, Emil Hadina usw. In der Staackmann-Jubiläumsschrift 1929 konnte man lesen, daß diese Autoren „im Sinne eines gesunden deutschen Schrifttums gewirkt“ hätten. Und das ist nicht die einzige Anspielung auf das Kern-Deutschtum, die man unter den Zeugnissen findet. In der soeben zitierten Schrift heißt es weiter:

Die Förderung des Lebenswerkes von Peter Rosegger war andererseits der Ausgangspunkt für die große Mission, die der Verlag für das deutsch-österreichische Schrifttum, dessen erlesenste und erfolgreichste Vertreter nach und nach unter den Fittichen des Staackmann-Adlers vereinigt werden konnten, zu erfüllen suchte. (S. 10)

1930 förderte der L. Staackmann Verlag „eine neue Generation“, die mit der „alten“ viel gemein hatte: unter dem Titel Die 7 Jungen aus Österreich erschien eine Novellensammlung herausgegeben von Leopold Steiner mit Proben von Carl Julius Haidvogel, Josef Robert Harrer, Paul Anton Keller, Maria Mühlgrabner, Friedrich Schreyvogl, K.H. Waggerl, Guido Zernatto. Darunter finden sich also Autoren, die sich dem Bund deutscher Schriftsteller Österreichs anschlossen und acht Jahre später Bekenntnisse zu Hitler ablegten.

Als Verlagsunternehmen war der L. Staackmann Verlag ungeheuer erfolgreich, und was Auflagen und Produktion betrifft, konnte in Österreich diesbezüglich bestenfalls Paul Zsolnay mithalten. Wie beliebt die Staackmann-Autoren waren – auch in Relation zu österreichischen Autoren in anderen Verlagen – geht aus den Jahresberichten der n.o. Handels- und Gewerbekammer in Wien beispielsweise für die Jahre 1911, 1912 und 1913 hervor. Da liest man etwa 1911:

Tatsache ist es, daß auf belletristischem Gebiet in Wien von allen Schriftstellern am meisten österreichische Autoren beliebt sind. Die Bücher von Bartsch, Ertl, Greinz, dann von Hermine Clöter, Wassermann, Decsey und Rosegger haben im vorigen Jahre einen größeren Absatz gefunden als jene anderer Autoren.[8]

Die ersten drei und der letzte waren – wie Karl Kraus sie bezeichnete – „Staackmänner“. Im Bericht für 1912 – das Jahr, in dem der S. Fischer Verlag zum 50. Geburtstag von Gerhart Hauptmann und Arthur Schnitzler Gesamtausgaben veranstaltete – heißt es:

Neben Hauptmann und Schnitzler wurden gern gekauft die Österreicher Bartsch, Ginzkey, Greinz, Salburg und Strobl.[9]

1913 wies die Bücherproduktion im allgemeinen eine erhebliche Steigerung gegen die früheren Jahre auf. Auch zeigte der Bücherbedarf des Publikums eine steigende Tendenz. Wieder zählten in Wien die Staackmann-Verlagswerke zu den meistgekauften im Bereich Belletristik. So heißt es im Bericht für 1913 der n.ö. Handels- und Gewerbekammer in Wien:

Von Romanschriftstellern, welche im Jahre 1913 am meisten begehrt wurden, sind zu nennen: Die Österreicher: Bartsch, Ertl, Ginzkey, Greinz, Müller-Guttenbrunn, Schnitzler und Strobl.[10]

Also bis auf Schnitzler lauter Staackmänner! Von Büchern außer-österreichischer Autoren konnten in diesem Jahr nur Thomas Mann und Ernst Zahn mithalten.

Anläßlich seines Jubiläums im Jahre 1929 gab der Verlag einen Almanach heraus, der über die große Verbreitung seiner Bücher interessante statistische Zahlen mitteilt. In den 60 Jahren des Bestehens, von denen nahezu 25 Jahre dem Vertrieb nur eines einzigen Autors gewidmet waren, produzierte Staackmann über 11½ Millionen Bände![11] Zur weiteren Veranschaulichung stellte man fest, „daß bei gleichmäßiger Verteilung aller Verlagserzeugnisse auf die Bevölkerung des deutschen Reiches jeder 5. Deutsche ein Buch des Staackmann-Verlages besitzen, etwa jeder 17. einen Band des steirischen Heimatdichters Peter Rosegger, jeder 30. einen Band von Rudolf Hans Bartsch oder Otto Ernst sein eigen nennen würde“ (ebda., S. 41). Auflagen von über 100.000 Exemplaren zu erreichen – etwas, was unter belletristischen Verlagen in Österreich nur Zsolnay und lange vor ihm der Wiener Verlag schaffte – waren bei Staackmann nichts Ungewöhnliches. Von den 15 in einer Tabelle im Almanach 1929 angeführten Werken stammen 8 von Peter Rosegger. Auch Werke von drei weiteren Österreichern, die heute kaum gelesen werden, erreichten bis 1929 die 100.000-Marke: Rudolf Hans Bartsch (Schwammerl), Karl Schönherr (Glaube und Heimat), Rudolf Greinz (Allerseelen).

Der meistgekaufte Autor des Verlags war freilich mit Abstand Peter Rosegger. Staackmann setzte von seinen Büchern bis 1929 über 3 ½ Millionen Bände ab. Nach ihm folgten die Werke von Otto Ernst (1.12 Mill.), Rudolf Hans Bartsch (1.16 Mill.) und dem heute vergessenen Rudolf Greinz (803.000).[12] Einen einzigen Grund für diesen verlegerischen Erfolg gibt es wohl nicht, aber versuchen wir, diesen zu charakterisieren, indem wir zeitgenossische Zeugnisse heranziehen.

In der Fackel Nr. 398 vom Ende April 1914 würdigte Karl Kraus den Verlagsalmanach Taschenbuch für Bücherfreunde (hg. Rudolf Greinz) unter der Überschrift „Die Staackmänner“ in einer beißenden Satire. Bezüglich des Verlagsprogramms spricht er vom „Geist vierter Klasse, der aber in Deutschland erster und zweiter fährt. Dieser Geist wird vom Verlag Staackmann, Leipzig, ediert (…)“ (S. 22). Welters heißt es: „Eine gründliche anatomische Untersuchung würde ergeben, daß die meisten in diese Kategorie fallenden Patienten [= Staackmann-Autoren] infolge Schwindens der Schilddrüse Romanschriftsteller anstatt Tramwaykondukteure geworden sind.“ (S. 23) Und schließlich: „Es wird sich zeigen, daß alle Herren, die mit Staackmann in Verbindung sind, auch mit der Natur sehr gut stehen. Sie schreiben auf der Scholle und ackern auf dem Schreibtisch.“ (S. 24) Kraus handelte sich dabei eine Privatanklage von Alfred Staackmann wegen Urheberrechtsverletzung (unautorisierter Abdruck einer Fotographie aus dem Almanach) und wegen Ehrenbeleidigung ein. Er wurde im Dezember 1914 von der Anklage freigesprochen.[13]

Anfang der 20er Jahre notierte Robert Musil in seinem Tagebuch auch einige Gedanken zum Erfolg der Staackmann-Autoren:

Früher sagte der Mensch vom Familienblattroman: er gefallt mir; heute sagt er: er ist deutsch.
Von den deutschen Gemeinden der Tschechoslow. werden in großen Posten Staackmannbücher gekauft.
Sie müssen mehr völkisch schreiben, sagt ein einflußreicher Freund Spunda.
Eine Empfehlung von Hohlbaum bedeutet großen Absatz. Früher war die Karrikatur des Geisteslebens das politische Programm. Durch die Völkischen wird das Programm Leben.[14]

Aber schon in seinem kritischen Essay vom März 1919, „Der Anschluß an Deutschland“, war Musil auf deutsch-nationale Strömungen im Nachkriegs-Österreich und unweigerlich auf die Ideologie des Staackmann-Verlags zu sprechen gekommen. Denn gerade im Bereich Deutschnationalismus war Staackmann laut Musil mitbestimmend:

Man schwärmte für Erhöhung des deutschen Wesens in Österreich, meinte damit aber nicht etwa Rilke, obgleich der ein Deutscher, Österreicher und „Arier“ ist, sondern kerninniges deutschen Staackmannestum. Diese Gesinnung lebt leider heute noch in vielen Köpfen, vor allem unter der Studentenschaft;[15]

Eine treffende Charakterisierung des Verlags L. Staackmann als eines Hortes „gesunden“ deutschen Schrifttums konnte man Ende 1924 in der von Roderich Müller-Guttenbrunn herausgegebenen Zeitschrift Österreichische Woche lesen. Von „Asphaltliteratur“ ist zwar noch nicht expressis verbis die Rede, aber die Tonart nimmt manche literarkritische Ergüsse der NS-Zeit vorweg: Das „Staackmann-Buch“ war sozusagen „Markenartikel“:

Man kann heute ruhig sagen, daß der Verlag L. Staackmann in Österreich der in einem breiten Lesepublikum am besten bekannte Verlag ist, dessen Bücher vorwiegend österreichischer Autoren größte Verbreitung gefunden haben.
Und es ist wahrscheinlich, daß er diesen großen Erfolg vor allem dem Umstand zu verdanken hat, daß alle seine Bücher eine bestimmte Merke tragen, daß ein scharf umrissenes, wenn auch unausgesprochenes, Verlagsprogramm besteht, das jeder Käufer der Staackmannbücher kennt. Womit eigentlich ein gewisser Idealzustand des Buchhandels erreicht ist; das Buch wird nach dem Verlag gekauft. Der Leser weiß, daß er in diesen Büchern keinerlei zersetzenden Tendenzen der Gegenwart begegnen wird, daß Bücher mitarbeiten wollen an der inneren Gesundung des deutschen Volkes. Positiv sind sie fast alle, aber deshalb durchaus nicht hausbacken, wie von einer gehässigen Kritik, der alle gesunden Lebensäußerungen des deutschen Volkes verhaßt sind, manchmal hämisch bemerkt wurde.[16]

Einer, der es wissen müßte – Verlagsautor Robert Hohlbaum – vermochte in einer Würdigung zum 60. Geburtstag des Verlags im Getreuen Eckart 1929 das Erfolgsrezept kurz zu bestimmen:

Der [Staackmann] hat seine ganze, von Zugeständnissen ungetrübte Persönlichkeit in den Dienst der Sache gestellt, der er dient. Diese Sache ist – kurz gesagt – die eines weitgesteckten künstlerischen und menschlichen Nationalgedankens. Natürlich fehlt es nicht an Gegnern, die ihm Chauvinismus vorwerfen. Das begreifen wir.[17]

„Im Kampf um nationales Schrifttum“ war eine im Mai 1933 zum 60. Geburtstag Alfred Staackmanns im völkisch-nationalen Heimgarten aus der Steiermark erschienene Würdigung betitelt. Man erfuhr Prägnantes über des Verlegers Leistung:

Die besondere und einzigartige verlegerische Leistung Alfred Staackmanns besteht in der planmäßigen Zusammenfassung und großzügigen Förderung einer großen Gruppe führender reichsdeutscher, vor allem auch österreichischer Autoren, die ihre dichterischen Kräfte aus Volkstum und Stammeseigenart, Erde und Heimat gewinnen. Alfred Staackmann ist der deutsche Verleger, der es für sich in Anspruch nehmen kann, auch in dem hinter uns liegenden 15jährigen Zeitabschnitt tiefster weltanschaulicher Erschütterung der Idee der Nation und der Volksgemeinschaft treugeblieben zu sein. In einer Zeit, die die ausschließliche Representation des literarisch-geistigen Lebens art- und volksfremden Autoren zuwies, hat sich Staackmann unbeirrt für ein Schrifttum bekannt, das sich an das göttliche Sein im Leben gebunden fühlt und die Notwendigkeit einer lebendigen Volksgemeinschaft zur Forderung erhebt. Die Entwicklung der Dinge hat dieser überzeugten und unbeirrten Verlagspolitik recht gegeben.[18]

Im Mittelpunkt der Arbeit Staackmanns steht seine große Mission, als Pionier eines deutschgerichteten, bodenständigen, mit Heimat, Volkstum und Erde verbundenen Schrifttums zu wirken, wobei er der Erkenntnis der österreichischen Sendung im Lebensraum des deutschen Volkes in hervorragender Weise diente. (Ebda., S. 304)

So geschrieben im Jahre 1933 in Österreich. Daß das Deutsch-Nationale Programmkomponente war, wußten auch Staackmanns Nachrufer, als der Verleger am 4. März 1941 verstarb. Hervorgehoben werden neuerlich Staackmanns Verdienste um die extra-territoriale Schaffung eines „österreichischen Verlags“. So liest man in der Wiener Ausgabe des Völkischen Beobachters vom 6.3.1941:

es gelang ihm (…) im Laufe der Jahre die besten Köpfe des deutschösterreichischen Schrifttums in seinem Verlage zu sammeln und ihnen dort eine dauernde Heimstatt zu schaffen. Durch die Werke von Bartsch, Ertl, Ginzkey, Hohlbaum, Adam Müller-Guttenbrunn, Schönherr, Strobl und Wildgans, die er fürsorglich betreute, war es ihm gelungen, einen Verlag aufzubauen, der repräsentativ wurde für das Schrifttum des deutschen Österreich. Er öffnete seinen Autoren durch sein Verlagshaus die Pforten zur deutschen Nation, stellte es vor ihr Bewußtsein welche Fülle von großen Talenten in Deutschösterreich beheimatet war, welch wertvoller Beitrag für das gesamtdeutsche Schrifttum von diesen geleistet wurde.[19]

Und nach Ansicht des Völkischen Beobachters im September 1939 schien der Verlag Staackmann „im Tiefpunkt deutscher Geltung“ der einzige zu sein, „der auf dem weiten Plane deutschen Schrifttums selbstsicher, unerschüttert deutsch geblieben ist, der sich Deutsches, nur Deutsches zur Richtschnur machte – unbestritten bleibt ihm das Verdienst, das deutsch gebliebene Schrifttum der Ostmark wie ein gewaltiger Magnet in sich gesogen und betreut der großen deutschen Leserschaft ins Herz gestreut zu haben.“[20]

Ähnliche Worte, allerdings mit Metaphorik aus anderen Branchen, konnte man noch anläßlich zweier offizieller Ehrungen in Österreich 1929 und 1936 hören. Aber vielleicht soll kurz darauf hingewiesen werden, daß der L. Staackmann Verlag im Gegensatz zu seinen Konkurrenten in Deutschland sich nicht, was angesichts des Absatzes vielleicht naheliegend wäre, in Wien niederließ. Daß dies nicht geschah, hat einen ziemlich einfachen Grund. Von den vier Söhnen Ludwig Staackmanns war nicht nur Alfred im Verlagsbuchhandel tätig. Die Staackmann-Auslieferung für Wien war der Schuberthaus-Verlag, Wien 9., Währingerstraße 22. Inhaber der Musikalienhandlung und des Verlags „Schuberthaus“ war der am 13. April 1877 in Leipzig geborene Wilhelm Staackmann. Er war 1907 in die im Jahre 1854 gegründete Musikalienhandlung Schuberthaus eingetreten, wurde am 1.4.1909 Alleininhaber und erweiterte die Firma durch Errichtung eines Verlages.[21] Daher war es für den L. Staackmann Verlag nicht notwendig, in Wien eine eigene Vertretung zu etablieren.

Das 60-Jahre-Jubiläum im Oktober 1929 gab den Anlaß zu einer ersten großen Ehrung Alfred Staackmanns in Form des Goldenen Ehrenzeichens für besondere Verdienste um die Republik Österreich. Selbst Robert Musil notierte das Ereignis in seinem Tagebuch. [22] Initiator war der Staackmann-Autor Dr. Rudolf Haas aus Villach (u.a. Heimat in Ketten. Roman; Diktatur. Roman; Der Volksbeglücker. Roman; Matthias Triebl; Michel Blank und seine Liesel. Roman), der sich schon im August 1929 mit der Anregung an Bundespräsidenten Wilhelm Miklas wandte.[23] Auch die Österreichische Gesandtschaft in Berlin beantragte und befürwortete die Verleihung des goldenen Ehrenzeichens. Nach der Befürwortung u.a. durch das Bundeskanzleramt (Ausw. Angelegenheiten), das BM für Unterricht im September unterschrieb Bundeskanzler Johann Schober zwei Tage nach der Zustimmung durch den Ministerrat die Befürwortung persönlich am 23. Oktober 1929. Da heißt es:

Derselbe hat im Jahre 1899 die vom Wiener Verlag Hartleben herausgegebenen Werke Peter Roseggers angekauft und hat sich seitdem in erster Linie die Pflege und Förderung der österreichischen Dichtkunst angelegen sein. Unter den österreichischen Autoren, deren Werke der Verlag schon zu einer Frist übernahm, als die betreffenden Schriftsteller noch mit Erstlingsschwierigkeiten zu kämpfen hatten, figurieren ganz prominente Persönlichkeiten, wie Schönherr, Ginzkey, Bartsch, Strobl, Wildgans, Greinz etc.[24]

Sechs Tage später setzte Miklas seine Unterschrift unter die entsprechende Resolution. Wie in solchen Fallen üblich, bedankte sich Staackmann beim Bundespräsidenten. Da es sich um ein interessantes Zeugnis handelt, das das Selbstverständnis des Verlags gut dokumentiert, wollen wir das Schreiben Staackmanns hier vollinhaltlich wiedergeben:

Leipzig, den 11. November 1929.
Hochzuverehrender Herr Präsident!
Für das mir verliehene Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich erlaube ich mir hierdurch meinen tiefgefühltesten Dank auszusprechen.
Diese hohe Auszeichnung, die vor mir wohl noch keinem deutschen Verleger zuteil geworden ist, freut mich nicht nur deswegen, well sie eine sichtbare und offizielle Anerkennung meiner eigenen Tätigkeit darstellt, sondern well sie gleichzeitig auch eine Würdigung des Gesamtschaffens der österreichischen Autoren meines Verlages in sich schließt. Die mit mir verbundenen und meist eng mit mir befreundeten österreichischen Dichter und Schriftsteller haben es sich zur Aufgabe gestellt, das große in Österreich schlummernde Kulturgut dem deutschen Volke naher zu bringen. Im Gegensatz zu heutigen Modeströmungen betonen sie das Nationale, Positive und Verbindende, und diesen Ursachen ist es wohl zu danken, daß es meinem Verlag gelingen konnte, den Werken dieser echt deutschen, aber ihrem engeren Vaterland treu ergebenen Männer eine zum Tell recht bedeutende Verbreitung zu schaffen.
Seit meinem 21. Lebensjahr, als ich zum ersten Male mit den Schriften eines Peter Rosegger naher vertraut wurde, darf ich in Österreich meine geistige Heimat erblicken. Es war mir daher eine große persönliche Genugtuung, daß es mir gelingen konnte, meine Vorliebe für das schöne Land und seine Dichter auch auf meine geschäftliche Tätigkeit zu übertragen und meinem Verlag mit der Zeit eine ausgesprochene österreichische Note zu geben. Ich werde an dieser Einstellung auch in Zukunft festhalten und hoffe, mich auch fernerhin der mir gewordenen Auszeichnung würdig zu erweisen.
Ich habe die Ehre, Sie Herr Präsident, zu begrüßen und zeichne mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochschätzung als
Ihr sehr ergebener
[gez.] Alfred Staackmann[25]

Knapp vier Jahre später, im Mai 1933, feierte Alfred Staackmann seinen 60. Geburtstag, und seine getreuen Autoren waren geschlossen der Ansicht, man sollte ihn auf besondere Weise ehren. Nur war es gerade jetzt mit der politischen Ruhe des Jahres 1929 sowie zwischen Hitler- Deutschland und Dollfuß-Österreich vorbei. Zur Erinnerung: Bundeskanzler Dollfuß drohte angesichts des wachsenden NS-Terrorismus und der Propaganda der NSDAP für die Gleichschaltung Österreichs mit dem Deutschen Reich, die Frage vor den Völkerbund zu bringen. Als Antwort darauf erließ die Deutsche Reichsregierung am 1.6.1933 das Reichsgesetz über die Beschränkung der Reisen nach Österreich (Tausendmarksperre), was für den österreichischen Fremdenverkehr verheerende Folgen haben mußte. Darauf (19.6.1933) wurde die NSDAP (Hitler-Bewegung) in Österreich verboten. Die Zeit schien also nicht gerade günstig, einen prominenten Exponenten des deutschen Geisteslebens nach Österreich zu einem Ehrendoktorat einzuladen. Das Vorspiel zur Verleihung nahm folgenden Verlauf: Die „Aktion Ehrendoktorat für Staackmann“ begann Anfang 1933 wohl damit, daß sämtliche lebende österreichische Autoren des Verlags den Wunsch äußerten, Staackmann eine Ehrung zu bereiten, „welche das Gefühl unauslöschlicher Dankbarkeit und ungetrübter Verehrung für diesen unvergleichlichen Freund und Wegbereiter des österreichischen Geisteslebens zum Ausdruck bringt“.[26] Als Kontaktmann zur Universität Innsbruck diente Autor Rudolf Greinz in Tirol. Schon am 6. März 1933 setzte das Professorenkollegium der Phil. Fakultät der Universität Innsbruck einen Ausschuß ein, um die Angelegenheit zu überprüfen. Voraussichtlicher Termin der Promotionsfeier: Juni 1933. Antragsteller in der Fakultät und Ausschußmitglied war Staackmann-Wortführer und Junggermanist Moriz Enzinger. Hierauf setzte sich der Ausschuß mit der Österreichischen Gesandtschaft in Berlin in Verbindung, um sozusagen von außen die Entscheidung in Wien zu beeinflussen. Gesandter Stephan Tauschitz schrieb dem Akademischen Senat der Universität einige Tage, bevor er das Auswärtige Amt in Wien darüber informierte, am 7. 4. 1933, er befürworte „auf das nachdrücklichste das Ersuchen der genannten österreichischen Autoren um Verleihung des Ehrendoktorats der Philosophie an Herrn Staackmann“. [27] Eine solche Promotion schien Tauschitz „durch die unvergänglichen Verdienste Staackmanns um das österreichische Geistesleben ebenso gerechtfertigt“ zu sein, „wie sie geeignet wäre, eine sowohl in geistiger wie wirtschaftlicher Hinsicht überaus wesentliche Beziehung zwischen Österreich und dem Reich auch für die Zukunft zu festigen und zu vertiefen“ (ebda.). Dem Bundeskanzleramt (Ausw. Angelegenheiten) teilte er am 11.4. mit, Staackmann habe „sich in einer Zeit, in der sich die Mehrzahl der großen Verleger im Reich den österreichischen Autoren versagte, zum Wegbereiter und Verkünder der österreichischen Eigenart deutscher Dichtung gemacht“[28] , und ersuchte um Berücksichtigung des Antrags. Das Außenamt hatte keine Bedenken und schloß sich der Äußerung des Gesandten Tauschitz, der mit Staackmann persönlichen Kontakt aufnahm, an. Nur das Unterrichtsministerium konnte zu wenig Begeisterung aufbringen, um auch von sich aus „ingerent“ zu werden. Die Argumente: Staackmann sei 1929 „in genügender Weise gewürdigt“ werden, so daß das Ehrendoktorat „einer österr. Universität kaum in Betracht gezogen werden könnte.“ Außerdem habe Staackmann seit der letzten österreichischen Auszeichnung „kaum so bedeutende neue Verdienste erworben, (…) daß diese besonders hohe Auszeichnung für ihn nunmehr in Frage kommen könnte“. So noch die vorherrschende Meinung des Ministeriums im April, doch es blieb dem Professorenkollegium in Innsbruck am 15. Mai und dem akademischen Senat am 24. Mai unbenommen, den Antrag auf Verleihung des Ehrendoktorats an Staackmann zu genehmigen. Am 26. Mai 1933 wurde der Antrag an das Ministerium in Wien mit dem Ersuchen um Befürwortung weitergeleitet.

Bevor wir die weiteren Entwicklungen referieren, scheint es wichtig zu sein, zum Verständnis des Stellenwerts der Literatur des Staackmann-Verlags in akademischen Kreisen im Österreich der 30er Jahre einen längeren Auszug aus dem Ausschußantrag vom 9. Mai 1933, der mit sieben Unterschriften, darunter der Enzingers, versehen ist, zu zitieren:

Alfred Staackmann begann seine Verlagstätigkeit in Leipzig zunächst in bescheidenen Grenzen. Er hatte aber dann den Mut, die Werke Roseggers zu verlegen und veranstaltete schließlich von diesem Schriftsteller sogar eine schöne Gesamtausgabe. Das war zu jener Zeit nut großem Risiko verbunden, denn im Reich lautete die Parole: Austriaca non leguntur. Bald nahm er immer mehr österreichische Dichter in Verlag, so daß man ruhig sagen kann, daß er fast die Hälfte der österreichischen Literatur der letzten 30-40 Jahre gemacht hat. So manches Werk, das sonst den Weg an die Öffentlichkeit nur schwer gefunden hätte, so mancher Dichter, der sonst kaum Beachtung gefunden hätte, wurde durch ihn weit verbreitet. Im Laufe der Zeit hat Staackmann eine namhafte Liste österreichischer Dichter und Schriftsteller verlegt, aus der die wichtigsten Namen angeführt seien: Die Wiener Ertl, Wildgans, Schreyvogl, die Deutschböhmen Watzlik, Strobl, Hohlbaum, Ginzkey, Rainalter, die Steirer Rosegger und Bartsch, die Tiroler Schönherr und Greinz und der Banater Schwabe Adam Müller-Guttenbrunn.
Bei der eigenartigen Stellung, die die österreichische Literatur im Bereich der gesamtdeutschen einnimmt, (österreichische Dichter werden außerhalb der Grenzpfähle bis auf wenige Ausnahmen kaum gelesen, man braucht nur an das Beispiel Grillparzer zu erinnern, österreichische Verleger drangen im Reich nicht durch), bei dieser eigenartigen Stellung hat sich Alfred Staackmann um die österreichische Literatur Verdienste erworben, die man schon heute als hervorragend bezeichnen muß. Er hat der modernen österreichischen Literatur im Reiche erst den Boden bereitet und ihr Geltung und Anerkennung verschafft. So ist vom rein literarischen Standpunkt die Tätigkeit des Verlegers Staackmann wärmstens zu begrüßen und zu würdigen.
Aber auch die nationale Seite der Frage darf nicht unerwähnt bleiben. Was allein das Werk Adam Müller-Guttenbrunns für das Deutschtum in Ungarn bedeutete, ist heute allgemein bekannt. Die Deutschen fühlten sich wieder als Deutsche, fanden einen nationalen Rückhalt und bewahrten ihr Deutschtum, ja begannen es nun erst recht zu pflegen.
Und in Böhmen lagen die Dinge ähnlich. Auch hier hat sich Staackmann als ein Freund und Förderer der deutschen Literatur bewährt.
Aus diesem Grunde sieht sich der Ausschuß veranlaßt, an die Fakultät mit dem Vorschlag heranzutreten, man möge Herrn Alfred Staackmann anläßlich seines 60. Geburtstages wegen seiner bedeutenden Verdienste um die neuere österreichische Literatur das Ehrendoktorat verleihen.
Innsbruck, am 9. Mai 1933.

Für die Herren Germanistik-Professoren in Innsbruck lag also zwischen Grillparzer und den Staackmann-Autoren in Österreich nichts Nennenswertes, woraus hervorgeht, daß die Kunde von den über drei Dutzend österreichischen Autoren im S. Fischer Verlag nicht nach Innsbruck vorgedrungen ist.

Doch hatte es inzwischen die bereits erwähnten politischen Ereignisse gegeben, und außerdem geht aus den Akten hervor, daß Staackmann-Autor Guido Zernatto gegen eine Verleihung aufgetreten war. Grundsätzlich und letzten Endes befürwortete das Unterrichtsministerium die Verleihung, wie Rudolf Greinz seinem Freund, dem Rektor der Universität Innsbruck, am 16. Juni mitteilte:

Die Sache ist im zustimmenden Sinn erledigt, vom Minister aber noch nicht unterschrieben und wird vorläufig liegen gelassen, da man den Zeitpunkt für eine solche Ehrung im Augenblick einer solchen politischen Hochspannung zwischen Österreich und Deutschland nicht für günstig hält. Der Akt wird aber in „wohlwollender Evidenz“ gehalten und sobald dies „opportun“ erscheinen wird, vom Minister unterschrieben und dem Außenamt weitergegeben werden.[29]

Greinz meinte sogar, dies könnte „wirklich noch in diesem Semester“ oder „gar zu Beginn des Wintersemesters erfolgen“. Er täuschte sich. Laut Aktenvermerk des BMU vom 22. Juni müsse man sich nun fragen, „ob unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Verleihung des Ehrendoktorats einer österreichischen Hochschule von dem genannten Verleger in Leipzig (…) tunlich erscheint“.[30] Wenige Tage nach dem Verbot der NSDAP in Österreich war sie wohl nicht „tunlich“. Greinz wußte auch am 8. Juli anderes zu berichten:

Soeben erhielt ich von meinem Verleger und treuen Freund die Nachricht, daß die Regierung in Wien gesonnen sei, die erforderliche Unterschrift zu seiner Ehrenpromotion an der Innsbrucker Universität zu geben.[31]

Nur war der Bruder Alfred Staackmanns, Wilhelm, „dieser Tage“ gestorben, was ihn verhindert hätte, an der Feier teilzunehmen. Die Sache schlief dann ein, aber aufgeschoben war nicht aufgehoben … Greinz blieb am Ball, die Professoren in Innsbruck auch: im Juni 1936, also drei Jahre später, wurde an eine Wiederaufnahme der Angelegenheit des Ehrendoktorats für Staackmann gedacht. Wodurch das erneuerte Interesse motiviert war und ob mit der bevorstehenden Unterzeichnung des „Juli-Abkommens“ ein Zusammenhang bestand, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall war das BM für Unterricht unter Hans Pernter nun „geneigt“, der Verleihung die Zustimmung zu erteilen. Mitte September 1936 lag die Sache noch unerledigt im Ministerium – meinte man jedenfalls – und neben anderen war auch der zu Ehrende, Staackmann, der zum 70. Geburtstag von Rudolf Greinz am 16. August in Innsbruck weilte, etwas ungehalten; oder, wie es in einem Brief von Prof. A. R. Franz an den Rektor der Universität Innsbruck am 18. September heißt, sei Staackmann „über die neue Verzögerung, da doch der Friedensschluß mit Deutschland die Sache nur noch begünstigt haben sollte, sehr betroffen, wurde sich aber andererseits, wenn die Sache doch zustande käme, unendlich freuen“. [32] Doch unbekannterweise war die Genehmigung schon am 1. September erteilt worden. Mittlerweile wurde hinter den Kulissen mit Inszenierungsplänen begonnen. Ob Zernatto der Feier beiwohnen würde, blieb ein Fragezeichen. Staackmann wollte seinen Aufenthalt in Österreich anläßlich der Promotion dazu benützen, mit Zernatto in dessen Eigenschaft als Verlagsautor und als Buchhändler „eine wichtige geschäftliche Besprechung abzuhalten“.

Die Promotionsfeier fand am 7. November 1936 statt. Neben den üblichen Honoratioren und „Staackmännern“ waren übrigens alle farbtragenden akademischen Verbindungen ohne Unterschied ihrer Einstellung in Couleur zugegen. Staatssekretär Zernatto kam aber nicht, sondern ließ sich durch Staatsrat Dr. h.c. Franz Karl Ginzkey vertreten.

Zeugnischarakter haben die zwei Hauptreden, die anläßlich der Feier gehalten wurden. Wüßte man nicht im vorhinein, worum es sich handelte, könnte jemand, der sich dorthin verirrt hatte, gemeint haben, bei der Jahresversammlung der Botaniker oder des Bauernbundes zugegen zu sein. Halten wir zunächst fest, daß laut Urkunde die Verleihung „In Würdigung seiner Verdienste um das Schrifttum Österreichs und des Grenzlanddeutschtums“ erfolgte. Denn „Deutschtum“ wurde bei der Feier in Innsbruck etwas überstrapaziert. Die Laudatio hielt Rektor Dr. A. Schmitt, und für ihn war der Staackmann-Verlag das lebende Beispiel der stammesgeschichtlichen Literaturgeschichte. Hier Auszüge aus seiner Rede:

Es sei mir nun gestattet, die Bedeutung dieser Ehrung kurz hervorzuheben. Es könnte auffallen, daß sie einem Nichtwissenschaftler gilt, einem Mann des praktischen Lebens. Das Bedenken hätte einen Sinn, wenn der Beruf eines Verlegers wirklich nur eine technisch-kaufmännische Sache wäre. Es mag ja sein, daß manchmal nur diese Seite gesehen wird, und man erkennt das am gespannten Verhältnis zwischen Autor und Verleger, wo der eine glaubt übervorteilt zu werden, und der andere, zu großes Risiko zu tragen. Doch der Verlegerberuf hat eine weit wichtigere und tiefergreifende Seite, die ideale, die recht gepflegt, nicht nur für den Autoren [sic], sondern für die ganze Literatur und Kultur eines Volkes von einschneidender Bedeutung ist. Da ist dann auch das Verhältnis zwischen Verleger und Autor ein ganz anderes. Und daß es in unserem Fall ein solch ideales Verhältnis war, zeigt am besten die Tatsache, daß gerade die bei Staackmann verlegten österreichischen Dichter es waren, die sich um die Verleihung des Ehrendoktorates bemühten. Bleiben wir ein wenig bei dieser idealen Aufgabe des Verlegers. Literatur ist ein Stück geformtes Leben – und dieses vom Dichter geformte Leben soll wieder fortwirken – der Vermittler vom Autor zum Publikum ist der Verleger. Besonders Dichter sind wie die Blumen Sonnenkinder; sie brauchen die Sonne der Öffentlichkeit, um sich recht entfalten zu können, um ihrem Volk das sein zu können, was sie ihm sein wollen und sollen. Manch wertvolles Talent ist verkümmert, well es zeitlebens im Winkel und im Schatten stehen mußte, sich nicht allein zum frohen Lichte durchdringen konnte; manch andere haben wenigstens nicht den ihnen gebührenden Platz erhalten. Es fehlte der kundige und liebevolle Gärtner, der sie aus dem Dunkel zum Lichte geführt hätte. Da setzt nun die ideale Aufgabe des Verlags ein. Mit seinem Verständnis muß er die wahren Talente erkennen und, da er ja nicht alle Gebiete pflegen kann, die rechte Auswahl treffen, muß ihnen den Platz an der Sonne anweisen, den sie brauchen; er muß mit dem geistigen Leben seines Volkes vertraut sein und mit Hilfe von Beratern sich immer mehr vertraut machen. Und nicht nur Vertrautheit ist nötig, sondern eine heilige Begeisterung für die Literatur seines Volkes, eine Begeisterung, die ihn auch wagen und opfern läßt für das ideale Ziel. Und schließlich muß er eine große Verantwortung tragen in moralischer, politischer und ästhetischer Hinsicht.
Das sind die Eigenschaften, das ist die geistige Arbeit, die heute geehrt werden soll. Denn Staackmann hat diese Aufgabe für eine ganze Reihe von österreichischen Dichtern geleistet. Er hat ihnen zur Verbreitung im deutschen Reich verholfen, und das zu einer Zeit, wo österreichische Autoren im Reiche nicht durchdrangen, sei es, daß der österreichische Verlag zu eng begrenzt war, sei es, daß man damals nach dem Spruch handelte „Austriaca non leguntur“.
Ich kann hier nur eine Auswahl von Dichtern bringen, die durch Staackmann gefördert wurden. Einer der ersten die auf diesen Verlag übergingen und so weitere Verbreitung fanden, war Rosegger, neben dem Steirer Rosegger dann Rudolf Hans Bartsch, die Wiener Emil Ertl, Anton Wildgans, Theodor Heinrich Mayer, Friedrich Schreyvogl, der Niederösterreicher Hans Sterneder, die Kärntner Gustav Renker und Guido Zernatto, der Krainer Friedrich v. Gagern, von den Sudetendeutschen Franz Karl Ginzkey, Rudolf Haas, Robert Hohlbaum, Karl Hans Strobl, und des Böhmerwälders Hans Watzlik und nicht zuletzt die Tiroler Rudolf Greinz und Karl Schönherr.
(…)
Fast alle Bücher dieser Autoren zeigen engen Zusammenhang mit der Landschaft, der sie entstammen, sind keine Großstadtschöpfungen, sondern spiegeln die Naturverbundenheit des Österreichers. So hat der Verleger nicht nur die Dichter selbst im Reiche bekanntgemacht, sondern auch das Verständnis der österreichischen Eigenart kräftig gefördert. Sein Verdienst liegt also nicht nur in der Förderung der einzelnen Autoren, sondern auch darin, daß er die österreichische Art, österreichische Natur-Landschaftsverbundenheit bekannt gemacht, für das Grenzlanddeutschtum gewirkt und vor allem dazu beigetragen hat, daß die Bewohner der beiden deutschen Staaten, wenn sie auch in der Politik die von ihrer Mission gewiesenen Wege gehen, doch in kulturellen Belangen sich gegenseitig verstehen, schätzen und lieben gelernt haben.
So wird sich nun niemand mehr wundern, daß diese österreichischen Dichter, um in einem Bilde zu sprechen, je ein Reis aus ihrem Lorbeerkranz nahmen, um daraus einen neuen Kranz zu winden, um ihn ihrem Gönner und Förderer in Form des Ehrendoktorates aufs Haupt setzen zu lassen. Und well sie zum großen Tell in der Alpenwelt verhaftet sind, war es nur natürlich, daß sie an eine alpenländische Universität herantraten mit der Bitte, diesen Wunsch zu verwirklichen. Die philosophische Fakultät ist diesem Wunsche entgegengekommen, und nachdem das Bundesministerium f. Unterricht seine Zustimmung gegeben, habe ich nur noch die angenehme Pflicht, Herrn Staackmann zu dieser Ehre zu beglückwünschen. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange in diesem idealen Sinn zu arbeiten und möge er unserem Österreich und der Innsbrucker Universität ein freundliches Andenken bewahren.[33]

Während der Rektor seine Bilder aus dem Bereich der Gärtnerei holte (Autor-Verleger = Blume, Sonnenkind – liebevoller Gärtner) appellierte Staackmann an alpenländische Gefühle, bemühte sich, kein Bundesland auszulassen, wobei „das liebe Land Tirol und deren Menschen“ besonders hervorgestrichen wird. Tirol nehme „einen überragenden Platz“ ein. „Und das leidvoll geliebte Land im Süden, der Garten Gottes, hat in zahlreichen großen Werken einen immer aufs neue ergreifenden Niederschlag gefunden, während der Vogelweider und Andreas Hofer, jeder in seiner Art, das Deutschtum durch Lied and Tat versinnbildlichen.“ Staackmann variiert das Bild des „liebevollen Gärtners“ mit dessen pflegebedürftigen „Sonnenkindern“ und „Blumen“: er sieht sich als Überbringer der norddeutschen Erde in das Alpenland hinein:

Die landschaftliche Sehnsucht des Norddeutschen gilt dem Süden. Aber nicht Italien allein, das ewige und zumeist unheilvolle lockende Ziel schon der alten Germanen ist es, nach dem sich diese Sehnsucht drängt – auf dem Wege zwischen dem Norden und Italien stehen die Alpen, die herrlichen gewaltigen Berge und diese Berge sind es, die mit magnetischer Kraft immer und immer wieder den Nordmenschen anziehen. Das Deutschtum der Alpenländer, die ehrwürdige Ostmark, die der Menschheit so unsagbar viel an kulturellen Werten geschenkt hat, hat auch von jeher in reger geistiger Verbindung zu den Brüdern im flachen Norden gestanden.
(…)

Staackmann weiter:

Es würde zu weit führen, in diesem Rahmen die unendlich reichen Wechselbeziehungen der deutschen und österreichischen Dichtung aufzuzählen. Beide sind ja im Grunde eines, sind deutsche Dichtung im umfassenden Sinne, aber durch ihre jeweilige Gebundenheit an und Verbundenheit mit der Landschaft durchaus eigenwillige und selbständige Kinder der Muse.

Österreich und seine Dichtung bestünden also laut Staackmann bloß aus den Bergen und Bundeslandliteratur. Und das kann er auch nachweisen. Was den Norddeutschen besonders reize, sei die Verbundenheit mit der Scholle, weg von einer „herandrängenden anderen Kultur“. Was Staackmann hier verschlüsselt meinte, wird seinen Zuhörern klar gewesen sein. Die Österreicher seien ja Menschen der Berge:

Wenn die Dichtung des deutschen Alpenlandes Österreich immer ihre große Freundesschar im Deutschland des Nordens hatte, so liegt das in erster Linie an den neuen farbigen und lebendigen Bildern der Erde, die uns Norddeutschen diese Dichtung vermittelte. Die Sehnsucht nach der großartigen Formenfülle und landschaftentsprungenen Ausdruckskraft der Alpen gebar im Deutschen des Nordens eine große Liebe für die Berge und ihre Menschen und diese Liebe mußte dort am tiefsten Wurzel schlagen, wo sich die Menschen der Berge bewußt und unablässig zum Deutschtum bekannten, sich nicht in einem farblosen Internationalismus und in eine schwer verständliche Verbrüderung mit anderen Nationen begaben, sondern stolz darauf waren Deutsche zu sein, Deutsche in dem Sinne, dem deutschen Kulturkreis anzugehören und an dessen Entwicklung mitschaffen zu können. Diese Menschen der Berge sind aber vor allem, von Bayern abgesehen, nur die Österreicher!

Und nun geht es in der Rede Staackmanns auf BundesIändertournee: erste Station ist die Steiermark!

Aber es war ein guter Stern, unter dem mein Vater zum ersten Male die Hände über die politische Grenze ins alpendeutsche Bruderland hinüberstreckte. Und dieser gute Stern hieß: Peter Rosegger. Mit ihm, einem der ganz Großen des österreichischen Schrifttums, hatte der Verlag die erste und kraftvollste Bindung zu Österreich hergestellt. Hier war ein Stück Österreich dem deutschen Fühlen nahegebracht worden, das zum wertvollsten Schaffenskreis des deutschen Menschen überhaupt gehörte und für alle Zukunft gehören wird. Es ist wohl kein Zufall, daß sich die deutsche Alpendichtung gerade in jenem Lande zu ihrer reichsten Fülle fand, wo die Berge schon der ungarischen Tiefebene entgegen verflachen und die deutsche Art und Sprache vom ungarischen Kulturkreis abgelöst wird. Kein Zufall, denn überall in deutschen G r e n z l a n d e n, sei es nun im Süden, Norden, Osten oder Westen, erwächst dem germanischen Kulturwillen aus dem Gegensatz zur herandrängenden anderen Kultur höchste Kraft und Wille zur Abwehr. In Peter Rosegger hatte dieser deutsche Grenzgeist stärksten Ausdruck gefunden, ohne daß er vom Dichter selbst jemals auch nur im Entferntesten betont worden wäre. Roseggers Heimat ist letztes deutsches Land im Osten und durch die Dichtung zugleich das Österreich der norddeutschen Sehnsucht geworden. (…)

Die Steiermark ist für Staackmann überhaupt ein friedliches Stück deutscher Erde:

„Aus ihrer Landschaft sollt ihr sie erkennen“, darf ich da wohl sagen, ob ich nun von der Steiermark des Südens, von der Schwermut des Herbstes in dem slawennahen Land der Weingärten oder von Steiermarks Hauptstadt spreche, in deren alten Gassen und bunten Garten sich Nord und Süd des Landes zusammenfinden.

Nächste Station ist Wien, der Aufenthalt eher kurz:

Von Graz aus aber führt ein direkter Strang, führt die „Bahn über den Berg“, über die Hügelwellen des Wiener Waldes, an jener Stätte vorbei, wo ein Eigenes um die Erkenntnis letzter göttlicher Dinge singt, nach der gewaltigen Residenz des Landes Österreich, nach Wien. Es ist mir eine Freude und Erfüllungsteil meines Lebenswerkes, daß alles, was an dieser schon etwas ostwärts gerichteten, von vielen völkischen und rassischen Strömungen durchzitterten Riesenstadt deutsch im Sinne aller großen Meister ist, seine Spiegelung durch in meinem Verlag erschienene Arbeiten erhalten hat. Zwar habe ich niemals versucht und auch gar nicht wagen können, dem Verlag eine wienerische Note in der allgemeinen Bedeutung dieses Wortes beizulegen. Aber in den durch den Verlag vertriebenen Büchern werden den mit Wien aufs engste verbundenen Musikheroen, wie Schubert und Beethoven, unvergängliche Denkmäler gesetzt, erklingt in herrlich reinen Tönen „Ein ganzes himmlisches Orchester“ und wir erleben weiter in diesen Büchern auch jenes Wien, das seit Jahrhunderten Vorposten des Deutschtums war und dieses in heldenmütigen Kämpfen gegen aus dem Osten hervorbrechende fremde Völker geschützt hat. Wir erleben Wien in der entzückenden Biedermeierzeit und besitzen auch ein entzückendes Dokument an jenes „gespenstische“ Wien aus den Jahren, die kurz nach dem Krieg folgten.

Daneben gebe es – so Staackmann – „aber überhaupt kein Land des so reichen Österreich, das nicht irgendwie auch mit dem Schaffen des Staackmann Verlages verbunden wäre“. Salzburg habe ja seinen „großen Geist“ Mozart, und die Festung Hohensalzburg dürfe man nicht vergessen.

Auch die Dichtung des stillsten der Alpenländer, Kärntens hat in meinem Verlag eine Heimat gefunden – das Land der dunklen Alpenseen mit ihrer Mystik, überkrönt von hohen Bergen, auf denen uralte Bauerngeschlechter im steten Kampf mit den Naturgewalten oder auch gegen den kriegerischen Ansturm fremder Völker um die Heimat der Väter ringen. Kärnten hat auch die deutsche Lyrik der letzten Jahre um eine erdhafte, starke, kostbare Frucht bereichert. (…)

Nächste Station: Oberösterreich:

Aus den Gefilden Oberösterreichs aber erhebt sich im Roman die Gestalt seines größten Sohnes, Anton B r u c k n e r, der heute unter der Orgel von St. Florian die letzte Ruhe hält.[34]

Endlich führt Staackmann der Weg nach Innsbruck (s.o.).

Staackmann schmückte sich im Reich noch gern mit seinem Dr. h.c. aus Innsbruck. Die nächste Ehrung wegen besonderer Verdienste – die Goethe-Medaille – überreichte ihm Adolf Hitler . . .

Anmerkungen

[1] Quellenhinweise: AVA, BMU, Fasz. 2634, Geschäftszahl 41.374-1/2/1930, Geschäftszeichen 14-2; Grundzahl: Reclam; Universitäts-Archiv, Universität Graz, Dek. Zl. 725 ex 1928/29, 406 ex 1928/29, 564 ex 1930/31, 890 ex 1930/31, 906 ex 1930/31, 955 ex 1930/31; Anzeiger, 72. Jg., Nr. 9, 27.2.1931, S. 46; ebenda, 69. Jg., Nr. 41, 12.10.1928, S. 200-201; ebenda, Jg. 1928, Nr. 40, 5.10.1928, S. 191-192.

[2] Antrag an das BMU in Wien (Universitäts-Archiv, Universität Graz). Verf. dankt Herrn Dr. Karl Wagner (Wien) für die Übermittlung der Unterlagen aus dem Universitäts-Archiv in Graz.

[3] Schreiben des Dekanats der philosophischen Fakultät vom 10.12.1930 an das BMU in Wien. Zl. 564 ex 1930/31.

[4] Schreiben im Univ.-Archiv, Graz. Zl. 906 ex 1930/31.

[5] Auswahl der Quellenhinweise: AVA, Präsidentschaftskanzlei, Jahr 1929, Zahl 8306/29; AVA, BMU, Geschäftszeichen: 14-2; Fasz. 2635, Gdzl. Staackmann, Geschäftszahl 11.582-1/l, 66/1933 sowie Geschäftszahl 15.047-1,1/1933 sowie Geschäftszahl 22.008-1/1/1936; Universitäts-Archiv, Universität Innsbruck, Akt Staackmann-Promotion. Verf. möchte Herrn Univ.-Doz. Dr. Gerhard Oberkofler für die Übermittlung der umfangreichen Unterlagen zur Verleihung des Ehrendoktorats an Alfred Staackmann sehr herzlich danken. Der Einfachheit halber werden betreffende Unterlagen aus diesem Bestand mit „Archiv Innsbruck“ identifiziert: 60 Jahre L. Staackmann Verlag. Leipzig 1929. Weitere Quellen werden an der betreffenden Stelle genannt. Anläßlich der 50jahrigen Wiederkehr der Verlagsgründung 1919 erschien die Schrift: L. Staackmann Leipzig. Gedenkblatter zum 1. Oktober.

[6] Frdl. Mitteilung an den Verf. von Dr. Friedrich Vogel in Linden bei München (L. Staackmann Verlag KG) vom 19.7.82.

[7] 60 Jahre Staackmann Verlag. Leipzig 1929, S. 6.

[8] BC, Nr. 45, 6. 11. 1912, S. 642 f.

[9] BC, Nr. 37, 10. 9. 1913, S. 496.

[10] Bericht über die Industrie, den Handel und die Verkehrsverhältnisse in Niederösterreich während des Jahres 1913. Dem k.k. Handelsministerium erstattet von der Handels- und Gewerbekammer in Wien. Wien 1914, S. 560. In den vorangehenden zwei Anmerkungen wurde nach dem Auszug aus dem betreffenden Bericht, der regelmäßig abgedruckt wurde, zitiert.

[11] Anm. 7, S. 38.

[12] Ebenda, S. 42.

[13] Zu diesem Komplex siehe: KARL KRAUS. Briefe an Sidonie Nadherný. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1977 sowie Die Fackel, Nr. 398, Ende April 1914, 22-28 und ebda., Nr. 406-412 vom 5. Oktober 1915, S. 39-51.

[14] ROBERT MUSIL. Tagebücher. Hg. Adolf Frisé. 2 Bände. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1976, Band 1, S. 624.

[15] ROBERT MUSIL. Der Anschluß an Deutschland. In: R.M. Gesammelte Werke. Hg. Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, Band 8, S. 1033-1042; hier S. 1037.

[16] Der Verlag L. Staackmann. In: Österreichische Woche (Wien), 1. Jg., Heft 37, 14.12.1924, S. 10-12; bes. S. 10. Aufgenommen wurden Fotos von mehreren „Staackmännern“ sowie Kurzanzeigen von diversen Werken.

[17] Alfred Staackmann. In: Der getreue Eckart (Wien), Jg. 7, 1929/30, Band 1, S. 178-179; hier S. 178f.

[18] Dr. E. STARKLOFF, Im Kampf um nationales Schrifttum. Dem deutschen Verleger Alfred Staackmann zu seinem 60. Geburtstag. In: Heimgarten, 57. Jg., 10. Heft, 20. 5.1933, S. 303-304; bes. S. 303. In diesem Zusammenhang wird auf eine Würdigung durch „H.L.R.“, d.i. Hans Ludwig Rosegger in Roseggers Heimgarten, 44. Jg., 1. Heft, Oktober 1919, S. 46 f. sowie auf den Aufsatz „Erinnerungen an Peter Rosegger“ von Alfred Staackmann in: Heimgarten, 57. Jg., 15. Heft, 29.7.1933, S. 460-462 hingewiesen.

[19] Völkischer Beobachter. Wiener Ausgabe, Nr. 65, Do., 6. 3. 1941, S. 5.

[20] Völkischer Beobachter. Wiener Ausgabe, Nr. 274, So., September 1939, S. 6.

[21] Dazu u.a.: Wilhelm Staackmann – 50 Jahre alt. In: Anzeiger, Jg. 1927, Nr. 15, 15.4.1927, S. 99, und „Schuberthaus-75 Jahre“. Ebda., 70. Jg., Nr. 39, 27.9.1929, S. 241 f.; Wilhelm Staackmann – 20 Jahre Musikalienhändler. In: Anzeiger, Jg. 1927, Nr. 35, 2.9.1927, S. 204.

[22] Siehe Anm. 14, Band 1, S. 684. Weitere Hinweise: Die Neue Literatur, 32. Jg., Oktober 1929-September 1930, S. 306; Die schöne Literatur, Heft 1, Januar 1930, S. 63.

[23] Die folgende Darstellung entstammt folgender Quelle: AVA, Präsidentschaftskanzlei, Jahr 1929, Zahl 8306/1929. Alle diesbezüglichen Aktenstücke sind unter dieser Zahl zusammengefaßt. Gegenstand: Verleihung des goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik.

[24] Ebenda. „Tabelle für einen Dekorierungsantrag des Bundeskanzlers (mit Zustimmung des Ministerrates vom 21. X. 1929)“.

[25] Im Anzeiger, 70. Jg., Nr. 48, 29.11.1929, S. 296 ist ein Schreiben Staackmanns auf die Gluckwünsche des Vereins der österreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhändler wledergegeben. Weitere Quellen zur Verlagsgeschichte: 60 Jahre Verlag Staackmann. In: Anzeiger, 70. Jg. , Nr. 41, 11.10.1929, S. 254; Festnummer der Österr.-ungarischen Buchhändler-Correspondenz, III. Teil, S. 16, Wien 1910.

[26] Zitiert nach einem Schreiben des Gesandten Tauschitz an das BKA (AA) vom 11.4.1933. Liegt bei AVA, BMU, Fasz. 2635, Zl. 11582-1, 66/1933.

[27] Ebendort.

[28] Ebendort.

[29] Schreiben Rudolf Greinz, Aldrans bei Innsbruck. Ansitz Rosenegg vom 16.6.1933. (Archiv Innsbruck) Wenn nicht anders vermerkt, stammen alle zitierten Unterlagen aus diesem Bestand.

[30] AVA, BMU, Fasz. 2635, Zahl 15.047-I, 1/1933. Handschr. Vermerk vom 22. Juni 1933.

[31] Akt Archiv Innsbruck.

[32] Schreiben im Akt Archiv Innsbruck.

[33] Der vollständige Text dieser Rede findet sich im Akt Ehrendoktorat Staackmann im Archiv Innsbruck. Ein von einem Insider gestalteter Bericht über die bevorstehende Promotion findet sich in Innsbrucker Nachrichten, 83. Jg., Nr. 251, Fr., 30.10.1936, S. 9. Er stammt von Prof. A.R. Franz. Ein weiterer Bericht über die Promotion erschien in: Innsbrucker Zeitung, Nr. 259, 7.11.1936 sowie in Neueste Zeitung (Innsbruck), Nr. 258, 7.11.1936, S. 2.

[34] Der Wortlaut dieser Staackmann-Rede erschien unter dem Titel „Ein Preislied Österreichs aus dem Munde eines deutschen Verlegers“ in: Innsbrucker Nachrichten, 83. Jg., Nr. 259, Mo., 9.11.1936, S. 5.

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